Samstag, 27. Februar 2010

Gold - Vicky


Plötzlich reißt uns Blasmusik aus unserer Ruhe am Taxistand am Flughafen. Ich bin das zweite Taxi in der Busreihe. Trotzdem gehe ich zur Kapelle, die sich am Ausgang des Terminals 2 postiert hat. Einige Kollegen stehen schon da und beobachten die Szenerie. Ein Schild verrät uns wer hier erwartet mit. Die Gold – Vicky. Viktoria Rebensburg aus Kreuth. Die 20-Jährige hat am Donnerstag beim Riesenslalom eine Goldmedaille gewonnen. Die Blasmusik spielt zwei Stücke und erntet von den Taxlern, Busfahrern und Fahrgästen Applaus. Die Kinder des Skiclubs Bad Wiessee haben ihre kleinen Ski mitgebracht. Jetzt probieren sie im Chor die Begrüßung für Vicky.

Der Spielmannszug, die Kinder und die mitgekommenen Kreuther gehen in das Terminalgebäude, das Flugzeug wird jeden Moment erwartet. Wir können leider nicht mitgehen, unsere Taxis stehen in der Reihe am Stand.


Als ich vorne an der Reihe bin, höre ich die Blasmusik in der Empfangshalle. Vicky ist angekommen und freut sich sicher über den großen Bahnhof.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Allmächt

Ich habe noch eine Fahrt nach Nürnberg. Die Nachrichtensendung um 23 Uhr des Bayerischen Rundfunks beginnen mit der ersten Meldung:

Die EKD – Ratsvorsitzende Margot Käßmann ist wegen der Vorwürfe zu ihrer Trunkenheitsfahrt im Dienstwagen von ihrem Amt zurückgetreten.

Es folgt die zweite Meldung:

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Erzbischof Zollitsch seien nun doch zu Gesprächen bereit. Der Erzbischof hatte zuvor der Ministerin, nach ihren Vorwürfen, die katholische Kirche würde die Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle behindern, ein Ultimatum gestellt. Die Ministerin solle sich binnen 24 Stunden entschuldigen.

Noch Eins drauf. Die dritte Meldung:

Abt Barnabas, der Prior des Benediktinerklosters, gibt seine Ämter auf. Nach den sexuellen Missbräuchen an den Schülern des Internats des Klosters in den 60er und 70er Jahren sind nun 2005 weitere Fälle aufgedeckt worden, in denen sich katholische Geistliche an ihren schutzbefohlenen Kindern vergangen haben. Barnabas hat die bischöflichen Leitlinien nicht befolgt, demnach er die Fälle dem Bischof anzeigen hätte müssen.

Soweit die Meldungen.
Die dritte Meldung bestätigt, dass die katholische Kirche nicht nur die Aufklärung behindert, sondern durch das Schweigen der Mitwisser sogar im Keime erstickt.
Wenn der Katholik und Abt des Klosters Ettal in diesem Fall als Christ versagt, so ist das ein nicht mehr gutzumachender Frevel an den unschuldigen Opfern, ein moralisch durch nichts gerechtfertigtes Schützen der Täter, ein Verrat an seinen eigenen Idealen. Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen. Unabhängig sexueller Gepflogenheiten und Verhaltensrichtlinien in religiösen Gemeinschaften oder Sekten, muss das der Staatsanwaltschaft gemeldet werden. Auch wenn es in der Praxis immer wieder anders gehandhabt wird, gilt das auch für Katholiken.
Am selben Tag erdreistet sich ein anderer Vertreter der katholischen Kirche, Erzbischof Robert Zollitsch, eine Entschuldigung von einer Ministerin zu fordern, die genau das ausspricht, was des Bischofs Glaubensbruder bestätigt. Die katholische Kirche als Organisation vertuscht sexuellen Missbrauch in ihren Reihen. Angesichts dieser Tatsachen frage ich mich, wie lange der Staat noch die Kirchensteuer eintreiben will?
Ich bin auf dem Weg nach Nürnberg, zu diesen Nachrichten fällt mir nur noch ein: Allmächt!

