Sonntag, 31. Januar 2010

Pagagnini

Ich erwarte am Flughafen München meine Fahrgäste. Vier Fahrgäste sollen es sein. Ich weiß nur sie landen mit der Maschine aus Madrid. Auf das Abholschildchen habe ich wie bestellt Pagagnini geschrieben. Das zweite g in Pagagnini kam mir spanisch vor, b.z.w. in diesem Fall eben nicht spanisch. Die Maschine hat über 90 Minuten Verspätung. Als ich mit dem Schildchen warte, spricht mich ein Fluggast an, er wäre Einer der Gruppe. Er ist mit einem Flugzeug früher aus Barcelona gelandet. Er geht jetzt schnell noch rauchen.

Ich warte alleine auf die anderen Drei. Ich soll sie in ein Hotel im Münchener Norden bringen. Jetzt kommen endlich die drei Madrilenen, der Gast aus Barcelona stößt zu uns un die Fahrt kann beginnen. Alle Vier haben Instrumentenkästen dabei. Unterwegs fragt mich einer der Musiker ob ich zuerst ins Theater fahren könnte. Ich frage in welches Theater, in der Nähe ihres Hotels kenne ich kein Theater. Sie überprüfen ihre e-Mails und nennen mir das Deutsche Theater. Das Gebäude des Deutschen Theaters liegt eigentlich im Zentrum. Jetzt wird es renoviert. Übergangsweise ist das Theater in einem großen Zelt nahe der Allianz – Arena untergebracht. Als meine Gäste „carpa“ (span. Zelt) hören, wollen Sie es nicht glauben. Mit den englischen Wörtern tent und zur Verdeutlichung noch Camping werden ihre Augen nur noch größer. Aber sie werden es ja sehen.

Ich fahre von der Autobahn ab und als wir die blaue Monster Zeltstadt des Deutschen Theaters sehen, atmen sie auf. Wir versuchen es zunächst am Haupteingang. Der ist geschlossen, ich kann aber im Foyer ein Plakat erkennen. Auf dem Plakat sind alle meine Fahrgäste abgebildet. Jetzt verstehe ich auch das zweite G auf dem Plakat ist das Programm in der Schreibweise Pa GAG nini angekündigt.



Meine Fahrgäste sind die Gruppe Yllana. Ein Comedy – Streichquartett, das mit todernsten Gesichtern im Frack allerlei Klamauk zu klassischer Musik macht. Das sind aber nicht nur irgendwelche Musikclowns. Sie bieten während ihrer Vorstellung klassische Musik auf allerhöchstem künstlerischem Niveau. Einer der Musiker zum Beispiel, Ara Malikian, ist Solo – Violinist der Oper in Madrid.

Ich stehe jetzt mit den Vieren auf der Bühne des Theaters. Die beiden spanischen Bühnentechniker begrüßen die Künstler. Diese machen sich mit der technischen Einrichtung vertraut. Wir lassen die Instrumente dort und ich bringe die Yllanas ins Hotel. Beim Aussteigen kann ich noch ein Foto von ihnen in zivil machen. Der erste Gast, der früher am Flughafen ankam, war der, der den bärbeißigen Cellisten spielt.

Freitag, 29. Januar 2010

Finden Sie den Unterschied



Richtig! Der Wippschalter auf dem Kombihebel rechts vom Lenkrad. Einmal ist er da, einmal fehlt er. Die VW – Werkstätte hat ihn nicht erkannt. Im linken Hebel war ein Plastikteil gebrochen. Der Hebel fiel von selbst runter und brachte das Taxi zum Blinken links. Ich hebe den Schalter hoch, er rastet nicht ein, das Taxi blinkt rechts. Bis ich den Hebel in eine neutrale Position bringen kann, blinke ich noch mindestens einmal links und wieder rechts. Ich möchte wissen was die nachfahrenden Autofahrer von dem Taxifahrer vor ihnen dachten. Ich stopfe ein Blatt von der Küchenrolle unter den Hebel und das Blinkerspiel wird nur noch ausgelöste wen ich z.B. über einen Gullideckel fahre.

Die Inspektion wird fällig, das Taxi hat noch Garantie, ich will bei der Gelegenheit den Blinkerhebel reparieren lassen. Ich melde das Fahrzeug telefonisch zur Inspektion an. Der Kundendienstmitarbeiter fragt mich ob etwas außer der Reihe sei. Ich informiere ihn über den defekten Hebel. Er sagt.

