Donnerstag, 31. Dezember 2009

Das gibt es noch

Der letzte Tag im Jahr 2009. Die Zeitungen und Radiosender sind voller Rückblicke über das vergangene Jahr. Mein Rückblick geht etwas weiter zurück. Dreißig Jahre – ich war in der vierten Klasse der Grundschule in Ebenhausen.

Wir Schüler warteten vor dem Schultor auf den Unterrichtsbeginn. Zweimal im Jahr fuhr ein abenteuerlich bepackter PKW vor das Schultor. Auf dem Dachgepäckträger war eine große Rolle, die Leinwand, befestigt. Durch die Fenster konnten wir auf den Rücksitzen die Lautsprecher erkennen. Der Fahrer stieg aus und verteilte einige Kopien die mit Wachsmattritzen gezogen wurden. Wenn ich mich daran erinnere habe ich wieder den beißenden Geruch der Abzüge in der Nase. Es waren Einladungen zu Filmvorführungen die dann nachmittags im Dorfgasthaus gezeigt wurden. Es waren die Karl May Verfilmungen mit Pierre Brice und Lex Barker. Winnetou I bis III, Der Schatz im Silbersee … . Im Gegensatz zu den Filmen im Fernsehen waren die Filme im Wanderkino in Farbe. Es gab schon Farbfernsehgeräte, diese waren aber sehr teuer. Bei Fußballübertragungen wurden die Geräte in die Gaststuben gestellt und der Wirt schrieb mit Kreide auf die Werbetafeln „ Heute um 19:30 Fußball … gegen … in FARBE“ . Ähnlich der Sky-Reklametafeln heute.

Als wir dann vor 10 Jahren unseren Taxibetrieb in der Theresienstrasse aufnahmen brauchten wir dringend Fahrer. Es war wieder Fußballeuropameisterschaft. Wir kopierten Einladungskarten in unser Büro zum Fußballschauen. Der Spaß war, das wir anpriesen: „in FARBE“

Als ich letzte Woche vor der Kirche wartete um die Fotos für den letzten Post zu machen, sprang mir ein kleines Werbeplakat ins Auge.


Das gibt es also noch. Das Wanderkino! Das hätte ich mir nicht träumen lassen. Heute im Zeitalter des Farbfernsehens mit bis zu 40 Programmen, der Kinocenter in der nächsten Stadt, der Blue-Ray Player und den Internetplattformen zum Herunterladen der neuesten Filme. Das soll mein ganz persönlicher nostalgischer Rückblick für den letzten Tag im Jahr sein.

Montag, 28. Dezember 2009

Niko Santa Claus

In der St. Martin Kirche in Baar-Ebenhausen gibt es ein Krippenspiel, an das sich sogar noch mein Vater erinnert. Man schmeißt eine Münze, egal welche, in einen Opferstock und im Glockenturm einer kleinen Kirche beginnt die Glocke zu läuten. Das Kirchenportal öffnet sich und eine kleine Christkindlfigur kommt heraus. Das Licht in der Kirche geht an und man kann einen liebevoll ausgestatteten Innenraum erkennen. Zudem beginnt auch noch das Wasser aus einem Brunnen neben der Kirche zu rinnen. Der ganze Zauber dauert etwa 30 Sekunden und hat mich schon als kleinen Jungen begeistert. Dieses Weihnachten war es an der Zeit das meiner kleinen Tochter zu zeigen. Man muss nur abwarten bis die Kirche leer ist, sonst kommt man mit den Katholiken in Kontakt.



Nach dem Krippenspiel sehe ich an der Rückwand der Kirche ein interessantes Logo. Ein durchgestrichener Weihnachtsmann. Im Aushang daneben wird auch gleich erklärt was es darauf auf sich hat. Zunächst wartet man am Heiligabend auf das Christkind und nicht auf den Weihnachtsmann, steht da. Wenn ein Mann in der Adventszeit zu den Kindern kommt, ist es am Abend des 6.Dezenbers der Nikolaus und sonst niemand. Der Weihnachtsmann, der durch das Fernsehprogramm geistert, in den Auslagen der Geschäfte steht, auf Häuserfassaden klettert oder auf dem Tresen der Imbissstände tanzt, ist eine Erfindung der Marketing-Abteilung von Coca-Cola. Man erkennt den falschen Nikolaus an seinem roten Gewand und der lächerlichen Zipfelmütze mit weißem Bommel.


