Montag, 31. August 2009

Spät aber noch rechtzeitig

Trixi hat in ihrem Post-> Die Wahl der Wähler Werbung zur Wahl gemacht. Ich wollte gleich antworten, musste mich aber auch nach den Anderen richten. Spiegel-Online zeichnet unter dem Titel „40 x Deutschland“ das Porträt von 40 Wahlberechtigten in Deutschland. Die meisten finden sich in Berlin, wo auch der Sitz des Online-Dienstes des Nachrichtenmagazins sitzt. Sie wollen so etwas wie Klempner in Saarbrücken, Kellnerin in Erfurt, Manager in Frankfurt, … und auch Taxifahrer in München. Das passt! Jetzt kann ich antworten.

Wir treffen uns auf dem Parkplatz hinter dem Haus der Kunst. Spiegel-Online kommt mit zwei Leuten, der Redakteurin, die auch den Ton macht und ein Kameramann. Die erste Einstellung, eine Vorbeifahrt mit Taxi, wird gleich auf dem Parkplatz gedreht. Es folgen Tanken (natürlich an unserer beliebten Tanke), Scheiben putzen, Taxifahrt, Gespräch am Taxistand (natürlich an unserem beliebten Bahnhof Nord) und schließlich mein Statement zur Wahl. Was soll ich sagen, was ich denke oder was die Demokratur hören will. Kurzentschlossen entscheide ich mich für das Erste.

Das Team ist eingespielt, besonders der Kameramann arbeitet mit Plan und Ziel. Im Nu haben wir viel Material. Ich frage ob mein Statement auch online gestellt wird. Es ist ja alles andere als die Leute zur Wahl zu schicken. Die Spiegel-Leute glauben der Beitrag wird gefallen und online gestellt. Schau ma moi! Es kommt ja noch auf die Schnitte an. Aber wenn, dann FETT RESPECT. Ich werde dann natürlich hier im Blog zu dem Beitrag verlinken.

Freitag, 28. August 2009

Backstage

Gestern habe ich meinen ersten Newsletter verschickt. Er enthält kurze Anreißer mit einem Link zu meiner Taxi – Homepage und Blog. Auf der Homepage gibt es Informationen für Taxifahrer und Fahrgäste, Unterhaltsames findet man im Taxi-Blog. Aber da seid ihr ja schon. Selbstverständlich gibt es in jedem Letter einen Link zur An- und Abmeldung.

Am Bahnhof Nord treffe ich Stefan von -> taxipress.de. Es freut mich, dass er auch meinen Newsletter will. Als Dritter bekomme ich eine Fahrt mit fünf Jugendlichen. Manchmal hat der Taxibus auch Vorteile. Als Fahrtziel nennen sie mir das Backstage. Eine Discothek, heute wird das Club genannt, in dem oft Bands Live auftreten. Als inzwischen Tagfahrer kenne ich das Backstage in der Wilhelm-Hale-Strasse, nahe der Friedenheimer Brücke. Die Strecke vom Bahnhof zu der Brücke führt einfach der Arnulfstrasse entlang. Ich fahre los und erzähle von dem alten Backstage in Fürstenried. Das war vor so ungefähr 17 Jahren. Der Betreiber des Backstage, für uns Jungspunde damals ein alter Hippie mit Bart, fuhr mehrmals in der Woche spät in der Nacht oder früh am Morgen von Fürstenried nach Laim. Nach einigen Fahrten war er bei uns Nachtfahrern bekannt und beliebt.

