Montag, 27. Juni 2011

Sprengstoffkommando

Auf dem Weg von der AGIP zum Modul A am Terminal 1 hält mich auf der Nordallee ein Pärchen auf. Sonst fahren wir nur im Pulk, wenn wir vom großen Speicher zum Modul gerufen werden, über die Nordallee. Diesmal aber habe ich entspannt an der Tankstelle auf die Landung meiner Maschine gewartet. Ich habe noch ein bisschen Zeit und frage die Beiden, wohin sie denn wollen. Sie wollen zur Aer Lingus. Schnell angerufen wo die Aer Lingus abfliegt. Terminal 1 Modul C verrät mir die Flugauskunft.
Meine Kunden kommen am Modul A an. Ich habe noch Zeit, fahre mit meinen Iren am A vorbei und lasse sie an ihrem Modul aussteigen. Ich muss wieder zurück. Dazu fahre ich zwischen dem Terminal 1 und den Parkhäusern ganz vor, drehe um und fahre dann zwischen den Parkhäusern (diesmal auf der anderen Seite) und dem Audi Zentrum zurück.
Dabei komme ich am Südtor vorbei. Das Südtor ist die Zufahrt zum Vorfeld. Ich hatte schon öfter des Vergnügen mit meinen Fahrgästen, wenn sie dazu berechtigt waren, durch dieses Tor zu fahren. Nach einem Anruf steht dort ein schwarzer Mercedes bereit. Der Mercedes mit dem gelben Blinklicht übernimmt auf dem Vorfeld die Führung. Der Gast wird dann an die Maschine gebracht und steigt dort direkt in die Linienmaschine. Selbstverständlich gibt es für die ganz Prominenten noch die General Aviation und den kleinen Flughafen in Oberschleißheim.
Am Samstag aber, als ich am Südtor vorbeifuhr, kommt aus dem Vorfeld durch das Tor ein weißer Lastwagen mit einem breiten grünen Streifen auf dem Kasten. Auf dem Streifen steht – Polizei - . Mit eingeschaltetem Blaulicht fährt der Laster hinter mir her. Ich biege links zum Terminal 1 ab. Ich weiche auf dem T1 Speicher aus und lasse den LKW vorfahren.
Der LKW fährt durch die Unterführung um an das Modul A zu kommen. Der große Polizeiwagen fährt durch die Schranke auf den Sonderparkplatz, an dem wir gewerbliche Abholer auch parken können. Mit meiner Karte öffne ich auch die Schranke und bleibe hinter dem blau blinkenden Laster stehen. Aus einer Seitentür springt ein Polizist in Zivil. Ich erkenne ihn an dem Schriftzug auf seiner Weste. Ich folge dem Beamten durch die Schiebetür in das Modul. Da ist schon eine weiß-rote Flatterleine durch das Modul gespannt. Der Polizist taucht unter der Polizeiabsperrung hindurch. An dem Informationsschalter steht einsam ein roter Kinderkoffer mit weißen Punkten. Ich muss zugeben ich bin schon neugierig was jetzt passiert. Der Polizist begutachtet kurz das Gepäckstück und verschwindet wieder in seinem Lastwagen.
Als er wieder zurückkommt, baut er hinter dem Koffer eine ca. 1,2 Meter hohe Stellwand auf. Vor dem Koffer platziert er ein Gerät, das wie eine kleine Filmkamera aussieht. Er und die uniformierten Beamten entfernen sich. 30 Augenpaare stieren auf die rote Leuchtdiode am Rücken der Kamera. Nach zwei Minuten klappt der Polizist die Stellwand wieder ein und verschwindet mit der Kamera im LKW.


Nach weiteren fünf Minuten kniet er vor dem Gepäckstück, einen Laptop hat er geöffnet vor sich auf den Boden gestellt. Wir stehen zu weit entfernt, können nicht erkennen was auf dem Display angezeigt wird. Vermutlich hat er den Koffer geröntgt.


Jetzt kommt noch sein Kollege mit einem Schäferhund dazu. Der Hund schnuppert nur kurz an den Reißverschlüssen des Koffers. Es scheint, dass seine feine Nase nichts Außergewöhnliches entdeckt hat. Der Sprengstoffexperte öffnet beherzt den Koffer. Er legt ein Stofftier zur Seite und wirft einen kurzen Blick auf den Inhalt des Koffers.
In diesem Augenblick geben die uniformierten Polizisten über ihre Sprechfunkgeräte Entwarnung und rollen die Polizeiabsperrung wieder auf.

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Samstag, 25. Juni 2011

Nicht alle



„Münchner Taxis sind alles cremefarbene Mercedes oder BMWs.“ : verspricht ein Prospekt der in den Lounges den Hotels unserer Stadt ausliegt.
Alle? Wirklich alle? Ich mache mich auf die Suche nach mindestens drei Taxis in der vordersten Position an einem Taxistand die weder Fahrzeuge der Marken BMW oder Mercedes sind. Meinen Fotoparat habe ich immer knipsbereit im Türenfach. Zugegeben ich brauchte schon 14 Tage bis ich drei passende Taxis vor die Linse bekam.
Fast hätte ich es am Bahnhof Nord geschafft. Ich fahre an den Taxistand. Der Kollege mit dem Toyota deutetet mir an das er Letzter sei. Ich komme also auf ihn. Dem Kollegen, der hinter mir kommt, wiederum zeige ich an, dass ich für ihn der Letzte bin. An der Nordseite des Bahnhofs stehen wir in vier Reihen nebeneinander. Das macht das Aufzeigen des jeweils Letzten nötig. Ihr könnt auch vorstellen was los ist, wenn ungeduldige Fahrgäste auf den Pulk wartender Taxis stürmen. Im Nu öffnen sich die Türen der Taxis die hinter dem bestiegenen stehen. Die nachfolgenden Fahrer versuchen eine Antwort auf die Frage:
“Kollege, wer ist dein Vordermann?“
zu erheischen. Mir ist es heute noch ein Rätsel, wie wir das am Riemer Flughafen, am Linien – Terminal hinbekommen haben. Dort standen wir in zehn! Reihen nebeneinander. Ich hab die Hupkonzerte neben dem Zaun am Rollfeld noch in meinen geistigen Ohren.
Der Kollege vor mir war also der Toyota. Mein Hintermann ein Opel. Ich war schon siegessicher. Ich musste nur noch warten bis wir alle geschlossen nach vorne rücken. Steht dann der Toyota in der ersten Position, ich dahinter, hinter mir der Opel, springe ich schnell raus, knipse und habe mein Bild im Kasten. So der Plan.
Bald sind wir vorne. Ich mache mich schon bereit, kommt eine Gruppe von sechs jungen Menschen auf mich zu und pickt mich aus der Reihe.. Ich sage meinem Hintermann noch wer mein Vordermann ist. Nachdem ich mich aus dem hellelfenbeinweißen Knäuel rangiert habe, bringe ich die Sechs nach Schwabing. Aus meinem Foto wird es diesmal nichts.


Diese Woche aber, am Kurfürstenstand, da stehen wir um uns in der Hitze etwas abzukühlen in der Durchfahrt zum Hinterhof. Mein Blick fällt auf den Standplatz, da stehen sie, drei Taxis hintereinander und kein Mercedes oder BMW ist dabei. Schnell zu meinem VW – Bus, Fotoapparat raus und knipsen.
Und gestern dann, wieder am Kurfürsten, die Taxis werden immer weniger, in der rechten Spur bin ich der Erste. Links drei passende Taxis, das Bild habe ich im Kasten. Jetzt habe ich uns, vier Taxis und kein Mercedes/BMW.



Kaum bin ich mit meinem Apparat wieder im Taxi, kommt auf die rechte Spur ein weiterer Kollege – ein Opel. Jetzt stehen wir da zu fünft!


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Donnerstag, 23. Juni 2011

Fronleichnam

Endlich Erlösung! Nach über einer Stunde des Wartens und Hoffens piepste mein Datenfunk. Ein Busauftrag zum Sealife im Olympiapark. Als Adresse war noch der Walter-Bathe-Weg angegeben. Rollstuhl war noch ein weiterer Zusatz. Den Walter-Bathe-Weg ist der leine Weg zwischen dem Olympia-Parkdeck (wo unser Taxistand ist) und dem Sealife.


