Freitag, 31. Dezember 2010

Termine

Das alte Jahr ist fast vorbei. Es hat seine Spuren nicht nur in meinem Kalender hinterlassen. Die schwarzen Kanten der Deckel ist aufgeschabt, der Karton darunter kommt zum Vorschein. Die Seiten sind vollgeschrieben und an den ändern verschmutzt. Die perforierten Ecken zum Auffinden des aktuellen Tages sind alle ausgerissen.
Ich hatte mir durch den Buchrücken noch ein zweites Einmerkband gefädelt. Auf der letzten Seite ist eine zurechtgeschnittene Leitz – Prospekthülle eingeklebt. In den letzten Jahren sind mir die Schichtzettel und Quittungskopien auf den Boden gefallen, sobald ich den Kalender aufschlug.



Darunter liegt schon der neue Kalender bereit. Die Seiten sind noch blütenweiß jungfräulich. Die Buchdeckel intakt. Was würde ich geben wenn ich einen Blick in einem Jahr in den dann ausgefüllten Kalender werfen könnte.
Die Großwetterlage ist nicht so rosig, die Schere zwischen arm und reich wird noch weiter auseinanderklaffen, ein Vorwand den Iran anzugreifen wird konstruiert werden, die ersten Feldjäger werden mit zivilen Sicherungsaufgaben eingesetzt, der Wert des Euro wird sinken (bzw. der Goldpreis steigen), Obama wird weiterhin die Welt zum Narren halten, der Besetzungsplan unsers Kasperltheaters in Berlin wird kräftig durcheinander gewürfelt werden.
Solche Termine werden aber nicht in meinem Kalender stehen. Vorbestellungen schon so hoffe ich.
Ich wünsche uns viele willkommene Termine in unseren Kalendarien, Dateien und Outlook-Einträgen 2011.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

4/6 Filmmusik: 2001 - Odyssee im Weltraum

Dieses Jahr hat mir ->Trixi ein Stöckchen zugeworfen . Sechs Filmmusiktitel sollten vorgestellt werden. Drei habe ich bis jetzt geschafft. Die letzte Vorstellung,->Quadrophenia , war vor einem halben Jahr. Bei dem Geschäftsgang schaffe ich noch den vierten Teil, gerade noch am vorletzten Tag dieses Jahres. Für die zwei nächsten und letzten Beiträge, bleiben mir noch ganze 365 Tage des Jahres 2011.
Mein vierter Film hat mich damals verwirrt und ganz klar bin ich mir bis heute nicht. Es geht um einen Science Fiction Film von Stanley Kubrik. Wer bei 2001 Odyssee im Weltraum, phantastische Landschaften, interessante Außerirdische oder Weltraumschlachten erwartet, wird enttäuscht werden.
Der Anfang ist ganz schön langatmig. Minutenlange Kameraschwenks über die urzeitliche Steppe Afrikas. Langsam, langsam kommen Menschenaffen ins Bild. Ich konnte mir nicht erklären was das mit einem Science Fiction Film zu tun hätte. Übernacht erscheint inmitten des Rudels ein schwarzer Monolith. Der Monolith spielt dann im Verlauf des Films noch eine Rolle, ich krieg schon noch raus welche. Nach 20 Minuten kommt dann ein oft zitierter Bildschnitt. Die Affen lernen den Gebrauch von Werkzeug und verwenden es schon bald als Waffe. Ein Primat schmeißt einen Knochen weit in die Luft. Der Knochen fliegt sich drehend in die Höhe, am Scheitelpunkt sinkt er wieder zur Erde. Jetzt kommt die Überblendung – aus dem Knochen wird eine Raumstation. Wow!
Viele Schlüsselszenen bis jetzt sind musikalisch mit Richard Straußens Also sprach Zarathustra untermalt. Auch schön, aber um diese Musik geht es mir nicht. Vielmehr um An der schönen blauen Donau von Johann Strauß. Der Walzer dient untermalt akustisch die Fahrten mit Weltraumshuttles und Andockmanöver an Raumstationen. Das hat mich beim ersten Mal schwer beeindruckt.



Was wurde und wird in die Odyssee nicht Alles hineininterpretiert? Die Beziehung Mensch – Werkzeug; Der Mensch, der am Ende seiner Evolution nur noch dazu da ist das Werkzeug zu warten. Der Machtkampf zwischen Mensch und Maschine. Die zentralen Fragen; Wozu sind Menschen nützlich, oder, stellt sich das Geschöpf über den Schöpfer?
Der Film steckt voller Symbole. Am Ende fällt ein Weinglas vom Tisch, das Glas zerspringt, der Wein bleibt. Behältnis – Inhalt. Körper – Geist. Das Internet und die Literatur sind voll der Interpretationen dieses Films. Wer Zeit hat kann sie alle durchlesen. Aber es sei verraten, dass es einen Unterschied macht, ob man den Film vor oder nach den Interpretationsstudien, anschaut. Bei mir zumindest.
Stanley Kubrick, der Regisseur, meinte zu der Frage:
“Über die philosophische und allegorische Bedeutung von 2001 könnt ihr spekulieren wie ihr wollt.“

Der Walzer An der schönen blauen Donau ist ein schöner Ausklang für das Jahr 2010, erst recht mit Kubricks Bildern.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Ente gut, ganzes Jahr gut

Da war ja gar nichts los, heute beim Taxifahren. Alle Kollegen, die schon wussten, dass zwischen den Jahren Flaute herrscht und gleich gar nicht rausgefahren sind, hatten sich richtig entschieden. Ich bin heute Mittag gleich zu meinem Hotel und habe mich davor aufgebaut. Aufgebaut ist genau das richtige Wort für das was dann folgte.


Der erste Kollege warnte mich vor: “Ich stehe hier schon drei Stunden.“
Ich bleibe, ich will mein Glück versuchen. Ich quatsche mit den Sicherungsposten, die vor den amerikanischen Hotels aufgebaut sind. Wenn es mir kalt wird, setzte ich mich in mein Taxi und fange an für meine Jägerprüfung zu lernen. Der erste Kollege hatte Glück und war 20 Minuten nach meiner Ankunft schon weg. Ich stehe und stehe und stehe. Heute hab ich mir das Lehrheft mit dem Thema Federwild mitgenommen. Im ersten Kapitel geht es um Grundsätzliches. Merkmale aller Vögel. Das die zum Tierstamm der Wirbeltiere gehören und Eier legen war mir schon bekannt. Aber schon bei der Verdauung wird es interessant. Es gibt Körner-, Pflanzen-, Fleisch- (z.B. meine geliebten ->Greifvögel) und Allesfresser. Die Unterschiede lerne ich schon am Schnabel kennen. Das Vögel keine Harnblase haben, war mir noch nicht bekannt. Die Waidmannssprache unterscheidet beim Kot Losung, Gestüber und Geschmeiß.
Kein Kunde kommt, ich arbeite in aller Seelenruhe das Kapitel durch. Am Ende des Kapitels gibt es noch eine Reihe von Fragen. Bei der Bearbeitung dieser Fragen soll man sich noch mal mit dem Stoff beschäftigen, wichtig für den mündlichen Teil der Prüfung. Meine erste Frage:
In welche Familie teilt sich das in Deutschland vorkommende Federwild auf?
Das Geschäft schläft, die Sicherungsposten haben schon wieder gewechselt, ich habe viiieel Zeit. Ich packe meinen Notizblock aus und beginne mit meinem Quittungskugelschreiber, rotem Filzstift aus der Laptoptasche und mit dem Bleistift in meinem Kalender einen Eintrag zu basteln. Um es gleich vorweg zu nehmen, es gibt zwölf Familien, die aus sieben Ordnungen entspringen und in zwölf Unterfamilien münden. Manchen Familien überspringen die Unterfamilie und die Gattung und münden gleich in die Art. Die Ordnung der Ciconiiformes (Storchenverwandte) beinhaltet die Familie der Scolopacidae (Schnepfenvögel) . Dann geht es ohne Unterfamilie und Gattung gleich zu der Art Waldschnepfe. Von meiner Lehrzeit kenne ich solche Systematiken aus dem Bereich der Botanik. Ich muss zugeben, es macht mir Spaß. Wenn die Systematik sitzt kann ich jedes neue Tier eindeutig zuordnen. Verwandte Tiere haben Ähnlichkeiten und sind so leichter zu bestimmen oder anzusprechen, wie der Jäger sagt. Beim Ansprechen werde ich mich schon noch bemühen müssen. Die Vielzahl der Tiere, besonders des Federwildes, macht mir Kopfzerbrechen. Ich hoffe ich kriege das noch in den Griff. Meine erste Prüfung ist schon Mitte Mai 2011.
Am meisten scheue ich die Enten. So viele und für mich schauen die alle gleich aus. Hier drehe ich die Systematik um. Gehe von der Art zum Reich. So wird es immer leichter:
Stockenten, Krickenten, Knäkenten, Schnatterenten, Spießenten, Löffelenten und Pfeifenten gehören zu der Gattung der Schwimmenten (andere Gattungen wären Brand-, Tauch-, Meeresenten und Säger). Die Schwimmenten gehören zu der Unterfamilie der Anatinae (Entenverwandte) diese wiederum zu der Familie der Anatidae (Entenvögel) diese Familie gehört zur Ordnung der Anseriformes ( Enten- und Gänseverwandten, die Endungen sind wie in der Botanik). Diese zur Unterklasse der Neognathae ( Neukiefervögel), jetzt wird es leicht, denn diese gehören zu den Vögeln -> Wirbeltiere-> Gewebetiere -> Tierreich.


So male und schreibe ich mit meinem Lehrbuch auf dem Lenkrad. Die Sicherheitsposten haben sich inzwischen schon zum dritten Mal abgelöst. Ich kann sogar meine Einträge fotografieren, das Foto auf den Laptop laden und den Post schreiben. Jetzt brenne ich schon mindestes drei Stunden im Taxi. Zum Glück war ich mit meinen Gedanken woanders.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Angekommen

Die Rolle unseres Kurzstreckenautomaten am Flughafen München mit der 20 Minuten Regel habe ich schon vorgestellt. Was es aber mit den Handzeichen des jeweils ersten Kollegen auf sich hat noch nicht.
Wenn die Taxis innerhalb von 20 Minuten wieder zurück zum Terminal kommen, dürfen sich die Kollegen wieder vorne einreihen. Die Reihe schiebt sich aber eins nach dem anderen nach vorne ankommende Kollegen würden in der Reihe keinen Platz finden. Da hat sich eine Lösung eingebürgert. Der Kollege der als nächstes auf den ersten Platz vorrückt, wirft einen Blick auf die Anzeige des Kurzstreckenautomats. Dort wird die Anzahl der noch zu erwarteten Taxis angezeigt. Der Taxifahrer dreht sich um und zeigt seinem Hintermann mit den Fingern die Zahl an. Der Hintermann weiß dann wie viel Abstand er halten muss. In diese Lücke können sich dann die Rückkehrer einreihen. Oft genügt dazu eine Hand. Der in die Höhe gestreckte Zeigefinger zeigt eins, kommt der Daumen dazu werden es zwei usw… .Gestern Abend hub unser Kollege zwei Hände und zeigt uns die Full Hand und noch zwei. Sieben! Sieben Taxis erwarten wir noch, die sich wieder vor uns einreihen können.



In den nächsten zwei Minuten donnern die Taxis ans Terminal. Das mit dem Abstand halten hat wohl so nicht geklappt. Der Abstand war zu kurz. Jetzt stehen die zurückkommenden Kurzen in zweiter Reihe neben dem eigentlichen Stand.
Als ich vorne war, erwischte ich auch einen Kurzen. Eine gestrandete Familie. Sie kamen aus dem U.K. und wollten nach Moskau.
Ich scherze:“Dann macht ihr erstmal nach zwei Stunden Flug eine Nacht Pause?“
Die Mutter antwortet: “Nein, wir waren zuerst noch in Düsseldorf, hoffentlich kommen wir morgen nach Moskau.“
„Oder bis nach Warschau, dann wärt ihr wieder einen Schritt weiter.“ fällt mir ein.
So richtig lustig fanden sie es dann auch nicht. Nach dem Kurzen reihe ich mich wieder ein. Fünf Personen. Das gleiche Fahrtziel Sheraton Arabella Hotel Schwaig. Ja die Moskau – Maschine, ich weiß. Ein drittes Mal darf ich mich nicht vorne anstellen. Es stehen aber nur 30 PKW und drei Bus –Taxis da. Nach einer Stunde werde ich als erster Bus aus der Reihe genommen. Und wieder – Arabella Sheraton Schwaig. Als ich zurückkomme winkt mir schon ein Kollege ab. Die Berlin ist durch. Die Berlin war die letzte Maschine die gestern Abend angekommen ist. Nach den Weihnachtsfeiertagen bin ich wieder mittendrin – im Gschäft.