Dienstag, 23. Februar 2010

Auch in deiner Tasche

Die Inhorgenta, die Messe für Schmuck, Edelsteine und Uhren, ist zurzeit in München. Ich habe Glück und erwische am Nachmittag eine Fahrt vom Bahnhof nach Riem. In Riem, wo der alte Flughafen war, ist das Messegelände. Ich sehe schon bei der Anfahrt eine lange Reihe von Taxis (oder Taxen). Bis ich mich nach vorne gewartet habe vergeht eine Stunde. Ein Ehepaar aus der Schweiz steigt zu. Gespannt warte ich auf das Ziel. Flughafen wäre gut. Am Sonntagabend könnte ich mich gut dort anstellen. Nein es geht zum Hotel Schreiberhof. Das Hotel liegt in Aschheim 8,90 € von der Messe entfernt. Manchmal geben Taxifahrer Entfernungen in Euro an. Jetzt bin ich noch weiter aus der Stadt und noch weiter östlich gelandet. Also wieder zurück zur Messe. Die Reihe ist gleich lang wie vorher. Nur diesmal ist es später und ich bin schon nach einer halben Stunde wieder vorne. Mir steigen sieben Fahrgäste zu und wollen zum Hauptbahnhof. Ich bin zufrieden, das ist dann gleich die Abschlussfahrt. Die Gäste sind sympathisch und wir unterhalten uns. Am Ende der Autobahn kommen wir am Vogelweideplatz vorbei. Ich deute auf Giesecke & Devirent und sage:
„Sehr wahrscheinlich, dass jeder von euch einen Geldschein in der Tasche hat, der hier gedruckt wurde.“
Das ist sehr gut möglich, bei der Einführung des Euros wurde das größte Kontingent Europas bei Giesecke & Devirent gedruckt.
Mein Beifahrer zieht einen 50 € Schein aus seiner Börse, betrachtet ihn angestrengt und meint:
„Ja genau ein Münchner.“
Jetzt bin ich neugierig und er erklärt mir woher er dass wisse. Der erste Buchstabe auf der Nummer des Geldscheins ist ein X. Das bedeutet er wurde in Deutschland gedruckt. Warum Deutschland ein X hat, ist einen eigenen Post wert. Auf der Vorderseite der 50 Euro Scheine ist über dem Hologramm, dort wo die Kugelschreiberspitze hinzeigt, ein kleiner Code gedruckt.



Der sechsstellige Code besteht aus zwei Buchstaben und vier Ziffern. Der Erste Buchstabe sagt aus wo die Scheine gedruckt wurden. In Deutschland gibt es zwei Druckereien die (offiziell) Geldscheine herstellen. Eine Druckerei in Berlin, die zeichnet die Scheine mit einem N, und Giesecke & Devirent in München, die zeichnet mit einem P, an dieser Stelle.
Ich habe gleich meine drei Fuchzger gecheckt. Zwei waren aus Deutschland (das X in der Seriennummer) und beide aus München (das P an der ersten Stelle des Codes). Ich habe diesen Code nur noch auf den 5 Euro Scheinen gesehen. Auf den 10 und 20 Euro Scheinen habe ich diesen Code nicht gefunden.

Mal wieder was von den Fahrgästen gelernt.

Montag, 22. Februar 2010

Ruhiger Streik

(Liebe Goldschmiede, der Bericht über die Codes auf den Geldscheinen kommt morgen. Heute ist der Lufthansa Streik aktueller. Morgen findet ihr hier die Geschichte mit den Geldscheinen. Danke noch mal für die Informationen.)


Abholung am Flughafen. Heute ist der erste Tag des Lufthansa Streiks. Ich nehme meinen Fotoapparat mit in das Terminal. Ich habe mir schon ausgemalt, dass irgendwo Transparente hängen, auf denen dick das Wort STREIK mit fettem Ausrufezeichen aufgemalt ist. Oder lange Schlangen wütender Passagiere vor den Lufthansa-Schaltern. Oder noch besser Streikposten von Cockpit mit Pilotenuniformen. Nichts dergleichen! Nur auf der Anzeigetafel wird um Verständnis für die Unannehmlichkeiten, die durch den Streik entstanden sind, gebeten.

Eines ist aber doch auffällig – die Ruhe. Es stehen nur ein Drittel der Abholer vor der Anzeigentafel. Ich kann mein Taxi direkt vor dem Ausgang des Terminals parken. Die wenigen Passagiere werden schnell abgefertigt. Ein Flug- und Fahrgast meinte sogar, das könne immer so sein.

20:40 Uhr Ein Kollege teilt uns mit, er hätte in den Nachrichten gehört, daß der Streik zu Ende sei - vorerst.

Samstag, 20. Februar 2010

Trost in der ESSO


Ich habe bei meinem Abschlusskaffee noch die Johanna in der ESSO getroffen. Johanna fährt seit fünf Jahren Taxi. Heute Abend ist sie etwas enttäuscht. Sie ist in die Firma gekommen um ihr Taxi abzuholen. Der Unternehmer war nicht im Büro. Auf dem hof stand noch ein Taxi. Sie besorgte sich den Autoschlüssel. Obwohl es der richtige Schlüssel war sprang das Taxi nicht an. Nachdem sie den Schlüssel zurückgebracht hatte, hat sie mit der Nachtschicht abgeschlossen. Tragisch, ausgerechnet Samstagnacht.
In ihrem erlernten Beruf, Masseurin und medizinische Bademeisterin, hatte sie wenigstens in festes Einkommen. Für heute kann sie sich zunächst einmal den Frust ablassen, indem ich das Schlamassel in ihrem Beisein in den Blog schreibe.

Jetzt, so sagt sie, hat sie den Kopf wieder etwas freier. Und ihr kennt die Johanna.

Freitag, 19. Februar 2010

Kleine Schaukel


Um drei Uhr früh läutet mein Wecker. Um vier Uhr habe ich die ersten Kunden zum Flughafen. Die nächste Fahrt um 8:45 Uhr wieder von der Stadt zum Flughafen. Ich stelle mich an und male mir aus wie nach drei Stunden Wartezeit in die Stadt fahre. Dort kann ich meine nächsten Kunden aufnehmen und zum Flughafen bringen. Wir Taxifahrer nennen das eine Schaukel, besetzt raus und besetzt zurück.

