Mittwoch, 23. Februar 2011

Bündelweise Geld(scheine)

Vor genau einem Jahr fuhr ich eine Gruppe von Goldschmieden und Goldhändlern von der Inhorgenta, der Münchener Schmuck und Edelsteinmesse, in die Stadt. Als wir bei Giesecke & Devirent vorbeikommen, konnte ich von meinem Beifahrer etwas über die ->Herkunft unserer Euro – Scheine lernen.



Inzwischen hab ich die Zeit genutzt und Näheres herausgefunden. Auf jeweils einer Druckplatte sind die Vorlagen für neun zukünftige Geldscheine. Auf dem bedruckten Bogen sind dann drei Geldscheine in drei waagrechten Reihen. Die Nummern auf den Geldscheinen sind fortlaufend. So kommt es, dass immer unter einem Schein der nächste Schein liegt, dessen Geldscheinnummer neun Nummern unter dem darüberliegenden ist. Die Bögen werden gestoßen und geschnitten. In den fertigen Geldbündeln liegen immer die Scheine mit neun Nummern Abstand übereinander.
In meinem Foto, ich verwende Scheine aus Spanien (erkennbar an dem V für Espana in der Länderkennung) kann man die Neuner-Staffelung gut erkennen.
Der kleine Code auf der Vorderseite sagt aus in welcher Druckerei die Scheine gedruckt wurden. In meinem Fall ist es ein M, das besagt, die Scheine kommen aus der Fabrica Nacional de Moneda y Timbre in Madrid. Die folgende Kombination aus Zahlen und Ziffern (auf meinem Foto ist es 032F2) geben unter Anderem die Lage auf dem Druckbogen an. Die Scheine in den fertigen Bündeln lagen logischerweise immer an der gleichen Stelle auf dem Druckbogen, deshalb ist bei allen Scheinen des Bündels dieser Code gleich.



Eine Ziffer würde genügen um die Position in einem Gitternetz, bestehend aus drei Spalten und drei Reihen, anzugeben. Da muss mehr dahinter stecken. Ich vermute das Los der Bögen, die bedruckt worden sind.
Ich habe noch ein Jahr Zeit um das herauszufinden.

Sonntag, 20. Februar 2011

Trinkgeld: Schokolade aus Russland

Schokolade allein ist schon eine Sünde. Russland und Schokolade ist süße Leidenschaft. Googelt ihr Russland oder Russen und Schokolade bekommt ihr tausend Rezepte zu dem Kakaogetränk mit was-auch-immer-meistens-Rum und Schlagobers zur Krönung. Das habe ich nicht bekommen, wäre auch zu unpraktisch für den Genuss während der Personenbeförderung. Ich rede von Schokolade, richtige Schokolade in Tafeln und Rippchen, mehr oder weniger schön eingepackt.
1990 lerne ich; typisch russisch ist die Kombination Schokolade mit Sekt. 1990 ist mein Bremer Jahr. Ich mache einen Abstecher in die nächste Hansestadt Hamburg. Im Hafen hat das Schulschiff der sowjetischen Marine festgemacht. Die Soldaten auf dem Segelschiff allesamt Kadetten und Offiziersanwärter. Ich darf an Bord. Die Matrosen reichen mir Kaviar auf Toast (der orangefarbene mit den großen Perlen) mit Tee und später Sekt mit Schokolade. Beide Kombinationen haben eines gemeinsam, sie hören sich gewöhnungsbedürftig an. Probieren geht über studieren und ich stelle fest; das passt ganz gut. Feine Schokolade verbindet sich im Gaumen mit dem Sekt zu einer angenehm moussierenden, süßen, weichen Creme.

Die wohl bekannteste russische Schokolade ist die „Aljonka“, eine helle, nicht weiße (!) Milchschokolade mit einem rotbäckigen Kopftuch-Mädchen auf der Verpackung. Produziert wurde die beliebte Schokolade in der Süßwarenfabrik Roter Oktober mitten in Moskau am Ufer der Moskwa. Es muss noch andere Fabriken geben, die die „Aljonka“ herstellen. Aus der Süßwarenfabrik Roter Oktober ist ein Business – Center geworden. Dort gibt es Büros, Ateliers und Galerien zu einem für Moskauer Verhältnisse günstigen Preis. In einem Laden des Centers und in anderen Verkaufsstellen wird die „Aljonka“ noch angeboten.
Die genaue Herkunft meiner Schokolade kann ich nicht entziffern. Nur die Jahreszahlen 1985 und 2010. In der Mitte ist eine goldene 25. Da werde ich wohl eine Jubiläumsausgabe erwischt haben. Schaut mal den schönen Inhalt an.
“ Спасибо“ Danke liebe Fahrgäste ich werde die Schokolade russisch genießen – mit Sekt!

