Montag, 29. November 2010

Genau rechtzeitig


Im Bundestag wurde am Freitag auf Bestreben des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer die Winterreifenpflicht eingeführt. Was ist aber nun ein Winterreifen? Dem Gesetz genügt es, wenn ein M+S für Matsch und Schnee auf den Reifen eingeprägt ist. Für diese Bezeichnung gibt es aber keine genaue Definition oder einen Standard, der die Mindestanforderung an diese Winterreifen definiert.
Ich hatte dieses Jahr Glück, am Donnerstag waren meine bestellten Reifen beim -> Stimmer und konnten gleich am Vormittag montiert werden. Als ich die neuen Reifen am Bahnhof Nord fotografierte sprang gleich ein Kollege dazu um die Profiltiefe meiner jungfräulichen Reifen zu verdeutlichen. Gleich am nächsten Tag, am Freitag, fiel bei uns in München der erste Schnee, der auch liegenblieb. Keine 24 Stunden, nachdem ich meine Winterreifen hatte.

Klarheit herrschte im Bundestag in Bezug auf Winterreifen in einer Sache: Die Bußgelder werden verdoppelt wenn man die M+S Reifen nicht hat. Von 20 € auf 40 € und bei Gefährdung von 40 € auf 80 €. Einen Punkt in Flensburg gab es mit Gefährdung schon vorher.

Montag, 15. November 2010

Vierte Disziplin beim Ironman

Montag morgens, die erste, sehr frühe Fahrt geht zum Flughafen. Das gefällt mir. Montags früh sind am Flughafen die meisten Ankünfte. Dementsprechend schnell läuft dann auch die Taxireihe durch und ich bin bald wieder besetzt zurück in der Stadt. Auch heute klappt das ganz gut. Nach zwei stunden um 8.Uhr bin ich vorne an der Reihe. Ein junger Mann mit einem Riesen-Gepäckstück und zwei Koffern kommt auf mich zu. Der Kofferraum meines Taxibusses ist genau richtig. Wir verstauen das Gepäck. Fahrziel Hallbergmoos, Zeppelinstrasse. Eine kürzere Fahrt als ich erwartete. Aber ich habe eine Chance, bin ich innerhalb von 20 Minuten wieder zurück, kann ich mich vorne einreihen.
Der österreichische Fahrgast kommt gerade aus Florida. Er hat dort am ->Ford Ironman in Panama City teilgenommen. Das große aber leichte Gepäckstück ist sein Fahrrad das in Florida während des Wettbewerbs zum Einsatz kam.
20 Minuten habe ich Zeit. D.h. ich muss in 10 Minuten am Fahrziel fertig kassiert, Quittung geschrieben, Kreditkarte akzeptiert haben und abfahrtbereit sein. Dann habe ich noch die restlichen 10 Minuten für den Rückweg.
Zu den drei Disziplinen in Florida; 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen ist jetzt im Erdinger Moos noch eine vierte Disziplin dazugekommen. 6,4 Kilometer Taxifahren und in 10 Minuten fertig sein.
Unterwegs erklärt mir der Sportler, dass er sein Auto in einer Nebenstraße der Zeppelinstraße in einer Tiefgarage geparkt hat. Ich solle doch bitte warten, bis er mit seinem Auto hochkomme. Ich fahre, ich warte, das Rolltor der Tiefgarage öffnet sich, ein Auto kommt heraus, mein Sportler war es nicht, das Rolltor geht wieder zu, geht auch gleich wieder auf. Jetzt kommt ein Auto. Ich luge auf das Nummernschild. Ja, es ist eine Nummer aus unserem Nachbarland. Mein Fahrgast sitzt am Steuer. Wir laden sein Gepäck und Sportgerät um. Ich kassiere und schaue auf die Uhr. Seit unserer Abfahrt am Flughafen bis jetzt sind 14 Minuten vergangen. Keine Möglichkeit mehr für mich auf den ersten Platz an der Schlange. Ich will mir das Rasen zum Flughafen und dann die rote Lampe am Kurzstreckenautomat sparen und trolle mich in die Stadt.
Ach ja, ich habe ihn gefragt welchen Platz er bei dem Ironman Wettbewerb erreicht hat – den respektablen Sechsten. Ich hätte dann am AGIP Speicher am Flughafen am Ende der Reihe den etwa 312. Platz erreicht.