Leo, ein Freund und Kollege, und ich standen in der FINA – Tankstelle bei der Kaffeepause. Es tauchten zwei junge Frauen auf. Das Kennzeichen ihres Autos verriet uns, dass sie aus der Gegend um Ulm kamen. Das Aussehen der Beiden war mehr als interessant und macht uns Neugierig. Beide waren Schwarz in Schwarz gekleidet. Zu den löchrigen schwarzen Strumpfhosen trugen sie schwere Stiefel. Das Gesicht kreidebleich. Die Haare bei beiden schwarz wie die Nacht. Sie wollten den Weg zum Backstage wissen. Es tritt dort eine bekannte Gruppe auf. Wir entschließen uns ihnen den Weg zu zeigen indem wir einfach mit unserem Taxi voraus fahren. Ein weiterer Grund war unsere Neugier, was da wohl abgeht, wenn solche Leute von soweit her kommen. Wir haben die Beiden auf den Parkplatz gelotst und uns verabschiedet. Schon vor dem Backstage sehen wir uns mitten unter den Schwarzen. Jetzt wo wir schon mal da sind haben wir auch die 10,- Mark für den Eintritt übrig. Irgendwie fallen wir auf. An einem Tisch gleich am Eingang werden Musik-Kassetten und T-Shirts angeboten. Wir entscheiden uns für ein T-Shirt, natürlich in schwarz, mit weißem Aufdruck. Es ist der Name der Band in Gotisch Fraktur (eine alte deutsche Drucktype) und ein furchterregender Totenkopf abgebildet. So ausgestattet gehen wir weiter ins Backstage. Es tritt eine Gothic – Band auf. Bei einem Lied hat der Sänger eine Gasmaske auf und wir hören anstelle des Gesangs nur das schwere Atmen über die Boxen. Ich denke mal das war so gewollt. Der Höhepunkt am Ende des Konzerts: Die Bühne würde mit dünner durchsichtiger Malerfolie aus dem Baumarkt verhängt. Dahinter Band und Sänger. Am Ende des Lieds tritt der Sänger von hinten an die Folie und wickelt sich darin ein.

O heilige Nachtfahrer - Zeit. Wir hatten viel Zeit und Muße für solche Experimente. Das Geschäft ermöglichte das auch.

Inzwischen waren wir in der Arnulfstrasse Höhe Donnersberger Brücke, das ist ungefähr der halbe Weg, angelangt. Hier, sage ich, und deute dorthin wo jetzt der Mercedes Turm steht, war das Backstage nachdem es in Fürstenried war. In der Nähe der Freiheizhalle. Jetzt aber ist es in der Wilhelm-Hale-Strasse. Dort angekommen sage ich:

Da ist es aber ganz schön dunkel.

Der Fahrgast meint:

Weil es jetzt da drüben ist.

Jetzt sind die schon wieder umgezogen! Ein Club – die vierte Adresse. Schlagartig wird mir die Vergänglichkeit bewusst. Der Fahrgast verabschiedet sich noch mit:
Danke für die Geschichtsstunde.
Bin ich jetzt Zeitzeuge einer anderen Generation? Bin ich schon die andere Generation? Nachdenklich fahre ich nach Hause. Im Radio drehe ich solange bis ich Techno empfange. Ach ja Techno, Munich Rave City, das war ja auch noch dazwischen …

Donnerstag, 27. August 2009

Viel Rauch und Qualm

In dieser Woche habe von einem befreundeten Taxiunternehmen in Ismaning einen Auftrag bekommen. Ich war soeben auf dem Rückweg vom Flughafen und eine Kundin aus Garching musste dringend nach Dachau ins Krankenhaus. Ich hatte es eilig und auf dem Weg nach Garching bildete sich eine lange Autoschlange. Ganz am Anfang der Schlange sah ich eine meterhohe Rauchsäule und von Hitze flirrende Luft. Plötzlich erkannte ich eine Menge weißen Pulverstaub und der Qualm löste sich auf. Als ich dann an der Unfallstelle vorbeifuhr konnte ich erkennen was geschehen war. Ein VW-Bus Transporter war vorne völlig ausgebrannt. Von den Sitzen waren nur noch die Drahtgestelle zu erkennen. Die Insassen, augenscheinlich Handwerker, standen alle unverletzt neben dem Wrack. Die Polizei hatte mit ihren Feuerlöschern den Brand gelöscht.

Auf dem Rückweg konnte ich im Vorbeifahren ein Bild von dem ausgebrannten VW Bus schießen.