Ich befürchtete, dass ich meine irrenden Fahrgäste im Olympiapark suchen muss. Ich wurde aber erhört; kaum erschien ich auf dem Parkdeck wurde ich von meinem Fahrgästen, die in einem Bushäuschen Zuflucht fanden, erkannt.
Fahrziel: Bennys Nudelbrett am Petersplatz. Ich konnte meine Fahrgäste gleich an meiner Erkenntnis teilhaben lassen, dass dort wo jetzt Berni´s Nudelbrett wartet, die erste Besiedelung Münchens war. Die Höhe des Petersbergels (kann man vom Viktualienmarkt erkennen) bot den Bauwerken der ersten Münchener Mönche Schutz vor den sumpfigen Auenwäldern an den Nebenarmen der Isar.
Vom Olympiapark fahre ich die Schleißheimer einwärts, links in die Schelling. Meine Gäste kommen aus Kärnten. Wir kommen auf den heutigen Feiertag zu sprechen. Ich erwähne, dass heute nur in Bayern Feiertag sei, weil das Land überwiegend von Katholiken bewohnt ist.
„Dann feiern wir ja als Evangelische heute eueren Feiertag.“
hörte ich es von hinten. Kärnten – evangelisch? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Beim nächsten Internetzugang will ich das feststellen. Von der Schelling biege ich nach rechts in die Arcisstraße ab. Nach dem Königsplatz wird aus der Arcisstraße die Katharina-von-Bora-Straße. Die Straße wurde erst im letzten Jahr umbenannt. Vorher hieß sie Hans-Meiser Straße (nach dem evangelischen Landesbischof). Den Nordbau-Fahrern ist die Katharina-von-Bora von den Bußgeldbescheiden bekannt. Seit der Umbenennung ist dort eine 30er Zone. Mancher Kollege musste deswegen schon einen Teil seiner Einnahmen überweisen. Ich kenne zumindest einen Taxikollegen, dem die Katharina-von-Bora vier Wochen Fahrverbot gekostet hat.
Meinen Gästen ist die Lutherin von Bora bekannt. Über den Stachus geht’s in die Herzogspital-, Altheimer Eck. Am Rindermarkt gebe ich die Geschichte von Karl Valentin und den Uhren an den Türmen des Alten Peter (schon wieder eine Kirche) zum Besten.
Jetzt sehe ich schon das Schild von Berni´s Nudelbrett. Ich kannte das Lokal bis jetzt noch nicht. Meine Fahrgäste sind zufrieden. Mir fällt auf, das das jetzt eine ziemlich religiöse Fahrt war – zudem will ich ja am nächsten Taxistand, Marienplatz oder Tal, nachschauen was die stärkste Religionsgemeinschaft in Kärnten ist.
Keine 50 Meter weiter komme ich auf den Marienplatz. Der ist jetzt ganz in den Kirchenfarben der Katholiken, weiß und gelb, geschmückt ist. Die Prozession ist heute Vormittag nach einem Gottesdienst von hier losgegangen. Reinhard Marx, das Oberhaupt der Katholiken in Freising und München, hat den drei Kilometer langen Umzug angeführt.


Als ich über den Platz komme ist die Abschlussversammlung schon vorbei.
Mir ist leider der Leib Christi und die Absperrung an der Ludwig- und Leopoldstraße entgangen.
Am Marienplatz war am Taxistand kein Platz mehr frei Im Tal kann ich mich noch hinten anstellen. Jetzt klappe ich meinen Laptop auf und schaue nach.
In Kärnten ist es wie in München. Die größte Religionsgemeinschaft sind die Katholiken (über 77 %) , dann die Evangelischen, gefolgt von den Muslimen. Auf Platz vier sind die Orthodoxen. Meine Fahrgäste waren dann wohl von den 10,3 % der Lutherischen in Kärnten.



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Sonntag, 19. Juni 2011

AusgEHECkt

Ehec – war das letzte Schwein, das durch den Ort getrieben wurde. Zuletzt war es die Schweinegrippe. Davor Dioxin, wiederum davor die Vogelgrippe, … angefangen hat es mit dem MCD, dem Rinderwahnsinn oder Creutzfeldt-Jakob wie es auch genannt wurde.
Seitdem werden wir mit steter Regelmäßigkeit von Viren, Seuchen, Epidemien, Pandemien gar, heimgesucht. Die Medien sind voll der Meldungen über die jeweils aktuelle Seuche. Zu dem Thema Ehec gab es zu jeder Stunde eine Meldung im Rundfunk. Das Robert-Koch-Institut bezichtigte zuerst Gurken aus Spanien als Überträger der Viren. Die Spanier liefern ihre Gurken nach ganz Europa. Warum trat der Erreger zuerst nur im Großraum Hamburg auf? Wären es die spanischen Gurken gewesen, hätte es auch Krankheitsfälle in Paris, Stockholm, Berlin, Manchester … geben müssen.

Das Robert-Koch-Institut kontert; eine Palette mit den spanischen Gurken wäre im Hamburg Großmarkt umgekippt und hätte neu sortiert werden müssen. Was das mit der Verbreitung des Virus zu tun hätte, kapiere ich nicht ganz.
Aber da kommt ja schon die Entwarnung. Es sind nicht die Gurken. Es sind die Tomaten.
Ein Fahrgast eröffnet das Thema. Ihm ist das Spiel zu bunt. Er mutmaßt: Welcher spanischer Gemüsehersteller, Großbauer oder gar ganze Region hat was angestellt um so abgestrafft zu werden? Ich freue mich; es werden immer mehr, die hinter die Meldungen blicken wollen.

Am Abend im Schützenverein, ein neuer Versuch die Hintergründe zu ergründen. Die Kombination Deutschland – Spanien bietet Zündstoff. Die Bankster brauchen Geld für ihr misslungenes Spanieninvestment. Nach dem Griechenlanddesaster machen sie sich unglaubwürdig, wenn sie schon wieder um Geld betteln. Ehec – Fälle sind seit 90 Jahren in Europa immer wieder nachgewiesen und bestätigt worden. Mit der aufgeblasenen Spanien – Deutschland Geschichte, könnte ein großer Geldtransfer in Richtung der Spanier als Entschädigung für den entgangenen Gewinn politisch gerechtfertig werden.
Inzwischen sind es wieder die Gurken, doch nicht die Tomaten.
Ich habe mir auch eine Theorie zurechtgelegt. Ein üblicher Verdächtiger in der BRD wenn es um den Erhalt von Steuergeldern in Millionenhöhe geht – die Pharmaindustrie. Ich erwarte täglich die Meldung, dass ein Serum entwickelt wurde. Die Bundesregierung kauft schon mal 20.000 oder mehr Einheiten ein. Da liege ich aber diesmal falsch, ich höre nichts davon.

Jetzt sind es weder Gurken noch Tomaten. Der Infektionsherd ist ein Restaurant mit dem Namen „Kartoffelkeller“.
Was mich positiv überrascht; immer mehr Leute denken nach. Die Nachrichten werden nicht mehr einfach so geschluckt.
Kartoffelkeller ist unschuldig. Es sind Sprossen.
Ein Gemüsegärtner in Niedersachsen ist das Zentrum. Der Betrieb ist im Focus der Presse. Die ganze Nation jagt den Erreger. BILD berichtet täglich von der Front.
Es sind nicht die Sprossen. Es ist das Saatgut!


Ehec – Erreger sind auf Sprossen aufgetaucht, die eine Familie selbst auf der Fensterbank gezogen hat. Der Erreger wir immer schwerer zu greifen.
Wir Taxifahrer, zumindest die, die ihr Gemüse im Taxistüberl in der Taxi München eG beziehen, sind sicher. Solange der Erreger nicht in Holland oder der Reichenau aufkreuzt.






Schließlich ist auch Ehec überstanden. Die Überlebenden liegen sich mit tränenfeuchten Augen in den Armen. Die 30 Todesopfer sind nicht umsonst gestorben. Das Robert-Koch-Institut hat seine Lektionen gelernt. Von nun an werden in Zukunft eilige Nachrichten nicht mehr mit der Post verschickt (Gäbe es ein Internet Emonicon für mehrfach-mit-der-flachen-Hand-auf-die-Stirn-schlagen, käme es hierher). In Zukunft wird man dort in solchen Fällen eine E-Mail nutzen.
Wenn ich bedenke wie viele Millionen uns dieses Institut kostet, wie viele Jahresgehälter an Unfähige verschwendet werden, kann ich mich nicht ganz davon befreien, dass wir nicht doch irgendwie vergurkt wurden.



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Freitag, 17. Juni 2011

1,2, und weg

Am Sonntag war es soweit. Die Aktion für den Verkauf -> meines Rucksacks auf ebay endet um 17.30 Uhr. Ich hatte für den Artikel 17 Beobachter, die den Artikel auf ihrer Beobachtungsliste eingetragen hatten. Das konnte spannend werden.


Ich habe eine Abholung am Flughafen. Die Maschine landet um 17.10 Uhr. Ich befürchte, dass ich meine erste Auktion gar nicht verfolgen kann. Als Käufer hat mich der in den letzten Sekunden nach oben schnellende Preis immer erschreckt. Aber als Verkäufer muss das ein besseres Gefühl sein. Um 16.00 Uhr fahre ich über die Maximilianstrasse, Richtung Flughafen. Die Neugierde lässt mich über mein iPhone auf die Gebote blicken. Der Preis steht jetzt bei 20,50 €.
Am Flughafen stehe ich vor der großen Anzeigetafel und beobachte gleichzeitig den Status des ankommenden Flugzeugs und die ebay – Plattform auf meinem Handy. Meine Telefon lädt nicht schnell genug. Ich kann nur einen Sprung des Preises nach Oben sehen. 17.31 Uhr. Die Auktion ist vorbei, der Preis steht bei 30,84 €. Jetzt gilt es nur noch den Eingang des Geldes zu erwarten und dann den Artikel zu verschicken. Auf meinem Konto geht der Kaufpreis nicht ein. Ich warte Tag um Tag. Gestern Abend checke ich noch an der AGIP Tankstelle meine e-Mails, bevor ich auf das Modul fahren muss. In einer E-Mail heißt es:
Sie haben die Paypal Zahlung von XXX noch nicht akzeptiert. …

Was Paypal? Der Kunde hat schon bezahlt? Leider kann ich mit dem Laptop nicht weitermachen, die Kunden warten. Aufgeregt bringe ich die Familie nach Hause. Sofort fahre ich selbst nach Hause. Das Paypal Konto macht mir Probleme. Wie war denn gleich noch das Passwort? Warum akzeptiert das Programm meine E-Mail nicht? Die kostenpflichtige Hotline funktioniert nur bis 19 Uhr. Endlich schaffe ich es auf mein Paypal-Konto. Ich ärgere mich, dass ich mich schon wieder irgendwo anmelden musste. Anstatt der erwarteten 30,84 € sind nur 29,55 € Guthaben auf dem Konto. Paypal hat sich die Gebühr gleich einbehalten.
Morgen, also heute am Freitag, geht die erste Fahrt mit meinem Kollegen ->Christian zum Tegernsee. Die Kunden erwarten uns um 7.30 Uhr. Die Rückfahrt ist um 19.00 Uhr veranschlagt. Dann ist Wochenende. Wann soll ich den meinen Kunden den Rucksack schicken? Ich will doch nicht bis Montag warten. Also nehme ich den Rucksack mit. Abends habe ich mir noch ein paar Adressen von Postfilialen rund um den Tegernsee aufnotiert.
Gleich nachdem wir die Kunden ausstiegen ließen und nach einem opulenten Frühstück fahren wir in die kleine Postfiliale in Tegernsee / Ort.


