Donnerstag, 31. Dezember 2009

Das gibt es noch

Der letzte Tag im Jahr 2009. Die Zeitungen und Radiosender sind voller Rückblicke über das vergangene Jahr. Mein Rückblick geht etwas weiter zurück. Dreißig Jahre – ich war in der vierten Klasse der Grundschule in Ebenhausen.

Wir Schüler warteten vor dem Schultor auf den Unterrichtsbeginn. Zweimal im Jahr fuhr ein abenteuerlich bepackter PKW vor das Schultor. Auf dem Dachgepäckträger war eine große Rolle, die Leinwand, befestigt. Durch die Fenster konnten wir auf den Rücksitzen die Lautsprecher erkennen. Der Fahrer stieg aus und verteilte einige Kopien die mit Wachsmattritzen gezogen wurden. Wenn ich mich daran erinnere habe ich wieder den beißenden Geruch der Abzüge in der Nase. Es waren Einladungen zu Filmvorführungen die dann nachmittags im Dorfgasthaus gezeigt wurden. Es waren die Karl May Verfilmungen mit Pierre Brice und Lex Barker. Winnetou I bis III, Der Schatz im Silbersee … . Im Gegensatz zu den Filmen im Fernsehen waren die Filme im Wanderkino in Farbe. Es gab schon Farbfernsehgeräte, diese waren aber sehr teuer. Bei Fußballübertragungen wurden die Geräte in die Gaststuben gestellt und der Wirt schrieb mit Kreide auf die Werbetafeln „ Heute um 19:30 Fußball … gegen … in FARBE“ . Ähnlich der Sky-Reklametafeln heute.

Als wir dann vor 10 Jahren unseren Taxibetrieb in der Theresienstrasse aufnahmen brauchten wir dringend Fahrer. Es war wieder Fußballeuropameisterschaft. Wir kopierten Einladungskarten in unser Büro zum Fußballschauen. Der Spaß war, das wir anpriesen: „in FARBE“

Als ich letzte Woche vor der Kirche wartete um die Fotos für den letzten Post zu machen, sprang mir ein kleines Werbeplakat ins Auge.


Das gibt es also noch. Das Wanderkino! Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Heute im Zeitalter des Farbfernsehens mit bis zu 40 Programmen, der Kinocenter in der nächsten Stadt, der Blue-Ray Player und den Internetplattformen zum Herunterladen der neuesten Filme. Das soll mein ganz persönlicher nostalgischer Rückblick für den letzten Tag im Jahr sein.

Montag, 28. Dezember 2009

Niko Santa Claus

In der St. Martin Kirche in Baar-Ebenhausen gibt es ein Krippenspiel, an das sich sogar noch mein Vater erinnert. Man schmeißt eine Münze, egal welche, in einen Opferstock und im Glockenturm einer kleinen Kirche beginnt die Glocke zu läuten. Das Kirchenportal öffnet sich und eine kleine Christkindlfigur kommt heraus. Das Licht in der Kirche geht an und man kann einen liebevoll ausgestatteten Innenraum erkennen. Zudem beginnt auch noch das Wasser aus einem Brunnen neben der Kirche zu rinnen. Der ganze Zauber dauert etwa 30 Sekunden und hat mich schon als kleinen Jungen begeistert. Dieses Weihnachten war es an der Zeit das meiner kleinen Tochter zu zeigen. Man muss nur abwarten bis die Kirche leer ist, sonst kommt man mit den Katholiken in Kontakt.



Nach dem Krippenspiel sehe ich an der Rückwand der Kirche ein interessantes Logo. Ein durchgestrichener Weihnachtsmann. Im Aushang daneben wird auch gleich erklärt was es darauf auf sich hat. Zunächst wartet man am Heiligabend auf das Christkind und nicht auf den Weihnachtsmann, steht da. Wenn ein Mann in der Adventszeit zu den Kindern kommt, ist es am Abend des 6.Dezenbers der Nikolaus und sonst niemand. Der Weihnachtsmann, der durch das Fernsehprogramm geistert, in den Auslagen der Geschäfte steht, auf Häuserfassaden klettert oder auf dem Tresen der Imbissstände tanzt, ist eine Erfindung der Marketing-Abteilung von Coca-Cola. Man erkennt den falschen Nikolaus an seinem roten Gewand und der lächerlichen Zipfelmütze mit weißem Bommel.


Der richtige Nikolaus kommt als Bischof. Als solchen trägt er ein Brustkreuz, einen Ring, den
Rauchmantel, den Hirtenstab und natürlich die Mitra. Die Insignien werden daneben mit Foto vorgestellt. An ein einem weiteren Aushang wird der Schokoladenweihnachtsmann mit dem Schokoladennikolaus verglichen. Bei dem richtigen Nikolaus ist eine Bezugsadresse angegeben.

Ich kenne aus dem angelsächsischen Raum den Brauch, dass am Abend des 24. am Kamin Schuhe aufgestellt werden. Der Weihnachtsmann, oder wer auch immer, springt von seinem Rentierschlitten durch den Kamin und befüllt das Schuhwerk mit Geschenken. Für Rudolph, dem rotnasigem Leitrentier steht auf dem Tisch ein Glas Milch. Der Weihnachtsmann schnappt sich das Platzerl daneben. Am Morgen des 25. ist dann Bescherung, der Keks ist weg und das Glas Milch ist ausgetrunken.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass Coca-Cola diesen Brauch auch eingeführt hat. Daher würde mich interessieren, wie den der Weihnachtsmann vor 1928 im U.K. oder den U.S.A. bekleidet war.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

El(l)mau

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Gestern Abend hatte ich noch eine Fahrt mit Kunden zum Schloss Elmau. Elmau liegt zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald im Wettersteingebirge. Das Elmau wird gerne verwechselt mit Ellmau (mit zwei l) am Wilden Kaiser in Tirol. Das ist hier am Flughafen einem Kollegen passiert. Nach zwei Stunden Fahrt, der Fahrgast war dort auch das erste Mal, stellten sie fest, dass sie jetzt noch mal 1,5 Stunden Richtung Westen müssen. Zwischen den beiden El(l)maus gibt es keine vernünftige Verbindung. Das Beste ist dann über die Inntal – Autobahn und Innsbruck zu fahren. Dann von Innsbruck über Seefeld sozusagen von hinten über Mittenwald nach Elmau.

Die letzten Kilometer fahre ich über eine Mautstrasse. Die Maut kostet 2,50 €. Die Mautstation ist aber selten besetzt. Ich denke mir bei 20 Fahrzeugen am Tag würde die Maut für den Lohn des Kassierers verwendet werden.

Der Anblick des weihnachtlich geschmückten Schlosses im Dunkel vor dem Bergpanorama war überwältigend. Ich habe leider das Foto verwackelt. Ich hätte ein Stativ und Selbstauslöser verwenden sollen. Heute habe ich nur noch eine Fahrt vom Flughafen, die mache ich noch und dann ist für die drei Weihnachtsfeiertage Schluss.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Tollwood


Das Tollwood – Festival kam ein Jahr nach mir nach München. Ich wohnte in der Dachauer Strasse, Nähe Leonrodplatz. Das erste Tollwood, 1988 war auf dem Gelände des Olympiaparks. Das war noch richtig alternativ. Es gab dort ein altes rot-blaues Zirkuszelt und höchstens zehn Stände. Die Künstler die dort auftraten, wie die Biermösl-Blasn oder Konstantin Wecker, hatten noch einen lokalen Bezug.


In der Zwischenzeit habe nicht nur ich mich, sondern auch das Tollwood sich verändert.




Drei Jahre später gab es dann noch das Winter-Tollwood auf dem Gelände an der Arnulfstrasse. Jetzt ist dort der ZOB, der Zentrale Omnibusbahnhof. Das Winter-Tollwood ist seit dem Jahr 2000 auf die Theresienwiese umgezogen. Die Theresienwiese ist auch der Platz auf dem jedes Jahr drei Monate vor dem Tollwood unser weltbekannter Landhausfasching stattfindet. Von einem Fahrgast, der auf dem Tollwood und auf der Wiesn einen Stand betreibt, weiß ich, dass sich die Standplatzpreise schon fast angeglichen haben. Das Programm hat sich auch stark verändert. Von Regional zu International. Von politischem Anspruch zu inhaltsleerem Kommerz.
Aber für eines ist das Tollwood in den Tagen vor Weihnachten interessant. Wer noch schnell phantasievolle Geschenke sucht wird hier fündig. In einer Stunde hat man den Arm voller kleiner Weihnachtsgeschenke. Wenn man sich noch eine Geschichte dazu ausdenkt, ist man auf jeder Weihnachtsfeier willkommen.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Genossenschaftliches Weihnachtsgeschenk

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit gibt es für die Mitglieder unserer Taxigenossenschaft ein Geschenk. Früher waren das Gutscheine für die genossenschaftseigene Waschanlage. Dann gab es jedes Jahr neue Geschenke wie Werkzeug, Umhängetaschen, Handtücher … Letztes Jahr waren Regenschirme an der Reihe.

Heuer gibt es etwas Technisches. An den Taxiständen stehen unsere Telefonrufsäulen. Durch ein optisches und akustisches Signal wird der eingehende Anruf angekündigt. Das Klingeln ist oft, besonders während der Nacht, sehr leise. Um keinen Anruf zu verpassen muss der erste Taxifahrer ständig auf die Blitz- oder Rundumleuchte achten. Bei manchen Taxiständen muss der Kopf schon ganz weit verdreht werden. Das ist bei langen Wartezeiten unangenehm.


Abhilfe schafft das diesjährige Weihnachtsgeschenk. Bei einem Anruf an der Rufsäule gibt diese einen Impuls an das kleine Kästchen, das im Taxi liegt. Jetzt piept das kleine Kästchen. Wir müssen nicht mehr in Erwartungshaltung auf die Säule starren.

Alle fünf Jahre

Es wird Zeit meine Taxigenehmigung zu verlängern. Die Genehmigung wird, auch wenn sie von einem Kollegen übertragen (gekauft) wurde. Zum Antrag auf die Verlängerung muss ich einen Kapitalnachweis von mindestens 2.500,- € bringen. Bei mir macht das die Bank. Sie bestätigt mir auf dem Formschreiben des KVR meinen Kontostand. Ein einfacher Kontoauszug wie zu meinen Anfangszeiten reicht nicht mehr aus. Viele Banken füllen das Formblatt nicht aus, dann bleibt den Kollegen oft nichts anderes mehr übrig, als sich das Eigenkapital vom Steuerberater oder von einem Wirtschaftsprüfer bestätigen zu lassen. Das kostet Zeit und Geld. Meiner Bank zum Dank kann ich mir das sparen.

Zum Kapitalnachweis muss ich noch Unbedenklichkeitsbescheinigungen meines Finanzamtes, der AOK, der Stadtsteuerkasse und der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen beibringen. Neu hinzugekommen ist, dass ich den letzten HU (TÜV) – Bericht im Original vorlegen muss.

AOK und Berufsgenossenschaft habe ich ganz schnell erledigt. Es genügte ein Anruf und zwei Tage später waren die Bescheinigungen im Briefkasten.

Bei meinem Finanzamt in der Deroystraße fahr ich selbst mit meinem Personalausweis und Steuernummer vorbei. Für das Amt ist nur das deutsche Finanzamt interessant. Früher habe ich mich beim Pförtner nach meinem zuständigen Sachbearbeiter erkundigt. Der schickte mich dann in das entsprechende Büro. Dort klopfte ich artig an, der Sachbearbeiter öffnete, hörte sich das Anliegen an und verschwand in einen Nebenraum. Meine neugierigen Blicke verfolgten ihn. In dem Raum neben seinem Büro waren Metallregale voller hellbrauner schmaler Aktenmappe. So eine fischte er heraus und stellte mir meine Bescheinigung aus. Zu meiner Anfangszeit noch mit einer Schreibmaschine.



Heute komme ich in das Amt und in einem verglasten Neubau betrete ich das Service Center des Finanzamtes. Direkt darunter ist sogar eine Tiefgarage, aber mein Taxibus ist dafür zu hoch. Im Service Center ziehe ich zunächst eine Nummer und warte und warte und warte im Wartebereich bis auf einem Monitor meine Nummer angezeigt wird. Die größte Fläche im Service Center neben voneinander abgeschirmte Schreibtische ein. Jeder einzelne Schreibtisch ist mit einem Buchstaben aus dem Alphabet benannt. Es geht tatsächlich bis Z. Endlich erscheint meine Nummer. Schreibtisch M. Jetzt geht alles ganz schnell. Die Abfrage geht über Rechner. Auf einem Formular auf dem Bildschirm werden nur noch meine Daten und ein Textblock eingefügt. Ich kann den Ausdruck gleich mitnehmen.

Schade, bei dem alten System konnte ich meinen Sachbearbeiter kennenlernen.

Sonntag, 13. Dezember 2009

In Ulm um Ulm ...

