Mittwoch, 28. Dezember 2011

Renaissance ... vorbei


In der Theodor-Dombart-Straße auf dem Weg  zu dem Taxistand, der sich während der letzten Jahre zu einem meiner Lieblingsstände entwickelt hat, werfe ich einen Blick auf die Anzeige meines Datenfunkgerätes. Ich bin dem Renaissance Hotel schon ziemlich nahe und auf dem Display müsste hinter dem blauen Balken die Anzahl der dort am Datenfunk angemeldeten Taxis erscheinen.
Nur suche ich vergeblich nach der Aufschrift RENAISSANCE auf dem Display. Mir fällt die neue Bezeichnung THEODOR – DOMBART auf. Ich fahre vor der Hotelpforte vorbei und der Theodor – Dombart – Balken wird dunkel. Ein Zeichen, daß das jetzt  der neue Namen für den Standplatz ist. 


Die Hotellobby ist verlassen, die Rezeption ist leer. Die Türen sind abgeschlossen.  Von den Doormen, mit denen ich mich während der letzten Jahre mehr oder weniger angefreundet habe, ist niemand mehr da. Von den Doormen wusste ich schon seit Monaten, daß das Hotel verkauft wurde und aufwändig renoviert wird. So richtig bewusst wird mir das aber erst jetzt, wo ich vor den verschlossenen Türen stehe. Letztes Jahr standen hier noch tage- und nächtelang Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.
Der Stand hatte wie jeder andere Taxistand seine Eigenheiten; da war die ältere Dame aus dem Wohngebiet gegenüber. Mal war ihr das Taxi zu klein, mal war es ihr zu groß. Oft wollte sie nur mit deutschen Fahrern fahren. Mit dem oder jenen Fahrer hat sie sich zerstritten. Sie humpelte um die Ecke und inspizierte ein Taxi und dessen Fahrer der Reihe nach am Taxistand. Wir beobachteten und kommentierten die Inspektion hinter den Glasscheiben aus der Hotelhalle. Am Ende der Taxireihe wäägte sie ab und stieg in das Taxi mit dem sie fahren wollte. Ich hatte Glück. Mit meinem Taxibus blieb ich verschont, bis ich eines Tages vom Renaissance einen Funkauftrag bekam. Ich fuhr zu  der nahen Adresse in das Wohngebiet gegenüber. Ich ahnte schon was passiert. Tatsächlich, die bekannte Dame stand vor der Tiefgarageneinfahrt. Als sie meinen Bus sah, winkte sie schon ab. Ich muß gestehen; ich war darüber nicht sehr unglücklich. Wenn ich schon für ein Butterbrot unterwegs bin, möchte ich wenigstens meinen Frieden haben. Ich sage ihr, daß ich ihr über unsere Zentrale ein PKW Taxi bestelle und schärfe ihr ein dort zu bleiben, das bestellte Taxi kämme sofort. In München ist das nur eine Minutengeschichte. Auf dem Weg zurück zum Renaissancestand ordere ich ein PKW Taxi (den geforderten deutschen Fahrer vergesse ich) an die Adresse. Kaum stehe ich wieder alleine am Standplatz – wen sehe ich da um die Ecke auf mich zuhumpeln? Genau die Dame, auf die der von mir bestellte und vergeblich angefahrene  Taxifahrer um die Ecke wartet. In dem Moment hält ein weiters Taxi vor dem Hotel um einen Fahrgast aussteigen zu lassen. Die Dame setzt sich in das soeben freigewordene Taxi. Ich kläre den Fahrer auf, daß ich für die Dame ein Taxi bestellt hätte. 

Die Dame nennt mich vor dem Fahrer unverschämt, und herrscht ihn an er solle losfahren. Der Fahrer wendet und braust davon. Schnell melde ich mich über Funk und bestelle das Taxi wieder ab. Hoffentlich hat der Kollege nicht so lange am Taxistand gewartet.
Aber der Stand hatte auch seine guten Seiten und Zeiten. Während der Messe bekam ich morgens oft Touren zum Messegelände. Und -> Hasan, mein arabischer Fahrgast, der mich diesen Sommer eine Woche lang beschäftigte, war auch Gast in diesem Hotel. Flughafenfahrten bekam überdurchschnittlich oft von diesem Standplatz. 

Jetzt muß ich mich nach etwas neuem umschauen, heute war ich schon zweimal am Marriot, dem Schwesterhotel in der Berliner Straße. Mit der Zeit werde ich auch die Eigenheiten dieses Standplatzes erfahren oder besser – erstehen.
     

Montag, 12. Dezember 2011

Milchmädchen


In so ziemlich genau einem Jahr, im November oder Dezember 2012, geht die Welt unter, prophezien die Maya. In unserem Sonnensystem gibt es eine Planetenkonstellation wie während der letzten 12.000 Jahre nicht mehr. Der Polsprung löst auf unserer Erde ungeahnte Katastrophen aus.
In zwei Jahren, 2013, crasht unser Euro, prophezeien  Wirtschafter. Die Nachrichten aus der Finanzwelt bedeuten nichts Gutes. Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler an der Nymphenburger Straße tickt bedrohlich.
Als ich mein Taxigeschäft verkaufte, gab es einen Stichtag an dem die Außenstände und die Verbindlichkeiten verrechnet wurden. Dieser Stichtag war der 31.12.2001, der letzte DM – Tag! Ich erinnere mich noch an das ungläubige Gesicht meines Bankers, der mir von den Einzahlungen aus dem Taxiunternehmen vertraut war;

“Jetzt wo der Euro kommt willst du verkaufen???“  



Ja, genau jetzt. Die fünf Taxigenehmigungen wurden mit 100.000,- DM bewertet. Der Euro kam, das Geschäft brach ein. Sieben Monate später gingen wieder fünf Taxigenehmigungen über den Tisch, für 25.000,-€.
Was mache ich jetzt - wenn der Euro geht? Vorausgesetzt das Magnetfeld der Erde bleibt im nächsten Jahr stabil, könnte es 2013 für den Euro eng werden.
Immobilien fallen mir als erstes ein. Jeder spricht von Betongold in München. Das wäre eine sichere Geldanlage. Zugegeben ich habe mir bis jetzt wenig Gedanken über meine Zukunft gemacht, aber jetzt sind wir eine Familie und es geht nicht nur um mein Leben, sondern um unsere Sicherheit. Ein kleines Appartement in München könnten wir uns schon leisten. Als erste Informationsquelle nutze ich wie immer das Internet. Die Immobilienportale sind schick aufgemacht. Es gibt sinnvolle Filter mit denen ich die Suche verfeinern kann. Ich stelle ein Kaufpreis 100.000 € in München, vermietet – daraufhin bekomme ich über 40 Angebote. Ich entscheide mich für eine 1-Zimmer Wohnung, 46 qm, in München/Hadern Kaufpreis mit Nebenkosten 106.000,- €. Praktischerweise ist bei jedem Angebot gleich ein Finanzierungsrechner drangehängt. Als einzige Variable kann man nur das Eigenkapital eingeben. Natürlich muss ich das gleich ausprobieren. Als Eigenkapital gebe ich 50.000,- € ein und blicke auf die monatliche Rate, die mir die Software ausspuckt. 223,- € monatliche Rate stehen auf meinem Bildschirm. Die Software rechnet voreingestellt mit 3,9 % Zinsen und 1% Tilgung. Die Laufzeit der Finanzierung spuckt der Rechner nicht aus.
Ich überschlage: Der Mieter bezahlt 430,- € Miete, davon gehen 150,- € Hausgeld ab, mir bleiben 280,- € monatlich. Davon bezahle ich 223,-€ monatlich für die Finnanzierung. Bei 1% iger Tilgung haben wir nach 100 Monaten (das wären etwas über 8 Jahre) die Wohnung bezahlt. Ich hätte dann aus meinen 50.000 in unter 9 Jahren 100.000 € gemacht. 


Was man gerne hört, das glaubt man auch. Das diese Rechnung nach der Zinsrechnung nicht aufgehen kann, negiere ich in meiner Euphorie. Wie kann ich denn nur Taxifahren bei solchen Gewinnaussichten im Immobilienbereich.
Gestern, bei einer Fahrt zum Flughafen kommen mir erste Zweifel. Mit 100 x 223,-€ können keine 56.000,- € zurückbezahlt werden. Am Terminal 2 gibt es einen gut sortierten Zeitschriftenhandel. Die haben am Flughafen auch sonntags geöffnet. Aus der Fachpresse fische ich mir ein Heftchen mit dem Titel Immobilienverkauf. Am nächsten Stand in der Stadt wird es gleich studiert. In einem Artikel wird davon geschrieben, daß bei dieser historisch tiefen Zinslage, bei  1% Tilgung, die Immobile nach schon 35 Jahren abbezahlt sei.
Schon! nach 35 Jahren. Das ist viel, viel mehr als meine höchstens 9 Jahre. Ich bin jetzt 43 in 35 Jahren bin ich 78 Jahre alt, ich könnte mich dann nur noch die restlichen 30 Jahre meines Lebens über eine bezahlte Immobilie freuen.
Ernüchtert blättere ich durch mein Magazin, im Internet recherchiere ich genauer, dort bestelle ich mir bei Amazon gleich ein Büchlein über Immobilienfinanzierung. Inzwischen weiß ich was ein Annuitätendarlehen ist und was 1% Tilgung bedeutet.
Trotzdem bin ich zuversichtlich, daß wir es innerhalb von 10 Jahren schaffen.
 

Heute früh vor dem Rilano
Heute früh habe ich um 7.00 Uhr vier Engländer vom Rilano – Hotel zum Flughafen gebracht. Am Freitag fuhren sie mit mir vom Hauptbahnhof zu dem Hotel in der Domagkstraße auf der Fahrt dahin haben wir die heutige Fahrt vereinbart. Ich war pünktlich vor dem Hotel. Die Engländer waren auch da. Zumindest die Rechnung ist aufgegangen.                