Sonntag, 14. November 2010

Tarifumstellung drive in


Am Ibis Hotel in der Parkstadt Schwabing wartet en PKW – Kollege mit mir auf zwölf Schweden. Langsam kommen sie aus dem Hotel. Die ersten zwei Fahrgäste sitzen schon im Taxibus. Ihr Gepäck ist schon im Kofferraum verstaut. Koffer mit Flughafenanhängern – da feuen sich die Taxler! Noch mal vorsichtig gefragt:
“To the airport ?“
Die Gäste nicken. Jetzt müssen wir nur noch auf die weiteren Zehn warten. Dabei macht mich mein Kollege darauf aufmerksam, daß seit Freitag der neue Tarif durch sei. Gestern wäre es den ganzen Tag im Funk durchgesagt worden. Er, so sagt er, war gerade beim Taysi und hat sich sein Taxameter programmieren lassen. Der neue Taxitarif geistert ja schon seit Mai dieses Jahres durch das Gewerbe. Der ->Isarfunk hat, nachdem er die Genossenschaft um ein Gespräch diesbezüglich gebeten hatte, einen neuen Taxitarif beantragt. Die ->Genossenschaft fand er sei zu hoch. Redakteure greifen das natürlich auf und fertig war die ->Schlagzeile im Boulevardblatt. In den Taxlerkreisen war der künftige Tarif Standplatzgespräch während der ganzen letzten Wochen. Kommt er? Kommt er nicht? Kommt er noch vor der Wiesn? Kommt er noch heuer? ... Ein Kollege hat am Müllhäuschen am Bahnhof einen inzwischen verwitterten Artikel der Süddeutschen Zeitung angeklebt.Bei der letzten Tariferhöhung 2006 war ich noch nahe dabei. Die Kollegen fragen deswegen oft mich, weil sie glauben ich hätte noch Insiderinformationen. Ich bin dem leidigen Thema immer aus dem Weg gegangen. Wenn die Kollegen auf mich zugingen und anhuben: „Der neue Tarif …“, fiel ich ihnen mit interessierter Mine ins Wort:
“Ja, genau wann kommt er jetzt?“
Jetzt war jedem Zuhörer klar. Ich weiß es nicht, und das Thema hat bei mit nicht mehr allerhöchste Priorität. Bitte entschuldigt meine etwas unfreundliche aber wirkungsvolle Selbstverteidigung in dieser Frage.
Heute Nachmittag am Bahnhof Nord höre ich: “Hast du schon umgestellt?“ Da scheint ja etwas dran zu sein. Drei waren schon bei Ersan Taysi am Frankfurter Ring. „Die sind heute noch bis 19 Uhr da. Die sind zu dritt da, das geht Ruck Zuck.“ Nach einer kurzen Fahrt in die Blutenburgstraße. Stelle ich mich wieder an. Thema am Standplatz ist schon wieder oder immer noch der Taxitarif. „Wenn du jetzt fährst, bist du gleich dran.“ Das Argument sitzt. Wenn ich jetzt noch eine Fahrt Richtung Norden habe, fahre ich bei ->ER-Tax (Ersans Firma) vorbei. Nach einer noch kürzeren Fahrt für 4,10 € ins Kings Hotel in der Dachauer Straße entschließe ich mich durchzustarten.

