Donnerstag, 31. März 2011

myTaxi Reichersbacherstraße 18

Verwegen habe ich in dem Funktionsmenü meines myTaxi – Apps die maximale Entfernung für eingehende Anfragen auf 20 Kilometer gestellt. In der Arnulfstraße / Donnersberger Brücke bekomme ich ein Angebot für die Reichersbacherstraße 18 (für Eingeweihte; die ist oben am Blütenanger, bei der Feldmochinger Straße). Ich nehme das Angebot an, der Kunde widerspricht nicht und ich mache mich über die Landshuter Allee in nördlicher Richtung auf den Weg nach Feldmoching.
Ich sehe auf dem Display wie sich mein Taxi auf den Kunden bewegt. In meiner Phantasie wähne ich den Kunden wie er ebenfalls auf seinem Display meine Anfahrt verfolgt. Nach ca. 15 Minuten brause ich den Blütenanger entlang. Mir fällt ein Pärchen auf, dass an der Bushaltestelle steht und mich mit den Augen verfolgt. Ich biege links in die Reichersbacherstraße ein. Schaue auf die Hausnummern. Da ist schon die 20. Die nächste wäre die 18. Wäre! Da wo die 18 sein soll ist ein frisch gepflügter Acker. Am anderen Ende des Ackers steht das nächste Haus. Ich fahre zu dem Haus, es hat die Hausnummer 12. Es gibt keine 14, 16 und 18.
Ich habe ja die Telefonnummer des Kunden. Ich rufe an, er meldet sich;
“Das war ein Missverständnis.“
Ich habe das Pärchen an der Bushaltestelle in Verdacht, als ich wieder vorbeifahre, hat sie der Stadtbus schon abgeholt.


Ich kann mir das erklären: Die beiden waren auf dem Weg zum Bus. Unterwegs hat der Kunde, als er an dem Acker vorbeikam, sein App benutzt und dabei die Adresse Reigersbacherstraße 18 generiert. Bis ich an der Adresse war, waren die beiden schon weiter.
Und ich stand neben dem Acker. Jetzt habe ich mall die maximale Entfernung auf 11 Kilometer gedrosselt.


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Mittwoch, 30. März 2011

Die Aaaauuuugen links!

Frankonia bietet für angehende Jäger jeden Monat ein Produkt zu einem günstigen Preis an. Diesen Monat gab es ein Nikon Fernglas für 129,-€.
Die klassischen Jägergläser 8 x 56 beginnen preislich bei ca. 800,- € und enden bei Produkten von den Firmen Zeiss oder ->Swarovski bei 1850,- €. Das ist mir im Moment zu teuer. Die ersten Ansitze beginnen im April und unsere Bergwaldexkursion steht an. Dazu ist ein Glas nötig. Nach meiner ersten Fahrt in die Stadtmitte stelle ich mein Taxi auf dem Luitpold –Stand ab und betrete ehrfürchtig meine heiligen Hallen in der Münchener Frankonia Niederlassung. Für Jungjäger gibt es eine Tasche die ich gegen Vorlage meines Ausbildungsnachweises ausgehändigt bekomme. Bei der Gelegenheit wird natürlich gleich ein Kundenkonto angelegt. Die Umhängetasche ist voll bestickt mit Werbelogos und prall gefüllt mit Katalogen von Waffen- und Munitionsherstellern. Die Kataloge nehme ich gerne, das ist ja genau das Thema, das wir zur Zeit, neben Naturschutz, in der Ausbildung haben. In der Tasche ist noch eine grell orangenfarbene Baseballcap mit Werbeaufdruck. Ich denke mal mit der Kappe und der Tasche brauche ich mich bei keiner Jagd blicken zu lassen. Die Formalitäten sind erledigt, meine Tasche hängt über meine Schulter. Jetzt frage ich nach dem Fernglas; ob es dann noch eines gäbe.
“Mal schauen, mal schauen.“ sagt der Verkäufer und kramt unter seinem Ladentisch. Ich bete: „Hoffentlich“ Er zieht einen Karton hervor und legt ihn auf den Tisch.
“Eines hab ich noch.“
Da steht es, mein erstes Fernglas! 10-22 x 50. 50 mm Objektivdurchmesser lässt genug Licht durch und bei 10-facher Vergrößerung bietet mir das Glas ein passendes Sehfeld. Ich bezahle oben an der Kasse packe meine Tasche und den Karton zu der großen -> Frankonia Tüte mit meinen Gummistiefeln die -> noch immer im Taxikofferraum liegt. Schnell mache ich mich vom als Parkplatz missbrauchten Taxistand. Am Bahnhof, so freue ich mich, kann ich das Glas auspacken und ausprobieren. Ich stelle mich hinten an, öffne den Kofferraum, Karton auf den Beifahrersitz. Aufreißen, Plastikverpackung bewältigen und dann … myTaxi Auftrag. Also Vorder- und Hintermann Bescheid sagen, rüber zur Schwanthaler Strasse, Kunde aufnehmen, in die Lindwurmstrasse fahren und schnell, schnell zurück zum Bahnhof, ich will mit meinem Fernglas weitermachen. Am Bahnhof angekommen, wieder hinten angestellt, Karton geholt … Kommt eine Gruppe mit fünf Personen. Sie brauchen einen Bus. Dann eine Vorbestellung, ich komme nicht dazu mein Fernglas in die hand zu nehmen. Abends dann nach der Jagdschule mache ich noch einen Abstecher an unsere ESSO Tankstelle. Endlich, Endlich kann ich in Ruhe mein Fernglas auspacken und mich darüber freuen.