Heute Morgen landen war zwar eine Menge Flugzeuge, nur die Fluggäste wollen keine Taxis nehmen. Die Zeit wird immer knapper, wenn ich um 8:45 Uhr in der Stadt sein will, muss ich spätestens um 7:45 Uhr vom Flughafen wegkommen. Diese Schaukel will mir nicht gelingen. Ich stehe noch in der Reihe, habe keine Chance vor 8:30 Uhr hier wegzukommen. Vorsorglich habe ich schon einen Bustaxikollegen eingeweiht. Er kommt eine dreiviertel Stunde vor mir in die Stadt. Er kann den Auftrag schaffen. Jetzt gebe ich ihm telefonisch die Daten durch. Halb so wild. Ich habe noch einen Auftrag um 10:00 Uhr von Germering zum Flughafen. Den kann ich ja auf alle Fälle schaffen.
Punkt 8:40 Uhr steigen mir meine Gäste zu. Vier Amerikaner. Fahrziel Sheraton Airport Hotel in Oberding. Eine Kurzfahrt. Wenn ich jetzt nicht nach Germering müsste, könnte ich mich, wenn ich innerhalb von 20 Minuten zurückkomme, wieder vorne an der Schlange anstellen. Heute aber nützt mir das nichts. Komme ich um 9:00 Uhr zurück könnte ich zu spät in Germering sein.


Ich habe mich schon damit abgefunden. Ist eben Pech. Kaum habe ich meine Gäste am Hotel in Oberding ausgeladen, spricht mich eine Fünfergruppe an, ob ich sie zum Flughafen bringen kann. Gerne, liegt ja auf dem Weg.

So gelingt mir wenigstens eine kleine Schaukel und Germering schaffe ich gemütlich.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Unsere liebe alte GGLF

Gestern Abend wurde es spät. Ich habe mich mit sehr alten Bekannten getroffen. Den Einen oder Anderen habe ich schon sei 20 Jahren nicht mehr gesehen.

Kennengelernt haben wir uns damals über die GGLF. Die Gewerkschaft Gartenbau, Land und Forstwirtschaft wurde zwischenzeitlich mit der Bau – Gewerkschaft zur BAU Bauen – Agrar – Umwelt vereint. Ich war treuer Gewerkschafter. Ich fuhr Taxi blieb aber in der Gewerkschaft. Ich wurde Arbeitgeber, blieb in der Gewerkschaft. Wurde Mitglied im Gewerbeverband, der als Tarifpartner bei den Tarifverhandlungen auf Arbeitgeberseite auftritt, blieb immer noch in der Gewerkschaft. Als ich dann eine Funktion in diesem (Arbeitgeber-) Verband aufnahm, musste selbst mir das Prinzip der Unvereinbarkeit einleuchten. Schließlich kündigte ich meine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Es tat mir immer noch ein bisschen leid.

Im Gartenbau gab es damals, man glaubt es kaum, sechs verschieden Ausbildungsrichtungen und dementsprechend sechs verschiedene anerkannte Ausbildungsberufe. Aus den sechs Sparten

Obst- und Gemüsegärtner,

Stauden- und Zierpflanzengärtner,

Friedhofsgärtner,

Landschaftsgärtner ( ich selbst),

Floristen,

Baumschuler,

waren bis auf Baumschuler ( -schuler nicht –schüler) ehemalige Kollegen vertreten. Die Baumschuler konnten den Witz von „ warst du auf der Baumschule?“ spätestens ab dem 2. Lehrjahr nicht mehr hören.

Wir sind alle mit dem Versprechen auseinandergegangen uns öfter zu sehen.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Was wird das jetzt ...

Heute Abend spielt der FC Bayern gegen Florenz. Die Innenstadt ist voller Florentiner. Am Tal hoffe ich eine Fahrt zur Allianz Arena zu bekommen. Ein Italiener geht die Taxireihe ab und spricht mit dem Taxibusfahrer vor mir. Jetzt kommt er zu mir. Er erklärt mir er habe einen Fernseher gekauft, der müsse jetzt in die Rosenheimer Strasse 222. Auf dem Weg zum Elektrogeschäft fragt er mich nach dem Weg zur Allianz Arena. Dann sagt er mir er werde jetzt zwei Stunden schlafen.
Ich kann mir keinen Reim darauf machen. Er will zur Allianz Arena, das Spiel beginnt in eineinhalb Stunden, er hat jetzt einen Flachbildfernseher dabei und will jetzt zwei Stunden schlafen.


An seiner Adresse angekommen lotst er mich zu einem Reisebus aus Italien. Er ist der Busfahrer und hat die Florenz Fans nach München gebracht. Später wird er sie an der Arena abholen. Er hat seinen Aufenthalt in München genutzt ein Fernsehgerät zu kaufen. Das Gerät wird im Bus verstaut. Er selbst wird dort zwei Stunden schlafen.
Jetzt fragt er noch nach einen Supermarkt. Dort will er sich Red Bull für die Rückfahrt kaufen.

