Sonntag, 30. Oktober 2011

MAN staune


Für die MAN fahren wir schon seit Jahren. Von den Managern, die wir zum Flughafen München bringen oder dort abholen, habe ich mir schon vieles über die Motoren erzählen lassen. Besonders die gewaltigen Schiffsdiesel haben mir es angetan. Ich konnte mir die Motoren nur in meiner Phantasie vorstellen. Als ich einen MAN-Manager vor zwei Jahren  nach Augsburg brachte zeigte er mir die Halle in der große Schiffsmotoren verschiedenster Bauart stehen. An diesen Motoren werden die Mechaniker der Kunden ausgebildet damit sie ihren Motor später fachgerecht warten können. Die Motoren haben mich schon beeindruckt, aber von dem was ich letzte Woche mit MAN – Kunden gesehen habe, bin ich schlichtweg überwältigt. 
MAN in Augsburg

Ich hätte die Kunden eigentlich nur zum Truck-Forum nach Karlsfeld bringen sollen. Danach zum Tryp-Hotel in München. Am nächsten Tag dann gleich wieder zum Truck-Forum und am Nachmittag von dort zum Flughafen. Am ersten Tag nützen wir, -> Volkmar und ich, die Zeit und Gelegenheit, uns die ausgestellten Oldtimer-Laster und die futuristischen Fahrzeuge eingehend anzuschauen.
Am Abend, als ich mit einem anderen Kollegen die Gruppe zum Hotel bringe, avisiere ich, dass ich sie morgen früh wieder abhole und zum Truck-Forum bringe.

“Wieso? Wir müssen doch nach Augsburg. „

Oh, für -> Augsburg sind andere zuständig. Nur selten fahren wir die Strecke München – Augsburg. Unterwegs rufe ich den Fahrdienst an und informiere ihn über den Fehler. Natürlich biete ich mich an die Fahrt nach Augsburg zu übernehmen. Mein bestes  Argument ist mein guter Preis und ich bekomme den Zuschlag.
Wie besprochen stehe ich am nächsten Morgen vor dem Hotel, das Fahrziel ist Augsburg. Dort empfängt uns ein älterer sehr freundlicher Herr im MAN-Museum. Er hat früher für die MAN in den Comecon Staaten (Совет экономической взаимопомощи) verkauft und kann mit interessanten Geschichten über Kraftwerke und Gasmotoren in der Sowjetunion aufwarten. Die MAN hat in Kiev 1904, damals noch im zaristischen Russland, ein Kraftwerk gebaut, dass noch bis in die 60er des letzten Jahrhunderts lief.
Auf dem Weg zu dem Schiffsmotor überqueren wir das Werksgelände. Vor dem Gebäude in dem die Arbeit geplant wird steht ein Denkmal. Ein überlebensgroßer Schmied mit Schlapphut, Lederschürze und Holzschuhen. „Für unsere Gefallenen“ steht auf dem Sockel. Einer meiner Gäste fragte wie viele MAN – Mitarbeiter den gefallen wären, antwortete  der MAN.

„Ich schätze mal so zwischen fünf- und sechshundert.“

Er erzählt uns von den Bombenangriffen auf das Werk während des zweiten Weltkriegs. Das Werk ist von oben leicht zu finden. Es liegt nahe dem Zusammenfluss der beiden Flüsse Wertach und Lech. Die Flugzeuge sind den Lech lange unentdeckt den Lech flussaufwärts geflogen. Nur um die Bomben abzuwerfen mussten die Bomber an Höhe gewinnen. Bei einem solchen Bombenangriff ist auch sein einziger Bruder, ebenfalls ein MANler, gefallen. Etwas nachdenklicher gehen wir weiter. Wir gehen an einem Gestell  vorbei. Darauf werden die Zylinder des Motors montiert. In dem Gestell läuft später die in Japan gefertigte Kurbelwelle. Ich schätze die Länge des Gestells auf ungefähr 12 Meter. Beim Gewicht gibt es nichts zu  schätzen, das erfragen wir; 80 Tonnen! Gegossen wurde das Werkstück in zwei Minuten. Das Metall wurde in drei Öfen, mit jeweils 50 Tonnen Fassungsvermögen, erhitzt.
Im Werk darf ich nicht fotografieren. Aber wenn ich Zahlen nenne, kann sich jeder was vorstellen (oder auch  nicht ;-)): Kolbendurchmesser 98 cm, Hub 3,2 Meter, Kaufpreis des Motors 4.000.000 €, Leistung 50.000 KW, …

Wir kommen langsam zu dem Motor, der auf dem Teststand in der Halle im Probelauf wummert. Ohrenstöpsel schützen uns vor dem Lärm. Der Hallenboden bebt. Der Motor stampft in langsamer Drehzahl vor sich her. Der Auf- und Abbau des Motors zum Testlauf dauert zwei Tage. Unser Begleiter warnt uns nicht zu nahe an den laufenden Motor zu treten. Sein Vater sei bei einem Testlauf ums Leben gekommen. Wir sind noch mehr betroffen und fragen nach den näheren Umständen. Es sei bei einem U-Boot-Motor passiert, antwortete der MANler.


 Die Schiffsmotoren sind die wahren Schwergewichte unter den Dieselmotoren. Wir haben auch einen Motor gesehen, bei dem das Leistungsgewicht entscheidenden ist. Der rechts abgebildete Motor war in einem Luftschiff eingebaut. Hier war das Entscheidende die KW Leistung pro KG Motormasse.
Luftschiffe, U-Boote, Kraftwerke, Lastkraftwagen, Busse, Containerschiffe … - Dieselmotoren tun nicht nur in unseren Taxis ihren Dienst.

Bei unserem anschließenden Besuch im Wirtshaus am Lech, kann ich unseren Gästen etwas zeigen, was sie noch nicht kannten - Holundersaftschorle. Erst blickten sie neugierig auf das im Weinkelch servierte Getränk. Ich ließ das Getränk kreisen. Die Verkostung hat bei der nächsten Getränkerunde voll durchgeschlagen.    

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Wunder, O Wunder

Meine Vorbestellungen waren abgefahren, d.h. erledigt. Bei meiner letzten Fahrt wurde ich gestern auch noch in Schwabing frei. Was spricht dagegen jetzt nach Hause zu  fahren?
Trotzdem entschließe ich mich noch eine Fahrt zu machen und stelle mich als zweiter an meinen Renaissance – Stand auf. Das erste Taxi verschwindet schon nach drei Minuten. Die nächsten Gäste stehen schon vor der Hoteltüre. Die Dame fragt mich wie weit es nach Weihenstephan sei und wie teuer die Fahrt wäre.

„Eine halbe Stunde und die Fahrt kostet so um die 55,- €. „

Gedanklich reibe ich mir schon die Hände vor Freude über so eine unvorhergesehene Abschlussfahrt. Sie warten nur noch auf einen vierten Herrn und prompt steigen sie ein. Fahrziel Bräustüberl in der Brauerei Weihenstephan in Freising. Mein Beifahrer, ein Engländer, probt sein Deutsch:

„Wir fahren nach Geldomat.“ (das hörte sich gesprochen unklarer an als geschrieben)

„Nein, wir fahren nach Freising! Weihenstephan liegt in Freising. antworte ich ihm.

Es stellt sich heraus, dass er zu einem Geldautomaten will. Dann aber doch nicht hin muss, weil ich seine American Express akzeptiere. Unterwegs erzähle ich von der ältesten Brauerei, zu der wir jetzt fahren. Auf der Rückbank sitzt ein Belgier:

“Die älteste Brauerei ist in Belgien.

Jede Nation hat ihre “älteste“ Brauerei; denke ich mir und antworte diplomatisch:

„Die Brauerei wurde von Mönchen gegründet“

„Belgische Mönche“ kommt mit Lachen aus dem Fond.

 Gut gelaunt mache ich meine letzte Fahrt. Mein neuer Spaß ist Bilder mit meiner Ortsangabe auf Facebook hochzuladen. Auf dem Rückweg will ich das Beifahrerfenster öffnen um mit meinem Telefon durch das geöffnete Fenster ein Foto von den Schlüter – Werken zu schießen. Ich drücke auf den Knopf für den rechten elektrischen Fensterheber – nichts passiert. Während der Fahrt beuge ich mich nach rechts um den Knopf an der Beifahrertüre zu betätigen – wieder nichts. Ich suche mir einen Platz neben der Straße, stelle das Auto ab, sperre es zu, mache sozusagen einen Reset, öffne und schließe die Türe. Erneute Versuche das Fenster herunterzulassen schlagen fehl.