„Kommen Sie bitte zwei Tage vorher vorbei, damit wir schon das richtige Teil bestellen können.“

Obwohl ich das Auto dort gekauft habe, und dort alle Daten gespeichert sein sollen, komme ich vorbei, ich will mir ja jeden unnötigen Werkstattermin sparen. Ich hole mein Taxi nach der Inspektion ab. Die Fehlerspeicher sind ausgelesen und ich stelle zufrieden fest, dass ich wieder verkehrsgerecht nur wenn ich abbiegen will die Fahrtrichtungsanzeiger setzen kann.

Im Tachofeld habe ich eine Multifunktionsanzeige, auf der kann ich den Durchschnitts-, b.z.w. den aktuellen Verbrauch, Reichweite … usw. ablesen. Mit dem Wippschalter kann man zwischen den Funktionen wählen. Nach der Inspektion wollt ich die Reichweite ablesen und dazu die entsprechende Anzeige wählen. Nur ich fand den Schalter nicht.

Ich fahre in die Werkstatt und bitte den Mechaniker mir zu zeigen, wie man die Multifunktionsanzeige bedient. Das Gesicht wollte ich mir nicht entgehen lassen. Inzwischen ist der richtige Hebel eingebaut. Ich kann wieder blinken und die Funktionsanzeige ablesen.

Montag, 25. Januar 2010

Zwangsaufenthalt in Seefeld

Am Anfang dieses Monats hatten wir zwei Abholungen in Seefeld zum Flughafen. Bei der ersten Abholung war mein Taxibus zuviel. Ich organisierte bei einem Seefelder Taxiunternehmen ein PKW – Taxi. Jetzt hatte ich zwei und eine halbe Stunde Aufenthalt in Seefeld. Ich parke mein Taxi am Bahnhof und gehe in die Ortsmitte. Zunächst besuche ich die St. Oswald Kirche. Ich mache dort ein Foto von außen, vom Taufbecken und von dem alten mächtigen Opferstock gleich nach dem Eingang. Ich kaufe mir noch einen von diesen Kirchenführern, die in den meisten Kirchen für ein paar Groschen ausliegen.

Mein Spaziergang geht weiter über den für Fahrzeuge gesperrten Ortskern. An einem zentralen Platz spielen die Seefelder und die Touristen Eisstock. Da sind richtige Profis dabei, die nach jedem zweiten Schub die Grundplatte ihrer Eisstöcke auswechseln.

Auf dem Rückweg komme ich an einem Hotel vorbei, dass draußen eine Bar aufgebaut hat. Um die Bar stehen schwach besetzte Tische. Aus den Lautsprecherboxen dröhnt Musik, deren Text an Schwachsinn nicht mehr zu überbieten ist. Schlimmer als auf dem Oktoberfest. Noch dazu pfeift der Typ hinter der Bar mit einer Trillerpfeife um Gäste aufmerksam zu machen. Vier Touristen mit bunten Mützen sitzen an einem der Tische und grölen zu der Musik. Andere versuchen mit dem Takt der Musik zu klatschen. Das mit der Aufmerksamkeit erwecken gelingt dem trillerpfeifenden Alpen-Pumuckl schon ganz gut. Aber mit dem Ergebnis scheint er nicht ganz einverstanden. Die meisten Gäste huschen schnell an der Szenerie vorbei.

Auf dem Rückweg fotografiere ich noch das Casino. Die grenznahen Spielbanken in Österreich sind bei den Jugendlichen aus einem Grund sehr beliebt. Hier darf man schon ab 18 rein. Eine andere Gruppe sind die Spieler, die sich in den deutschen Casinos selbst sperren ließen. Auch das geht. Ich kenne nicht nur einen Spieler, der zu dieser Maßnahme griff. Siegt dann und wann die Spielsucht, bleibt nichts übrig als die Casinos hinter der Grenze aufzusuchen.


Gegenüber der Spielbank steht im Eingangsbereich ein Automat mit dem man sich selbst fotografieren lassen kann. Das persönliche Porträtfoto wird in die Mitte einer Postkarte gedruckt.