Es löst sich alles irgendwie auf.

Dienstag, 16. Februar 2010

Prozent in Hauptstädten

Neben meinem Taxi steht ein großer junger Mann. Scheu fragt er mich auf englisch ob er alleine in so ein großes Auto einsteigen darf. Selbstverständlich darf er. Weil er Ausländer ist, erzähle ich ihm, dass es in Deutschland unheimlich schick ist mit einem VW – Bus Taxi zu fahren. Dabei kann ich nur gewinnen. Entweder er kapiert den Spaß, dann lacht er, oder er nimmt es ernst, dann haben wir einen treuen Kunden. Kann ja sein, das tatsächlich ein Trend daraus wird.

Die Fahrt geht vom Sendlinger Tor Platz (für die Eingeweihten: Taxistand Sonnen /Waldbarth) in die Urbanstrasse in Untersendling. Im Radio kommt der Wetterbericht. Ich übersetze ihm, dass heute Nacht bis zu minus 15 Grad erwartet werden und verziehe dabei das Gesicht. Er sagt, es mach ihm nichts aus, er käme aus Island. darum kann er bei der Kälte sein Cola so runterschütten.

„Aus Island hatte ich noch nicht so viele Fahrgäste.“

„Seltsam“ sagt er „Es gibt ja so viele von uns. Gleich 300.000.“

Aha, er hat den Spaß mit dem Kultobjekt Großraumtaxi kapiert und kontert. Die Chemie stimmt.

„Reykjavik ist euere Hauptstadt … „

„Ja, da wohnt die Hälfte von uns.“

Die größte Stadt, in der ich in den 1990 öfters war, ist Istanbul. Damals gab es als Daumenzahl: Istanbul 15 Mio. Einwohner, 60 Mio. in der ganzen Türkei. Also jeder vierte Türke lebt in Istanbul. Das war für mich bis dato der Rekord. Ich bin neugierig und google. Island hat 317.000 Einwohner, davon 125.000 also 39,5% in Reykjavik. In Istanbul, meiner Metropole, leben 14 Mio. von 70,5 Mio., also 20% der Türkeieinwohnern. Zum Vergleich noch Berlin, 3,4 Mio. (4,5%) von 82 Mio. in Gesamtdeutschland und Paris, 2,2 Mio. (3,5%) von 66 Mio. in Frankreich. Zum Schluss noch die GLN Bayern. Von 12,5 Mio. in Bayern, leben 1,3 Mio., das entspricht 10,5%, in München.


Die Tortengrafik links unten ist Reykjavik. Nächste Grafik wird schöner

Ich übe noch ein bisserl Computer und mache mir Excel Diagramme. Wenn ich noch in Photoshop fit bin, schneide ich die Tortengrafiken aus und bringe sie vor einem Hintergrund aus Hochhäusern. Bis dahin gibt es nur spartanische aber informative Grafiken.

Montag, 15. Februar 2010

Max Manus

Seit Donnerstag läuft Max Manus in den deutschen Kinos. Der Film, nach dem Drehbuch von Thomas Nordseth-Tiller, ist eine deutsch – dänisch – norwegische Koproduktion. Mit Aksel Hennie in der Titel-, und Ken Duken, Agnes Kittelsen in weiteren Rollen. Der Film wurde bereits 2008 produziert und in den norwegischen Kinos gezeigt. Ein Viertel der Norweger haben den Film gesehen. Max Manus, ein Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besetzung Norwegens, ist in Norwegen ein weitläufig bekannter Volksheld. Der Film hat mich animiert mich mit dem interessanten Leben des Max Manus zu beschäftigen.


Max wird am 09.12.1914 in Bergen geboren. Noch in seiner Jugend zieht er mit seinem Vater nach Kuba. Dort arbeiten sie im Büro bei Maxens Onkel, einem Schiffshändler. Sein Vater und seine Geschwister kehren zurück nach Norwegen. Max bleibt bei seinem Onkel und befährt als Leichtmatrose auf Frachtschiffen die nördliche Welthalbkugel.
Mit 24 Jahren kommt auch er nach Norwegen zurück.



Skandinavien, besonders Finnland, ist während des Zweiten Weltkriegs geostrategisch sehr wichtig. Es liegt an der Schlüsselposition für den Einsatz der sowjetischen Nordmeerflotte und kann als Aufmarschgebiet gegen einen Angriff auf die Sowjetunion genutzt werden. Finnland, einst dem Zarenreich zugehörig, erlangte nach der Oktoberrevolution Souveränität. Finnland stand unter großem deutschen, rechtsnationalen Einfluss. Während der Winterkriege 1939/40 konnte die nur schwach ausgestattete finnische Armee (30 Panzer, 100 Flugzeuge mit blauem Hackenkreuz als Hoheitszeichen, 100 Flugabwehrgeschütze, … ) dem sowjetischen Andrang sehr schwer standhalten. Finnland wurde von der Wehrmacht und vielen freiwilligen Norwegern unterstützt. Auch Max meldete sich und kämpfte während der Winterkriege gegen die Rote Armee. Während des gesamten Films gibt es Rückblenden auf diese Geschichte. Das Foto zeigt drei Norweger die 1940 in der finnischen Armee kämpfen.