Am nächsten Tag, gestern, habe ich meine erste Fahrt um 10.30 Uhr. Die nächste Pause ist im Nordosten Münchens um 14.00 bis 17.00 Uhr. In der Pause will ich meine Flinte abholen, die endlich fertig ist. Auf dem Rückweg vom Waffenhändler in den Nordosten Münchens komme ich bei mir vorbei und kann dort die Waffe einsperren. Der Mechaniker, den ich dafür als zuständig auserkoren habe ist in Neuried (im Südwesten Münchens) .

Inzwischen habe ich schon einen Verdacht wie der Fensterheber kaputt gegangen sein könnte. Das Bräustüberl in Weihenstephan liegt auf einem Berg. Die Straße vor dem Stüberl ist ziemlich steil. Ich bin mit der Schnauze des Taxis nach oben zu stehen gekommen. Schon als die Fahrgäste auf der Rückbank  die Schiebetüre entriegeln rauscht diese nach hinten. Nach dem Bezahlen mit der Kreditkarte öffnet mein Beifahrer seine Türe angestrengt gegen die Schwerkraft. Er steigt aus – KAWUMMM! Die Türe knallt mit lautem Knall ins Schloss.

Ich bin genervt. Fahre ich in der Früh nach Neuried, kann es sein, dass ich unverrichteter Dinge wieder aus der Werkstatt fahren muss, um pünktlich bei meiner Abholung zu sein. Am Morgen steige ich in mein Taxi. Bevor ich den Mechaniker  anrufe will ich noch mal den elektrischen Fensterheber probieren. Und siehe da. Das Fenster funktioniert. Meine Stimmung hebt sich von einer Sekunde auf die andere. Der Tag ist gerettet. 



Bei den Katholiken gibt es anerkannte Wunder, auch noch im 21.Jahrhundert (Bei den Protestanten nicht mehr) . Kann es sein, dass die wundersame Selbstreparatur deshalb  war, weil ich die Mönche als erste Bierbrauer erwähnt habe,  oder weil Freising Bischofssitz ist?

.    


Montag, 24. Oktober 2011

Rote Plaste

Seit Wochen haben wir in unserer Wohnung einen neuen Mitbewohner. Es ist ein Vogel, ca. 25 cm groß, gelb und aus Plastik, vielmehr aus Plaste. ->Christian und ich haben bei einer Fahrt an den Tegernsee unsere gemeinsame Sympathie gegenüber dem ->Minol-Pirol entdeckt. Der Pirol war das Maskottchen der Mineralölmarke Minol der DDR. Der Pirol musste aufgrund seiner Alleinstellung keine verkaufsfördernde Werbung betreiben. Er gab den Autofahren u.a. in den ttt (Tausend Tele Tipps) gute Ratschläge für den Umgang mit dem Kraftfahrzeug.
Wir aus dem Westen kannten nur den alten Minol-Pirol mit dem blauen Kittel und der Ölkanne als Nase neben der Transit – Autobahn. Immer wieder war der Minol-Pirol und der Slogan:
"Stets dienstbereit zu Ihrem Wohl,
ist immer der Minol-Pirol"

Gegenstand unseres runing gags. Ich habe auch schon im Internet auf eBay nach einer Figur gestöbert – aber alles nur mit halber Aufmerksamkeit. Soweit die Vorgeschichte zum Verständnis.

Ich rufe meine Frau an um die Fahrten am nächsten Tag zu besprechen. Während des Gesprächs höre ich im Hintergrund die Türklingel schellen. Die Tür wird geöffnet. Ich höre wie Vesna ein Paket entgegennimmt.

“Was hast du da wieder bestellt“

“ Ich weiß nicht, hmmmm ….“ grüble ich.

“Das ist von einem Osiladen?!?“

“Laß es zu, laß es zu.“ (hätte ich mir sparen können)

“Ich mach das jetzt auf.“ Ratsch, ratsch …. höre ich im Handy. Gefolgt von 20 Sekunden Pause, dann

“ ICH HABE EINEN VERRÜCKTEN GEHEIRATET!“

Ich stutze und frage; “Schatz, was ist den in dem Paket?“

“Ein Plastikvogel für 14,80 €! Was hast du da wieder bestellt?“

Nach inzwischen zehn Ehejahren bin ich vorsichtig und schalte in den Zeit-gewinnen-Modus. Ich besänftige meine Frau und verspreche, dass ich noch überlegen werde. Ich bin mir tatsächlich nicht sicher ob ich bei meinen Stöbereien den Pirol bestellt habe oder nicht. Im Laufe des Tages werde ich mir immer sicherer den Vogel bestellt zu haben. Wer sonst würde denn eine DDR-Werbefigur bestellen.

Am Abend rufe ich Christian an. Schließlich ist er Sachen Minol-Pirol mein erster Ansprechpartner. Während ich ihm erzähle was mir passiert ist. Das ich etwas bestellt habe und wieder vergessen. Plötzlich fängt er an zu lachen und mir geht da so ein Licht auf. Am Abend zuhause kann ich mich wieder rehabilitieren.



Inzwischen, nicht zuletzt wegen der Geschichte, ist uns der Minol-Pirol ans Herz gewachsen. Der gelb-rote Plastevogel wechselt mehrmals am Tag seinen Standort um immer einem anderen Familienmitglied Gesellschaft zu leisten.

.


Dienstag, 18. Oktober 2011

Maßarbeit

Mein erstes Gewehr soll eine Flinte sein. Ich male mir schon aus wie ich in der Tontaubenschießanlage im -> Jagdparcour Hattenhoffen mit meiner ersten eigenen Flinte auf die Tontauben schieße. Ich will unbedingt besser und sicherer werden.
Nachdem ich bei Waffen Krausser so oft die Waffenhandhabung üben konnte, war mir auch klar wo ich zuerst nach einer Jagdflinte suche. Ich hatte noch keine konkreten Vorstellungen. Vom Sport kannte ich die martialisch wirkenden Vorderschaftrepetierflinten. Durchs Fernsehen bekannt als Pumpguns. Durch den Film haben diese eher harmlose Art der Gewehre ihren schrecklichen Ruf. Eine Büchse bietet keinen spektakulären Effekt. Da bietet eine Flinte schon mehr. Die Patronen werden mit Magnesium versetzt und abgeschossen. Das Ergebnis ist dichter Qualm, gleißende Blitzende und ohrenbetäubender Lärm. Kurz – die perfekte Hollywoodwaffe.
So eine Flinte sollte es nicht sein, da war ich mir sicher. Meine Flinte sollte eine Kipplaufwaffe mit zwei Läufen sein. Die beiden Läufe sollten übereinander stehen, also eine Bockflinte. Liegen die Läufe nebeneinander, wie bei den Flinten der Farmer in den amerikanischen Zeichentrickfilmen, spricht man von einer Doppel- oder Querflinte.
Beim Kaliber war ich mir auch sicher, eine 12/70 sollte es sein.
Mit solchen Vorstellungen ging ich also mit meinem noch druckfeuchten Jagdschein ins Waffengeschäft. Die ersten Antwort auf meine Frage nach dem Preis ließ mich schon mal schlucken;

„Das fängt bei 1.500,- € an und hört bei 10.000,- € nicht auf “

Selbst die angebotenen Jungjägersets für 1.500,- bis 1.700,- € wollte und konnte ich mir nicht leisten. Also soll es eine Gebrauchte sein. Der Chef des Ladens nimmt mich mit in die Ecke in der ich vor Wochen noch fleißig mit den Waffen hantierte. Er öffnet eine Schiebtüre, mit einem Griff legt er mir eine Jagdflinte vor mich auf den Tresen. Jetzt muss ich das zweitemal schlucken. So eine schöne Flinte! Ein breiter Vorderschaft, genau passend für meine Bratzn. Die Läufe übereinander. Eine schwarze Basküle, zurückhaltend mit Ornamenten verziert. Der lackierte Holzschaft ist schön gemasert. Ich kenne nicht die Marke, ich kenne nicht den Preis, aber das Gewehr muss es sein!