Am Taxistand, stoße ich beim Durchlesen des Heftchens aus der Kirche, auf die > -> Sage von Oswald Milsern . Ich hab noch etwas im Internet gestöbert und die Geschichte online gestellt. Die Fotos aus der Kirche konnte ich dazu gebrauchen. Jetzt weiß ich, dass es über dem Südportal eine Darstellung des Wunders gibt. Das hätte als Foto natürlich besser gepasst. Aber nach dem Lesen des Heftchens war ich schlauer – nur nicht mehr in Seefeld. Auf den Seiten über Seefeld und das Hostienwunder habe ich als Hintergrund ein Foto eingebunden. Das Foto bleibt immer unten rechts, egal wie groß der Bildschirm des Betrachters ist.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Bombenalarm am Flughafen München


Wir stehen in der Taxireihe am Terminal 2 am Flughafen München. Das Datenfunkgerät bringt eine Meldung. Die Bundespolizei hat die Ebene 4 des Terminal 2 gesperrt. Der Ankunftsbereich und auch die Taxistände sind eine Ebene tiefer.
Jetzt höre ich es schon mit Blaulicht rasen Polizei, Sanitäter und Feuerwehr von allen Richtungen auf uns zu. Ich muss von meinem Standplatz etwas weiter vom Terminal weg um eine Ebene höher zu gelangen. Ich folge einem Reisebus der Bundespolizei.


Im Terminal stauen sich die Fluggäste vor den Sicherheitskontrollen, die meisten sprechen in allen Sprachen in ihr Handy.

Ein ca. 40jähriger Mann, Typ Geschäftsmann, legt seinen Laptop auf den Scanner der Sprengstoff erkennt. Das Gerät gibt ein Signal. Die Sicherheitskräfte wollen den Passagier auffordern zu bleiben um den Laptop einer weiteren Kontrolle zu unterziehen. Der jedoch klemmt sich den Laptop unter den Arm. Die Sicherheitskräfte lösen den Alarm aus. Sofort wird die ganze Ebene 4 gesperrt. Da der Verdacht besteht der Mann könnte in eines der angedockten Flugzeuge eingestiegen sein, dürfen diese nicht starten und die Reisenden müssen ihre Maschinen wieder verlassen. Insgesamt 60 Flüge werden annulliert oder starten mit großer Verspätung. Mitarbeiter der Fluggesellschaften verteilen Snacks und Getränke an die Wartenden.

Diese Sprengstoffscanner sind hochempfindlich eingestellt und geben Alarm, wenn z.B. Substanzen wie sie in Kosmetika verwendet werden, entdeckt werden. Am Flughafen München ist bei einer weiteren Untersuchung des Gepäcks, nachdem der Sprengstoffdetektor angezeigt hatte tatsächlich Sprengstoff gefunden worden.
Es besteht größte Wahrscheinlichkeit, dass der Fluggast die Aufforderung des Sicherheitspersonals nicht verstanden hat und zu seiner abfliegenden Maschine geeilt ist. Er hat keine Vorstellung was hinter ihm passiert ist. Über dieses Terminal werden auch Schengen Flüge abgefertigt, d.h. es gibt keine weiteren Passkontrollen mehr.


Entscheidend ist aber, das ein Fluggast an dessen Gepäck Hinweise auf Sprengstoff entdeckt wurden die Sicherheitszone erreicht hat und nicht wieder gefunden wurde.
Einer jedenfalls hat ein gutes Geschäft gemacht. Der Flaschensammler, der die zahllosen herumliegenden Flaschen aufgesammelt hat und mit zwei riesigen Plastiksäcken lächelnd das Terminal verlässt.

Soeben hat die Polizei das Terminal wieder freigegeben.

Sonntag, 17. Januar 2010

Diesel international




Auf der Strecke zwischen Mittenwald / Bayern nach Seefeld / Tirol fährt man durch das Grenzdorf Scharnitz. Kurz vor dem Ort, auf der deutschen Seite, gibt es eine Tankstelle die zweite Tankstelle ist am Ende des Ortes auf der österreichischen Seite. Ich verfolge schon seit Jahren die Preisunterschiede zwischen den beiden Tankstellen. Es ist keine Seltenheit, dass der Kraftstoff in Österreich bis zu 12 Cent / Liter billiger ist als in Deutschland.

Gestern habe ich im Vorbeifahren die beiden Preissäulen fotografiert. Der Liter Diesel in Deutschland kostet 1,179 € in Österreich 1,069 €. 11 Cent Unterschied. Zwischen den beiden Fotos liegen 2 Minuten und 1,5 Kilometer.

