Freitag, 18. Juni 2010

Korea und Fußball

Ein Kollege hat uns am Taxistand gezeigt, wie man im Internet auf Fußballergebnisse wetten kann. Am Vormittag war ich gleich in der Tankstelle und habe mir eine Pay Safe Karte besorgt. Einfach Bargeld einzahlen, dafür bekomme ich einen Bon mit 16-stelligen Code. Dann auf bwin.de anmelden, so der Rat des Kollegen, den Code eingeben und das Konto ist eröffnet. Als absoluter Nicht Fußballfan richte ich mich einfach nach den Quoten. Niedrige Quote – kein Risiko. Am Nachmittag beginnt das Spiel Argentinien gegen Südkorea. Dazu bräuchte selbst ich keine Quoten. Argentinien ist der Favorit. Ich habe den Laptop noch offen auf den Knien liegen. Ein Mann aus Asien steuert zielgenau auf mein Taxi zu. Er hat ein Trikot mit dem Aufdruck Korea an. Vor einer Sekunde habe ich meinen Tipp gegen Südkorea abgegeben – kommt so schnell die Rache?
Er erkundigt sich nach dem Preis für eine weitere Fahrt. Sie wären zu Fünft, deshalb bräuchten sie den Bus. Ich fahre vor zum Taxistand, da stehen die weiteren Vier – alle in Korea Trikots. Inzwischen ist das Spiel in Südafrika angepfiffen. Meinem Beifahrer übersetze ich den Spielstand in englisch, er dann auf koreanisch an seine Mitreisenden. Was soll ich sagen, die Gesichter werden immer bitterer.

Für mein Wasser, das im Taxi ausliegt, revanchieren sich die freundlichen Gäste mit einer mir noch nicht bekannten Süßigkeit. Die zwei Teile sind in milchiger Plastikfolie eingeschweißt und aus hellbrauner Masse in Form von Blüten gepresst. Der Aufdruck ist in koreanischen Schriftzeichen. Der kurze englische Satz sagt nur aus, dass die Speise süß und gesund sei. Der Geschmack macht mich neugierig, ich habe aber nicht rausbekommen aus was das leckere Zeug ist. Nach den Deutungen meines Beifahrers muss es was aus dem Meer sein, vielleicht ist es besser ich weiß nicht genau aus was. (Algen? Die isst der Koreaner gerne.) Ich bekomme noch zwei weitere Packungen für meine Family, die soll es auch probieren. Fast schäme ich mich für meinen Verrat in der Internetplattform.
Am Ziel dann das Ergebnis: 4:1 für Argentinien. Ich meinen Gästen zu ihrem Ehrentreffer gratulieren (for the honour) .
Ein Teil meines Gewinns habe ich dann auf das Spiel Frankreich – Mexico gesetzt. Dabei habe ich wieder was gelernt. Das mit den Quoten klappt nicht immer

Samstag, 12. Juni 2010

B(R)AUHAUS

Ein Auftrag von der Zentrale. Stadtrundfahrt über drei Stunden in Englisch. Englisch das kann alles bedeuten. Ich bin neugierig woher meine Gäste kommen. Die Interessen sind von Nation zu Nation verschieden. Sicher kann man nicht verallgemeinern. Aber in der Regel verläuft die Zeit mit einer Gruppe Arabern anders als wie mit einer Gruppe Amerikanern. Israelis mögen andere Interessen haben als Russen. Selbst Japaner unterscheiden sich im Umgang deutlich von Chinesen. Jeder Taxifahrer weiß, keiner ist besser oder schlechter als der Andere – aber halt verschieden.
Wenn Englisch gefragt ist, kann das alles bedeuten. Das bringt auch etwas Spannung. Ich spicke noch schnell in meinem Führer (War Heinrich der Löwe Welfe oder nicht?). Vor meinen geistigen Augen sind die Stationen schon aufgereiht wie auf einer Perlenschnur. Etwas alte Geschichte; Schloss Nymphenburg, die Wittelsbacher, die bayuwarischen Stämme, etwas Wirtschaft; BMW, Linde, Münchner Rück, etwas typisch deutsches; Förderalismus, Gebräuche, Umgangsformen, Drittes Reich; Marsch auf die Feldherrnhalle, Bierhallen, vielleicht sogar Dachau, und natürlich Sport, die Allianz – Arena, Olympiahalle, Architektur darf auch nicht fehlen. Drei Stunden können wir schon spannend gestallten.
10 Minuten vorher melde ich mich an der Rezeption des Hotels und die freundliche Dame verweist mich auf drei Asiaten die in der Lounge warten. Genau in dem Moment, als ich mich vorstellen will, stoßen die vier weiteren Gäste dazu, zur Begrüßung verneigen sie sich. Aha, Japaner!
Der Sprecher der Gruppe zeigt mir auch gleich eine ausgedruckte E-Mail. Zwischen den japanischen Schriftzeichen stechen mir sofort die lateinisch geschriebenen Wörter; Praktiker, OBI und Brauhaus ins Auge. Die Japaner wollen sich Baumärkte anschauen. Meine ganze Wittelsbacher Historie und meine barocke Pracht ist beim Deife. Selbst das Brauhaus hat nichts mit München zu tun. Das war nur ein Schreibfehler. In Gesellschaft der anderen Wörter konnte das natürlich nur Bauhaus, eine weitere Baumarkt - Marke, sein.
Nun gut, dann machen wir eine Baumarkt – Tour. Wenigstens in den jeweiligen Gartenabteilungen konnte ich mit etwas Fachwissen glänzen. Ich benannte ein paar Pflanzen mit ihrem botanischen Namen (die sind zwar international, verstehen aber nur Gärtner, und das waren meine Geschäftsleute wohl nicht). Meine Ausführungen über die verschiedenen Erden und Dünger waren wohl auch etwas zu speziell. Grosses Interesse fand ein Maulwurfschreck der über Solarpanelle gewonnene Energie, einfach in den Boden gesteckt, dazu benutzte die unliebsamen Nager zu vertreiben und eine Zange mit langem Stiel zum Unkraut (Wildkräuter) jäten.
Kopfschütteln erntete ein Toilettendeckel, der beim Öffnen und Schließen einen Fußball durch ein aufgemaltes Fußballfeld schleuderte und der Markenname „Tokio“ für eine eckige Badgarnitur. Eigenmächtig ergänzte ich unsere Fahrziele noch durch den Hornbach – Baumarkt in Freiham. Das ist der einzige Drive In Baumarkt den ich kenne. Ich fuhr mit meinen Japanern und dem VW Bus Taxi durch die riesigen Regalreihen. Ich weiß nicht wehr mehr geschaut hat: wir oder die Heimwerker. Nach 15 Minuten kreisen durch PKWs mit Einachsanhängern und geöffneten Heckklappen lagen die Heimwerker sicher vorne.