Ich kaufe eine passende Schachtel für 2,- €, verpacke den Rucksack, bezahle die 6,90 € Porto und schicke das Paket zu meinem ersten ebay – Kunden in die Nähe von Pirmasens (bei Mannheim). Tobias Tipp, dass ich über die ebay – Seite auf Hermes gehen kann, konnte ich aus Zeitnot nicht mehr beherzigen. Der hilfreichen Dame am Schalter erklären wir, dass wir extra aus München gekommen wären um hier in der Bergwelt unser Paket aufzugeben. Als wir in unsere vor der Filiale geparkten Bus-Taxis steigen, werden wir von zwei Mitarbeitern der Filiale durch den Türrahmen beobachtet. Ich glaube ich habe bei zumindest bei einer Dame ein leichtes ungläubiges Kopfschütteln beobachtet.


Ich habe mir gleich noch eine Preisliste der Deutschen Post / DHL mitgenommen. Eine Büchersendung bis 500 g würde nur 0,85 Cent kosten. Die Auktion zu dem ->passenden Buch, endet am Sonntag.
Mögen sich die Empfänger am Rucksack und an der frischen Bergluft im Paket erfreuen.



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Donnerstag, 16. Juni 2011

Es gibt, es gibt ...

An der Tankstelle gibt es neben Treibstoff noch Zeitungen. Vier überregionale Blätter, zwei lokale Tageszeitungen. Über 40 verschiedene Magazine mit Themen von Reisen, Auto, Mode, über Sex, Mode, Wohninterieur, Bastelanleitung, Mobiltelefone zu Computer, Software, Webdesign, Digitalfotografie, Politik und Sport.
Es gibt 20 verschiedene Biere in Dosen, zwölf verschiedene Weine, acht verschiedene Schnäpse und Weinbrände, kauft man ein Sixpack der Marke Becks gibt’s sogar eine aufblasbare Luftgitarre.
14 Limonaden in jeder nur erdenklichen Farbe, acht verschiedene Säfte, elf verschiedene Wasser; 4 aus Italien, 3 aus Frankreich …
Es gibt 50 verschieden Zigaretten, 24 Tabake, acht Zigarillos, sechs Zigarren.
Es gibt Schokoladentafeln in 18 verschiedenen Sorten, sieben verschiedene Schokoriegel, 27 verschiedene in Tüten abgepackte Bonbons (incl. Gummibären).
Es gibt Spielkarten, Landkarten, T-Shirts in allen Größen, frisch gebackene Semmeln und Brezn (woanders gibt’s dafür Brötchen oder Rundstücke), Duftbäume in 14 verschiedenen Düften, Joghurt in sechs Geschmacksrichtungen, Die ganze Langnese Palette an Speiseeis, vier Autopolituren, Käse und Wurst abgepackt im Kühlregal.
Es gibt Latte Machiatto, Espresso, Espresso Machiatto, Capucino, Kaffee, im Haferl (woanders gibt’s den auch im großen Becher oder Pott).
Wenn es das Glück gut meint, erwischt man gerade die italiensche Woche, dann gibt’s zehn verschiedene Hartweizenpasta, sechs Fertigsaucen, vier Pesti und Antipasti im Glas.

Dazwischen steht ein Taxifahrer mit einem Notizzettel. Vor der Tür ein Taxi mit abgeschraubtem Rücklicht. Vor dem Notizzettel hatte der Taxifahrer ein durchgebranntes Glühlämpchen in der Hand.
Das ist es was es nicht gibt. Ein Glühlämpchen, 12V 21W, welches in 80 von 100 Autos eingeschraubt ist, und dort auch durchbrennt.



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Mittwoch, 15. Juni 2011

Beispiel Wörgl

Eine Taxifahrt von München nach Kitzbühl kommt schon mal vor. Man kann gleich nach der Grenze bei der Ausfahrt Kufstein Süd die Inntal-Autobahn verlassen (dabei spart man sich das Pickerl), oder bei der Ausfahrt Wörgl. Wörgl? Auf Wörgl blickte Anfang der 30iger Jahre im letzten Jahrhundert die ganze Finanzwelt.
Der schwarze Freitag 1929. Die Börsenkurse schmieren ab. Die größte Weltwirtschaftskrise zieht ihre Kreise bis ins Tirolerische Inntal. Die Gemeinde Wörgl, 4300 Einwohner (1930), kann die Zinnslast ihrer Schulden, die sich auf 1.300.000 Schilling aufgelaufen haben, nicht mehr stemmen. Zuletzt musste der größte Arbeitgeber der Gemeinde, eine Papierfabrik, schließen. 400 Arbeitslose mehr – eine Katastrophe für Wörgl.


Michael Unterguggenberger, der damalige Bürgermeister, hat eine interessante Biographie. Sohn einer Bauernfamilie, Hilfsarbeiter, Soldat im I. Weltkrieg, Mechanikerlehre, Lokomotivführer, Mitglied der Sozialdemokraten, eifriger Leser und schließlich Bürgermeister. Konfrontiert mit den Finanzen in seiner Gemeinde, entsinnt er sich der Ideen des erfolgreichen deutsch-argentinischen Kaufmanns Silvio Gesell. Gesell untersuchte die Geldströme innerhalb der Marktwirtschaft und kam zunächst zu der Erkenntnis, dass Zinsen die Warenströme und die Produktivität behindern.
Unterguggenberger wagt ein Experiment. Zwei Jahre später war er einer der fünf bekanntesten Männer Österreichs. Er studierte fleißig Waren- und Geldkreisläufe, sprach mit jedem Kaufmann in seiner Gemeinde und einzeln mit jedem Gemeinderat. 1932 war es soweit. Unterguggenberger gab das Wörgler Freigeld heraus. 32.000 Schilling in 5er, 10er und 100er Noten. Das Besondere an diesen Scheinen war; sie verfielen am Monatsende. Richtig – der Schein war wertlos.
Außer:
Rechts auf den Scheinen waren zwölf kleine leere Felder aufgedruckt. In der Gemeindeverwaltung gab es Wertmarken zu kaufen. Die Wertmarken waren etwa halb so groß wie eine Briefmarke und kosteten 1% des Nennwertes des Geldscheines auf die sie aufgeklebt wurden. Nur Geldscheine auf die die aktuelle Wertmarke aufgeklebt war, behielten ihren Wert. Was glaubt ihr passiert? Hut ab vor dem Mut Unterguggenbergers. Ich hätte, obwohl experimentierfreudig, in verantwortlicher Position niemals solch ein Unterfangen gewagt.

Rückseite eines Freigeldscheines:


Nachdem die Kaufleute zusagten das Freigeld zu akzeptieren, begann die Gemeinde ihre Angestellten damit auszuzahlen. Die Scheine mussten schnell ausgegeben werden. Niemand wollte sie zum Monatsende besitzen. Der Bäcker und der Bekleidungshändler hatten als erste Rekordumsätze. Auch bei ihnen brannte das Geld in der Kasse und wurde wieder ausgegeben. Zum Bedarf kam nun endlich die Nachfrage. Güter und Dienstleistungen wurden angeboten und umgesetzt. Die Steuern wurden im Voraus bezahlt. Die Geldmenge blieb konstant bei 32.000 Schilling. Kein Kontogeld, das nur auf Karteikarten existiert – nur Scheine. Die Gemeinde prosperierte, erste Bauvorhaben wurden in Auftrag gegeben, durchgeführt und mit Wörgl – Geld bezahlt. Das Geld drehte sich in sagenhafter Geschwindigkeit. Arbeiter wurden angestellt. Während die Arbeitslosenrate in Österreich stieg, sank die Arbeitslosenrate in Wörgl auf 15% (in der Depression!) Die Umsätze der Kaufleute stiegen. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Wertmarken wurden sofort wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Während im Inntal, wie im gesamten Europa, sich die Armut und Arbeitslosigkeit breitmachte, nannte man das was in Wörgl passierte das „Wunder von Wörgl“. Während die Nachbargemeinde kämpften ihre Einwohner zu ernähren, bauten die Wörgler Straßen, Tunnel ja sogar eine Skisprungschanze nahmen sie in Angriff. Spekulative Bereicherung war ausgeschlossen. Aus diesem System konnte keine Leistung herausgezogen werden.
Unterguggenberger hatte die Lösung gefunden. Er wird sogar in der amerikanischen Presse zitiert. In Wien hält er einen Vortrag vor 170 Bürgermeistern Tiroler Gemeinden.
Das Beispiel durfte nicht Schule machen. Wohlstand für Jeden, der Geldkreislauf begünstigt Alle? Das war zuviel. Die Österreichische Nationalbank intervenierte, nach dem Gesetz war nur sie berechtigt Geld herauszugeben. Obwohl die Bank, ähnlich wie heute, ihre Unfähigkeit in Theorie und Praxis zum Leidwesen einer ganzen Republik, bewiesen hatte, musste Michael Unterguggenberger nach 13 Monaten das Freigeld selbst wieder einziehen.