Sonntag, 23. August 2009

Taxi und Tram (Strassenbahn)

Seit ein paar Monaten können die Taxis in München den Schienersatzverkehr (SEV) durchführen. Das System wurde im Taxikurier vorgestellt. Der Taxiunternehmer muss zunächst einen Vertrag bei der Genossenschaft unterschreiben. In dem Vertrag ist die Durchführung und Abrechnung der Fahrten geregelt. Das Wesentlichste: Kann die Strassenbahn das Gleis nicht mehr benutzen, rufen die MVG (Münchener Verkehrsverbund) über die Zentrale der Taxi München eG Taxis um die wartenden Fahrgäste weiter zu befördern. Der Auftrag wird über Datenfunk an die angeschlossenen Taxis weitergegeben. Die Taxis legen das SEV – Schildchen hinter die Windschutzscheibe und fahren zu der Anfangs- bzw. Endhaltestelle der betroffenen Linie. Dort steigen die Fahrgäste zu, die Taxiuhr wird angeschaltet und man beginnt die Linie entlang zu fahren. An der nächsten Haltestelle stehen bleiben aus- und zusteigen lassen bis der Schaden behoben ist und die Zentrale über Sprechfunk den Einsatz beendet. Der auf dem Taxameter aufgelaufene Fahrpreis wird über Datenfunk gesendet und auf das Unternehmerkonto überwiesen.


Gestern stand ich und noch ein Taxibus im Tal als wir den Auftrag bekamen. Anfang der Tour war der Wettersteinplatz in Giesing. Schnell fahren wir zu der ersten Haltestelle. Dort warten schon ca. 150 Fahrgäste und steigen sofort zu. Das Taxi war im nu voll. Ich war voll besetzt und keiner meiner Fahrgäste musste bei der folgenden Haltestelle aussteigen. Obwohl dort auch Tramgäste warteten, überfuhr ich die Haltestelle. Es hätte ja keinen Sinn stehenzubleiben und den Wartenden zu sagen, dass sie nicht mitgenommen werden können. Zwei Haltestellen steigen drei Fahrgäste aus und ich kann wieder neue zusteigen lassen. Jeder wollte wissen was passiert sei. Ich wusste es aber selbst nicht. Am Theodolindenplatz sehen wir schon Feuerwehr und Polizei. Ein PKW – Fahrer war auf die Schienen geraten und jetzt musste das Auto entfernt werden. Der Verkehrsverbund setzt jetzt auch einen Linienbus ein um die Fahrgäste zu befördern. Nach 40 Minuten war der Einsatz vorbei und ich meldete die 24,30 € an die Zentrale.




Auf Youtube werden meine Videos mit Pillarboxen, den schwarzen Rändern am linken und rechten Rand, dargestellt. Das ärgert mich, weil es in den andern Viewern korrekt angezeigt wird. Ich suche noch nach einer Lösung.

Freitag, 21. August 2009

Verfluchte Technik, einfach verhext

Am Flughafen München warten wir Taxifahrer oft fünf, sechs oder sogar sieben Stunden bis wir an der Reihe sind. Entsprechend groß ist dann die Enttäuschung, wenn man nur eine kurze Fahrt erwischt. Um den Schaden für den Pechvogel etwas einzugrenzen gibt es schon seit Jahren ein Kurzstreckenregelung. Erwischt der Fahrer nur eine kurze Fahrt und ist erwartungsgemäß innerhalb von 20 Minuten wieder da, zieht er seine Fahrerkarte durch den Schlitz des Kurzstreckenautomaten. Kommt er dann zurück zieht er die Karte ein zweites mal durch den Schlitz, ein grünes Lämpchen leuchtet und er darf sich wieder vorne in der Reihe aufstellen und den nächsten Fahrgast aufnehmen.
Gestern Abend bekam ich Fahrgäste nach Hallbergmoos. Das Ziel erreicht man locker in sieben bis acht Minuten. Meine Fahrgäste kannten die Prozedur und haben sich beim Bezahlen und Ausladen dankenswerterweise sehr beeilt. Ich beobachtete die Uhr in meinem Tachofeld und zähle nahezu jede Minute mit. Nach 17 Minuten komme ich wieder zurück ins Terminal. Fahre bis an die Spitze der Reihe, springe aus dem Taxi, ziehe die Karte – ROTES Lämpchen. Die Kollegen schauen betreten zur Seite. Der Taxieinweiser zuckt die Schultern, da könne er nichts machen.