Trinkeld:-> griechische Zigaretten

Montag, 14. Februar 2011

Alles wegen LUFT

Alles hat ganz gut angefangen heute in der früh. Ich hatte eine Vorbestellung um 5.15 Uhr zum Flughafen. Montags ist das eine optimale Zeit. Ich bin vor 6 Uhr da und kann mich ohne den AGIP – Speicher gleich oben am Terminal anstellen.
Pünktlich bin ich um Viertel vor sechs in der Busreihe. Als ich um mein Taxi gehe entdecke ich, das der Reifen hinten rechts ziemlich platt ist. (Einer von meinen ->vier neuen Winterreifen .) Murphys Law zufolge passiert das nicht wen ich in der Stadt tagsüber von Standplatz zu Standplatz rutsche, zu den Öffnungszeiten der Reifendienste, die es in München an jeder Ecke gibt. Nein! Montag Morgen um 5.30 Uhr auf dem Weg zum Flughafen mitten im Erdinger Moos. Inzwischen hat sich schon ein Taxibus hinter mich aufgestellt. Der Fahrer will mir meinen Platz freihalten. Ich kann langsam zur OMV Tankstelle östlich des Flughafens fahren und den Reifen von 0,4 bar auf 3,8 bar aufpumpen. Wieder zurück am Flughafen ist mein Platz noch frei. Ich reihe mich dankbar wieder ein. Natürlich war meine Ruhe weg. Immer wieder steige ich aus und beobachte den Reifen. Es ist verlockend, wenn ich noch besetzt in die Stadt zurückkommen würde. So hätte sich das frühe Aufstehen und Warten am Flughafen mehr gelohnt.
Nach zwei Stunden bin ich der erste Bus in der Reihe. Ich schätze in den nächsten 10 Minuten komme ich dran. Durch die Taxireihe geht die Nachricht:
“A9 einwärts, vollkommen dicht!“
Das auch noch. Ich werfe noch einen letzten Blick auf den Reifen. Platt! Unmöglich kann ich so besetzt vom Flughafen abfahren. Mein Hintermann rät mir:
“Wenn du deinen Fahrgast hast, machst du einen kurzen Stopp an der Tankstelle und kommst dann besetzt in die Stadt.“