An der Umsatzsteuer kann es nicht liegen. Die ist in beiden Ländern mit 7/19 % und 10/20% ziemlich gleich. Auf Kraftstoff ist in Österreich 20 % Umsatzsteuer (bat) in Deutschland 19%. Anders als in Deutschland wird in Österreich auf die Dienstleistung Personenbeförderung mit PKW durchgehend 10% Umsatzsteuer erhoben. In Deutschland wird zwischen Mietwagen (19%) und Taxi (7%), und dort noch von der Länge und dem Ort der Strecke (ggf. auch 19%) unterschieden. Es lohnt sich für deutsche Taxiunternehmer mit ihrer internationalen Steuernummer ( die gibt’s in Berlin) die in Österreich erbrachten Umsätze mit 10% beim Finanzamt Graz zu versteuern. Alle ausländischen Unternehmer rechnen mit dem Finanzamt Graz ab. Im Gegenzug kann dort die Vorsteuer abgesetzt werden. Bei 10% auf die erbrachte Leistung auf österreichischem Boden, und wenn dort auch immer das Taxi günstiger vollgetankt wird (20%) kommt jedes Quartal ein kleines plus zu unserem Gunsten zusammen.

Der Preisunterschied liegt vielmehr bei der Mineralölsteuer. In Österreich wird auf den Liter PKW-Diesel Kraftstoff 34,7 Cent, bei uns in Deutschland 47 Cent / Liter, bezahlt.

Freitag, 15. Januar 2010

Taxifahrer erschossen


Heute Morgen um 8:00 Uhr entdecken Schulkinder in der Christian-F-Hansen Straße, nahe der Elbchaussee im Hamburger Stadtteil Nienstedten ein Taxi mit laufendem Motor und eingeschalteter Warnblinkanlage. Das Taxi ist auf ein geparktes Fahrzeug aufgefahren. Eine hinzukommende Passantin findet den Taxifahrer über dem Lenkrad zusammengebrochen. Der Taxifahrer war von hinten mit einem Schuss durch den Kopf getötet worden. Das Projektil hat die Windschutzscheibe ca. 30 cm über dem Lenkrad von innen nach außen durchschlagen. Das Opfer, der 58-Jährige Taxiunternehmer Peter Lüchow aus Wedel, war in der Hansestadt mit seinem Mercedes E-Klasse Taxi unterwegs. Sein Geldbeutel war noch im Taxi. Das Motiv ist noch unklar.

Bei uns in München gab es Anfang der 90-ger Jahre einen ähnlichen Fall. Der Kollege wurde an der Ruderregattastrecke in Oberschleißheim, nördllich von München, mit mehreren Einschusswunden von hinten, tot in seinem Taxi aufgefunden. Auch hier fehlte nichts von seinem Geld und das Motiv war zunächst unklar. Die Polizei durchforstete emsig sein soziales Umfeld, natürlich auch in unseren Taxifahrerkreisen.

Es stellte sich heraus; die Täter waren zwei Jugendliche die mit einer Maschinenpistole in der Reisetasche den Kollegen von hinten durch den Fahrersitz durchsiebten. Sie waren über die Auswirkungen ihrer Tat so erschrocken, dass sie Hals über Kopf vom Tatort rannten.

Ich kenne vier Kollegen näher die durch Messerangriffe erheblich verletzt wurden aber zum Glück alle vier überlebten.

Dieser Übergriff war trotz des jungen Jahres heuer schon der dritte alleine in Hamburg.
1995 war für das Taxigewerbe in Deutschland das schwärzeste Jahr. In diesem Jahr wurden 11 Taxifahrer während ihrer Arbeit durch Gewaltverbrechen getötet. Das ist ein Rekord der auf ewig nicht gebrochen werden soll.

Foto: Peter Lüchow Quelle:Polizei Hamburg

Sonntag, 10. Januar 2010

Hilfe über Internet



Ein Hilferuf im und über das Internet. Ein junges Mädchen kündigt in München über das Internet seinen Selbstmord an. Die Polizei schaltet die Zentrale der Taxi-München eG ein. Das Internet ermöglicht es, dass auf allen Displays in den angeschlossenen Taxis die genaue Beschreibung des Mädchens und ihrer Bekleidung(auf dem Foto nicht sichtbar) erscheint. Das Mädchen soll sich in Nähe der Isarbrücken aufhalten. Die Meldung kam gestern Abend. Ich habe bis heute nichts Schlechtes gehört. Es scheint gut ausgegangen zu sein.