Der richtige Nikolaus kommt als Bischof. Als solchen trägt er ein Brustkreuz, einen Ring, den
Rauchmantel, den Hirtenstab und natürlich die Mitra. Die Insignien werden daneben mit Foto vorgestellt. An ein einem weiteren Aushang wird der Schokoladenweihnachtsmann mit dem Schokoladennikolaus verglichen. Bei dem richtigen Nikolaus ist eine Bezugsadresse angegeben.

Ich kenne aus dem angelsächsischen Raum den Brauch, dass am Abend des 24. am Kamin Schuhe aufgestellt werden. Der Weihnachtsmann, oder wer auch immer, springt von seinem Rentierschlitten durch den Kamin und befüllt das Schuhwerk mit Geschenken. Für Rudolph, dem rotnasigem Leitrentier steht auf dem Tisch ein Glas Milch. Der Weihnachtsmann schnappt sich das Platzerl daneben. Am Morgen des 25. ist dann Bescherung, der Keks ist weg und das Glas Milch ist ausgetrunken.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass Coca-Cola diesen Brauch auch eingeführt hat. Daher würde mich interessieren, wie den der Weihnachtsmann vor 1928 im U.K. oder den U.S.A. bekleidet war.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

El(l)mau

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Gestern Abend hatte ich noch eine Fahrt mit Kunden zum Schloss Elmau. Elmau liegt zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald im Wettersteingebirge. Das Elmau wird gerne verwechselt mit Ellmau (mit zwei l) am Wilden Kaiser in Tirol. Das ist hier am Flughafen einem Kollegen passiert. Nach zwei Stunden Fahrt, der Fahrgast war dort auch das erste Mal, stellten sie fest, dass sie jetzt noch mal 1,5 Stunden Richtung Westen müssen. Zwischen den beiden El(l)maus gibt es keine vernünftige Verbindung. Das Beste ist dann über die Inntal – Autobahn und Innsbruck zu fahren. Dann von Innsbruck über Seefeld sozusagen von hinten über Mittenwald nach Elmau.

Die letzten Kilometer fahre ich über eine Mautstrasse. Die Maut kostet 2,50 €. Die Mautstation ist aber selten besetzt. Ich denke mir bei 20 Fahrzeugen am Tag würde die Maut für den Lohn des Kassierers verwendet werden.

Der Anblick des weihnachtlich geschmückten Schlosses im Dunkel vor dem Bergpanorama war überwältigend. Ich habe leider das Foto verwackelt. Ich hätte ein Stativ und Selbstauslöser verwenden sollen. Heute habe ich nur noch eine Fahrt vom Flughafen, die mache ich noch und dann ist für die drei Weihnachtsfeiertage Schluss.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Tollwood


Das Tollwood – Festival kam ein Jahr nach mir nach München. Ich wohnte in der Dachauer Strasse, Nähe Leonrodplatz. Das erste Tollwood, 1988 war auf dem Gelände des Olympiaparks. Das war noch richtig alternativ. Es gab dort ein altes rot-blaues Zirkuszelt und höchstens zehn Stände. Die Künstler die dort auftraten, wie die Biermösl-Blasn oder Konstantin Wecker, hatten noch einen lokalen Bezug.


In der Zwischenzeit habe nicht nur ich mich, sondern auch das Tollwood sich verändert.




Drei Jahre später gab es dann noch das Winter-Tollwood auf dem Gelände an der Arnulfstrasse. Jetzt ist dort der ZOB, der Zentrale Omnibusbahnhof. Das Winter-Tollwood ist seit dem Jahr 2000 auf die Theresienwiese umgezogen. Die Theresienwiese ist auch der Platz auf dem jedes Jahr drei Monate vor dem Tollwood unser weltbekannter Landhausfasching stattfindet. Von einem Fahrgast, der auf dem Tollwood und auf der Wiesn einen Stand betreibt, weiß ich, dass sich die Standplatzpreise schon fast angeglichen haben. Das Programm hat sich auch stark verändert. Von Regional zu International. Von politischem Anspruch zu inhaltsleerem Kommerz.
Aber für eines ist das Tollwood in den Tagen vor Weihnachten interessant. Wer noch schnell phantasievolle Geschenke sucht wird hier fündig. In einer Stunde hat man den Arm voller kleiner Weihnachtsgeschenke. Wenn man sich noch eine Geschichte dazu ausdenkt, ist man auf jeder Weihnachtsfeier willkommen.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Genossenschaftliches Weihnachtsgeschenk

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit gibt es für die Mitglieder unserer Taxigenossenschaft ein Geschenk. Früher waren das Gutscheine für die genossenschaftseigene Waschanlage. Dann gab es jedes Jahr neue Geschenke wie Werkzeug, Umhängetaschen, Handtücher … Letztes Jahr waren Regenschirme an der Reihe.