Verplant

§ 4 Absatz 3. Taxiordnung der LH München:
-In jedem Taxi sind Straßenkarten des gesamten Pflichtfahrgebietes sowie Stadtpläne der Städte Erding, Freising und München, die nicht älter als drei Jahre sind, mitzuführen. § 10 BOKraft bleibt unberührt.-


Kontrolliert das KVR ein Taxi, und der Taxifahrer kann keine oder nur veraltete Stadtpläne vorweisen, kostet das 35,-€. Zudem muss dann noch vorgefahren und der neue Stadtplan gezeigt werden.
Während der Pränavigationsgerätezeit, behalfen sich viele von uns mit zwei Stadtplänen und einem Kilometerbuch. Der große Falk war für den täglichen Einsatz. Das Faltsystem der Falkpläne war wie geschaffen für Fahrer, die sich schon auskannten. Bei dem Falk-Falt-System konnten wir den Stadtplan horizontal und vertikal falten. Bei dem Weg zum Ziel lag dann praktischerweise, der Stadtplan nur mit dem kleinen Zielausschnitt auf den Knien oder dem noch leeren Beifahrersitz.
An der nächsten roten Ampel wurde der Stadtplan vor die Nase gehalten und mit Hilfe der Innenbeleuchtung immer wieder die Zieladresse gesucht. Den Rest der Rotphase verwendeten wir um uns den Weg von einer bekannten Straße zur gesuchten einzuprägen. Dabei blieben dann mal immer wieder ein oder zwei Straßen hängen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich damals in der Ortskenntnis noch besser war. Im großen Falk war das Auffinden der Straßen leichter als in dem kleinen. Das war der Grund für den einen Stadtplan, der Grund für den anderen, den Kompass – Stadtplan, war die TO (die Taxiordnung).
Im Falk waren nicht die geforderten Städte Erding und Freising abgedruckt. Von der Firma Falk gab es noch einen Stadtplan, in dem Erding und Freising abgedruckt waren. Dieser hatte aber eine Spiralbindung und war extrem unhandlich und schwer im Fahrzeuginnenraum zu verstauen.


Der Kompass war und ist also der „amtliche Stadtplan“. Die letzte Auflage für München wurde im Mai 2008 herausgegeben. Ich wollte mir dann für 2011 den neuen kaufen und fragte zuerst in Glasis – Shop bei uns in der Genossenschaft. Den neuen gibt es nicht, bekam ich zu hören. In den Tankstellen, immer nur der 05-2008.
Jetzt letzte Woche, gab es ihn, den neuen Kompass! Mir wurde gesagt es hätte sich nichts verändert, nur in der Deckseite ist das neue Erscheinungsdatum eingedruckt. Die Anzeigenflächen wurden selbstverständlich auch neu verkauft. Der alte Plan schon, lag zu Tausenden sinnlos in den Kofferräumen der Taxis. Die Zeit hat sich geändert, das Amt nicht. Ich habe meinen alten Kompass nach dem Foto ungebraucht weggeschmissen.

-> Admiralbogen nicht im Plan
.

Sonntag, 26. Dezember 2010

Avtobahn, Avtobahn


Da musste ich wohl gestern, genau als die Familie an dem gedeckten Mittagstisch Platz nahm, die Szenerie verlassen. Ich habe noch schnell ein paar selbstgebackene Plätzchen in Geschenkpapier gepackt. An der nächsten Kreuzung noch zwei Zweige von einer ->bruchgerechten Fichte abgerissen und hinter die Schleifen meiner Plätzchenpäckchen gesteckt. Dabei beschleicht mich mein schlechtes Gewissen, ich hätte während der Feiertage mehr für die Jägerprüfung lernen sollen. Zumindest weiß ich jetzt, das Kiefer, Erle, Eiche, Tanne und Fichte bruchgerechtes Holz liefern.
Christian hat auch eine Fahrt, wir treffen uns im Kombinat. So nennen wir schon seit Wochen unsere ->AGIP – Tankstelle am Münchener Flughafen. Ich lege meine Notfall-Decke auf die kalten Kunstlederbezüge meines Taxis. Auf die Decke kommen noch drei Wasserflaschen. Aus Schaden bin ich klug geworden. Bei weiteren Fahrten in die Alpen habe ich immer Trinkwasser, eine Decke, einen warmen Mantel, eine Kopfbedeckung und einen Klappspaten dabei.
Meine Maschine hat nur eine halbe Stunde Verspätung. Die Russen wollen nach Ischgl. Der Familienvater war schon ein paar Mal dort und will über die Autobahn und Innsbruck fahren. Der Preis ist knapp bemessen und reicht gerade für die Fahrt über Garmisch, die 40 Kilometer kürzer ist. Es ist der erste Feriensamstag, auf der Autobahn läuft man an solchen Tagen leicht Gefahr in den Urlauberstau zu kommen. Erreiche ich das Stauende auf der Autobahn Richtung Salzburg nach der Ausfahrt Holzkirchen, gibt es kaum einen annehmbaren Ausweg. Das Geschrei ist dann bei den Kunden groß, wenn das Fingerschnippen des Taxifahrers den Stau nicht auflöst. Das ist für mich auch noch ein weiterer Grund für die Strecke über Garmisch und Fernpaß. Trotz des widrigen Wetters kommen wir gut voran. Die von mir schon beschriebene Fernpaß – Rast haben wir schon nach zwei Stunden Fahrt erreicht. Trotzdem grummelt mein russischer Beifahrer. Immer wieder höre ich die Brocken „Avtobahn, Avtobahn“ in seinen Ausführungen. Ich wünsche ihm mal auf seiner Autobahn am Samstag einen Fetzenstau. Schade, dass ich dann nicht dabei sein kann. Wir kommen ohne weitere Probleme auf die Silvretta – Bundesstraße. 20 Kilometer sind es von der Ausfahrt Pians nach Ischgl. Das Navigationsgerät zeigt; noch 15 Kilometer bis zum Ziel. Wir kommen zum Stehen. Vor uns in der Dunkelheit steht schon eine lange Reihe, ich kann das Ende nicht Absehen. Mein Beifahrer fragt mich was los sei. Ich weiß es nicht. Woher auch?


Nach nur 15 Minuten sehe ich in der Ferne gelbe Warnleuchten blinken. Die Blinkleuchten bewegen sich auf uns zu. Ein gutes Zeichen! Die Blinkleuchten gehören zu zwei Autotransportern, die genau neben uns auf dem freien Platz anhalten. Auf jedem der Transporter steht ein verunglücktes Fahrzeug. Das heißt, die Unfallstelle ist geräumt. Hinter den Transportern folgt eine lange Schlange von Fahrzeugen. Nach weiteren zehn Minuten reißt die Autoschlange ab und unsere Reihe setzt sich in Bewegung.
Ich bin froh als wir sein Hotel erreichen und ich mich auf den Rückweg machen kann.

Das Navigationsgerät in meinem Datenfunk fällt aus. Man kann es im Ausland nicht aktivieren, weil man dazu eine Internetverbindung braucht. Um Roaminggebühren zu vermeiden hat die Genossenschaft diese Möglichkeit deaktiviert. Das ist auch der Grund warum wir im Ausland keine Kreditkarten akzeptieren können. So werden die weiten Fahrten über einen anderen Anbieter abgewickelt. Eigentlich bin ich darüber ja ganz froh. Über die Genossenschaft kostet mich die Kreditkartenakzeptanz 4%. Alles andere ist günstiger.
Auf der Rückfahrt habe ich noch die Zufahrt zum Fernpaß verpasst. Im Österreichischen Rundfunk, auf Ö3, höre ich noch von einem Unfall auf der Inntalautobahn Richtung Kufstein. Ich biege dann in Telfs-Ost ab und mache mich über Seefeld und Garmisch auf den Heimweg, der heute etwas weiter ist als sonst.
Nach der Fahrt werde ich mir überlegen ob ich nächstes Jahr die Weihnachtsfeiertage für einen Auftrag unterbreche.

Samstag, 25. Dezember 2010

Happy Birthday Jesus

Weihnachten, mir war das früher oft zuviel. Ich scheute das scheinheilige Getue. Im Februar war Fasching, da regierte der Blödsinn. Plötzlich, am Aschermittwoch war dann die Gaudi vorbei und die Kasperl und Narren der letzten Tage waren wieder verbittert. In den vorher bunt bemalten Gesichtern zeichneten sich Mienen als wie gestern der Krieg ausgebrochen wäre.
Dann das Oktoberfest, ähnliche Situation, mit dem Anstich wird alles auf den Schlag bajuwarisch. Lederhosen und Dirndl bevölkern die Stadt. Unser Dialekt wird für 16 Tage schick. Die Wiesn ist aus und alles ist wieder wie vorher.
Alles ist geplant und festgelegt. Spaß gibt es nur auf Bestellung nach zeitlich definierter Vorgabe. Weihnachten passt da wunderbar in die Reihe. Im Fernsehen laufen die Filme voller Mildtätigkeit und Mitgefühl. Die Leute rennen in die Kirche und auf die Friedhöfe, zu dieser Zeit sind dort ja auch die Nachbarn. Da muss man auch bei der Christmettn erkannt werden. Auf dem Friedhof ist wichtig wie das Grab gricht ist und ob das Kerzerl brennt. Alles nur Konvention und Kulisse.
Ich war als Taxifahrer ganz froh, dass ich dem Schauspiel entkommen konnte. Weihnachten prallte an mir ab, nicht einmal ein besonders hervorzuhebendes Datum im Kalender.


Jetzt kommt das berühmte dicke ABER dazu gesellt sich ein ebenso dickes AB JETZT. Irgendwann war es soweit, wir waren eine Familie. Die Kinder lassen sich natürlich von dem ganzen Rummel infizieren. Ist ja auch gut so, ich selbst, als Kind, zählte früher die Tage bis zu den Geschenken. Ich will unserer nächsten Generation auch nichts vorenthalten und so stürzen wir uns seit den letzten Jahren in das traditionelle Weihnachtsfest mit meinem Eltern, den Großeltern unserer Kinder.


Wir stellen das Taxi ab und für die nächsten Stunden ist Schicht im Schacht. Der gemütliche Teil beginnt. Alle haben Hunger. Im Kamin prasselt schon das Holz und auf dem Dreibein wird eine langstielige Pfanne gestellt. In der Pfanne bruzeln die Würste. Das Kraut wird in einem Kessel erwärmt. An einem Scharnier ist eine waagrechte Eisenschiene angebracht. Am Ende der Schiene ist ein Hacken in dem der Kessel einfach eingehängt und über das Feuer geschwenkt wird.


Die gute Stube ist tabu. Dort wird das scheue Christkindl erwartet, angesichts der zu erwartenden Geschenke, will das natürlich niemand verscheuchen. Wir waren im Wald um Moos für das Kripperl zu holen. Meine, und die Aufgabe meiner kleinen Tochter, ist das ausstaffieren des Kripperls.

Im Laufe der Jahre sind viele verschiedene bunte Figuren zusammengekommen. Jede hat seine Geschichte, ich hatte damals ein paar passende Plastiktiere aus meiner Spielzeugkiste zugesteuert. Jetzt stehe ich mit meiner Tochter vor der noch leeren Szenerie, wir beratschlagen wo die Hirten, Musikanten, Schafe und der Hirthund platziert werden. Der Platz des Hundes muss wohl gewählt werden, am Rand der Schafherde, gegenüber den Hirten. Ich stelle das Kripperl zu den Geschenken unter den Weihnachtsbaum und muss bis zur Bescherung wieder raus.
Heute, am ersten Weihnachtsfeiertag, muss ich wieder raus. Zum Flughafen, eine Fahrt nach Österreich. Es schneit den ganzen Tag und die ganze Nacht, es ist auch noch das erste Urlaubswochenende. Hoffentlich sind die Straßen weitgehend frei von Schnee und Urlaubermassen.
Jetzt tut es mir leid, die vorher nicht geschätzte Gemütlichkeit zu verlassen.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Dritte Weihnachtsfeier: PMS e.V.