… und um Ulm herum gibt es auch Neu – Ulm. Ein Neu-Ulmer Taxifahrer hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es auf der anderen Donauseite auch noch Neu-Ulm gibt. Das soll auch hier erwähnt sein. Es gibt also zu den 70 Taxis in Ulm noch 35 Taxis in Neu-Ulm, die ich nicht vergessen lassen will. Zwischen den Ulmer und Neu-Ulmern gibt es manchmal auch, wie überall, kleine Konflikte um das Einzugsgebiet, und wo wer wen abholen darf.

Liebe Neu-Ulmer ich habe auch nicht vergessen, schließlich bin ich auch Rechts-der-Donau aufgewachsen.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

car2go

Ich hab sie auch gesehen, die kleinen weißen Smarts mit den blauen Dächern. Stehend und fahrend. -> Tony, unser Ortskundelehrer hat mich in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass ich etwas über das im Taxigewerbe mit Interesse verfolgte Projekt der Daimler AG schreiben solle.

Von Außen fallen die Smart fortwo CDI Fahrzeuge durch ihre wie oben beschriebene Lackierung auf. Und sie haben es in sich. Hinter der Windschutzscheibe innen auf der linken Seite ist ein Kartenlesegerät. In der Konsole befindet sich ein Telematikgerät mit Telefonruftaste. Im Handschuhkasten liegt der Zündschlüssel und eine Tankkarte.

Das Video ist kein Werbevideo, sondern das Ergebnis einer Pressekonferenz im März dieses Jahres

Um so ein Fahrzeug zu benützen muss man sich in der car2go-Registrierungsstelle registrieren lassen. Dabei wird die Bankverbindung angegeben. Es wird keine Kaution verlangt. Auf den Führerschein wird ein Siegel aufgeklebt. Unter dem Siegel ist ein Funkchip.

Jeder Teilnehmer kann jedes Fahrzeug benutzen. Die Smarts stehen an Parkspots in der Ulmer Innenstadt, auf eigens für car2go reservierten Parkplätzen in Parkhäusern oder auf öffentlichen Parkflächen. Zum Leidwesen der Taxifahrer sind einige dieser Parkspots sehr nahe an den Taxiständen. Die Fahrzeuge können über Telefon oder Internet vorreserviert werden.

Der Führerschein wir von außen an das Kartenlesegerät gehalten und die Fahrzeugtüre öffnet sich. In das Telematikgerät gibt man seinen persönlichen Sicherheitscode ein. Jetzt ist das Fahrzeug freigeschaltet. Mit dem Zündschlüssel aus dem Handschuhfach kann man das Fahrzeug wie gewohnt benutzen. Über die Ruftaste ist man jederzeit mit dem car2go-Team über Telefon verbunden. Will man das Auto nach dem Aussteigen weiter benutzen, wird es einfach mit dem Funkschlüssel abgesperrt. Ein Lämpchen am Kartenlesegerät signalisiert dem potentiellen car2go Nutzern: Dieses Auto ist besetzt. Wird das Auto nicht mehr benötigt, stellt man das Fahrzeug auf einem beliebigen öffentlichen Parkplatz im Stadtgebiet in (Neu-) Ulm ab und schaltet es einfach mit dem Funkchip im Führerschein wieder frei.

19 Cent bezahlt man für eine Minute, höchstens 9,90 € in der Stunde und höchstens 49,- € für einen ganzen Tag (24 Stunden). Versicherung und Reinigung inklusive. Anders als bei den meisten Autovermietern wird selbst das Benzin von car2go bezahlt. Jeder Nutzer darf car2go höchstens für 2000 Kilometer im Monat benutzen. Die car2go Leute tanken die Fahrzeuge. Die Smarts stehen betankt bereit. Mit der Tankkarte im Handschuhfach kann an jeder Shell Tankstelle in Deutschland nachgetankt werden.
Am 24.Oktober.2008 ist das Projekt mit 50 Fahrzeugen gestartet. Nutzer waren Anfangs nur ca. 500 Daimler Mitarbeiter und deren Familienangehörige. Inzwischen gibt es 200 Fahrzeuge und über 13.000 eingetragene Nutzer. Vor drei Wochen ist das gleiche Projekt in Austin, Texas gestartet. Daimler selbst sagt, dass Ulm für den gewinnbringenden Einsatz etwas zu klein wäre. Eine Befragung der Universität Ulm ergab, dass das Projekt bei 93% ! der Ulmer bekannt war. 80 % verwenden car2go für one-way-Fahrten. Typisch sei, mit dem car2go zur Party, Restaurant, ins Kino … zu fahren und mit dem Bus oder Taxi wieder zurückzukommen. Ulmer car2go Fahrzeuge waren auch schon in Leipzig oder Berlin. Die Gruppe der Berufspendler werden immer mehr. Interessant wäre auch ein Netzwerk über mehrere Städte, das könnte weitere Benutzergruppen zu car2go bringen.

Ich versuche mir auszumalen, was das für uns Taxifahrer bedeuten würde, wenn in München z.B. am Bahnhof ein Parkspot von car2go eingerichtet werden würde. Was ist mit den Flughafenfahrern, wenn die Kunden am Terminal in ein car2go Fahrzeug einsteigen und für 9,90 € in die Innenstadt fahren?

-> Was aus dem Pilotversuch geworden ist

Dienstag, 8. Dezember 2009

Non(n)sense in Ulm

Wir kommen abends im Hotel an. Alle sind geschafft vom Tagesprogramm. Wir haben noch eine Einladung vom Jungen Akademietheater Ulm. Um 20:15 Uhr wird im Alten Theater das Musical Non(n)sense aufgeführt. Dort sollen wir erscheinen. Die Gäste wollen den Abend frei verbringen.

Ich parke das Taxi und melde mich vom Datenfunk ab. Kaum bin ich um 20 Uhr im Hotelzimmer kommt der Anruf. Wir fahren doch. Ich sage noch; das wird aber knapp. Bis ich angezogen bin. Anzug, Krawatte, Anfahrt usw. Nein, dresscode casual genügt. Also runter zum Taxi. Vorfahren. Adresse besorgen. Gäste einsteigen lassen. Ich bekomme eine Adresse. Wir fahren los und finden auch das Gebäude mit der Aufschrift – JAT Junges AkademieTheater -. Wir laufen um das Gebäude. Die Zeit läuft auch. Hier ist zwar das richtige Gebäude, aber kein Theater. Ich finde in einen beleuchteten Kasten ein Plakat des Musicals. Dort steht als Adresse des Theaters die Wagnerstrasse. Inzwischen ist es 20:30 Uhr. Wir fahren sofort in die Wagnerstrasse. Zum Glück gibt es dort Parkplätze. Wir hetzen in das Theater. Das Foyer ist leer. Wir scheuen uns einfach in den Zuschauerraum zu gehen. Radislav öffnet dann doch die Türe und wir schleichen uns auf die nächsten Plätze.


Gegeben wird Non(n)sense, von Dan Goggin, eines der erfolgreichsten Musicals außerhalb des Broadways. Das Musical spielt in einer Klosterschule der Kleinen Schwestern von Hoboken in New Jersey. 19 Schwestern verlassen zum Bingospiel das Kloster. Im Kloster gibt es Fischsuppe. Die Bouillabaisse ist verdorben, als die Nonnen zurückkommen finden sie 52 ihrer Mitschwestern vergiftet, mit den Köpfen in den Suppentellern. Die Finanzmittel reichen nur für 48 Begräbnisse. Vier Schwestern werden in der Kühlanlage zwischengelagert. Jetzt kündigt sich auch nach das Gesundheitsamt zu einer Visite an. Das Kloster braucht schnell Barmittel. Die Oberin wählt vier Schwestern aus um mit Ihnen eine Benefizshow auf die Bühne zu bringen. Die Show ist ein buntes Feuerwerk aller Stilrichtungen der Unterhaltungskunst. Jede der Schwestern hat ihr eigenes Talent, dass sie auch einbringt. Durch einen unverhofften glücklichen Umstand schaffen es dann die Überlebenden doch noch, eine standesgemäße Beerdigung auf die Beine zu stellen.

Ich kannte das Musical noch nicht. Beim googeln und youtuben habe ich dann festgestellt, das die Inszenierung, die wir in Ulm gesehen haben, eine der Besseren war. Am Ende war ich froh, dass ich mir nach dem langen Tag doch noch den Stress angetan habe.

Samstag, 5. Dezember 2009

Jetzt weiß ich es genau

Am Morgen bin ich noch vor den Fahrgästen am Taxi vor dem Hotel. Ich komme mit den Taxikollegen aus Ulm ins Gespräch. Ich frage wie viele Taxis es in Ulm gibt. „71“ antwortet der Erste.“70“ korrigiert ihn ein zweiter.“70, er bekommt sie nicht mehr“ wieder der Erste. Mir ist es egal ob 70 oder 71 mit der Auskunft kann ich leben. Bei einer Einwohnerzahl von 125.000 macht das 0,6 Taxis pro 1000 Einwohner. (Bei uns in München sind es 2,4 Taxis auf 1000 Einwohner)
Wenn die Ulmer Taxler zum Flughafen fahren, dann in den meisten Fällen zum Stuttgarter Flughafen. München kommt selten vor. Dann schon öfter nach Friedrichshafen oder neuerdings nach Memmingen.

Durchschnittlich machen die Ulmer in der Tagschicht ca. 200,- € Umsatz ohne Stammkunden. Mit Stammkunden wird es natürlich mehr. Die Kunden zu bedienen ist in der überschaubaren Stadt einfacher als z.B. bei uns in München. Aber auch hier helfen sich die Kollegen gegenseitig. Viele Aufträge kommen hier von oder durch die Universität, Gardena oder Ratiopharm.

Ich hab auch schon drei Fahrzeuge von Car2go gesehen. Das Thema wurde schon oft in der Fachpresse besprochen. Eingesetzt werden Smarts, weiß mit blauem Dach. Bei der nächsten Begegnung werde ich das Thema noch einmal ansprechen.


Ich warte am Marktplatz bis meine Gäste aus dem Rathaus kommen. Neben mich gesellt sich ein champagnerfaarbenes Ulmer Taxi. Der Taxler war Aufsichtsratsvorsitzender der Taxigenossenschaft Ulm. Er weiß es genau. Es gibt in Ulm 70 Taxis. Einem wurde die Genehmigung entzogen weil seine Schulden zu hoch waren.

schwarz - weiß

Wir kommen am Abend in Ulm in unserem Hotel an. Hier gibt es weit und breit keinen Parkplatz. Ich stelle mich für 10 Minuten zum einchecken ganz hinten an den Taxistandplatz der Ulmer Kollegen. 1972 wurde in Deutschland die Taxifarbe von schwarz auf hellelfenbeinweiß umgestellt. In meinen frühesten Erinnerungen waren die Taxis an den Haltestellen der nächsten Stadt schwarz oder weiß. Bis alle Taxis schließlich in der neuen Farbe lackiert waren vergingen Jahre. Wollte ich mit meinen Spielzeugautos einen Taxistand nachbauen, nahm ich meine schwarzen und weißen Matchboxautos.


Jetzt habe ich das im Original. Am Standplatz stehen jetzt ein taxifarbenes, dann zwei schwarze, dann wieder zwei taxifarbene, wieder ein schwarzes und schließlich ich mit meinem taxifarbenen VW – Bus. Alles in original, in echt und 1:1.

Leckere Grüsse von Apicius


Heute Mittag waren wir im Römermuseum Mengen. Dort sind unter anderem Fundstücke aus dem ehemaligen Kastell gleich in der Nähe des Museums ausgestellt. Allein die einfallsreiche Architektur ist sehenswert. Auf der rechteckigen Grundfläche steht ein übliches Haus mit Satteldach. Die Mauern aus Stein, Ziegel auf den Dächern wie gewohnt. Aber das westliche Drittel des Hauses ist aus Glas. In dieser Richtung liegt die Anhöhe, auf der das Römerkastell stand. Es gibt sogar einen Glaserker, von dort kann man in jede Richtung schauen. Römerhelme, Schuhe, Sandalen, Kochgeschirr, ein Schild, Tuniken … gibt es zum Anfassen und Anziehen. Wir haben uns als römische Legionäre verkleidet und konnten nicht fassen wie so ein römischer Soldat mit dem Gepäck und der Bewaffnung noch kilometerweite Märsche ableisten konnte.


Das Cafe Domus im Erdgeschoss ist alles andere als ein Museumscafe mit Toast, Muffins und Latte. Es ist kaum zu glauben, was uns das Betreiberehepaar, Josefine und Alexander Jäger aufgetischt hat. Ein römisches Menü. Wir fragen, woher Herr Jäger wüsste wie den die antiken Römer gegessen hätten. Wir haben einen Staudamm aufgebrochen; Herr Jäger ist leidenschaftlicher Koch und Kenner der römischen Küche. Die Rezepte habe er von den Aufzeichnungen des Murcus Gavius Apicius. Ein Koch und Feinschmecker aus dem ersten Jahrhundert. Flamingozungen war eines seiner Leibgerichte. Der erste Gang war eine Käsepaste. Die fremden Gewürze und Kräuter überraschen unsere Zungen. Herr Jäger baut viele seiner Gewürze selbst an.