Molotow war zu dieser Zeit Vorsitzender des Rats der Volkskommissare (vgl. Ministerpräsident). Die Finnen mussten mit einfachsten Mitteln gegen Panzer antreten. Sie mischten aus Benzin und Öl Brandsätze in Flaschen und schleuderten diese brennend gegen vorrückende Panzer. Der Molotowcocktail war geboren.

Norwegen kapituliert im Juni 1940. Max betätigt sich im Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Unter anderem gibt er eine illegale Zeitung heraus.
Im Januar lauert ihn die Gestapo in seiner Wohnung im Vidars Gate, Oslo, auf. Zunächst rettet er sich durch einen waghalsigen Sprung aus dem Fenster. Schwerverletzt wird er in die Universitätsklinik eingeliefert. Obwohl er dort bewacht wurde, gelingt ihm mit Hilfe seiner Freunde und dem Krankenhauspersonal die endgültige Flucht. Er kann sich über die Grenze nach Schweden absetzen.
Innerhalb der englischen Armee gibt es eine norwegische Kompanie die in Schottland stationiert ist. Er tritt in diese Norwegian Independent Company No. 1 (NORIC 1) ein. Er wird nach einer Kurzen Ausbildungszeit mit Kameraden in der Nähe Oslos mit dem Fallschirm abgesetzt. Ihre Aufgabe: Sabotage. Haupteinsatz: Die unter Auftrag und Befehl der deutschen Reichsmarine stehenden Schiffe im Hafen von Oslo zu versenken. Das erreichen sie, indem sie magnetische Minen unter der Wasserlinie an die Schiffe heften. 1943/44 versenkt das Kommando bedeutende Schiffe. Gleichzeitig betätigt er sich in der Oslo – Bande, einer Sabotagegruppe und der Propaganda – Organisation Derby.


Nach dem Krieg wird er als Leibwächter der königlichen Familie Norwegens eingesetzt. Zusammen mit Sophus Clausen gründete er eine Firma, die Clausen und Manus, die er dann später in die Max Manus S/A umwandelt. Die Firma vertreibt als Agentur Olivetti und Phillips – Geräte in Norwegen. Die Firma konstruiert auch eigen Geräte für Spracherkennung und –aufzeichnung in norwegisch und dänisch. Die norwegische Polizei und Rettungswesen ist mit Max Manus Geräten ausgestattet. In diesem Bereich hat sich das Unternehmen zu einem bedeutendem Partner in Skandinavien entwickelt. Das Logo der Firma sind zwei rote zu M´s stilisierte Elefanten.


Max war mit Ida Lindebrakke, der Schwester des konservativen Politikers und Vorsitzenden der Partei Hoyre (dt.: Rechts) Sjur Lindebrakke, verheiratet. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Die Letzten Jahre seines Lebens verbrachte Max in Spanien, bis er am 20.09.1996 in Barum verstarb. Max Probleme mit Alkohol und Depressionen wurden auch im Film angedeutet.

Diese Biographie schreit regelrecht nach Verfilmung. Der Film endet schon als Max endlich mit einer norwegischen Uniform als Leibwächter König Hakkonens im Auto durch eine fahnenschwingende Menschenmenge fährt.

Max ist eine spannende Figur. Patriotischer Widerstandskämpfer. Während des Winterkriegs unterstützte er, ob er wollte oder nicht, die Wehrmacht. Später sind das seine bittersten Gegner. Wie geht Max damit um, dass er als Norweger in Kampfeinsätzen zuerst die finnische und dann die englische Uniform trägt? Die norwegische Armee wird in Afghanistan in einem Krieg gegen die UNO – Resolution eingesetzt und fungiert als Besatzer. Wie hätte Max reagiert? Es gibt in rechten Kreisen die Losung vom „Nationalen Widerstand“. Welche Haltung hätte dazu ein Patriot wie Max?

Der Film wirft eine Menge Fragen auf. Alleine deshalb war er es mir wert ihn anzusehen.

Foto: Norweger als Freiwillige im Winterkrieg Quelle: Finnisches Kriegsarchiv, frei seit 1990.

Samstag, 13. Februar 2010

Schneeräumen heutzutage



Im Norden Münchens, neben der A9, steht seit der Fußball – Weltmeisterschaft 2006, die Allianz – Arena. Bei meinen Flughafenfahrten komme ich oft an der Arena vorbei.

Während der letzten Winter wurde der Schnee von mutigen Schneeräumern vom Dach geschaufelt. Die Schneeräumer waren bei der waghalsigen Aktion natürlich angeseilt. War das schon ein Schauspiel. Seit heuer aber ist den Betreibern was neues eingefallen.
Bei meinen Taxitouren über die Autobahn habe ich schon mehrmals beobachtet wie ein Hubschrauber ganz langsam und ganz nah an der Außenhaut entlang fliegt. Es ist klar. Er bläst den Schnee vom Dach. Gestern habe ich ihn endlich erwischt. Im Vorbeifahren schieße ich zwei Fotos.