Mittwoch, 7. Dezember 2011

flink, flinkster


FIAT von Flinkster im Parkraumquartier
Mein Taxi fährt jetzt schon acht Tage ohne Werkstatt. Jetzt muß ich aber schnell dreimal auf Holz klopfen, daß das weiterhin so bleibt. Gestern nutzte ich mein fahrendes Taxi aus und konnte entspannt Standplatzrutschen. Nach dem Gast fahre ich den nächstgelegenen, passenden Standplatz an und harre auf den nächsten Gast, gespannt wohin mich die Wege meiner Gäste führen.
Weit führen sie mich nicht, die Wege, kleine Fahrten ich komme aus dem Norden Schwabings nicht heraus. Ein Kunde aus dem Flughafenbus für 7,- € in die neue Parkstadt Schwabing, ein älteres Ehepaar nach dem Arztbesuch nach Hause für 6,50 €, schließlich eine Katze zum Tierarzt für wieder 7,- €. Für den Kilometerschnitt sind solche Fahrten gut, für den Umsatz weniger.
In der Birnauer Straße, Nähe Petuelring, entdecke ich ein Flinkster-Fahrzeug. Letzten Sommer haben die Flinkster Leute in München kräftig aufgestockt. 100 Fahrzeuge hat DB-Rent eine Tochter der Deutschen Bahn AG dazugekauft. Die fallen mit der weiß -  grau – roten Lackierung im Stadtbild richtig auf.
Flinkster ist einer der wenigen Carsharing Unternehmen, daß deutschlandweit in mehreren Städten auftritt. In München aber, gibt es eine Besonderheit. Fast ganz München ist in Parkraumquartiere eingeteilt. Die Birnauer Straße ist im Parkraumquartier Lerchenauer Straße. Die Kunden in München müssen die Fahrzeuge nicht in einer Station abholen und zurückbringen. Hier kann das Fahrzeug aus einem Parkraum heraus übernommen und wieder in den gleichen Parkraum zurückgebracht werden. Der Kunde bekommt 15 Minuten vor der vereinbarten Mietzeit eine SMS mit der genauen Adresse des Parkplatzes zugestellt.
 
Zunächst müssen sich die Interessenten im Internet registrieren und dann mit Führerschein und Personalausweis in einer Vertriebsstelle eine Kundenkarte abholen. Die Vertriebsstellen sind fast ausschließlich in Bahnhofsgebäuden. Ein Umstand den Flinkster seiner Mutter, der Deutschen Bahn AG, zu verdanken hat. Auch in München ist die Flinkster-Vertriebsstelle im Reisebüro im Hauptbahnhof.


Die Preise beginnen bei 2,30 € pro Stunde für einen Mini, gehen bis zu 7,- € für z.B. eine C-Klasse, Audi A4 oder Ford Mondeo. 8,-€ stündlich kostet ein Transporter wie z.B. ein Sprinter.
Die Oberklasse – Fahrzeuge, Audi A8, Mercedes S-Klasse oder BMW er, gibt es nur auf Anfrage nach einer Vorlaufzeit von 48 Stunden. Ebenso erfährt man die Preise für die teueren Autos nur auf Anfrage.
Es ist spannend, besonders für uns Taxifahrer, wie sich das Carsharing entwickelt. Das es sich entwickelt ist ganz offensichtlich. Jedes Jahr drängen ca. fünf neue Carsharer auf den Markt. Ich habe noch immer die Hoffnung, daß die neue Carshare-Generation ganz auf das eigene Auto verzichtet und uns dann als potentielle Kunden zur Verfügung steht.

Dazu zwei Erlebnisse:

Stattauto, die in München eine Kooperation mit Flinkster eingegangen sind, hatten bei uns in der Theresienstraße in unserem Hinterhof eine Station eingerichtet. Einige Stattauto-Kunden, die ihr Fahrzeug abstellten und den Schlüssel in den roten Tresor warfen, stiegen dann in eines unserer Taxis um. Die standen ja gleich neben der Station.

Über myTaxi bekomme ich einen Kunden, der mit drivenow (ein Münchener Carsharer, betrieben von BMW) , von Bogenhausen in den Harthof fuhr, und jetzt nach Schwabing wollte. Beides, Auto und Taxi, hat er sich über ein App auf seinem Telefon bestellt.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Feinschmecker


Den ganzen Tag freue ich mich schon auf das beste Hirschgulasch in München. Wie es schmeckt, das weiß ich von der letztjährigen Adventsfeier der Waidmannsgilde . Im letzten Jahr saß ich noch mit meinen Klassenkameraden am Jagdschülertisch. Heute werde ich mit sechs meiner ehemaligen Mitstreiter auf der Bühne stehen. Wir haben uns entschieden Mitglied bei der Deutschen Waidmannsgilde zu sein. Die feierliche Aufnahme erfolgt traditionell während der Adventsfeier.

Aber noch sitze ich im Taxi. Den ganzen Nachmittag vertreibe ich mir mit mehr oder wenigen kurze Fahrten. Ich muss heute sowieso früher aufhören. Bevor ich zur  Adventsfeier kann, muß ich noch an unserer Vereinsmeisterschaft teilnehmen. Ja ich muß. Nach dem neuen  Waffengesetz muß ich als Sportschütze während des Jahres mindestens an einen Wettbewerb teilnehmen, damit mein Bedürfnis  für den Waffenbesitz aufrecht erhalten bleibt. Heuer hatte ich mit meinen Terminen kein Glück. Die Jagdtermine wurden dreimal hintereinander genau auf die Tage gelegt, an denen wir unsere Vereinsmeisterschaft abhielten. Am ersten Tag der Meisterschaft trafen wir uns als frischgebackene Jungjäger im Jagdschhlößl in Harlaching, am zweiten Freitag war die Lossprechungsfeier beim Forstwirt in Harthausen, und heute wieder 14 Tage später, die Adventsfeier. Miene Sportschützen haben Verständnis und lassen mich vor. Ich kann als erster alle Durchgänge schießen und kann dann zum nächsten Termin abhauen. Dabei muß ich immer vorher und nachher bei mir Zuhause vorbeifahren und die Waffe abholen und später wieder zurückbringen.
Die Strecken heute sind kurz, alle so um die 10,- €. Am späten Nachmittag stelle ich mich an unseren Taxistand im Tal an um mir die letzte kurze Fahrt abzuholen.
Neben mich setzt sich ein Einsteiger;

“ Erstmal zur Bank am Kurfürstenplatz bitte.“

Kurfürstenplatz – das passt. Ich habe dann nicht mehr weit nach Hause, kann schnell meine Sachen abholen, zum Schießstand fahren, schießen, wieder nach Hause, umziehen, Frau abholen und dann unter Druck aber pünktlich in der Münchener Haupt  zur Adventsfeier erscheinen. Das Wort Erstmal hinterlässt bei mir ein großes Fragezeichen. Was wird das nächste Fahrziel sein? Vielleicht näher bei mir zuhause?
Nach 15 Minuten stehe ich vor der Bank in der Kurfürstenstraße und warte auf meinen Fahrgast der sich an einem Geldautomaten bedient. Jetzt kommt er raus und ich sperre meine Ohren auf;

“Jetzt fahren wir in den Billardclub Aidenbach-, Ecke Kistlerhofstraße.“

Die Adresse liegt im Südwesten Münchens, ich muß nach Norden. Meine Chance auf einen gelungenen Abend schmilzt wie Eis in der Sonne. Ich werde nie pünktlich sein. Im dichten Freitagnachmittagverkehr von Schwabing runter in die Aidenbach, dann rauf in die Sudetendeutsche, dann nach Dachau, wieder zurück in die Sudetendeutsche – und dann sollen wir pünktlich zum Jagdhornsignal in Obersendling sein. Wir haben eine große Fahrt abgegeben. Meine Frau putzt sich nach einer letzten Flughafenfahrt nett heraus, und jetzt soll alles scheitern. Wir sind schon fast wieder am Bahnhof, plötzlich mein Fahrgast;

“Woast wos? Jetzt  fahren wir doch nach Hause!“

Ich warte gespannt auf die Ansage wo denn das sei, sein Zuhause. Aber angesichts der Alternative bis in die Aidenbachstraße zu fahren kann das neue Ziel nur günstiger für mich sein.

“Aber vorher fahren wir noch beim Feinschmecker vorbei.“

Der Feinschmecker ist mir bekannt, das ist ein kleines Tagesrestaurant bei dem man auch Kleinigkeiten zum essen mitnehmen kann. Der Feinschmecker ist gleich am Taxistand Kurfürstenplatz. Wir versorgen uns dort oft mit einem Imbiss oder einem Kaffee für die Wartezeit am Standplatz.
25 Minuten später stehe ich also wieder in der Kurfürstenstraße 25 Meter weiter stadtauswärts. Diesmal blicke ich durch die Glasscheiben nicht in den Vorraum einer Bank sondern auf die Theke eines Restaurants. Ich beobachte bis mein Fahrgast an die Reihe kommt und ihm seine Tüten über den Tresen gereicht werden. Dabei läuft meine Zeit und natürlich auch auf dem Taxameter. Die abgepackten Spezereien und die Limonade sind hinter mir unter der Rückbank sicher verstaut und ich erfahre das letzte Ziel dieser Tour. Es ist eine Adresse in der Maxvorstadt. Während der Schaukelfahrt haben wir uns angenehm über Schwarzwild, meine bevorstehende Adventsfeier und über den unübertroffenen Mandarinenquark beim Feinschmecker unterhalten. Er hat versucht den Quark nachzumachen, ist ihm aber nicht gelungen. Er meint, es liege daran, daß die beim Feinschmecker echten Topfen verwenden. Beim Aussteigen rundet mein Fahrgast die 28,70 € auf dem Taxameter großzügig auf 35,- € auf.