Heuer gibt es etwas Technisches. An den Taxiständen stehen unsere Telefonrufsäulen. Durch ein optisches und akustisches Signal wird der eingehende Anruf angekündigt. Das Klingeln ist oft, besonders während der Nacht, sehr leise. Um keinen Anruf zu verpassen muss der erste Taxifahrer ständig auf die Blitz- oder Rundumleuchte achten. Bei manchen Taxiständen muss der Kopf schon ganz weit verdreht werden. Das ist bei langen Wartezeiten unangenehm.


Abhilfe schafft das diesjährige Weihnachtsgeschenk. Bei einem Anruf an der Rufsäule gibt diese einen Impuls an das kleine Kästchen, das im Taxi liegt. Jetzt piept das kleine Kästchen. Wir müssen nicht mehr in Erwartungshaltung auf die Säule starren.

Alle fünf Jahre

Es wird Zeit meine Taxigenehmigung zu verlängern. Die Genehmigung wird, auch wenn sie von einem Kollegen übertragen (gekauft) wurde. Zum Antrag auf die Verlängerung muss ich einen Kapitalnachweis von mindestens 2.500,- € bringen. Bei mir macht das die Bank. Sie bestätigt mir auf dem Formschreiben des KVR meinen Kontostand. Ein einfacher Kontoauszug wie zu meinen Anfangszeiten reicht nicht mehr aus. Viele Banken füllen das Formblatt nicht aus, dann bleibt den Kollegen oft nichts anderes mehr übrig, als sich das Eigenkapital vom Steuerberater oder von einem Wirtschaftsprüfer bestätigen zu lassen. Das kostet Zeit und Geld. Meiner Bank zum Dank kann ich mir das sparen.

Zum Kapitalnachweis muss ich noch Unbedenklichkeitsbescheinigungen meines Finanzamtes, der AOK, der Stadtsteuerkasse und der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen beibringen. Neu hinzugekommen ist, dass ich den letzten HU (TÜV) – Bericht im Original vorlegen muss.

AOK und Berufsgenossenschaft habe ich ganz schnell erledigt. Es genügte ein Anruf und zwei Tage später waren die Bescheinigungen im Briefkasten.

Bei meinem Finanzamt in der Deroystraße fahr ich selbst mit meinem Personalausweis und Steuernummer vorbei. Für das Amt ist nur das deutsche Finanzamt interessant. Früher habe ich mich beim Pförtner nach meinem zuständigen Sachbearbeiter erkundigt. Der schickte mich dann in das entsprechende Büro. Dort klopfte ich artig an, der Sachbearbeiter öffnete, hörte sich das Anliegen an und verschwand in einen Nebenraum. Meine neugierigen Blicke verfolgten ihn. In dem Raum neben seinem Büro waren Metallregale voller hellbrauner schmaler Aktenmappe. So eine fischte er heraus und stellte mir meine Bescheinigung aus. Zu meiner Anfangszeit noch mit einer Schreibmaschine.



Heute komme ich in das Amt und in einem verglasten Neubau betrete ich das Service Center des Finanzamtes. Direkt darunter ist sogar eine Tiefgarage, aber mein Taxibus ist dafür zu hoch. Im Service Center ziehe ich zunächst eine Nummer und warte und warte und warte im Wartebereich bis auf einem Monitor meine Nummer angezeigt wird. Die größte Fläche im Service Center neben voneinander abgeschirmte Schreibtische ein. Jeder einzelne Schreibtisch ist mit einem Buchstaben aus dem Alphabet benannt. Es geht tatsächlich bis Z. Endlich erscheint meine Nummer. Schreibtisch M. Jetzt geht alles ganz schnell. Die Abfrage geht über Rechner. Auf einem Formular auf dem Bildschirm werden nur noch meine Daten und ein Textblock eingefügt. Ich kann den Ausdruck gleich mitnehmen.

Schade, bei dem alten System konnte ich meinen Sachbearbeiter kennenlernen.

Sonntag, 13. Dezember 2009

In Ulm um Ulm ...