“ Der Schaft hat keine Backe. Das ist genau richtig für mich, denn ich bin Linksschütze, nicht weil ich Linkshänder bin, sondern weil mein linkes Auge mein Zielauge ist“

“Ich weiß!“ antwortet cool und kurz der Waffenhändler.

Ich breche die Waffe. Die Läufe lassen sich nur streng abkippen. Ein gutes Zeichen. Die Patronenlager und die Ejektoren sind noch blitzblank. Die will ich haben, am liebsten sofort. Jetzt erst sehe ich auf den Preis und erkundige mich nach der Marke.
Es ist eine Winchester, Model 101, Kaliber 12/70. Ich lasse mir die Waffe zurücklegen. Im Internet habe ich schon nach dem Model gestöbert. Die Winchester – Jagdflinten Model 101 werden in Belgien hergestellt. In einem Forum schrieb ein Teilnehmer, dass die Produktion dieses Models seit den 1970er Jahren eingestellt worden wäre, ein anderer Teilnehmer schreibt, dass die Produktion wieder aufgenommen wurde. Er hat sogar einen Link auf die Winchester Homepage gesetzt, der aber leider ins Leere läuft. In einem Forum wird die Robustheit der Waffe gelobt. Weiters habe ich einen Werbefilm von Winchester über das model 101 auf Youtube gefunden:







Nach zwei Tagen stehe ich im Waffenladen um die Flinte zu kaufen. Jetzt muss der Schaft angepasst werden. Der Büchsenmacher misst den Abstand zwischen meinen Augen, die Breite meiner Schultern, die Länge meiner Arme und meines Fingers. Nachdem er sich vergewissert hat, dass die Flinte entladen ist, soll ich ein paar Mal in Anschlag auf ihn gehen. Fachmännisch begutachtet er meinen Anschlag. Es stellt sich heraus; der Schaft ist viel zu kurz. Um ihn für meine langen Arme passend zu machen müssen noch einige Distanzstücke eingefügt werden. Das sieht zwar nicht so gut aus, wenn am Ende des Lackschaftes ein ca. 5 cm breiter schwarzer Streifen entstanden ist. Es tröstet mich aber das den Abschluss eine innenventilierte Pachmayr – Schaftkappe bildet. Die Pachmayr – Schaftkappe wird auch in dem Werbevideo als original erwähnt. Jetzt ist auf der Flinte mit dem kurzen Schaft eine Schaftkappe, die mir bei weitem nicht so gut gefällt.
Beim Büchsenmacher sind jetzt viele Aufträge liegengeblieben. Die Schießbudenbesitzer haben ihm während des Oktoberfestes ihre Gewehre vorbeigebracht, die verständlicherweise sofort repariert werden mussten. Er muss jetzt erst die liegengebliebenen Aufträge abarbeiten. Ich kann ja auf meine Flinte ein paar Tage länger warten, auch wenn es mir sehr schwer fällt.

.

Montag, 17. Oktober 2011

VIP

Schon seit Jahren hole ich VIP-Gäste am Flughafen ab. Natürlich kommen die nicht wie alle anderen einfach nach der Sicherheitskontrolle auf Terminal 2 an. Es gibt die General Aviation, da werden die Privatflugzeuge abgefertigt. Hier stehen auch die Flugzeuge der großen Münchener Firmen. Dort stehen die Maschinen der Münchener Rückversicherung, von Siemens, … hier sitzen auch die Air-Taxi-Unternehmen bei denen gleich ein ganzes Flugzeug gechartert werden kann. Hier steigen auch die Fluggäste um die mit einem der privaten Hubschrauber-Taxis weiterfliegen. Mit dem Helicopter können die Gäste direkt in ihrem Garten landen.
Ein Kunde hat uns zum Flughafen Oberschleißheim bestellt. Dort landen und starten immer noch die sehr kleinen Flugzeuge. Ich warte dann mit meinem Taxi neben dem Biergarten hinter dem Gasthaus in dem auch der “Tower“ angegliedert ist. Hier ist es mir schon passiert dass mich eine Kunde anrief:

“Ich sehe Sie schon. Ich bin jetzt direkt über Ihnen.“

VIP Gäste, ohne eigene Maschine, habe ich auch schon durch das Südtor direkt zu den Linienflugzeugen vor dem Terminal 1 gebracht. Sie steigen dann durch die Gangway, wie die anderen Gäste die mit dem Bus gebracht werden, zu.




Aber letzte Woche erlebte ich die Spitze an Luxus. Ich wurde zu einem Kunden gerufen, dessen Privatflugzeug zu groß war um am GAT abgefertigt zu werden. Er landete von einer eintägigen Shopping – Tour in Paris auf der südlichen Landebahn. Ich musste wieder durch das Südtor. Dabei wird jetzt das Taxi kurz durchsucht. Im Vorfeld darf ich keinen Meter alleine fahren, ich folge einem schwarzen BMW mit gelbem Blinklicht auf dem Dach. Wir fahren auf die Fläche vor den Luftfrachthangars.
Für den Rückweg musste ich noch auf mein Vorausfahrfahrzeug warten und konnte einen Blick in das Innere des Flugzeugs werfen. Ich war erschlagen – eine fliegende Lounge. Die Fluggäste waren zu zweit!
Inzwischen wird direkt unter dem Leitwerk die Beute der Einkaufstour aus dem Gepäckraum des Flugzeugs in meinem Kofferraum verladen. Auf den Kartons, die den Kofferraum eines VW-Busses ausfüllten, waren nur Aufdrucke französischer Luxuslabels.
Der Inhalt des Kofferraums war wohl mehr wert als mein ganzes Taxi.

.

Sonntag, 16. Oktober 2011

London calling

Durch den ->Post mit Georg Elser sind sie auf mich aufmerksam geworden. Sie haben Kontakt mit mir aufgenommen und wollen mich für fast drei Tage buchen. Sie, - das sind die BBC, London.

Die BBC produziert eine Dokumentation. Die Geschichte der Menschheit in acht Stunden. Für München als Hauptstadt der Bewegung, und Landsberg, als Ort an dem “Mein Kampf entstand , und den Aufstieg der Faschisten sind fünf Minuten geplant.
Die Filmaufnahmen dazu sollen heute, morgen und übermorgen entstehen. Ich bin der Fahrer des Teams in München. Und wie ich gehört habe arbeiten die während dieses weltweiten Projekts oft mit einem local taxidriver.
Der Anfang stand unter einem schlechten Stern. Als die Maschine aus London mit dem Team am Flughafen München ankam, war das Gepäck nicht dabei. Im Gepäck sind wichtige technische Geräte für die Aufnahmen. Das Team erwägt schon sich das allernötigste an Ausrüstung auszuleihen oder die Drehtage zu verschieben. Über die Lufthansa-Homepage meldet sich das Team an um ermitteln zu lassen wo das Gepäck steckt. Während einer ganzen Stund kommt keine Reaktion. Wir fassen den Entschluss zum Flughafen zu fahren und die letzte Chance auszunutzen an das Gepäck zu kommen. Am Flughafen wurden wir an den Schalter 15 verwiesen. Dort gibt es für die Fluggäste Passierscheine, mit denen sie noch mal den Ankunftsbereich betreten können und mit viel Glück ihr Gepäck am Ausgabeschalter zu bekommen.
Während wir am oben, auf Ebene 04 am Schalter stehen kommt unten auf Ebene 03 -> Andrew Marr aus London an. Ich habe meine Frau engagiert Andrew abzuholen und dorthin zu bringen wo wir gerade drehen. Konnte ja niemand wissen, dass wir vier Stunden nach Ankunft des Teams wieder am Flughafen sind.
Ab jetzt dreht sich das Schicksal und alles klappt wie am Schnürchen. Nach nur 25 Minuten taucht das Team mit den 22 Gepäckstücken wieder an der Ankunft auf. Wir bringen die Ausrüstung ins Hotel. Wir wollen heute noch ein paar Aufnahmen im Augustiner Bierkeller drehen. Im Hotel sehe ich zum ersten Mal Andrew persönlich. In zehn Minuten sind wir im Augustiner. Der Wirt lässt uns anfänglich nur im alten Lagerkeller tief unter der Erde drehen. Das Gewölbe ist zwar gemütlich, die Blaskapelle sorgt für ordentlich Stimmung – aber authentisch für eine Münchener Bierhalle ist die Location nicht. In den Gewölben wurde früher mit Eis, das im Winter aus den Flüssen und Seen geschnitten wurde, das gelagerte Bier gekühlt.
Später, ich habe noch einmal nachgefragt und gebeten, dürfen wir auch im Saal des Augustiner Kellers drehen. Wir versprechen ganz ruhig und zurückhaltend zu sein. Neil, der Kameramann, meint, die Aufnahmen durch die aufgestellte Trennwand im Saal wirkten irgendwie geheimnisvoll. Nach den ersten Shoots in München, gönnen wir uns ein Abendessen im Lagerkeller. Stilgetreu gibt es Würstchen, Kraut und Bier. Zum Abschluss bringe ich das Team noch ins Hotel und wir verabreden uns für morgen früh, dem großen Drehtag.