Wer hat gefeiert?
->Der Polizei- und Militärschützenverein e.V.
Wo wurde gefeiert?
->Im Panamericana Obergrashof Dachau
Was haben wir mitgenommen?
Jeder einen Pokal von der Vereinsmeisterschaft und die Erkenntnis, dass Singen nicht gleich Singen ist.



Was wurde verzehrt?
Rodizio, verschiedenes Fleisch vom Spieß, jeweils am Tisch geschnitten.
Was ging ab?
Hier sind wir schon das dritte Mal mit unserer Weihnachtsfeier. Das Panamericana in Obergrashof liegt einsam neben der Schleißheimer Straße, als Verlängerung der 471, zwischen Oberschleißheim und Dachau. Die Strasse geht durch das Dachauer Moos, vor dem Lokal sind nur begrenzt Parkplätze. Auf der Strasse ist das Parke nicht erlaubt, und so wird es am Freitag oder Samstag Abend schon mal eng auf dem Parkplatz. Wir erwischen gerade noch die beiden letzten Plätze.
Das Essen kennen wir schon. Unser Vorstand hat das Rodizio bestellt. Auf unseren Plätzen steht jeweils ein Teller. Der Cortador geht mit einem Spieß von Tisch zu Tisch und schneidet von dem Fleisch soviel man haben will auf den Teller. Es beginnt mit Sparerips, geht dann über Langusten, Rinderfilet und Pute bis zum Dessert. Die Beilagen holen wir uns von dem Verpflegungswagen, der in der Mitte des Lokals steht, und immer wieder neu befüllt wird. Als Dessert gibt es eine Ananas in Zimt gewendet. Die Ananas wird auch am Spieß gebracht und am Tisch flambiert.
Die Urkunden und Pokale unserer Vereinsmeisterschaft werden verteilt. Ich erreiche den sechsten Platz.
Wir hatten nicht als Einzige die Idee unsere Weihnachtsfeier hier zu verbringen. Mit uns feiert noch die Belegschaft eines Autovermieters. Plötzlich meldet sich der Abteilungsleiter, oder wer auch immer, über eine Lautsprecheranlage und bittet die anderen Gäste um Verständnis. Er stellt sich und seine Mannschaft vor, entschuldigt die Störung; er möchte jetzt ein paar Minuten eine Ansprache halten. Wir haben alle Verständnis, besonders ich (ich mache so was auch ganz gerne). Er lobt die Erfolge und den Teamgeist. Alleine würde man es nicht schaffen … Die paar Minuten und die Ansprache sind bald vorbei und wir wollen uns wieder unterhalten. Aber jetzt wird offenbart, welch glänzende Idee die Autoverleiher zur Gestaltung ihrer Feier hatten. Karaoke! Einer kann ganz gut singen, trällert zwei Lieder und wir dachten das war es jetzt. Das war aber nur der Anfang. Unter dem Gejohle der Verschonten wird Einer nach dem Anderen zum Mikrofon gezerrt. Das Opfer muss dann seine Sangeskünste zum Besten geben. Amüsiert davon sind nur die Autovermieter mit Ausnahme der Sängerin oder des Sängers, der mit dem Mikrofon in der Hand gerade sein Ansehen versingt.
Nach dem vierten Lied stehen drei Tische geschlossen auf, bezahlen stehend und verlassen das Lokal. Wir schaffen noch drei weitere Lieder und brechen unsere Zusammenkunft ab. Draußen können wir die ruhige Kälte nutzen um uns zu verabschieden.
Das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir hier zu Gast waren, das Essen ist zu gut. Aber wir informieren uns vorher wer singt!

Sonntag, 19. Dezember 2010

Presse am Boden

Wie Bernd schon berichtete, ist die Fußraumheizung des T5 nicht gerade glücklich gelöst. Die Heizung und der Ventilator läuft auf voller Kraft und das Ergebnis sind nur kalte Füße. Erst recht, wenn man dann noch im Wasser steht. Als Taxifahrer steige ich mehrmals aus und ein. Immer hängt Schnee an den Schuhen und die Wasserpfütze auf der Bodenmatte wird größer und größer. Die Schuhe saugen sich voll, die Heizung arbeitet nicht und nach sechs Stunden hat man die Schnauze voll. Bei den Taxi-Kollegen, die einen PKW fahren und noch dazu flacher sitzen, habe ich beobachtet, dass das Wasser schon die Hosenbeine heraufkrabbelt. Abhilfe schaffen da meine Zeitungen. Die fische ich aus den Papierkörben am Taxistand. Wenn es Papierkörbe am Taxistand gibt, findet man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dort eine Zeitung. Heuer hatte ich schon neben deutschen schon türkische und griechische Zeitungen als Wasseraufsauger.
Für die freie Sicht habe ich immer Frostschutzmittel für die Scheibenwaschanlage dabei. Ein 5 Liter Kanister reicht mir bei dieser Witterung für eine Woche. Es gibt nichts Schlimmeres als ein Blindflug mit verschmierten Scheiben gegen die Sonne. Ich schütte immer gleich das pure Konzentrat in den Behälter der Anlage. Wenn man der Anleitung auf den Kanistern folgt, kann die Menge zwar gestreckt werden. Die Angabe, z.B. bis -20 Grad, bezieht sich nicht auf die Umgebungstemperatur. Wenn der Fahrtwind über die Windschutzscheibe streicht, wird auf der Glasoberfläche schnell das Doppelte an Minusgraden erreicht. Das Außenthermometer zeigt -8 Grad, das Gemisch ist gut für -20 Grad, man betätigt die Spritzdüse und in dem Moment friert dann die Soße schlagartig von außen auf die Scheibe. Lieber großzügig sein.-> Hier konnte ich es brauchen! Ich habe während des letzten Winters mein Gemisch schon mit reinem Spiritus aus dem Drogeriemarkt aufgepeppt. Die Versuche spare ich mir jetzt und schütte das Konzentrat gleich in den Behälter.
->Zugefrorene Türen will ich auch nicht mehr erleben. Christian hat mir Hirschtalg empfohlen. Ich schnappe mir gleich das nächste was ich an der Tankstelle erwischen kann – einen Glycerinstift. Die wichtigste Dichtung ist die äußere Gummidichtung an der Schiebetüre.
Wo bleiben jetzt die Fahrgäste zum Polarkreis? Trocken, mit Türen die sich öffnen lassen und mit freier Sicht könnte ich bis zum Packeis fahren.

Freitag, 17. Dezember 2010

Greifvögel auf dem Tisch


Das ist die Panzerwiese im Münchener Norden, direkt vor unserer Haustüre, zwischen der Ingolstädter und der Schleißheimer Straße. Hier wäre mit unserem Jagdkurs am Sonntag die Beizjagd (Jagd mit Greifvögeln) gewesen. Wäre, den das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Treibjagdsimulation am morgigen Samstag ist auch ins Wasser, respektive in den Schnee, gefallen. Schade, seit Monaten haben wir uns auf die Boaz gefreit. Wann hat man denn Gelegenheit, unter Anleitung eines Falkners, so eine Jagd mitzuerleben.
Den Falkner, Wolfgang , haben wir gestern Abend zu Gesicht bekommen. Er betreibt hauptberuflich die Falknerei Schreyer. Wolfgang zeigt die für uns wichtigen Greifvögel. Wir sitzen im Unterrichtsraum der Waidmannsgilde. Die Gasvitrinen an den Wänden sind vollgestopft mit Präparaten. Das meiste davon ist Federwild. Wolfgang räumt ein Präparat nach dem anderen aus den Vitrinen und erklärt uns die Unterschiede. Die Vielzahl ist überwältigend. Das Federwild ist für mich noch ein unüberblickbares Thema. Bis jetzt hatte ich keinen Bezug zu den gefiederten Tieren. Ernüchterung machte sich breit, als ich in einem Lehrbuch die Abbildungen von 20 verschieden Enten sah. Dann noch innerhalb der Rassen sollen wir zwischen Erpel und Weibchen unterscheiden. In meinen Augen sehen die Weibchen alle gleich aus.
Bei den Greifvögeln ist das Unterscheiden der Geschlechter etwas einfacher. Der Terzel (männlicher Greifvogel, Sprinz wird nur der männliche Sperber genannt) ist immer etwa ein Drittel kleiner und leichter als sein Weib. (so wird das weibliche Gegenstück genannt) . Sich von den Allgemeinheiten zu den Besonderheiten durchzuarbeiten ist eine gute Methode den umfangreichen Lernstoff einzuteilen. So gewinne ich allmählich einen Überblick. Weitere Gemeinsamkeiten sind; Greifvögel leben in Einehe, diese dauert mindestens ein Jahr, kann aber auch ein ganzes Leben dauern. Greifvögel brüten einmal jährlich zwischen 28 und 45 Tagen. Die Nestlinge (die Jungen) werden sehend mit weißen Daunen befiedert geboren und beiben Nesthocker bis sie schließlich Ästlinge (kurz vor dem Flüggewerden) werden. Das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
Der Falkner beginnt mit den Habichten. Die Habichte werden links von uns aufgebaut. Die Sperber gehören zu der gleichen Unterfamilie wie die Habichte. Der Sperber hat die gleiche Zeichnung, braune Querstreifen, auf der Brust wie der erwachsene Habicht. Die Sperber sind aber kleiner als die Habichte und bauen ihre Horste jedes Jahr neu, im Gegensatz zum Habicht, der seinen Horst jedes Jahr nur etwas ausflickt.
Die nächste Gruppe, die Bussarde, werden auf den Tisch gepackt. Für uns gibt es drei wichtige Arten; der Mäusebussard, der Rauhfußbussard und der Wespenbussard. Der Rauhfußbussard ist hier nur als Wintergast. Er kommt aus Skandinavien und Russland und nutzt hier die vergleichsweise milden Winter. Dem Wespenbussard hingegen sind unsere Winter zu kalt, er überwintert in Afrika.
Wir lernen zu zwischen Gleitstoßgreifer, Pirschgleiter und Stoßfluggleiter zu unterscheiden. Die Weihen, auch von denen gibt es für uns drei relevante Arten erkennt man am Gaukelflug. Es sind auch die Einzigen Bodenbrüter unter den Greifvögeln.
Der Tisch wird immer voller, es kommt noch der Rot- und Schwarzmilan, der Wander-, Turm- und Baumfalke dazu. Der ausgestopfte Steinadler bleibt im Schrank. Die Eulen und Kauze werden uns an der Wand hängend gezeigt.
Ich freue mich schon die interessanten Vögel in der Natur zu beobachten, und vor allen Dingen ERKENNEN zu können.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Guerillas an der Ruhmeshalle

„Hast du es jetzt schon gesehen?“; frägt mich der Kollege, als wir beide am Flughafen unsere Gäste abholen. Ich muss gestehen, ich hab es mir noch nicht angeschaut.
Schon vor Wochen hat er mir von einem neuen Auftrag erzählt. Diesmal spielt er einen LKW Fahrer. Das Ergebnis ist ganz komisch und hat mit München zu tun und wenn schon ein Taxifahrer die Hauptrolle spielt, dann muss ich mir es auch auf Youtube nicht nur anschauen, sondern auch im Blog vorstellen.
Die kurze Geschichte beginnt ganz harmlos. Ein chinesisches Touristenpärchen besucht das Oktoberfest. Er filmt mit seiner Kamera seine Frau vor der Bavaria. Sie bemerkt einen fluchenden Arbeiter, der nicht weit neben ihr auf dem Boden kniet. Sie weist ihren Partner, den Kameramann auf die Szene hin. Die Kamera schwenkt und erfasst den Arbeiter der schimpfend versucht einen Fleck vor der Ruhmeshalle zu entfernen. Seine Versuche bleiben erfolglos. Er holt ein dickes Tau… Seht selbst:



Natürlich ist das Guerilla – Marketing. Der Auftraggeber und der Markt für den das Video bestimmt ist, ist unschwer zu erkennen. Ich finde es trotzdem gelungen. Hier das ganze noch mal aus einer etwas mehr entfernten Perspektive.



Bin ich jetzt auch ein Guerilla?