Ich fahre bei Ersan auf den Hof. Vor mir zwei PKW Taxis. In jedem Taxi sitzt ein Elektroniker. Ich stelle gerade den Motor aus, schon kommt der Chef selbst auf mich zu. Er setzt sich auf den Fahrersitz. Sein Kollege schreibt schon die Rechnung für die Tarifumstellung. Ich bezahle 40,-€ brutto, gehe wieder zu meiner Fahrertüre wechsle ein paar Worte mit Ersan. Schon ist er fertig. Keine drei Minuten. Ich bin mit einem bekannten Taxiunternehmer, der sich hinter meinem Taxibus angestellt hat einig; der große Platz hier ist schon etwas anders als früher bei den Gebrüdern Fuchs in der Utzschneiderstraße. Die Gebrüder Fuchs haben mich seit Jahrzehnten stets kompetent bedient. Leider haben sie aus Altersgründen dieses Jahr ihr Geschäft aufgegeben. Der „Neue“ Ersan steht ihnen fachlich in nichts nach, und er hat viiiel Platz vor seiner Werkstatt.
So, meine Tarifumstellung ist soweit erledigt, nur noch das Eichamt, wie er ausschaut weiß ich immer noch nicht. Das Taxi steht jetzt umprogrammiert auf der Straße. Am 30.11. um Mitternacht wird der Taxameter automatisch auf den neuen Tarif springen. Hoffe ich!
Gerade jetzt läutet das Telefon. Ein Kollege vom Renaissance – Stand ruft mich an.
“Weißt du schon? Du kannst heute beim Ersan dein Taxameter … „
Ja ich weiß, du kannst in 20 Minuten in meinen Blog schauen, da wird es stehen.

Im Januar 2011 musste ich die Taxiuhr dann noch -> eichen lassen.

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Freitag, 12. November 2010

Der Metzger wetzt sein Metzgermesser



Einmal müssen wir es tun. Viele Jagdschüler, natürlich ich auch, sind gespannt wie wir uns anstellen, wenn es um das Aufbrechen des erlegten Wilds geht. Der Kollege, der drei Jahre vor mir in der gleichen Jagdschule war, hat mir am Taxistand eine kleine Einführung gegeben.
„Als erstes musst du die Kehle aufschneiden, Schlund und Drossel (Speise- und Luftröhre) herausziehen. Den Schlund musst du verknoten, dass dann später nicht der Mageninhalt über das Wildpret fließt ….
Dabei wurde mir beim Zuhören schon ganz anders. Nach dem Aufbrechen und Aushängen lassen muss das Wildpret zerwirkt (geschlachtet od. zerlegt) werden. Das zeigt uns heute der Metzgermeister Franz Wimmer und ein Fleischtechniker. Wir treffen uns in der Lehrwerkstatt der Fleischerinnung. Die Wände sind weiß gefliest, überall stehen blitzblanke Geräte aus Edelstahl. An einem Ende des Raums sind Stühle auf Rängen aufgestellt. Im Zentrum steht ein stabiler Edelstahltisch. Die Beiden stellen sich vor. Der Metzgermeister ist selbst Jäger. Direkt vor mir hängt ein aufgebrochenes Reh. Der Metzger beginnt die Decke abzuziehen. Dazu schneidet er zunächst die Läufe ab. Nein er schneidet nicht, er schärft. Der Waidmann nennt das Schneiden Schärfen. Er schärft also die Läufe beim Kniegelenk ab. Mit der Faust geht er zwischen Wildpret und Decke und löst mit Kraft die Decke vom Fleisch. Das Messer kommt nur selten zum Einsatz.
Der Fleischtechniker und der Metzger zerlegen routiniert und fachgerecht das Reh. Wir erfahren viel über die wichtige Wildprethygiene und beobachten wie alle Beide immer wieder angeschossenes Fleisch entfernen. Unhygienische Stücke werden abgeschnitten und peinlich genau darauf geachtet, daß das gute Fleisch nicht „kontaminiert“ wird. Mit Küchentüchern wischt der Metzger die letzten Tropfen Blut vom Fleisch. Der Fleischtechniker zeigt uns, wie man mit einem spitzen langen Messer die Knochen auslöst. Nach einer Stunde ist das Wildpret appetitlich auf kleine schwarze Kunststofftabletts angerichtet.
Die Metzger putzen den Tisch ab und verschwinden in der Kühlung. Mit Spannung wird erwartet was sie da mit Mühe heraustragen.