Schon morgens um halb acht stehen wir am Marienplatz. Eine Gruppe von Bauerbeitern verlädt gerade einen Teerfertiger von einem Tieflader. Auf dem Platz ist ein Flies ausgebreitet, darauf soll für eine Veranstaltung asphaltiert werden. Emma versucht ihr Möglichstes, kann aber die Bauarbeiten nicht stoppen. Wir planen um und machen die nächsten Einstellungen vor der Feldherrnhalle am Odeonsplatz. Zeitgleich mit uns fährt ein Riesenlastwagen auf den Platz. Er muss hier für eine Veranstaltung entladen werden. Der Fahrer lässt sich erweichen und überlässt uns für zwei Stunden den Platz. Andrew geht gestikulierend und erklärend über den Platz. Neil folgt ihm mit der Kamera. Simon, der Tonmann, hält die Mikroangel über Andrews Kopf. Mark, der Regisseur, kontrolliert auf einem Monitor die Aufnahmen. Es braucht einige Anläufe bis die Szene perfekt ist. Nach dem Dreh packen wir zusammen und machen uns wieder auf den Weg zum Augustiner.
Es geht um die „Bierhallen-Revulotion“ 1923 in München, die Stimmung einer Bierhalle soll eingefangen werden. Als wir am Vormittag in den Saal kommen, ist der natürlich aufgestuhlt. Neil findet, die Stühle müssten von den Tischen, das gäbe ein besseres Bild. Also stuhlt das ganze Team, einschließlich mir, die 500 Stühle des Saals ab.
Jetzt gelingen die Aufnahmen von der Bühne über die Stuhl- und Tischreihen. Noch eine Einstellung; Andrew im Profil, bedeutend von der Bühne in den Saal blickend. Und noch eine die mir gefällt; Andrew geht zwischen den Stuhlreihen, seine Hand soll jeweils die Lehne des Stuhls umfassen, an dem er vorbeischreitet. Als die Aufnahmen im Kasten sind, entscheiden wir uns hier zu essen, und dann nach Landsberg aufzubrechen. Schnell noch ein paar Shoots mit dem Thema Klischee München und dann geht’s auf die Autobahn.


In Landsberg wartet schon eine Dame von der Stadtverwaltung um uns auf den Jungfraunturm zu lassen. Emma war schon da und hat die besten Locations ausgekundschaftet. Vom Jungfraunturm auf dem Schlossberg hat man einfach den besten Ausblick über Landsberg. Wir packen uns das Nötigste auf die Schultern. Ich trage das schwere Kamerastativ. Auf der Hälfte der über 100 Treppen übergebe ich meine Last dem Regisseur. Ich muss schließlich den Gesamtüberblick tragen. ;-). Oben angekommen pfeift uns ein kräftiger Wind um die Nase. Die Fahne in den Farben Landsbergs, grün, rot, weiß knattert im Wind. Die Dame von der Stadt erklärt uns, dass seien die Farben Italiens, nur in anderer Reihenfolge. Es gibt da eine Verbindung zwischen Landsberg und Italien. Die Aussicht ist überwältigend. Wir haben Riesenglück mit dem Wetter. Von hier oben können wir auch schon unsere nächste Location, das Gefängnis Landsberg, erkennen.

Vor dem Gefängnis checkt der Kameramann noch mal die beste Einstellung. Soll Andrew vor der stacheldrahtgekrönten Gefängnismauer oder vor dem Haupteingang sprechen. Oder doch die Mauer, oder Haupteingang von der Seite, oder die andere Mauer mit Gegenlicht, oder …
Er entscheidet sich für den Haupteingang, ein bekanntes Motiv. Die Kamera wird frontal davor aufgebaut und Andrew bringt seinen Text in der inzwischen gewohnt eindrucksvollen Art.



Auf dem Weg zum Bayernturm machen wir die Klischee – Einstellungen wie in München auch. In Landsberg bietet sich der Blick über den Lech in die Altstadt geradezu an. Dazu noch die Bilder die von der Spitze des Jungfraunturms aufgenommen worden – der Zuschauer kann sich jetzt in wenigen Augenblicken ein Bild von Landsberg machen.

Die letzten Shoots mit dem Team werden vor dem Bayernturm aufgenommen. Der Regisseur hat ein Foto von Hitler aus seiner Landsberger Zeit. Der zukünftige Führer steht, die Hand lässig auf ein Automobil gelegt, vor dem Tor. Andrew soll sich genau so aufstellen. Ich hab mir jetzt im Internet BBC-Dokumentationen mit Andrew Marr, aufgenommen von Neil Harvey angeschaut. Ich weiß jetzt, die Stellung ist wegen der Überblendungen wichtig. Es wird dunkel, gerade rechtzeitig sind wir fertig geworden. Ich liefere das Team im Hotel ab.

Der letzte Tag in Bayern mit meinen geschätzten Gästen der BBC. Ich muss sie nur noch vom Hotel abholen und zum Flughafen bringen. Unterwegs, drei Kilometer vor dem Flughafen, bekommt Mark eine E-Mail auf sein Handy. Die Lufthansa bedankt sich für seine Informationen. Wenn das Gepäck auftaucht, wird sich die Lufthansa, um einen geeigneten Übergabetermin zu finden, bei ihm melden. Die E-Mail dient nur noch zur Erheiterung.

Aus einem Gespräch habe ich erfahren, das die BBC zwei Versionen dieser Dokumentation plant. Eine domestic- und eine global- Version. Andrew wird nur in der domestic (british) Version zu sehen sein. Als ich ihm beim Abschied sage, dass ich das schade finde; antwortet er mir, er finde es erst recht schade.

Für mich war das eine willkommene Abwechslung vom Taxialltag. Wehmütig nehme ich das BBC – Schild aus der Windschutzscheibe und stecke das des neuen Kunden dahinter. Ach ja, ein Maschinenbauunternehmen ist ja doch nicht so spannend wie ein Medienkonzern.


.

Freitag, 14. Oktober 2011

Nußknacker

Von den schlauen Rabenkrähen habe ich ja schon vieles gehört. Die Krähen sollen, wenn sie Nüsse knacken wollen, diese auf die Straße schleudern und warten bis sie ein vorbeifahrendes Auto überfährt und dabei knackt. Die Krönung sollen Rabenvögel sein, die sich die Nüsse von den Autos an der Ampel knacken lassen. Wenn bei der Rotphase der Verkehr ruht picken die schlauen Vögel die Nüsse von der Straße.
Heute bringe ich Bücher zurück in die Bücherei. In der Pragerstraße purzelt plötzlich eine Walnuß vor meinem Taxi auf die Straße. Links im Gebüsch flattern drei Krähen. Ich bremse ab. Jetzt kommt die größte der drei Krähen angeflogen und setzt sich auf das Dach des neben mir parkenden Autos. Ich muss etwas rangieren um genau die Walnuß mit meinen Reifen zu treffen. Dabei schaut mich die Krähe durch das geöffnete Fenster mit ihren schwarzen Augen an. Mit lautem Knacken überfahre ich die Nuß. Einige Meter weiter bleibe ich stehen und beobachte wie jetzt alle drei Krähen den Inhalt der Walnuß von der Straße picken.
Jetzt bleibt mir nur noch eine Frage. Wie haben die Krähen ihre Nüsse geknackt bevor es den Straßenverkehr gab?