O.K. vielleicht habe ich einen Fehler gemacht und fahre wütend über die Autobahn. Den halben Tag für nichts in der Gluthitze am Flughafen verschwendet. Wut ist eine starke Emotion und ich versuche sie in positive Energie umzuwandeln. Es gelingt mir auch indem ich beschließe noch mehr Werbung zu machen. Tatsächlich habe ich in meinem erregten Zustand eine gute Idee. Nach 20 Kilometer auf der Autobahn hat sich meine Wut besänftigt und ich freu mich sogar, wie ich noch mehr Kunden direkt am Modul abholen kann. Den Kurzstreckenautomaten kann ich dann im wahrsten Sinne des Wortes links liegen lassen.


Heute in der Früh geht es mit der Technik wieder weiter ich stehe schon seit Minuten am Taxistand vor dem Hotel Renaissance. Das Datenfunkgerät gibt mir keinen dunkelblauen Balken, so dass ich mich am Stand einbuchen kann. Ich arbeite auf den Tag hin, an dem ich den ganzen Schrott nicht mehr brauche.



Ein Kollege am Flughafen hatte wirklich eine gute Idee. Die Araber, aber nahezu alle, fragen uns Taxifahrer ein Loch in den Bauch. Wie weit ist es dahin, wie lange dauert die Fahrt, wo ist das nächste Einkaufszentrum, der nächste Freizeitpark, der höchste Berg, wo gibt es Schnee, wie viel kostet dieses, wie viel kostet jenes. Der Kollege hat eine Liste mit den bei unseren Gästen aus dem Morgenland beliebten Zielen gestaltet und ausgedruckt. Ich habe noch ein paar Ziele und Sehenswürdigkeiten hinzugefügt und für ihn und mich ausgedruckt. Ich traf ihn wieder, er hat die Liste weiter verbessert. Jetzt haben wir sogar schon Text in arabischer Sprache und Schriftzeichen.


Ich stehe mit meinem Taxi an einem meiner Lieblingsstandplätze Bahnhof Nord. Endlich bin ich bis zur dritten Position vorgerückt. Ich bekomme einen Funkauftrag; Hotel Ludwig, Arnulfstrasse 12. Die Entfernung zum Hotel Ludwig ist ca. 50 Meter. Ich komme zum Hotel und zwei junge Araber stürmen auf mich zu, schmeißen ihr Gepäck in den Kofferraum. Als Fahrziel nennen sie mir den Hauptbahnhof. Ich kann nicht glauben, dass sie den Bahnhof auf der gegenüberliegenden Straßenseite meinen und frage welchen Bahnhof. Sie zeigen auf den Bahnhof und sagen tatsächlich den da. Also gut, ich fahre los. Bei der nächsten Kreuzung kann ich wenden, muss aber bei Rot anhalten. Die beiden Fahrgäste sagen mir, dass sie es eilig hätten und zeigen mir eine Fahrkarte für eine Fahrt nach Frankfurt / Flughafen, Abfahrt 16:50 Uhr. Ich weise auf meine Uhr, sie zeigt 16:52 Uhr. Sie sagen mir der Zug würde 10 Minuten warten. Am Bahnhof angekommen sind die beiden Parkplätze für die Taxis von Privatfahrzeugen belegt. Ich parke direkt vor dem Eingang. Wir stürmen mit Gepäck in den Bahnhof. Am Bahnsteig angekommen stellen wir fest dass der Zug pünktlich abgefahren ist. Die Beiden bitten mich zu schauen wann der nächste Zug fährt. Mashallah, in 40 Minuten geht der nächste ICE nach Frankfurt und der Fahrgast kann sein Flugzeug am Flughafen Frankfurt noch erreichen. Ich bringe sie noch zum richtigen Bahnsteig. Der Zug steht schon da, aber die Türen sind noch verschlossen. Ich solle doch noch bitte bei ihnen bleiben bis alles in Ordnung geht. Gut ich bleibe, muss aber die Beiden etwas alleine lassen und erst das Taxi richtig parken. Sie sollen sich nicht von der Stelle rühren und nichts anfassen. Ich parke das Taxi, auf dem Weg durch den Bahnhof zum Bahnsteig kaufe ich für uns noch drei kleine Flaschen Wasser. Als ich ankomme stehen sie noch brav vor dem inzwischen geöffneten Zug. Ich gebe ihnen das Wasser. Es fährt nur Einer nach Frankfurt. Der andere bleibt in München. Ich sage ihm wo er sich hinsetzen soll. Wir verabschieden uns. Der zweite Fahrgast will mit mir noch zum Hotel Stollberg Plaza weiterfahren. Vor dem Hotel stehen alles in Allem 16,80 € auf dem Taxameter. Er gibt mir sichtlich zufrieden einen 50 Euro Schein und meint: „Keep the rest“. Ich bedanke mich. Die Familie kommt nächstes Jahr wieder nach München und sie werden sich sicher bei mir melden.