… und um Ulm herum gibt es auch Neu – Ulm. Ein Neu-Ulmer Taxifahrer hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es auf der anderen Donauseite auch noch Neu-Ulm gibt. Das soll auch hier erwähnt sein. Es gibt also zu den 70 Taxis in Ulm noch 35 Taxis in Neu-Ulm, die ich nicht vergessen lassen will. Zwischen den Ulmer und Neu-Ulmern gibt es manchmal auch, wie überall, kleine Konflikte um das Einzugsgebiet, und wo wer wen abholen darf.

Liebe Neu-Ulmer ich habe auch nicht vergessen, schließlich bin ich auch Rechts-der-Donau aufgewachsen.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

car2go

Ich hab sie auch gesehen, die kleinen weißen Smarts mit den blauen Dächern. Stehend und fahrend. -> Tony, unser Ortskundelehrer hat mich in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass ich etwas über das im Taxigewerbe mit Interesse verfolgte Projekt der Daimler AG schreiben solle.

Von Außen fallen die Smart fortwo CDI Fahrzeuge durch ihre wie oben beschriebene Lackierung auf. Und sie haben es in sich. Hinter der Windschutzscheibe innen auf der linken Seite ist ein Kartenlesegerät. In der Konsole befindet sich ein Telematikgerät mit Telefonruftaste. Im Handschuhkasten liegt der Zündschlüssel und eine Tankkarte.

Das Video ist kein Werbevideo, sondern das Ergebnis einer Pressekonferenz im März dieses Jahres

Um so ein Fahrzeug zu benützen muss man sich in der car2go-Registrierungsstelle registrieren lassen. Dabei wird die Bankverbindung angegeben. Es wird keine Kaution verlangt. Auf den Führerschein wird ein Siegel aufgeklebt. Unter dem Siegel ist ein Funkchip.

Jeder Teilnehmer kann jedes Fahrzeug benutzen. Die Smarts stehen an Parkspots in der Ulmer Innenstadt, auf eigens für car2go reservierten Parkplätzen in Parkhäusern oder auf öffentlichen Parkflächen. Zum Leidwesen der Taxifahrer sind einige dieser Parkspots sehr nahe an den Taxiständen. Die Fahrzeuge können über Telefon oder Internet vorreserviert werden.

Der Führerschein wir von außen an das Kartenlesegerät gehalten und die Fahrzeugtüre öffnet sich. In das Telematikgerät gibt man seinen persönlichen Sicherheitscode ein. Jetzt ist das Fahrzeug freigeschaltet. Mit dem Zündschlüssel aus dem Handschuhfach kann man das Fahrzeug wie gewohnt benutzen. Über die Ruftaste ist man jederzeit mit dem car2go-Team über Telefon verbunden. Will man das Auto nach dem Aussteigen weiter benutzen, wird es einfach mit dem Funkschlüssel abgesperrt. Ein Lämpchen am Kartenlesegerät signalisiert dem potentiellen car2go Nutzern: Dieses Auto ist besetzt. Wird das Auto nicht mehr benötigt, stellt man das Fahrzeug auf einem beliebigen öffentlichen Parkplatz im Stadtgebiet in (Neu-) Ulm ab und schaltet es einfach mit dem Funkchip im Führerschein wieder frei.

19 Cent bezahlt man für eine Minute, höchstens 9,90 € in der Stunde und höchstens 49,- € für einen ganzen Tag (24 Stunden). Versicherung und Reinigung inklusive. Anders als bei den meisten Autovermietern wird selbst das Benzin von car2go bezahlt. Jeder Nutzer darf car2go höchstens für 2000 Kilometer im Monat benutzen. Die car2go Leute tanken die Fahrzeuge. Die Smarts stehen betankt bereit. Mit der Tankkarte im Handschuhfach kann an jeder Shell Tankstelle in Deutschland nachgetankt werden.
Am 24.Oktober.2008 ist das Projekt mit 50 Fahrzeugen gestartet. Nutzer waren Anfangs nur ca. 500 Daimler Mitarbeiter und deren Familienangehörige. Inzwischen gibt es 200 Fahrzeuge und über 13.000 eingetragene Nutzer. Vor drei Wochen ist das gleiche Projekt in Austin, Texas gestartet. Daimler selbst sagt, dass Ulm für den gewinnbringenden Einsatz etwas zu klein wäre. Eine Befragung der Universität Ulm ergab, dass das Projekt bei 93% ! der Ulmer bekannt war. 80 % verwenden car2go für one-way-Fahrten. Typisch sei, mit dem car2go zur Party, Restaurant, ins Kino … zu fahren und mit dem Bus oder Taxi wieder zurückzukommen. Ulmer car2go Fahrzeuge waren auch schon in Leipzig oder Berlin. Die Gruppe der Berufspendler werden immer mehr. Interessant wäre auch ein Netzwerk über mehrere Städte, das könnte weitere Benutzergruppen zu car2go bringen.