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Immer anders



Gestern Abend brachte ich meine Kunden ins Hotel Bayerischer Hof. Für mich wäre es eigentlich Zeit Feierabend zu machen. Wenn ich im Zentrum Münchens bin und in Richtung Norden will versuche ich als Heimatstich eine Fahrt Richtung nach Hause zu bekommen. Es gibt viele Theorien wo man eine Fahrt in die richtige Richtung herzaubert. Eine von mir bevorzugte ist, sich an den entsprechenden Standplätzen rund um den Hauptbahnhof aufzustellen. Die Leute die nach Harlaching, Solln, Sendling … müssen werden wohl den Bahnhof auf der Südseite verlassen. Andersrum werden die Gäste nach Schwabing, leider auch Maxvorstadt, Bogenhausen, Milbertshofen … in ein Taxi das an der Nordseite des Bahnhofs wartet, steigen.
Diesmal weiche ich von meiner sonstigen Praxis ab. Vor dem Bayerischen Hof stehen nur sechs Taxis und ins erste steigt schon Jemand ein. Etwas komisch komme ich mir schon vor, mit meinem VW Bus vor einem Nobelhotel. Aber ich bleibe. Zum Glück bimmelt schon nach 10 Minuten der Datenfunk. Bewerbung Raumauftrag. Ich nehme an. Siemens Forum am Oskar-von-Miller Ring, Frau soundso, 8 Personen. Bei acht Fahrgästen ist mein Bus willkommen und ich kann die fünf Euro Buszuschlag berechnen.
Meine Gäste fahren zu einer Weihnachtsfeier in einem Lokal in der Mies-van-der-Rohe Strasse. Die Mies-van-der-Rohe Strasse war früher die Hittorfstraße. In der Hittorfstrasse gab es bezeichnenderweise mit der Hausnummer 6 ein taxifreundliches Etablissement. Wir Taxifahrer waren zu den Grillfesten im Garten eingeladen. Bei schlechtem Wetter trafen wir uns in der Tiefgarage. Unseren Kaffee und Cola nahmen wir auf Bierbänken neben einen weiß blitzenden Excalibur. Die Brachfläche nördlich unseres nächtlichen Imbisses war nicht weniger abenteuerlich. In den stillgelegten Büro- und Lagerräumen hatte sich eine, von vorwiegend jungen Bosniern besuchte, Discothek, das „Diamant“ etabliert. In der weitflächigen Schrebergartenanlage konnte für jeden Bedürftigen was gefunden werden. Ganz vorne am mittleren Ring war der lichtgelbe Langenscheid – Block. Die alten Gebäude wurden abgerissen und an deren Stelle entstand die Parkstadt Schwabing mit den Highlight-Towers.
Genau zu den ->Highlight-Towers brachte ich meine Gäste zur Weihnachtsfeier, bezahlt wurde ich mit einem Fahrtauftragsschein unserer Genossenschaft. Jetzt ist mir mein Heimatstich mehr als gelungen. In nur fünf Minuten bin ich zuhause.



Heute nutze ich die Gelegenheit und bringe meinen Auftragsschein bei der Genossenschaft vorbei. Gleich neben der Kasse werden die diesjährigen Weihnachtsgeschenke für die Mitglieder ausgegeben. Ich will auch nicht auf die Folter spannen; nach dem ->Telefonpieper im letzten Jahr, gibt es diesmal einen schwarzen Rucksack und einen Terminkalender. Als Überraschung lag in dem Rucksack noch ein Stapel Schafkopfkarten.
Die Karten werde ich den Nachtfahrern und Schafkopfspielern in der ESSO stiften. Für die Flughafenfahrer wäre ein französisches Blatt die bessere Alternative, dort ist Rommé angesagt.
Am Flughafen stehe ich auch jetzt wieder, nachdem ich eine Fahrt raus hatte. Es mag nicht mehr aufhören zu schneien, viele Maschinen verspäten sich und die Fluggäste stürmen die Taxis. Ich bin schon nach 1,5 Stunden warten vorne am Modul. Eine junge Dame mit Koffer steuert auf mich zu, du sprechen sie zwei Männer an ob sie nicht das Taxi hinter mir nehmen möchte, weil sie bräuchten den Bus. Fängt ja schon gut an! Zwei Männer ohne Gepäck brauchen einen Taxibus. Es sind Russen. Zuerst wollen die Beiden ins Hofbräuhaus, um 23.00 Uhr landen dann ihre Kameraden, die treffen wir dann im Hofbräuhaus und dann fahren wir weiter nach Sankt Anton. Was das wohl kosten würde? Ich nenne ihnen einen Preis (360,-€) und sage ihnen gleich, dass ich nicht fahre.
Genau die gleiche Kombi hatte ich schon vor Jahren. Auch Russen, auch besoffen, auch erst Hofbräuhaus und dann nach Österreich zum Skifahren – das endete dann mit einem Gendamerieeinsatz in Österreich. Da fahre ich die lustigen Gesellen zum Hofbräuhaus, zum Wodka noch ein paar Maß Bier, die anderen Gaudiburschen landen um 23.00 Uhr, d.h. sie kommen frühestens um 0.30 Uhr nach München, dann will die leberkranke Rasselunion natürlich nicht gleich losfahren sondern noch vereint ein paar Maß stemmen. Ich mime inzwischen den Pausenclown und höre mir stocknüchtern und hundemüde zuerst an wie stark sie alle sind, dann wie mutig, dann wie reich dann kommt die Erkenntnis, darauf die Erkenntnis, dann die Melancholie, die bevorzugt musikalisch ausgedrückt wird. Als Dienstleister kann ich damit umgehen aber Dritte nicht – das birgt Konfliktpotential.
Natürlich sind Russen anders als die Russen. Nach 20 Jahren Taxi traue ich mir, wie jeder andere Taxifahrer, Barkeeper, Frisör… schon zu die Menschen einschätzen zu können. Ich halte es da mit einem Sprichwort, das ich von einem türkischen Kollegen hörte: „Wer sich an der Milch verbrennt, der bläst sogar den Yoghurt.“
Kurzum die Fahrt geht zum Hofbräuhaus und endet da auch. Kurz vor dem Aussteigen erkundigen sich die beiden noch nach einem Puff. Die Provision kann mir gestohlen bleiben, ich drücke ihnen die Hochglanzprospekte in die Hand und empfehle mich.
Am Tal steht kein Taxi, zwei Herren aber an der Gehsteigkante. Die Herren verabschieden sich und einer steigt mir zu. Fahrziel: ein Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofes. Als Erster freut er sich sichtlich über den Schnee. Ich will wissen woher er kommt. Aus Südafrika. Ein sympathischer Mensch. Da ist Schnee, und da ist Schnee, da auch, schau mal um die Ecke auch. Die Stimmung im Taxi wechselt schlagartig ins Positive. Schade, dass die Fahrt schon nach 7,30 € vorbei ist.


Ich will nach Hause, und mein Glück wie gestern am Bayerischen Hof versuchen. Als ich am Prommenadeplatz erscheine sind wieder nur fünf Taxis vor dem Hotel. Also angestellt, wie gestern, mich am Datenfunk angemeldet. Ich muss nicht lange warten. Eine Dame steigt mir zu und will nach Harlaching. Gaaaanz die andere Richtung!
Aber gestern ist nicht heute und Russen sind nicht Russen.

Montag, 13. Dezember 2010

PPPP Premiere Public Private Partnership


Eine Fahrt vom Flughafen nach Ulm ist etwas Besonderes. Erst recht wenn es eine Vorbestellung ist und ich mir das Anstellen sparen kann. Die Strecke, alles Autobahn, birgt für mich eine Premiere. Ich fahre über die erste privat finanzierte Autobahn in Deutschland. Jahrzehntelang bereitete uns Taxifahrern und tausenden Pendlern die Baustelle auf der A8 Ärger. Erst diese Woche hat Bundesverkehrsminister Ramsauer und Bayerns Innenminister Herrmann den sechsspurigen Ausbau dem Verkehr übergeben. Im Rahmen des PPP (Public Private Partnership) wird die Autobahn von einer privaten Firma nicht nur gebaut sondern auch gewartet. Dafür erhält die Privatfirma im Rahmen einer Konzession für 30 Jahre das Recht die Mautgebühren aus dem Schwerlastverkehr zu kassieren.
Alles fängt heute gut an. Meine Gäste kommen aus Shanghai. Die Lufthansa Maschine landet planmäßig um 5.15 Uhr morgens. Mein Wecker klingelt um 4 Uhr. Der erste Blink ins Internet verrät mir; das Flugzeug landet schon um 5 Uhr. Alles muss jetzt etwas schneller gehen. Auf dem Weg zum Flughafen war auch schon um diese Zeit auf der A9 dichter Verkehr. Auf dem Abholerparkplatz vor dem Terminal 2 bin ich das dritte Auto. Miene Maschine ist schon gelandet. Ich hole aus dem Kofferraum Kindersitze und Wasserflaschen für die Gäste. Ich will die Schiebetüre meines Taxis öffnen. Sch… zugefroren. Ich verstaue meine Utensilien im Beifahrerraum. Durch heftiges Klopfen auf den Rahmen der Tür versuche ich das Eis zu lösen. Manchmal gelingt mir das. Diesmal nicht.
Sind meine Gäste schon angekommen? Ich schreibe ihren Namen auf die Tafel, mit der ich unsere Kunden am Terminal erwarte. Ich stehe vor der Anzeigentafel. Die Maschine ist gelandet aber noch kein Gepäck. Mir kommt eine Idee; aus dem Waschbecken in der Toilette will ich heißes Wasser holen und über die Gummidichtung schütten. Es gilt abzuwägen. Soll ich meine Heißwasseraktion durchführen, auf die Gefahr hin, dass meine Gäste kommen und ich nicht da bin? Oder soll ich lieber stehen bleiben und meine Leute empfangen?
Ich stelle mir vor, dass es nicht so prickelnd ist, wenn die Familie mit Kinder nach stundenlangem Flug in der Kälte vor dem verschlossenen Taxi steht und renne im Schweinsgalopp zum Taxi. Leere Wasserflaschen habe ich genug. Das warme Wasser aus dem Waschbecken ist mehr lau als heiß. Die Zeit tickt und ich muss es versuchen. Wieder raus zum Parkplatz. Lauwarmes Wasser rinnt über die Dichtung. Ich ruckle und reiße nichts. Theo, mein griechischer Kollege, beobachtet mich. Er bietet mir an Wasser aus der anderen Toilette zu bringen, dort wäre es heißer. Das dauert mir zu lange. Ich lege die Rückbank des Beifahrersitzes um und klettere in den Fond. Theo entriegelt von außen das Türschloss, ich drücke und stoße von innen mit ganzer Kraft. Rrrratsch! Die Schiebetür gleitet nach hinten. Mir fällt der erste Stein vom Herzen. Jetzt flugs zurück ins Terminal. Mit meinem Schildchen stehe ich jetzt da als wie wenn nichts gewesen wäre.



Die Abfahrt gelingt dann auch ganz gut, bis wir auf die A8 Richtung Augsburg einbiegen. Kilometerlang zuckeln wir mit 55 km/h hinter den Schneeräumern, die in Dreier – Phalanx die Autobahn räumen, hinterher. Das ganze verengt sich dann noch weil die ersten LKWs die Anhöhen nicht schaffen oder schon von der Fahrbahn gerutscht sind. Nach Augsburg werden das Wetter und die Straßenverhältnisse besser.
Meine Fahrgäste sind sicher zuhause von der Donaubrücke erhasche ich noch einen kurzen Blick auf das Ulmer Münster. Vor etwa einem Jahr hatte ich die->Gelegenheit das Ulmer Münster und den Weihnachtsmarkt genau zu besichtigen. In Ulm sehe ich wieder Taxis in anderen Farben und ein ->Car2go Smart überholt mich auf dem Bismarckring.
Im Radio kommt schon die Meldung: Massenunfall mit 20 beteiligten Fahrzeugen auf der A8 Höhe Dasing, Stau in Fahrtrichtung München. Ich kann (oder will) es nicht glauben. Die Straße ist frei, das Wetter schön und die breite Autobahn zu verlockend um von mir verlassen zu werden. Also bleibe ich auf der Autobahn und harre der Dinge die da kommen mögen.