Ich komme jetzt mehr und mehr mit den arabischen Gästen klar. Anfangs wirkten sie überheblich und arrogant, jetzt wo ich einige etwas näher kenne, denke ich, dass es nur Unsicherheit ist.


An einem bei Arabern beliebten Hotel stieg mir eine Gruppe ein und wollte nur eine kurze Strecke ins Park Hilton. Kaum waren wir an der nächsten Kreuzung, ging es wieder los: How much to Zell am See, to Garmisch Big Mountain, where the snow is, to Europapark … Ich zücke unsere Liste, und alles was sie wissen wollten ist dort aufgeführt. Das wichtigste ist sogar in arabisch. Auf der Fahrt sehe ich im Rückspiegel, wie sich die Gäste selbst von der zweiten Rückbank nach vorne beugen und ihre zum Teil verschleierten Nasen in unsere Liste stecken. Sie fragen ob sie sie behalten dürfen. Selbstverständlich! Ist ja meine Nummer drauf. Es ist genauso wie mein Kollege gesagt hat, die Liste zieht. Nächsten Sommer gibt es ein kleines Heftchen mit Fotos. Es funktioniert, mein Entschluss von der nächtlichen Autofahrt vom Flughafen trägt schon erste (noch) kleine Früchte. Der Tag fand noch einen tollen Abschluss. Ich habe mich mit einem Kollegen verabredet. Wir treffen uns am Starnberger See und schwimmen ein paar Runden. Über uns der sternenklare Himmel. Wir mitten im erfrischenden Nass. Ich empfinde Taxifahren wieder als Passion und mein Tag ist gerettet.




Ach ja! Die Entschädigung, dass ich mich am Vormittag am Renaissance – Stand am Datenfunk nicht anmelden konnte habe ich auch schon bekommen. Nachmittags war ich dann an der Impler / Lindwurmstrasse noch immer als Dritter am Taxistand Harras eingebucht.

Sonntag, 16. August 2009

Musik für die Playlist

Trixi hat eine gute Idee. Einen ->„Ultimativen Bloggermix“. Die Blogger können ihren Lieblingstitel auf eine Playlist setzen. Trixi hat auch gleich einen Tipp gegeben wie man sein absolutes Lieblingslied finden kann. Man soll sich vorstellen, dass man nur noch ein Lied hören könne, und dann keines mehr.

Mein letztes Musikstück wäre die 9. Symphonie von Beethoven (Protz). Es ist absolut stimmig wie sich das bekannte Motiv aus dem ersten Satz immer wieder vor dem chaotischen Hintergrund durchsetzt. Ich sehe darin Beethovens gelungene Darstellung des Verhältnisses zwischen Ordnung und Chaos in der Natur, in der Geschichte, im Leben eines jeden einzelnen Menschens und der Menschheit im Allgemeinen. Ich kann fast Überall die Schablone die in der 9. steckt erkennen. Ich bin Beethoven dankbar für jeden einzelnen Takt dieser Hinterlassenschaft. Ich kann das Gefühl das mich bei dieser Musik durchströmt schwer in Worte fassen. Selbst wenn das Stück im Hintergrund zu hören wäre, könnte ich es nur schwer vermitteln. Ich hab es schon wiederholt versucht, ist mir aber nicht gelungen. Meist sehe ich dann nur in ausdruckslose Gesichter. Das liegt vielleicht daran, dass ich anders interpretiere als die Musikwissenschaft und deren Gläubiger. Aber denen sei ein für allemal gesagt und dann nie wieder; Der Steinmetzbruder Beethoven hat nicht für die Musikanten an der Musikhochschule, sondern für die Erkennenden, geschrieben.