Ich habe dann das Glas an die Kollegen vor der Tankstelle weitergereicht. Jeder hat es ausprobiert und die Straße rauf und runter geschaut. Ich beobachte die Autofahrer, die ihre Autos tanken. Fast ausnahmslos jeder, der uns seltsam erscheinendes Grüppchen, das nachts um 23.oo Uhr mit einem Fernglas Löcher in die Luft stiert, entdeckt, dreht den Kopf nach links um auszumachen was wir da wohl interessantes zu sehen bekommen.


In der Dunkelheit kann ich gut den Lichtfleck an der Okularlinse erkennen. Er ist fast kreisrund – ein Zeichen für Qualität. Ich denke das Fernglas wird mir und manchen Kollegen noch Freude bereiten. Ich hab es ab jetzt immer dabei und in meine Taxiausstattung aufgenommen.

(Daß es das Fernglas über amazon noch günstiger gibt habe ich erst bemerkt, als ich die Anzeige einbaute. Das schmälert etwas meine Freude über das Schnäppchen. Die Kundenmeinungen sind allerdings gut.)

->Referenzen zu dem Fernglas


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Dienstag, 29. März 2011

myTaxi Ingolstädter Strasse

-> Kim hatte es als Erster. Wie bei den meisten technischen Neuheiten ist er vorne dran und zeigt uns am Taxistand sein neues App auf seinem iPhone. Er hatte es schon vor drei Wochen und war somit einer der ersten Taxifahrer in München, die über ein App bestellt werden konnten. Ich hab das ganze erstmal zeigen lassen. Im Internet war ich natürlich auch gleich auf der -> myTaxi Seite. Anfangs habe ich gezögert und wartete die ersten Berichte von Kim ab.
Eine Woche später frage ich ihn ob er schon Aufträge bekommen hätte. Hat er! „Die Fahrgäste sind begeistert“; berichtet er mir. „Die können dich auf ihrem Telefon beobachten wie du zu ihnen kommst.“ Er gibt mir gleich die Telefonnummer von einem myTaxi – Mitarbeiter. Das Büro ist gleich in der Nähe, in der Erzgießereistrasse 5. Ich telefoniere drei Tage später und bekomme einen Termin. Eine halbe Stunde vor dem Termin parke ich ums Eck bei dem Büro und telefoniere mit meinem Kollegen. Während des Telefonats erwähne ich, das ich gleich einen Vertrag mit myTaxi machen werde. Er will gleich dazukommen.