Ein Wildschwein! Der Jäger, der es am Montag im Altmühltal gestreckt hat, ist ein ehemaliger Jagdschüler unserer Jagdschule und steht unter uns Zuschauern. Die Bache steckt noch in der Schwarte. Die Hausschweine werden mit der Schwarte geschlachtet. Ich erinnere mich an die Hausschlachtung bei meiner Oma. Wir haben die Sau abgebrüht und dann im Holzzuber mit einer Kette die Borsten geschält. Anders bei unserem Stück Schwarzwild, das vor uns auf dem Tisch liegt. Die Schwarte wird mit dem Leder ausgezogen. Das Wildschwein wird wie das Reh mit Messer und Säge zerwirkt. Ich erspare euch jetzt die Einzelheiten.
Wir sind überrascht wie sauber und blutfrei das Zerwirken vonstatten geht. Etwas Skrupel können wir uns ja noch für das Aufbrechen zurückbehalten – das uns ja noch bevorsteht.

Mittwoch, 10. November 2010

Immer der Nase nach


Wir treffen uns mit den Jagdschülern des Münchener Jägervereins. Eine Hundeschule will uns ihre Ausbildungserfolge mit den ihnen anvertrauten Jagdhunden vorführen. Wir sind eine große Gruppe von 50 Jagdschülern, Jägern, Hundeführern und Jagdhunden. Vier Jagdgebrauchshunde sind vertreten. Ein kleiner Münsterländer, ein Weimaraner, ein Deutsch-Langhaar und ein saufarbener Kurzhaardackel.
Die Hundeführer und Hunde zeigen aufsteigend das Erlernte und verblüffen uns Neulinge. Die Hundeführer gehen mit ihren Hunden im Kreis durch den Wald. Die Hunde sind angeleint. Die Geschwindigkeit wechselt von Anrennen zum Schleichen, selbst die kurze Leine bleibt bei dieser Übung immer schlaff. Jetzt das ganze ohne Leine, auch das funktioniert. Bei der Down Übung lernen die Hunde auf den Pfiff und das Handzeichen der Hundeführer sich absolut flach auf den Boden zu legen. Die Trainerin erklärt wie wichtig diese Übung für den Schutz der Hunde ist. Wenn der Hund im Jagdfieber auf eine befahrene Straße zurennt, kann ihn das Down vor dem Überfahrenwerden retten. Diese Übung klappt bei allen vier Hunden. Die Hundeführer demonstrieren, dass die Hunde im Down selbst dann ruhig bleiben, wenn sie händeklatschend überstiegen werden.

Apportieren ist das nächste Fach. Zum Einstieg lernen die Hunde die Hand ihres Führers im Fang zu halten. Der Führer merkt so unmittelbar mit welcher Kraft sein Hund zubeißt. Das adoptierte Wild soll ja von dem Jagdhund nicht zerbissen werden.
Die Hunde trainieren dann weiter mit Apporteln aus Holz. Diese werden abgelegt und von den Hunden zurückgebracht. Der Führer tippt wiederholt auf die Enden des Apportels im Fang seines Hundes. Der Hund hält das Apportel fest. Erst auf Befehl lässt der Jagdhund das Apportel in die Hände des Hundeführers fallen.
Der Jäger geht über den Waldweg und lässt ein kleines Holzstück fallen, das beobachtet sein abgelegter Dackel. Als der Jäger seinen Dackel zu sich ruft, hebt der Dackel unaufgefordert das Holz auf und bringt es seinen Herrn. Die Apportierübungen funktionieren auch mit einem ausgestopften Hasen und einer Ente.
Die ausgestopften Dummies werden, ohne das es der Hund sieht, in das Unterholz geschmissen. Der Hund stöbert selbstständig und apportiert den „Hasen“. Jetzt wird noch eine Schwierigkeit eingebaut. Die Hunde apportieren über ein Hindernis.
Unsere Jägermeister haben in der früh eine Schweißstrecke gelegt. Mit einem kleinen Schwamm an der Spitze eines kleinen Stocks haben sie über eine Strecke von ca. 300 Metern mit Hacken Rehblut auf den Waldboden getupft. Wir wechseln den Ort in unser Lehrrevier. Dort ist ein Anschuss simuliert. Der Baum ist mit Watte markiert. Der Anschuss ist mit einem senkrecht in den Boden gesteckten Tannenzweig bezeichnet. Daneben liegt ein Tannenzweiglein, dieses zeigt das Geschlecht und die Fluchtrichtung des waidwunden Wildes an. Am Anschuss ist auch noch etwas Schnitthaar einer Rehdecke gestreut. Maxl, dem saufarbenen Rauhaardackel, einem prämierten Schweißhund, wird die Schweißhalsung angelegt. Ein breites weiches Halsband mit einer langen Leine.