Und sie kommen, ein Mega – Stau. Teilweise bleiben wir 10 Minuten auf dem Fleck stehen. Die Autofahrer steigen aus und bewerfen die Windschutzscheiben ihrer Fahrzeuge mit Schnee. Engländer, die in einer kleinen Kolonne fahren, oder vielmehr stehen, tauschen Getränke und Süßigkeiten aus. Am Rand der Autobahn sieht es krawotisch aus. Mehrmals LKWs von der Strasse abgekommen oder gar umgekippt. Mit enormen Einsatz werden die Überbleibsel eins Riesenunfalls von der Straße geschrubbt.



Mein Resümee; morgens um ca. 6 Uhr machte ich mich auf den Weg zu einem 140 Kilometer entferntem Ziel. Jetzt eben, um 14 Uhr bin ich wieder an meinem Ausgangspunkt, dem Münchener Flughafen, und kann den Beitrag posten. Meine Premiere auf der ersten privaten Autobahn verlief katastrophal.
Daniel, mein Taxibuskollege, verrät mir, die Flughafenfahrer hätten auf dem Weg in die Stadt auf der A9 ähnliche Probleme gehabt. Die A9 war auch gesperrt. Warum? Ein LKW ist umgekippt. Was sonst.

Zugefrorene Türen passieren mir in diesem Winter ->nicht mehr.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Zweite Weihnachtsfeier: Deutsche Waidmannsgilde

Wer hat gefeiert?
Die ->Deutsche Waidmannsgilde e.V. Wir, Robert und ich, haben unsern Jagdkurs dort belegt. Die Jagdschüler sind bei der Weihnachtsfeier eingeladen.
Wo wurde gefeiert?
->Hauptschützengesellschaft, Zielstattstraße 6
Was haben wir mitgenommen?
- Die Erkenntnis, dass Wildpret nicht gleich Wildpret ist
- Einen kleinen Weihnachtsbaum aus Lebkuchen
- Geräucherter Schinken
Was wurde verzehrt?
Hirschgulasch mit Knödel, Apfelblaukraut und Walnussspätzle
Was ging ab?
Wir haben sie zugeschickt bekommen. Die Einladung zur Weihnachtsfeier der Deutschen Waidmannsgilde. Natürlich haben wir sofort zugesagt und unsere Gäste angemeldet.
Imposant ist schon das Gebäude der Hauptschützengesellschaft, dem Sitz der königlich privilegierten Hauptschützengesellschaft München von 1406. Unsere Feier ist im großen Saal im ersten Stock des kleinen Schlösschens. Beim Eintritt bekommt gleich jeder Gast einen kleinen Christbaum mit Schokoladennikolaus. Auf der Bühne haben sich schon drei Volksmusiker in Tracht vorbereitet.
Die Begrüßung übernimmt das gildeneigene Jagdhornbläserchor. Danach folgen die Ansprachen von Vorstand und Vertretern des Jagdverbandes. Zwischen den Ehrungen und des Gedenkens an die Verstorbenen kommen wir in den Genuss der Jagdhörnern.
Während der letzten Wochen habe ich als angehender Jäger schon zweimal Hirschgulasch probiert. Muss aber zugeben, dass es mir nicht so sonderlich geschmeckt hat. Jetzt bin ich natürlich schon gespannt, wie hier das zu erwartende Hirschgulasch schmeckt.
Jagdhörner sind ein schöner waidmännischer Brauch. Die ersten Jagdhornbläser verwendeten Posthörner um bei Gesellschaftsjagden zu kommunizieren. Manche Signale wurden aus dem militärischen Bereich übernommen. So gibt es bei Treibjagden z.B. Signale wie „linker Flügel vor“ oder „rechter Flügel zurück“ u.s.w. Die Strecke wird auch noch verblasen. Dazu gibt es dann Signale wie z.B. „Hirsch tot“ oder „Bär tot“ (Nicht nur wegen unserem „Problembär Bruno“, sondern auch wegen der inzwischen oft auftretenden Waschbären, die ja auch Bären sind.). Jetzt aber hören wir das Signal „Zum Essen“, das gibt es tatsächlich. Acht bläser schmettern das Signal über unsere Köpfe. So imposant wurde ich noch nie zur Frittatensuppe gerufen. Die wird gleich aufgetragen. Eine schmackhafte Rinderbrühe mit Palatschinkenstreifen. Und jetzt kommt es! Das mit Spannung erwartete Hirschgulasch. Kurze Rede; das Hirschgulasch war das beste Wildpret, das ich bis jetzt gegessen hatte. Das Fleisch so zart, dass man es am Gaumen zerdrücken konnte. Die Preiselbeeren darauf die fruchtige Note vollendet die Komposition aus Blaukraut und Knödel.

Nach dem Essen trollen uns wir Raucher auf den Treppenabsatz vor dem Gebäude. Über einer Tür lese ich eine Schrift mit einem interessanten Amt. Was macht ein Schützenmeisteramt? Wahrscheinlich ein historisches Überbleibsel aus der über 600jährigen Geschichte der königlich privilegierten Schützen.
Wir kommen zurück. Das Programm beginnt. Ein Jäger liest auf der Bühne Besinnliches und Amüsantes vor. Akustisch untermalt durch Zither-, Harfen und Akkordeonspieler. Bei der Tombola gewinne ich nichts, ich glaube, das liegt daran, dass ich keine Lose gekauft habe. Aber mein Jagdschülerkammerad hat uns ein Stück Schinken mitgebracht. Meine Familie verlässt mich, sie wollen den Abend noch anders verbringen. Der Sinn steht ihnen wohl nicht nach soviel Tradition. Eine Stunde später rufen wir uns dann ein Taxi. Bei der e.G. immer nur besetzt. Wir versuchen es wiederholt, es mag uns nicht gelingen. Ich rufe bei der anderen Zentrale an. Komme durch und höre Musik, nach ein paar Sekunden hebt eine Dame ab. Ich bestelle unser Taxi. Die Dame sagt mir; der Fahrer sei in sieben Minuten bei uns. Wir warten in der warmen Halle. Eine SMS kommt auf das Handy. Ihr Fahrer kommt in vier Minuten. Tatsächlich, muss ich gestehen, sitzen wir ein paar Minuten später im Taxi.
Nicht aber auf dem Weg nach Hause. Robert hat eine gute Idee, wir könnten beim Los Faroles, den kennen wir von der letzten Weihnachtsfeier, vorbeischauen. Unter der Bedingung, dass wir keinen Haselnusslikör trinken, willige ich ein. Diesmal trinken wir nach dem Portwein siebenjährigen Havanna Club Rum. Wir trinken unseren Rum kubanisch. Kein Eis, mit nichts gemischt. Es wäre schade um den guten Geschmack. Das Cola trinken wir aus einem zweiten Glas. Die spanischen Gäste von letzter Woche, stehen wieder an der Bar. Jeder an seinem Platz. Ihr bevorzugtes Getränk ist immer noch der Freixenet-Sekt.
Wir haben unser Getränk gewechselt und uns dicke Schädel erspart.

Erste Weihnachtsfeier: Taxifahrer

Drei Kerzen brennen heute auf dem Adventskalender. Dreimal waren wir auf Weihnachtsfeiern. Ein Überblick:
Wer hat gefeiert?
Eine Gruppe von Kollegen. Alles nicht nur Bus-Taxifahrer und Freunde um -> Taxi-München-online. Jedes Jahr treffen wir uns zum Jahresende. Reihum reserviert immer ein Anderer einen Tisch in dem Lokal seiner Wahl. Letztes Jahr führte uns -> Stephan zum El Gordo Loco. Diesmal war ich dran und brachte das Los Faroles ins Spiel.
Wo wurde gefeiert?
Im Los Faroles, Nordendstrasse 26, München.
Was haben wir mitgenommen?
- Einen neuen (wiederentdecken) Stammspanier, der für uns Nordlichter Münchens, günstig in Schwabing liegt. So bietet sich für uns die perfekte Gelegenheit für einen Absch(l)ussstop auf dem Weg nach Hause.
- Einen dicken Kopf
Was wurde verzehrt?
Portwein, Riocha, Meeresfrüchte, Maurischer Spieß, Creme Katalan
Was ging ab?
Die Taxifahrer am Bahnhof Nord hatten vor Jahren einen Brauch. Wir trafen uns oft mehrmals im Jahr zu einem gemeinsamen Essen. Das begann mit einem einfachem Weißwurstfrühstück in der Gaststätte Großmarkthalle. Ein Kollege, ein wahrer Feinschmecker, der auch gelegentlich Kritiken für ein Gourmet-Magazin schrieb, versorgte uns mit interessanten Adressen. So bin ich auf das spanische Lokal Los Faroles aufmerksam geworden. Damals war es noch in Laim in der Landsberger Strasse, ungefähr gegenüber dem heutigen Benzinbahnhof. Der Feinschmecker machte uns auf die authentische spanische Küche aufmerksam. Mit meiner Frau besuchte ich noch zweimal „privat“ das Restaurant und war immer sehr zufrieden. Den Umzug von der Landsberger Straße in die Nordendstraße blieb mir nicht verborgen. Auf dem Weg zwischen Hauptbahnhof und Schwabing fuhr ich mehrmals vorbei. Beim Anblick des Schildes schlichen sich die Erinnerungen in meinen Kopf.
Nun, so war es kein Wunder, dass ich, als der diesjährige Maetre de Plessier den Spanier wählte. Zuletzt waren wir bei einem Mexikaner, davor bei einem Italiener, von daher war die Wahl auch ganz passend.
Nur bei der Vorspeise habe ich mich vergriffen. Ich bestellte die gemischte Vorspeise. Die Kellnerin fragte mich,
“Warm oder kalt?
Ich überlegte nicht lange und antwortete, „Warm!“ . Da war ich wohl zu vorschnell, Meeresfrüchte sind so überhaupt nicht mein Geschmack. Und was bekam ich serviert? Sardellen frittiert, Tintenfischringe, Krabben … eine Auswahl von Getier, dass zwischen Salzwasser und Landmasse kreucht, fleucht, schwimmt und wabbert. Mein geschickter Tischnachbar René hat auf die gleiche Frage der Kellnerin mit, „Kalt!“ geantwortet. Er bekam spanische Salami, Käse, Oliven und meine begehrlichen Blicke.
Ich wurde aber entschädigt. Der Maurische Spieß war hervorragend und die katalanische Creme ein Genuss. Nach dem Bezahlen bekamen wir noch einen Likör auf das Haus. Apfel oder Haselnuss. Ich nahm Apfel, Robert Haselnuss. Wir probierten gegenseitig. Der Haselnusslikör betörte durch seinen kräftigen Haselnuss-Geschmack. Nachdem wir schon alle das Restaurant verlassen hatten, drehten Robert und ich wieder um. Zurück ins Lokal, diesmal an die Bar. Wir lassen uns die Flasche mit dem Haselnusslikör zeigen. Ein spanisches Produkt. Das sagt uns zu und wir bestellen. Jetzt bekommen wir nicht die „aufs Haus“-Portion, sondern die für Erwachsene im Weinbrand-Schwenker. Das süße Labsal läuft wie Öl die Kehle herunter. Noch eins, noch eins, noch eins aufs Haus … Die Spanier an der Bar bleiben bei ihrem Freixenet-Sekt. Einer fängt an zu tanzen. Wir sind die Neuen und trauen uns noch nicht.
Am Sonntag brummt uns beiden der Schädel, so hatten wir von dem Likör auch am nächsten Tag noch was.
Im nächsten Jahr ist unser Kollege Thomas an der Reihe.Ich bin jetzt schon neugierig wohin er uns 2011 entführt.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Als Erster im Tal