Ich versuche mir auszumalen, was das für uns Taxifahrer bedeuten würde, wenn in München z.B. am Bahnhof ein Parkspot von car2go eingerichtet werden würde. Was ist mit den Flughafenfahrern, wenn die Kunden am Terminal in ein car2go Fahrzeug einsteigen und für 9,90 € in die Innenstadt fahren?

-> Was aus dem Pilotversuch geworden ist

Dienstag, 8. Dezember 2009

Non(n)sense in Ulm

Wir kommen abends im Hotel an. Alle sind geschafft vom Tagesprogramm. Wir haben noch eine Einladung vom Jungen Akademietheater Ulm. Um 20:15 Uhr wird im Alten Theater das Musical Non(n)sense aufgeführt. Dort sollen wir erscheinen. Die Gäste wollen den Abend frei verbringen.

Ich parke das Taxi und melde mich vom Datenfunk ab. Kaum bin ich um 20 Uhr im Hotelzimmer kommt der Anruf. Wir fahren doch. Ich sage noch; das wird aber knapp. Bis ich angezogen bin. Anzug, Krawatte, Anfahrt usw. Nein, dresscode casual genügt. Also runter zum Taxi. Vorfahren. Adresse besorgen. Gäste einsteigen lassen. Ich bekomme eine Adresse. Wir fahren los und finden auch das Gebäude mit der Aufschrift – JAT Junges AkademieTheater -. Wir laufen um das Gebäude. Die Zeit läuft auch. Hier ist zwar das richtige Gebäude, aber kein Theater. Ich finde in einen beleuchteten Kasten ein Plakat des Musicals. Dort steht als Adresse des Theaters die Wagnerstrasse. Inzwischen ist es 20:30 Uhr. Wir fahren sofort in die Wagnerstrasse. Zum Glück gibt es dort Parkplätze. Wir hetzen in das Theater. Das Foyer ist leer. Wir scheuen uns einfach in den Zuschauerraum zu gehen. Radislav öffnet dann doch die Türe und wir schleichen uns auf die nächsten Plätze.


Gegeben wird Non(n)sense, von Dan Goggin, eines der erfolgreichsten Musicals außerhalb des Broadways. Das Musical spielt in einer Klosterschule der Kleinen Schwestern von Hoboken in New Jersey. 19 Schwestern verlassen zum Bingospiel das Kloster. Im Kloster gibt es Fischsuppe. Die Bouillabaisse ist verdorben, als die Nonnen zurückkommen finden sie 52 ihrer Mitschwestern vergiftet, mit den Köpfen in den Suppentellern. Die Finanzmittel reichen nur für 48 Begräbnisse. Vier Schwestern werden in der Kühlanlage zwischengelagert. Jetzt kündigt sich auch nach das Gesundheitsamt zu einer Visite an. Das Kloster braucht schnell Barmittel. Die Oberin wählt vier Schwestern aus um mit Ihnen eine Benefizshow auf die Bühne zu bringen. Die Show ist ein buntes Feuerwerk aller Stilrichtungen der Unterhaltungskunst. Jede der Schwestern hat ihr eigenes Talent, dass sie auch einbringt. Durch einen unverhofften glücklichen Umstand schaffen es dann die Überlebenden doch noch, eine standesgemäße Beerdigung auf die Beine zu stellen.

Ich kannte das Musical noch nicht. Beim googeln und youtuben habe ich dann festgestellt, das die Inszenierung, die wir in Ulm gesehen haben, eine der Besseren war. Am Ende war ich froh, dass ich mir nach dem langen Tag doch noch den Stress angetan habe.

Samstag, 5. Dezember 2009

Jetzt weiß ich es genau

Am Morgen bin ich noch vor den Fahrgästen am Taxi vor dem Hotel. Ich komme mit den Taxikollegen aus Ulm ins Gespräch. Ich frage wie viele Taxis es in Ulm gibt. „71“ antwortet der Erste.“70“ korrigiert ihn ein zweiter.“70, er bekommt sie nicht mehr“ wieder der Erste. Mir ist es egal ob 70 oder 71 mit der Auskunft kann ich leben. Bei einer Einwohnerzahl von 125.000 macht das 0,6 Taxis pro 1000 Einwohner. (Bei uns in München sind es 2,4 Taxis auf 1000 Einwohner)
Wenn die Ulmer Taxler zum Flughafen fahren, dann in den meisten Fällen zum Stuttgarter Flughafen. München kommt selten vor. Dann schon öfter nach Friedrichshafen oder neuerdings nach Memmingen.