In Deutschland gab es zur gleichen Zeit ähnliche Modelle. So verdankte Schwanenkirchen seinen wirtschaftlichen Aufschwung der Wära-Tauschgesellschaft (die Scheine wurden dort auch mit 1%-Marken beklebt) .
Ich habe in letzter Zeit meine Taxifahrgäste die beruflich in irgendeiner Form mit Geld zu tun haben vorsichtig gefragt, ob sie das Beispiel Wörgl oder Silvio Gesell kennen. Silvio Gesell war bekannt, Wörgl schon wieder weniger. Bei der Brakteatenwährung, einem nicht zu übersehenden Geldsystem im Mittelalter, erntete ich meist lange Gesichter. Das ist schlimm! Waren doch einige meiner befragten Gäste in beratender Funktion tätig. Nach Gutenberg und Westerwelle sollte mich doch nichts mehr überraschen.


Die Brakteatenwährung, praktiziert im Mittelalter, war auch ein System bei dem der Wert des Geldes verfällt. Allerdings wurden keine Marken geklebt, sondern das Geld durch bischöflichen Erlass entwertet. Zugegeben, die Brakteaten waren nicht das einzige Geldsystem im Mittelalter, aber das weitaus Interessanteste. Wollte man Werte anlegen, tat man das in Kunst. In wirkliche Kunst. Die künstlerische Leistung musste bei möglichst vielen Menschen anerkannt sein, die Mehrheit musste die Kunst erkennen, schätzen und bereit sein bei Bedarf Werte entsprechender Leistung dafür zu bezahlen. Das führte zu einer Blüte der Kunst, besonders der Holzschnitzerei.
Diese Beispiele habe ich aus dem Buch Geld ohne Zinsen und Inflation von Margit Kennedy. Durch das Buch bin ich das erste Mal auf die Wörgl – Thematik gekommen. Die meisten Informationen über das Wörgl-Wunder habe ich mir aus dem Internet gefischt. Das Thema hat mich wegen der zeitlichen und räumlichen Nähe fasziniert.

Mein Exemplar des Buches hat eine ganzseitige Widmung des Mannes, der mir das Buch geschenkt hat. Das Preisschild auf der Rückseite des Umschlags weist neben den 8,-€ noch 16,- DM aus. Die Widmung ist mit Neujahr 2003 datiert. Hätte ich nach Wörgl-Manier die 8,-€ aufgehoben, hätte ich dafür, jeden Monat 1%, also 8,16 € in den 8 Jahren und 6 Monaten bezahlt.
Das Buch war für mich ein Augenöffner. Damals gelesen, ins Bücherregal gestellt und jetzt wegen der Brisanz des Griechenland Themas wieder hervorgekramt.
Zinsen bezahlt jeder. Auch wenn man glaubt keine Schulden zu haben. Zinskosten sind in den Preisen enthalten. Ihr findet sie in den Kalkulationen, sofern sie öffentlich sind, unter Kapitalverzinsung. Bei der Müllabfuhr ist das natürlich weniger (12%) als bei Wohnung (77%). Wenn wir denn Wasserhahn aufdrehen, zahlen wir für das Trinkwasser 34% Kapitalverzinsung.
Ganz aktuell befasst sich das ->Unterguggenberger-Institut in Wörgl mit Bitcoins. Eine neue Währung im Internet. Ein Fahrgast hat schon mal davon gesprochen und mich neugierig gemacht. Ich werde die neuen Bitcoins nicht aus den Augen verlieren, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meine letzte Fahrt als Taxifahrer über Wörgl nach Kitzbühl mit Euro bezahlt bekomme.



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Montag, 13. Juni 2011

Es war einmal vor 125 Jahren

Jetzt in diesen Minuten jährt sich der Mord an König Ludwig II zum 125. Mal. Ich bin kein Freund von nutzlosen Königen und Adelsbrut. Gründen sie ihren Reichtum und Einfluss auf Raub, Mord, Intrige und Totschlag.
Kommt es zu einem Konflikt zwischen den neuen und alten Machthabern. Zwischen Feudalismus und Bürgertum, so verliert das Alte zwangsläufig. Der König muss gehen – egal wie!
Ich habe versucht die letzten Gedanken des Königs zu erkunden:

Meine Maß Bier und meinen Arrak hab ich mir noch schmecken lassen. Essen musste ich unter den neugierigen Augen der Bediensteten und Guddens Tochter. Gudden selbst lässt sich nicht blicken. In der Küche stehen zwei Gendarmen. Sie kommen aus München. Heute Nachmittag in Starnberg angekommen. Sie unterhalten sich über die aufregende Zugfahrt. Den hiesigen trauen Sie wohl nicht. Die Münchener Bagage.

Ich ziehe mich auf mein Zimmer zurück. Zimmer – Zelle – Gefängnis. Vor meinem Fenster sind eiserne Rosenranken. So das ich nicht durchkrabbeln kann. Seit Jahr und Tag ham´s mich scho in da Reißn. Lassn ma koa Ruah. Die Münchener – immer nur Geld, Geld, Geld. Majestät wos kost des, wos kost des. Als wie wenn in hundert Jahr noch einer fragt wos des kost hat. Entweder des is schee oder net. Des zählt. Zum Irren wollt´s mich machen. Reicht´s net dass ich euch in München an Kaschperl gmacht hob. Morgen in der Früh bin ich beim Veit im Tirolerischen. Ich mag euch nimmer sehn und hörn.
Den Gudden habt´s mir angehängt. Psychater soll der sein. Hat mich zum Irren gmacht. Kennt mich gar nicht. Versteht mich gar nicht. Der passt zu euch!
Niemand versteht mich. Ich mag mei Ruah hom. Ich hau ab. Ich versteck mich wo mich koana findt.
Sinds uns draufgekommen, dass ich heut weg will? Heit Mittag war alles noch normal. Der Hack und die Gendarmen, ich habs schon gsegn. Hams uns verraten. Wär ja kein Wunder, man muaß sich schon fürchten vor an irren König. Wenn ich durchkum, kennts es vergessen euer Deutsches Reich. Alle die ihr mich betrogn habts - Hochverräter seits dann.
Da Zanders sagt, die sechs Gendarmen dadn nie schießen. Heut war viel Verkehr vorm Haus. Die zwei neuen Gendarmen in der Küch … .Der Eulenburg ist schon seit Freitag in Starnberg. Verrat?
Bin ich den irr, bloß weil mich keiner versteht? Allein sein will ich, nur allein. Lasst mich in Ruhe, mit euch Rechnern will ich nicht regiern! Träumen – des müssts mir überlassen. Ihr könnts ja ned mal denken. Was wollt ihr dann träumen? Ihr könnts ja grad rechen und glabts ihr seids gscheid.
Was schickt der Gudden die Gendarmen weg? Wo is der Zanders und der Hack? Verraten hams mich schon wieder. Aber noch bin ich da. Gudden bleib nur bei mir. Langsam gehen! Dreiviertel Sieben. So schaun als wenn nix wär. Noch langsamer! Auf die Bank da setz ma uns nieder! Ruderschläge – da Lidl, jetzt kummt er. Net niedersetzen. Laufen. Da Liedl, der junge treue Lidl. So dein Schaden net sei. Der hilft zu mir! Weg mit Schirm, Hut und Rock. Rei ins Wasser. Nur Weg von euch. Der See, der See auf dem bin ich frei. Schnell is er der Lidl. Lidl kum! Halt schon is er fast vorbei. Jetzt hab ich dich. Rauf auf den Kahn. Ich habs gschafft. Furt bin ich. Was war des? Jetzt hat´s mich erwischt. Das war jetzt a Büchsenschuss. Ich gspürs scho. Warm wird’s mir in der Brust. Des Herz schlagt sich so schwer. Von hinten. Gleich noch mal. Liedl, Boot, Wasser –das war´s. Ich hob jetz mei Ruah!