Gestern war ein langer Tag. Aufstehen um 2.30 Uhr. Die ersten Fahrgäste erwarten mich um 3.30 Uhr und wollen zum Flughafen. Wenn Privatleute einmal im Jahr in den Urlaub fliegen starten wir oft schon drei Stunden vor Abflug am Flughafen in der Stadt. Im Internet, auf der Buchungsplattform, dort werden oft solche Billigurlaube gebucht, lesen sie, dass sie zwei Stunden vor Abflug da am Schalter sein sollen. Um ganz sicher zu gehen rechnen wir noch mit einer Stunde Fahrt für die 35 Kilometer. Und schon klingelt der Wecker bei mir mitten in der Nacht um 2.30 Uhr. Wenigstens komme ich so zu einer guten Zeit am Flughafen an und kann Frühstücken und später schlafen.
Bei meiner Lieblingsbäckerei, direkt bei der Ankunft im Terminal 2, gibt es noch keine Butterbrezen. Wie soll ich meinen Tag ohne Brezen beginnen? Ich kaufe zwei Kaffee. Der zweite ist für meinen Kollegen. Ich bringe ihm den Kaffee in sein Taxi. Das Taxi steht eingeschneit in der Reihe. Nach der Zigarette, die wir noch im Freien genießen, setzten wir uns ins warme Taxi und aus meinem Schlaf wird auch nichts.
Nach vier Stunden dann die Fahrt zurück in die Stadt zum Arabella Sheraton, Arabellastrasse. 61,- € Kreditkarte. Jetzt aber nach Hause. Vorher fahre ich bei einem Bäcker vorbei – diesmal habe ich Glück! Ich bekomme meine Brezen. Und meine Familie jetzt auch.
Kaum zuhause, schmiere ich noch Butter auf die Brezen und Semmeln . Der zweite Schlafversuch klappt auch nicht. Die Kleine kommt aus der Schule. Ich muss mittags habe ich sowieso wieder meinen nächsten Einsatz. Nachmittags fahre ich einen jungen Mann, der extrem genervt ist. Er wurde von der Polizei erwischt, als er betrunken mit dem Fahrrad fuhr. Jetzt muss er seine zwölf Sozialstunden ableisten. Bei der Zieladresse, Einsteinstraße 92, stehen schon acht von diesen kleinen orangefarbenen Traktoren mit Schneeräumschild und Salzstreuern vor dem Haus. Ich kann mir schon vorstellen was mein Fahrgast in den nächsten Stunden macht.
Am Taxistand im Tal spiele ich mit meinem neuen Telefon. Es ist ganz flach, die Kamera ist ganz in der Ecke auf der Rückseite. Ich kann aus ungewohnten Perspektiven fotografieren. Das Foto schicke ich dann per E-Mail an den Blog. Deshalb war das Foto schon gestern Abend, zeitnah, fast live, im Blog und der Text folgt erst heute Morgen.
Heute Abend ist noch Jagdunterricht im Jagdmuseum. Jetzt kommt eine Dame, steigt ein und will zum Platz der Opfer (des Nationalsozialismus). Sie hat dort ihr Auto geparkt. Sie steigt aus, bezahl, parkt ihr Auto aus, ich freue mich über den freien Parkplatz und parke mein Taxi. Ich bin noch früh dran. Am Wittelsbacher Platz ist mittelalterlicher Weihnachtsmarkt. Problem ist nur ich muss bei Frankonia vorbei. Frankonia kannte ich bis jetzt nur als Munitionslieferant für meine Pistole. Das war immer nur ein schnelles Geschäft. Rein in den Keller, 1000 Stück 9x19 und dann wieder weiter. Jetzt aber als Jagdschüler ist der Laden mit seinem Sortiment ein kleines Paradies für mich. Leider nicht ganz billig.
Ich komme natürlich nicht vorbei! Ich gehe in den Laden. Das erste Mal in den ersten Stock. Den hatte ich während der letzten Jahre nur von außen gesehen. Nur mal schauen. Was passiert? Ich komme mit Stiefeln wieder raus. Die sind eine Nummer zu groß, aus grünem Neopren mit einer dicken Sohle. Wenn man die Arme und Beine streckt und ruckhaft geht, sieht man aus wie Frankensteins Monster. Ich hab das gleich beim Anprobieren im Laden vorgeführt. Bei den feinen Herren hab ich aber nur verlegenes Lächeln geerntet. Die Versuchung ist groß, bei dem Dreckswetter die Stiefel gleich anzuziehen. Aber größer als die Versuchung sind die Stiefel und ich beschließe das Schuhwerk nur außerhalb der Zivilisation zu tragen. Kann sein, dass ihr mich mal mit den Stiefeln auf einem Foto im Blog erwischt. Die monströsen Stiefel werden im Kofferraum verstaut. Schnell über den Mittelalter – Weihnachtsmarkt. Die Händler sind alle als Kaufleute verkleidet. Manche tragen Felle über den Schultern. Es gibt Spezereyen wie Flammkuchen, Knödel und Met. Warmer Met wäre jetzt toll. Schade, ich muss noch nüchtern bleiben. Die Zeit verrinnt, der Jagdkurs beginnt. Ich gehe stracks durch die Fünf Höfe. Ich stehe vor der Frauenkirche. Linksrum komme ich zu weit nach Osten, rechtsrum ist eine Baustelle an der Kirche, der Umweg wäre zu groß. Also mittendurch. Ich öffne die schwere Flügeltüre, jetzt ist auch noch Messe, ich gehe eilig aber ruhig hinter den Gläubigen zur schweren Türe auf der anderen Seite. Ich erwische den uniformierten Aufpasser, der sonst die Touristen ermahnt ruhig zu sein, wie er mit den Zehenspitzen ein benutztes Papiertaschentuch unter eine Kirchenbank stupst. Ich freue mich schelmisch, dass mich mein profanes Vorhaben „Abkürzung“ durch den Münchener Dom führt. Jetzt noch ein Stück durch die Fußgängerzone. Im Jagdmuseum nehme ich die Treppe mit großen Schritten. Pünktlich plumpse ich zwischen meine „Grünröcke“ auf meinen Platz. Das heutige Thema ist Niederwild. Wir sehen Bilder von Mardern, Wieseln, lernen den Unterschied zwischen Hase und Kaninchen. Bei den Seehunden halten wir uns nicht solange auf, die werden in der bayerischen Jägerprüfung nicht gefragt. Dafür müssen die Jagdschüler in Schleswig-Hohlstein nichts über Gemsen lernen. Warum wohl?
Nach dem ereignisreichen Tag trinke ich mit Robert noch an unserer ESSO Tankstelle einen Pfefferminztee (ja, es fror mich tatsächlich).
Zuhause lasse ich die Stiefel besser im Kofferraum. Taktisch klug wäre es, sie erst zu erwähnen, wenn die unausweichliche Frage, was ich mir zu Weihnachten wünsche, auftaucht.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Merkt ihr es schon?


Unser neuer Tarif macht sich schon bemerkbar. Besonders bei den weiten Strecken. Gestern Abend erwischte ich eine Fahrt vom Flughafen zum Hotel Holiday Inn City Center Munich (Wer denkt sich bloß immer diese schrecklich nichtssagenden Hotelnamen aus?).
Mit etwas Stau auf dem Ring und der Isarparallele und Warten auf dreimal Ampelschaltung beim Linksabbiegen auf die Ludwigsbrücke kamen satte 65,10 € auf das Taxameter.


Am Taxistand vor dem Hotel warteten nur drei Taxis. Ich schließe mich an und bekomme ein italienisches Ehepaar, das zur Oper will. Der Stich bringt mir 8,30 €. Der Herr reicht mir wortlos einen 10,-€ Schein. Ich gebe ihm zwei einzelne Euromünzen heraus. Nachdem er einen Blick auf das Taxameter geworfen hat, gab er mir, nachdem er als „bella Figura“ gelten will einen Euro zurück.

Montag, 6. Dezember 2010

Stuttgart - ganz bunt, mal ohne 21

Jürgen hat sich ein neues Taxi gekauft. Nach alter Tradition einen Mercedes. Jetzt ruft er mich an, ich soll ihn schnell nach Stuttgart bringen, damit er das neue Prachtstück abholen kann. Ich habe keine Vorbestellung und in Stuttgart bei Mercedes war ich aus dem gleichen Anlass vor acht Jahren das letzte Mal. Warum nicht? Gutgelaunt machen wir uns auf den Weg. In zwei und einer halben Stunde stehen wir vor dem Kundencenter.
Es hat sich seither nicht viel verändert in Sindelfingen. Mein Kollege gibt seine Papiere und Kennzeichen gleich am Empfangscounter ab. Ich parke inzwischen meinen VW Taxibus auf dem Parkplatz und stoße dazu. Wir müssen noch eine halbe Stunde warten. Inzwischen gehen wir auf eine Empore und können die Auslieferungshalle überblicken. Dort oben gibt es auch einen kostenlosen Imbiss. Wir genehmigen uns Jeder einen Teller, belegt mit verschieden Schnittchen. Die Zeit vergeht schnell, als wir wieder eine Etage tiefer gehen erhaschen wir noch einen Blick über die bereitgestellten Autos. Jürgen erkennt seinen Mercedes an den inzwischen angeschraubten Kennzeichen. Er hat sein Fahrzeug in schwarz bestellt. Es bekommt seine Dienstkleidung die als Folie aufgeklebt wird, erst in München. Sein Taxi ist der Kombi, T-Model im Mercedes-Jargon, am rechten oberen Bildrand. Der Kollege aus Berlin hat sein Taxi schon in hellelfenbeinweiß, RAL 1015, (vorne links im Bild) geordert.

Ich bestellte meine Taxis immer in der aktuellen Modefarbe. Laut meinem Verkäufer gäbe es im Mercedes-Werk in Sindelfingen zwei Tauchbecken zum Lackieren der Fahrzeugteile. Die Farbe in einem Becken wird gewechselt. Die entsprechenden Fahrzeugteile warten dann bis „ihre“ Farbe im Becken ist und werden dann getaucht.
Es gibt aber immer eine Farbe, die sich bei den Mercedes-Kunden größerer Beliebtheit erfreut. Diese Farbe ist in dem zweiten Tauchbecken und wird nicht gewechselt. Ich bestellte also meine Taxis in der Farbe die in dem zweiten Tauchbecken war. 1995 war es RAL 908, ein dunkles Blau. Der Geschmack und die Farbe wechselte. 2002 war dann Silber bei den Mercedesfahrern der Hit. Demnach war dann auch die Grundfarbe meines letzten Mercedes Silber. Die Auswirkungen dieses Booms sieht man heute noch auf unseren Straßen. In zwei internationalen Chauffeurzeitschriften habe ich gelesen, dass Weiß die Farbe der Zukunft bei Oberklassenlimousinen sein wird. In Los Angeles und Dubai kann ich mir das gut vorstellen. Aber bei uns werde ich mich noch daran gewöhnen müssen.
Seit 1972 sind die Taxis in Deutschland hellelfenbeinweiß, davor waren sie schwarz. Wieder davor, bei uns in Bayern, in der ABZ (Amerikanische Besatzungszone) erkannte man die Taxis an den Stieraugen. Zwei kleine Lämpchen links und rechts am Dach angebracht, das waren die Stieraugen. So ähnlich wie die Blinker an den Kotflügeln der VW – Käfer in den 70gern. Welche Erkennungszeichen die Taxis, außer dem Taxischild, zwischen 1933 bis 1945 hatten werde ich noch fragen. Aber davor, während der Weimarer Republik, hatten die Taxis schwarz-weiße Karobänder um die Karosserie. So ähnlich wie man es aus den Filmen die in New York handeln kennt. Kleine Kraftdroschken hatten ein zweifach, große Kraftdroschken ein dreifach gewürfeltes Band.
Die Droschken die es zuvor und auch parallel dazu gab erkannte man an dem Kutscher. Und den erkannte man an seiner Bekleidung. Bei uns in München trug der einen dunkelblauen Rock und einen Zylinder mit einem sechs Zentimeter breiten silberfarbenen Band.
Die Kraftdroschkenfahrer trugen graue Dienstkleidung. Die Genehmigungsnummer, jetzt schwarz auf gelb in unseren Heckfenstern, wurden in eingeprägt in Messingschildchen am Kragen des Rocks getragen. Als Kopfbedeckung diente eine Schirmmütze. Als Schuhwerk waren Stiefel oder Schuhe mit Gamaschen vorgeschrieben. Im Winter konnte die Uniform mit einem Pelz ergänzt werden. Gar nicht so abwegig, wenn man bedenkt, dass unsere damaligen Kollegen draußen, vor der Fahrgastkabine, saßen.
Der Verkäufer kommt und geleitet Jürgen zu seiner Edelkalesche, ich verabschiede mich schnell und mache mich auf den Weg nach München. Auf dem Weg vom Kundencenter zur Autobahn fahre ich an zwei Taxiständen vorbei. An einem stehen zwei silberfarbene Taxis. Im Saarland und in Baden-Württemberg ist die Taxifarbe freigegeben. Ich muss pünktlich bei einer Abholung sein. Auf der Autobahn, Höhe Ulm, überholt mich dann ein nagelneues, noch schwarzes, Mercedes – Taxi. Es ist Jürgen. Wir begrüßen uns mit der Lichthupe. Ich mache mir Gedanken welches Taxi ich mir als nächstes bestelle. Wenn die Taxifarbe in ganz Deutschland freigegeben wird muss man mich ja als Taxler erkennen. Am sympathischsten wäre mir der Zylinder der Droschkenkutscher. Also muss mein zukünftiges Taxi hoch genug sein. ;-)