Ich mache mich sofort auf den weg nach Hause. Die Vereinsmeisterschaft! Ich stelle das Taxi in der falschen Richtung vor dem Haus ab, springe raus, rein in die Wohnung, Tresor auf, Pistole raus, anderen Tresor auf Munition raus, alles wieder in den Koffer sperren, runter rein ins Taxi auf nach Dachau zum Schießstand.
Am Schießstand hat unser Vorstand schon angefangen die  anspruchsvolle Stage  aufzubauen. Er hat sich eine besondere Aufgabe ausgedacht. Es stehen zwei kleine, ca. 60 cm hohe Ziele auf dem Boden, es gilt diese zu treffen. Werden die Ziele getroffen fallen sie um. Die Schwierigkeit dabei ist; vor den beiden Zielen steht ein Non Shoot der die beiden kleineren Ziele dahinter fast überdeckt. Treffe ich den Non Shoot, fällt dieser um und reißt die anderen beiden Ziele mit um. Dabei verliere ich zweimal Punkte. Einmal weil ich in den Non Shoot geschossen habe und ein zweites Mal weil ich auf die richtigen Ziele keine Treffer mehr landen kann.
Es kommen immer mehr Schützen, aber ich bin der Erste. Gestartet wird 20 Meter von den Zielen entfernt. Ich kann von hinten Schießen, was schwieriger ist, oder ich kann nach vorne laufen, bis sieben Meter vor das Ziel, dabei ist das Zielen leichter, aber ich verliere Zeit durch das Laufen. Bei dem zweiten Teil der Übung muss ich sowieso vorne sein und die Zeit wird über beide Teile gemessen, deswegen lauf ich nach vorne. Das einfache Ziel im ersten Teil mag und mag nicht fallen, ich konzentriere mich zuwenig, lasse mich noch zu sehr innerlich hetzten. Überraschenderweise klappt das mit der schwierigen Dreiergruppe ganz leicht. Ich gehe in die Knie, schieße knapp an dem Non Shoot rechts vorbei und das Ziel fällt. Ich springe in die nächste Position und schieße diesmal links vorbei und das zweite Ziel fällt. Während ich meine Magazine für den zweiten Durchgang auflade, schießt mein Vereinskamerad. Jetzt noch schnell den zweiten Durchgang. Nach der Auswertung winke ich in die Runde und verschwinde schleunigst vom Schießstand. Liebe Schützenkameraden, ich verspreche euch auch an dieser Stelle, beim nächsten Aufräumen helfe ich wieder mit.
Jetzt rase ich ein kurzes Stück über die Autobahn. Vesna ist schon fast fertig. Ich haste die Treppen hoch, verschließe Waffe und Munition, streife mir ein frisches weißes Hemd über und wechsele die Hose. Die Weste kann ich später zuknöpfen. Über den Mittleren Ring und die Passauer Straße drängle ich in die Zielstattstraße zur Münchener Haupt. Zum Glück finden wir einen nahen Parkplatz. Wir schreiten zügig die breiten Treppen zum großen Saal hoch. Die Jagdhörnbläser stehen schon bereit,  ich kann gerade noch einen meiner Ausbilder begrüßen. Gleich als wir uns auf unsere Stühle plumpsen lassen, schallt schon Hörnerklang durch den Saal. Die Begrüßung – und wir haben es wieder mal auf die letzte Minute geschafft.
Unser Vorstand begrüßt die Ehrengäste, Jagdhornsignale ergänzen die Ansprachen, Grußworte werden gesprochen bis wir Frischlinge namentlich auf die Bühne gerufen werden. Jeder drängt sich nach hinten bis wir Jungjäger am hinteren Rand der Bühne stehen. Nachdem wir geloben die Natur zu schützen, die Tiere zu hegen und uns immer waidgerechnet zu verhalten, bekommen wir unser Abzeichen ans Revers geheftet. Drei grüne Eichenblätter auf weißem Grund. Es folgen noch weitere Ansprachen und Jagdhornsignale bis alle und uns eingeschlossen, glauben, die bravsten Jäger unter dem heiligen Hubertus zu werden.
 

Wir werden entlassen, gehen an die Tische zurück und freuen uns auf unser Hirschgulasch. Zuerst gibt es noch eine Frittatensuppe und dann kommt es das Hirschgulasch mit Walnuß-Spätzle, Preiselbeeren und Blaukraut. Für die Hungrigen wird noch ein Topf Semmelknödel auf den Tisch gestellt.
Während ich das köstliche Fleisch mit den süßlich-saueren Preiselbeeren an meinem Gaumen zerdrücke, danke ich meinem letzten Fahrgast. Schließlich hat er mir diesen Genuß durch seinen Sinnes- und Fahrtzielwandel beschert. Zum Schlemmen hat er ja auch etwas – er hat sich ja beim Feinschmecker eingedeckt.   

 

Montag, 28. November 2011

Stimmungswechsel


Gleich um 5.45 Uhr heute früh ging es in der Nordheide los. Die erste Fahrt zum Flughafen. Meine nächste Fahrt ist eine Abholung vom Flughafen nach Baldham. Der Kontakt zum Auftraggeber war nur zwischen Tür und Angel. Auf dem letzten Sprung knallte ich die Bestätigung über E-Mail nach Berlin. Ich hatte weder den Namen, noch die Telefonnummer des Gastes, den ich am Flughafen erwarten sollte. Die Maschine landete planmäßig um 8.20 Uhr und ich stand mit einem Täfelchen mit dem Namen der Firma (das Einzige das ich hatte) unter 100 anderen Abholern am Terminal 2. Jetzt dacht ich mir wäre es eine günstige Zeit die Sekretärin in Berlin anzurufen. Name und Handynummer wären bei dem Andrang sehr hilfreich. ALs ich mit Telefon, Kugelschreiber, Abholschildchen und Papier jonglierte kam schon mein Kunde auf mich zu.
Über Fischerhäuser bringe ich meinen Kunden nach Baldham. Seinen Namen und Handynummer für den morgigen Zurückweg kann ich mir direkt von ihm geben lassen. Das war meine letzte Vorbestellung für heute. Die Pflicht war getan – jetzt kam die Kür.
Die Route für die Fahrt in die Stadt lege ich so, dass ich in Feldkirchen bei der -> Landesjagdschule Bayern des BJV vorbeikomme. Ich war hier schon mal vor drei Wochen. Da wollte ich mir nach einer Fahrt zur Messe Anstecker und Aufkleber des BJV kaufen. Wo ich doch als Mitglied der Deutschen Waidmannsgilde auch Mitglied im Bayerischen Jagdverband e.V. bin. Vor drei Wochen stand ich vor verschlossenen Türen. Nur für Autoaufkleber wollte ich niemanden aus dem Büro klingeln.
Heute rüttele ich wieder an der Tür, aber in der Sekunde höre ich leises Summen. Die Empfangsdame hat den Türöffner betätigt und stehe in dem großen Vorraum. Zuletzt stand ich hier vor meiner mündlichen Jägerprüfung. Damals hatte ich keine Augen für die Bücher, Ferngläser, Broschüren, CDs, Abzeichen, … in dem kleinen Shop. Heute aber weiß ich gleich wohin ich muss. Ich genieße die Situation vor den Jagdlehrbüchern zu stehen und nicht zittern zu müssen ob deren Inhalt abfragebereit in meinem Kopf verankert ist. Völlig unbefangen blicke ich in die Vitrinen. Meine Abzeichen habe ich mir ausgesucht. Ich wähle zwei kleine Anstecknadeln für das Revers, zwei kleine Hutnadeln und zwei Autoaufkleber.
Nach meinem Stopp in Feldkirchen stelle ich mich zufrieden mit der Welt an unseren ICM Stand an der neuen Münchener Messe. Stolz wie Oskar hefte ich mir die kleine Anstecknadel an die Brust meines Trachtenjankers. Die Hutnadel klemme ich zwischen Taxameter und Taxischildtaste an das Armaturenbrett meines Taxis. Den Autoaufkleber klebe ich von innen an die hinterste linke Scheibe meines Taxibusses. Den Gedanken, das dies eine unerlaubte Kenntlichmachung (das Wort gibt es tatsächlich) meines öffentlichen Verkehrsmittels ist, verwerfe ich angesichts der Bedeutung des BJV sofort. Der Bayerische Jagdverband liegt irgendwo zwischen der UN-Vollversammlung und dem Europaparlament – für mich jedenfalls! 


 Mein Taxi, das Geschäft und das Radio laufen. Gut gelaunt putze ich mein Fahrzeug. Die Türholme, den Kofferraum, den Boden, bis ich einen Auftrag bekomme. Von der Astrid-Lindgren-Straße fahre ich zum Käfer in die Prinzregentenstraße. Inzwischen ruft Vesna an. Den Auftrag um 13.30 Uhr, den wir von einem Kollegen angenommen hatten, kann Sie nicht fahren, weil sie was Weiteres  hat. Kein Problem ich kann ja noch in aller Ruhe einen Fahrgast vom Bahnhof Nord schnappen, bis ich mich dann wieder auf dem Weg zum Münchener Osten machen muß, von wo ich den Stammgast meines Kollegen aufnehmen kann. Immer noch gut gelaunt stelle ich mich an die lange Reihe des Taxistandes am Bahnhof. Unter den potentiellen Fahrgästen auf dem Bürgersteig am Kopf des Bahnhofs winkt mir eine fünfköpfige Gruppe zu. Sie brauchen mich und meinen Taxibus. Immer noch gutgelaunt kläre ich meine Nachfolge und fahre an die Spitze des Standes. Fröhlich  reiße ich die Schiebetüre auf, und bitte meine Fahrgäste einzusteigen.  Fahrziel; Domagkstraße (im Norden Münchens) zu einem dieser Büros in dem neuen Areal zwischen Domagkstraße und Schenkendorfstraße, das Parkstadt Schwabing genannt wird.