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Samstag, 11. Juni 2011

Einfahren

Ich werde in Aubing frei. Es ist der Freitag vor den Pfingstferien. Meine Frau und ich haben heute zwölf Flughafenfahrten. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Den ganzen Tag durch den Ferienstau in und um München. Ich habe genug. Die erste Fahrt war um 4.00 Uhr. Mein Wecker schreckt mich um 3.15 Uhr hoch. Außer zweimal 15 Minuten kurze Schlafpause auf dem Fahrersitz meines Taxis keine Pause. Ich sehne mich nach einer Erfrischung.
Ich erinnere mich an unsere kurzen Badepausen im Starnberger See. Genau das brauche ich jetzt. Schwimmen im klaren kalten Wasser, das Alpenpanorama vor den Augen. Ich rufe meinen Kollegen an. Er muss heute seine Stammkinder nicht fahren und wird in einer halben Stunde in Harlaching frei. Ich habe natürlich keine Badehose dabei, er auch nicht, aber es findet sich eine Lösung. Ich kaufe mir in Pasing eine Badehose und ein Handtuch. Ich fahre bei ihm zuhause vorbei, seine Frau gibt mir seine Badehose und Handtuch, wir treffen uns, düsen über die Autobahn nach Feldafing (am Starnberger See) , rennen über den Holzsteg, springen ins kühle Nass – Herrlich! Mir wird bewusst; wir arbeiten viel und opfern viel Zeit für die paar Kröten, aber eines muss ich unserem Job lassen, es gibt Freiheiten die sonst sehr teuer werden.
Jetzt muss schnell eine Badehose her. Der Kollege empfiehlt mir das neue Einkaufszentrum am Pasinger Bahnhof, die Pasing Arcaden. Ganz Pasing ist zur Zeit eine Baustelle. Besonders um den Bahnhof herum gibt es keine Parkplätze. Das Einkaufszentrum hat eine eigene Tiefgarage. Über der Schranke bei der Einfahrt hängt ein weiß-roter Querbalken Daneben ein Schild mit der Höhenangabe 2,00 Meter. Das ist nichts für mein VW – Bus Taxi. Selbst wenn ich Taxischild und Antenne abschraube ist die Garage für das Taxi zu niedrig. Ich versuche es auf der Rückseite des Bahnhofs und fahre weiter durch die Offenbach - Unterführung. Gleich hinter dem Taxistand August-Exter finde ich einen Parkplatz.
Ich gehe durch den Bahnhof zurück auf die andere (Vorder-)Seite. In der Unterführung unter den Gleisen sitzt ein indischer Zeitungsverkäufer hinter Zeitungsstapeln. Geschäftstüchtig hat er vor jedem Stapel eine Zeitung zerpflückt. So hat er anstelle einer Schlagzeile auf dem Titelblatt gleich vier. Auf einer aufgeschlagenen Seite erkenne ich ein Gesicht. Das Wort Taxler sticht mir auch gleich ins Auge.
„Ist das nicht der XXX!“


Ich überfliege den Text. Er ist es. Laut dem Artikel hat der Kollege die Parkzeit an einem gebührenpflichtigen Parkplatz um 20 Minuten überschritten. Für diese 20 Minuten will er die 5,-€ auf dem Strafzettel nicht bezahlen. Die Mahnungen und –gebühren ignoriert er. Jetzt hat er die Einladung zum Haftantritt.
Er ist nicht der erste, und wird auch nicht der letzte, Taxifahrer sein, der einen Tag Haft wegen einem Bußgeldbescheid, antritt. Ich kann hier einen kurzen Erlebnisbericht eines Kollegen wiedergeben, der diese Erfahrung regelmäßig macht.
Zum Haftantritt findet er sich am späten Morgen in der JVA Stadelheim in der Stadelheimer Straße ein. Insider nennen die Münchener JVA Sankt Adelheim (St. Adelheim). Dort wartet der erste Papierkram, Personenüberprüfung u.s.w… Dann warten, warten, warten auf den Schub. Der bringt den 24-Stunden Häftling von Giesing rüber nach Neuhausen in die Leonrodstraße in die Freigängerabteilung der JVA. Dort angekommen ist erstmal Mittagessen angesagt. Nach dem Essen wird er einem Arzt vorgeführt, der muss die Haftfähigkeit bescheinigen. Danach bekommt er Bettwäsche und Kleidung zugeteilt. Nach dem Ruhen auf der Zelle bis zum Abendessen kann er noch bis zum Einschlafen lesen. Nach dem Aufwachen gibt es Frühstück. Danach der Schub zurück zur Entlassung in der JVA Stadelheim. Die 24 Stunden, der Hafttag, ist vorbei. Ich weiß nicht was dem Land Bayern so ein Tag kostet. Aber bestimmt mehr als der Bußgeldbescheid mit Bearbeitungs- und Mahngebühren bringen würde.
Diese Art der Haft ist eine Erzwingungshaft. Mit dem Absitzen ist die Strafe nicht bezahlt. Erfahrungsgemäß wird aber nach der Haft von der weiteren Eintreibung des Bußgeldbescheids abgesehen.
Das sind keine eigenen Erfahrungen, nur Berichte. Ich bin schon gespannt was der Kollege in ein paar Tagen zu erzählen hat.


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Donnerstag, 9. Juni 2011

Ruhig Brauner, ruuuhig ...

Heuer läuft sie richtig gut. Die jährliche InterSolar – Messe für Solarenergie. Sehr viele Asiaten sind unter den Messebesuchern. Kaum geht das Geschäft, schalten manche Kollegen auf den Wiesnmodus, der da heißt:
- Ich bin Taxifahrer. Es ist Wiesn. Die Leute stehen am Straßenrand. Lasst´s mich vorbei. Lasst´s mich durch. Dort vorn winkt ein 20,- € Schein. Jetzt oder nie. In 16 Tagen bin ich reich. -
Vom Maximiliansplatz kommend will ich über den Lenbachplatz zum Bahnhof. Am Lenbachplatz kommt neben mir ein Taxi zu stehen. Von meinem etwas höheren Fenster kann ich genau die Hände des Fahrers erkennen. Gedankenverloren sehe ich die Hände und das Lenkrad meines Kollegens und Spurnachbars. Die rechte hand gleitet in die Mitte des Lenkrads und dann reißt mich ein
Tuut Tuuuut
aus meinen Tagträumen. In seiner Reihe vor ihm hat sich ein Fahrzeug falsch eingeordnet und will auf die richtige Spur wechseln. Die Ampel hat auf grün geschaltet. Wegen dem Wechselmanöver seines Vordermanns stockt seine Reihe. „So ein Ungeduldiger!“ denke ich mir und fahre über den Stachus. Auf der Elisenstraße wird er kurz zweimal ausgebremst. Als Antwort gab`s zweimal ein kleines
Tut .
An der Kreuzung Elisen-/Dachauerstraße biegen wir links ab. Mir wird klar; er will zum Bahnhof und er kennt die kleine Abkürzung über die Hirtenstraße. Das Abbiegen geht ihm nicht schnell genug. Ich höre:
Tuut Tuuuut
Ich überschlage wie oft er während der letzten 300 Meter auf die Hupe gedrückt hat und stelle mir vor welches Nervenbündel da hinter dem Steuer sitzt. Beim Abbiegen von der Dachauer Straße in die enge Hirtenstraße hat sich ein großer weißer LKW verrangiert. Der arme LKW Fahrer muss sein Gefährt unter hin- und herfahren wieder auf die Straße bringen. Hinter mir höre ich:
Tuut Tuuuut Tuut Tut Tuut Tuuuut
Mein Urteil steht fest; ein Narrischer! Der LKW kommt weiter. Wir können passieren. Über die Pfeffer-, Arnulfsstraße kommen wir auf den Taxistandplatz Bahnhof Nord. Entgegen der Gewohnheit der letzten Wochen ist der Standplatz leer. Dort wo sonst über 30 Taxis stehen sieht man jetzt nur das Pflaster. Neben dem Taxistand stehen schon die wartenden Gäste.


Ich bleibe hinten am Taxistandplatz stehen um den Drängler vorzulassen. (Das Taxi auf dem Bild ist nicht das Taxi von dem ich geschrieben habe) Ruck zuck saß schon ein Gast in seinen Taxi. Am Bahnhofsplatz ist zur Zeit eine Baustelle. Von der Arnulfstraße kann man nicht recht auf den Bahnhofsplatz abbiegen. Der Verkehr staut sich gleich nach dem Taxistand. Als mein Fahrgast einsteigt höre ich es von der Arnulfstrasse:
Tuut Tuuuut
Ich weiß nicht wo er hinfährt, ich fahre zur InterSolar. 25,70 € bringt mir das. Sein Gehupe war der Einstieg zu einem launigen Gespräch. Das hat mir dann noch ein schönes Trinkgeld von 4,30 € beschert.



An der Messe gab es gestern ähnliche Szenarien. Gleich an der Kreuzung An der Point / Autobahnzufahrt kann man sehen wozu diese Hektik führt.


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Mittwoch, 8. Juni 2011

Rucksack hat die Nase vorn

Vor ein paar Monaten habe ich leider erfolglos versucht über das Internet einen Dollar zu verdienen. Ich nutzte die ebay – Plattform zum ersten Mal als Verkäufer. Verkaufen wollte ich was leicht zu verschicken und günstig ist.
Meine Wahl viel auf die Prämienheftchen, die man an der Tankstelle bekommt und in die man nach jedem Tanken mit Marken einklebt. Davon haben wir Taxifahrer genug. -> Ich stellte als so ein vollgeklebtes Heftchen ein. Großmundig pries ich es als “.. ideal für ebay –Wiederverkäufer …“ an. Der Erwerber hätte sich an jeder teilnehmenden Tankstelle vergünstigt einen Koffer oder eine Tasche seiner Wahl kaufen können. Es kam aber nicht mal zu einem Gebot. Außer Spesen nichts gewesen.


