Sonntag, 30. Oktober 2011

MAN staune


Für die MAN fahren wir schon seit Jahren. Von den Managern, die wir zum Flughafen München bringen oder dort abholen, habe ich mir schon vieles über die Motoren erzählen lassen. Besonders die gewaltigen Schiffsdiesel haben mir es angetan. Ich konnte mir die Motoren nur in meiner Phantasie vorstellen. Als ich einen MAN-Manager vor zwei Jahren  nach Augsburg brachte zeigte er mir die Halle in der große Schiffsmotoren verschiedenster Bauart stehen. An diesen Motoren werden die Mechaniker der Kunden ausgebildet damit sie ihren Motor später fachgerecht warten können. Die Motoren haben mich schon beeindruckt, aber von dem was ich letzte Woche mit MAN – Kunden gesehen habe, bin ich schlichtweg überwältigt. 
MAN in Augsburg

Ich hätte die Kunden eigentlich nur zum Truck-Forum nach Karlsfeld bringen sollen. Danach zum Tryp-Hotel in München. Am nächsten Tag dann gleich wieder zum Truck-Forum und am Nachmittag von dort zum Flughafen. Am ersten Tag nützen wir, -> Volkmar und ich, die Zeit und Gelegenheit, uns die ausgestellten Oldtimer-Laster und die futuristischen Fahrzeuge eingehend anzuschauen.
Am Abend, als ich mit einem anderen Kollegen die Gruppe zum Hotel bringe, avisiere ich, dass ich sie morgen früh wieder abhole und zum Truck-Forum bringe.

“Wieso? Wir müssen doch nach Augsburg. „

Oh, für -> Augsburg sind andere zuständig. Nur selten fahren wir die Strecke München – Augsburg. Unterwegs rufe ich den Fahrdienst an und informiere ihn über den Fehler. Natürlich biete ich mich an die Fahrt nach Augsburg zu übernehmen. Mein bestes  Argument ist mein guter Preis und ich bekomme den Zuschlag.
Wie besprochen stehe ich am nächsten Morgen vor dem Hotel, das Fahrziel ist Augsburg. Dort empfängt uns ein älterer sehr freundlicher Herr im MAN-Museum. Er hat früher für die MAN in den Comecon Staaten (Совет экономической взаимопомощи) verkauft und kann mit interessanten Geschichten über Kraftwerke und Gasmotoren in der Sowjetunion aufwarten. Die MAN hat in Kiev 1904, damals noch im zaristischen Russland, ein Kraftwerk gebaut, dass noch bis in die 60er des letzten Jahrhunderts lief.
Auf dem Weg zu dem Schiffsmotor überqueren wir das Werksgelände. Vor dem Gebäude in dem die Arbeit geplant wird steht ein Denkmal. Ein überlebensgroßer Schmied mit Schlapphut, Lederschürze und Holzschuhen. „Für unsere Gefallenen“ steht auf dem Sockel. Einer meiner Gäste fragte wie viele MAN – Mitarbeiter den gefallen wären, antwortete  der MAN.

„Ich schätze mal so zwischen fünf- und sechshundert.“

Er erzählt uns von den Bombenangriffen auf das Werk während des zweiten Weltkriegs. Das Werk ist von oben leicht zu finden. Es liegt nahe dem Zusammenfluss der beiden Flüsse Wertach und Lech. Die Flugzeuge sind den Lech lange unentdeckt den Lech flussaufwärts geflogen. Nur um die Bomben abzuwerfen mussten die Bomber an Höhe gewinnen. Bei einem solchen Bombenangriff ist auch sein einziger Bruder, ebenfalls ein MANler, gefallen. Etwas nachdenklicher gehen wir weiter. Wir gehen an einem Gestell  vorbei. Darauf werden die Zylinder des Motors montiert. In dem Gestell läuft später die in Japan gefertigte Kurbelwelle. Ich schätze die Länge des Gestells auf ungefähr 12 Meter. Beim Gewicht gibt es nichts zu  schätzen, das erfragen wir; 80 Tonnen! Gegossen wurde das Werkstück in zwei Minuten. Das Metall wurde in drei Öfen, mit jeweils 50 Tonnen Fassungsvermögen, erhitzt.
Im Werk darf ich nicht fotografieren. Aber wenn ich Zahlen nenne, kann sich jeder was vorstellen (oder auch  nicht ;-)): Kolbendurchmesser 98 cm, Hub 3,2 Meter, Kaufpreis des Motors 4.000.000 €, Leistung 50.000 KW, …