Ich biege gerade auf die Arnulfstraße als ich meinen Augen nicht trauen will was ich in meinem Tachofeld sehe. Das Motorsymbol leuchtet auf. Das MOTORSYMBOL !!! Am Freitag war ich bei VW wegen des Stellmotors, davor am Donnerstag habe ich es nach einer Woche aus der Werkstatt geholt, einen Monat davor war es 11 Tage in der Werkstatt. Wie soll ich die Rechnungen zahlen, wenn ich nicht arbeiten kann? Und der große Kunde hat immer noch nicht seine fällige Rechnung überwiesen.

Ich brauche Trost und Zuspruch. Die Opfer finde ich im Telefonnummernspeicher meines Handys. Eine/r nach dem/r Andere/n werden angerufen und zugetextet. Meine Fahrgäste sind mir egal. Auch die beiden Polizisten im Streifenwagen, die an der roten Ampel am Oskar-von-Miller-Ring neben mir zu stehen kommen. Sollen sie mich doch am Anfang der Ludwigstraße standrechtlich erschießen, weil ich mit dem Handy in der Hand Auto fahre. So schnell hat sich meine Stimmung geändert. Vor dem Siegestor versuche ich einen Reset. Ich ziehe den Schlüssel aus dem Zündschloss, verschließe das Auto, öffne es wieder und starte erneut. Erfolglos – alle Anzeigen auf dem Tachoblatt verlöschen, nur das gelbe  Motorsymbol verhöhnt mich weiterhin. Nachdem meine Gäste ausgestiegen sind, fahre ich schnell noch vor Mittag zum  -> Stimmer.
Ein Mechaniker steckt das Diagnosegerät an und diagnostiziert, das der Partikelfilter zu ist. Er bestellt sofort eine neue Sonde. Ich bekomme gleich einen Termin morgen Vormittag. Das Motorsymbol ist erloschen und ich kann den Kunden meines Kollegen zum Flughafen bringen.

Irgendwie wird mir langsam klar, dass ein Volkswagen kein geeignetes Auto zum Geldverdienen ist.       

Sonntag, 27. November 2011

Zweimal passend


Ich war nicht wenig froh, dass meine Heizung im Fahrgastraum wieder funktionierte. Wir fahren für Spielmotor, die Auftrag der Landeshauptstadt München und BMW ein Theaterfestival veranstalten. Die Künstler, die im Rahmen dieses Festivals im Gasteig oder in der Muffathalle  auftreten, kommen aus der ganzen Welt. Im Einsatz ist natürlich unser Taxibus. Die Gruppe die ich als erstes mit meinem frisch reparierten Taxi fahren durfte, kam aus Kolumbien.

“Kalt, Kalt, Kalt, …“

waren die ersten Worte unserer Gäste, von denen ein Großteil das erste Mal in Europa ist. Der neue Stellmotor wurde gleich richtig gefordert.

Muffatthalle und Gasteig - Austragungsorte des Festivals


Heute in der Früh habe ich gleich um 8 Uhr eine Gruppe  Franzosen vom Hotel in Haidhausen zum Flughafen zu bringen. Die nächste Fahrt habe ich wieder um 9 Uhr von Schwabing zum Flughafen. Mir bleibt also eine Stunde die Franzosen einzuladen, zum Flughafen zu bringen, umzudrehen, knapp 40 Kilometer zurück nach München zu fahren und dort die zweite Tour aufzunehmen.
Bevor ich losfahre, fotografiere ich das Taxi und stelle es mit dem Text: Und looos geht’s. Zweimal Flughafen in einer Stunde. Die Latitude Freunde kriegen was zu sehen auf Facebook ein.

Ob ich es schaffe hängt zum großen Teil davon ab, wie pünktlich ich von dem Hotel in Haidhausen wegkomme. Ich überlege mir schon während der Fahrt wie ich acht französische Künstler freundlich und höflich zur Eile treiben könnte.
Um fünf vor acht rolle ich vor das Hotel. Ich habe schon vorher gewendet und bleibe abfahrtsbereit in der korrekten Richtung stehen. Vor dem Hotel sitzt auf steinernen Blumenkübeln rauchend ein junges Pärchen. Ich erkundige mich, jawohl, das sind die ersten Zwei meiner acht Fahrgäste. Ich gehe in die Hotelhalle, die ist menschenleer. Außer dem Rezeptionisten ist niemand da. Aus dem Frühstücksraum höre ich Geräusche aber von meinen weiteren sechs Fahrgästen fehlt bis jetzt noch jede Spur. Ich geselle mich wieder zu  den zwei Rauchern vor dem Hotel und grüble wie ich hier pünktlich wegkomme. Jetzt  liefert mir die Frau eine Steilvorlage:

“Passen wir alle Acht in das Auto?“ fragt sie, und deutet dabei auf -> mein Taxi. Ich habe gleich die richtige Antwort parat.

“ Ob überhaupt alle Acht mitfahren ist ja noch nicht sicher. Oft kommen Gäste zu spät und dann können wir bequem  zu fünft oder zu sechst fahren.“

Das hat gesessen, ich habe freundlich mein Ziel erreicht. Die junge Frau steht auf, drückt ihre Zigarette aus und verschwindet im Hotel.
Im Minutentakt kommen die Mitglieder des Ensembles aus dem Hotel und nehmen nacheinander im Taxi Platz. Um 8.05 Uhr sind wir schon auf dem Weg zum Münchener Flughafen.
Mit 175 km/h, das ist die absolute Geschwindigkeitsobergrenze für meinen VW, brause ich über die Autobahn. “Ping.“ meldet sich mein Telefon. Ich fische es aus meiner Hemdtasche und blicke auf den Monitor. Es ist ein Kommentar von Wolfram von -> Taunustaxi auf meinen Post von heute Morgen.

“Flieg nicht so tief mein kleiner Freund …“ kommentiert er. Als ich das lese muß ich lächeln. Ich bemerke die fragenden Blicke meiner Gäste und übersetze Wolframs Nachricht.

„Wieso? Können die uns sehen?“ fragt lachend einer meiner Künstler. Wir anderen müssen jetzt auch lachen. Wolframs Kommentar hat uns genau passend erreicht. Der zweit passende Spruch schon so früh am Morgen.
Vor dem Verabschieden habe ich mich noch bei meinen Gästen für ihre Pünktlichkeit bedankt und zügig zurück nach München gerast. Bei meinem nächsten Gast in Schwabing war ich dann sogar schon um 8.55 Uhr. Ich konnte noch zu meinem eigenen Post einen Kommentar abgeben, bevor ich dann pünktlich um 9 Uhr auf den Klingelknopf drückte.
Wäre heute nicht Sonntag hätte ich die beiden Touren in der Zeit nicht geschafft.

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Samstag, 26. November 2011

Reparatu(h)r


Das ist zum verzweifeln. Erst hatte ich im September mein Taxi in der Reparatur. So um die 3.000,- € sind fällig. Die Nockenwelle war eingelaufen und der Zylinderkopf musste gewechselt werden. Zur Werkstatt bin ich gefahren weil der Auspuff so ein paffendes Geräusch machte. Man glaubt gerne was man glauben möchte, und ich hoffte, dass nur der Auspuff undicht sei. Genau so hat sich das angehört. Auf dem Hof der Werkstatt war der erste Blick des Mechanikers und des Meisters zum Auspuff.
Aber die tatsächliche Diagnose warf mich schon um. Es ist bei uns Taxifahrern nicht nur die Reparatur die wir bezahlen müssen, nein, auf der anderen Seite steht unser Produktionsmittel in der Werkstatt. Tag für Tag sind wir zur Untätigkeit gezwungen und hoffen, daß das lang ersehnte Ersatzteil bald eintrifft und eingebaut wird. Wenn man dazu noch Stammkunden zu bedienen hat, muß man eine nach der anderen Fahrt abgeben. Dringend benötigtes Geld wird unter den Kollegen aufgeteilt. Der einzige Trost dabei ist, daß das Geld in der Taxifamilie bleibt.
Gut, die dicke Reparatur im September ist vorbei. Mein Taxi fährt wieder. Ein Stammkunde überweist endlich das Geld für seine Fahrten. Immerhin eine mittlere vierstellige Summe. Sogar eine Reise nach Paris ist drin.
Hochmotiviert sitze ich auf dem Bock meines hellelfenbeinweißen Wagens. Bin mit der Welt zufrieden, bediene die Kunden, bin fleißig und eifrig am Datenfunk und myTaxi. Die Einnahmen beginnen zu tröpfeln. Ich kann den einen oder anderen Fünfziger zur Seite legen.
Bis ich dann am Flughafen in der PKW-Reihe stehe. Der Laptop hängt über den Zigarettenanzünder an der Stromversorgung des Taxis. Beim Nachrücken springt der Motor nicht wie gewohnt beim ersten Drehen des Zündschlüssels an. Ich muss 20 Sekunden den Schlüssel gedreht halten bis der Motor startet. Dabei macht aber der Anlasser kein orgelndes Geräusch, wie wir alle erwarten. Nein, 20 Sekunden lang dreht der Anlasser kräftig durch bis der Motor startet.
Aha, denke ich mir, da war wohl der Strom knapp. Die Batterie ist neu, deshalb hat sie auch die Kraft zum Durchstarten. Es kann nur der Generator sein. Der Lädt die Batterie nicht mehr auf und dann geht auch der allerneueste, stärkste Akku in die Knie.
Das ist einmal passiert und ich hatte den Vorfall beinahe vergessen. Beim Renaissance-Stand lade ich mein iPhone über das Bordnetz auf. Vorne angekommen passiert mir das gleiche wie Tags zuvor am Flughafen. Durch kräftiges Orgeln springt der Motor an und ich mache mich auf dem Weg zum Kunden, den ich über Funk bekommen habe. Während der Fahrt stirbt mir der Motor ab. Ich versuche mich rollend von der Soxhletstraße auf den Parkplatz des Ungererbades zu retten. Ein Dieselmotor der während der Fahrt abstirbt. So etwas hatte ich noch nie. Ich erinnerte mich an unsere alten 124er Taxis. Fremdstarten und ohne Batterie mit Warndreieck im Heckfenster zur Werkstatt fahren. Ich war verwirrt, wieso braucht ein Dieselmotor Strom wenn es doch ein Selbstzünder ist. Auf dem Parkplatz des Ungerebads habe ich inzwischen den Motor wieder zum Laufen gebracht. Am nächsten Tag, ich stehe wieder am Flughafen, wieder hängt mein Laptop an dem 12 Volt des Taxis und wieder springt der Motor nur nach 20 Sekunden anlassen an. Für mich war jetzt der Kas bissn, es muß doch was mit dem Strom zu tun haben. Vielleicht kann man so ein hochkompliziertes, modernes Dieselaggregat in einem VW Bus T5 Caravelle nicht mit einem Benz Saugdiesel im 124 vergleichen. Lief doch der Zweite sogar zuverlässig mit Heizölbeimischung und Falschtanker-Abfällen eines bekannten Münchener Autovermieters – theoretisch! So ein moderner Dieselmotor hat bestimmt eine elektrisch betriebene Einspritzanlage. Wenn der Generator kein Strom bringt, hat die Batterie keinen Saft mehr, die Einspritzanlage spritzt keinen Diesel mehr ein, der Motor stirbt ab. So schlussfolgere ich laienhaft als Gärtnergeselle und tröste mich selbst;