Diesmal aber gehe ich einen Schritt weiter. Ich hatte mir damals genau nach diesem System einen Völkl – Rucksack bei einer Tankstelle erstanden. Der Trecking – Rucksack liegt schon seit über einem Jahr ungebraucht im Keller. Für die Jagd ist er zu laut und auffällig. Der muß weg und zwar über ebay. Ich habe mich vorher informiert. Solche Tankstellenprämienrucksäcke gibt es zuhauf. Sie gehen für einen Preis so um die 30,- € über den Tisch, oder in diesem Fall über den Postschalter. Also den weißen Esstisch freigeräumt, den Rucksack platziert und abfotografiert. Drei Fotos müssen reichen. Bei dem Text schaue ich mir was von den Profis ab. Es ist ganz einfach, man wird durch ein Menü geführt. Hier die Bilder, dort den Text hochladen. Mit der Zeit könnte ich schon Routine entwickeln.
>->Jetzt steht der Rucksack nach zwei Geboten bei 14,50 € (wenn ihr draufklickt sind die Gebote hoffentlich schon gestiegen) Im Geschäft würde der Rucksack 59,90 € kosten. Mein Angebot ist innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Ich hoffe auf einen Preis so um die 30,- €. Bei Adsense und bei zanox habe ich die Auszahlungsgrenze noch nicht erreicht. Der Rucksack liegt also gut im Rennen um den ersten Dollar aus dem Netz!




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Dienstag, 7. Juni 2011

Kleinlaut ..

… sitze ich im Taxi. Heute Vormittag bin ich durch die praktische Jägerprüfung gefallen. Bei der Waffenhandhabung. Ausgerechnet mit der Waffe, bei der ich die meiste Gelegenheit zum Üben hatte, der Walther PPK.
Ich war bei der Gruppe der ersten Sechs heute Morgen um 8.00 Uhr am Schießstand in Unterdill. Wir bekamen die letzten gutgemeinten Hinweise und Namensaufkleber. Die ersten beiden Kandidaten waren schon bei der Waffenhandhabung.
Ich melde mich als Dritter. Da habe ich es schnell hinter mir, denke ich mir noch. Aufgeregt waren wir schon als wir unsere letzten Informationen zum Prüfungsablauf bekommen. Doch jetzt als ich hinter dem Prüfer zum Prüfungsraum, einer Küche, gehe wird es mir schon seltsam warm im Bauch. Auf dem Küchentisch sind eine Pistole, ein Revolver, ein Drilling, eine Bockflinte, ein moderner Repetierer, ein Repetierer System 98 und ein Bockbüchsflinte ausgelegt. Dazwischen leere Schrotpatronen und Übungsmunition.
Der Prüfer schildert mir einen Sachverhalt.
“Sie bekommen einen Drilling und wollen damit auf die Jagd gehen Was ist zu tun?“
Ich erkundige mich nach der sicheren Richtung, in der ich während der Handhabung den Lauf der jeweiligen Waffe halten kann. Ich sichere den Drilling. Entsteche den französischen Stecher. Breche die Waffe und blicke durch die Läufe des Laufbündels. In allen drei Patronenlagern stecken zwei Schrotpatronen und eine Übungspatrone. Ich entnehme die Patronen. Bevor ich neu lade, vergleiche ich die Kaliberangaben auf dem Patronenlager mit den Angaben auf der Munition. Es passt. Ich stehe mit der geladenen Waffe im Jagdanschlag in der Küche.
Jetzt soll ein Fuchs auf 35 Meter kommen. Ich schieße mit dem linken Schrotlauf. Das imaginäre Reh erlege ich mit dem eingestochenen Kugellauf. Ich darf die Waffe ablegen.
Als Nächstes werde ich auf eine Treibjagd eingeladen. Ich soll die Flinte aufnehmen. Das gleich Spiel wieder, die Sicherheitsüberprüfung – Waffe gesichert, entstochen (die Flinte hat keinen Stecher, ich erwähne aber das Entstechen, weil es wesentlich zur Sicherheitsüberprüfung gehört.), durch die Läufe geschaut und bevor die Patronen geladen werden, die Angaben auf dem Patronenlager und dem Hülsenboden vergleichen. Ein Hase wechselt vom Küchentisch auf unsere Schützenreihe zu. Er durchläuft die Reihe. Ich soll hinterherschießen. Wie gelernt strecke ich den Lauf der Flinte in die Luft, drehe mich, und lege auf den Hasen an. Beim Zurückschwenken verfahre ich genauso, um niemanden in der fiktiven Schützenreihe zu gefährden.
Ich werde zur Reh-, Rot-, oder Gamswildjagd eingeladen. Welches Gewehr ich den wohl dazu nehmen werde? Keine Frage; den Repetierer, ich nehme den System 98. Bei der Sicherheitskontrolle muss ich diesmal den Verschluß entfernen. Nach der Klaiberkontrolle lade ich die Waffe von oben über das Verschlußfenster ins Magazin. Von dort repetiere ich die erste Patrone in das Patronenlager. Ziele, und nach dem Spruch:
„Hintergrund frei, Kugelfang vorhanden.“
drücke ich ab, sofort repetiere ich nach um noch einen für einen weiteren Schuß bereit zu sein. Kommt keine Ansage, sichere ich die Waffe und gehe in den Jagdanschlag.
Bei den Kurzwaffen beginne ich mit dem Revolver. Es ist nicht das Model mit dem wir trainiert haben, aber auch ein .38 Spezial. Auch hier klappt alles. Sicherheitsüberprüfung. Die einzige Ausnahme, bei der ich von vorne durch den Lauf auf meinen Fingernagel blicke. Gerade noch rechtzeitig erinnere ich mich an die Kaliberkontrolle. Bei der Frage in welche Richtung sich die Trommel dreht, muss ich überlegen. Es gibt den Grundsatz, daß sich die Trommel immer rechts herum, im Uhrzeigersinn, dreht, außer bei Smith & Wesson - Revolvern, dort dreht sich das Patronenlager entgegen dem Uhrzeigersinn. Verlässlicher ist es, die Drehrichtung an den Kerben der Trommelaußenseite abzulesen.
Und dann kommt sie, die Walther PPK. Da lieg sie - gesichert. Mit dieser Waffe habe ich am meisten geübt. Inzwischen ist das warme Gefühl in meinem Bauch zu einem Brennen in meinem Kopf geworden. Mein Mund ist trocken wie das Holz des alten Schießstandes. Ich fühle, der größte Teil der Prüfung ist vorbei. Die meisten Waffen hatte ich schon in der Hand.
Den Sicherungshebel kann ich klar sehen. Der rote Punkt ist verdeckt, der Hebel ist schräg nach hinten, deutlich gesichert – und was sage ich.
„Die Waffe ist entsichert. Die muss ich erst mal sichern!“
Dabei greife ich an den Sicherungshebel und entsichere die Waffe. Welcher Teufel hat mich da bloß geritten? Das ist ein Kategorie 1 – Fehler, der führt zum Durchfallen. So war es dann auch. Meine Schießkünste auf die Rehscheibe konnte ich gar nicht mehr zeigen. Der Prüfungsleiter gibt mir gleich ein Formular für die Anmeldung zur nächsten Prüfung in drei Monaten. Ich werde mich baldmöglichst in Landshut beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anmelden.



Soeben habe ich zufällig eine Kursteilnehmerin getroffen. Von ihr weiß ich, dass ich einer von Sechsen bin, der heute durchgefallen ist. Die -> Deutsche Waidmannsgilde wird auch ein kleines Fest für uns ausrichten. Aber erst in drei Monaten, wenn wir Nachzügler auch bestanden haben. Ein feiner Zug.


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Sonntag, 5. Juni 2011

Heute: Tanken

Das Bundeskartellamt hat im letzten Monat gegen die Preisabsprachen der fünf größten Mineralölkonzerne ermittelt. Das Statistische Bundesamt erhob diesbezüglich Daten, die auch für uns Taxifahrer interessant sind und uns einen kleinen Einblick in die Preispolitik an unseren Tankstellen gewähren.
Die Big Five (BP, Shell, Jet, ESSO, Total) setzen an unseren 14144 Tankstellen in Deutschland 70,5 % des gesamten Treibstoffverbrauchs ab. Den Spitzenplatz unter den Fünf teilt sich ziemlich ausgeglichen BP mit seiner Handelsmarke ARAL(23,5%) und (Shell 22,0%). Die Beiden geben auch den Ton bei den Preisen an. Zentral von Hamburg aus wird der Preis an den Tankstellen ohne das Zutun der Betreiber erhöht. Erhöht der Erste der beiden Riesen, zieht der Zweite innerhalb von drei Stunden nach. Nach weiteren drei Stunden schlägt die Preiserhöhung auf die kleineren Drei,
Jet (10,0%), ESSO (7,5%) und Total (7,5%) durch.


Es gibt mehr Preissenkungen als Preiserhöhungen
Das stimmt. Aber, die zentral gesteuerte Preiserhöhung ist viel saftiger als die kleinen Preissenkungen. Der Tankstellenpächter will niedrige Preise. Er verdient einen festen Betrag pro verkauften Liter. Er beobachtet die Preise an seinen Nachbartankstellen. Ist eine von denen mit dem Preis um einen Cent nach unten gegangen, kann er nicht nach gutdünken nachziehen. Er muss seine Preissenkung bei der Zentrale beantragen. Die kann stattgeben oder nicht. Oder anstelle der beantragten Preissenkung um 2 Cent/Liter nur 1 Cent/Liter genehmigen. Anders als der Pächter sind die Mineralölkonzerne an hohen Preisen interessiert. Sie verdienen an der Marge.