Wir lassen jetzt Hundführer und Hund alleine. Von Beiden ist Konzentration gefordert. Die Schweißstrecke ist 20 Meter im Wald neben einem Forstweg gelegt. Wir schleichen in absoluter Ruhe auf dem Waldweg und beobachten das eingespielte Team bei der Arbeit. Der Dackel nimmt die Witterung, der inzwischen fünf Stunden alten, Schweißspur auf und übernimmt die Führung. Was wohl die Spaziergänger denken, die uns 50 Mann hoch wortlos auf dem Forstweg schleichend, ins Unterholz stierend, sehen. Die Strecke folgt dem Forstweg um die Ecke. Maxl lässt sich nicht beirren er bleibt auf der Spur. Am Ziel, dem Wild, findet der Dackel eine Rehdecke in der zu seiner Belohnung eine Wurst eingeschlagen ist. Maxl interessiert sich aber mehr für die Rehdecke. Zwei unserer Ausbilder blasen mit den Jagdhörnern das Signal „Rehbock tot“. Dem Jäger und seinem Hund wird nach waidmännischem Brauch der Erlegerbruch gereicht. Der Jäger steckt sich den Zweig an den Hut, der Hund bekommt den Bruch an die Halsung.
Der Deutsch-Langhaar ist jetzt an der Reihe. Er stellt seine Schussfestigkeit unter Beweis. Er wird neben dem Jagdrucksack mit dem entsprechenden Befehl abgelegt. Der Jäger entfernt sich und schießt mit der Flinte zweimal in die Luft. Dabei darf der Hund nicht schrecken, aber auch nicht schusshitzig werden. Schusshitzige Jagdhunde rennen sofort nach dem Schuss in die Laufrichtung des Gewehres. Dieser Hund aber bleibt unbeeindruckt der Schüsse auf dem ihm zugewiesenen Platz liegen, bis er eine weitere Order vom Jäger bekommt.
Den nächsten Einsatz des Deutsch-Langhaar können wir beim Schleppen sehen. Dabei wird wieder ein Anschuss simuliert. Diesmal wird aber ein Hasenfell von dem Anschuss 300 Meter weit in den Wald gezogen und abgelegt. Der Jagdhund nimmt die Witterung auf und läuft, diesmal alleine, ohne Jäger, der Schleppstrecke entlang und nimmt die Hasenattrape auf. Obwohl der Hund das Wild im Fang hält, läuft er auf seiner eigenen Fährte zurück und bringt das Wild dem Jäger. Eine Leistung die nur Hundenasen erbringen können.
Die Trainerin erklärt uns, dass solche Leistungen nur zustande kommen, wenn zwischen Hundeführer und Hund absolutes Vertrauen herrscht. Die Ausbildung eines Jagdhundes erfordert viel Sachverstand, Mühe und Geduld. Nachdem was ich heute gesehen habe, würde ich sagen, lohnt sich das.

Dienstag, 9. November 2010

Schießtraining ...

