Dienstag, 28. Februar 2012

Schnee- und Blechlawine


“Wie soll ich nur fahren?“

Samstag Bettenwechsel in den Alpen. Jetzt sind wir froh, dass die Straßenverhältnisse besser geworden sind. Es hat getaut, die Hauptstrassen sind alle frei. Das tagelange Tauwetter hat aber die Lawinen auf den Plan gerufen. Mein Frau muß mit ihren Gästen ins Ötztal. Kurzfristig kam der Auftrag rein. Ich war schon auf dem Weg zum Flughafen um mit meinen Gästen zum Glück nur nach Garmisch ins Hotel zu fahren.
Wir müssen Beide in die gleiche Richtung, nur ich bin mit meinem Taxi 20 Minuten voraus. Auf der Autobahn A9 einwärts stauen sich schon auf den beiden Spuren die zunächst nach rechts ausschwenken um dann über die Ostumgehung und die Salzburger Autobahn auf die Inntal Autobahn führen, in Massen die Autos. Am meisten leuchten die gelben Nummernschilder der Holländer hervor. Auf vielen Autodächern sind Skiboxen montiert. Ich warne sofort meine Frau, die 10 Kilometer hinter mir fährt und sie entschließt sich die Strecke über Garmisch ins Ötztal zu nehmen.
Kaum bin ich durch München durch, die freie Garmischer Autobahn liegt vor mir, bekomme ich die Information, daß eine Lawine bei Mittenwald die B11 versperrt. Die Weiterfahrt von Garmisch über Mittenwald, Scharnitz, -> Seefeld  ist nicht möglich. Kurzer Informationsaustausch mit Renate von -> Hofmann Taxi; es bleibt für Vesna nur der Fernpass. Vesna kennt den Fernpass noch nicht. Es wäre ihre Premiere und noch dazu bei der Verkehrs- und Wetterlage. Um das Faß vollzumachen, ist sie auch noch mit dem Chrysler unterwegs –Heckantrieb und breite Reifen. Daß die Reifen Top-Winterreifen sind, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich habe vor 14 Tagen am eigenen Leib gespürt, wie schwer kontrollierbar das Fahrzeug auf Schnee und Eis ist.
Der Straßenbelag ist aber nicht das Problem, die Straße ist sauber, man kann den Asphalt sehen, vielmehr ist es der dichte Verkehr. Die Blechlawine hat keine andere Möglichkeit nach Österreich zu kommen als über den Fernpass. Auf der Fernpassstrecke gibt es nach Leermoos einen fünf Kilometer langen Tunnel. Bei Kolonnenverkehr in zwei Richtungen schafft es die beste Lüftungsanlage nicht den Tunnel CO2-frei zu halten. So ist es auch heute, um die Vergiftungsgefahr zu vermeiden ist im Leermooser Tunnel Blockabfertigung. Das macht die Situation noch verfahrener.
Nachdem ich meine Fahrgäste in Garmisch abgeladen habe, biete ich an Vesnas Gäste zu übernehmen. Mit meinem frontgetrieben VW-Bus Taxi habe ich im Winter bessere Karten. Wer weiß welche Umwege unsere Gäste noch in Kauf nehmen müssen um ins Ötztal zu gelangen.
Auf Radio Tirol kommt die nächste Info: Auf die Ötztalstraße ist eine Lawine ausgerechnet auf ein Taxi niedergegangen. Der Fahrgast ist verletzt. Es gibt Tage, da passt eines zum anderen. Vesna ist mutig und startet durch.
Ein schlechtes Gewissen habe ich schon, daß meine Frau die Tour übernimmt, während ich mich im Gasthaus am Pflegersee zum Mittagessen treffe. Auf dem Weg durch Garmisch kommen mir Fahrzeugkolonnen im Schneckentempo entgegen. Auch hier wieder; gelbe Nummernschilder Skiboxen auf dem Dach, nur die Gesichter der Insassen, besonders der Fahrer wirken nicht mehr so entspannt. Wie würden die erst schauen, wenn die wüssten was sich noch vor sich haben.
Blechlawine durch Garmisch

 Vesna ist gut mit Renates Tipps ausgestattet und findet den Weg über die Berge auch ohne den verflixten Tunnel. Ich habe wieder einen Mordsrespekt vor meiner Frau, mit dem Auto in einer fremden Gegend, mit Fahrgästen an Bord. Autofahren kann sie – Hut ab.
Auf dem Rückweg im Ötztal, auf der engen Straße über der Ötz kommt sie noch an einem Schneebruch vorbei. Die Schneelast hat Tannen, und die wiederum Schnee auf die Straße gerissen. Der Bruch war ziemlich frisch, es war noch keine Polizei da, die die Straße hätte sperren können.
Vesna zwängt sich an den Bäumen und Schnee vorbei. Sie will, wer will es ihr verdenken, an so einem Tag nur noch nach Hause.
Ich kann ihr nur noch die Information weitergeben, daß Scharnitz wieder offen ist. Auf der Strecke ist die Heimfahrt ein Heimspiel.   