Die Tankstellen/Mineralölkonzerne verdienen am teueren Sprit
Das stimmt. Aber, den meisten Gewinn macht der Tankstellenpächter mit dem Verkauf von Lebensmitteln und Getränken. Obwohl ihm vorgegeben wird wo er einkaufen muss. Der Anbieter für Shell z.b. ist Select, und nur der! Leckerland ist der zweite große Zwangslieferant für Tankstellenpächter. Die Waren sind dort teuerer als im Supermarkt. Deshalb sind oft die Produkte in den Tankstellen teuerer als anderswo. Kein Wunder! Liegt doch der Einkaufspreis für den Pächter über dem marktüblichen Verkaufspreis.
65 % des Geldes, das wir an der Tankstellenkasse abdrücken, gehen an den Staat. 46 % Energiesteuern wie die Mineralölsteuer plus die bekannten 19 % Umsatzsteuer ( die wir Taxifahrer allerdings als Vorsteuer mit unserer Umsatzsteuer verrechnen können) . Neben den weiteren Kosten, wie z.B. den Transportkosten bleibt etwa eine Marge von 6,5 – 7 %, die sich Mineralölgesellschaft und Pächter teilen. Die Kosten für den Betrieb der Tankstelle wie z.B. Lohnkosten für die Kassierer/innen werden davon noch abgezogen. Wie der Anteil am Gewinn und den Aufwendungen (Wartung der Tankanlagen,…) aufgeteilt wird ist Inhalt des Pachtvertrags zwischen dem Pächter und den Mineralölgesellschaften, die Eigentümer der Tankstellen sind.

Mittwochs tanken ist am billigsten
Das stimmt nicht mehr. Der günstige Mittwochssprit in unseren Köpfen war wohl das Wissen, dass der Sprit am Wochenende am teuersten ist. Also musste das Benzin am Gegenpol der Woche, am Mittwoch, am billigsten sein. Der teuere Wochenendsprit wird durch die neuesten Zahlen des Bundeskartellamtes nicht mehr bestätigt. Demnach ist der Sprit am Freitag am teuersten ( 1,425 €) und am Sonntag ( 1,372 €/Liter Benzin durchschnittlich 2010 ) am billigsten. Darum tanke ich heute!




Viele unserer Erkenntnisse an den Tankstellen haben sich bestätigt und behalten ihre Gültigkeit. Benzin ist am Anfang und Ende der Ferienzeiten am teuersten.
In einem Gebiet mit Tankkunden die gewerbemäßig Fahrzeuge halten ist der Preis ebenfalls etwas höher. Die Fahrer müssen dann den Sprit nicht selbst bezahlen. Der Preis ist dann weniger ein Kriterium an welcher Tankstelle getankt wird. Frankfurt am Main wird in diesem Fall als Beispiel zitiert.
Hingegen ist dort wo es noch freie Tankstellen gibt, der Sprit günstiger. Die Betreiber der freien Tankstellen haben in ihrer Preisgestaltung mehr Spielraum und sind schneller. Die nicht so flexiblen Pächter der Mineralölgesellschaft der Tankstellen in der Nachbarschaft drängen verstärkt auf Preissenkungen um konkurrenzfähig Sprit absetzen zu können.

Also wir sehen uns dann – nächsten Sonntag an der freien Tankstelle!



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Samstag, 4. Juni 2011

unbelievable

Gestern, Freitag, Brückentag zwischen dem Feiertag Christi Himmelfahrt und Wochenende. Ich stehe am Flughafen. Mir steigt ein Kunde aus Südafrika zu, Fahrziel; die Alois-Wolfmüller-Straße, nahe bei der Lilienthalallee in Freimann.
Das passt dacht ich mir. Ich bin schon seit 2.45 Uhr in der Frühe wach. Eine vorbestellte Fahrt zum Flughafen, dort wollte ich im Taxi noch eine Mütze Schlaf nehmen und eine Fahrt zurück in die Stadt schnappen. Ich kam nicht zur Ruhe. Kaum angekommen gönnte ich mir einen Kaffee, verratsche mich mit diesem und jenen. Als ich langsam an die Spitze der Reihe komme ändere ich meinen bisherigen Tagesplan. Also die Fahrt in die Stadt nehme ich mit, dann aber, ja dann gönne ich mir eine kurze Pause Zuhause, schlafe zwei Stunden bequem im Bett, fahre nach Unterdill unserem Prüfungsschießstand, von dort zu unserem Vereinsschießstand, ausklingen lasse ich dann den Tag mit meinen Schützenkameraden in einem Lokal in Oberschleißheim oder Dachau. So mein Plan. Und jetzt auch noch eine Fahrt nach Freimann – Punktlandung, fast direkt vor meine Haustüre.




In der Alois-Wolfmüller-Straße stehen wir vor verschlossenen Toren. Niemand ist da bei der BMW. Durch die großen Fenster können wir nur verwaiste Büros erkennen. Ich erkläre meinem Gast
“Gestern war Feiertag und morgen ist Wochenende. Viele arbeiten dann am Freitag nicht
um ein verlängertes Wochenende zu haben.

Mein südafrikanischer Gast ist noch ruhig. Er ist seit über 18 Jahren bei der BMW. Er hat eine E-Mail von einer Mitarbeiterin, die ihm zugesagt hat, dass er heute hier ein Fahrzeug bekommt. Und außerdem hat er ja in der E-Mail die Telefonnummer der Mitarbeiterin. Gäbe es Probleme, so könne er da jederzeit anrufen. Wir versuchen es bei der alten Zufahrt zur ehemaligen Auslieferung der BMW – Neufahrzeuge. Hier ist auch alles verrammelt. Die Schranken stehen waagerecht. Das Tor davor zugeschoben. Ich drücke eine Sprechanlage. Ein Sicherheitsmitarbeiter meldet sich. Er hat uns schon gesehen. Er lotst uns zu sich an seine Pforte. Mein Taxameter zeigt 50,10 €. Ich ahne schon, dass die Tour mit meinem südafrikanischen Gast hier noch nicht zu Ende ist. Der Sicherheitsmann bestätigt uns, was wir befürchteten. Niemand ist da. Zum Glück haben wir ja die Notfall Nummer in der E-Mail. Dort angerufen, kommt nach einer kurzen Musikeinspielung die Ansage …
“Hier ist die Mailbox von XXX. Leider bin ich nicht zu erreichen. Sie können mir nach dem Piep eine Nachricht… u.s.w. Der Sicherheitsmann findet in seinem System noch eine weitere Diensttelefonnummer der Dame. Am anderen Ende ist wieder nur ein Automat. Nur die Melodie der Musikeinspielung ist anders. Der Gast ist erschlagen von soviel Unprofessionalität, seine Geduld ist am Ende.
“Wir fahren zurück zum Flughafen! Ich will mir dort ein Auto leihen.“ war seine Ansage.
Fahren wir zum Flughafen, stelle ich mich wieder an, bin ich um meinen Schlaf und Schießstand in Unterdill gebracht – schießt es mir durch den Kopf. Also wieder zurück zum Flughafen.
Die deutsche Brückentagsproblematik findet er “unbelievable“ .
“The holiday was yesterday – the weekend is tomorrow!”

Er fährt dann vom Flughafen innerhalb von zwei Stunden zum dritten Mal über die A9 zurück nach München. Bei der Mietwagenfirma wird er einen AUDI bekommen. Er macht sich zurecht Gedanken, wie dass wohl bei seinen Geschäftspartnern ankommt. Ist er doch Mitarbeiter eines konkurrierenden Fahrzeugherstellers.
Tröstlich für mich waren die 49,30 € die jetzt wieder auf dem Taxameter aufgelaufen waren. In München hatte ich die erste Fahrt noch nicht kassiert. Dafür bekommt er jetzt die beiden Quittungen.

Mein Schlaf und Unterdill war gestorben, aber ich hatte innerhalb kürzester Zeit 100,-€ Umsatz. Wenn ich dann noch vom Flughafen zurück in die Stadt komme, hätte ich schon die vierte Fahrt. Besetzt raus – Besetzt rein, wieder besetzt raus und wieder besetzt rein.
Das hat aber dann doch nicht ganz hingehauen. Die Familie, die mich aus der Busreihe pickt will nach Erding. Die Fahrt ist kürzer, bringt „nur“ 32,- €. Das schlimmere aber, es geht in die falsche Richtung. Weg von meinem Bett und weg von meinen Schießständen.