… in Hattenhofen; steht heute auf dem Ausbildungsplan unseres Jagdkurses. Nach den Unterrichtsabenden mit den Themen Waffentheorie und Waffenhandhabung, nach dem Laserschießen im Schießkino soll es jetzt ernst werden. Mit Büchsen und Flinten sollen wir auf Zielscheiben und Wurfscheiben (Tontauben) schießen.
Hattenhofen liegt nordwestlich von Fürstenfeldbruck. Da passt es genau, dass ich um 8.45 Uhr eine Fahrt nach Gilching habe. Robert ist mit der S-Bahn schon vorgefahren und wartet auf dem Mammendorfer Bahnhofsplatz. Sonst fahren wir immer zu zweit zu unseren jagdlichen Auswärtsterminen. Heute aber habe ich eine Fahrt nach Gilching. Um 8.45 Uhr muss ich unsere Kunden im Hotel in der Hochstrasse abholen. Wir fahren für eine Organisation „under the Authority of Queen Elizabeth II“. Meine deutschen Fahrgäste bemühen sich erfolgreich um very british english und fragen bei den Briten mehrmals nach um den Satz auch bis ins detailierteste grammatisch und phonetisch korrekt auszusprechen. Mein Englisch ist mir peinlich, ich halte besser den Mund.
Als ich sie am Anfang zur Eile drängte, fragten sie mich wohin ich den müsste. Ich antwortete:
“Zur Jagdschule!“
Der Kommentar der Briten, obwohl nach eigenen Aussagen waren sie allesamt Fleischesser, war:
„Killing animals!“
In Gilching entlasse ich die Engländer in ihre Aufgabe. Ich folge dem Navi und brause über Feld und Flur. Robert wird alle 10 Minuten über den Zeitpunkt meines Eintreffens informiert. Auf dem Bahnhofsplatz steigt er zu und ab geht’s in den Jagdparcour nach Hattenhofen. Auf dem Parkplatz erkennen wir schon einzelne Autos unserer Jagdfreude. Zuerst gehen wir zum Büchsenstand. In zwei Kabinen steht jeweils ein Ausbilder mit einer Büchse bereit. Durch ein Fenster in der Kabinentür können wir das Schießen beobachten. Jeder einzelne Schütze bleibt für vier Schuss ca. 15 Minuten in der Kabine. Die Funktion des Gewehres wird ausführlich erklärt. Danach folgen zwei Schüsse aufgelegt und zwei weitere angestrichen (d.h. angelehnt an einen senkrechten Stab) . Vor uns steht noch eine lange Reihe und wir entscheiden uns zuerst zum Flintenschießen zu gehen.
Mit der Flinte schießen wir zehn Schuss Trap. Die orangefarbenen Wurfscheiben werden direkt vier Meter vor dem Schützen mit einer Geschwindigkeit von 7m/sec. Aus dem Bunker geschleudert. Jedem wird zuerst eine Flinte mit dem passenden Schaft angepasst. Ich bekomme die Flinte mit dem längsten Schaft. Als wir an der Reihe sind, kommt Robert vor mir dran. Er trifft! Zehn Schuss, zehn Treffer, zehnmal zerspringt die tönerne Scheibe. Ich komme auf kein so gutes Ergebnis. Ich zögere zu lange, die Scheibe senkt sich schon bis ich abdrücke. So komme ich auf nur vier Treffer.
Zurück beim Büchsenstand wird endlich eine Kabine frei. Ich betrete das enge Kämmerlein. Der Ausbilder entdeckt ein Blatt auf meiner Schulter, greift zu um es zu entfernen, ich weiche zurück. Patsch! Das Gewehr fällt mit lautem Knall auf dem Boden. Der Ausbilder schnappt sich die Büchse um einen Probeschuss zu machen. Er klebt einen weißen Punkt auf das Zentrum der Rehscheibe und lässt sie an das Ende des Schießstandes sausen. Er zielt genau und schießt zweimal. Mit Spannung erwarten wir die Scheibe, die an dem Drahtgestell zu uns zurückkommt. Die zwei Treffer sind oben an der linken Ecke der Scheibe. Ich möchte vor Scham im Boden versinken. Ausgerechnet bei mir! Der Ausbilder öffnet die Türe.
„Jetzt kann ich Feierabend machen.“
Neugierige Blicke treffen uns, mein Kopf wird heiß und rot vor Scham. Trotzdem holt er aber den Büchsenmachermeister zu Hilfe. Der Büchsenmacher kommt, begutachtet die Treffer der Scheibe, hantiert an der Optik und verschwindet wieder in seiner Werkstatt.
Der Ausbilder versucht zwei Probeschüsse. Sie gelingen! Ich bin sichtlich erleichtert. Jetzt bin ich an der Reihe. Zwei Schuss auf die 100 Meter entfernte Rehscheibe aufgelegt. Die Patrone in das Patronenlager. Repetieren, entsichern, stechen. Ganz ruhig blicke ich durch das Zielfernrohr und schieße. Nach den beiden Aufgelegten noch die zwei Angestrichenen. Die Scheibe wird herangefahren. Ich habe einen Ausreißer der nicht mal mehr im Feld ist. Aber die drei anderen. Schön in der 10 und in einem Kreis mit 5 cm Durchmesser. Der Ausbilder klopft mir auf die Schulter, die ganze Anspannung ist vorbei. Aus Scham wird ein bisschen Stolz und Freude.