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Der neue Tarif - in letzter Minute auch in meinem Taxi

Irgendwie hab ich da was nicht mitbekommen. Der neue Tarif wurde schon vorher einprogrammiert. Genau am 1.12. um Mitternacht soll sich der Tarif in meinem Taxameter automatisch umstellen. Eine halbe Stunde bevor ich bei meinen Kunden sein soll, will ich von zu Hause losfahren. Als erstes drücke ich auf die Einschalttaste des Taxameters, anstelle der erwarteten Anzeige von 3,30 € steht da im Display: TARIF old. Die Zeit drängt, die Kunden erwarten mich. Ich probiere alle Tasten, versuche auch ein paar Kombinationen und bekomme nur kryptische Zahlenfolgen zu sehen.
Ich wohne nicht weit von Ersan. Ich kann es schaffen, zuerst zum Taxameterdienst, dann zu den Kunden. Nach drei Minuten biege ich vom Frankfurter Ring in die Einfahrt zu Ersans Firma. Auf den Hof stehen schon acht Taxis aus München Stadt und München Land. Schnell steige ich aus und will nur eine schnelle Auskunft. Vor der Werkstatt steht eine Gruppe von Taxlern.
„Habt ihr schon umgestellt?“ frage ich. Alle bejahen. Ich schildere in knappen Worten mein Problem. Ein Kollege kennt die Lösung:
„Du must Taste 2 und 3 gleichzeitig drücken und draufbleiben.“
Ich gleich zurück zum Taxi. Der Kollege folgt mir und beobachtet mich durch das geöffnete Fahrerfenster. Ich drücke bei meinem Hale Microtax – 05 die Taste oben rechts und unten links.
„Jetzt muss ein Ausdruck kommen.“, meint der Kollege. Bei mir kommt aber keiner. Bei seinem Fahrer wäre das heute Früh so gewesen. Stattdessen sehe ich ein F000000001 im Display. Nach 10 Sekunden verschwindet die Anzeige und das Frei-F wird ganz rechts angezeigt. War das jetzt gut? Sofort drücke ich auf die Einschalttaste, ich sehe die 3,30 € und verschwinde nach einem kurzen Dank in Richtung Bogenhausen zu meinem Kunden. Unterwegs schalte ich die Uhr noch mal ein. Diesmal will ich die 60 Cent Zuschlag ausprobieren, Zuschlagtaste wie immer und – funktioniert. Ich sehe, was ich nie vorher sah: 60 Cent auf dem Display. Jetzt nur noch die 5,- € Buszuschlag. Das kann ja nur die Taste unten rechts sein. Draufgedrückt uuund – passt. In der oberen Reihe steht jetzt der Mindestfahrpreis 3,30€ (3,10€ Grundpreis + 0,20€ erste Schalteinheit), in der unteren, der Zuschlagreihe stehen 5,60€ (5,-€ Buszuschlag und 60 Cent Gepäck)
So sieht er also aus, der neue Taxitarif, der für München Stadt/Land, Erding und Freising ab heute gilt:

Mindestfahrpreis (Grundgebühr + 1. Schalteinheit) = 3,30 Euro
Kilometerpreise 0 bis 5 km = 1,70 Euro
Kilometerpreise 5 bis 10 km = 1,50 Euro
Kilometerpreise ab 10. km = 1,40 Euro
Wartezeitpreis pro Stunde = 24,00 Euro
Festpreis Flughafen München/Neue Messe München oder Neue Messe München/Flughafen München = 56,00 Euro
Zuschläge:
für üblicherweise im Kofferraum unterzubringendes Gepäck = 0,60 Euro
für jedes frei transportierte Tier oder Käfig = 0,60 Euro
für Entgegennahme eines Fahrtauftrages = 1,20 Euro
Bei Fahrten mit Großraumtaxis (Personenkraftwagen, die nach ihrer Bauart und Ausstattung zur Beförderung von mehr als 5 Personen einschließlich Fahrzeugführer zugelassen und geeignet sind und in einem abgeteilten Lade- oder Kofferraum wenigstens 50 kg Gepäck mitführen können) beträgt der Zuschlag ab dem 5. Fahrgast unabhängig von der Gesamtanzahl der beförderten Personen, auch bei den in § 2, Nr. 10 genannten Festpreisen (Messe/Flughafen, Flughafen/Messe), pauschal 5,00 Euro.

Das dazugehörige Amtsblatt muss in unsere immer mitzuführende TTO (Taxitarifordnung) und TO (Taxiordnung) eingelegt werden. Ich habe es mir schon diese Woche beim Einlösen meiner Scheine in der Genossenschaft abgeholt, dort gibt es das Blatt auch. Oder ->hier könnt ihr es euch als PDF – Datei downloaden und ausdrucken.
In Berlin hat der Senat einer ->Erhöhung der Gebühr für die Akzeptanz einer bargeldlosen Zahlung auf 1,50 € zugestimmt. Das gibt es bei uns in München nicht, dafür aber hatten wir unser „Koffer – Fuchzgerl“ (wohl einzigartig in der Republik) und ab heute ist es sogar ein Sechzgerl.

Montag, 29. November 2010

Genau rechtzeitig


Im Bundestag wurde am Freitag auf Bestreben des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer die Winterreifenpflicht eingeführt. Was ist aber nun ein Winterreifen? Dem Gesetz genügt es, wenn ein M+S für Matsch und Schnee auf den Reifen eingeprägt ist. Für diese Bezeichnung gibt es aber keine genaue Definition oder einen Standard, der die Mindestanforderung an diese Winterreifen definiert.
Ich hatte dieses Jahr Glück, am Donnerstag waren meine bestellten Reifen beim -> Stimmer und konnten gleich am Vormittag montiert werden. Als ich die neuen Reifen am Bahnhof Nord fotografierte sprang gleich ein Kollege dazu um die Profiltiefe meiner jungfräulichen Reifen zu verdeutlichen. Gleich am nächsten Tag, am Freitag, fiel bei uns in München der erste Schnee, der auch liegenblieb. Keine 24 Stunden, nachdem ich meine Winterreifen hatte.

Klarheit herrschte im Bundestag in Bezug auf Winterreifen in einer Sache: Die Bußgelder werden verdoppelt wenn man die M+S Reifen nicht hat. Von 20 € auf 40 € und bei Gefährdung von 40 € auf 80 €. Einen Punkt in Flensburg gab es mit Gefährdung schon vorher.

Montag, 15. November 2010

Vierte Disziplin beim Ironman

Montag morgens, die erste, sehr frühe Fahrt geht zum Flughafen. Das gefällt mir. Montags früh sind am Flughafen die meisten Ankünfte. Dementsprechend schnell läuft dann auch die Taxireihe durch und ich bin bald wieder besetzt zurück in der Stadt. Auch heute klappt das ganz gut. Nach zwei stunden um 8.Uhr bin ich vorne an der Reihe. Ein junger Mann mit einem Riesen-Gepäckstück und zwei Koffern kommt auf mich zu. Der Kofferraum meines Taxibusses ist genau richtig. Wir verstauen das Gepäck. Fahrziel Hallbergmoos, Zeppelinstrasse. Eine kürzere Fahrt als ich erwartete. Aber ich habe eine Chance, bin ich innerhalb von 20 Minuten wieder zurück, kann ich mich vorne einreihen.
Der österreichische Fahrgast kommt gerade aus Florida. Er hat dort am ->Ford Ironman in Panama City teilgenommen. Das große aber leichte Gepäckstück ist sein Fahrrad das in Florida während des Wettbewerbs zum Einsatz kam.
20 Minuten habe ich Zeit. D.h. ich muss in 10 Minuten am Fahrziel fertig kassiert, Quittung geschrieben, Kreditkarte akzeptiert haben und abfahrtbereit sein. Dann habe ich noch die restlichen 10 Minuten für den Rückweg.
Zu den drei Disziplinen in Florida; 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen ist jetzt im Erdinger Moos noch eine vierte Disziplin dazugekommen. 6,4 Kilometer Taxifahren und in 10 Minuten fertig sein.
Unterwegs erklärt mir der Sportler, dass er sein Auto in einer Nebenstraße der Zeppelinstraße in einer Tiefgarage geparkt hat. Ich solle doch bitte warten, bis er mit seinem Auto hochkomme. Ich fahre, ich warte, das Rolltor der Tiefgarage öffnet sich, ein Auto kommt heraus, mein Sportler war es nicht, das Rolltor geht wieder zu, geht auch gleich wieder auf. Jetzt kommt ein Auto. Ich luge auf das Nummernschild. Ja, es ist eine Nummer aus unserem Nachbarland. Mein Fahrgast sitzt am Steuer. Wir laden sein Gepäck und Sportgerät um. Ich kassiere und schaue auf die Uhr. Seit unserer Abfahrt am Flughafen bis jetzt sind 14 Minuten vergangen. Keine Möglichkeit mehr für mich auf den ersten Platz an der Schlange. Ich will mir das Rasen zum Flughafen und dann die rote Lampe am Kurzstreckenautomat sparen und trolle mich in die Stadt.
Ach ja, ich habe ihn gefragt welchen Platz er bei dem Ironman Wettbewerb erreicht hat – den respektablen Sechsten. Ich hätte dann am AGIP Speicher am Flughafen am Ende der Reihe den etwa 312. Platz erreicht.

Sonntag, 14. November 2010

Tarifumstellung drive in


Am Ibis Hotel in der Parkstadt Schwabing wartet en PKW – Kollege mit mir auf zwölf Schweden. Langsam kommen sie aus dem Hotel. Die ersten zwei Fahrgäste sitzen schon im Taxibus. Ihr Gepäck ist schon im Kofferraum verstaut. Koffer mit Flughafenanhängern – da feuen sich die Taxler! Noch mal vorsichtig gefragt:
“To the airport ?“
Die Gäste nicken. Jetzt müssen wir nur noch auf die weiteren Zehn warten. Dabei macht mich mein Kollege darauf aufmerksam, daß seit Freitag der neue Tarif durch sei. Gestern wäre es den ganzen Tag im Funk durchgesagt worden. Er, so sagt er, war gerade beim Taysi und hat sich sein Taxameter programmieren lassen. Der neue Taxitarif geistert ja schon seit Mai dieses Jahres durch das Gewerbe. Der ->Isarfunk hat, nachdem er die Genossenschaft um ein Gespräch diesbezüglich gebeten hatte, einen neuen Taxitarif beantragt. Die ->Genossenschaft fand er sei zu hoch. Redakteure greifen das natürlich auf und fertig war die ->Schlagzeile im Boulevardblatt. In den Taxlerkreisen war der künftige Tarif Standplatzgespräch während der ganzen letzten Wochen. Kommt er? Kommt er nicht? Kommt er noch vor der Wiesn? Kommt er noch heuer? ... Ein Kollege hat am Müllhäuschen am Bahnhof einen inzwischen verwitterten Artikel der Süddeutschen Zeitung angeklebt.Bei der letzten Tariferhöhung 2006 war ich noch nahe dabei. Die Kollegen fragen deswegen oft mich, weil sie glauben ich hätte noch Insiderinformationen. Ich bin dem leidigen Thema immer aus dem Weg gegangen. Wenn die Kollegen auf mich zugingen und anhuben: „Der neue Tarif …“, fiel ich ihnen mit interessierter Mine ins Wort:
“Ja, genau wann kommt er jetzt?“
Jetzt war jedem Zuhörer klar. Ich weiß es nicht, und das Thema hat bei mit nicht mehr allerhöchste Priorität. Bitte entschuldigt meine etwas unfreundliche aber wirkungsvolle Selbstverteidigung in dieser Frage.
Heute Nachmittag am Bahnhof Nord höre ich: “Hast du schon umgestellt?“ Da scheint ja etwas dran zu sein. Drei waren schon bei Ersan Taysi am Frankfurter Ring. „Die sind heute noch bis 19 Uhr da. Die sind zu dritt da, das geht Ruck Zuck.“ Nach einer kurzen Fahrt in die Blutenburgstraße. Stelle ich mich wieder an. Thema am Standplatz ist schon wieder oder immer noch der Taxitarif. „Wenn du jetzt fährst, bist du gleich dran.“ Das Argument sitzt. Wenn ich jetzt noch eine Fahrt Richtung Norden habe, fahre ich bei ->ER-Tax (Ersans Firma) vorbei. Nach einer noch kürzeren Fahrt für 4,10 € ins Kings Hotel in der Dachauer Straße entschließe ich mich durchzustarten.