Danach wurde eine Kürbissuppe gereicht. Meine bisher beste Suppe dieser Art hatte ich im Samarkanda in Madrid. Und die Spanier sind wahre Sopa de calabaza – Könner. Aber in dieser Beziehung topt Mengen Madrid. Die Kürbisse für seine Suppe züchtet Herr Jäger selbst. Jetzt im dritten Jahr ist ihm die passende Sorte gelungen. Ich habe letzte Woche erst etwas kurzes über die mexikanische Küche geschrieben und dabei erwähnt, dass Kürbisse aus Südamerika stammen. Herr Jäger versichert aber, dass eine Art von gelben Flaschenkürbissen schon im antiken Rom bekannt waren.
Nach der Suppe kam der Hauptgang. Schwein (mariniert in Honig) in Datteln-Aprikosen Soße, Bohnengemüse mit Kümmel (natürlich wieder nicht der handelsübliche Kümmel) und gebratenem Getreide. Die Römer hatten keine Hausschweine wie wir sie kennen. Es gab eine Art Wollschwein, ein Mischung aus Haus- und Wildsau. Herr Jäger hat auch hier den einzigen Bauernhof weit und breit gefunden der solche Schweine hat. Das Fleisch war geschnitten. Die Römer speisten nicht mit Gabel und Messer. Diese Werkzeuge gab es nur in der Küche zur Zubereitung der Speisen. Gegessen wurde mit einem Löffel der hinten eine Spitze hatte. Wir verwendeten Messer und Gabel aber das antike Besteck wurde uns gezeigt.

Schließlich gab es einen Würzwein. Eingekocht, verdickt wieder mit Wein versetzt, gekühlt gelagert … Richtig aufwendig. Ich konnte noch ein paar Worte mit Herrn Jäger wechseln und spürte dabei das Feuer für seine Leidenschaft.

Freitag, 4. Dezember 2009

Schafe scheren lohnt sich

Beuron hatte sogar einen kleinen Bahnhof. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg kamen hier noch viele Pilger mit der Bahn an und blieben übernacht. In den 50ern wurden die Pilger weniger und die die kamen, kamen mit ihrem Auto blieben nur einen Tag.
Die Bahn stellte den Betrieb des Bahnhofs ein. Das Land Baden-Württemberg kaufte das Bahnhofsgebäude dem Naturpark Obere Donau zur Verfügung. Wegen der dichten Besiedelung gibt es in BW, anders als in Bayern, keine Nationalparks, aber eben Naturparks, wie jenen Naturpark Obere Donau.

Der Verein betreut in Zusammenarbeit mit dem Naturpark das Haus der Natur in dem ehemaligen Bahnhofsgebäude. Hier wurde in den letzten 10 Jahren Beeindruckendes geschaffen. Das Scheren eines Schafes kostet mehr als die Wolle einbringen würde. Jetzt wird aus der Schafwolle Filz gefertigt. Der Filz wird oft in Heimarbeit zu Kuscheltieren, Pantoffeln, Jacken und Hütte verarbeitet. Der Verkauf dieser fertigen Produkte macht dann die Schafschur wieder rentabel.



Es wird auch Honig, Saft und Limonade aus Streuobst hergestellt und professionell vermarktet.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Beuron

Jetzt kommen wir nach Beuron. Ein inzwischen wieder kleines Dorf mit 170 Einwohnern an der Donau im Landkreis Sigmaringen. Herzstück der Ansiedlung ist das Kloster Beuron. Gegründet wurde es als Augustinerkloster, inzwischen sind hier die Benediktiner. Wir sind über eine halbe Stunde zu spät. An mir lag es diesmal aber nicht.

Auf dem großen verwaisten Parkplatz steht eine Gruppe Menschen, die uns meine Fahrgäste empfangen. Als wir erkennen, dass der Landrat und der Erzabt unter den Wartenden sind, ist es uns etwas peinlich.

Nun gut, jetzt schnell rein in die Klosterkirche, bevor der Rosenkranz beginnt. Der Abt persönlich führt uns durch die Kirche. Er öffnet die schwere Pforte und bittet uns herein. Wir stehen im Halbdunkel und können die Größe des Kirchenschiffs nur erahnen. Der Abt geht schnell in Richtung Altar, biegt vorher rechts ab und verschwindet im Dunkel. Jetzt hören wir das Klacken von Lichtschaltern. Zwosch! Jetzt stehen wir in einer voll fetten Barockkirche. Das Gold blitzt in jeder Ecke. Nahezu jedes Stückchen Wand ist prächtig bemalt. Das Altarbild mag gar nicht zu der übrigen Kirche passen. Einfache, fast geometrische , Figuren vor einem schlichten Hintergrund. Es mutet nahezu ägyptisch an. Wie die Kulisse einer Freimaureroper. Der Abt erklärt uns; es sei der von hiesigen Mönchen vor 100 Jahren selbst entwickelte Beuroner Stil. Er zeigt uns im Seitenflügel eine Gnadenkappelle. Hier ist der ganze Sakralraum in diesem Stil ausgeschmückt.




Im Hintergrund sieht man die Decke der Kapelle. Der Herr ganz vorne im schwarzen Mantel mit den verschränkten Händen ist der Erzabt Theodor Hogg. Manche sprechen ihn mit "ehrwürdiger Vater" an.

An der Quelle

Ich sitze im Taxi in Donaueschingen. Meine Fahrgäste nehmen gerade ihre Termine wahr und ich war währenddessen an der Donauquelle. Abgeholt habe ich die Gruppe in Stuttgart, die alte Heimat des ->Taxiblogers Sashs. Viele Grüsse nach Berlin an dieser Stelle auch an die anderen nicht nur Berliner->Taxibloger .


In Deutschland gibt es eine Vorschrift, nach der alle Taxis (oder Taxen) hellelfenbeinweiß sein müssen .In Baden-Württemberg und im Saarland gibt es eine Ausnahme von dieser Regelung. Von den drei Taxis die ich in aller Frühe in Stuttgart gesehen habe, waren zwei silberfarben und eines hellelfenbeinweiß. Das Taxi, das in Donaueschingen gerade an mir vorbeirauscht ist wieder hellelfenbeinweiß.

Der Internetzugang mit meinem neuen Laptop funktioniert. Das Windows 7 hatte das alte USB Modem nicht erkannt. Jetzt mit einem neuen Stick von BASE bin ich wieder auch unterwegs online.


Ach ja, das wichtigste an Donaueschingen, dswegen auch der Post-Titel. Hier entspringt die Donau. Die Mutter Baar aus Marmor zeigt der jungen Donau den Weg ins Schwarze Meer. 2840 Kilometer später kommt sie tatsächlich dort an.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Beim verrückten Dickerchen

Letztes Wochenende trafen wir uns mit unseren Kollegen zu unserem alljährlichen Treffen am Jahresende. Stephan hat mit dem El Gordo Loco Das verrückte Dickerchen, einem mexikanischen Restaurant im Lehel, eine gute Wahl getroffen.

Wir haben uns schon vorher im Internet informiert, und wussten, dass die Nachos und die Salsas dazu selbstgemacht wären. Natürlich haben wir die gleich bestellt. Zu bei den Nachos waren drei geschmackvolle Dips. Zwischen den mit Käse überbackenen Nachos waren einige Bohnen. Der Käse war wohl eine Referenz an das populäre TexMex – Food. Schmelzkäse gibt es in der mexikanischen Küche nicht. Als Hauptgericht begnügte ich mich mit einem Salat, mit Mais – Käse – Bällchen und gebratenen Speck. Die Mais – Käse – Bällchen kannte ich noch nicht, harmonisierten aber vortrefflich mit der Vinaigrette. Vesna hatte das Surf and Turf. Riesengarnellen auf Angusrindersteak mit Limonenbuttersauce für den mexikanischen Touch.Dem original mexikanischen Koch konnte ich durch die geöffnete Küchentüre über die Schulter schauen. Da musste ich gleich noch was über die -> mexikanische Küche auf meine Homepage packen.

Thomas hat mich noch auf einen Fehler in einen meiner Posts aufmerksam gemacht. Auf dem Gelände des Kunstpark Ost war vorher nicht das Funny Werk, wie ich geschrieben habe, sondern das Pfanni Werk.

So sind die Taxifahrer:Genießer und Kenner!

Drei unserer Schleckermäuler verzehrten noch als Postres eine Süßspeise aus Milch mit Zitrone und Fruchtsalat. Aber das Unglaubliche ist eingetroffen und ich war pappsatt. Nur bei der von Stephan angebotenen Dattel im Speckmantel konnte ich nicht widerstehen. Als Souvenir haben wir uns zwei von den scharfen Chillis mitgenommen. Mich wundert es, dass bei dem kulinarischen Feuerwerk Vesnas Vanillekipferl bei Volkmar noch ein Thema waren. Aber wer vorbeikommt, kann gern welche probieren.


Hier ist schon mal ein Foto von Chilli und Kipferl, allein schon wegen des Kontrasts – vom Gewicht her.
Vanille kommt auch aus Mexiko, das wären dann vier Mexikaner, zwei scharfe und zwei Süsse.

Sonntag, 29. November 2009

Wir befinden uns im Jahr 2009 n. Chr

Ganz Bayern ist von den Römern besetzt. Ganz Bayern? Nein! Die von unbeugsamen Taxifahrern bevölkerten Taxistände hören nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Die fröhlichen und rauflustigen Taxifahrer fürchten sich eigentlich nur vor einem - daß ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Da ist Unterstützung aus Gallien willkommen.

Nein, das ist nicht der Anfang einer weiteren Asterix und Obelix Geschichte, die ich in meiner Kind- und Jugendzeit verschlungen habe. Münchener Comiczeichner haben zum 50- jährigen Jubiläum der Bildergeschichten aus den furchtlosen Galliern bajuwarische Bundesgenossen gemacht. Das Bild wollte ich euch nicht vorenthalten.

Freitag, 27. November 2009

Ich bin reich ...

…dachte ich mir noch am Anfang dieses Monats. Ich hatte 3.000,- € in der Tasche, gültige Papiere und jeden Tag am Flughafen. Ein tolles Gefühl zu wissen, man könnte jederzeit an jeden Ort auf dieser Welt kommen. Aber! Taxigenehmigungen müssen alle fünf Jahre verlängert werden. Dazu braucht man Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Finanzamt, AOK, Stadtsteueramt und Berufsgenossenschaft. Und noch, wie in jedem Personenbeförderungsbetrieb, einen Kapitalnachweis. Also zahle ich meine sauer erfahrene, ersparte und versteuerte Barschaft auf mein Geschäftskonto ein und hole mir die Bestätigung über meine finanzielle Leistungsfähigkeit. Jetzt kommt das Finanzamt und bucht mir die Umsatzsteuervorauszahlung für das Quartal schon mal ab. Weil wir gerade beim Quartal sind wird gleich noch die Einkommenssteuervorauszahlung zwei Tage später abgebucht. Auf dem Konto ist jetzt Ebbe.

Noch nicht genug!
2007 hatte ich im ersten Halbjahr einen Job im Büro, ich konnte nicht soviel Taxi fahren. Es war keine Gewerbesteuer fällig, ich bezahlte ja Lohnsteuer.
Bei der Gewerbesteuer gibt es bei Personengesellschaften und Einzelunternehmern einen Freibetrag von 24.500,-€ bei Gewinn / Ertrag. Alles was darüber hinaus geht, wurde mit einem Faktor zwischen 1 und 5 % zur Berechnung des Messbetrages verwendet. Dann kam die Unternehmenssteuerreform 2008 und damit ein fixer Prozentsatz von 3,5%. Ein Vorteil für die Betriebe mit mehr Gewinn; früher waren es bis zu 5 %, (für die Bemessung) jetzt nur noch 3,5%. Die kleinen Betriebe, die früher um die 1 oder 2% hatten, haben jetzt auch 3,5% und somit einen höheren Messbetrag und eine höhere Gewerbesteuer zu zahlen.

2007 musste ich keine Gewerbesteuer bezahlen. In der Folge gab es 2008 keine Vorauszahlung. Für die wurden ja die Zahlen von 2007 zugrunde gelegt.
Da braut sich ja einiges zusammen. Ich stehe brav und unschuldig mit meinem Taxi am Flughafen in der Reihe, höre im Radio einen Bericht über die Bundestagsabgeordneten, die sich noch kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit schöne Montblanc – Füller auf Staatskosten bestellt haben, da erreicht mich ein Anruf meiner Frau. Ein Brief vom Finanzamt ist gekommen. Die Gewerbesteuer für 2008 und gleich die Vorauszahlung für 2009. „ … am 10.12.2009 buchen wir von Ihrem Konto … bei der Münchener Bank eG den Betrag von … ab“ .
Sofort lasse ich den Brief an meine Steuerkanzlei faxen. Rufe dort an. Mache einen Termin beim Chef. Recherchiere im Internet. Stelle fest: Es hat seine Richtigkeit, wir müssen zahlen!