Robert ist inzwischen auch fertig und wir wollen uns noch mal an der Flinte versuchen. Als wir hinten am Trap – Stand sind, sind wir die beiden Letzten die heute von unserer Gruppe noch drankommen. Robert von seinem Ergebnis beflügelt will seine zehn Tauben aus dem Jagdanschlag heraus beschießen. Ihm gelingen 9 von 10 Treffern. Ich traue mir den Jagdanschlag noch nicht zu und selbst aus dem Voranschlag gelingen mir nur sieben Treffer.
Mich befriedigt aber trotzdem die Steigerung im Vergleich zum ersten Durchgang.
Der Ausbildungstag ist zu Ende und wir verabschieden uns auf dem Parkplatz. Auf dem Nachhauseweg suchen wir ein kleines Gasthaus und fahren biegen von der Strecke ab. In Puch finden wir den Unterwirt, auf der Karte finden wir Wildschweinbraten. Unser letzter Wildschweinbraten ist schon lange her und wir sind neugierig wie den das Tier überhaupt schmeckt, dass uns während der letzten Monate beschäftigte. Der Braten schmeckt angenehm mild, nicht so wildig, wie wir uns das ausgemalt haben. Wir mutmaßen; wurde das Fleisch vielleicht in Wein oder Sauerrahm eingelegt? Bei der Zigarette hinter dem Haus läuft uns der Koch über den Weg. Wir fragen, er verneint. Es freut ihm, dass es uns geschmeckt hat, aber er hat das Fleisch nicht eingelegt. Er hat sein eigenes Rezept wie und mit welcher Hitze er dass Fleisch brät und es soll auch sein eigenes bleiben.
Satt, aufgewärmt und hochmotiviert, verfolgen wir Roberts Idee. Wir wollen zurück zum Schießstand. Wir haben noch nicht genug. Zum zweiten Mal fahren wir auf den Parkplatz der Schießanlage. Im Büro kauft sich jeder 20 Tauben. Mit Flinte und Munitionsschachtel machen wir uns auf den Weg zum Schießstand. Der Flintenmann erwartet uns schon. Diesmal ist es der Stand für Erwachsene. Die Wurfscheiben werden von 15 Meter hohen Türmen mit rasanter Geschwindigkeit geschleudert. Sie sind auch nicht mehr orange, sonder schwarz. Die Tonscheiben surren über unseren Köpfen, trotz Voranschlag pumpe ich nur die Luft voller Bleischrot. Der Flintenmann, ein wahrer Profi, seit 1974 Club-Mitglied und seit 15 Jahren am Schießstand, lugt mit einem Auge auf uns Schützen und mit dem anderen auf die Schrotgarbe. Nach jedem Schuss sagt er an ob wir zu hoch, tief, vorne oder hinten waren. Immerhin gelingen mir ein paar Treffer. Er bemerkt unsere Enttäuschung. Wir sind geknickt wie die Rottweil – Bockflinte in unserer Hand.
“Für den ersten Tag war es ganz passabel.“
;tröstet er uns erfolgreich. 250 Flintenschüsse müssen wir im Rahmen unserer Jägerausbildung nachweisen, heute haben wir 40 gemacht. Wir wissen dass es bei uns nicht bei 250 Schüssen bleiben wird.

Aktuelles Foto: Georg-Brauchle-Ring