“Es ist ja nur die Lichtmaschine. Vielleicht sogar nur die Kohlen.“

Ich lasse während des Vorrückens in der Taxireihe den Motor laufen, damit ich für die Fahrt in die Stadt genug Strom habe. Als erster in der Reihe steigt mir ein Amerikaner ein, er will zum City Hilton am Rosenheimer Platz. Eine Tour wie ich sie mir vorgestellt habe. Hinter mir rattert der Dieselmotor in meinem Taxi, er rattert zwar bedenklich, aber er läuft und das beruhigt. Kaum ist der Kunde eingestiegen und ich losgefahren, bleibt mir nach nur 50 Meter der Motor stehen und das Taxi rollt zwischen die anderen Taxis auf den Parkplatz. Es ist mir schon etwas peinlich als ich den Motor wieder starte. Dabei zucke ich harmlos tuend mit den Schultern. Die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle aber mir ist klar – das Taxi muß in die Werkstatt.
Am nächsten Tag habe ich erst mittags eine vorbestellte Fahrt, bei der ich das Taxi brauche. Also mach ich mich auf den Weg zur Werkstatt Nummer 2 in Neuried. Bis auf das beunruhigende Stottern läuft alles ruhig. Ich kämpfe mich über den Mittleren Ring von Norden her kommend Richtung Neuried. Wenn ich in der Reihe zum langsam rollen oder sogar zum stehen komme,  versuche ich durch Spielen mit Brems- und Gaspedal den Motor auf Drehzahl zu halten. Das gelingt mir auch bis zum Luise-Kisselbach-Platz. Dort an dem Platz ist eine große Baustelle. Hier wird der dritte Tunnel nach dem Petuel- und Richard-Strauß-Tunnel gebaut. Täglich, nun schon seit Jahren quält sich der dichte Verkehr durch die Legionen von rot-weiß-roten Baken. Ich mittendrin, schwitzend, betend, fluchend, mit den Pedalen jonglierend. Jetzt habe ich es geschafft! Die letzte Ampel ist überfahren. Nur noch eine Rechts-Links-Kombination und ich habe die Autobahn Richtung Garmisch vor mir.
 Jetzt passiert es. Es hilft alles nichts. Der Motor stirbt ab. Ich versuche nun von der linken Spur auf die rechte zu kommen. Ich kann nicht einfach nach rechts lenken, von dort überholen mich schon die ersten Fahrzeuge. Jetzt ist hinter mir rechts frei, aber mein Taxi hat keinen Schub mehr. Auf der Mittellinie rolle ich aus und bleibe stehen. Ich blockiere in dem engen Straßenabschnitt beide Spuren. Im Rückspiegel kann ich in den Gesichtern der nachfolgenden Autofahrer deutlich;

“Schleich di, Taxler „

lesen. Das Hupkonzert hat auch schon begonnen. Unter Stress gelingt es mir den Motor zu starten und auf den Hof der Werkstatt zu kommen.
Der Mechaniker öffnet die Motorhaube und leuchtet mit der Taschenlampe in den Motorraum. Ich hänge an seinen Lippen. Mit dem Lichtkegel zeigt er auf die Kraftstoffpumpe;

“Da ist es! Die Kraftstoffpumpe ist undicht. Zu 80% ist es die Kraftstoffpumpe.“

„ Aha, deswegen stinkt es auch nach Diesel im Fahrgastraum. Wieviel kostet den so eine Kraftstoffpumpe?“

“360,- € plus Märchensteuer“

Er ruft gleich an. Im Lager der nahen VW-Werkstatt ist das Ersatzteil auch da. Er kann es holen, einbauen und am Nachmittag ist das Taxi fertig. Natürlich freue ich mich nicht über so  eine Diagnose, aber damit kann man leben. 360,- € Teile, 100,-€ Arbeit und am Abend des gleichen Tages habe ich das Taxi zur Arbeit. Abends dann, ich erledige die Aufträge mit -> Vesnas Chrysler-, fahren meine Frau und große Tochter zur Werkstatt um das Taxi abzuholen. Der Mechaniker hat angerufen, die Kraftstoffpumpe ist ausgetauscht und das Taxi wieder einsatzbereit. Vesna kommt mit dem Taxi bis zur Kreuzung, dort stirbt der Motor an der roten Ampel wieder ab. Also umgedreht und zurück zur Werkstatt. An diesem Montag wird nichts aus meinem Taxi. Am Dienstag tauscht der Mechaniker den Spannungswandler unter der Batterie und den Kraftstofffilter aus. Er macht eine Probefahrt von 20 Kilometer, lässt das Taxi im Hof laufen. Nach einer halben Stunde stirbt der laufende Motor wieder ab. Der Kraftstofffilter ist nur halb voll mit Diesel. Inzwischen ist der Dienstag auch vorbei. Langsam wird es eng, wir können uns meine Untätigkeit nicht mehr leisten.

Es rattert, schnattert und klackert - so klingt kein "gesunder" Diesel:

Vesna hat noch eine Mietwagengenehmigung in der Schublade. Wir haben Aufträge für ein Theaterfestival der Stadt München, bei der wir unbedingt einen Bus brauchen. Mit der S-Bahn fahre ich zu einem mir gut bekannten Autovermieter. Er leiht mir einen Bus aus. Das KVR, unser Kreisverwaltungsreferat, trägt das Fahrzeug auf unsere Reservegenehmigung ein.
Am Mittwoch vermittle ich zwischen den Werkstätten, Nummer 1 sagt dies, Nummer 2 sagt jenes. Nummer 2;

„Das können nur die Dichtungen der Pumpe-Düse-Einheiten sein. Zu 80% sind das die Dichtungen.“

Ich rechne mir in meiner Verzweiflung aus: Die 80% von der Kraftstoffpumpe hinterlassen ein Risiko von 20%. Nun die Pumpe ist gewechselt. Es bleiben dann noch 80% Sicherheit von den 20% das ergibt dann eine Sicherheit von  96%, dass nach dem Austausch der Dichtungen der Fehler behoben ist. Ich stimme zu. Der Dichtungstausch dauerte bis Donnerstag Nachmittag. Nach ausgiebigem Probelauf ruft mich der Mechaniker an; der Fehler ist erkannt und behoben. Es waren tatsächlich die Dichtungen. Druckluft, durch die undichten Dichtungen strömend, hat den Diesel  aus der Leitung und dem Filter geblasen. Deswegen ist der Motor abgestorben. Als ich das Taxi abhole präsentiert er mir die Rechnung von 1040,-€ brutto.

Egal, was sein muß, muß sein. Ich bin froh wieder arbeiten zu können. Ich habe auch schon einen Auftrag. Eine Abholung vom Flughafen, die schaffe ich locker. Die Gäste steigen ein. Nach nur kurzer Fahrt auf der Autobahn sehe ich wie die Hände in die Höhe gehen. Die Gäste versuchen an dem Drehleger in der Decke des Fahrgastraums die Temperatureinstellung zu verändern. Es passiert gar nichts. Egal auf welcher Stufe der Temperaturregler steht, aus den Lüftungsdüsen kommt nur kalte Luft. Der Regler für die Stärke des Luftstroms funktioniert. So kann man wenigstens die Menge der kalten Luft begrenzen. So kann ich bei den herrschenden Temperaturen keine Gäste befördern. Äußerst unzufrieden lege ich mich am Donnerstag Abend ins Bett. Komme ich doch soeben aus der Werkstatt, kann ich schon wieder in die nächste. Wann kann ich endlich anfangen Geld einzunehmen. Die meisten unserer Stammkunden fahren auf Rechnung. Ein großer Kunde hat bei uns noch fast 10.000,- € offen. Davon sind 4.000,- € scharf. „Scharf“ nenne ich Rechnungen bei denen das Zahlungsziel überschritten ist. Auf der anderen Seite will ich die Kollegen, denen ich den einen oder anderen Auftrag weitergebe, bezahlen.
Nach einer unruhigen Nacht stehe ich am Freitag um 4 Uhr auf, Flughafenfahrt um 5 Uhr. Obwohl es eine gute Zeit zum Stehenbleiben ist, muß ich nach Hause. Um 7 Uhr wecke ich meine Tochter auf, mache Frühstück und Pausenbrot, bringe sie in die Schule.
Jetzt fahre ich zu meiner VW-Werkstatt in Unterschleißheim, bei deren Autohaus ich mein Taxi gekauft habe. Gleich morgens bin ich einer der Ersten. Ich schildere mein Problem.