Freitag, 12. Februar 2010

Ein Mann, ein Wort

Das Geschäft läuft gut. München ist verschneit und Taxis werden an jeder Ecke gebraucht. Vom Renaissance Hotel erwische ich eine Flughafenfahrt. Es ist Donnerstagnachmittag erwartungsgemäß kommen viele Flugzeuge an. Auf die erste Fahrt warte ich drei Stunden. Der Fahrgast will nach Petershausen.


Ich habe gehofft, dass die Fahrt in die Stadt geht. Dort hätte ich bei dieser Witterung auch leicht Umsatz machen können. Aber Petershausen – noch weiter nördlich - . Da bleibt mir als nächster Standplatz ja wieder nur der Flughafen. Für die 45 Kilometer Strecke ( 2/3 davon Autobahn ) brauche ich hin und zurück 1,5 Stunden. Bei der Fahrt über Land zwischen Hohenkammern und Petershausen konnte man die Strasse nur noch an den Pfosten erkennen
.


Am Flughafen hat das Schneechaos um sich gegriffen viele Flüge sind verspätet oder gleich ganz abgesagt. Für die gestrandeten Passagiere werden Lufthansa Voucher für die Taxifahrt ausgegeben. Sie werden in die umliegenden Hotels gebracht. Die Taxis gehen weg wie warme Semmeln. Ich rufe meinen Kollegen Robert an, er wohnt in der Nähe, und kommt gleich zum Flughafen. Nach nur 30 Minuten bin ich vorne und fahre nach Neufahrn. Mit mir laden am Best Western Hotel Neufahrn fünf weitere Taxis ihre Fahrgäste aus.


Schnell wieder zurück zum Flughafen. Ich weiß ja was mich erwartet. Am Terminal stehen nur ca. 70 Taxis, sonst sind es fünfmal soviel. Ich brauche wieder nur 20 Minuten bis ich vorne bin. Ich lade fünf Personen auf. Diesmal ist es eine längere Fahrt – es geht nach München, Johanneskirchen, Hotel Park Inn. Die Fahrgäste geben mir zwei Voucher, sie haben sich mein großes Taxi geteilt. Auf der Fahrt in die Stadt machen wir gleich aus, dass ich sie heute um 9:00 Uhr wieder abhole und zurück zum Flughafen bringe. Boarding ist um 10:00 Uhr. Die drei Franzosen sind beunruhigt und wollen noch früher abgeholt werden. Wir einigen uns auf 8:30 Uhr.


Pünktlich um 8:30 Uhr bin ich heute vor dem Hotel in Johanneskirchen. Mit mir wieder drei weitere Taxis. Zu mir kommen die zwei Rumänen von gestern. Sie sagen mir, die Franzosen waren gestresst und haben sich noch früher ein Taxi bestellt. Der eine Fahrgast, Vasile Capris, Geschäftsführer der Firma -> HydROsystems , wie sich später herausstellt, sagt „ Ich bin ein Geschäftsmann. Ein Mann ein Wort. Wir haben auf dich gewartet.“ Löbliche Einstellung so komme ich zu meiner Flughafenfahrt. Die Firma HydROsystems aus Hunedoara, Rumänien, vertreibt Bewässerungsanlagen, Pumpen, PVC – Rohre, usw. Das Sortiment hätte ich vor 20 Jahren als Landschaftsgärtner gebraucht, als Taxifahrer bin ich froh um die Kunden.

Ich habe Herrn Capris versprochen aus meinem Blog auf HydROsystems zu verlinken. Auch ich halte Wort.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Kollegin aus Garmisch


Renate, unsere Kollegin aus Garmisch, hat eine Fahrt nach München bekommen. Bei der Gelegenheit ruft sie an und wir treffen uns in unser ESSO zum Kaffeetrinken.

Wir kennen die Taxiunternehmerin als treue Teilnehmerin der Testfahrten von München zur Taximesse nach Köln. Die Testfahrten veranstaltete in den letzten Jahren PMT.
In ihrem Taxiunternehmen -> Hofmann-Taxi setzt Renate einen allradgetrieben Vito mit Panoramaglasdach ein. Neben dem Standardprogramm wie Einkaufsfahrten und Krankenfahrten bietet sie auch Schmankerl an. Sie hat Touren z.B. bis in die Dolomiten und zu Opernvorstellungen nach Verona an. Wenn man mit ihr spricht, merkt man gleich ihr Interesse an der arabischen Welt. Geschäftlich wie privat. Ihre arabischen Sprachkenntnisse kommen bei den entsprechenden Gästen natürlich gut an. An der Tankstelle erzählt sie mir von ihren Urlauben, natürlich auch in der arabischen Welt. Dort hat sie schon zahlreiche Kontakte die sie zum Teil als Taxifahrerin in Garmisch gewonnen hat.


Sie lässt sich gerne von mir fotografieren und ist auch einverstanden, dass ich die Fotos in meinen Blog stelle. Der arabische Schriftzug auf der Taxitüre bedeutet „Taxi“.