Samstag, 9. Januar 2010

Viermal kurz

Das Wetter hat heute bei uns am Flughafen ein kleines Chaos ausgelöst. Die wenigsten Maschinen landeten pünktlich später kamen dann noch die Flugzeuge die z.B. Frankfurt überflogen hatten.
Ich hatte eine vorbestellte Fahrt nach Pfaffenhofen / Ilm, meinen Heimatlandkreis. Der Flughafen liegt nordöstlich von München, Pfaffenhofen noch weiter nördlich. Auf dem Rückweg bietet es sich also an sich am Flughafen anzustellen. Es ist Samstag und ich male mir schon die nächste Fahrt nach Österreich aus. Mit einem Taxibus hat man durchaus eine Chance eine Fahrt mit einer Familie in ein Skigebiet zu erwischen. Bei mir lief es leider anders. Nach nur zwei Stunden Wartezeit steigt mir eine vierköpfige spanische Familie zu. Das Fahrziel, eine Autovermietung in Neufahrn bei Freising. Pech. Zu kurz für eine anständige Fahrt in die Stadt ( ca. 55,-€), zu weit für die 20 Minuten Regelung. Wir finden die Autovermietung im Industriegebiet im Hinterhof eines Büro- und Lagerkomplexes. Meine Kunden bezahlen 24,90 € und bitten mich zu warten bis sie sicher ein Auto haben. Der Spanier schimpft und flucht. Die Autovermieter hätten ihn und seine Familie am Flughafen abholen sollen. Ich gehe mit in das Büro. Dort stehen 40 Personen und warten genervt. Ich höre englisch, holländisch, russisch und jetzt auch spanisch. Die einzige Angestellte sitzt am Schreibtisch und rotiert. Zwei Engländer sehen mein Taxi im Hof und fragen ob ich sie zum Flughafen zurück fahren könnte. Sie wollen nur noch fragen ob die Autovermietung den Fahrpreis übernimmt. Tut sie nicht. Auch ihnen hat man versprochen sie zum Flughafen zurückzubringen. Also wieder fahre ich den gleichen Weg zurück und werfe dann noch einen kurzen Blick auf die Taxireihe vor dem Terminal 2. Hier stehen nur wenige Taxis. Jetzt probiere ich noch mal mein Glück und stelle mich an.


Jetzt dauert es nur eine Stunde und ich bin Erster. Eine türkische Familie steigt bei mir ein. Ich erkenne schon von weitem den gelben Zettel in ihrer Hand. Diese gelben Zettel sind Lufthansa Voucher die an Fahrgäste ausgegeben werden die an den Flughäfen gestrandet sind. Die Gäste bekommen dann Gutscheine für Taxi/Bus und Hotel. Meine Türken wollten von Ankara nach Frankfurt. In Frankfurt können sie nicht landen. Also landen sie in München und übernachten im Sheraton Hotel in Schwaig. Die Strecke nach Schwaig ist nach 8 Minuten erledigt und bringt 12,50 €. Das heißt ich bin innerhalb von 20 Minuten wieder zurück und kann mich an der Reihe vorne einreihen.


Jetzt kommt meine nächste Tour. Diesmal U.S. Amerikaner, auch sie sind gestrandet. Auch sie müssen ins Sheraton Hotel nach Schwaig. Sie fragen ob ich Kreditkarten akzeptiere. Ich kläre sie auf, wenn sie einen Taxi Gutschein hätten, müssten sie gar nicht bezahlen. Sie haben nur einen Gutschein für den Bus, wollen aber mit dem Kleinkind nicht länger warten.

Meinen erhofften weiten Stich habe ich nicht bekommen, aber viermal kurz in vier Stunden mit vier verschiedenen Nationalitäten ist auch in Ordnung.

Freitag, 8. Januar 2010

Die Tiroler die sind lustig und am Flughafen München

Bei meinen Fahrten nach Tirol treffe ich mich manchmal mit Taxifahrern aus Sölden, Innsbruck, Seefeld, Zillertal … Aber nie habe ich es geschafft, dass unter mehr als vier österreichischen Kollegen bin.

Außer es ist Winter und Samstag, der Tag des Bettenwechsels in den Hotels, da brachte ich es diese Woche auf meinen Rekord.