.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Seifenblasen

Einen Jägerstand - so nannte ich noch laienhaft vor einem Jahr die von Jägern aus Stangenholz gebauten Sitze, die meist am Waldrand aufgestellt werden. Als Kind habe ich mich auch mal auf einen solchen gesetzt und König oder Jäger gespielt. Ansonsten hatte ich mit diesen Ansitzeinrichtungen nicht viel zu tun.
Bis wir in unserer Jagdschule selbst Leitersitze und Kanzelleitersitze (so heißen die einfachen unbedacht oder bedacht – wie auf dem Bild) bauten und aufstellten. Es gibt da noch geschlossene Kanzeln und offene Kanzeln nur mit Seitenverblendung. Ich konnte mir aber nur sehr schwer vorstellen einmal auf einem Hochsitz zu sitzen und auf wild zu warten. Am Samstag war es dann soweit. Zum ersten Mal war ich zu einer Jagd eingeladen. Es soll auf Rehe gehen. Der Jagdherr gibt mir ein Gewehr, eine Krieghoff Repetierbüchse, Kaliber .222 mit deutschem Stecher und Zieloptik mit Einser –Absehen (das ist das mit dem Zielstachel). Ich bekomme eine umfassende Einweisung und ein Geschenk. Auf das Geschenk wurde ich schon Wochen vorher neugierig gemacht. Es soll ein Windmesser sein, der ohne Strom und immer funktioniert. Ich war schon neugierig was es sein soll. Mit dem Gewehr gibt mir der Jagdherr eine Dose Pustefix – Seifenblasen. Damit soll die Windrichtung festgestellt werden. Ich zweifle – das könnte so ein Jäger Insider – Anfänger Ritual sein. Die Profis lachen sich über die Seifenblasen blasenden Grünschnäbel lustig. Der Jagdherr sieht in mein zweifelndes Gesicht und beruhigt mich.

„Ich mache das genauso. Im Auto habe ich auch Pustefix.“

Nun, ich will das mal glauben. Als wir ins Revier fahren zeigt er mir noch zur Bestätigung seine halbleere Dose im geländegängigen Jagdauto. Mit dem bringt er mich ziemlich nah zu „meinem“ Jägerstand Kanzelleitersitz. Mit meinem Rucksack auf dem Rücken, dem Sitzkissen in der Hand, Munition in der Hosentasche (neben dem Pustefix), Fernglas um den Hals, Gewehr über der Schulter, stapfe ich die letzten Meter über den Acker. Umständlich, behängt wie ein Pfingstochse klettere ich auf die Leiter und richte mich oben erst einmal ein. Sitzkissen unter den Hintern, Rucksack festbinden, Gewehr sicherheitsüberprüfen und laden. Jetzt kann es losgehen. Ich mache mich mit der Gegend vertraut. Vor mir, hinter einem Maisfeld liegt ein Gehöft, die Straße dazu kommt von rechts in mein Blickfeld. Direkt vor mir ist ein umgebrochener Acker. Es ist mein erstes Mal, unruhig rutsche ich hin und her. Wie ruhig muss man denn auf Ansitz sein? Rehe sind Bewegungsseher. Wie schnell darf ich meinen Kopf drehen um das ganze Feld zu überblicken? Ich sperre Augen und Ohren auf. Ich lausche. Plötzlich Geknatter. Ein Motorroller fährt auf der Straße zu dem Gehöft. Ich nehme das Fernglas und verfolge den Fahrer mit der gelben Jacke bis er aus meinem Blickfeld verschwindet. Ich sehe noch einen Spaziergänger, zwei Jogger, einen Autofahrer, der seinen Hund neben dem Auto herlaufen lässt.



Jetzt erinnere ich mich an die Seifenblasen. Es kann mich ja keiner sehen. Ich blase in den Ring und beobachte die bunt schillernden Blasen. Der schwache Wind treibt die Blasen langsam vor mir auf den Acker. Die Windrichtung wäre ideal. Das aus dem Wald hinter mir tretende Rehwild würde mich nicht wittern.
Vor dem Mausfeld erkenne ich eine Bewegung. Schnell nehme ich das Glas zur Hand. Ein Rehkitz. Es hat schon verfärbt und trägt sein dunkelbraunes Winterfell, d.h. es ist noch sehr jung. Am Spiegel erkenne ich das männliche Kitz. Es springt von rechts nach links in einer Entfernung von ca. 150 Meter über den Acker. Es erreicht den Waldrand zu meiner Linken. Es wittert, aber nicht zu mir, vielmehr zurück in die Richtung woher es gekommen ist. Nach dem Wittern bleibt es noch ein paar Sekunden vor dem Gebüsch am Waldrand stehen. Jetzt steht es weiter als200 Meter entfernt. Für mich (noch) zu weit. Ich traue mich nicht zu schießen. Durch das Glas beobachte ich, wie das Kitz in das dichte Unterholz schlüpft.

Nach einer weiteren halben Stunde höre ich zwei Schüsse. Der Jagdherr hat ein Reh erlegt. Er holt mich ab, denn ich soll es aufbrechen. In strömenden Regen im Scheinwerferlicht schärfe ich vorsichtig die Bauchdecke bis zu den Rippen auf. (…) Ich bin froh etwas Übung in der „roten Arbeit“ des Jägers zu bekommen.
Das aufgebrochene Reh wird jetzt drei bis vier Tage zum Aushängen in den Wildkühlschrank gehängt. Auch wenn ich nicht zum Schuss gekommen bin, werde ich mich noch lange über meine ersten Stunden auf dem Jägerstand Kanzelleitersitz freuen.

.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Traurig

Am Morgen war ich aus Dresden zurückgekehrt. Wäre da nicht ein trauriger Termin, wäre ich bestimmt noch nicht in München.
Vor sechs Wochen rief mich einer unserer ehemaligen Fahrer an und informierte mich darüber, dass die Polizei bei ihm gewesen sei und ihm gesagt hätte das mein ehemaliger Freund und Geschäftspartner Sandor in Kambodscha gestorben sei.
Dabei habe ich ihn noch zuletzt eine Woche vor seinem Tod bei uns im MIRA, einem Einkaufszentrum an der Schleißheimer Straße, zufällig getroffen. Ich saß mit Robert auf der Terrasse des Sofra, wir trinken Tee. Da kommt Sandor die Straße entlang, er und wir haben auch noch Zeit, er setzt sich zu uns. Begeistert erzählt er mir von seiner Reise in die Schweiz. Welche Leute er kennenlernen durfte und welche bahnbrechenden Erfahrungen er gemacht hätte. Richtig froh war er, er wirkte entspannt und glücklich. Körperlich fit, sein Fitness Training sah man ihm an. Nach dem Gespräch verabschiedeten wir uns, wenn ich nur gewusst hätte, dass das das letzte Mal war!
Mit Sandor hatte ich über Jahre die -> SIegel - Borell oHG. Wir betrieben fünf Taxis und einen Mietwagen, zuerst in der Theresien- und später in der Schleißheimer Straße. Sandor war ein kleiner Chaot, aber er hatte Charaktereigenschaften die heute selten wie Diamanten sind. Absolut ehrlich und aufrichtig. Ich konnte mich 100% auf ihn verlassen und das spornte mich dazu an, dass er sich auf mich auch 100 % verlassen konnte. Zeitweise waren wir in unserer Firma 16 Fahrer. Jede Schicht wurde mit Bargeld abgewickelt. Es fehlte nie ein Pfennig. Wir waren beide etwas verrückt mit unseren Ideen und Anschaffungen. Harmlos war da der vergoldete Pizzaschneider oder ein bunter Papagei aus Plastik mit Bewegungsmelder, der Jeden der vorbeiging mit Geschrei begrüßte. Etwas ausgefallener war die Idee den 40. Geburtstags eines Fahrers auszurichten, der dann für ihn, mir und zwei weiteren Firmenangehörigen in London endete.
Sandor war begeistert von Fahrzeugen. Zuletzt hatte er privat einen M5 und ein japanisches Motorrad mit 1800 Kubik. Als Geschäftsführer unserer oHG kaufte er sich einen BMW 850. Für mich gab es kein sinnloseres Auto, man konnte keine Gäste befördern, man konnte nichts zuladen, aber Sandor kaufte es. BMW wollte dass auch ich als der andere Geschäftsführer den Kauf- und Finanzierungsvertrag unterschrieb. Ich unterschrieb und war mithaftbar wenn ein 23!-jähriger die Raten für ein sündhaft teueres und gefährlich schnelles Auto nicht bezahlen konnte. Heute gibt es den 850er nicht mehr, nach einem Unfall, an dem Sandor nicht schuld war, wurde der BMW, nachdem er sich bei Wolfsburg neben der Autobahn mehrmals überschlagen hatte, verschrottet.
2000 war ich einen Monat in Havanna. Heute kann ich mir das alleine wegen der Stammgäste nicht mehr leisten. Damals, mit sechs Fahrzeugen, ging das. Ich war beruhigt, denn Sandor war in München und hielt mir den Rücken frei.
Seit dem 26.August gibt es Sandor Borell nicht mehr. Ich habe das Fax des Bundeskriminalamtes gesehen. Ganz knapp und formell steht da neben Todesursache; unbekannt und neben nähere Umstände; tot aufgefunden in Phnom Penh / Kambodscha.
Am Freitag war die Trauerfeier im Nordfriedhof. Markus, sein langjähriger Freund, hielt die gut recherchierte und tief bewegende Trauerrede. Bei der Trauerfeier nach der Urnenbeisetzung, die Freunde organisiert hatten, wurden mit einem Beamer Bilder mit Sandor an die Wand projiziert, so war er dann doch noch dabei.
Sandor, ich danke dir für die Jahre mit dir. Ich bin auch ein verrückter Hund, aber du hast noch eins draufgesetzt. Du hast meine bunte Welt schriller gemacht! Und eines hast du mich gelehrt: Jetzt muss man leben – später, später ist es zu spät.
Jetzt sitze ich im Taxi und schreibe diesen Post, ich weine und schäme mich nicht.