Durchschnittlich machen die Ulmer in der Tagschicht ca. 200,- € Umsatz ohne Stammkunden. Mit Stammkunden wird es natürlich mehr. Die Kunden zu bedienen ist in der überschaubaren Stadt einfacher als z.B. bei uns in München. Aber auch hier helfen sich die Kollegen gegenseitig. Viele Aufträge kommen hier von oder durch die Universität, Gardena oder Ratiopharm.

Ich hab auch schon drei Fahrzeuge von Car2go gesehen. Das Thema wurde schon oft in der Fachpresse besprochen. Eingesetzt werden Smarts, weiß mit blauem Dach. Bei der nächsten Begegnung werde ich das Thema noch einmal ansprechen.


Ich warte am Marktplatz bis meine Gäste aus dem Rathaus kommen. Neben mich gesellt sich ein champagnerfaarbenes Ulmer Taxi. Der Taxler war Aufsichtsratsvorsitzender der Taxigenossenschaft Ulm. Er weiß es genau. Es gibt in Ulm 70 Taxis. Einem wurde die Genehmigung entzogen weil seine Schulden zu hoch waren.

schwarz - weiß

Wir kommen am Abend in Ulm in unserem Hotel an. Hier gibt es weit und breit keinen Parkplatz. Ich stelle mich für 10 Minuten zum einchecken ganz hinten an den Taxistandplatz der Ulmer Kollegen. 1972 wurde in Deutschland die Taxifarbe von schwarz auf hellelfenbeinweiß umgestellt. In meinen frühesten Erinnerungen waren die Taxis an den Haltestellen der nächsten Stadt schwarz oder weiß. Bis alle Taxis schließlich in der neuen Farbe lackiert waren vergingen Jahre. Wollte ich mit meinen Spielzeugautos einen Taxistand nachbauen, nahm ich meine schwarzen und weißen Matchboxautos.


Jetzt habe ich das im Original. Am Standplatz stehen jetzt ein taxifarbenes, dann zwei schwarze, dann wieder zwei taxifarbene, wieder ein schwarzes und schließlich ich mit meinem taxifarbenen VW – Bus. Alles in original, in echt und 1:1.

Leckere Grüsse von Apicius


Heute Mittag waren wir im Römermuseum Mengen. Dort sind unter anderem Fundstücke aus dem ehemaligen Kastell gleich in der Nähe des Museums ausgestellt. Allein die einfallsreiche Architektur ist sehenswert. Auf der rechteckigen Grundfläche steht ein übliches Haus mit Satteldach. Die Mauern aus Stein, Ziegel auf den Dächern wie gewohnt. Aber das westliche Drittel des Hauses ist aus Glas. In dieser Richtung liegt die Anhöhe, auf der das Römerkastell stand. Es gibt sogar einen Glaserker, von dort kann man in jede Richtung schauen. Römerhelme, Schuhe, Sandalen, Kochgeschirr, ein Schild, Tuniken … gibt es zum Anfassen und Anziehen. Wir haben uns als römische Legionäre verkleidet und konnten nicht fassen wie so ein römischer Soldat mit dem Gepäck und der Bewaffnung noch kilometerweite Märsche ableisten konnte.


Das Cafe Domus im Erdgeschoss ist alles andere als ein Museumscafe mit Toast, Muffins und Latte. Es ist kaum zu glauben, was uns das Betreiberehepaar, Josefine und Alexander Jäger aufgetischt hat. Ein römisches Menü. Wir fragen, woher Herr Jäger wüsste wie den die antiken Römer gegessen hätten. Wir haben einen Staudamm aufgebrochen; Herr Jäger ist leidenschaftlicher Koch und Kenner der römischen Küche. Die Rezepte habe er von den Aufzeichnungen des Murcus Gavius Apicius. Ein Koch und Feinschmecker aus dem ersten Jahrhundert. Flamingozungen war eines seiner Leibgerichte. Der erste Gang war eine Käsepaste. Die fremden Gewürze und Kräuter überraschen unsere Zungen. Herr Jäger baut viele seiner Gewürze selbst an.