Am Flughafen München stehe ich mit meinem Taxi, erkenntlich an der hellelfenbeinweißen Farbe, mitten unter acht Taxis aus Nord- und Südtirol. Die anderen vier Taxis stehen gegenüber und passen nicht mehr aufs Foto. Ob die Fahrer wohl dafür verantwortlich sind, dass es jetzt an unserer Flughafen – AGIP neben Wiener, Fleischpflanzerl (Buleten), Schnitzel auch Tiroler Gröstl gibt muss ich erst noch fragen.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Erkenntnisse

Ich habe öfter auf den Rücksitzen meines Taxis Wasser in kleinen Flaschen, Erdnüsse, Schokolade oder Bonbons für meine Fahrgäste ausgelegt. Besonders nach langen Flügen, kann man den durstigen Gästen mit einem Schluck Wasser sehr entgegen. Auch wenn man damit nicht immer Stammgäste gewinnt, schafft es eine angenehme Atmosphäre während der Fahrt und es ist etwas, das es in der U-, S-Bahn, Tram oder Bus nicht (kostenlos) gibt. Auch die Raucher kann ich so mit Kauen trösten.
Über einen längeren Zeitraum betrachtet hat sich dieser Service auch für mich bezahlt gemacht. Aber nach den Fahrgästen, die ich gestern hatte, habe ich zumindest eine Stunde gezweifelt ob ich das noch weiterhin anbieten soll.
Datenfunkauftrag – 5 Personen, zweimal Kindersitz Klasse 2. Ich fahre zur Adresse. Drei Frauen und zwei Kinder steigen ein. Ich bin noch nicht an der nächsten Ampel. Ratsch – Die erste Erdnusstüte ist offen und eine Handvoll Nüsse auf den Bänken und auf dem Boden verstreut. Am Ziel angekommen, von der Dachauerstrasse Anfang in die Stupfstrasse, stehen 9,10 € auf der Uhr. Ich bekomme 10,- €. Die Fahrgäste warten geduldig auf die 90 Cent Wechselgeld. Ich bin beim Aussteigen behilflich und räume den ersten Kindersitz zurück in den Kofferraum. Eine Frau mit ihrer Tochter bleibt noch sitzen. Es entsteht ein lautstarker Streit auf arabisch zwischen den Fahrgästen. Die eine Frau will nun doch nicht bei den ersten Fahrgästen bleiben. Das Kind beginnt jetzt auch noch zu schreien, es wollte ja noch so gerne mit der neuen Freundin spielen. Die Uhr ist ausgeschaltet und der Zirkus dauert jetzt schon 10 Minuten. Die Autos drängen sich in der engen Strasse an uns vorbei.
Schließlich will die noch im Auto sitzengebliebene Dame beleidigt, dass ich sie und ihre Tochter zurück zum Hauptbahnhof bringe. In der Arnulfstrasse ordne ich mich an der Ampel auf der linken Spur ein, um geradeaus zum Bahnhof zu fahren. Nein jetzt heißt das Fahrtziel plötzlich: Schwanthalerstrasse! Also über die ganze Strassenbreite um nach rechts durch die Paul-Heyse-Unterführung zu kommen. Die Schwanthalerstrasse liegt nach 500 Metern quer vor uns. Nach Links ist das Abbiegen verboten. Ich frage:“Schwanthaler; links oder rechts?“. Ich hätte gar nicht fragen sollen. Natürlich – Links. Ich biege trotzdem ab. Ich will möglichst schnell meine Ruhe. Endlich angekommen stehen 9,70 € auf der Uhr (Taxameter). Bezahlt wird wieder blank. Ich schließe die hintere Schiebetüre und stelle fest, dass meine Fahrgäste sämtliche Nüsse, Süßigkeiten und Wasserflaschen mitgenommen haben. In diesen Momenten frage ich ob ich zu gut oder zu dumm für die Welt bin.

Ich habe nach der ersten Wut beim Schreiben dieses Beitrags überlegt ob ich diesen Service weiter anbieten will. Ich bin zu dem Schluss gekommen: ja, ich werde weitermachen.