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Freitag, 3. Juni 2011

"Kacke gucken"

… war die launige Antwort auf die Frage wohin er jetzt gehe. Üblicherweise kämen solche Worte nicht aus dem Mund eines Gstudierten, aber in den letzten Wochen war unser Handeln sowieso nicht mehr normal.
Wie kommt es, dass sich 15 Erwachsene Frauen und Männer um einen Haufen verschiedenster Sch… scharen. Das schlimme Wort ist auch nicht ganz korrekt. Es handelt sich um Losung, Gestüber und Gewölle. Geschmeiß würde thematisch noch dazupassen, war aber nicht dabei. Die Exponate sind getrocknet und mit Klarlack versiegelt, hygienisch und absolut geruchsfrei. Verstaut in einer umfunktionierten Schraubenbox aus durchsichtigem Kunststoff – unserem Losungskasten. Seit wir wissen, dass dieser Kasten aus dem Lehrzimmer der Waidmannsgilde in Grasbrunn zur Prüfung nach Feldkirchen gebracht wird, ist das unsere Beschäftigung während der letzten Minuten, bevor der Unterricht beginnt.
Ich und manch anderer Jagdschüler haben den Kasten gleich fotografiert. Auf einem großen Foto sind die einzelnen Stücke im Detail nicht mehr zu erkennen und jedes Stück einzeln mit Benennung zu fotografieren ist mir zu umständlich. Also versuche ich, wie die anderen, an jeder Losung ein unverwechselbares Merkmal zu finden. Die Tannennadeln in der Losung des Auerhans, die Näpfchen und Zäpfchen in der Losung des Rotwilds, die unterschiedliche Konsistenz der Sommer- und Winterlosung des Rehwildes, die kleinen Knöchelchen im Gewölle der Eulen, …



Und es hat sich gelohnt. Nachdem ich in dem Prüfungsfach Jagdliche Praxis den Gipsabdruck eines Schwarzwildtrittsiegels vorgelegt bekam, lag plötzlich unser Losungskasten vor meiner Nase. Die Beschriftung konnte ich selbstverständlich nicht sehen. Ich sollte die Schwarzwildlosung erkennen. Ich konnte sofort auf den richtigen Haufen zeigen und fuhr gleich fort:
“Und das ist der Auerhahn, das ist das Rehwild im Sommer, das im Winter, das ist Rotwild…“
“Halt genug!“ unterbricht mich der Prüfer, “Sovui Zeit ham mer net.“
Schade, ich wäre gerne noch bei dem Scheißthema geblieben.



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Donnerstag, 2. Juni 2011

Geschenk zum Vatertag



Das war eine schöne Überraschung heute Morgen. Da bekam ich von meiner Tochter Sarah zum Vatertag neun kleine Schmunzelsteine. Verpackt waren die in einer selbstgebastelten Tüte. Die passende Geschichte von den Zwergen in dem verwunschenen Dorf, die sich gegenseitig mit Schmunzelsteinen beschenkten, um die Stimmung nicht ganz absacken zu lassen, wurde auch gleich mitgeliefert. Ein Schmunzelstein wird wohl einen Platz in meinem Taxi finden.


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Mittwoch, 1. Juni 2011

Am Rand

Entgegen meiner Gewohnheit stelle ich mich an „meinen“ Taxistand Sudetendeutscher, keine 50 Meter vor meiner Haustüre neben der Ingolstädter Straße. Es sind noch fünf Taxis vor mir – egal ich starte als Sechster. Unerwartet schnell löst sich die Reihe vor mir auf. Nach schon 45 Minuten bin ich Erster. Mein Datenfunk fiept. In der Anzeige steht -HANDYAUFTRAG-, ich habe 30 Sekunden Zeit mich zu entscheiden. Annehmen oder ablehnen? Als Erster einen Handyauftrag annehmen, birgt ein Risiko: der Kunde steht am Straßenrand. Ein anderes Taxi kommt vorbei. Der Kunde winkt. Das Taxi bleibt stehen. Der Fahrer lässt den Gast einsteigen und beide verschwinden hurtig aus der Szene.


Jetzt kommt das bestellte Taxi. Der Fahrer hat am Taxistand ausgeharrt, gewartet, gehofft, in Pflichterfüllung seinen ihm zugedachten Auftrag entgegengenommen und dann zur angegebenen Adresse gerast. Dort angekommen gibt es Knödelwasser. Er fährt die Straße auf und ab, späht nach Hausnummern, blickt jedem Menschen fragend ins Gesicht, in Kreuzungsbereichen quält er sich über drei bis vier Ampelphasen um auf die gegenüberliegende Straßenseite ums Eck zu kommen. Nach minutenlanger Sucherei meldet er der Zentrale, dass der Fahrgast weg sei. Die Zentrale weiß auch nicht wo der Fahrgast ist. Ruft dann vielleicht beim Fahrgast an. Über den Funk kommt dann die Rückmeldung:
“Fahrgast sitzt beim Kollegen im Taxi. Sind schon fast am Ziel. Tut mir leid, hätten den Auftrag ja nicht annehmen müssen!“ Also wieder zurück zum Standplatz hinten anstellen noch eine Stunde warten. Erlös: 0,- €
Das rast mir in 20 Sekunden durch den Kopf. 10 Sekunden habe ich noch, im letzten Moment nehme ich an. Jetzt bekomme ich die Daten ins Display: Herr XXX, Ingolstädter Strasse 199.
Ich sehe mich schon in der Rolle des obigen Taxifahrers. Ein Handyauftrag an der Ingolstädter Strasse. Die Ingolstädter ist eine vierspurige Einfallstraße. Alle Augenblicke rast ein Taxi vorbei. Dann noch die 199, gaaaanz oben, nach vier Ampeln, direkt in der Panzerwiese. Ich brauche mindestens sieben Minuten bis ich da bin. Ich verfluche, dass mir die Adresse nicht gleich bei dem Auftragsangebot angezeigt wird. Dann könnte ich den Auftrag einen fliegenden oder weiter hinten stehenden Kollegen überlassen. Bei ihm wäre die Einsatz/zu erwartender Betrag – Bilanz deutlich günstiger.
Für mich ist es zu spät. Ich fahre die Ingolstädter auswärts. Endlich sehe ich auf der anderen Straßenseite einen Herrn mit Gehhilfe vor der Nummer 199. Das Navi zeigt mir eine Wendemöglichkeit in 200 Metern an. Auch das funktioniert nicht. Zwei Schilder verbieten dort das Wenden. Ich muss noch weiter raus nach Norden. Inzwischen kommen mir zwei Taxis entgegen. Ich lasse den Fahrgast immer weiter hinter mir im Regen stehen. Erst bei der Gesellschaft für Strahlenforschung kann ich umdrehen. Jetzt fahre ich wieder zurück auf die Stadtgrenze. Ich schüttle den Kopf über die leistungsunabhängigen Monatslohnempfänger die mir keine ausreichenden Daten übermitteln und die mir Verbotsschilder in die Wendemöglichkeit stellen obwohl ich für Beides nicht zu knapp bezahle. Mit Glück bekomme ich meinen Fahrgast. Der ältere Herr steigt ein, ich packe seine Gehhilfe in den Kofferraum. Er will in die Postbank in die Weyprechtstraße. Das ist auch meine Poststation. Ruck zuck sind wir da. 8,50 € steht auf dem Taxameter. Er reicht mir einen 20 € Schein und fragt ob ich warten könnte, er müsse nur eine Überweisung abgeben – Selbstverständlich! Das Taxameter ist schon aus, ich stecke den Schein unter das Datenfunkgerät. Er kommt zurück. Ich helfe ihm wieder ins Taxi, die Gehhilfe kommt in den Kofferraum.
“Wohin jetzt, zum Tanzen oder zum Biergarten?“ scherze ich.
Er lächelt, wird mir sympathisch, antwortet: „Nein, nach Hause. Oder…. Wir könnten doch mal bei dem MIRA vorbeifahren. Nur mal anschauen. Ich bin noch nicht lange hier und muss mich erst mal einleben.“
“Da kann ich Ihnen schon was zeigen. Ich wohne gleich hier in der Nähe. Die 20,- € werden schon reichen“
Er winkt ab. Er hätte schon noch Geld, meint mein Fahrgast. Wir fahren die Schleißheimer auswärts. Ich zeige ihm den Wienerwald.
„Ich dachte schon, die gibt’s nicht mehr“ stellt er fest.
Vor dem MIRA bleiben wir ein paar Minuten stehen ich zeige ihm den Haupteingang, die U-Bahnstation mit Aufzug, den Festplatz im Hasenbergl. Hier gibt es einen Deichmann, einen McDonalds, eine REWE, einen C&A, eine Stadtsparkasse …
Zurück fahren wir über die Neuherbergstrasse. Dort gibt es noch einen Penny – Supermarkt. Davor gleich eine Bushaltestelle. Genau in diesem Moment hält der Bus. 140 U-Bhf. Dülferstrasse steht im Display über der Windschutzscheibe. Mit diesem Bus könne er fahren. Je näher wir auf der Neuherbergstraße an die Ingolstädter kommen, desto ruhiger wird es. Rechts ist nur noch die Sanitätskaserne, links ein Lokal. Als das Taxameter 10,50 € zeigte, habe ich es ausgeschaltet. So kann er mir noch einen Euro Tipp geben.
“Wohin haben die mich hier verfrachtet? Ganz an den Rand!“ erkennt er und spricht es aus. Wir fahren jetzt natürlich noch die ganze Schleife wie vorher stadtauswärts. Ich kann ihm noch die Gesellschaft für Strahlenforschung, das jetzige Helmholtz – Institut zeigen. Beim kassieren addiere ich:
“ 8,50 von vorher 10,50 von jetzt macht 19. 20,- € habe ich schon. Sie bekommen einen Euro zurück.“
“Nein, das passt schon. Vielen Dank für ihre Freundlichkeit. Nicht alle Menschen sind so“



Auch wenn das Eigenlob jetzt stinkt; er hat mir mehr gegeben als nur einen Euro Trinkgeld!


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