Freitag, 4. Juni 2010

3/6 Filmmusik: Quadrophenia

Quadrophenia ist der Titel eines Albums und eines Films der englischen Rockgruppe The Who. Der Film erschien 1979.

Hauptfigur in dem Film ist Jimmy. Während der 60er gibt es in England zwei große Jugendkulturen. Die Rocker und die Mods. Die Mods halten sich für cool, tanzen und kleiden sich nach der neuesten Mode, sind immer am Ball und über jede Modeströmung informiert. Über ihre teueren Anzüge tragen sie Parkas. Jeder Mod der was auf sich hält fährt einen Motorroller. Vespa, GS Scooter oder Lambretta waren die angesagten Marken. Die Roller sind, heute würde man sagen, äußerst aufgepimpt. Übergroße Schmutzfänger, verchromt, was verchromt werden kann, mehrere Scheinwerfer und dutzende Rückspiegel. Alles wird unternommen um sich visuell zu seiner Gruppe zugehörig zu zeigen. Auf dem Cover des Albums sieht man in den Rückspiegeln eines Rollers eines Mods die vier Mitglieder von The Who.

Der jugendliche Londoner Jimmy weiß nicht so recht wo er hingehört. Er hat Probleme mit seinen Eltern, mit seiner Arbeit (Er ist Bote in einem Büro). Wie ein seinem Alter üblich, oder in meinem, als ich den Film kennenlernte, steht Jimmy mit Jedem auf Kriegsfuß. Halt gibt ihm seine Mod-Clique. Dort findet er Bestätigung. Dort ist auch Steph, in die er sich verliebt. Dort ist auch Ace, der coolste aller Mods, das Idol. Ace trägt die hipsten Schuhe aus Italien, der Kragen seines Ledermantels ist stets aufgeschlagen, seine Haare gegelt. Klar das auch er den geilsten Scooter fährt. Im Film wird Ace von Sting (Damals noch Sänger von Police) gespielt. Jimmy hat bei den Mods alles was ein Heranwachsender braucht; Liebe, Bestätigung und ein Idol.



Wochenende, die Mods fahren im Convoy in das Seebad Brighton. Dort treffen sie auf die Rocker. Es entwickelt sich eine große Schlägerei zwischen den beiden verfeindeten Jugendgruppen. Diese Schlägereien gehen unter dem Namen Brighton Battle in die Geschichte der englischen Jugendkultur ein. Die Mods streifen in großen Gruppen („We are the mods! We are the mods!“) durch die Straßen. Jimmy und Steph lieben sich abseits der Raufereien in einem Hinterhof. Später wird dann eine Gruppe Mods, Jimmy und Ace sind auch dabei, verhaftet. Ace tut sich mit coolen Sprüchen gegenüber der Polizei und dem Richter hervor.