Ich springe aus dem Taxi laufe kopfschüttelnd die Reihe ab und erkundige mich bei türkischen, persischen und einem syrischen Kollegen was ich machen muss, damit ich in ihren Heimatländern Asyl bekomme. Von den Türken bekomme ich Kaffe und italienisches Gebäck, vom Perser eine Zigarette und vom Syrier eine Tipp.
Um die Steuerlast zu senken, bleibt mir nur ein Ausweg. Ich werde meine Stammkunden bedienen und mich beim Taxifahren enorm einschränken – da bleibt mir auch wieder mehr Zeit zum blogen.

Sonntag, 1. November 2009

Datum lesen

Gestern wollte ich zu den Medientagen München. Seit Tagen beobachte ich schon die Plakate am Straßenrand. Interessante Themen; Internet, HD, Broadcasting, Kameras … Das Alles noch bei uns in München mit freiem Eintritt. Also mache ich mich auf dem Weg. Unterwegs schnappe ich noch ein arabisches Pärchen auf, die mir am Mittleren Ring winkten. Die kamen wohl aus dem Englischen Garten. Ich denke mal, das werden heuer wohl die letzten sein. Sie wollen zum Westin Hotel, das ehemalige Arabella Sheraton Grand. Als wir über die Isar fahren fragt er mich woher der Fluss kommt. Ich antworte:
„Aus den Alpen“
Ja da war er schon in Garmisch Aera, da ist das ganze Jahr über Schnee, weil es auf 1.5 Kilo ist, meint mein Fahrgast.
„Aha“ bestätige ich ihn. Da fährt er mit was-weiß-ich-was in die Berge und mich hält er von meiner großen, erkenntnisreichen Mission ab, weil er über die Isarbrücke ins Westin will. Er hat aber den Fahrpreis großzügig von 5,40 € auf 5,50 € aufgerundet. Egal, ich muss weiter zu den Medientagen ins ICM am Messegelände. Unterwegs bekomme ich noch eine Bewerbung für einen Datenfunkauftrag. Die lasse ich sausen, habe ja höheres im Sinn.

Als ich in die Zufahrtsstrasse zum ICM einbiege. Schiele ich auf den kleinen Übertragungswagen mit Sattelitenschüssel auf dem Dach, der einen Tag vorher noch da stand. Tja – einen Tag vorher! Die Medientage gingen nur bis Freitag. Ich stehe am Taxistand vor verschlossenen Türen. Hätte ich bei den Plakaten nur genauer auf das Datum geschaut. Bis zum 30.10. stand da. Aus Zorn mache ich jetzt noch 100,-€ Umsatz.

Der erste Stich ging gleich vom ICM Standplatz weg.

Freitag, 30. Oktober 2009

Manrov auf Taxi


Ich komme an den Bahnhof Nord. Um das Heck des Taxis des Kollegen Andreas stehen weitere Taxifahrer und betrachten die hintere Stoßstange. Andreas zeichnet mit dem Fuß eine Fußballszene in den Staub. Wir finden alle dass ihm die Darstellung gelungen ist. Ein Taxifahrer aus Äthiopien stellt fest; Andreas kann mit dem Fuß besser zeichnen als er mit der Hand. Andreas nahm auch letzte Woche an der Open Art Neuhausen teil. Während der zwei Tage, die die Aktion lief, waren 600 Gäste in seiner Wohnung. Bekannt ist Andreas unter dem Pseudonym MANROV. Andreas´ Nachname ist Vornam, wenn man diesen umdreht, entsteht MANROV. Im Internet zu finden unter -> manrov.de.


Im Detail sind schön die Proportionen zu erkennen


Der Künstler beim Schaffen des Werkes

Dienstag, 27. Oktober 2009

Besser ruhig

Ich stehe wieder vor dem Holiday Inn in der Hochstrasse. Als Erster bekomme ich einen Funkauftrag zum Novotel. Das Novotel liegt 200 Meter hinter mir. Ich bin in einer Minute da. Drehe im Hinterhof um und stehe in Abfahrtrichtung vor dem Hotelportal. Der Fahrgast im Anzug kommt heraus. Amerikaner. Er zeigt mir die Adresse auf seinem Blackberry.
Nektar, Stubenvollstrasse 1
Die Stubenvollstrasse ist ca. 500 Meter entfernt. Die Fahrt dahin wäre mit Bestellgebühr auf ca. 5,10 € gekommen. Ich sage:
"Nektar, das ist eine gute Wahl. Dort liegt man auf weißen Lederliegen und nimmt seinen Drink im Liegen."
(Was tatsächlich wahr ist)
"Oh, wirklich" antwortet der Fahrgast „Wieviel muß ich Stornogebühr bezahlen?“
"3,- €"
„OK, hier sind 5,- gib mir bitte eine Quittung“
Zurück am Taxistand packe ich den Laptop aus und fange an den Post zu schreiben. Ich frage mich mit was ich den Amerikaner erschreckt haben konnte. Inzwischen bin ich wieder Erster. Ich bekomme einen Funkauftrag. Wieder zum Novotel. Fahre den Laptop herunter und packe ihn ein. Fahre zum Novotel. Wieder steht ein Fahrgast vor der Tür. Er zeigt mir einen Zettel:
Nektar, Stubenvollstrasse 1
Diesmal bin ich ruhig und fahre. Tatsächlich 5,- € auf der Uhr. Er gibt mir 6,- €. Quittung. Bitte. Danke. Auf Wiedersehen.

Montag, 26. Oktober 2009

Zweimal als Zweiter

Sonst passiert es den Taxibusfahrern oft andersherum. Bei den Einsteigerstandplätzen steht der Bus endlich als Erster in der Reihe und der Fahrgast, der kommt will nicht in den Bus einsteigen. Oft hilft es nicht mal, wenn man die Seitentüre öffnet, einladend lächelt und informiert: „Kostet das Gleiche, Kostet das Gleiche, erst ab sechs Personen wird es teuerer … „. Manche Gäste lassen sich nicht beirren und steigen in den zweiten PKW. Ich bin darüber aber nicht sonderlich traurig, weil es kommt auch vor, dass man als Taxibus bei kleinen Gruppen aus der Reihe geholt wird.



Taxibus vor dem Holiday Inn City Center Munich



Gestern Abend aber hatte ich gleich zweimal das Glück, dass ich als Zweiter vom Standplatz besetzt mit nur vier Fahrgästen abfuhr. Das erste Mal vom Holiday Inn City Center in der Hochstrasse mit einem US-Amerikaner und drei Japanern zum Marienplatz. Dort stelle ich mich gleich am Taxistand Tal an. Hier passiert das Gleiche wieder. Diesmal mit vier Russen zum Park Hilton. Das waren jetzt zwar nicht die Hammer-Strecken 5,90 € und 9,90 €, aber irgendwie macht mich das zufrieden.

Samstag, 24. Oktober 2009

Zahnarzt: Vier von Sechs

Seit 14 Tagen beschäftige ich mich mit meinen Zähnen. Ich Feigling gehe erst zum Zahnarzt, wenn der Schmerz die Angst besiegt, und in der Beziehung bin ich unheimlich leidensfähig. Gut ich hab es mit einem kleinen zusätzlichen Psycho-Trick doch geschafft. Als meine Haare immer länger wurden, habe ich mir geschworen, erst zum Frisör zu gehen, wenn ich beim Zahnarzt war. Ab jetzt wurde ich bei jedem Blick in den Spiegel an mein Vorhaben erinnert und es gab neben den Zähnen einen weiteren Grund zum Zahnarzt zu gehen. Wenn ich mich dann endlich dem Zahnarzt hingebe ist es natürlich nicht mit einer Sitzung abgetan. Beim ersten Termin bekomme ich gesagt noch zweimal, dann ist es vorbei. Wenn ich dann hilflos im Licht der grellen Lampe mit sperrangelweit offenem Mund auf dem Behandlungsstuhl sitze, oder besser ausgeliefert liege, verrät man mir den wahren Umfang der nächsten Maßnahmen. Ich bin jetzt bei sechs Terminen. Der vierte und schlimmste war heute. Ich war selbst von meiner leidenden Miene auf dem Videoclip überrascht. Nach der Behandlung war ich erleichtert. Ich könnte jeden in der Praxis umarmen. Ab jetzt ist es wirklich nur noch zweimal. Am nächsten Montag geht’s weiter.

Eine Taxifahrt brachte mich dann noch zu den Optimolwerken ein ehemaliges Industrieobjekt. Die Optimolwerke sind die Nachfolger des ehemaligen Kunstpark Ost. Der Kunstpark war auf dem ehemaligen Gelände der Firma Funny. Vielleicht könnt ihr euch noch an die Funny – Kartoffelchips erinnern. Leider hört jetzt nach vier Jahren der Club „Drei Türme“ auf. Auf dem Clip ist es der Club der wie eine alte Ritterburg aussieht. Die Drei-Türme-Crew macht aber weiter. Sie werden in der Stadtmitte einen Club mit dem Namen Lola und Ludwig eröffnen. Lola, wegen Lola Montez, und Ludwig wegen unserem Märchenkini Ludwig II. Da bin ich mal gespannt. Der weit über München hinaus bekannte Club HarryKlein ist auch noch auf dem Optimolgelände. Bei der ersten Einstellung ist unter dem roten Transparent „Optimolwerke“ noch die Tafel vom Club „Grinsekatze“. Die Grinsekatze gibt es dort als Club. Das Restaurant Grinsekatze ist in der Ismaninger Strasse. Ein Nachtfahrer kannte den Grinsekatze – Club noch nicht und die Fahrgäste landeten vor den verschlossenen Türen des Restaurants. Jetzt kann ich auch als Tagfahrer mit meinem Clubwissen punkten. Sonst ist es ja eher andersherum. Wenn ich mal bis spät in die Nacht fahre, ist es mir peinlich, wenn ich nach 19 Jahren Taxi, die angesagtesten Nacht – Adressen nicht kenne.


Renate, eine Taxi Kollegin aus Garmisch, hat mich am Flughafen beim Blogschreiben erwischt. Sie hat bei einer Tombola einen 1000,-€ Gutschein der Firma Taris - Abrechnungssysteme gewonnen. Sie will den Gutschein verkaufen und hat mich gebeten ihre Nummer im Blog zu veröffentlichen. Wenn ein Taxiunternehmer/in Interesse an dem System hat, kann man zwei Taxler glücklich machen. Renates Telefonnummer ist 0170 / 2944686.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Ismaning Express

Das fing ja in der früh schon ganz gut an. 18 Fahrgäste bestellen bei einem Taxiunternehmen
Drei Taxibusse. Ich beeile mich. Komme gerade noch rechtzeitig. Wieviel Fahrgäste kommen aus dem Hotel? Neun!
Obwohl wir trotzdem alle drei Fahrten in Rechnung stellen könnten war ich etwas enttäuscht. Gerade als wir losfahren, bekommt der besetzte Kolleg vor mir einen Anruf von seiner Zentrale. Eine Dame hat verschlafen. So bekomme ich doch noch eine Fahrt.

Auf dem Rückweg dann, beginne ich meinen Plan in die Tat umzusetzen. Ich will einen Videoclip machen. Ich wollte im Taxi sitzen, mich vom Camcorder aufnehmen lassen, den Tag erzählen. Dabei sollte immer wenn ich von einem Vorfall erzähle der passende Clip angezeigt werden. Der Clip ist vorbei und man sieht mich wieder im Taxi sitzen. Ich war während des Tages bis abends 20:00 Uhr unterwegs und habe nebenbei, teilweise aus dem fahrenden Taxi heraus, kleine Clips aufgenommen. Am Abend zuhause will ich mit Windows Movie Maker mein Kunstwerk vollenden. Ich probiere, versuche, irre mich und verzweifele. Was ich vorhabe geht nicht mit diesem Programm. Man bräuchte mindestens zwei Video- und zwei Tonspuren. Ich habe einfach den Clip auf den ich den Text spreche geteilt, und dann die kleinen Clips dazwischen geschoben.






Die Gäste haben wir ins Hotel gebracht, in einer Stunde holen wir sie wieder ab und bringen sie in ein Lokal in der Innenstadt. Mein Kollege nutzt die Stunde um die Karte seines Handys aufzuladen. Ich verziehe mich in eine ruhige Seitenstrasse und spreche den Text auf den Camcorder. Ich erwische gerade noch die letzten schwachen Sonnenstrahlen für das Licht. Als ich meinen Laptop starten will, fährt nicht mal mehr das Betriebssystem hoch. Es kommt immer wieder der Bluescreen. Ich denke das muss am Akku liegen. Der ist jetzt schon 5 Jahre alt und speichert kaum noch Energie.

Ein Schritt weiter

In zwei meiner früheren Posts habe ich erwähnt, wie ich mich freuen würde, wenn ich das Problem mit den Pillarboxen bei meinen Filmchen in den Griff bekommen würde. Es íst soweit. Jetzt weiß ich es. Die Clips müssen in das richtige Format konvertiert werden. Woher soll den das ein taxifahrender Gärtner wissen?
Vielen Dank an D. für den Tipp mit dem SUPER – Converter. Das ist keine Werbung diese Software gibt es frei downzuladen.