Danach wurde eine Kürbissuppe gereicht. Meine bisher beste Suppe dieser Art hatte ich im Samarkanda in Madrid. Und die Spanier sind wahre Sopa de calabaza – Könner. Aber in dieser Beziehung topt Mengen Madrid. Die Kürbisse für seine Suppe züchtet Herr Jäger selbst. Jetzt im dritten Jahr ist ihm die passende Sorte gelungen. Ich habe letzte Woche erst etwas kurzes über die mexikanische Küche geschrieben und dabei erwähnt, dass Kürbisse aus Südamerika stammen. Herr Jäger versichert aber, dass eine Art von gelben Flaschenkürbissen schon im antiken Rom bekannt waren.
Nach der Suppe kam der Hauptgang. Schwein (mariniert in Honig) in Datteln-Aprikosen Soße, Bohnengemüse mit Kümmel (natürlich wieder nicht der handelsübliche Kümmel) und gebratenem Getreide. Die Römer hatten keine Hausschweine wie wir sie kennen. Es gab eine Art Wollschwein, ein Mischung aus Haus- und Wildsau. Herr Jäger hat auch hier den einzigen Bauernhof weit und breit gefunden der solche Schweine hat. Das Fleisch war geschnitten. Die Römer speisten nicht mit Gabel und Messer. Diese Werkzeuge gab es nur in der Küche zur Zubereitung der Speisen. Gegessen wurde mit einem Löffel der hinten eine Spitze hatte. Wir verwendeten Messer und Gabel aber das antike Besteck wurde uns gezeigt.

Schließlich gab es einen Würzwein. Eingekocht, verdickt wieder mit Wein versetzt, gekühlt gelagert … Richtig aufwendig. Ich konnte noch ein paar Worte mit Herrn Jäger wechseln und spürte dabei das Feuer für seine Leidenschaft.

Freitag, 4. Dezember 2009

Schafe scheren lohnt sich

Beuron hatte sogar einen kleinen Bahnhof. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg kamen hier noch viele Pilger mit der Bahn an und blieben übernacht. In den 50ern wurden die Pilger weniger und die die kamen, kamen mit ihrem Auto blieben nur einen Tag.
Die Bahn stellte den Betrieb des Bahnhofs ein. Das Land Baden-Württemberg kaufte das Bahnhofsgebäude dem Naturpark Obere Donau zur Verfügung. Wegen der dichten Besiedelung gibt es in BW, anders als in Bayern, keine Nationalparks, aber eben Naturparks, wie jenen Naturpark Obere Donau.

Der Verein betreut in Zusammenarbeit mit dem Naturpark das Haus der Natur in dem ehemaligen Bahnhofsgebäude. Hier wurde in den letzten 10 Jahren Beeindruckendes geschaffen. Das Scheren eines Schafes kostet mehr als die Wolle einbringen würde. Jetzt wird aus der Schafwolle Filz gefertigt. Der Filz wird oft in Heimarbeit zu Kuscheltieren, Pantoffeln, Jacken und Hütte verarbeitet. Der Verkauf dieser fertigen Produkte macht dann die Schafschur wieder rentabel.



Es wird auch Honig, Saft und Limonade aus Streuobst hergestellt und professionell vermarktet.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Beuron

Jetzt kommen wir nach Beuron. Ein inzwischen wieder kleines Dorf mit 170 Einwohnern an der Donau im Landkreis Sigmaringen. Herzstück der Ansiedlung ist das Kloster Beuron. Gegründet wurde es als Augustinerkloster, inzwischen sind hier die Benediktiner. Wir sind über eine halbe Stunde zu spät. An mir lag es diesmal aber nicht.

Auf dem großen verwaisten Parkplatz steht eine Gruppe Menschen, die uns meine Fahrgäste empfangen. Als wir erkennen, dass der Landrat und der Erzabt unter den Wartenden sind, ist es uns etwas peinlich.

Nun gut, jetzt schnell rein in die Klosterkirche, bevor der Rosenkranz beginnt. Der Abt persönlich führt uns durch die Kirche. Er öffnet die schwere Pforte und bittet uns herein. Wir stehen im Halbdunkel und können die Größe des Kirchenschiffs nur erahnen. Der Abt geht schnell in Richtung Altar, biegt vorher rechts ab und verschwindet im Dunkel. Jetzt hören wir das Klacken von Lichtschaltern. Zwosch! Jetzt stehen wir in einer voll fetten Barockkirche. Das Gold blitzt in jeder Ecke. Nahezu jedes Stückchen Wand ist prächtig bemalt. Das Altarbild mag gar nicht zu der übrigen Kirche passen. Einfache, fast geometrische , Figuren vor einem schlichten Hintergrund. Es mutet nahezu ägyptisch an. Wie die Kulisse einer Freimaureroper. Der Abt erklärt uns; es sei der von hiesigen Mönchen vor 100 Jahren selbst entwickelte Beuroner Stil. Er zeigt uns im Seitenflügel eine Gnadenkappelle. Hier ist der ganze Sakralraum in diesem Stil ausgeschmückt.