Ich sitze am Taxistand in der Stadt im Taxi den Laptop auf den Knien, um 14:20 Uhr landet ein Flugzeug mit meinen Fahrgästen für eine Fahrt zurück in die Stadt. Es ist 12:50 Uhr und ich hoffe noch einen Stich (besetzte Fahrt) zu bekommen. Anderseits müsste ich leer vom Standplatz wegfahren und ich hätte umsonst gewartet. Ich will eine Zigarette rauchen und steige um mich vor mein Taxi zu stellen. Es kommt ein junger Holländer, der es eilig zu haben scheint, die Auffahrt herauf, sieht mich und fragt; ob ich weiß wo er ein Taxi bekommen kann. Ich deute auf mich und mein Taxi. Er ist sichtlich erleichtert und nennt das Ziel. Zum Flughafen. Besser kann es gar nicht passen. Jetzt bin ich 20 Minuten vor der Ankunft meiner Maschine am Flughafen und kann den Post noch fertig schreiben. Obwohl ich nichts mit Esoterik und schon gar nichts mit Religion am Hut habe, denke ich mir das ist die Belohnung für meinen Entschluss weiter Wasser und Snacks anzubieten. Während der 19 Jahre die ich als Taxler unterwegs bin, und den 10.000 Gesprächen mit Menschen aus aller Herren Länder und sozialen Schichten, gibt es immer wieder solche Situationen, die mich zum Nachdenken anregen. Ich sitze dann für 5 Minuten hinter dem Steuer und denke nach. Irgendwie ist es schon so: Wer gibt dem wird gegeben, und wer nimmt dem wird genommen.

Dienstag, 5. Januar 2010

Ich, als Ehemann einer Serbin ...

Gestern gestand eine 29-jährige Serbin ihren 38-jährigen ebenfalls serbischen Ehemann in der gemeinsamen Wohnung in Berg-am-Laim erstochen zu haben. Am Sonntag um 16:00 Uhr ging ein Notruf bei der Münchener Polizei ein. Die Ehefrau meldet, dass sich ihr Mann bei einem Sturz mit einem Messer schwer verletzt hätte. Die herbeigerufenen Sanitäter versuchten erfolglos den Mann zu reanimieren. Die Polizei stellte bei ihren ersten Ermittlungen Unstimmigkeiten fest und schaltete die Mordkommission ein. Nach der ersten Befragung beharrte die Frau auf der Sturzgeschichte. Der Obduktionsbericht verweist neben Messerstichen in Herz und Lunge des Opfers auch auf Verletzungen am Arm, die von der Abwehr eines Messerangriffs stammen könnten.


Gestern gestand die Frau ihren Mann mit dem Küchenmesser erstochen zu haben. Vorangegangen waren monatelange Beleidigungen und Schläge des Ehemanns. Sie habe die Sturzgeschichte erfunden um bei ihren drei Kindern im Alter zwischen 10 Monaten und 12 Jahren bleiben zu können. Die Staatsanwaltschaft München 1 beantragte einen Haftbefehl wegen Totschlags gegen die Frau, der Ermittlungsrichter hat den Haftbefehl erlassen.

Die drei Kinder sind zur Zeit bei Angehörigen untergebracht und müssen leider den morgigen orthodoxen Heiligen Abend ohne ihre Eltern verbringen.

Busfahrer erlöst mich


Gestern Nachmittag hatte ich wohl das Pech gepachtet. Nach einer Stunde Wartezeit am Hotel Renaissance kamen endlich zwei junge Mädchen und ließen sich in ein Hotel vor auf die Leopoldstrasse bringen. 5,50 €. Kein Trinkgeld. Aber ich war ja nicht weit und fahre zurück zum Renaissance. Dort warte ich wieder zwei Stunden. Dort kenne ich jetzt zwei Portiers, einen Empfangsmenschen und die Gärtner die die Weihnachtsdekoration entfernten.

Wir halten uns in der Hotelhalle auf. Ich fotografiere die Stuhlgruppe im Foyer. Durch die Glastüre kann man die Motorhaube meines Taxis erkennen. Ich könnte das Motiv für meine Homepage als Hintergrund oder als kleines Bildchen am Rand, wenn es um das Thema Hoteltransfer geht, gebrauchen.

Ein Datenfunkauftrag erlöst mich. Brandenburger 2, Autobus! Jeder Taxifahrer weiß bei dem Auftrag Bescheid. Zwischen dem Flughafen und der Stadt verkehren die Flughafenbusse der Firma Autobus Oberbayern. Auf der Strecke vom Hafen in die Stadt bleibt der Bus noch an einer großen Kreuzung im Münchener Norden stehen (Ungererstrasse Ecke Schenkendorfstrasse). Die Busfahrgäste die dort aussteigen wollen, geben dem Busfahrer Bescheid. Der Busfahrer bestellt bei der Taxi München eG die Taxis, die dann an der Haltestelle warten.