Ich will das Risiko nicht eingehen. Zum Einen ist es mir unangenehm mit meinem Fahrgast der am Montag Morgen ins Taxi steigt, gleich als Erstes zur Tankstelle zu fahren um den Reifen aufzupumpen. Zum Anderen male ich mir aus was passieren kann: - Pannenstreifen auf der Autobahn Richtung München. Dichter Verkehr. Ich, in schicker Warnweste, hantiere mit dem schwindeligen Bordwerkzeug. Publikum: Fünf oder Sechs Geschäftsleute mit Anzug, Krawatte, Laptop und Aktenkoffer, die um Zeit zu sparen ein Taxi genommen haben. Ersatztaxi: schwer zu bekommen, weil es ein Bustaxi sein muss und weil Niemand die Anfahrt durch den Stau machen will. Dazu kommt noch die Fahrgastübergabe auf der Autobahn. -
Nein, das will ich meinen Gästen und mir nicht antun. Also ganz sachte raus aus der Taxireihe zur AGIP-Tankstelle. Den Reifen aufpumpen. Ich hangle mich bis zur nächsten Tankstelle in Ismaning. 2,5 bar Luftdruck nachgeschoben. Jetzt reicht es bis zum Rettung, zum ->Stimmer, meiner bevorzugten Werkstätte.
Dort wird der Reifen abmontiert und voll aufgepumpt. Der Mechaniker verschwindet in einem Nebenraum. Als ich den Reifen wieder sehe, ist auf der Seitenfläche mit gelber Wachskreide ein kleines Viereck markiert. Da muss ich kein Fachmann sein um zu erkennen, dass Flicken nicht geht. Meine Sommerreifen waren abgefahren, darum sind jetzt auch keine mehr auf Lager. Wir entscheiden uns das Reserverad zu montieren. In weiser Voraussicht habe ich bei der Bestellung meines Taxis das Extra Reserverad mit in die Liste aufgenommen. Ansonsten hätte ich jetzt ein Notrad, so groß und breit wie ein Suppenteller, oder noch schlimmer; eine Sprayflasche mit Flüssigkeit, die den Reifen auch gleich wieder aufpumpen soll, mit Haltbarkeitsdatum. Die alte Felge lasse ich gleich in der Werkstatt. Ein neuer Reifen wird bestellt. Auf meinen T5 ist schon eine blöde Reifengröße: 215/65/R16C. Der Meister sagt mir zum Abschied noch es könne etwas dauern bis der Reifen eintrifft. Er wird mich in jedem Fall anrufen.
Das alles schon heute in aller Frühe. Wo ich sonst wartend auf meinen zweiten Flughafenstich meine ->Honigbreze zum Kaffee zu verspeisen pflege.
Für meine Jägerprüfung bereite ich mich zum Thema Wildkrankheiten vor. Das Lehrheft liegt auf dem Beifahrersitz. Die Fotos; “Hasenleber von Pseudotuberkulose befallen“, „Niere eines Hasen mit Abszessen“ oder Darmgekröse vom Wildkaninchen mit Finnen vom Gesägten Bandwurm“ in Vierfarbdruck passen zu meiner Stimmung.
Meinen Flughafengast habe ich gerade trotzdem noch gehabt. Von der Flughafenbushaltestelle Brandenburger Straße zur Leopoldstraße. 10,70 € Dankeschön!

.