Eine halbe Stunde später sitzen wir im Büro in der Erzgießereistraße. Personalausweis, Bankverbindung und Taxischein haben wir dabei. Um was es geht wissen wir bereits. Voraussetzung ist ein Internetfähiges Handy mit Flatrate. Taxikunden haben sich ein App heruntergeladen und ihre persönlichen Daten und ihre Telefonnummer hinterlegt. Die teilnehmenden Taxifahrer laden ebenfalls ein App herunter. Auch wir geben an ob wir Kreditkarten akzeptieren wollen, ob wir Besorgungen oder Transporte durchführen, die Sitzplätze und das Baujahr unserer Taxis … u.s.w.
Der Herr zeigt uns einen Auftrag. Dazu öffnet er auf einem iPad die Kunden App, und drückt nur auf eine Taste um ein Taxi zu bestellen. Auf dem iPhone das daneben liegt (das soll das Gerät im Taxi darstellen) geht der Auftrag ein. Es wird angezeigt wie weit der Kunde vom eigenen Standort entfernt ist. Wir nehmen den Testauftrag an. Jetzt erscheint auf dem Taxidisplay der Name und die Telefonnummer des Kunden. Auf dem Bildschirm öffnet sich ein Kartenausschnitt. Die Position des Kunden ist mit einem Piktogramm dargestellt. Etwas entfernt gibt es noch ein gelbes Piktogramm. Das soll der Taxifahrer sein. Das Taxi bewegt sich auf den Kunden zu. Der Kunde steigt ein. Der Taxifahrer bestätigt den Zustieg, der Name und die Telefonnummer des Kunden verschwinden.
Mit der Funktion Taxiradar kann ich als Taxifahrer auf einer Karte sehen wie viele an dem System angemeldete Taxis unterwegs sind. Die Position der Taxis wird angezeigt. Jeder kann sich so einen weniger dicht von freien Taxis besetzten Raum suchen.
Am nächsten Nachmittag kam dann schon meine Premiere. Ich stehe am Renaissance, angemeldet bei myTaxi. An dritter Position bekomme ich eine Anfrage aus 2,41 km Entfernung. Ich nehme den Auftrag an, die Kundin bestätigt. Auf dem Display meines iPhones erscheint neben dem Namen und der Telefonnummer der Kundin die Abholadresse; Ingolstädter Straße 44. Auf der Karte im Display kann ich die Kundin und mich als Piktogramm erkennen. Auf der Fahrt zu ihr kann ich beobachten wie sich mein gelbes Taxisymbol auf das schwarze Symbol der Kundin zu bewegt.
Ingolstädter Straße 44 ist ein großes Bürogebäude mit Läden im Erdgeschoß. Davor ein entsprechend großer Parkplatz. Das schwarze Symbol zeigt mir genau den Standort der Kundin. In dieser Situation ist das hilfreich. Die Kundin schaut interessiert auf ihr Display und bemerkt mich erst als ich direkt vor ihr stehe. Sie steigt ein, ich bestätige den Zustieg.
“Ich hab Sie die ganze Zeit schon gesehen.“ erklärt sie mir
“Ich Sie auch“. kann ich ihr antworten.
Ich gestehe, dass das mein erster myTaxi-Auftrag ist. Sie bringt einen mir neuen Aspekt aus der Sicht eines myTaxi Fahrgastes:
“Ich kann mit zwei Tastendrücken ein Taxi bestellen und muss mir keine Warteschleifen mehr anhören.“
Das ist noch ein weiteres Argument für dieses App, an das ich noch nicht gedacht hatte.


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Sonntag, 27. März 2011

Da bin ich wieder

Ich war ja gar nicht so weit weg – körperlich! Geistig war ich ganz in den Jagdgefilden. Es war so wie es uns unsere Ausbilder vorhergesagt hatten; erst schaut man sich die Jägerausbildung langsam an. Der Prüfungstermin ist ja noch so weit weg. Die ersten Berührungsängste werden überwunden. Die Jäger wollen ja erst einmal kennengelernt werden. Es gibt soviel Neues. Als ich früher durch den Wald ging, tat ich das taub und blind. Jetzt merke ich selbst als Anfänger schon, was es auf einen Hektar Wald zu entdecken gibt. Die Jäger, die ich kennengelernt habe sind mir durchwegs sympathisch. Es waren nicht die Jäger die ich vom Taxifahren kannte, die zum Großwildjagen nach Afrika fliegen. Für so manchen in unserem Kurs war es auch das erste Mal, dass sie eine Waffe in der Hand hielten. Kurzum, Alles ist so Neu und interessant. Dazwischen habe ich schon in den Lehrheften geblättert um mir eine grobe Übersicht über den Stoff zu verschaffen.


Plötzlich wurde mir bewusst wie nah der Prüfungstermin gerückt ist. Anfang Mai ist die schriftliche, Ende Mai die mündliche Prüfung. Anfang Juni folgt dann die praktische Prüfung; Waffenhandhabung und Schießen auf die Rehscheibe.
Es wurde höchste Zeit für mich zu lernen. Dabei habe ich meinen Blog und das Taxifahren vernachlässigt. Inzwischen mache ich zur Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung Übungsprüfungen im Internet. Dabei erreiche ich immer so um 85%. 75% brauche ich zum Bestehen. Den Fallenlehrgang und die „Kundige Person“ habe ich letzte Woche abgeschlossen. Beim Schießen bin ich mit der Flinte und dem laufenden Keiler fertig. Jetzt bin ich einigermaßen beruhigt und kann mich wieder mehr meinem Blog widmen. Zur Zeit bin ich oft wegen der Jagdausbildung eingespannt.