Montag, 4. Januar 2010

Was mag da wohl drin sein?

Am Flughafen München spritze ich mein Taxi in der Waschbox ab. Ein schwarzer Mercedes fährt vor die Waschbox. Der Fahrer fragt mich ob ich frei sei. Ich bin neugierig und bejahe. Der Fahrer sagt mir er hat viel Gepäck zu transportieren. Ich soll ihm einfach folgen. Als ich dem schwarzen Mercedes hinterherfahre, sehe ich das Nummernschild. Nur das M für München und vier Zahlen. Die zweite Buchstabengruppe fehlt. Ein Diplomatenfahrzeug. Ich denke mir; Gäste aus Arabien. Ich kann mir schon vorstellen, dass deren Gepäck nicht in dem PKW zu verstauen ist. Wir fahren über die Brücke des Flughafenzubringers. Zu den Terminals müsste der Fahrer jetzt aber links abbiegen. Er fährt geradeaus weiter – Richtung Frachthallen. Ich male mir schon aus, dass er mir eine Luftfrachtkiste an den Hals binden will. Die passt aber beim besten Willen nicht in ein VW-Bus Taxi, ohne dass zumindest die dritte Rückbank ausgebaut werden muss.

Vor der Frachthalle steht aber schon die Ware. Ich bin beruhigt. Es sind nur ca.12 verschieden große in Sackleinen eingenähte Kartons. Ein Helfer steht auch dabei. Ich musste nur die Sitzlehne der dritten Rückbank umklappen und wir konnten die Ware gut verstauen. Der Helfer fährt mit. Unterwegs zeigt er auf die indische Botschaft. Er sagt, er wäre dort angestellt. Ich bin froh, ohne Wartezeit eine Fahrt zurück in die Stadt.


Ich hätte aber zu gerne gewusst, was in den Kisten war.

Freitag, 1. Januar 2010

Hoffentlich fängt das Jahr gut an

Zwischen den Jahren fahre ich nicht viel Taxi. Ich bediene nur die Stammkunden. Bei den Abholungen fahre ich immer früher los um im Zielgebiet Fotos zu machen oder Neuigkeiten aufzuschnappen. Aus den letzten Posts wisst ihr, dass ich manchmal in den Alpen unterwegs bin. Was sich diese Woche um die Zugspitze abspielt scheint sich leider zu einem Bergdrama zu entwickeln.

Der Jubiläumsgrat aus dem Taxi auf der Autobahn Garmisch


Am Dienstag machen sich ein 31- und ein 42jähriger Bergsteiger aus dem Raum um Ravensburg auf den Weg den Jubiläumsgrat zu durchsteigen. Der Jubiläumsgrat verbindet die Zugspitze mit der Alpspitze. Obwohl der Weg als Klettersteig ausgezeichnet ist, ist der Durchstieg besonders im Winter, ein gefährliches Unternehmen für erfahrene Alpinisten.

Die beiden Männer übernachten am Sonntag Abend im Biwak in der Mitte des Grates. Von dort rufen Sie ihre Angehörigen an und künden an, dass sie sich am Montag Abend wieder melden werden. Der Anruf bleibt aus. Am nächsten Tag, Dienstag, den 29.12. verständigen die Angehörigen die Polizei in Garmisch-Partenkirchen und melden die Beiden vermisst. Noch am selben Tag wird ihr Auto in der Nähe der Talstation der Zugspitzbahn gefunden. Am Mittwoch suchen die beiden Polizeihubschrauber Edelweiß 5 und 6 der Polizei und die Bergwacht die Strecke ab. Neuschnee und Wind verdecken die Spuren. Einer der Bergsteiger hat sich in das Gästebuch der Biwakschachtel eingetragen. Hoffentlich ist das nicht das letzte Lebenszeichen.
Gestern haben die Hubschrauber bis zum Mittag das Gebiet abgeflogen. Bergwacht und Suchmannschaften versuchen zu Fuß die Bergsteiger zu finden.

Heute früh wurde die Suche wieder aufgenommen. Vor zwei Stunden brach die Dunkelheit herein und es gibt noch kein weiteres Lebenszeichen.

Morgen komme ich wieder in die Gegend. Ich hoffe es gibt im neuen Jahr gute Nachrichten.




Sonntag, den 03.01.2010
Die Suche nach den beiden Bergsteigern wurde heute eingestellt. Es gäbe kaum noch Überlebenschancen.