“Da müssen wir einen Termin machen“

Ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Ich muß und will arbeiten. Ich habe hier in der Firma viel Geld gelassen. Ich wundere mich selbst über mich, als ich entschlossen sage;

“Nein, wir machen keinen Termin! Sie schauen jetzt bitte was fehlt. Wahrscheinlich ist es nur eine Kleinigkeit. Wenn wir heute nicht fertig werden, fällt das Taxi wieder fünf Tage aus, und das wird nicht passieren.“

Ich und die Werkstatt hatten Glück, meine Anweisungen werden befolgt.  Ein Mechaniker holt das Taxi in die Halle. Nach nur 10 Minuten ist der Fehler gefunden. Ein Stellmotor ist kaputt. Der Mechaniker hat auch gleich eine Lösung parat. Er befestigt die Klappe auf der Stellung heiß mit einem Kabelbinder. Es wird wohl keiner meiner Fahrgäste während es Novembers kalte Luft brauchen. Ich kann die nächste Fahrt machen. Inzwischen wird der Stellmotor bestellt. Wenn der Motor da ist, so wird mir versichert, kann ich kommen und während des Einbaus auf das Taxi warten.
Tatsächlich ist das so auch passiert. Um 13 Uhr bekomme ich den Anruf aus der Werkstatt. Eine halbe Stunde später bin ich da und nach weiteren 25 Minuten fahre ich mit einer regulierbaren Heizung vom Hof. 

Temperraturregler im Dach der Fahrgastkabine


Die Rechnung, 186,- € brutto, habe ich mit meinem letzten Bargeld bezahlt. Aber jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.
Wenigstens die Tendenz über die Werkstattaufenthalte ist positiv. Elf Tage Ausfall - 3.000,- €, vier Tage Ausfall- 1040,- € und schließlich eine Stunde Ausfall und 186,- €.    


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Freitag, 25. November 2011

Taxi nach/in Paris


Dachzeichen und Eifelturm durch Panoramadach

Während bei uns um die Farbfreigabe gekämpft wird,  bemüht sich die Präfektur in Paris um ein einheitliches Erscheinungsbild der 17.200 Taxis im Großraum Paris.
Vorgeschrieben wird ein schwarzes Dach. Zweifarbige Taxis, wie z.b. in Portugal, sieht man kaum. Wenn die Taxifahrer neue Autos bestellen, bestellen sie sie gleich schwarze  Fahrzeuge. Die neueren Fahrzeuge sind alle schwarz. Früher oder später wird die gesamte Pariser Taxiflotte einheitlich in schwarz erscheinen.
Es gibt drei verschiedene Tarife; A,B, oder C. Zu welchem Tarif gefahren wird, ist abhängig von der Uhrzeit, vom Gebiet und ob Feiertag ist oder nicht.
Der Taxameter zählt die Zeit bis zur Überholgeschwindigkeit, und ab dort zählt er die Kilometer. Der Zeittarif liegt je nach Tarifstufe zwischen 29,25 und 30,90 € /Stunde und der besetzt gefahrene Kilometer kostet zwischen 0,92 und 1,42 €. Die Grundgebühr sind günstige 2,30 €, der Mindestfahrpreis beträgt 6,20 €. Ab dem vierten Fahrgast wird ein Zuschlag von 3,- € fällig. Die Münchener Spezialität, den Gepäckzuschlag, gibt es hier auch. Für jedes Gepäckstück über 5 Kilogramm  berechnet der Pariser Taxifahrer einen Euro.


Im Taxi auf dem Quai Branly
 Unter dem weißen Taxischild sind drei kleine Lämpchen, die anzeigen welcher Tarif eingeschaltet ist. So kann die Tarifstufe  auch von außen kontrolliert werden. Jeder Fahrer darf höchstens  10 Stunden täglich fahren, auch dass kann von außen kontrolliert werden. Im Heckfenster eines jeden Taxis ist eine Digitaluhr die abläuft. Bis in sechs Wochen, bis zum 01.01.2012 muß jedes der 50.000 Taxis in Frankreich mit dem neuen Taxidachzeichen ausgestattet werden. Die neuen Dachzeichen leuchten grün wenn frei und rot wenn besetzt.  Die Taxis stehen unter der direkten Kontrolle der Polizei (Préfecture de Police de Paris)
Ähnlich wie bei uns, braucht der zukünftige Pariser Taxifahrer zwei Jahre Fahrpraxis, Vorstrafenfreiheit, körperliche und geistige Gesundheit und eine zweiteilige Prüfung bevor er ein Taxi fahren darf.
Im ersten, nationalen, Teil der Prüfung werden die Sprachkenntnisse überprüft. Grundkenntnisse im Steuer- und Verwaltungsrecht gehören ebenso zum nationalen Teil. Weiters gibt es da noch Verkehr und Sicherheit als Prüfungsfächer.
Zu dem  nationalen Teil, der in ganz Frankreich gilt, gibt es noch einen lokalen Teil, der ist vergleichbar mit unserem Ortskenntnisnachweis. Hier muss der Fahrer beweisen, dass er sich in Paris auskennt. Geprüft werden verschieden Fahrrouten und Adressen von Sehenswürdigkeiten, Ämtern, Hotels, Firmen, Behörden …
Der erste Teil der Prüfung gilt in ganz Frankreich, will der Taxifahrer in einer anderen französischen Stadt fahren, muss er dort nur noch  den zweiten Teil  der Prüfung ablegen.
Die Vorbereitung zur Prüfung dauert drei Monate und kostet je nach Schule zwischen 1300,- und 2500,- €. 

Taxi am Charles de Gaulle Aéroport
Dann kommt schon die größte Hürde zum Einstieg in das Gewerbe - die Konzession! Zur Zeit kostet die Taxigenehmigung in Paris um die 175.000,- €. Die Übertragung der Genehmigung ist ähnlich kompliziert und zeitaufwändig. Schon wenn der neue und der alte Taxifahrer bei der Polizeipräfektur den Antrag auf Übertragung stellen, sind 15.000,- € zu hinterlegen. Der Kaufpreis, oft durch Bankkredite finanziert, wird dann bei der Übertragung der Lizenz fällig. Der Alte übergibt dann dem Neuen das sein Taxameter und eine Plakette. Die Metallplakette wird an den rechten, vorderen Kotflügel des Taxis genietet. 


Für viele Pariser Taxifahrer ist die Genehmigung auch die Altersvorsorge. Fährt der Eigentümer selbst nicht mehr, kann er die Genehmigung und sein Taxi an einen anderen Taxifahrer verpachten. Die Pacht bringt täglich zwischen 100,- und 130,- €. Abgerechnet wird traditionell alle 10 Tage oder neuerdings auch wöchentlich. Die Höhe der pacht richtet sich nach dem eingesetzten Fahrzeug und wie weit der Taxifahrer an den Reparaturkosten beteiligt ist.
Wie ein Damoklesschwert schwebt die Déréglementation, die Freigabe der Konzessionen, über das Pariser Taxigewerbe. Man stelle sich nur die Auswirkungen vor. Ein Taxifahrer nimmt einen Kredit über 175.000,- € auf, übernimmt seine Lizenz, die über Nacht nichts mehr wert wäre. Zugleich drängen viele frische Taxifahrer auf den Markt, die die finanzielle Belastung durch den Kauf der teueren Lizenz nicht haben. Die können das Geld in ihre Fahrzeuge oder Werbung finanzieren. Unser armer Taxifahrer müsste in diesem Fall unter verstärktem Konkurrenzdruck einen Kredit bedienen, der ihm nichts mehr bringt. 

"Modernes" Pariser Taxi

Zu deren Segen sind die Pariser Kollegen straff organisiert und ihre Arme reichen weit in die Politik. Ihre Aktionen, sie nennen sie Manifestationen, sind bei den Politikern gefürchtet. Ich durfte die französische Streikkultur vor Jahren schon mal hautnah erleben. Die Taxifahrer blockieren organisiert  wichtige Straßen in der Hauptstadt. Die Mehrheit der Franzosen stellt sich hinter die Taxifahrer(im wahrste Sinne des Wortes), erkundigen sich nach der Ursache und schimpfen gemeinsam auf die Zustände. Die Polizei agiert sehr zurückhaltend. 

 Die verschiedenen Ansichten über das Kontingent an zollfreiem Treibstoff für die Taxis waren nach einer solchen Manifestation in Stundenfrist geklärt.
Bei solch hohen Zugangsvoraussetzungen gibt es natürlich viele Alternativen zum klassischen Taxi Parisien. Vor diesen wird aber schon bei der Ankunft am Gepäckband des Flughafens gewarnt.  

   

Es gäbe noch einiges aus Paris zu schreiben, Galeries Lafayette, der Eifelturm, Montmartre, Sacre Coeur, Notre Dame … aber mit dem Taxi in Paris – Thema bin ich wieder zum einem Taxi-Blog zurückgekehrt. Vielleicht kann ich die Paris Erlebnisse, oder Taxifahrten in Madrid, Rom, Palermo … später beschreiben.
Noch etwas habe ich an den  Pariser Kollegen bemerkt – oder besser, etwas ist mir nicht aufgefallen. Keiner der Fahrer, Fahrerinnen haben wir keine gesehen, trug Jeans, Turnschuhe, Sweat- oder T-Shirt. Alle Taxifahrer, mit denen wir Kontakt hatten, trugen Stoffhosen, Lederschuhe und Hemden. Das ist zwar nichts Besonderes, aber immerhin ein Standard.