Die Songs von Depeche Mode begeleiten mich schon seit meiner Schulzeit. In den Achtzigern dachte man wohl das sei eine von vielen Popperformationen aus England die bald wieder verschwinden. Aber bis zu ihrem Konzert heuer in München haben sie meiner Meinung nach durchweg gute Musik mit anspruchsvollen Texten gebracht.

Dann habe ich noch eine alte Liebe aus den Achtzigern zu den Fehlfarben.
The Clash habe ich als Neubürger in München gerne gehört. Der Titel „Should I Stay or Should I Go?” hat mich während einer unerfüllten Liebe getröstet. Die Liebe zu der Frau ist weg, die Liebe zu Clash geblieben.

Mein Tipp für Trixis Ultimative Bloggermix: Should I Stay or Should I Go von The Clash.


Donnerstag, 13. August 2009

Tegernseer Begegnungen

Ich bringe Fahrgäste ins Tegernseer Tal. Es ist Waldfest. Waldfeste waren früher Feste die die örtlichen Vereine für Mitglieder und Bewohner organisiert haben. Es waren richtige Volksfeste. Essen, Trinken, Blasmusik, jeder kennt jeden, alte Bekanntschaften werden gepflegt, bis … ja bis unsere Münchener Schikimickis die Feste gefunden haben. Ich habe es jetzt selbst gesehen Oktoberfest im Kleinformat. Auf den riesigen Parkplätzen parken Autos mit Kennzeichen aus ganz Bayern. Wer das große Millionen – Besäufnis auf der Theresienwiese nicht mehr erwarten kann, kann sich hier schon einen Vorgeschmack holen. Die Gäste aus der Ferne, die meist das Brauchtum als hinterwäldlerisch belächeln, verkleiden sich jetzt als Heidi und Geißenpeter. Sicher, ich habe auch wirklich schöne authentische Trachten und alte Traditionen bewundern können, aber der beherrschende Eindruck war – Landhausfasching. Auf dem Weg vom Berg runter zum Tegernsee winkt mir ein älterer Herr. Ich halte an. Er kommt auch sofort und öffnet die Tür. Ich sage ihm, dass ich ein Münchener Taxi bin und einen anderen Tarif habe. Dann far i hoat mit am mingana Taxi, antwortet mir der Fahrgast und steigt ein. Ich erkläre ihm, dass ich gerade vom Waldfest komme.

„Aha vom Waldfest. So, so die Waldfeste. Ja, früher … aber heute ist da dreiviertel Minga da.“
Und weiter geht es in dem Tenor wie oben beschrieben. Gott sei Dank kenne ich sein Fahrziel.

Inzwischen habe ich von Deutsch über mein Stadtbayerisch zu meinem Heimatbairisch gewechselt. „Mingana bist du a koana“ stellt er fest. Ich frage ihn woher ich den kommen könnte. Er wendet das Ausschlussverfahren an. Zunächst ist es ja noch leicht. Schwabe: keiner, Oberpfälzer keiner, Allgäuer keiner, Franke keiner, … Niederbayer glaub ich auch nicht ganz, er kommt der Sache immer näher und trifft tatsächlich die Region. So etwas ähnliches ist mir im Taxi schon mal passiert. Mit einem Landtagsabgeordneten auf dem Weg ins Maximilianeum. Unsere Herkunft war dann drei Ortschaften voneinander entfernt.

Weil ich schon mal da bin, mache ich mit meiner neuen Kamera Aufnahmen und beginne mit einer Seite über das
-> Tegernseer Tal