Montag, 4. April 2011

Tuchfühlung

Nach dem ->Stofffrühling 2009 und -> 2010 war das jetzt mein dritter Stofffrühling. Bis zu 38 Großraumtaxis fahren während der Stoffmesse auf einer Linie durch München. Bei den verschiedenen Showrooms der Stoffhersteller wird kurz angehalten um neue Gäste aus und einsteigen zu lassen.
Die eingesetzten Taxis werden für die Zeit der Messe mit dem Logo des Stoffrühligs gebrandet. Dieses Jahr, so finde ich, hat ein findiger Kopf das Thema Stoff und München gelungen umgesetzt. Auf einem Stoff sind erkennbar die Türme der Münchener Frauenkirche eingestickt. Ein persischer Kollege hatte beim Aufkleben der 1,5 m breiten und 40 cm hohen Aufkleber einen praktischen Weg gefunden. Beim meinem ersten Stofffrühling hatte ich die Aufkleber nur auf die Schnelle auf die Türen meines Taxis geklebt, deswegen flatterten die Enden schon nach dem ersten Tag im Fahrtwind. Beim zweiten Stofffrühling gab ich mir mehr Mühe. Auf dem, nach dem Waschen, noch feuchten Taxi brachte ich die Folie stückchenweise auf und schob die Luftblasen an den Rand, wo sie sich auflösten. Beim Abziehen dann, riss ich mit der Folie gleich ein kleines Stück vom Lack ab.




Wir befolgen den Rat des Kollegen. Zwei nehmen den Aufkleber an den vier Enden, spannen die Fläche, und auf Drei wird der Aufkleber in einem Stück auf das Taxi geklebt. Das ergibt erstaunlich wenig Blasen. Selbst nach dem dritten Tag blieb die Folie noch ahnsehnlich, nur 5mm am Rand standen etwas ab.
Die Fahrzeuge wurden wieder aufgeteilt und wie in den Jahren zuvor fährt eine Hälfte die Ringlinie zwischen den Showrooms im Uhrzeigersinn und die andere Hälfte gegen den Uhrzeigersinn. Die Besucher haben ausführliche Pläne, auf denen in einem Stadtplanausschnitt die Route rot eingezeichnet ist. Die Adressen der einzelnen Showrooms sind mit Nummern gekennzeichnet. In einer Liste neben dem Plan sind die Nummern mit den Namen der Aussteller bezeichnet. Das Problem, das wir schon letztes Jahr besprochen hatten, war heuer wieder nicht gelöst. Wir hatten Ausdrucke (DINA 4) mit unserer Liniennummer. Uhrzeigersinn: Linie 1. Entgegen dem Uhrzeigersinn: Linie 2. Was fehlte war die Beschreibung der Linien auf dem Plan. Das sorgte für Verwirrung. Die Pfeile auf dem Plan hätten mit der Liniennummer bezeichnet werden sollen. Das hätte es für viele der Besucher einfacher gemacht.
Der Besucher fragt:“In welche Richtung fahren Sie?“
Welche Antwort sorgt jetzt für Klarheit?
“Linie 1“; wenn nicht ersichtlich ist welche die Linie 1 oder 2 ist.
“Im Uhrzeigersinn“; damit haben viele Besucher ihre Probleme.
Es bleibt uns nichts anderes übrig als die Shoowrooms die an den nächsten vier bis fünf Haltestellen liegen aufzuzählen.
Ich stehe mit meinem Linie 2 Schildchen an der Ottostrasse und bete herunter: „Ich fahre zu Dedar, Création Baumann, (bei der nächsten Halestelle gibt es gleich vier Showrooms) Houlés, Leliévre, Nya Nordiska, C&C Milano, … „
Dazu kommen noch die Gäste die meine 2 hinter der Windschutzscheibe sehen und nicht ganz zu Unrecht glauben ich würde zu Pierre Frey in die Augustenstrasse fahren. In dem Plan ist Pierre Frey mit der 2 gekennzeichnet.
Eine Lösung wäre; die Showrooms behalten ihre Nummern, die Linien bekommen Buchstaben A oder B. Die Linien die in den Plan eingezeichnet sind werden dann ebenfalls mit A oder B gekennzeichnet. Das würde für Klarheit sorgen.
Am Freitag war der längste Tag. Von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr unterwegs. Die letzten neun Stunden zwischen den Adressen, die ich während des vergangenen Jahres vergessen hatte. Das Funkgerät läuft pausenlos und erfordert ständig Aufmerksamkeit. Am ersten Tag musste ich bei den zahlreichen Auskünften erst selbst den Plan zu rate ziehen. Der dichte Verkehr am Freitag nachmittag. Ich muss gestehen; am Abend war ich ganz schön geschafft.

Der ständig knarzende Sprechfunk erinnert mich an meine Nachtfahrerjahre.
Während der letzten Tage, der Verkehr wurde weniger, den Plan kannte ich zum großen Teil auswendig, wurde die Fahrerei entspannter. Meine Ausführungen über die Sehenswürdigkeiten, die wir passierten wurden zum Teil mit Trinkgeld honoriert.
Eine Ausstellerin hatte zwei bunte Buttons an ihr Revers geheftet. Ich kneife die Augen zusammen um die Schrift zu erkennen. Tuchfühler steht darauf - wie passend! Ich lasse mich gleich zur Post – Überschrift inspirieren.
Ich frage meine Mitfahrer: “ Morgen erwarte ich eine arabische Familie. Sie wollen sich in München eine Wohnung kaufen. Wenn die jetzt ihre neue Wohnung ausstatten lassen wollen, kann ich die gleich zu den gleichen Adressen bringen, die wir jetzt anfahren?“
Ich konnte gar nicht so schnell schauen bis ich vier Visitenkarten von Raumausstattern und Innenarchitekten in der Hand hielt. Die Araber sind zwar heute nicht gekommen wie sie sich angekündigt haben. Ich bin aber trotzdem froh ein paar Adressen mit zugehörigen Gesichtern zu haben. Ich werde die Karten im Taxi lassen. Früher oder später …

Eine Besucherin erzählt mir, sie wäre heuer schon auf der Stoffmesse in Paris gewesen. Dort hätten sie seit zwei Jahren das gleiche System wie in München. Nach ihrer Aussage haben die das von den Münchenern abgekupfert. Das erste Jahr hätte es in Paris überhaupt nicht geklappt. In München hingegen wird es jedes Jahr perfekter. Das Lob gebe ich gerne weiter.
Jim Thompson in der Müllerstraße hat sich eine interessante Dekoration einfallen lassen. Ein Affe, natürlich aus dem ausgestellten Stoff geschneidert, klettert die Außenfassade hoch. Dabei hat er einen Geschirrstapel umgestoßen. Eine Tasse hält er noch in der Hand während er mit der anderen noch am Firmenschild baumelt. Die Scherben liegen auf dem Gehsteig vor dem Laden.




Für mich endete der diesjährige Stofffrühling gestern am unteren Anger vor JAB Anstoetz. Obwohl ich pünktlich bei der Anmeldung war, waren für mich nur noch drei Tage frei. Die Stofffrühling – Aufkleber habe ich gestern Abend noch abgerissen. Der Lack des Taxis nahm keinen Schaden. Nächstes Jahr, so hoffe ich, bin ich wieder dabei.


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