Ich fahre bei Ersan auf den Hof. Vor mir zwei PKW Taxis. In jedem Taxi sitzt ein Elektroniker. Ich stelle gerade den Motor aus, schon kommt der Chef selbst auf mich zu. Er setzt sich auf den Fahrersitz. Sein Kollege schreibt schon die Rechnung für die Tarifumstellung. Ich bezahle 40,-€ brutto, gehe wieder zu meiner Fahrertüre wechsle ein paar Worte mit Ersan. Schon ist er fertig. Keine drei Minuten. Ich bin mit einem bekannten Taxiunternehmer, der sich hinter meinem Taxibus angestellt hat einig; der große Platz hier ist schon etwas anders als früher bei den Gebrüdern Fuchs in der Utzschneiderstraße. Die Gebrüder Fuchs haben mich seit Jahrzehnten stets kompetent bedient. Leider haben sie aus Altersgründen dieses Jahr ihr Geschäft aufgegeben. Der „Neue“ Ersan steht ihnen fachlich in nichts nach, und er hat viiiel Platz vor seiner Werkstatt.
So, meine Tarifumstellung ist soweit erledigt, nur noch das Eichamt, wie er ausschaut weiß ich immer noch nicht. Das Taxi steht jetzt umprogrammiert auf der Straße. Am 30.11. um Mitternacht wird der Taxameter automatisch auf den neuen Tarif springen. Hoffe ich!
Gerade jetzt läutet das Telefon. Ein Kollege vom Renaissance – Stand ruft mich an.
“Weißt du schon? Du kannst heute beim Ersan dein Taxameter … „
Ja ich weiß, du kannst in 20 Minuten in meinen Blog schauen, da wird es stehen.

Im Januar 2011 musste ich die Taxiuhr dann noch -> eichen lassen.

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Freitag, 12. November 2010

Der Metzger wetzt sein Metzgermesser



Einmal müssen wir es tun. Viele Jagdschüler, natürlich ich auch, sind gespannt wie wir uns anstellen, wenn es um das Aufbrechen des erlegten Wilds geht. Der Kollege, der drei Jahre vor mir in der gleichen Jagdschule war, hat mir am Taxistand eine kleine Einführung gegeben.
„Als erstes musst du die Kehle aufschneiden, Schlund und Drossel (Speise- und Luftröhre) herausziehen. Den Schlund musst du verknoten, dass dann später nicht der Mageninhalt über das Wildpret fließt ….
Dabei wurde mir beim Zuhören schon ganz anders. Nach dem Aufbrechen und Aushängen lassen muss das Wildpret zerwirkt (geschlachtet od. zerlegt) werden. Das zeigt uns heute der Metzgermeister Franz Wimmer und ein Fleischtechniker. Wir treffen uns in der Lehrwerkstatt der Fleischerinnung. Die Wände sind weiß gefliest, überall stehen blitzblanke Geräte aus Edelstahl. An einem Ende des Raums sind Stühle auf Rängen aufgestellt. Im Zentrum steht ein stabiler Edelstahltisch. Die Beiden stellen sich vor. Der Metzgermeister ist selbst Jäger. Direkt vor mir hängt ein aufgebrochenes Reh. Der Metzger beginnt die Decke abzuziehen. Dazu schneidet er zunächst die Läufe ab. Nein er schneidet nicht, er schärft. Der Waidmann nennt das Schneiden Schärfen. Er schärft also die Läufe beim Kniegelenk ab. Mit der Faust geht er zwischen Wildpret und Decke und löst mit Kraft die Decke vom Fleisch. Das Messer kommt nur selten zum Einsatz.
Der Fleischtechniker und der Metzger zerlegen routiniert und fachgerecht das Reh. Wir erfahren viel über die wichtige Wildprethygiene und beobachten wie alle Beide immer wieder angeschossenes Fleisch entfernen. Unhygienische Stücke werden abgeschnitten und peinlich genau darauf geachtet, daß das gute Fleisch nicht „kontaminiert“ wird. Mit Küchentüchern wischt der Metzger die letzten Tropfen Blut vom Fleisch. Der Fleischtechniker zeigt uns, wie man mit einem spitzen langen Messer die Knochen auslöst. Nach einer Stunde ist das Wildpret appetitlich auf kleine schwarze Kunststofftabletts angerichtet.
Die Metzger putzen den Tisch ab und verschwinden in der Kühlung. Mit Spannung wird erwartet was sie da mit Mühe heraustragen.

Ein Wildschwein! Der Jäger, der es am Montag im Altmühltal gestreckt hat, ist ein ehemaliger Jagdschüler unserer Jagdschule und steht unter uns Zuschauern. Die Bache steckt noch in der Schwarte. Die Hausschweine werden mit der Schwarte geschlachtet. Ich erinnere mich an die Hausschlachtung bei meiner Oma. Wir haben die Sau abgebrüht und dann im Holzzuber mit einer Kette die Borsten geschält. Anders bei unserem Stück Schwarzwild, das vor uns auf dem Tisch liegt. Die Schwarte wird mit dem Leder ausgezogen. Das Wildschwein wird wie das Reh mit Messer und Säge zerwirkt. Ich erspare euch jetzt die Einzelheiten.
Wir sind überrascht wie sauber und blutfrei das Zerwirken vonstatten geht. Etwas Skrupel können wir uns ja noch für das Aufbrechen zurückbehalten – das uns ja noch bevorsteht.

Mittwoch, 10. November 2010

Immer der Nase nach


Wir treffen uns mit den Jagdschülern des Münchener Jägervereins. Eine Hundeschule will uns ihre Ausbildungserfolge mit den ihnen anvertrauten Jagdhunden vorführen. Wir sind eine große Gruppe von 50 Jagdschülern, Jägern, Hundeführern und Jagdhunden. Vier Jagdgebrauchshunde sind vertreten. Ein kleiner Münsterländer, ein Weimaraner, ein Deutsch-Langhaar und ein saufarbener Kurzhaardackel.
Die Hundeführer und Hunde zeigen aufsteigend das Erlernte und verblüffen uns Neulinge. Die Hundeführer gehen mit ihren Hunden im Kreis durch den Wald. Die Hunde sind angeleint. Die Geschwindigkeit wechselt von Anrennen zum Schleichen, selbst die kurze Leine bleibt bei dieser Übung immer schlaff. Jetzt das ganze ohne Leine, auch das funktioniert. Bei der Down Übung lernen die Hunde auf den Pfiff und das Handzeichen der Hundeführer sich absolut flach auf den Boden zu legen. Die Trainerin erklärt wie wichtig diese Übung für den Schutz der Hunde ist. Wenn der Hund im Jagdfieber auf eine befahrene Straße zurennt, kann ihn das Down vor dem Überfahrenwerden retten. Diese Übung klappt bei allen vier Hunden. Die Hundeführer demonstrieren, dass die Hunde im Down selbst dann ruhig bleiben, wenn sie händeklatschend überstiegen werden.

Apportieren ist das nächste Fach. Zum Einstieg lernen die Hunde die Hand ihres Führers im Fang zu halten. Der Führer merkt so unmittelbar mit welcher Kraft sein Hund zubeißt. Das adoptierte Wild soll ja von dem Jagdhund nicht zerbissen werden.
Die Hunde trainieren dann weiter mit Apporteln aus Holz. Diese werden abgelegt und von den Hunden zurückgebracht. Der Führer tippt wiederholt auf die Enden des Apportels im Fang seines Hundes. Der Hund hält das Apportel fest. Erst auf Befehl lässt der Jagdhund das Apportel in die Hände des Hundeführers fallen.
Der Jäger geht über den Waldweg und lässt ein kleines Holzstück fallen, das beobachtet sein abgelegter Dackel. Als der Jäger seinen Dackel zu sich ruft, hebt der Dackel unaufgefordert das Holz auf und bringt es seinen Herrn. Die Apportierübungen funktionieren auch mit einem ausgestopften Hasen und einer Ente.
Die ausgestopften Dummies werden, ohne das es der Hund sieht, in das Unterholz geschmissen. Der Hund stöbert selbstständig und apportiert den „Hasen“. Jetzt wird noch eine Schwierigkeit eingebaut. Die Hunde apportieren über ein Hindernis.
Unsere Jägermeister haben in der früh eine Schweißstrecke gelegt. Mit einem kleinen Schwamm an der Spitze eines kleinen Stocks haben sie über eine Strecke von ca. 300 Metern mit Hacken Rehblut auf den Waldboden getupft. Wir wechseln den Ort in unser Lehrrevier. Dort ist ein Anschuss simuliert. Der Baum ist mit Watte markiert. Der Anschuss ist mit einem senkrecht in den Boden gesteckten Tannenzweig bezeichnet. Daneben liegt ein Tannenzweiglein, dieses zeigt das Geschlecht und die Fluchtrichtung des waidwunden Wildes an. Am Anschuss ist auch noch etwas Schnitthaar einer Rehdecke gestreut. Maxl, dem saufarbenen Rauhaardackel, einem prämierten Schweißhund, wird die Schweißhalsung angelegt. Ein breites weiches Halsband mit einer langen Leine.

Wir lassen jetzt Hundführer und Hund alleine. Von Beiden ist Konzentration gefordert. Die Schweißstrecke ist 20 Meter im Wald neben einem Forstweg gelegt. Wir schleichen in absoluter Ruhe auf dem Waldweg und beobachten das eingespielte Team bei der Arbeit. Der Dackel nimmt die Witterung, der inzwischen fünf Stunden alten, Schweißspur auf und übernimmt die Führung. Was wohl die Spaziergänger denken, die uns 50 Mann hoch wortlos auf dem Forstweg schleichend, ins Unterholz stierend, sehen. Die Strecke folgt dem Forstweg um die Ecke. Maxl lässt sich nicht beirren er bleibt auf der Spur. Am Ziel, dem Wild, findet der Dackel eine Rehdecke in der zu seiner Belohnung eine Wurst eingeschlagen ist. Maxl interessiert sich aber mehr für die Rehdecke. Zwei unserer Ausbilder blasen mit den Jagdhörnern das Signal „Rehbock tot“. Dem Jäger und seinem Hund wird nach waidmännischem Brauch der Erlegerbruch gereicht. Der Jäger steckt sich den Zweig an den Hut, der Hund bekommt den Bruch an die Halsung.
Der Deutsch-Langhaar ist jetzt an der Reihe. Er stellt seine Schussfestigkeit unter Beweis. Er wird neben dem Jagdrucksack mit dem entsprechenden Befehl abgelegt. Der Jäger entfernt sich und schießt mit der Flinte zweimal in die Luft. Dabei darf der Hund nicht schrecken, aber auch nicht schusshitzig werden. Schusshitzige Jagdhunde rennen sofort nach dem Schuss in die Laufrichtung des Gewehres. Dieser Hund aber bleibt unbeeindruckt der Schüsse auf dem ihm zugewiesenen Platz liegen, bis er eine weitere Order vom Jäger bekommt.
Den nächsten Einsatz des Deutsch-Langhaar können wir beim Schleppen sehen. Dabei wird wieder ein Anschuss simuliert. Diesmal wird aber ein Hasenfell von dem Anschuss 300 Meter weit in den Wald gezogen und abgelegt. Der Jagdhund nimmt die Witterung auf und läuft, diesmal alleine, ohne Jäger, der Schleppstrecke entlang und nimmt die Hasenattrape auf. Obwohl der Hund das Wild im Fang hält, läuft er auf seiner eigenen Fährte zurück und bringt das Wild dem Jäger. Eine Leistung die nur Hundenasen erbringen können.
Die Trainerin erklärt uns, dass solche Leistungen nur zustande kommen, wenn zwischen Hundeführer und Hund absolutes Vertrauen herrscht. Die Ausbildung eines Jagdhundes erfordert viel Sachverstand, Mühe und Geduld. Nachdem was ich heute gesehen habe, würde ich sagen, lohnt sich das.