Jimmy kehrt zurück nach London. Er ist beflügelt von seinen Erlebnissen in Brighton. Er bricht mit allen Konventionen. Er verdirbt es sich mit seinen Eltern, er kündigt seine Arbeitsstelle, er will so sein wie Ace.
Auf dem Weg zu dem Treffpunkt mit seinen Mods erleidet er einen Verkehrsunfall. Ein Lieferwagen crasht seinen Roller, in dem Film ist das der Anfang vom Ende. Bei den Mods muss er erfahren, dass Steph das gemeinsame Schäferstündchen nur als Spaß abtut. Das war der zweite Schlag. Geknickt, aber noch nicht am Ende macht Jimmy sich mit dem Zug auf nach Brighton. Dort wo er seine höchsten Glücksgefühle genießen durfte.

In Brighton entdeckt er den unverwechselbaren Roller Aces am Straßenrand vor einem Hotel stehen. Ein Hotelgast kommt an und Ace im Livree erscheint aus der Hotellobby. Ace, der coolste Hund Südenglands, Ace, dessen Sprüche jeden verblüffen, Ace, auf den die Mods aufschauen, Ace, Jimmys letzte Hoffnung in seiner Situation – ein Kofferträger (Bell boy). Jimmys Welt bricht zusammen, er schnappt sich Aces Motorroller. In der letzten Einstellung des Films sieht man, wie der Roller über die Klippen von Dover stürzt und in Zeitlupe auf den Felsen zerschellt. Ich konnte auch in der Wiederholung nicht erkennen ob Jimmy noch darauf saß oder nicht. Jimmy war in jedem Fall am Boden zerstört.

Qudrophenia hat mich in einem Abschnitt meines Lebens sehr beeindruckt. Tho Who gibt es nicht mehr, aber die Mods! Zuletzt haben sich welche im März dieses Jahres bei uns in München im Loft getroffen. Ihre Roller und das Outfit sind geblieben. Nur auf dem Rücken ihrer Parkas ist jetzt der Union Jack aufgenäht.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Der Adler ist gelandet

-> Christian und ich haben jeweils eine Fahrt zum Flughafen. Ich bin ein paar Minuten später dran. Mit uns kommt zeitgleich der erste Airbus 380 der Lufthansa am Flughafen an. Im Radio laufen schon die Meldungen. Ich informiere meine Fahrgäste aus Finnland. Auf dem Flughafenzubringer fällt uns der von Schaulustigen übervölkerte Besucherhügel ins Auge. Auf dem Weg zum Lufthansa – Terminal parken schon die Privatautos vogelwuid am Straßenrand. Ich empfehle noch meinen Fahrgästen die Aussichtsplattform auf dem Dach des Abfertigungsgebäudes am Terminal 2. So schnell war die Taxirechnung selten bezahlt. Meine Gäste verschwanden eilends im Terminalgebäude.
Inzwischen ruft mich Christian an. Der Airbus hat etwas Verspätung und wird auf der nördlichen Landebahn von Osten her landen. Er hat schon Vorsprung und ist bereits an der OMV Tankstelle östlich vom Flughafen. Ich lasse mich von der Hektik anstecken und fahre sofort in die gleiche Richtung. Aber schon nach zwei Minuten geht es auf der Strasse nur noch im schneckentempo vorwärts.
Parkende Fahrzeuge und Schaulustige behindern das Weiterkommen. Die Polizei regelt den Verkehr. Auf den Hügeln neben der Landebahn und dem Vorfeld der -> General Aviaton beobachte ich wie die bunten Fahrzeuge des Flughafens mit blauen, orangefarbenen und weißen Lichtern auf dem Dach aufgeregt hin und her brausen.
Es regnet in Strömen die Wolken hängen tief auf 250 Meter über Grund. Plötzlich erscheint linker Hand ein Gigant aus der Wolkendecke. Zuerst sehe ich die grellen Scheinwerfer an den Flügeln. Majestätisch, man glaubt das Flugzeug steht in der Luft, senkt sich der Airbus auf die Landebahn. Schnell greife ich zu meiner Videokamera und versuche den Vogel einzufangen. Mein Standort ist denkbar ungünstig. Aber ich glaube nicht, dass sie die Landung wiederholen sobald ich einen besseren Standort habe. Ich werde aus dem Video ein Foto ausschneiden und in den Blog stellen. Besser ein Bild als kein Bild.


Dieser Airbus ist einer von 15 den die Lufthansa für 350 Millionen $ Einzelpreis bei der EADS bestellt hat. Diese Maschine wurde auf den Namen Frankfurt am Main getauft. Am 6.Juni bringt dieses Flugzeug die Fußball Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Südafrika. Ab dem 11.Juni geht dann die Maschine in den Linienbetrieb (Frankfurt/Main <-> Tokio)
Die EADS Standorte Donauwörth und Augsburg sind mit der Fertigung der Türen, des Fußbodengerüsts und Teilen der Klimaanlage am Bau der Airbusse beteiligt.
Der letzte und erste Besuch eines Airbus A 380 am Flughafen München war vor über zwei Jahren im Oktober 2007. Der zweite an die Lufthansa ausgelieferte Airbus wird auf den Namen „München“ getauft werden. Das wird dann der dritte Touchdown eines A 380 an unserem Flughafen.