.

Samstag, 8. Oktober 2011

Zwei Freistaatshauptstädte

„Du bist dann auch dabei.“

sagte die neue Mitarbeiterin des Isarfunkschalters am Flughafen. Es ist der letzte Tag der EXPO Real. Natürlich habe ich mich am letzten, den Abreisetag, an die lange Schlange am Messegelände gestellt. Die erste Fahrt ging nut bis zum Etap Hotel nach Dornach. Dafür war der Rückweg zur Messe umso kürzer. Schon beim zweiten Anlauf hat es geklappt. Ich habe ihn, meinen Flughafenstich.



Und dort, in der Busreihe, erwischt mich die Isarfunkmitarbeiterin. Es werden sechs Taxibusse gebraucht. Die Fahrt soll nach Dresden gehen. Die Taxibusfahrer geben das Fahrziel in ihre Navigationsgeräte ein. 460 Kilometer einfach. 460 Kilometer x 1,40 € ergibt ungefähr 640 €. Die Steuer, 120,-, weg, ergibt 520,-. Dann noch tanken, dann sind wir bei 400,-. 460 Kilometer einfach bedeutet aber auch 920 Kilometer hin und zurück. Es ist 17.30 Uhr, das Ende eines Messetags, wir sind alle noch von der Tagschicht. Zwei Kollegen wollen in Dresden übernachten. Ich muss unbedingt am nächsten Tag um 13.15 Uhr mit schwarzem Anzug zu einer mir sehr wichtigen Trauerfeier im Nordfriedhof in München sein. Sonst ist mir alles egal. Das ging uns und mir durch den Kopf, als wir über den Auftrag unterrichtet wurden.
Die Fahrgäste, 38 Griechen, kommen nach und nach aus dem Terminal. Eine Lufthansa-Mitarbeiterin winkt uns nach Bedarf an die Eingangstüre. Nur langsam kommen unsere Gäste aus dem Terminal. Wir fragen neugierig nach der Adresse; es geht nach Dresden in das Hotel Steigenberger de Saxe am Neumarkt 9. Obwohl wir im Konvoi fahren wollen, fahren wir nicht gemeinsam los. Ein arabischer Taxikollege startet sofort durch als er seinen Bus voll hat und ward dann nicht mehr gesehen.

Ich bin der vorletzte Bus, hinter mir ist nur noch Hussein. Vor mir ist Ali aus Afghanistan und Mustafa. Ali wartet mit seinen Gästen an der AGIP Tankstelle. Seine Kunden wollen noch einkaufen. Ali ist außer mir der Einzige mit einem alten UKW Funkgerät. Vor der Abfahrt haben wir uns auf Kanal 5 geeinigt. Der erste Anruf kommt von Ali schon nach dem ersten Kilometer. Er ist gerade von Mustafa angerufen worden, der am Autobahnkreuz Nord im Stau steht. Wir beschließen über Freising – Allershausen auf die A9 zu kommen. Hussein, hinter mir, erreiche ich im letzten Augenblick und wir nehmen die Strecke über Freising. Nach dem Autobahnkreuz Holledau, der nächste Anruf von Hussein, er hat Probleme mit seinem Motor, der geht nicht schneller als 100 Km/h. Er will kurz Pause machen, und hofft, dass wenn er wieder startet, sein Taxi schneller geht. Ich informiere ihn, dass er dann ziemlich genau mit Ali auf der Autobahn ist, der ja noch an der Tankstelle gewartet hat.
Nach 15 Minuten rufe ich wieder Hussein an, und erkundige mich nach seinem Motor. Zum Glück ist alles wieder in Ordnung und er ist schon wieder auf der Autobahn.
Ich selbst überhole Mustafa in Höhe Regensburg. Ali, der junge Afghane, informiert uns über eine Autobahnsperrung auf unserer Strecke zwischen Regensburg und Hof. Das angegebene Stück ist über 100 Kilometer weit und wir haben keine genaueren Informationen. Da ich in diesem Moment an der Spitze unserer kleinen Gruppe bin, werde ich sofort nach hinten melden wenn sich auf der Autobahn was tut.
Wir sind jetzt schon 50 Kilometer hinter Regensburg und haben noch immer freie Fahrt. Aus dem ersten Knacken und Rauschen aus meinem Funkgerät entwickelt sich immer mehr erkennbare Sprache. Ich höre bei der Auftragsvermittlung mit. Ich frage ob die Kollegen auf der gleichen Frequenz Weidener Taxifahrer wären. Sie bestätigen. Ich informiere die Kollegen über unsere Strecke und unsere Befürchtung von der gesperrten Autobahn. Die Weidener bestätigen. Ali hört und spricht inzwischen mit, Mustafa ist nahe bei ihm und wird über Telefon informiert. Wir wählen einen kleinen Umweg um die Sperrung zu umfahren. Auf der Autobahn waren wir alle in einem Radius von zwei Kilometern. Ab unserer Umfahrung fahren wir nur noch in geschlossener Kolonne.
Am Autohof Mitterteich machen wir eine kurze Pause. Nach einer schnellen Tasse Kaffe geht es weiter. Müde zähle ich die schwinden Kilometer auf meinem Navi. Nur noch 200 Kilometer, nur noch 100, nur noch 50 … Inzwischen schlafen alle meine Fahrgäste. Mir graut es schon vor dem Rückweg noch mal 460 Kilometer zurück.

Um Mitternacht kommen wir in der schönsten Stadt Deutschlands, in Dresden, an. Die Aufschrift Radebeul erinnert mich an Karl May, den ich in meiner Jugend verschlang. Über die Leipziger Strasse fahren wir in die Stadt. Am Dreyßigplatz sehe ich das erste Dresdener Taxi am Taxistand warten. Im vorbeifahren erkenne ich eine große ESSO Tankstelle mit parkenden Taxis davor. Ich denke an unsere ESSO in München und ich will auf dem Rückweg hier tanken. Rechts über die Carolabrücke. Der Blick über die Elbe von der Carolabrücke auf die beleuchtete Altstadt ist überwältigend. Jetzt müssen wir nur noch am Pirmaischen Platz nach rechts zum Neumarkt.
Wir stehen jetzt mit drei Taxibussen vor dem Hotel de Saxe mitten in Dresden, die Frauenkirche im Blickfeld. Im letzten Jahr stand ich hier mit Robert. Auf unserem ->Weg nach Berlin machten wir einen Schlenker über Dresden. Hätte ich nicht heute Mittag die wichtige Trauerfeier in München, würde ich in Dresden überachten und mich mit dem ->Dresdener Taxiblogger Bernd treffen. Schade – aber ich muss weiter.