Dienstag, 8. Februar 2011

Ausnahmen

Am Samstag sind sie mir am Renaisance-Hotel eingestiegen. Eine Familie aus den USA. Sie haben mich nach einem Brautmoden-Geschäft gefragt. Obwohl verheiratet, war ich noch nie in einem Brautmodengeschäft. Aber da fällt mir ein Schaufenster ein. Hundertmal bin ich aus der Altstadt Richtung Westen gefahren. Da gibt es in München nur eine Achse, die die Ausfahrt aus dem Kreuzviertel ermöglicht – die Josephsspitalstrasse. Die Josephsspitalstrasse ist eine Einbahnstrasse Richtung Westen. An der Kreuzung zur Sonnenstrasse bin ich auch schon hundertmal an der roten Ampel zur Sonnenstrasse gestanden. Blicke ich nach rechts, sehe ich in ein großes Schaufenster mit den verschiedensten Brautkleidern in der Auslage. Es gibt nicht nur weiße Brautkleider bei Lilly(so heißt der Laden). So ist es kein Wunder, dass mir der Laden bei der Frage nach einem Wedding Shop gleich als erstes einfällt.
Auf dem Weg dorthin kann ich auf der Ludwigstrasse gleich den Witz über das Siegestor anbringen, den jeder Fremdenführer und Taxifahrer auf Lager hat. Zum Glück stören uns die Absperrungen wegen der Sicherheitskonferenz stören uns dieses mal nicht. Beim Aussteigen fragen sie nach meiner Karte, die ich ihnen gerne gebe.
Tatsächlich, am Sonntag Abend um 21.00 Uhr rufen die Amerikaner tatsächlich an. Sie wollen nach Pforzheim. Eine schöne Strecke von München aus, 265 Kilometer in Richtung Stuttgart. Montag scheint ein guter Tag zu werden. Morgens habe ich schon eine Fahrt vom Flughafen nach Miesbach. Zudem mich der Kunde fragt, wann ich ihn abholen könne.
“Um 12 Uhr.“ antworte ich ihm.
„Fine“
Es kommt wie so oft. Ausgerechnet die Maschine aus Hamburg hat eine halbe Stunde Verspätung. Miesbach vom Flughafen ist ein schöner Stich. Pforzheim aber noch besser. Ich werde doch nicht weil ich Miesbach fahre, Pforzheim verlieren? Endlich bin ich mit meinen Gästen auf der Autobahn, da klingelt schon das Telefon. Der Kunde will „confirm our date“ . Bei der Gelegenheit kann ich ihm gleich gestehen, dass ich voraussichtlich eine halbe Stunde später komme. Es macht ihm nichts aus.
Um 12.30 Uhr bin ich dann heilfroh als die Familie an der Rezeption erscheint und auscheckt. Das viele Gepäck ist gleich eingeladen und ich bin schon wieder auf der Autobahn. Diesmal in die entgegengesetzte Richtung, nach Stuttgart.
Gleich hinter München kommen wir an der Ausfahrt Dachau vorbei. Ich frage ob sie schon einmal in der KZ – Gedenkstätte gewesen wären. Nein, waren sie nicht. Sie wollten, hat sich aber nicht ergeben. Mein Angebot einen Abstecher zu machen nehmen sie dankend an. Es ist zwar Montag und Montags haben die meisten Museen geschlossen. Es würde ihnen aber genügen “just to be at this place.” O.K. In Dachau stehen wir dann vor verschlossenen Toren. Es wird trotzdem fleißig geknipst. Mit dem Familienvater unterhalte ich mich über die Aussage Obamas während seiner Präsidentschaftskandidatur. Damals behauptete Obama, sein Großvater wäre bei der Befreiung Auschwitz dabeigewesen. Der Amerikaner sagte mir über 90% seiner Landsleute hätten das geglaubt. Er aber, sichtlich an europäischer Geschichte interessiert, kann sich jetzt noch darüber amüsieren.
Zurück auf der Autobahn bietet mir die Mutter an ein Pause zu machen “whenever you want.“ Ich entscheide mich auf halber Strecke zu einem kurzen Stopp an der Raststätte Burgauer See . Sie wollen die Schnitzel probieren. Typisch amerikanisch, zwischen zwei Semmeln. An der Kuchentheke können sich meine Gäste nicht entscheiden sich für „one from everyone to take away.“ Die Kassiererin packt uns acht Stück Kuchen ein. Wir setzten uns mit unserem Kaffe. Ich entdecke an der Essensausgabe Schaschlik und Spätzle. Ich kaufe eine Portion und stelle sie mit vier Gabeln in die Mitte unseres Tisches. Von den “Noodles“ (den Spätzle) sind sie alle begeistert. Nach der Stärkung geht es ohne Zwischenstopp weiter nach Pforzheim. Vor dem Hotel bekomme ich mein höchstes Trinkgeld, das ich heuer hatte; 75,-€! Ein Hotelpage ist nicht in Sicht. Ich hole aus der Lounge einen Gepäckwagen und lade das Gepäck darauf. Der Familienvater hat sich nach dem einchecken, unabhängig von mir den zweiten Wagen geschnappt und steht jetzt neben mir. Das sind freundliche Gäste - wollen mir trotz des fürstlichen Trinkgeldes noch zur Hand gehen. Der Amerikaner stellt mir noch ein exotischeres Trinkgeld in Aussicht. Er hat in Amerika eigene Mangobäume. Im September sind seine Mangos reif. Wenn ich ihm meine Adresse gebe, will er mir im Herbst welche nach München schicken. Wir wissen wie Amerikaner sind, aber ihm glaube ich aufs Wort. Wenn ich die Mangos tatsächlich bekomme wäre das einen Eintrag in meiner Trinkgeldliste im Blog wert.



Bevor jetzt alle Kollegen glauben, sie müssten mit ihren Taxis nach München kommen, kann ich euch beruhigen. Solche Tage wie gestern sind die absolute Ausnahme. Den Beitrag habe ich heute während der Wartezeit am Bahnhof Nord geschrieben. Davor war ich für 6,90 € am Odeonsplatz und danach für 6,50 € am Bayerischen Hof (den in München, am Odeonsplatz).

.