Ein großer Teil der Jungjägerausbildung ist im Jagdmuseum, einer säkularisierten Kirche mitten in der Münchener Fußgängerzone. Diese Woche zum Beispiel, hatte ich vier Termine. Am Mittwoch Waffentheorie, am Donnerstag Naturschutz, am Freitag Schießen und am Samstag Waldbau. Dabei noch mit dem Taxi eine Familie ernähren, lässt es schon ganz schön eng werden. Ich bin meiner Frau für die Geduld die sie mir entgegenbringt mehr als Dankbar. Wenn ich dann im Sommer die Prüfung bestanden habe, was ich hoffe, kann ich mich wieder ganz dem Geschäft zuwenden. Jetzt aber habe ich den Kopf noch nicht frei – trotzdem werde ich versuchen neben Wald, Jagdschule und Schießplatz meinen Blog mehr als in den letzten Monaten zu füttern.



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Samstag, 19. März 2011

Trinkgeld: Ansichtskarten aus der Ukraine

Von einer Familie aus der Ukraine bekomme im Taxi ich ein kleines Päckchen geschenkt. Die Größe und die Aufschrift erinnern mich an die ->Schokolade aus Russland. Aber für Schokolade ist es zu leicht. Kaum sind die Gäste außer Sichtweite, reiße ich den Klebestreifen auf. Elf Ansichtskarten purzeln heraus. Allesamt mit Motiven aus Kiew. Es wird wohl die Heimatstadt meiner Reisenden sein.
Viele der Bilder zeigen Kirchen und Klöster. Die Andreas-Kirche, die Kyril-Kirche sogar eine Kathedrale ist dabei. Die Sankt-Sophien-Kathedrale.
Weltliche Motive fehlen auch nicht. Ich kann das Reiterstandbild von Bogdan Chmelnitskij im Dämmerlicht bieten. Das Goldene Tor mit einem Denkmal Jaroslaw des Weisen davor. Der Sophienplatz menschenleer, wobei ich mich frage wie sie das hinbekommen habe. Man sieht nur drei Autos am Straßenrand parken. Vielleicht mit einem Fotobearbeitungsprogramm. Und das Richard-Löwenherz-Schloss. Das weckt meine Neugierde. Was hat Richard Löwenherz der König und Kreuzritter aus England mit Kiew zu tun?




Gar nichts. Der Name kommt wohl von dem englisch-neugotischen Baustil in dem das Haus 1900 bis 1902 an dem steilen Andreevskiy Spusk für Orlov, einem ukrainischem Kaufmann, erbaut wurde. Die Wohnungen in dem Haus waren während der Zeit der Sowjetunion sehr beliebt. Der Ausblick und die Lage müssen hinreißend sein. Auf meiner Ansichtskarte schaut das Haus mit den spitzen Türmchen weit über die anderen Häuser hinaus. Eingebetet in einer schönen Gegend mit viel grünen Bäumen im Hintergrund die Sankt-Sophien-Kathedrale.
Eine Urban Legend zu dem Haus gibt es auch. Die Bauarbeiter waren nicht zufrieden wie sie behandelt wurden. Sie bliesen ein Hühnerei aus und steckten das hohle Ei in den Kamin. Wenn der Wind durch denn Kamin blies, erzeugte das Loch in dem Ei ein Wimmern und Heulen. Die Bewohner des Hauses vermuteten Geister. Die Zeugen die hinzugezogen worden, konnten die gespenstischen Geräusche bestätigen. Schon hieß es; in dem Haus spukt es. Bis schließlich das ausgeblasene Ei gefunden wurde und dem Spuk ein Ende bereitete.
Selten hat mich das Geschenk eines Fahrgastes so lange beschäftigt. Ich ließ mich für eine halbe Stunde an den Dnepr entführen.
“Спасибі“ liebe Fahrgäste aus München, Partnerstadt der Stadt Kiew, die Ansichtskarten werde ich noch diesen Monat verschicken.

Trinkgeld:-> Zigaretten aus Griechenland

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