Ich muss D. noch fragen ob ihn überhaupt im Blog erwähnen soll und ob ich seinen Spitz-, Deck-, Tarn- oder Klarnamen verwenden soll. In jedem Fall sitzt D. jetzt dort wo er hingehört.

Ich habe gleich mal ein Beispiel-Filmchen mit dem richtigen Format von Youtube eingebunden. Ich nutzte eine Ausflugsfahrt mit Chinesen in den Garten von Schloss Nymphenburg. An einer Stelle kann man die Chinesen sogar hören.


Dienstag, 20. Oktober 2009

Datenfunkgerrrrrrät

Heute bringt mich das Digitale Zeitalter zum Verzweifeln. Es fing in der früh schon gut an. Datenfunkgerät in den Halter mit Verbindung zur Combox gesteckt. Die Anmeldung klappte noch ganz gut, bis ich meinen Fahrer-Code eingeben sollte. Ich drücke auf die Zahlen im Touchscreen, im Anzeigenfenster erscheinen nicht diese Kreuze die sonst immer kommen. Nach dem tausendsten Reset funktioniert der Reset – Knopf nicht mehr. Also die Batterie für zwei Sekunden aus dem Gerät nehmen. Warten bis sich der Bildschirm wieder aufgebaut hat, endlich fertig … - wieder das gleiche. Diesmal nimmt das Gerät nicht mal meine Fahrernummer an. Also wieder die umständliche Nummer mit der Batterie. Am Flughafen das dritte Mal an der Tankstelle. Soweit funktioniert es. Bis ich oben am Modul bin! Jetzt nimmt mir das Gerät die Strasse im TOMTOM Modus nicht an. Bis um 9:30 Uhr hab ich die Batterie-Nummer mit dem Datenfunkgerät sechsmal zelebriert. Ich muss das Gerät zum Laufen bringen, weil die Fahrgäste mit Kreditkarte zahlen. In München angekommen, klappt das dann auch noch. Ich bin richtig froh darüber.

Ich stelle mich vor das Hotel Renaissance, anmelden klappt noch. Plötzlich Bing Bing – ein Auftrag. Ich sehe gerade noch die Schrift RENAISSANCE und dann mit einem leisen Plopp verabschiedet sich der Bildschirm. Hab ich jetzt den Auftrag oder nicht? Nach weiteren zwei Sekunden baut sich wieder der blaue Balken auf und die HP Software wird neu geladen. Das Spiel ging dann noch den ganzen Tag heute. Vierzehn mal die Batterie wieder raus und rein. Ein Kollege der mich beobachtet, sagt mir es wären schon mehrere Datenfunker wieder abgesprungen. Im Sommer haben wir alle das Problem, weil die Batterie zu heiß wird. Aber heute sind bei uns höchstens 10 Grad Celcius plus.
Bei dem Hitzeproblem hat mir ein Datenfunkzuständiger in der Genossenschaft eine tolle Empfehlung gegeben. Ich solle es so machen wie ein Unternehmer. Der hat sich im Computerzubehörhandel kleine Lüfter gekauft und hinter das Gerät eingebaut. Das kann doch nicht sein Ernst sein. In einem Bürogebäude neben dem Taxistandplatz sehen wir einen großen weißen Ventilator. Wir Taxifahrer haben unseren Spaß als wir uns vorstellen wie wir den Lüfter in unsere Taxis einbauen um das Datenfunkgerät zu kühlen. Ich male mir schon ein Foto für das Internet aus. Der hässliche Ventilator mit dem überdimensionalen weißen Käfig zwischen Windschutzscheibe und Datenfunkgerät. Wenn ich nett gefragt hätte, hätte ich mir den Lüfter bestimmt für zwei Minuten ausleihen können. Darunter dann der Text. „Ein wertvoller Hinweis…“ Ich kann es mir gerade noch verkneifen. Anzumerken ist aber folgendes. Ich hatte in einen meiner Wägen ein Gerät zur Ortung eingebaut. Das Gerät war weit weniger störanfällig wie das Datenfunkgerät. Ich schickte das Gerät zurück und forderte wütend meinen Aufwand in Euro und Cent. Was ich dann auch bekam.

Das das Gleiche nicht mit dem HP – Gerät passiert, ist nur einem Umstand zu verdanken. Es ist das System unserer Genossenschaft.

Freitag, 16. Oktober 2009

Winterfreude

Der erste Schnee, und gleich eine Fahrt nach Rottach am Tegernsee. Die Strecke über Gmund ist gesperrt, ich muss die Umleitung über den Feichtnerhof nehmen. Nur gut, dass die Streckenkontrolle vorausfährt. Ich habe im Stau bei meiner kleinen Canon A 530 einen neuen Menüpunkt –Serienaufnahme- gefunden, einfach auf den Auslöser drücken und die Kamera macht zwei Aufnahmen in der Sekunde. Tolles Spielzeug! Jetzt habe ich gleich das erste bewegte Motiv. Schön dass das auch funktioniert.



Jetzt brauche ich nur noch die Skifahrer aus Russland und wir kommen dank Winterreifen und Schneeketten gut über den Winter.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Alle reden vom Wetter ...

…ich jetzt auch. Sonst stört mich ja immer die Frage der Fahrgäste. Da waren sie weiß Gott wo, kommen am Hauptbahnhof an, steigen in das Taxi und fragen den Taxifahrer wie das Wetter war. Ich kann das nach der 1000 Frage immer noch nicht kapieren wieso Jemanden das Wetter

1. in der Vergangenheit

2. an einer Stelle an der er gar nicht war, interessiert.

Ich hab mir schon eine Standardantwort zurechtgelegt und sage immer nur:“Schön, Schön …“ Dann kommt dann noch zur Antwort. „Es soll aber am Mittwoch, bla bla bla …“ . Das kann ich nicht fassen. Wie war das Wetter in der Vergangenheit an einem Ort an dem ich nicht war.

Ist es vielleicht Schadenfreude? Da wo ich jetzt herkomme war schöneres Wetter. Ich hatte Glück, und ihr Dagebliebenen Pech. Oder Andersherum. Vielleicht Neid? Da wo ich jetzt herkomme war es schlecht und bei euch schön. Schade!
Liebe Fahrgäste, es freut mich wenn wir uns in ein Gespräch verwickeln, aber uns wird schon ein gelungenerer Einstieg einfallen. So wie meiner etwa: Letzte Woche waren noch 27 Grad C. plus, und heute kann ich mir schon die Winterreifen montieren lassen! Das haut doch mal rein

Sonntag, 11. Oktober 2009

Wickie - zweimal in einer Woche


Heute am Flughafen bekam ich eine Fahrt zum Hotel Schloss Elmau. Das Hotel liegt mitten im Wetterstein (dank Leo steht hier nicht mehr Karwendel) zwischen Garmisch und Mittenwald. Eine tolle Fahrt. Während der Fahrt stellt sich heraus, dass die Familie aus Bremen kommt. Dort war ich auch ein Jahr. Er lässt es sich nicht nehmen die Maut für die Zufahrtsstrasse zum Hotel zu übernehmen. Ich soll sie auch noch abholen.

Auf dem Rückweg mache ich Rast in Warngau. Am Walchensee schaue ich noch kurz beim Wickie – Dorf vorbei. Hier wurde der größte Teil des neuen Films von Bully gedreht. Ein paar Häuser, die als Kulisse gebaut wurden, stehen da noch. Das Wikingerschiff, das für die Dreharbeiten auf dem Walchensee verwendet wurde, steht in Grünwald auf dem Gelände der Bavaria-Filmstudios. Das habe ich erst letzte Woche gesehen.
Bei der Gelegenheit war ich noch im Walchenseekraftwerk. Ein Wasserkraftwerk 1918 – 24 erbaut. Damals war es das leistungsstärkste Wasserkraftwerk in Europa. Sehr beeindruckend.

Solche Taxifahrten machen mir richtig Spaß. Für mich war das ein bezahlter Sonntagsausflug.

So gefällt mir das Taxifahren! Hoffentlich rufen mich die Gäste wieder an – am Freitag müssen sie zurück zum Flughafen.

Samstag, 10. Oktober 2009

20 Jahre (wieder) vereint

Wann wen nicht jetzt kann ich über meine persönlichen Erlebnisse mit dem Mauerfall berichten? Der zehnte Jahrestag ist vorbei und bis zum dreißigsten kann ich mich nicht mehr zurückhalten.

Nach einigem hin und her und rüber und nüber kam es, dass ich während der Grenzöffnung vor 20 Jahren als Soldat der B.R.D. – Armee meine Wehrpflicht erfüllte. Ich war zu der Zeit gerade in der Grundausbildung im Luftwaffenausbildungsregiment III in Roth bei Nürnberg. Am Beginn unserer Dienstzeit war ja alles noch klar. Aufgeklärt wurden wir im politischen Unterricht. Grosse Weltkarten wurden an die Wand projiziert. Es gab die dunkelblau markierten Länder und die rot markierten Länder. Die Dunkelblauen waren wir, die NATO, die Frieden, Freiheit und Demokratie verteidigt. Die Roten waren die anderen, der WP (Warschauer Pakt), im weiteren Verlauf auch mit „da Russ“ oder „der Iwan“ bezeichnet. Seine Aufgabe ist die Menschheit zu knechten und auszubeuten. Die gehen sogar soweit, dass sie unsere „Brüder und Schwestern“ die zwar auch deutscher Nation, aber anderer Staatsangehörigkeit, waren, auf uns zu hetzen. An der Karte könne man ja ganz klar den strategischen Vorteil des WP erkennen. Alles war ganz einfach, Die und Wir! Wir bekommen Dutzende von Fotos von feindlichen Uniformen, Fahrzeugen und Waffen gezeigt. Der Dia-Projektor strahlt die Silhouetten der MIGs und Panzer aus allen denkbaren Perspektiven an die Wand des Ausbildungsraumes.

Bis zum Oktober 1989! DDR – Bürger sammeln sich in deutschen Botschaften in den Ostblockstaaten. In Leipzig nehmen die Montagsdemonstrationen zu. Die Lage in der Bundeswehr war angespannt. Ich kann mir vorstellen, dass es in der Volksarmee nicht anders war. NATO Alarm wurde ausgerufen. Auch unsere Kompanie wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Der Alarmstuhl wurde vorbereitet. D.h. wenn wir unseren Kampfanzug (so hieß unsere Uniform tatsächlich) nicht trugen, wurde alles nach Plan auf einen Stuhl gerichtet, der neben dem Bett stand. Zuoberst war die Unterwäsche, darunter das Hemd, dann die Socken, dann die Hose, … das Koppel hing zuletzt über der Lehne. Die Stiefel, fertig zum reinschlüpfen, neben dem Stuhl. Der Rucksack vorschriftsmäßig gepackt auf dem Spind verstaut. Die Rückseite des Helms musste 5 cm vor der Oberkante des Spinds hervorschauen. So konnte man sich mit der Nase vor die Spindtüre stellen, den Helm einfach herunterziehen, der plumpst dann auf den Kopf.
Es wurden dann auch häufiger Alarmübungen abgehalten. Wenn der Alarmton aus dem Lautsprechern ertönt, sprangen wir aus den Betten, zogen uns in Windeseile an. Stolperten die Treppen hinunter. Liefen über den Appellplatz in die Waffenkammer. In der Waffenkammer standen schon Soldaten. Wir brüllten nur noch die Waffennummer unseres Gewehrs, Sekunden später hatte jeder sein Gewehr in der Hand. Weiter ging es im Schweinsgalopp über den Appellplatz zu den bereitstehenden Lastwägen. Dort stellten wir uns gruppenweise auf. Beim Befehl „Aufsitzen!“ sprangen wir auf die Ladefläche der Lastwägen. Als die ganze Kompanie vollmotorisiert zur Abfahrt bereit steht kommt die Entwarnung. Übung, Übung Übung. Alles wieder zurück, Gewehre in die Waffenkammer, Alarmstuhl herrichten usw. Das war die Stimmung kurz vor und während des Mauerfalls.