Drei Taxibusse, drei Navis, drei Wege. Wir verlieren Mustafa und können es nicht glauben als wir uns im Viertel Zöllmener Straße, Heinz-Steyrer-Straße und Weidentalstraße. Wie die Schwindeligen um die Häuser kreisend wiederfinden. Zum Glück war es dunkel und die Dresdener Taxifahrer haben uns nicht gesehen. Die hätten ihre Gaudi gehabt.

Einem Dresdener Taxibus sind wir dann noch begegnet. Meinen und inzwischen unseren Plan an der ESSO Leipziger Straße zu tanken haben wir aufgegeben. Wir sind froh, wenn wir irgendeine Tankstelle und nach Hause finden. Wir sehen eine ARAL an der Hamburger Straße, dort steht auch schon ein einheimischer Taxibus. Mustafa fährt in die Tankstelle, der tankender Dresdener Taxifahrer blickt auf. Wohin führt der erste Blick eines Taxifahrers, wenn er ein anderes Taxi sieht, Fahrzeug und Fahrer nicht erkennt? Auf das Kennzeichen! So war das auch bei dem sächsischen Kollegen. Gerade als er sich wohl fragt was das ED auf Mustafas Kennzeichen bedeutet, fährt Ali an die nächste Zapfsäule. Das M auf seinem Kennzeichen wird er wohl zuordnen können. Aber jetzt kommt noch ein Taxibus, der dritte Fremde, diesmal wieder ein M im Kennzeichen. Ich kann gerade noch fotografieren wie die ARAL in der Hamburger Straße in Dresden in bayerischer Hand ist, bevor sich der Kollege trollt.

Vollgetankt fahren wir auf die Autobahn. Ali gibt richtig Gas. Unterwegs funken wir uns zusammen und gönnen uns eine kurze Rast. Insgesamt bleibe ich noch 100 Kilometer bis zum Erzgebirge knapp hinter ihm und fresse in Höchstgeschwindigkeit Kilometer um Kilometer auf der menschenleeren Autobahn. Mustafa ist schon weit hinter uns. Er hat sich verabschiedet und schläft im Taxi. Meine Konzentration schwindet und ich fahre mit 120 km/h auf der rechten Spur.

In Wunsiedel parke ich auf einem Autohof. Die Heizung habe ich auf ganz warm gestellt. In der bulligen Wärme dauert es drei Minuten (die Dauer eines Liedes im Radio) bis ich eingeschlafen bin. Eine und eine Viertelstunde später, um 4.00 Uhr wache ich wieder auf. Um 6.30 Uhr kann ich noch den Morgenverkehr in München genießen bis ich hundemüde ins Bett falle. Das waren dann noch mal 960 Kilometer extra auf die Schicht, das reicht dann aber auch.


.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

EXPo und EXPerience

Gestern haben unsere zwei frühesten Kunden zum Flughafen abgesagt. Ein Kunde wurde krank, das zweite Storno erreicht mich im Bierzelt. Ich muss gestehen; ich war nicht wenig froh über die beiden Stornos. So blieb mir nach dem letzten Wiesnabend mehr Zeit zum Schlafen.
Die erste Tour hatte ich so erst um 7.50 Uhr vom Münchener Norden. Es war auch der erste Tag der EXPO Real, einer guten Messe. Das Publikum sind Banker, Investoren und Immobilienmakler. Taxiaffine Besucher. Genau das richtige Sahnehäubchen nach dem Oktoberfest. Am Flughafen ging es gleich richtig zur Sache. Um 8.30 Uhr dort angekommen, stelle ich mich am Acker (der Speicher zum Speicher für das Terminal 2) auf. In nur einer Stunde rutsche ich über den Acker, über den Agip-Speicher, über das Terminal, über das Modul, insgesamt über 300 Taxiplätze nach vorne. Ich überschlage im Kopf; 300 Taxis in einer Stunde, das wären 5 in der Minute, das heißt; alle 20 Sekunden geht ein Taxi. Alleine vom Terminal 2. Oben angekommen, sehe ich die Fluggäste am Taxistand Schlange stehen, ein viel zu seltenes Bild. Ich erwische Skandinavier zum Haupteingang der Messe. Die A9 ist voll, ich fahr über Land. An der Messe so scheint es, haben sie die Sicherheitskräfte verdoppelt. Ein Securitymann steht am Messeeingang West und dirigiert die im sekundentakt ankommenden Taxis wie der Lotse auf einem Flugzeugträger auf den Platz auf den sie ausladen sollen.
Der Hafen brummt. Ausnahmsweise fahre ich von der Messe leer zum MUC und versuche mein Glück wieder auf Terminal 2. Jetzt dauert es schon etwas länger. Nach 1,5 Stunden werde ich von sieben Bankern aus der Busreihe im Modul gepickt.

Die Fahrt geht ins Motel One in Garching. Ob ich dort warten könnte, sie wollten dann noch weiter auf die Messe. Das Hotel kannte ich noch gar nicht. Aber Garching Daimlerstraße sagt mir was. Kaum habe ich die Autobahn über die Ausfahrt Garching Süd verlassen, sehe ich schon die riesige Aufschrift “MOTEL ONE“ auf einem leuchtend weißen Hotelgebäude. Zum Glück kann ich wieder den Profi spielen. Während ich auf meine Leute warte zähle ich die Stockwerke. Sechs Etagen. Daneben ist gleich ein neues Ibis Hotel, das nicht recht viel kleiner ist. An der Messe kassiere ich 90,- €, eine sehr gute Tour.
Ein drittes Mal will ich nicht leer zum Flughafen zurück. Ich stelle mich am Messe Nord Stand auf. Ich mache mir Hoffnung, dass ich über Datenfunk einen Auftrag von einem der Hotels im Osten bekomme, die müssen ja bei so einer Messe voller Gäste sein. Zwei Mitarbeiter der Taxi München eG kommen an den Standplatz und informieren unser über einen schweren Unfall auf der Ostumgehung-Autobahn. Die zweite Information war genauso interessant. Der Bürgermeister von Moskau will die Messe besuchen. Er kommt mit einer Gruppe von Limousinen mit Polizeieskorte an den Eingang West. Die beiden Taxi München eG Mitarbeiter machen sich auf den Weg um die Taxifahrer davon abzuhalten den Standplatz anzufahren. Der Platz würde für den Konvoi des Moskowiter Bürgermeisters gebraucht.




Eine halbe Stunde später mache ich mich auch auf den Weg –besetzt zum Flughafen. Diesmal zu Easy-Jet. Unterwegs rufe ich die Flugauskunft an, damit ich meinen englischen Gast am richtigen Terminal aussteigen lassen kann. Bei Easy-Jet scheint das etwas komplizierter zu sein. In den Zentralbereich, dorthin wo auch die Easy-Jet Schilder führen, sollen nur Gäste gebracht werden, die noch keine Boarding-Karte und mehr als nur Handgepäck haben. Mein Fahrgast, wieder ein Banker, nur Handgepäck und schon eine Boarding-Karte wie die meisten Easy-Jet Kunden. Ihn bringe ich auf Modul C. Am Modul C Gate 4 werden die Flüge nach London Gatewick abgefertigt. Ich habe dabei wieder was gelernt. Bis jetzt habe ich alle Easy-Jet Passagiere allesamt im Zentralbereich aussteigen lassen.

Besetzt zum Flughafen, am Tag einer solchen Messe? Natürlich bleibe ich stehen. Abends geht es schon bedeutend langsamer als am Morgen. Diesmal werde ich nicht aus der Busreihe geholt. Vorne am Modul reihe ich mich wieder zwischen den PKW Taxis ein. Ich erwische einen Gast aus London. Es scheint dass die Messe voller Londoner und Moskowiter ist. Er nennt mir sein Ziel:

“Motel One.“

Schon wieder, denke ich mir. Als ich mich erkundige welches er meine, antwortet er mir:

“Weißenseestraße 140“

Da war ich auch noch nie. Im hintersten Winkel meiner Erinnerungen hab ich noch ein Bild vom Vorbeifahren. Das muss der große AGFA – Block am Mittleren Ring in Obergiesing sein. Prompt so war es auch. Das zweite Mal während eines Tages bin ich das erste Mal an zwei riesige Hotels gefahren – und beide noch von der gleichen Kette. Die müssen ja wie die Shwammerl aus den Boden schießen.