Wir kommen langsam zu dem Motor, der auf dem Teststand in der Halle im Probelauf wummert. Ohrenstöpsel schützen uns vor dem Lärm. Der Hallenboden bebt. Der Motor stampft in langsamer Drehzahl vor sich her. Der Auf- und Abbau des Motors zum Testlauf dauert zwei Tage. Unser Begleiter warnt uns nicht zu nahe an den laufenden Motor zu treten. Sein Vater sei bei einem Testlauf ums Leben gekommen. Wir sind noch mehr betroffen und fragen nach den näheren Umständen. Es sei bei einem U-Boot-Motor passiert, antwortete der MANler.


 Die Schiffsmotoren sind die wahren Schwergewichte unter den Dieselmotoren. Wir haben auch einen Motor gesehen, bei dem das Leistungsgewicht entscheidenden ist. Der rechts abgebildete Motor war in einem Luftschiff eingebaut. Hier war das Entscheidende die KW Leistung pro KG Motormasse.
Luftschiffe, U-Boote, Kraftwerke, Lastkraftwagen, Busse, Containerschiffe … - Dieselmotoren tun nicht nur in unseren Taxis ihren Dienst.

Bei unserem anschließenden Besuch im Wirtshaus am Lech, kann ich unseren Gästen etwas zeigen, was sie noch nicht kannten - Holundersaftschorle. Erst blickten sie neugierig auf das im Weinkelch servierte Getränk. Ich ließ das Getränk kreisen. Die Verkostung hat bei der nächsten Getränkerunde voll durchgeschlagen.    

Kommentare:

  1. Wow - wenn DAS mal keine starke Verbindung zu einem Unternehmen ist - fast die ganze Familie im Dienste an MAN drauf gegangen. D-;

    Reinhold, ich glaube, demnächst buche ich Dich mal für eine Weiterbildung in eigener Sache - MAN hat mich schon immer interessiert.

    Leider war immer, wenn es bei mir mal gepasst hätte in Karlsfeld gerade irgendeine geschlossene Gesellschaft oder Ähnliches.

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  2. Das Interessanteste an der MAN ist das Werk in Augsburg. Da werden die fetten großen Motoren produziert. In Augsburg gibt es auch ein MAN – Museum, da sind einige der ersten Motoren ausgestellt. Das Museum kann man jederzeit besuchen, von den großen Motoren stehen da aber nur eine Pleuelstange und ein Zylinder.
    Gestern habe ich wieder einen Ingenieur von Diesel SE (so heißt die Sparte) zum Flughafen gebracht. Er hat mir von den gewaltigen Kräften erzählt die bei einem Unfall auftreten. Wenn bei einem 18 Zylinder Schiffsmotor sich die Pleuelstange eines Zylinders selbstständig macht, bleibt der Motor nicht stehen wie bei unseren KFZ Motoren. Die anderen 17 Zylinder mit jeweils 1000 PS drehen die Kurbelwelle weiter und die Pleuelstange schlägt alles zu Klump was ihr in den Weg kommt.
    Bei einer Kraftstation wurde mit Dieselmotoren Strom erzeugt. Die Betreiber haben die Notabschaltung überbrückt. Der Motor hat die Drehzahl erhöht bis es den Motor zerfetzt hat. Die Teile haben die Wand des Gebäudes durchschlagen und wurden 70 Meter weiter gefunden.

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  3. Geil.

    War gerade drauf und dran, über die Kraftmaschinenbetreiber zu lästern, da fiel mir ein, daß ich mal während der Schulzeit auf dem Sperrmüll einen alten Fernseher mitgenommen hatte. Zu Hause stellte sich dann heraus, daß er 1.) nicht mehr ging, und daß 2.) die Sicherung fehlte.

    Also kam ich auf die glorreiche Idee, 3.) die Sicherung mittels eines Drahtes zu überbrücken. Dann habe ich den Stecker in die Steckdose gesteckt...BAZOOOONNNGGGGGG!!! -Mir ist die halbe Platine, mit irgendwelchen explodierenden Keramikbauteilen darauf um die Ohren geflogen.

    Sicherungen überbrücken = meist eine sehr schlechte Idee. ;D

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