Freitag, 4. Februar 2011

I Need A Dollar... (2)

Meine Jagdbücher habe ich alle über ebay ersteigert, und das Portal kennengelernt. Jetzt will ich mich als Verkäufer betätigen. Ein Kollege hat schon seinen halben Hausstand über ebay versteigert und an der ESSO begeistert davon erzählt. Er hat auch nicht mit Tipps gespart.
Welche Ware zu welcher Jahreszeit am besten geht. Bücher zum Beispiel wären im Winter besser zu verkaufen als im Sommer. Die Aktionen sollen enden, wenn die Kunden vor ihren Rechnern sitzen. Ein guter Zeitpunkt wäre Samstag Abend oder am Sonntag Nachmittag. Aber Vorsicht! Es soll zum Ende der Auktion kein Bundesligaspiel oder ähnliches im Fernsehen laufen. Aussagekräftige Fotos und Texte wären wichtig. …
Ich für meinen Teil will das aber nur mal ausprobieren. Wenn ich meinen Dollar bekomme, bin ich zufrieden. Beim Tanken kommt mir die Idee für meinen Versuchskaninchenverkauf. Die Tankstellen werben mit Sammelpunkten um die Treue der Tankkunden. Ich selbst nahm hin und wieder an den Aktionen Teil. Ich habe schon mehr Rücksäcke, Kulturbeutel, Reisetaschen und Espressotassen als unsere Familie in ihrem Leben brauchen kann. Warum nicht mein Sammelheft anbieten. Dreißig Sammelpunkte habe ich schon in das Heft eingeklebt. Wer das Sammelheft in einer OMV Tankstelle abgibt und etwas dazuzahlt kann sich seine Tasche selbst aussuchen. Es soll ja auch Nichtautofahrer geben, die keine Gelegenheit haben an solche Sammelpunkte zu kommen.
Ich bin mit ->meinem Sammelheft nicht der Erste. In der Kategorie bieten schon 10 weitere Verkäufer solche Sammelhefte an. Ein Vorteil dieses Heftchens; es kann einfach und unkompliziert für 55 Cent Porto als Brief verschickt werden.
Letztes Wochenende konnte man die Waren umsonst bei ebay einstellen. Ich habe dazu das Kurzformular benützt. Als Auktionszeitraum habe ich sieben Tage gewählt. Das Ende der Auktion fällt dann auf Samstag Abend. Soweit komme ich mit den Tipps meines Taxikollegens überein.


In einem Feld meiner Anzeige erscheint, unter Verkäufer „100 % positive Bewertung“ obwohl ich noch nichts über diese Plattform verkauft habe. Bis jetzt war auf mein Angebot noch kein Gebot. Wenn es losgeht, dann morgen Abend. Bis dahin muss ich mich gedulden. Ob jemand überhaupt Interesse an einem OMV – Sammelheft hat werde ich dann schon sehen – und natürlich berichten.

.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Nobel - Taxistand

Zwei Stunden stand ich gestern vor dem Renaissance Hotel. Kein Funkauftrag, kein Einsteiger. Die Sicherungsposten vor der Tür sagten mir, dass es am Vormittag noch ganz gut gegangen wäre. Jetzt aber unter der Mittagszeit ist hier tote Hose.
Da brauchte es auch nicht viel Überredungskunst meines Kollegen und wir machen uns auf de Weg ins Reiterstüberl. Eine ehemalige Taxiunternehmerin betreibt das Lokal in einer Reithalle in Dirnismaning. Wir lassen uns von Wolferl, dem österreichischen Koch, verwöhnen. Ich muss mich richtig losreißen um mich von der gemütlichen Gaststube in das kalte Taxi zu setzen. Im Datenfunk sehe ich das Symbol einer eingegangenen Nachricht. Die Messe am M,O,C, die FabricStart endet um 18.30 Uhr, benötigt werden 700 Taxis. Wir sollen uns auf der Südseite in der Anlieferungszone aufstellen.
Ich komme aus der passenden Richtung. Auf der Anfahrt ist zwei Autos vor mir ein Taxibus. Vor den Hallen warten schon die Messegäste. Der Posten an der Schranke lotst den Taxibus vor mir direkt vor die Halle zu einer Gruppe von Fahrgästen. Ich habe kein Glück, mich weist er wie die anderen Taxis rechts neben der Halle vorbei. Wäre ich nur 30 Sekunden früher, hätte ich jetzt schon eine Tour. So fahre ich an der Reihe der Taxis entlang.
Die Taxischlange biegt nach links ab in die erste Halle. Ich folge. Die Halle ist zu Ende, die Taxischlange geht über eine Freifläche. Ich fahre neben der elfenbeinweißen Reihe weiter und fahre schon in die zweite Halle. Jetzt erreiche ich das Ende. Ich wende und schließe mich an. Jetzt ist erst mal Pause. Wir kommen in den Genuss eines überdachten und beleuchteten Taxistands. Wir steigen aus und unterhalten uns. Ein Kollege fragt den Security Mann was er wohl macht wenn alle 700 Taxis, wie auf dem Datenfunk angekündigt, kommen würden.
“Kein Problem, wir haben noch zwei Hallen, die wir aufmachen können. Wenn die nicht ausreichen, dann noch die ganze Rückseite des Geländes hinter den Hallen.“
Bekommt er zur Antwort.
Nach nur 20 Minuten bin ich an der Spitze. Vier (!) Männer eines Veranstaltungsdienstes stehen neben dem jeweils ersten Taxis und helfen den Fahrgästen beim Einsteigen. Alle tragen graue Mäntel mit goldenen Tressen und weiße (!) Handschuhe. Fahrgäste steuern auf meinen Vordermann zu. Ein Graumantel geht ihnen entgegen, nimmt ihnen das Gepäck ab. Inzwischen öffnet der Zweite den Kofferraum. Nummer Drei und Vier öffnen weißbehandschuht die beiden hinteren Türen zum Fahrzeugfond. Fast gleichzeitig klappen die Türen und der Kofferraum zu.


