Samstag, 29. April 2017

Gut achten!

"Fahr mal rechts ran!"
Ein Freund ist am Telefon. Er wollte sichergehen, daß ich, wenn ich seine Neuigkeiten über die Freisprechanlage zu hören bekomme, keinen Unfall baue. So brisant seien die Inhalte. Es geht um ein Gutachten. Ausgefertigt von 16 Professoren, dem wissenschaftlichen Beirat des Bundesverkehrsministeriums.
Die Chancen der Digitalisierung im Taximarkt nutzen: Liberalisieren und Verbraucherschutz stärken; so der Titel des Werks.
Auf einem Parkplatz neben der Landshuter Allee höre ich die wesentlichsten Punkte. Ich notiere schnell mit.
- die quantitative Einschränkung der Taxigenehmigung soll entfallen
- die Rückkehrpflicht für Mietwagen soll es nicht mehr geben
- der ermäßigte Steuersatz für Taxis ist nicht mehr zu halten

Das Taximarkt-Gutachten

Das reicht mir schon. Mehr brauche ich nicht zu hören. Soll ich jetzt noch schnell meine Taxigenehmigung verkaufen? Soll ich versuchen die 32.000,-€ mitzunehmen? Ich könnte nach der Freigabe wieder eine Genehmigung beantragen und weiter Taxifahren. Wann würde die Freigabe in München kommen? Was mache ich in der Zwischenzeit?
Fragen über Fragen. Ich kann mich im Moment nicht damit beschäftigen. Ich war auf dem Weg zu einem wichtigen Termin, der meine ganze Aufmerksamkeit fordert. Ich informiere nur noch kurz meine Frau über die Änderungen die uns kurzfristig ins Haus stehen könnten.
Am nächsten Tag liegt mir das 23seitige Schreiben vor. Es hat es in sich! Es ist authentisch und voller Änderungsvorschläge die absolut wichtig für unser Gewerbe sind. Es betrifft ausschließlich die Taxi- und Mietwagenunternehmer - Beide! Und darauf wird es hinauslaufen. Mittelfristig wird es keinen großen Unterschied zwischen Taxi- und Mietwagenunternehmer mehr geben. Bedeutend ist wie künftig die Tarifpflicht behandelt werden wird. Wer die Preise für eine Fahrt festlegt. Wie unsere Fahrgäste informiert werden.  Welche Funktion ein Taxistand haben wird. Welche Rolle die Betreiber der Vermittlungsapps spielen werden. Wir werden mit einem neuen PBefG arbeiten müssen.
Nach zwei Tagen habe ich mich wieder etwas beruhigt. Meine Genehmigung werde ich in absehbarer Zeit nicht verkaufen. Zu ungewiß sind die Auswirkungen auf das Gewerbe. Nach dem Überdenken sehe ich etwas klarer. Das ist nur ein Gutachten. Immerhin von 16 Professoren, dem wissenschaftlichen Beirat, ausgefertigt. Die haben von der Praxis und auch von der Theorie keine Ahnung. Sie schreiben von staatlichen Stellen die bisher die Taxitarife festgesetzt hätten, sie definieren einen Mietwagen wie ein Taxi, ... Wenn ein angehender Taxiunternehmer beim Nachweis seiner fachlichen Eignung solche Antworten gibt, bekommt er dafür null Punkte. Vernunft und Politik sind zwei paar Stiefel.

Es wird nicht so heiß gegessen wie das Gutachten gekocht oder gestrickt ist. Jetzt ist die Zeit unserer Verbände, unserer Zentralen, und unserer Gewerbevertretungen Stellung dazu zu beziehen. Noch ist es nicht Gesetz, zeigt aber klar auf in welche Richtung die Reise gehen wird. 

Inzwischen bereite ich mich auf die bevorstehenden neue Umstände vor. Mit der notwendigen Gelassenheit Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, stelle ich mir  neue Fragen. Wie kann ich neue Kunden finden und bedienen? Wie kann ich mich positiv von den Mitbewerbern absetzen? Welche Vermittlungsangebote nehme ich an? Welche Netzwerke nutze ich? 

Gestern Nacht hat Spiegel online einen Artikel, dem das Gutachten zugrunde liegt veröffentlicht. Kollegen die sich aus erster Hand informieren wollen, können mir eine e-Mail an taxi(at)deutschland.ms schicken. In der Antwort sende ich dann das 23seitige, 319 KB umfassende, Gutachten als PDF-Datei als Anhang zurück. Oder ab jetzt noch einfacher -> hier herunterladen.
  Informiert euch aus erster Hand, zieht eure eigenen Schlüsse, stellt euch Fragen und sucht euch Antworten, die zu eurer eigenen  Situation im Taxigewerbe passen und hilfreich sind. Vor zwanzig Jahren standen an den Taxiständen die 200er oder 250er Daimler. Jetzt steht, zumindest in München,  in der gleichen Reihe ein 7er BMW hinter einem Dacia. Der Kunde steigt in der Regel in das vorderste Taxi - noch! Bei beiden bezahlt er für die gleiche Strecke den gleichen Preis -noch! Ohne Tarifpflicht ist das Taxi kein Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs mehr. Unter dieser Voraussetzung ist es schwer den ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7% zu halten. 

 Im Hotel in Prag haben wir ein Taxi bestellt. Der Portier stellt uns vor die Wahl; "Bei XXX ist es günstiger. YYY kostet etwas mehr - die haben aber auch die schöneren Taxis."  Es hat uns dann ein Kollege von der Firma YYY mit einem Audi A6 gefahren. Andere Taxis waren Fahrzeuge aus Japan voller Werbeaufkleber. Ich schätze mal das waren die von XXX. Das hat mir schon zu denken gegeben. Aber das ich so bald darauf mit der Thematik in Deutschland konfrontiert werde - davon war ich dann doch überrascht.

Unter dem Link kann das Gutachten heruntergeladen werden.-> -> Taximarkt Gutachten