Im Hintergrund sieht man die Decke der Kapelle. Der Herr ganz vorne im schwarzen Mantel mit den verschränkten Händen ist der Erzabt Theodor Hogg. Manche sprechen ihn mit "ehrwürdiger Vater" an.

An der Quelle

Ich sitze im Taxi in Donaueschingen. Meine Fahrgäste nehmen gerade ihre Termine wahr und ich war währenddessen an der Donauquelle. Abgeholt habe ich die Gruppe in Stuttgart, die alte Heimat des ->Taxiblogers Sashs. Viele Grüsse nach Berlin an dieser Stelle auch an die anderen nicht nur Berliner->Taxibloger .


In Deutschland gibt es eine Vorschrift, nach der alle Taxis (oder Taxen) hellelfenbeinweiß sein müssen .In Baden-Württemberg und im Saarland gibt es eine Ausnahme von dieser Regelung. Von den drei Taxis die ich in aller Frühe in Stuttgart gesehen habe, waren zwei silberfarben und eines hellelfenbeinweiß. Das Taxi, das in Donaueschingen gerade an mir vorbeirauscht ist wieder hellelfenbeinweiß.

Der Internetzugang mit meinem neuen Laptop funktioniert. Das Windows 7 hatte das alte USB Modem nicht erkannt. Jetzt mit einem neuen Stick von BASE bin ich wieder auch unterwegs online.


Ach ja, das wichtigste an Donaueschingen, dswegen auch der Post-Titel. Hier entspringt die Donau. Die Mutter Baar aus Marmor zeigt der jungen Donau den Weg ins Schwarze Meer. 2840 Kilometer später kommt sie tatsächlich dort an.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Beim verrückten Dickerchen

Letztes Wochenende trafen wir uns mit unseren Kollegen zu unserem alljährlichen Treffen am Jahresende. Stephan hat mit dem El Gordo Loco Das verrückte Dickerchen, einem mexikanischen Restaurant im Lehel, eine gute Wahl getroffen.

Wir haben uns schon vorher im Internet informiert, und wussten, dass die Nachos und die Salsas dazu selbstgemacht wären. Natürlich haben wir die gleich bestellt. Zu bei den Nachos waren drei geschmackvolle Dips. Zwischen den mit Käse überbackenen Nachos waren einige Bohnen. Der Käse war wohl eine Referenz an das populäre TexMex – Food. Schmelzkäse gibt es in der mexikanischen Küche nicht. Als Hauptgericht begnügte ich mich mit einem Salat, mit Mais – Käse – Bällchen und gebratenen Speck. Die Mais – Käse – Bällchen kannte ich noch nicht, harmonisierten aber vortrefflich mit der Vinaigrette. Vesna hatte das Surf and Turf. Riesengarnellen auf Angusrindersteak mit Limonenbuttersauce für den mexikanischen Touch.Dem original mexikanischen Koch konnte ich durch die geöffnete Küchentüre über die Schulter schauen. Da musste ich gleich noch was über die -> mexikanische Küche auf meine Homepage packen.

Thomas hat mich noch auf einen Fehler in einen meiner Posts aufmerksam gemacht. Auf dem Gelände des Kunstpark Ost war vorher nicht das Funny Werk, wie ich geschrieben habe, sondern das Pfanni Werk.

So sind die Taxifahrer:Genießer und Kenner!

Drei unserer Schleckermäuler verzehrten noch als Postres eine Süßspeise aus Milch mit Zitrone und Fruchtsalat. Aber das Unglaubliche ist eingetroffen und ich war pappsatt. Nur bei der von Stephan angebotenen Dattel im Speckmantel konnte ich nicht widerstehen. Als Souvenir haben wir uns zwei von den scharfen Chillis mitgenommen. Mich wundert es, dass bei dem kulinarischen Feuerwerk Vesnas Vanillekipferl bei Volkmar noch ein Thema waren. Aber wer vorbeikommt, kann gern welche probieren.


Hier ist schon mal ein Foto von Chilli und Kipferl, allein schon wegen des Kontrasts – vom Gewicht her.
Vanille kommt auch aus Mexiko, das wären dann vier Mexikaner, zwei scharfe und zwei Süsse.