Die Mutter der Kompanie, der Spieß, ein Hauptfeldwebel, informierte uns über den Stand der Dinge. Er saß beim UvD (Unteroffizier vom Dienst) im Büro, dort gab es einen Fernseher. Der Dienstplan war ja sowieso außer Kraft. Immer wenn er zum Rauchen vor die Türe kam, fragten wir was es neues gäbe. Ausnahmslos jeder war heiß auf neueste Meldungen. Ich dachte mir; 40 Jahre DDR und ausgerechnet wenn ich bei der Bundeswehr bin, geht die Schosse los. Die Aufregung wird immer größer. Am Abend geht die Parole durch die Stube wir sollen zum Fernseher zum UvD kommen. Sofort war der Dienstraum voller Soldaten. Im Fernseher sehen wir wie in Berlin die ersten DDR – Bürger über die Grenze kommen. Freudig liegen sich die Menschen in den Armen. Die Telefone und der Fernschreiber (Vorläufer vom Fax) neben uns klingeln und rattern nun pausenlos. Die diensthabenden Kameraden leiten die Meldungen weiter. Ständig Berichte von den Grenzen. Manche Fernschreiben waren codiert und mussten zum Decodieren gebracht werden. Ich kann mich noch nach 20 Jahren an die Stimmung in dem Raum erinnern. Diese Übungen in den vergangenen Tagen, der Alarmzustand, die Unruhe bei den Offizieren haben uns die Ernsthaftigkeit der Lage gezeigt, andererseits gab es viele die bei diesen Bildern den Freudentränen nahe waren. Ausgedrückt hat sich das in den teilnahmslosen Gesichtern und der Totenstille in dem überfüllten Raum.
Früh am nächsten Morgen beim Antreten wird uns eröffnet, dass unsere Kaserne Bürger der DDR aufnimmt. Unfassbar! Niemand wusste etwas damit anzufangen. Ein zusätzlicher Streifendienst wurde installiert. Wir bekamen Munition, Patrone für Patrone abgezählt, und Funkgeräte. Es könnten sich mit den Flüchtlingen Stasi Angehörige einschleusen und bei der Gelegenheit die Grundfesten unserer Republik erschüttern. Der Kontakt zu den DDR – Bürgern soll sich auf das Wesentliche beschränken. Ansonsten keine Gespräche. Unsere Sporthalle wird für die Aufnahme vorbereitet. Es kommen auch Beamte um die Personalien zu erfassen. Nach ca. zwei Stunden knattert tatsächlich hinter einem Streifenwagen eine kleine Reihe von Trabbis durch die Kaserne. Wir halten uns zurück und tun so als ob uns das nichts anginge. Nachts streifen wir in Zweier-, Vierer- und Sechsergruppen durch die Kaserne. Auftrag: In regelmäßigen Abständen jeden Winkel durchsuchen, ob sich nicht ein Spion von der Gruppe absetzt und sich irgendwo verschanzt. Schließlich existiere ja noch die DDR als Mitgliedsstaat des WP. Von dem Gebiet um die Sporthalle, die war am anderen Ende der Kaserne, haben wir uns fernzuhalten. Unaufdringlich zurückhaltend beobachten und des Soldaten erste Pflicht, die Meldung, beherzigen.

In diesen Tagen waren die neuen Gäste natürlich das alles beherrschende Gesprächsthema. Was die wohl da hinten machen den ganzen Tag. Mädchen seien auch dabei. Bestimmt auch Soldaten die in zivil geflüchtet sind. Oder vielleicht sogar Russen. Ob die wieder zurückfahren. Jeder hat etwas Neues gesehen oder gehört.
Dann kommt der Tag der unausweichlichen Begegnung. Wir marschieren im Gleichschritt auf der Strasse durch die Kaserne. Uns kommen so um die 15 DDR Bürger entgegen. Wir sind im Verband und nehmen fast die ganze Breite der Strasse ein. Unsere Gäste bleiben am Straßenrand stehen und lassen uns passieren. Bei dem Vorbeimarsch sind wir ganz nahe. Die schauen uns an. Es waren wohl vier Familien die vom Einkaufen im Ort kamen. Die Plastiktüten hatten sie noch in der Hand. Wir halten die Köpfe gerade, schielen aber neugierig auf die Zivilisten. Ein Kamerad in meiner Reihe behauptet, einer hätte auf den Boden gespuckt als wir vorbeimarschierten.
Noch in der gleichen Woche, die Gäste waren noch da, oder waren es inzwischen wieder Neue, sollten wir der StoV (Standortverwaltung) bei einem großen Umzug helfen. Ein Lager wird leergeräumt. Es stehen LKWs bereit. Wir verladen alte Bettgestelle, Möbel, Kisten und allerlei Plunder auf die Fahrzeuge. Wir sollten das Gerümpel zu der Hubschrauberstaffel der Heeresflieger bringen. Wir sitzen neben oder auf der Ladung auf der Ladefläche. Die Strecke führt an unserer Sporthalle vorbei. Eine Gruppe DDRler steht neben der Strasse und sieht uns kommen. Einzelne winken. Wir winken zurück. Der Fahrer des ersten LKW bremst ab und der ganze Konvoi kommt zum Stehen. Wir fangen an miteinander zu sprechen. Aus der Sporthalle kommen jetzt die ersten Neugierigen. Schließlich stehen zwischen zwei- und dreihundert Leute um uns. Wir machen gegenseitig Witze und allerlei Blödeleien. Es war wie ein Korken, der unter Druck aus einer Flasche platzt. Alle Beteiligten waren froh darüber. Ab jetzt passierte es, dass bei unseren Streifen die neuen Bekannten auf unserem festgelegten Rundweg auf uns warteten und wir uns bei einer Zigarette und einem Gespräch gegenseitig beschnuppern konnten.

Natürlich hat uns jemand verpetzt. Ich war der Vertrauensmann der Mannschaften in unserer Kompanie. Ich konnte mir dann bei einem Rapport anhören, dass wir uns vor der Sporthalle gebärdet hätten wie „Affen“, ein regelrechter „Faschingszug“ wäre das gewesen. Der Offizier war zwar älter als ich, aber durch seine Ausführungen wurde erkenntlich, dass er leider nur sehr wenig Erfahrung und Überblick hatte. Diese 15 Minuten vor der Sporthalle haben wesentlich und nachhaltig zum Ost- Westverständnis beigetragen. Sehr gestört hat ihn, dass einige Kameraden während der Späße ihr Schiffchen (Uniformmütze der Mannschaftsdienstgrade der Luftwaffe) quer aufgesetzt hatten. Ich hoffe er hat inzwischen gelernt, dass man mit einer Kopfbedeckung, die nach ZDV (Zentrale Dienstvorschrift) mittig und beginnend zwei Finger breit über der Nasenwurzel getragen wird, keinen Krieg gewinnt.

Das war mein kleiner Beitrag zu den Fernsehsendungen, Veranstaltungen und Ansprachen die jetzt zahlreich zu 2o Jahren Wiedervereinigung über uns hereinbrechen. Das Internet vergisst nichts, sagt man. Ich hoffe es!

Freitag, 9. Oktober 2009

Cash Transfer

Ich fahre russische Gäste zur EXPO Real, einer großen Immobilienmesse in München. Der Taxameter zeigt 22,60 €. Ich sage:

„22,60 bitte“

Der Russe schaut mich an und fragt:

„Euro?“

Ich antworte ihm:

„Nein, Rubel!“

Er lacht und zieht einen Rubelschein aus der Tasche. Bezahlt hat er dann doch in Euro, den 10 Rubel-Schein durfte ich aber behalten und stecke ihn in den Lüftungsschlitz.

Drei Stunden später bin ich wieder auf dem Weg zur Messe. Diesmal vom Flughafen. Die Fahrgäste sind US-Amerikaner. Die bezahlen mit Kreditkarte blank. Ein Amerikaner gruscht in seiner Hosentasche einen 5 $ Schein hervor und gibt ihn mir als Trinkgeld. Ich stecke den Lincoln zu dem Wasserkraftwerk auf dem Rubel-Schein in den Lüftungsschlitz.

An der Messe stelle ich mich in die Reihe am Taxistand. Eine Hostesse geht die Reihe der Taxis entlang und händigt uns Gutscheine für Brezn aus. Als ich den Breznbon in den Lüftungsschlitz stecke, denke ich mir das ist eine interessante Kombination:

Rubel – Dollar - Brezn

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Kurze Nachlese

Die Wiesn, unser Oktoberfest, ist vorbei. Mit ca. 5,8 Millionen Besuchern war das die schlechteste seit 2001. Wie beim Anstich schon vermutet gab es aber trotzdem neue Rekorde bei den Gewaltverbrechen. Gemessen an den Besucherzahlen, haben die bekannten Vergewaltigungen um 25 % zugenommen. Ein ähnliches Ergebnis bei den Taschendiebstählen.

Die El Kaida hat in einem ihrer Drohvideos ein Foto vom Münchener Oktoberfest eingefügt. Die Wiesn galt als mögliches Anschlagsziel. Ab dem zweiten Montagvormittag war das Fest großräumig von der Polizei abgeriegelt. In den ersten Radiomeldungen hieß es, dass die Taxis auch durch die Absperrungen dürfen. Nach zwei Stunden wurde aber auch das geändert. Es durften nur noch Anlieger, Lieferfahrzeuge und Rikschas die Absperrungen passieren. Es gab natürlich heiße Diskussionen unter uns Taxifahrern, dass die Rikschas durchdürfen und wir nicht. Wenn ich mir das von den Nachtschichtkollegen anhöre, welche Preise die Rikschafahrer für kürzeste Fahrstrecken verlangen, komme ich zu der Überlegung selbst Rikscha zu fahren. Wenn das stimmt, dass die z.B. vom Fest zum Hauptbahnhof, Entfernung zwischen 800 und 900 Meter, 30,- Euro verlangen, könnte das meinem Geldbeutel und Bauch nur gut tun.

Das zweite Thema war die Absperrung selbst. Ich denke nicht, daß sich eine international tätige und durchorganisierte Terrororganisation von den Maßnahmen der Polizei abschrecken lässt. Schließlich sollen sie ja vier Linienflugzeuge entführt und zwei davon in das WTC fliegen lassen haben. Jeder Taxifahrer hatte auch gleich mehrere Einsatzpläne parat, wie man eine Bombe, trotz der Sicherungsmaßnahmen, auf die Wiesn schmuggeln könnte. Ein Kollege war der Meinung; wenn eine Bombe hochginge, wäre das die letzte Wiesn gewesen. Das glaube ich nicht. Es handelt sich ja inzwischen um ein Milliardengeschäft. Da werden wie bei der Olympiade 1972 oder beim Oktoberfestanschlag 1980 die Leichenteile weggeräumt und die Spuren gesichert. Nach dem Tag Pause geht die Gaudi am Landhausfasching weiter. Die Blasmusik spielt auf „Oans, zwoa, gsuffa!“ Der belgische Getränkekonzern, dem die meisten (Münchner)Brauereien angehören, und die Wiesnwirte machen weiter Reibach.

Während einer Mahnwache an dem Denkmal, das nach dem Anschlag errichtet wurde, lernte ich einen Familienvater kennen, der durch die Bombe seine zwei Kinder verloren hatte. Wir wollten verhindern, dass wenigstens an einem Tag das Denkmal geachtet wird. Sonst wird es abends oft zum Urinieren oder als Abfalleimer missbraucht.

Montag, 28. September 2009

Ciao a tutti !


Letztes Wochenende war das italienische Wochenende in München. Schon seit Jahrzehnten kommen unsere italienischen Gäste zu Tausenden am mittleren Wiesn-Wochenende zum Festa della birra. Der Bayerische Rundfunk gibt seine Verkehrsdurchsagen auf italienisch durch. Auf den Strassen patrouilliert die Polizia mit den hübschen dunkelblauen Uniformen. Selbst in der Notrufzentrale der Feuerwehr sitzen zwei Feuerwehrleute aus Bozen damit die Notrufe in der Heimatsprache der Gäste aufgenommen werden können. Ich wähne mich schon in Monaco de Baviera.

Nur ihr fehlt! Wo wart ihr den Ragazzi?. In den letzten Jahren seid ihr doch mit eueren Campern in Kolonnen durch die Stadt geirrt. Später dann in Horden mit großen grauen Filzhütten hordenweise in die Innenstadt gestolpert. Dieses Wochenende wart ihr nicht sehr zahlreich vertreten. Zwei hab ich dann am Morgen gefunden. Ich hoffe, dass sie ihre Schuhe wieder finden.

Mittwoch, 23. September 2009

Zur Wahl

Gestern hatte ich gemeinsam mit meinen Kollegen eine Fahrt mit 19 Personen. Wir sind mit drei Taxibussen gefahren. In der Arnulfstrasse wurden wir frei und entschlossen uns zu einem Weißwurstfrühstück im Augustinerbiergarten. Auf dem Parkplatz sehe ich Taxis aus ganz Bayern und weitere bekannte Nummernschilder. Das kann nur eines seins Landesverbandssitzung. So ein Zufall. Bis meine Würste kamen vergingen 45 Minuten und ich hatte nicht mal Zeit einen Gruß an die Scheibenwischer zu hängen.

Aber heute dann die Entschädigung, der Kalender für die nächsten drei Tage ist mehr als voll. Zwei große Unternehmen nutzen das Oktoberfest und halten ihre Treffen in München ab. Wir übernehmen den Fahrdienst. Befreundete Taxler helfen uns. Das entschädigt mich mehr als genug. Dann am Abend schaue ich auf Spiegel.de nach und finde den Beitrag zur Bundestagswahl mit mir als Taxifahrer.
-> Hier ist der Beitrag
Tatsächlich haben die kurz vor dem Nachspann meine Stellungnahme zur Wahl reingeschnitten. Respekt Spiegel.

Dienstag, 22. September 2009

Fette Beute


Da warten sie schon auf ihre fette Beute. Acht Abschlepper hintereinander am Taxistandplatz Bavaria an der Münchener Wiesn.