Zum Abschluss werden wir noch ein ein klein wenig geschimpft; wenn wir doch schon mal in Garmisch sind, sollen wir uns melden. Das werden wir - Inschallah!

Dienstag, 9. Februar 2010

ISPO 2010

Zur Zeit ist die ISPO, eine internatonale Sportartikelmesse, in München. Eine Fahrt mit einem Gast aus Los Angeles führt mich direkt dort hin. Neben dem Taxistand am Eingang West hat die Firma Oakley zur Werbung einen LKW aufgestellt. Ein bulliger schwarzer MAN – Track mit viel Chrom steht da vor der Messe.


Als ich das Fahrzeug fotografiere, schildere ich einem Sicherungsposten, was das für eine Freude wäre, mit dem jetzt durch den Schnee zu pflügen. Er erzählt mir er wäre während seiner Zeit bei der Armee mit einem TATRA durch das schwierigste Gelände gefahren. Ich habe zufällig auf YOUTUBE einen TATRA im Geländeeinsatz gesehen. Am meisten gefällt mir wie sich die einzelnen Achsen gegenläufig verdrehen können. Um meine Ausführungen zu untermalen verdrehe ich meine Hände und Unterarme. Der Sicherheitsmann taut auf. Nach 20 Minuten weiß ich Bescheid. Mit welchen Aufbauten die TATRAs und URALs bei der Nationalen Volksarmee eingesetzt wurden, dass schon 1975 bei einigen TATRAs der Reifenluftdruck variiert werden konnte, usw.

So vertrieben wir uns die Wartezeit. Meine Fahrt nach einer Stunde war dann doch nicht so erfolgreich, nur zum S-Bahnhof Daglfing. Obwohl der S-Bahnhof Riem näher liegt, wollte er Fahrgast nicht dorthin. Er wollte ohne weiteres Umsteigen zum Flughafen.

Montag, 8. Februar 2010

Königlich Bayerisches Amtsgericht

Soeben läuft ein Prozess gegen vier Kidnapper. Ein ehemaliger Bauunternehmer lernt auf einer Weihnachtsfeier in Florida einen deutsch-amerikanischen Steuerberater kennen. Der Steuerberater stellt ein Anlageprojekt mit einer in Deutschland ungewöhnlich hohen Zinsrate vor.

Der Bauunternehmer mit seiner Frau und noch ein weiteres Ehepaar aus Bayern gehen dem Vermögensberater auf dem Leim und legen zusammen 2.500.000 € an. Es werden keine Zinsen ausgezahlt und das angelegte Kapital ist auch verschwunden.


Die geprellten Senioren im Alter zwischen 60 und 79 Jahren finden eine Lösung. Nachts fahren die beiden Ehegatten nach Speyer und passen ihr Opfer vor der Wohnungstüre ab. Der Anlageberater wird mit Klebeband gefesselt und geknebelt. Im Kofferraum geht’s Richtung Chiemig. Auf einem Autobahnrastplatz werden dem Vermögensberater bei einem Fluchtversuch zwei Rippen gebrochen. Die Geiselnehmer wollen ihre 2,5 Millionen als Lösegeld wieder haben. Nach drei Tagen und vier Nächten im Keller eingesperrt, gelingt es der Geisel während eines Telefonats einem Freund seinen Aufenthaltsort zu schildern.


Am 21.Juni.2009 um vier Uhr morgens stürmt das SEK der Polizei das Privathaus in Hart bei Chieming und befreit das Opfer. Einer der Hauptangeklagten, ein inzwischen 75 jähriger Rentner, der mutmaßliche Drahtzieher der Seniorenbande sagt aus; er wolle von einer Geiselnahme nichts wissen, vielmehr wollte man den Geschäftsfreund zu ein paar Tagen Urlaub in Bayern einladen. Diese Aussage trug sehr zur Gaudi der 100 Zuschauer im Landgericht Traunstein bei.


Gestern noch fragt mich ein Kollege wo den seine Kunden, vorwiegend Unternehmensberater, sind. Seine Flughafenfahrten werden immer seltener.
Jetzt kann ich ihm einen Tipp geben. Er soll doch mal in den Kellern der Seniorenresidenzen nachschauen.

Sonntag, 7. Februar 2010

Am Rande der Sicherheitskonferenz


Heute habe ich keine Vorbestellung. Ich freue mich schon auf eine richtige Taxischicht. Einen Taxistand aussuchen. Aufstellen. Motor und Heizung laufen lassen. Radio hören, Zeitung lesen und der Dinge harren die da kommen mögen. Ich starte im Norde von München. Die Sicherheitskonferenz und die Protestveranstaltung ist im Zentrum. Weit weg von mir. Noch!