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Sonntag, 20. November 2011

Wie im Kino


Altägyptisches im Museum des Louvre
Sakrileg hieß der Roman von Dan Brown, den wir alle kurz nachdem er erschienen ist verschlungen haben. Der Roman, in dem Robert Langdon, ein Kryptologe, auf der Jagd nach  dem Geheimnis des Grals, die Hauptfigur darstellt, wurde 2006 unter dem Titel Der Da Vinci Code verfilmt. Gleich zu Beginn des Romans wird der Museumsdirektor des Museums im Louvre, ein Großmeister des Ordens Priuiré de Sion im Louvre ermordet. Der Mörder ist ein wahnsinniger Mönch des Opus Dei.
Morgen wollen wir in das Museum des Louvre. Meinen Laptop habe ich dabei und unser Hotel bietet WLAN. Mein Freu hat eine Idee; wir könnten uns doch den Film in dem doch auch der Louvre eine Rolle spielt im Internet anschauen.
Der Louvre erscheint gleich in den ersten Szenen. Wir richten unser Augenmerk auf Details des Museums die gezeigt oder erwähnt werden.
Das Museum ist mit einem modernen Diebstahlschutz ausgestattet. Wird eines der wertvollen Gemälde von der Wand entfernt, löst sich ein Kontakt. Daraufhin werden alle Türen und großen Durchgänge in Sekunden verschlossen. Der Dieb sitzt dann mit seinem Diebesgut in der Mausefalle und kann auf die alarmierte Polizei warten.
Im Film läuft das Opfer gehetzt durch das nächtliche Museum. Verfolgt wird der Museumsdirektor von einem humpelnden Albino-Mönch. Während einer Verfolgungsszene kann ich bei einer Kameraeinstellung das Glasdach der großen Galerie erkennen. Der Museumsdirektor im Film hat keine Chance seinem Mörder in der Kutte zu entkommen. In seiner Not nimmt er ein Gemälde von der Wand. In dieser Sekunde rauscht ein Metallgitter aus dem Dach der Galerie und trennt das Opfer von seinem unheimlichen Verfolger. Dem  Mönch bliebt nichts mehr als seine Pistole zu  ziehen und auf den Museumsdirektor zu schießen.

Minuten später im Film: Der Kommissar der französischen Polizei zeigt Langdon, der als Hauptverdächtiger gilt, eine Foto der Leiche des Museumsdirektors. Der Kryptologie – Professor bemerkt sofort, dass der Mord im Louvre verübt wurde. Der Polizist horcht auf, er denkt jetzt hätte er den Verdächtigen entführt. Doch Langdon bemerkt, er hätte auf dem Foto das Parkett erkannt. Dieses einzigartige Parkett gäbe es nur im Louvre.

Der Kommissar führt Langdon an den Ort des Verbrechens. Das Museum betreten sie über die Pyramide im Hof des Louvre. Gleich hinter dem Eingang gehen die beiden Schauspieler in einen kreisrunden Aufzug ohne Dach. Wie von Geisterhand schweben die Beiden in die unterste Ebene des Eingangsbereichs. 


Meine Frau und meine Tochter merken sich noch jeweils ein Bild, das man im Film erkennt und dann schlafen wir einer nach dem anderen ein. Am nächsten Morgen, der Laptop liegt noch auf dem Bett machen wir uns auf den Weg in den Louvre. Vorher müssen wir aber noch bequeme Schuhe für meine bessere Hälfte kaufen. Auf unserem Weg zum ersten Mal zu Chartier habe wir uns verlaufen. Dabei, so kann ich mich erinnern, habe ich einen Boulevard mit mehreren Schuhgeschäften entdeckt. Zum Glück gibt’s die Metró, schnell sind wir bei den Schuhgeschäften. Es mag sich aber kein Paar Schuhe finden, das gefällt. Vesna gibt auf, mit enttäuschter Miene will sie sich mit ihren unbequemen Schuhen das Museum antun. Ohne Schuhe fahren wir zum Louvre.

 Da stehe ich in Paris, habe den Kopf  voller Gemälde die ich bald sehen werde, voller Erwartung auf die versteckten Botschaften die ich dort zu entdecken glaube, Freimaurer, Verschwörungstheorien, Hollywood – Filme, geheime Bruderschaften, Weltherrschaft … das lässt sich nicht mit einer unzufriedenen Ehefrau an meiner Seite bewältigen. So will es der Zufall oder die Vorhersehung, dass in der Rue de Rivoli Adidas einen Store unterhält. Dort stattet sich Vesna mit bequemen Schuhen aus, die ihr auch gefallen.



Speissesaal Napoleon III.
So gerüstet können wir auf Entdeckungstour gehen. Groß nach Kultur ist mir nicht zumute. In meinem Kopf nehmen die eher profaneren, technischen  Interessen überhand. Mich interessiert der Aufzug, das Glasdach, das Parkett und das Alarmsystem mit den herunterrauschenden Gittern.
Vor der Pyramide hat sich eine Schlange von Besuchern gebildet. Sie stehen vor einem Röntgengerät, das im inneren der Pyramide steht. Wie auch beim Eifelturm werden die Taschen der Besucher durchleuchtet und die Besucher selbst durchsucht. Während wir in der zweiten Schlange vor einer der Kassen anstehen, kann ich den Aufzug in Aktion beobachten. Der runde Aufzug ist nichts anderes, als ein großer Zylinder, der in den Boden versinkt. Der Aufzug ist reserviert für gehbehinderte Personen, die die Treppe vom Eingang in das Untergeschoß zu den Kassen nicht benützen können. Um den ausgefahrenen Zylinder ist noch eine Wendeltreppe gebaut. Die Personen im Aufzug können sozusagen in der Wendeltreppe nach unten oder oben fahren. Ich kann noch drei Aufzugsfahrten sehen, bis wir an der Kasse sind. Erfreulich ist, daß Kinder freien Eintritt haben. Ebenso ist jeden ersten Sonntag im Monat der Eintritt für jeden Besucher frei.
Die drei Bereiche des Museums sind nach Richelieu (der Flügel an der Rue de Rivoli, dort wo das Adidas-Geschäft ist ;-)), Sully (der zentrale Bereich) und Denon (der Flügel an der Seine) benannt. Ganz unten, auf der gleichen Ebene wie die Kassen, gehen wir in den Sully-Bereich. Hier sind Teile der Grundmauern des Louvre freigelegt. Wir erkennen die ursprüngliche Funktion des Louvre im Mittelalter – eine Festungsanlage. Von dort gehen wir in die altägyptische Abteilung. Wir sind überrascht von der Vielzahl der Ausstellungsstücke. Neben einem Treppenaufgang stehen zwölf Sarkophage. Zahlreiche Büsten und Gebrauchsgegenstände vervollständigen die ägyptische Abteilung. Treppe rauf, Treppe runter, rüber hinüber unser Ziel ist der Denon – Flügel. Im Erdgeschoß nehmen wir noch die bekannte Skulptur Borghese Gladiator mit. Eine kleine Kopie davon habe ich als Jugendlicher bei einer Tombola gewonnen. Die Figur stand jahrelang in meinem Jugendzimmer und hieß bei mir einfach und politisch korrekt; Spartacus. Der Gladiator teilt sich das gleiche Stockwerk mit der überlebensgroßen, sitzenden Skulptur von Ramses dem II. und der Venus von Milo ( eigentlich ist es ja die Aphrodite). Immer wieder wandern unsere Augen auf das Parkett. Es gibt verschiedene. Längs oder quer, in der Sully- Abteilung finde ich eine nicht so gewöhnliche Anordnung der Parkettstreifen.
In Denon, im 1.Stock, isst auch die große Galerie. Hier hängen die  für uns meist bedeutenden Gemälde der italienischen Meister des 17. und 18. Jahrhunderts. Hier finden wir auch in einem Querbau der großen Galerie die Mona Lisa.


Meistfotografiertes Model in Paris, die Mona Lisa

Vor dem Gemälde drängen sich hundert Besucher. Aus der anderen Richtung kommt eine Gruppe aus den USA. Ein Mann stellt sich neben dem Gemälde unseres verehrten Meisters  Leonardo da Vinci und klappt ein DINA 3 Poster auf. Auf dem Poster ist die Mona Lisa mit dem Konterfei Alfred E. Neumanns abgedruckt. Alfred E. Neumann ist die Titelfigur der MAD – Comic – Hefte. Seine Ehefrau zückt ihren Fotoapparat um den Frevel noch zu dokumentieren. Ich stelle mir das fertige Foto vor; ihr Gatte hält das Poster mit dem pickelnarbigen, zahnlückigen Alfred neben sein Angesicht, während im Hintergrund die Mona Lisa zu erkennen ist.
Absperrgitter in der Decke

Jetzt kommt einer der seltenen Momente, in denen ich mich als Europäer fühle. Französische, spanische, italienische und meine strafenden Blicke treffen das Paar aus der neuen Welt. Wenigstens ist es ihnen ­peinlich; die Frau lächelt verlegen und der Mann zuckt mit den Schultern und meinte er wäre ein großer Fan von ihm. Damit meint er nicht unseren Meister Leonardo, nein, er deutet dabei auf die lächerliche Comicfigur aus dem MAD – Magazin.
Zugegebenerweise habe ich auch nicht nur die Kunst im Sinn, meine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Gitter die im Ernstfall die Museumsräume abriegeln. Und tatsächlich, ich entdecke die Gitter in der Decke über den Durchlässen hängend. Da hat der Film gestern Abend doch nicht gelogen.
Hier in der großen Galerie finden meine Frau und Tochter noch die Gemälde, die sie sich gestern Abend gemerkt haben. 