Montag, 21. September 2009

O´zapft is!

Am Samstag wurde bei uns in München mit dem Faßanstich des Bürgermeisters die Wiesn eröffnet. Schon seit Jahren trinkt der Oberbürgermeister die erste Maß auf „eine friedliche Wiesn“. Das macht mich stutzig und ich suche im Internet die Kriminalitätsstatistik des Münchener Oktoberfestes. Ich stoße auf eine Seite der Polizei, auf der täglich die heftigsten Vorfälle geschildert werden. Es stimmt die Wiesn wird immer brutaler. Sexuelle Übergriffe, Taschendiebstahl und Körperverletzung werden am meisten genannt.

Ich selbst hatte am ersten Samstag die üblichen Wiesn – Begleitumstände schon um 16:00 Uhr gesehen. Ein Auffahrunfall zwischen zwei Taxis in der Schwanthalerstrasse, eine Schlägerei gleich ums Eck in der Paul-Heyse-Strasse und ein vollgekotztes Taxi am Bahnhof. Alles im Zeitrahmen von 15 Minuten. Schöne Wiesn. Am Taxistand ruft mich ein bekannter Kollege. Ich komme zu seinem Taxi und er zeigt mir das Malheur. Die Rückbank und die inneren Flächen der hinteren Türen waren voll schon Gegessenem und Getrunkenem. Der erfahrene Kollege erklärt mir gleich, daß er dazu nichts könne; er wurde am Oktoberfest frei und die Fahrgäste sind ihm ins Auto gesprungen. Ich solle bitte die Polizei rufen. Er passt auf das junge Pärchen auf, damit sie nicht abhauen können. Ich finde einen zuständigen Polizisten und bringe ihn zum Taxi. Der junge Mann hat kein Geld mehr und die Dame hat noch 20,- €. Bei der Personalienübergabe stellt sich heraus Beide sind Argentinier. Da wird’s wohl schlecht ausschauen mit der Rechnung nach Südamerika. Ich lasse mir das eine Lehre sein und bin, wenn ich mit Fahrgästen zur Wiesn komme, mit verschlossenen Türen ganz schnell wieder weg.
Heute titelt die Abendzeitung mit „Wiesn brutal wie nie“.

Bereits am ersten Tag mussten 790 verletzte Patienten, die Meisten waren Opfer von Gewaltverbrechen, versorgt werden. Das erste Wochenende ist ja schon vorbei die restlichen 14 Tage werden wir hoffentlich ohne großen Ärger über die Bühne bringen.

Freitag, 11. September 2009

Sinnvoller Service Hand in Hand


Ich fahre mit acht Fahrgästen zum Bahnhof. Der Kofferraum meines VW-Bus Taxis ist vom Boden bis zur Decke voll mit Gepäck. Unterwegs frage ich, nicht ohne Eigeninteresse, ob den jemand für das Gepäck am Bahnhof wäre. Die Fahrgäste sagen mir, das Hotel hätte einen Gepäckservice bestellt. Die Gepäckträger würden uns am Nordausgang des Hauptbahnhofs in der Arnulfstrasse mit zwei großen Gepäckwagen erwarten. Ich war neugierig was passiert. Als wir am Bahnhof ankommen stehen da tatsächlich schon zwei Porter mit ihren Wägen bereit. Sie waren wirklich freundlich und beim Ausladen des Gepäcks sehr hilfsbereit. Ich frage einen Träger ob er mir eine Visitenkarte geben könnte. Er gibt mir gleich einen kleinen Stapel. Ich werde mir auf alle Fälle eine behalten. Für unsere Kunden ist das ein toller Service. Auf der Rückseite der Karten lese ich, dass der Träger des Gepäckservices der KMFV, der Katholische Männerfürsorgeverein München, ist. Das finde ich mal eine gute Einrichtung. Die Handynummer der Porter am Hauptbahnhof München ist:

0176 / 88 10 51 89.

Am Standplatz verteile ich die restlichen Karten. Vom Kollegen Martin erfahre ich, dass es den gleichen Service auch am Flughafen München gibt. Dort erreicht man die Porter unter der Telefonnummer:

0171 / 37 27 179

Die Gepäckträger am Flughafen kannte ich schon, die am Bahnhof habe ich seit über 10 Jahren vermisst.

Dienstag, 1. September 2009

Burg Trausnitz in Landshut


Brütende Hitze am Taxistand. Stillstand am Bahnhof – Nord. Ich rufe meinen Taxi-Kollegen Robert an. Er macht auch frei. Den Stich ( die Taxifahrt ) will ich noch machen. Ich habe Glück, es steigen Vater und Tochter ein. Die Tochter studiert und ist FC Bayern. Jetzt fahren sie zur Allianz Arena zum Spiel FC Bayern gegen Wolfsburg. Das Ergebnis war 3:0 für den FC Bayern. Von der Allianz Arena ist es nicht mehr weit zu Robert. Ich hole ihn ab, er hat die wichtigen Stative dabei, und wir fahren nach Landshut zur Burg Trausnitz. In der ESSO wurde schon oft nach dem „Roller Robert“ gefragt. Hier ist er, er versteckt sich noch hinter seinem Fotoapparat.


Wir wundern uns schon, dass wir kaum einen Parkplatz finden. Der Parkwächter, der uns dankenswerterweise doch noch reingelassen hat informiert uns; Hans Söllner tritt auf. Auf dem Weg zur Burg treffen wir auf die lange Schlange vor der Konzertkasse. Das Konzert ist im Rahmen der dreitägigen Kultour – Veranstaltung. Wir wollen weiter zur Burg und testen dabei ausgiebig unsere Kameras und Roberts essentielles Stativ. Auf dem Vorplatz der Burg angekommen erklärt uns ein Ordner, wenn wir nicht zur Hochzeitsgesellschaft gehörten, kämen wir nicht mehr weiter. Das Restaurant in der Burg mit der tollen Aussicht über Landshut ist auch von der Hochzeitsgesellschaft belegt. Wir gehen um die Burg und setzen uns auf eine andere Terrasse des Restaurants. Von hier können wir von oben die Landshuter Dult beobachten und filmen. Es kommen immer wieder Gäste von der Hochzeit zu uns auf die Terrasse um zu rauchen. Nach einer Stunde kommt sogar das Brautpaar und findet die Aussicht passend für ein Hochzeitsfoto. Sie holen den Fotografen. Er bemüht sich seine Profikamera auf dem Biertisch auszurichten. Wir leihen ihm Roberts wichtigstes Utensil – das Stativ! Wir wollen weiter zu dem Konzert. Der Fotograf bedankt sich und schließt sich uns an. Ihm gelingen vier gute Aufnahmen von ganz vorne vor der Bühne. Wir bleiben hinten und lassen uns vom Mond und dem Geruch betören.

Als wir den Parkplatz verlassen kommt uns die Idee die Abfahrt zu filmen. Erst soll man den Bus mit der Anzeige „Burgfestival“ sehen, das Bild soll größer werden und zu guter Letzt das Taxi durch die Szenerie rollen und im Dunkeln verschwinden. Auch hier ist uns Roberts Stativ hilfreich. Naja, wir müssen noch üben, aber ein Anfang ist gemacht. Ich segne den Tag, an dem ich Filmchen ohne Pillarboxen auf Youtube hochladen kann.



@Robert: Ich habe dich mit dem Stativ genug geärgert, ab jetzt nicht mehr.

Montag, 31. August 2009

Spät aber noch rechtzeitig

Trixi hat in ihrem Post-> Die Wahl der Wähler Werbung zur Wahl gemacht. Ich wollte gleich antworten, musste mich aber auch nach den Anderen richten. Spiegel-Online zeichnet unter dem Titel „40 x Deutschland“ das Porträt von 40 Wahlberechtigten in Deutschland. Die meisten finden sich in Berlin, wo auch der Sitz des Online-Dienstes des Nachrichtenmagazins sitzt. Sie wollen so etwas wie Klempner in Saarbrücken, Kellnerin in Erfurt, Manager in Frankfurt, … und auch Taxifahrer in München. Das passt! Jetzt kann ich antworten.

Wir treffen uns auf dem Parkplatz hinter dem Haus der Kunst. Spiegel-Online kommt mit zwei Leuten, der Redakteurin, die auch den Ton macht und ein Kameramann. Die erste Einstellung, eine Vorbeifahrt mit Taxi, wird gleich auf dem Parkplatz gedreht. Es folgen Tanken (natürlich an unserer beliebten Tanke), Scheiben putzen, Taxifahrt, Gespräch am Taxistand (natürlich an unserem beliebten Bahnhof Nord) und schließlich mein Statement zur Wahl. Was soll ich sagen, was ich denke oder was die Demokratur hören will. Kurzentschlossen entscheide ich mich für das Erste.

Das Team ist eingespielt, besonders der Kameramann arbeitet mit Plan und Ziel. Im Nu haben wir viel Material. Ich frage ob mein Statement auch online gestellt wird. Es ist ja alles andere als die Leute zur Wahl zu schicken. Die Spiegel-Leute glauben der Beitrag wird gefallen und online gestellt. Schau ma moi! Es kommt ja noch auf die Schnitte an. Aber wenn, dann FETT RESPECT. Ich werde dann natürlich hier im Blog zu dem Beitrag verlinken.

Freitag, 28. August 2009

Backstage

Gestern habe ich meinen ersten Newsletter verschickt. Er enthält kurze Anreißer mit einem Link zu meiner Taxi – Homepage und Blog. Auf der Homepage gibt es Informationen für Taxifahrer und Fahrgäste, Unterhaltsames findet man im Taxi-Blog. Aber da seid ihr ja schon. Selbstverständlich gibt es in jedem Letter einen Link zur An- und Abmeldung.

Am Bahnhof Nord treffe ich Stefan von -> taxipress.de. Es freut mich, dass er auch meinen Newsletter will. Als Dritter bekomme ich eine Fahrt mit fünf Jugendlichen. Manchmal hat der Taxibus auch Vorteile. Als Fahrtziel nennen sie mir das Backstage. Eine Discothek, heute wird das Club genannt, in dem oft Bands Live auftreten. Als inzwischen Tagfahrer kenne ich das Backstage in der Wilhelm-Hale-Strasse, nahe der Friedenheimer Brücke. Die Strecke vom Bahnhof zu der Brücke führt einfach der Arnulfstrasse entlang. Ich fahre los und erzähle von dem alten Backstage in Fürstenried. Das war vor so ungefähr 17 Jahren. Der Betreiber des Backstage, für uns Jungspunde damals ein alter Hippie mit Bart, fuhr mehrmals in der Woche spät in der Nacht oder früh am Morgen von Fürstenried nach Laim. Nach einigen Fahrten war er bei uns Nachtfahrern bekannt und beliebt.

Leo, ein Freund und Kollege, und ich standen in der FINA – Tankstelle bei der Kaffeepause. Es tauchten zwei junge Frauen auf. Das Kennzeichen ihres Autos verriet uns, dass sie aus der Gegend um Ulm kamen. Das Aussehen der Beiden war mehr als interessant und macht uns Neugierig. Beide waren Schwarz in Schwarz gekleidet. Zu den löchrigen schwarzen Strumpfhosen trugen sie schwere Stiefel. Das Gesicht kreidebleich. Die Haare bei beiden schwarz wie die Nacht. Sie wollten den Weg zum Backstage wissen. Es tritt dort eine bekannte Gruppe auf. Wir entschließen uns ihnen den Weg zu zeigen indem wir einfach mit unserem Taxi voraus fahren. Ein weiterer Grund war unsere Neugier, was da wohl abgeht, wenn solche Leute von soweit her kommen. Wir haben die Beiden auf den Parkplatz gelotst und uns verabschiedet. Schon vor dem Backstage sehen wir uns mitten unter den Schwarzen. Jetzt wo wir schon mal da sind haben wir auch die 10,- Mark für den Eintritt übrig. Irgendwie fallen wir auf. An einem Tisch gleich am Eingang werden Musik-Kassetten und T-Shirts angeboten. Wir entscheiden uns für ein T-Shirt, natürlich in schwarz, mit weißem Aufdruck. Es ist der Name der Band in Gotisch Fraktur (eine alte deutsche Drucktype) und ein furchterregender Totenkopf abgebildet. So ausgestattet gehen wir weiter ins Backstage. Es tritt eine Gothic – Band auf. Bei einem Lied hat der Sänger eine Gasmaske auf und wir hören anstelle des Gesangs nur das schwere Atmen über die Boxen. Ich denke mal das war so gewollt. Der Höhepunkt am Ende des Konzerts: Die Bühne würde mit dünner durchsichtiger Malerfolie aus dem Baumarkt verhängt. Dahinter Band und Sänger. Am Ende des Lieds tritt der Sänger von hinten an die Folie und wickelt sich darin ein.

O heilige Nachtfahrer - Zeit. Wir hatten viel Zeit und Muße für solche Experimente. Das Geschäft ermöglichte das auch.