Jetzt bin ich an der Reihe. Mir wird ein Geschäftsmann in das Taxi gesetzt.
“Ich kann noch alleine einsteigen.“ war sein Kommentar zu dem ganzen Aufwand. Sein Fahrziel bringt mich in die Nähe des Hauptbahnhofs. Die Zeit passt. Ich stelle mich für meine letzte Fahrt an. Die bringt mich zwar in die falsche Richtung nach Ottobrunn, aber auch 31,50 € auf den Taxameter.

.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Wie schreibt sich ... ?

Wir fahren über die Prinzregentenstraße stadteinwärts. Ich am Steuer meines Taxis eine Gruppe von Anwälten hinter mir im Fond. Ich erwähne das Haus der Kunst an dem wir vorbeifahren.
“Das ist von Troost, dem frühen Hitlerarchitekten.“
Ich bemerke wie mein Fahrgast hinter mir mit spitzen Fingern auf dem Bildschirm seines Smartphones tippt.
“Wie heißt der mit Vornamen?“ fragt er zurück.
Das weiß ich nicht. Bei der Schreibweise des Nachnamens bin ich mir auch nicht sicher. Wird der jetzt tatsächlich mit zwei o´s geschrieben. Bei Speer, dem bekannten Architekten des Dritten Reichs, bin ich mir sicher, den schreibt man mit zwei e´s. Kann das sein, dass die Namen der beiden Architekten zufällig mit zwei aufeinanderfolgenden Vokalen geschrieben werden, oder spielt mir mein Gedächtnis einen Streich? Ich muss mich vergewissern und finde dabei viel Interessantes über das Gebäude mit der Anschrift Prinzregentenstraße 1.

1931 brannte der Glaspalast ab. Der Glaspalast stand im Alten Botanischen Garten an der Elisenstraße. Abel, dem Inhaber des Lehrstuhls an der technischen Universität, wurde zugesichert, dass er den Auftrag über die Planung eines Eratzbaus bekommen sollte. Die Münchener Architektenschaft war empört und forderte bei einem so bedeutendem Vorhaben eine öffentliche Ausschreibung. Die Architekten Gsaenger, Döllgast, Pabst, Welzenbacher, … lieferten Entwürfe. Das Kultusministerium will trotzdem den überarbeiteten Entwurf Abels bevorzugen. Aber inzwischen ist der 30.01.1933 – Hitler wurde zum Reichskanzler ernannt, und er hatte andere Pläne.