Im Untergeschoß des Richelieu – Flügel stehen die großen Skulpturen. Davor sitzen die Studenten mit ihren Skizzenblöcken und Bleistiften auf dem Boden. Drei Stockwerke darüber erinnern die Gemächer Napoleons des III. an die ursprüngliche Verwendung des Louvre als Herrschaftssitz. Noch ein Stockwerk höher, in der zweiten Etage, besuchen wir noch die Rubens Abteilung. Vesnas Ehrgeiz und ihre neuen Schuhe  zwingen uns dann noch bis vor die letzte verschlossene Türe zu gehen.
Wir verlassen das Museum wie wir es betraten, durch die Pyramide. Jetzt noch zu Fuß zur Kirche Notre Dame. Nach den ausgiebigen Märschen steht für mich schon den ganzen Tag über fest wo der Abend endet; bei -> Chartier Chartier. Dort besprechen wir bei einem schönen Abendessen das Ergebnis unserer cineastischen Ermittlungen.


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Samstag, 12. November 2011

Gurkensalat


Essen in Paris ist eine teuere aber gute Angelegenheit. Die Sitzplätze in den  wirklich guten Restaurants sind schon zehn Tage vorher zu bestellen. Ich bin froh, dass ich im Internet ein bekanntes Restaurant fand, bei dem nicht vorbestellt werden muss. Jawohl, ich gehöre zu den Leuten, die bevor sie in unbekannte Gefilde fahren, sich vorher über die Restaurants informieren. Leider sieht man mir das auch an ;-). 


 Mein Fundstück in Paris ist das Bouillon Chartier in 7 rue de Faubourg Montmarte. Gleich am Abend unseres ersten Tages in Paris, nach dem Besuch der -> Cité , kann ich meine Neugierde nicht mehr im Zaum halten und bringe uns ins Chartier. In der Metrostation habe ich mich verlaufen, den falschen Ausgang benützt. Es regnete den ganzen Tag, ich bin pudelnass und schön langsam habe ich die Nase voll. Plötzlich in einer Seitenstraße sehe ich die grelle Leuchtreklame des Restaurants. Nun kann mich nichts mehr bremsen. Frau und Kind im Schlepptau gehe ich mit großen Schritten durch die Pfützen der Pariser Straße. Die Leuchtreklame zeigt auf einen Durchgang. In dem Durchgang sind Bänder gespannt, die sonst immer da sind wo  Warteschlangen geordnet werden müssen. Jetzt  ist aber niemand da. Wir stehen jetzt allein im Hinterhof und ich erhasche den ersten Blick auf die Drehtüre in der Front der Bouillon.

Seit ich weiß, daß ich nach Paris komme, studiere ich im Internet die täglich wechselnde Karte. Zwei Favoriten habe ich mir schon ausgesucht; den Gurkensalt als Vorspeise und etwas mit grüner Pfeffersoße. 

Wozu sind diese Schubladen in der Wand?
Kaum lasse ich die Drehtür hinter mir, betreten wir ein Paradies. Draußen, im Dunkeln, prasselt der Regen. Drinnen beleuchten unzählige gelbliche Kugellampen eine Belle-Epoque-Kulisse. Ein Kellner, so wie er sein muss, in schwarzer Weste und langer weißer Schürze, begrüßt uns und bringt uns durch den Speisesaal an unseren Tisch. An der Wand neben uns sind viele kleine Schubfächer. Die einzelnen Schubläden sind nummeriert. So ähnlich wie bei uns in Deutschland die Fächer der Sparvereine. Wir können uns den Zweck dieser kleinen Schubfächer nicht erklären. 


 Ich entdecke Salade de concombre, meinen Gurkensalat, auf der gedruckten Tageskarte. Sofort bestelle ich die ersehnte Vorspeise. Der Kellner enttäuscht mich; er streicht den Salat aus dem Menü. Als Ersatzvorspeise wähle ich Salade d´endives roquefort und als Hauptgericht Steack hache sauce poivre vert frites . So bekomme ich meine grüne Pfeffersoße. Der Kellner, ich weiß von meiner Frau, daß man den in Frankreich immer mit „Monsieur“ anspricht, kritzelt unsere Bestellung auf die Papiertischdecke. Meine Frau nimmt ein Steak und meine Tochter entscheidet sich für das Hühnchen.

Das Bouillon Chartier wurde 1896 als Restaurant für die Arbeiter und Angestellten von zwei  Brüdern mit eben jenem Namen Chartier gegründet. Nach eigenen Angaben bemüht sich das Team darum, und jetzt habe ich meine Übersetzungskünste bemüht, eine Mahlzeit, die den Namen verdient, für bescheidenes Geld anzubieten. Und ich kann bestätigen, dass ihnen das gelungen ist. Zumindest bei meinem Menü. Meine Vorspeise bestand nicht nur wie der Name verrät, aus Endiviensalat und Roquefortkäse, das Ganze war noch mit einer äußerst feinen Senfsoße angerichtet. Mein Hacksteak war noch fast roh, aber genauso mag ich es. Die Pfeffersoße war, wie erwartet, alleine schon die Reise nach Paris wert. Die Sauce war ausgesprochen mild. Der Koch verwendet frischen, grünen Pfeffer. In Karthago rupfte ich frischen Pfeffer von einem Strauch und kostete mit spitzer Zunge – davon kenne ich den Geschmack, den ich jetzt wieder erleben darf.  Das unverwechselbare, unerwartet feine Aroma von Pfeffer, ganz ohne Schärfe. Es bedarf eines gewissen kulinarischen Könnens diesen Geschmack auf den Teller zu bringen. Ich bin wieder mal froh vor sieben Monaten das Rauchen aufgehört zu haben, sonst hätte ich diese Feinheiten nicht geschmeckt. Frau und Kind hatten mit ihrem Menü nicht soviel Glück. Das Steak war meiner froh zu roh. Das ist eine Eigenheit der französischen Küche; bei Fleisch ist der Teller immer blutig. Die Frage des Monsieurs, wie das Fleisch zubereitet werden soll, ist eher als Freundlichkeit zu verstehen. Well done bedeutet halb roh. 

Die Drehtüre im Hinterhof


Die Dreifaltigkeit des französischen Desserts; Käse, Süßes und Obst, setze ich wie folgt um:
Fromage blanc de campagne, Mousse chocolat und Ananas. Alles Drei mehr als zufriedenstellend. Der Käse auf den Punkt gereift, das Mousse in der richtigen Konsistenz und nicht zu süß. Süß war die Ananas – und so ist es richtig.
Der Kellner macht die Rechnung, indem er alles auf der Papiertischdecke addiert. Wir bezahlen für drei Personen und eine Flasche Vin du moment mit Trinkgeld 72,- €. Das ist mehr als günstig.

Als wir nach draußen gehen, sind wir ganz überrascht. In dem Durchgang stehen vor dem Regen geschützt ca. 70 Gäste und warten auf Einlass. Bei mir stellt sich die Frage; was ist dieses Bouillon Chartier eigentlich? Für einen Gourmettempel, besonders in Paris, ist es nicht gut genug. Der Preis ist sehr gut – aber sich dafür anstellen? Das Flair ist sehr von Touristen geprägt, die nehmen viel von dem Pariser Gefühl im Restaurant…
William Lesourd, ein französischer Bloger, schreibt in seinem -> Périblog über das Chartier. Er bedauert, daß Paris immer mehr und mehr zu einem Ausstellungsstück wird. Daß immer mehr Touristen alleine durch ihre Anwesenheit den Pariser Esprit verwässern. Beim Bouillon Chartier allerdings schaffen es nicht mal die Américains mit ihrem Geschrei (genau so schreibt Lesourd) die authenticité zu vernichten. Die geschichtsträchtige Bouillon sei  zu sehr mit den Wurzeln Paris verstrickt. Ich glaube William Lesourd kann nur zu gut verstehen wie mir beim Oktoberfest zumute ist.

Ich stelle fest; solange das Chartier so bleibt wie es ist komme ich wieder. Und keine 48  Stunden später stehen wir wieder vor der Türe. Diesmal kommen wir vom Louvre. Wieder bekommen wir einen Platz ohne warten. Wieder steht der Vin du moment auf dem Tisch. Wieder halte ich die Speisekarte in der Hand. Diesmal wähle ich das Steak. Ich denke, ich brauche nicht zu schreiben welche Soße ich dazu  will! Nur diesmal hat sich das Schicksal gedreht. Der Ober hat diesmal gleich als er uns die Karte überreichte den Gurkensalat gestrichen. Bis auf zwei  Bissen bin ich mit meinem Fleisch nicht zufrieden. Zufrieden macht mich allerdings meine Ehefrau. Es ist mir eine Freude mit welchem Genuß sie ihr Confit de canard pommes grenailles verzehrt.

Köstliches Vanilledessert

Heute ist nicht mein Tag. Beim Dessert greife ich wieder daneben. Meine Creme de marron entpuppt sich als zuckersüße Pampe. Vesna hat mit ihrem Vanillesouffle die eindeutig bessere Wahl getroffen. Für unsere kleine Tochter hat der Kellner eigens ein Apfeleis gebracht, das nicht auf der Karte stand.

Leider, leider werden  sicherlich mehr als 48 Stunden vergehen bis ich wieder in Paris bin und das Chartier genießen kann. Meinen Gust können mir die Touristen nicht rauben, sind wir doch selbst welche.
Lesourd hat auch beschrieben welchen Zweck die kleinen Schubfächer an den Wänden haben. In ihnen wurden die Servietten der Stammgäste verstaut.  

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Wenn ihr auch ein Lokal aus euerem Parisurlaub kennt, oder Neues aus dem Chartier berichten könnt, schreibt es in die Kommentare. Weitere, auch nähergelegene Leckerbissen findet ihr bei -> Wo gibt es das beste ... .