Die erste Fahrt ging von meinem Standplatz Hotel Renaissance nur nach Schwabing. Eigentlich viel zu schnell. Ich hatte mich gerade eingerichtet. Also kehrte ich wieder um und versuchte mein Glück von Neuem. Die zweite Fahrt ging dann vom Hotel zu Flughafen. So habe ich mir das vorgestellt. Eine schöne Fahrt 50,- € und dann schön Zeit für das Internet. Am Flughafen standen so viele Taxis, dass ich mich am Samstagnachmittag nicht mehr in den Speicher vor dem Modul 2 aufstellen konnte. Ich musste noch mal zwei Kilometer zurück zum Vorspeicher in der Nähe der AGIP – Tankstelle. In Flughafenfahrerkreisen einfach nur AGIP. Selbst dort standen zu meiner Überraschung schon vier Reihen, d.h. ca. 55 Taxis bereit. Als ich aussteige erkennt mich mein Kollege Robert. Wir rauchen und quatschen unter der geöffneten Heckklappe meines Taxis. Die Taxis gehen weg wie warme Semmeln. Es reißt. Er muss nach 5 Minuten hoch, ich folge nach weiteren 20 Minuten. Nach insgesamt 1,5 Stunden bin ich wieder auf der Autobahn A9 unterwegs zurück in die Stadt.
Meine Fahrgäste, drei U.S. Amerikanerinnen, Typ Golden Girls, auf Reisen. Das Fahrziel; Hotel Excelsior, Schützenstrasse 11. Ich denke mir immer noch nichts. Noch!


Die Fahrt in die Stadt verläuft zügig. Ich denke schon an den schönen Umsatz in der kurzen Zeit. Wir amüsieren uns über den fetten Stau auf der A9 Richtung Norden. Alles Skifahrer, die zurück nach Hause wollen. Sofort werden die Ehegatten an der Ostküste informiert. Im Gegenzug erfahren wir, dass es in Seattle heute 22 inch Neuschnee gab.

Kaum am Altstadtring in der Stadt angekommen stauen sich schon die Autos vor dem Pacha. Ich gleich nach rechts, über die Karlstrasse, links in die Meiser, dann über die Sophien am Charles Hotel vorbei zum Bahnhofsplatz. Auf der freien Fläche am alten Botanischen Garten steht schon eine ganze Batterie Polizei VW Busse. Ich fotografiere die Wägen im Vorbeifahren. Der große rote Ring im Hintergrund macht sich ganz gut. Ein Streifenwagen steht in der Luisenstrasse und blockiert den Bahnhofsplatz. Wir versuchen durchzukommen, als wir feststellen, dass wir nur nach rechts abbiegen können, drehe ich wieder um und versuche über die Elisenstrasse und Stachus zum Hotel zu kommen. Stachus auch gesperrt. Also von der Luisen- in die Luitpold. Die letzten Meter der Luitpold sind Einbahn gegen unsere Richtung. Uns bleibt nichts Anderes als das Taxi zu parken und die letzten Meter zu Fuß zu gehen. Meine Fahrgäste haben zwei neue deutsche Wörter gelernt. Gesperrt und Einbahnstrasse. Ich lasse die Ladies aussteigen, schiebe, ziehe und trage ihr umfangreiches Gepäck durch die gespenstisch ruhige Innenstadt. Die Einzigen, die uns begegnen sind Passanten mit Koffern und Reisetaschen. Auf der Rückfahrt streife ich den Bahnhofsplatz. Ein seltener Anblick, keine Autos, Fahrgäste die am Taxistand warten. Ich komme aber nicht durch. Leider muss ich die Gäste warten lassen. Der Datenfunk bietet mir wiederholt Aufträge an. Ich schalte auf besetzt und sehe zu, dass ich so schnell wie möglich aus der Innenstadt komme.



Es gibt seit 2001, seit der ersten Afghanistan-Konferenz, am Petersberg in Königswinter bei Bonn ein eigens und errichtetes gut zu sicherndes Verhandlungszentrum. Dieser Standort wäre für die 47. Sicherheitskonferenz mehr als geeignet.

Am Samstag kam dann noch ein Überraschungsgast zu uns nach München. Der Außenminister des Irans Manucher Mottaki. Mottaki läuft damit dem Außenminister der Volksrepublik China, Yang Jiechi, den Rang ab. Der chinesische Außenminister war das erste Mal bei der Sicherheitskonferenz in München anwesend. Russland schickte auch gleich hochrangiges Personal; Außenminister Sergey Lavrov. Sonst blieb alles beim Alten. Mottaki nimmt eine weitere Idee der Atombehörde auf, wie der Iran zu angereichertem Uran kommen könnte. Die U.S.A in Person des Obama – Mannes und U.S. Senators Joe Liebermann droht dem Iran offen mit einem Krieg. Das brachte sogar dem U.S. Außenminister Robert Gates in Verlegenheit.

Lavrov kritisierte weiterhin die NATO – Osterweiterung. Eine wichtige Entscheidung, z.B. dass die 47. Sicherheitskonferenz 2011 in Königswinter stattfindet, ist nicht gefallen. Dort wäre die Konferenz ebenso überflüssig wie in München. Würde dort aber viel weniger Leuten auf die Nerven gehen .

Jetzt sind schon wieder Teile in der Innenstadt gesperrt. Heute ist es ein Faschingsumzug – dort weiß man wenigstens von Anfang an dass nichts ernst gemeint ist.