Sein Favorit war Troost. Er sollte den Auftrag erhalten. Troost gestaltete für den Norddeutschen Lloyd die Inneneinrichtung ihrer Schnelldampfer. Klare Linien, viel Waagerechten, Art Déco, etwas bauhauslastig … So muss er den Geschmack Hitlers getroffen haben. Bekommt er doch gleich den Auftrag für die Planung des Führerbaus und dem Verwaltungsbau der NSDAP. Das (deutsche) Haus der Kunst war eine Nummer größer und da gab es doch die Ausschreibung. Troost war beunruhigt, ob er den wirklich den Auftrag bekämme. Hitler kann ihn beruhigen, er ahnt schon die politischen Umstände nach dem Januar 33, er solle einen „Maximalentwurf“ für das Gebäude anstreben. Hitler, der gescheiterte Kunstmaler, lässt es sich nehmen Troosts Pläne eigenhändig zu modifizieren. Jetzt fehlte nur noch das Geld - großzügige Spenden der Großindustrie machen den Weg frei. Am 15.10.1933 wird der Grundstein gelegt. Troost verstirbt im Januar 34, seine Witwe Gerdy und sein Mitarbeiter Gall beenden den Bau im Jahre 37. Ein imposantes Gebäude mit 21 vorgelegten Säulen, mächtiger Freitreppe und riesigen Feuerpfannen an den Ecken des Portikuses war entstanden.


Eingeweiht wurde das Haus am Tag der Deutschen Kunst, dem 18.07.1937, mit einem Festumzug. Die schwarz-weiß Filmaufnahmen des Festumzugs haben bestimmt schon viele gesehen. Die Aufnahmen werden oft in Dokumentationen über das Dritte Reich geschnitten. Mitwirkende, als Germanen verkleidet, springen um Festwägen. Ritter in Rüstungen, Fahnen in der Hand, reiten auf Pferden. Die Wehrmacht marschiert auch mit.
Am 18.07.45 war der Tag der Deutschen Kunst schon wieder Geschichte und am 18.07.47 spielten amerikanische Soldaten in dem Meisterwerk der germanischen Tektonik Basketball. Die Offiziere vergnügten sich im Club im Haus. Bei der Aussprache der Adresse, Prinzregentenstraße 1, hatten viele der Angelsachsen Schwierigkeiten und nannten, wohl auch unseren Taxikollegen vor 75 Jahren, einfach „Pi one“ – „P 1“ als Ziel.
Aus dem Offiziersklub wurde das bekannte Nachtlokal P1. Die Prinzregentenstraße wurde Anfang der 70er Jahre verbreitert und die Freitreppe zurückversetzt. Zu meiner Taxifahrer Anfangszeit 1991, die Discos hießen noch nicht Club, war das P1 noch im Ostflügel, dort wo das Offizierscasino war. Im Westflügel war das Piroschka, ein ungarisches Lokal. Das ungarische Restaurant brannte aus und das P1 wechselte in den Westflügel.


Mit viel Blendwerk und etwas Tücke knackten wir die härteste Tür Deutschlands, wir konnten unseren Taxitag an der Bar im Keller des geschichtsträchtigen Hauses ausklingen lassen. Wir waren nicht reich und prominent aber schön. Schön gspinnat waren wir.
In den letzten Jahren ist mir das Gebäude noch zweimal besonders aufgefallen. 2006 zur Fußball-WM in Deutschland musste der Schriftzug „Allianz Arena“ von dem Stadion entfernt werden, das für die Zeit der Weltmeisterschaft, das FIFA World Cup Stadion Munich © geworden war. Der Schriftzug fand während des Sommers 2006 Asyl an der Frontseite des Hauses der Kunst.
Eine Installation des chinesischen Künstlers Wei Wei an dem Haus beeindruckte mich sehr. Ein schweres Erdbeben in China zerstörte Schulen und Kindergärten. Viel Kinder starben unter Bauschutt begraben. Wei Wei gestaltete eine gigantische Wand aus Schultaschen in drei Farben. Die Schultaschen ergaben chinesische Schriftzeichen, deren Bedeutung ich nicht mehr weiß. Das Bild von der Vielzahl der bunten Schultaschen wird mir lange im Gedächtnis bleiben.


Die Schreibweise des Architekten Troost soll mir auch noch lange im Gedächtnis bleiben. Jetzt bin ich mir sicher, er wird mit zwei o´s geschrieben! Am nächsten morgen, ich bringe die Anwälte zur Verhandlung in das Gericht, kann ich Auskunft geben:
„Paul Ludwig. So heißt er mit Vornamen. Der Architekt von gestern. Paul Ludwig Troost. „


.