Inzwischen waren wir in der Arnulfstrasse Höhe Donnersberger Brücke, das ist ungefähr der halbe Weg, angelangt. Hier, sage ich, und deute dorthin wo jetzt der Mercedes Turm steht, war das Backstage nachdem es in Fürstenried war. In der Nähe der Freiheizhalle. Jetzt aber ist es in der Wilhelm-Hale-Strasse. Dort angekommen sage ich:

Da ist es aber ganz schön dunkel.

Der Fahrgast meint:

Weil es jetzt da drüben ist.

Jetzt sind die schon wieder umgezogen! Ein Club – die vierte Adresse. Schlagartig wird mir die Vergänglichkeit bewusst. Der Fahrgast verabschiedet sich noch mit:
Danke für die Geschichtsstunde.
Bin ich jetzt Zeitzeuge einer anderen Generation? Bin ich schon die andere Generation? Nachdenklich fahre ich nach Hause. Im Radio drehe ich solange bis ich Techno empfange. Ach ja Techno, Munich Rave City, das war ja auch noch dazwischen …

Donnerstag, 27. August 2009

Viel Rauch und Qualm

In dieser Woche habe von einem befreundeten Taxiunternehmen in Ismaning einen Auftrag bekommen. Ich war soeben auf dem Rückweg vom Flughafen und eine Kundin aus Garching musste dringend nach Dachau ins Krankenhaus. Ich hatte es eilig und auf dem Weg nach Garching bildete sich eine lange Autoschlange. Ganz am Anfang der Schlange sah ich eine meterhohe Rauchsäule und von Hitze flirrende Luft. Plötzlich erkannte ich eine Menge weißen Pulverstaub und der Qualm löste sich auf. Als ich dann an der Unfallstelle vorbeifuhr konnte ich erkennen was geschehen war. Ein VW-Bus Transporter war vorne völlig ausgebrannt. Von den Sitzen waren nur noch die Drahtgestelle zu erkennen. Die Insassen, augenscheinlich Handwerker, standen alle unverletzt neben dem Wrack. Die Polizei hatte mit ihren Feuerlöschern den Brand gelöscht.

Auf dem Rückweg konnte ich im Vorbeifahren ein Bild von dem ausgebrannten VW Bus schießen.

Sonntag, 23. August 2009

Taxi und Tram (Strassenbahn)

Seit ein paar Monaten können die Taxis in München den Schienersatzverkehr (SEV) durchführen. Das System wurde im Taxikurier vorgestellt. Der Taxiunternehmer muss zunächst einen Vertrag bei der Genossenschaft unterschreiben. In dem Vertrag ist die Durchführung und Abrechnung der Fahrten geregelt. Das Wesentlichste: Kann die Strassenbahn das Gleis nicht mehr benutzen, rufen die MVG (Münchener Verkehrsverbund) über die Zentrale der Taxi München eG Taxis um die wartenden Fahrgäste weiter zu befördern. Der Auftrag wird über Datenfunk an die angeschlossenen Taxis weitergegeben. Die Taxis legen das SEV – Schildchen hinter die Windschutzscheibe und fahren zu der Anfangs- bzw. Endhaltestelle der betroffenen Linie. Dort steigen die Fahrgäste zu, die Taxiuhr wird angeschaltet und man beginnt die Linie entlang zu fahren. An der nächsten Haltestelle stehen bleiben aus- und zusteigen lassen bis der Schaden behoben ist und die Zentrale über Sprechfunk den Einsatz beendet. Der auf dem Taxameter aufgelaufene Fahrpreis wird über Datenfunk gesendet und auf das Unternehmerkonto überwiesen.


Gestern stand ich und noch ein Taxibus im Tal als wir den Auftrag bekamen. Anfang der Tour war der Wettersteinplatz in Giesing. Schnell fahren wir zu der ersten Haltestelle. Dort warten schon ca. 150 Fahrgäste und steigen sofort zu. Das Taxi war im nu voll. Ich war voll besetzt und keiner meiner Fahrgäste musste bei der folgenden Haltestelle aussteigen. Obwohl dort auch Tramgäste warteten, überfuhr ich die Haltestelle. Es hätte ja keinen Sinn stehenzubleiben und den Wartenden zu sagen, dass sie nicht mitgenommen werden können. Zwei Haltestellen steigen drei Fahrgäste aus und ich kann wieder neue zusteigen lassen. Jeder wollte wissen was passiert sei. Ich wusste es aber selbst nicht. Am Theodolindenplatz sehen wir schon Feuerwehr und Polizei. Ein PKW – Fahrer war auf die Schienen geraten und jetzt musste das Auto entfernt werden. Der Verkehrsverbund setzt jetzt auch einen Linienbus ein um die Fahrgäste zu befördern. Nach 40 Minuten war der Einsatz vorbei und ich meldete die 24,30 € an die Zentrale.




Auf Youtube werden meine Videos mit Pillarboxen, den schwarzen Rändern am linken und rechten Rand, dargestellt. Das ärgert mich, weil es in den andern Viewern korrekt angezeigt wird. Ich suche noch nach einer Lösung.

Freitag, 21. August 2009

Verfluchte Technik, einfach verhext

Am Flughafen München warten wir Taxifahrer oft fünf, sechs oder sogar sieben Stunden bis wir an der Reihe sind. Entsprechend groß ist dann die Enttäuschung, wenn man nur eine kurze Fahrt erwischt. Um den Schaden für den Pechvogel etwas einzugrenzen gibt es schon seit Jahren ein Kurzstreckenregelung. Erwischt der Fahrer nur eine kurze Fahrt und ist erwartungsgemäß innerhalb von 20 Minuten wieder da, zieht er seine Fahrerkarte durch den Schlitz des Kurzstreckenautomaten. Kommt er dann zurück zieht er die Karte ein zweites mal durch den Schlitz, ein grünes Lämpchen leuchtet und er darf sich wieder vorne in der Reihe aufstellen und den nächsten Fahrgast aufnehmen.
Gestern Abend bekam ich Fahrgäste nach Hallbergmoos. Das Ziel erreicht man locker in sieben bis acht Minuten. Meine Fahrgäste kannten die Prozedur und haben sich beim Bezahlen und Ausladen dankenswerterweise sehr beeilt. Ich beobachtete die Uhr in meinem Tachofeld und zähle nahezu jede Minute mit. Nach 17 Minuten komme ich wieder zurück ins Terminal. Fahre bis an die Spitze der Reihe, springe aus dem Taxi, ziehe die Karte – ROTES Lämpchen. Die Kollegen schauen betreten zur Seite. Der Taxieinweiser zuckt die Schultern, da könne er nichts machen.

O.K. vielleicht habe ich einen Fehler gemacht und fahre wütend über die Autobahn. Den halben Tag für nichts in der Gluthitze am Flughafen verschwendet. Wut ist eine starke Emotion und ich versuche sie in positive Energie umzuwandeln. Es gelingt mir auch indem ich beschließe noch mehr Werbung zu machen. Tatsächlich habe ich in meinem erregten Zustand eine gute Idee. Nach 20 Kilometer auf der Autobahn hat sich meine Wut besänftigt und ich freu mich sogar, wie ich noch mehr Kunden direkt am Modul abholen kann. Den Kurzstreckenautomaten kann ich dann im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen.


Heute in der Früh geht es mit der Technik wieder weiter ich stehe schon seit Minuten am Taxistand vor dem Hotel Renaissance. Das Datenfunkgerät gibt mir keinen dunkelblauen Balken, so dass ich mich am Stand einbuchen kann. Ich arbeite auf den Tag hin, an dem ich den ganzen Schrott nicht mehr brauche.



Ein Kollege am Flughafen hatte wirklich eine gute Idee. Die Araber, aber nahezu alle, fragen uns Taxifahrer ein Loch in den Bauch. Wie weit ist es dahin, wie lange dauert die Fahrt, wo ist das nächste Einkaufszentrum, der nächste Freizeitpark, der höchste Berg, wo gibt es Schnee, wie viel kostet dieses, wie viel kostet jenes. Der Kollege hat eine Liste mit den bei unseren Gästen aus dem Morgenland beliebten Zielen gestaltet und ausgedruckt. Ich habe noch ein paar Ziele und Sehenswürdigkeiten hinzugefügt und für ihn und mich ausgedruckt. Ich traf ihn wieder, er hat die Liste weiter verbessert. Jetzt haben wir sogar schon Text in arabischer Sprache und Schriftzeichen.


Ich stehe mit meinem Taxi an einem meiner Lieblingsstandplätze Bahnhof Nord. Endlich bin ich bis zur dritten Position vorgerückt. Ich bekomme einen Funkauftrag; Hotel Ludwig, Arnulfstrasse 12. Die Entfernung zum Hotel Ludwig ist ca. 50 Meter. Ich komme zum Hotel und zwei junge Araber stürmen auf mich zu, schmeißen ihr Gepäck in den Kofferraum. Als Fahrziel nennen sie mir den Hauptbahnhof. Ich kann nicht glauben, dass sie den Bahnhof auf der gegenüberliegenden Straßenseite meinen und frage welchen Bahnhof. Sie zeigen auf den Bahnhof und sagen tatsächlich den da. Also gut, ich fahre los. Bei der nächsten Kreuzung kann ich wenden, muss aber bei Rot anhalten. Die beiden Fahrgäste sagen mir, dass sie es eilig hätten und zeigen mir eine Fahrkarte für eine Fahrt nach Frankfurt / Flughafen, Abfahrt 16:50 Uhr. Ich weise auf meine Uhr, sie zeigt 16:52 Uhr. Sie sagen mir der Zug würde 10 Minuten warten. Am Bahnhof angekommen sind die beiden Parkplätze für die Taxis von Privatfahrzeugen belegt. Ich parke direkt vor dem Eingang. Wir stürmen mit Gepäck in den Bahnhof. Am Bahnsteig angekommen stellen wir fest dass der Zug pünktlich abgefahren ist. Die Beiden bitten mich zu schauen wann der nächste Zug fährt. Mashallah, in 40 Minuten geht der nächste ICE nach Frankfurt und der Fahrgast kann sein Flugzeug am Flughafen Frankfurt noch erreichen. Ich bringe sie noch zum richtigen Bahnsteig. Der Zug steht schon da, aber die Türen sind noch verschlossen. Ich solle doch noch bitte bei ihnen bleiben bis alles in Ordnung geht. Gut ich bleibe, muss aber die Beiden etwas alleine lassen und erst das Taxi richtig parken. Sie sollen sich nicht von der Stelle rühren und nichts anfassen. Ich parke das Taxi, auf dem Weg durch den Bahnhof zum Bahnsteig kaufe ich für uns noch drei kleine Flaschen Wasser. Als ich ankomme stehen sie noch brav vor dem inzwischen geöffneten Zug. Ich gebe ihnen das Wasser. Es fährt nur Einer nach Frankfurt. Der andere bleibt in München. Ich sage ihm wo er sich hinsetzen soll. Wir verabschieden uns. Der zweite Fahrgast will mit mir noch zum Hotel Stollberg Plaza weiterfahren. Vor dem Hotel stehen alles in Allem 16,80 € auf dem Taxameter. Er gibt mir sichtlich zufrieden einen 50 Euro Schein und meint: „Keep the rest“. Ich bedanke mich. Die Familie kommt nächstes Jahr wieder nach München und sie werden sich sicher bei mir melden.

Ich komme jetzt mehr und mehr mit den arabischen Gästen klar. Anfangs wirkten sie überheblich und arrogant, jetzt wo ich einige etwas näher kenne, denke ich, dass es nur Unsicherheit ist.


An einem bei Arabern beliebten Hotel stieg mir eine Gruppe ein und wollte nur eine kurze Strecke ins Park Hilton. Kaum waren wir an der nächsten Kreuzung, ging es wieder los: How much to Zell am See, to Garmisch Big Mountain, where the snow is, to Europapark … Ich zücke unsere Liste, und alles was sie wissen wollten ist dort aufgeführt. Das wichtigste ist sogar in arabisch. Auf der Fahrt sehe ich im Rückspiegel, wie sich die Gäste selbst von der zweiten Rückbank nach vorne beugen und ihre zum Teil verschleierten Nasen in unsere Liste stecken. Sie fragen ob sie sie behalten dürfen. Selbstverständlich! Ist ja meine Nummer drauf. Es ist genauso wie mein Kollege gesagt hat, die Liste zieht. Nächsten Sommer gibt es ein kleines Heftchen mit Fotos. Es funktioniert, mein Entschluss von der nächtlichen Autofahrt vom Flughafen trägt schon erste (noch) kleine Früchte. Der Tag fand noch einen tollen Abschluss. Ich habe mich mit einem Kollegen verabredet. Wir treffen uns am Starnberger See und schwimmen ein paar Runden. Über uns der sternenklare Himmel. Wir mitten im erfrischenden Nass. Ich empfinde Taxifahren wieder als Passion und mein Tag ist gerettet.




Ach ja! Die Entschädigung, dass ich mich am Vormittag am Renaissance – Stand am Datenfunk nicht anmelden konnte habe ich auch schon bekommen. Nachmittags war ich dann an der Impler / Lindwurmstrasse noch immer als Dritter am Taxistand Harras eingebucht.