.

Dienstag, 4. Oktober 2011

An der Wiesn komm ich nicht vorbei

Jetzt hat es mich doch noch erwischt, das Wiesnfieber. Gerade noch rechtzeitig am letzten Tag. Der letzte Tag hat bei uns so eine Tradition. Als ich mit Sandor meine Taxifirma in der Theresienstraße hatte, haben wir damit angefangen. Bereits im Frühjahr haben wir für den letzten Tag der Wiesn einen Tisch für unsere Fahrer und für uns reserviert.
Während der Wiesn hatten wir richtig Stress. Die Fahrer der Nachtschicht saßen alle aufgeregt im Büro und scheuerten sich die Hintern wund; wann kommt mein Taxi? Wann kommt mein Taxi? Schon Wochen vor dem Oktoberfest fragten Fahrer ob während des Festes ein Taxi frei wäre.
Ich erinnere mich als ich eines Morgens während des Oktoberfestes ins Büro kam und mich um zwei wiesntypische Taxierlebnisse zu kümmern hatte. Das eine war eine Fahrt mit einem unserer Fahrer, Zahlungsschwierigkeiten, es entstand ein Gerangel, Anzeigen wegen Körperverletzung gegen beide Seiten. Das zweite war ähnlich. Der Fahrgast wollte nicht bezahlen, beim Streit geht die Windschutzscheibe des Taxis zu Bruch, Täter geht in eine Disco, Fahrer holt die Polizei, Versicherungsfall, Täter minderjährig … u.s.w. Das alles in einer Schicht. Wo gingen beide Fahrten los? Klar - von der Wiesn!
Oder; die Zentrale ruft an. “Schwerer Unfall am Mittleren Ring. Ein Taxi von euch ist beteiligt.“ Der Mittlere Ring war gesperrt. Sandor und ich fuhren auf dem Fahrradweg an den wartenden Autos vorbei. An der Spitze der Schlange blinkten die Blaulichter der Einsatzfahrzeuge. Wir sehen einen Tieflader und erkennen eines unserer Taxis. In dem Sanitätswagen liegt der Fahrgast, in einem anderen der Fahrgast. Wann ist das passiert? Um 23.00 Uhr zur Wiesnzeit.
Die Fahrer waren fest angestellt. Bezahlt wurde nach einem Prämienlohnsystem. Ein Teil des Umsatzes der auf das Taxameter lief, war der Bruttolohn des Fahrers. Jeden Monat mussten wir unserem Steuerberater, der die Lohnkonten führte, die Löhne mitteilen. Der machte die Lohnabrechnung. Die Sozialversicherungsbeiträge, Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, wurden monatlich von unserm Konto an die AOK abgeführt. Den Arbeitnehmeranteil bekamen wir dann in bar von den Fahrern zurück. Während der Wiesn waren Umsätze und damit die Löhne hoch. Unsere Fahrer waren satt und fuhren weniger. Für uns schmolz dann der durchschnittliche Umsatz nach dem Oktoberfest wieder dahin wenn die Taxis verwaist auf dem Hof standen.
Wir hatten als Taxiunternehmer die Wiesn schon im Juli auf dem Schirm als die ersten Gerüste für die Bierzelte aufgestellt wurden und die ersten Fahrer nach einem Taxi fragten. Wenn dann noch die Kollegen am Taxistand im August mit der Wiesn anfingen, konnte ich nur mit den Augen kreisen und den Kop schütteln. Mein einziges Kapital als Dienstleister sind meine Kunden, wenn mich dann ein 16 Tage über das Jahr retten müssen, habe ich etwas falsch gemacht.
Kurz, wir hatten am letzten Wiesntag allen Grund zu feiern. Sandor hat es immer geschafft einen Tisch zu reservieren. Einmal, ich kann mich noch erinnern, waren wir zu spät dran, wir bekamen nur noch einen Platz im Stehbereich im Löwenbräuzelt. Direkt vor der Blasmusik! So was passiert nur einmal. Im folgenden Jahr reservierten wir wieder rechtzeitig im Frühjahr.
Nachdem ich meine Anteile der Siegel-Borell oHG an Sandor verkauft hatte, freuten sich meine Frau und ich jedes Jahr auf Sandors Einladung zum Oktoberfest. Er hat die Tradition des letzten Wiesntages für die Taxifahrer fortgeführt. Diesmal sind Sandor und seine Truppe nicht dabei. Sandor ist am 26.August in Kambodscha verstorben.
Wir haben uns mit Taxikollegen in der U-Bahn verabredet. Wir fahren gemeinsam mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Wiesn. Das ist für mich auch das erste Mal. Sonst sind wir nach einem Warm – up im Taxibüro mit zwei Taxibussen chauffieren lassen.
Kaum bin ich auf dem Oktoberfest gibt es für mich gleich noch eine Premiere. Wir gehen auf die Oide Wiesn. Die gibt es erst seit zwei oder drei Jahren. Hier stehen alte Fahrgeschäfte, Schießstände und mechanische Orgeln. Hier gibt es nur zwei kleinere Zelte. Wir suchen keine 10 Minuten und finden eine ganze Bank für uns.
An die Oide Wiesn könnte ich mich gewöhnen. Das Augustiner Bier wurde in Keferlohern serviert. Schon nach meiner ersten Maß trat eine bei mir eine vorher ungeahnte Persönlichkeitsveränderung ein. Die Bestellung meines nächsten Getränks gestallte sich äußerst pragmatisch:

“A Maß, bittschen.“

Mit nur zweieinhalb Wörtern konnte ich ausdrücken was ich neben der Blasmusik zu meiner Glückseligkeit brauchte.
Und noch was die Wiesn und ich sind jetzt beste Spezln – bis zum Juli. Wenn die ersten Zelte wieder aufgebaut werden, für den Landhausfasching, den obaperltn.

.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Geknipst

Das zweite Wiesnwochenende, das italienische, das ->Schlimmste. Ich bin noch einmal davongekommen. Ich habe eine Fahrt zum Flughafen. Ich möchte die Stadt meiden, da ist mir so ein Stich der mich 40 Kilometer weit ins Erdinger Moos führt gerade recht. Während um das Oktoberfest das Leben tobt, geht es an den Flughafentaxiständen beschaulicher zu. Der Hafen brummt, und schon nach 1,5 Stunden bin ich der Erste. Mir steigen zwei Inder zu. Sie wollen nach Ingolstadt. Sehr gut – noch weiter weg und ich habe gleich eine Ausrede für meinen nächsten Flughafenstich. Wenn ich von Ingolstadt zurück nach München fahre, bleibt mir fast nichts anderes übrig, als mich noch mal am Hafen aufzustellen.
Meine beiden jungen indischen Fahrgäste sind zum ersten Mal in Europa. Neugierig beobachten sie die Fahrzeugtypen auf der Autobahn und stellen fest, dass es hier sehr viele deutsche Modelle gibt. Wen wundert es?
So wie es aussieht, haben sich die Beiden vorher ausführlich über das Internet informiert. Sie wissen, dass die Allianz-Arena neben der A9 (der Autobahn München – Berlin) liegt. Ich muss sie aber enttäuschen, wären wir nach München gefahren, hätten wir das Stadion passiert, aber auf dem Weg nach Ingolstadt kommen wir „nur“ an den abgeernteten Hopfengärten in der Holledau vorbei.
Über das Oktoberfest wissen meine Gäste auch schon das Eine oder Andere. Eine Frage hat aber noch einer meiner Gäste:

“ Is the Oktoberfest hold privat or by the government?”

Mein Lachen bei dem Wort government erspart mir die Antwort. Inzwischen knipsen sie für mich wahllos die Autos die uns überholen mit ihren Handies. Ungefähr in Höhe der Ausfahrt Allershausen überholen wir ein Gespann mit Wohnanhänger. Bei dem auffälligen Anstrich des Caravans konnte ich mich nicht zurückhalten und musste auch aus dem Fenster knipsen.





.