Donnerstag, 23. Februar 2012

Im Gespräch


Eine mir seit Jahren bekannte Garmischer Kollegin trifft mich am Flughafen. Sie muß gleich weiter und reicht mir kurz die Garmisch Ausgabe des Münchner Merkurs durch das geöffnete Fenster.

“Im München-Teil  findest du einen Artikel über das was du gestern geschrieben hast.“

Und schon ist sie im Flughafengebäude verschwunden. Das Foto des Artikels habe ich gestern in Facebook gestellt. Zum gleichen Thema ruft mich ein Kollege an.

“Hast du es gelesen?“

Wieder geht es um einen Zeitungsartikel, diesmal steht er in der Süddeutschen. Auf meiner -> Facebook Seite gab es eine kurze Diskussion über das Thema. Gestern war das schon Gespräch unter den Taxifahrern am Bahnhof und heute am Flughafen. Es geht um Colexio im Allgemeinen, und um die Isarfunk – Partnerschaft im Besonderen.



Ich teile nicht die Befürchtungen vieler meiner Kollegen. Ein Sammeltransfer vom oder zum Flughafen wird uns nicht die Fahrgäste abgraben. Wenn ich meine Stammgäste betrachte wird niemand einen Sammeltransfer buchen. Die potenziellen Kunden sind eher die S-Bahnfahrer. Für Sammelfahrten (im PBefG noch als Marktfahrten tituliert) bräuchte man eine Genehmigung für Sonderlienenverkehr. Der während der letzten Tage in diesem Zusammenhang erwähnte Kaulke hat eine solche Genehmigung. Sonderlinienverkehr und Gelegenheitsverkehr mit PKW sind zwei verschiedene Stiefel. Selbst zwischen Mietwagen und Taxis gibt es da noch Unterschiede. Mietwagen (nach § 49 PBefG) dürfen nur im Ganzen angemietet werden. Taxis hingegen dürften auch sitzplatzweise gemietet werden.
Als wir unseren Flughafensammeltransfer betrieben, buchten die Gäste bei dem Reisebüro meiner Frau die Fahrt zum Flughafen. Zweck,  Ziel und Ablauf der Fahrt bestimmte das Reisebüro. Während der Fahrten lief das Taxameter, abgerechnet wurde am Monatsende.


Bei den Sammel- und Verteilfahrten  die wir bisher hier in München durchführen, ( Buszubringer, Dialysefahrten … ) buchen unsere Gäste unsere Taxis auch nicht im Ganzen, aber die Fahrgäste bezahlen nicht einzeln.

Auf der Homepage von Colexio habe ich gelesen, dass die Fahrgäste über ihr App vorgeschlagen bekommen wie der Taxifahrpreis aufgeteilt werden sollte.
Sauberer wäre es für Colexio in Bezug auf das Personenbeförderungsgesetz, wenn  Colexio die Fahrten bezahlt. Die Rolle Celexios als Bestimmer von Zweck, Ziel, Ablauf und Auftraggeber der Fahrt wäre klarer hervorgehoben.

Über Alledem schwebt dann noch der Sechser, der -> § 6 PBefG, der verbietet Gestaltungen und Scheintatbestände einzurichten um die Vorschriften des Personenbeförderungsgesetzes zu umgehen.

Einen großen Vorteil aber, hat der Paragraph; er gilt immer nur für die Anderen.   

Dienstag, 21. Februar 2012

AR TI EL


Gestern vormittag sitzen wir wieder bei unserer Kaffeerunde in der Hotellobby. Ein Hotelgast geht an unserem Tisch vorbei und begrüßt uns mit;

“Good morning!“

Zwei meiner Kollegen kennen den Mann mit dem dunkelblauen Mantel schon als Fahrgast. Amerikaner sei er, hätte irgendwas mit Medien zu tun. Ganz ein Schlauer! Der weiß schon wie gerne wir zum Flughafen fahren. Beiden Taxifahrern hat er das gleiche Angebot gemacht. Sie sollen ihn von Termin zu Termin fahren. Mit dem Taxi immer bereitstehen. Die Fahrten würde er bezahlen, die Wartezeit nicht. Dazu lockt er mit einer Fahrt zum Flughafen am Ende des Tages. Das Gepäck bleibt im Taxi, d.h. man kann dazwischen keinen Auftrag annehmen. Man weiß nicht wann man wieder zurück ist und das fremde Gepäck liegt im Kofferraum. Beide Kollegen haben ihm eine Tagespauschale angeboten, worauf er aber nicht einging und so blieb es bei den Fahrten vom Hotel zu den Fahrzielen in der Stadt.

Eine Stunde später, ich bin Erster, fragt mich der Blaubemantelte, ob ich American Express akzeptiere. Ich akzeptiere und die Fahrt geht los. Wir fahren nach Unterföhring in das alte Agrob-Gelände. Dort halte ich vor Sport 1. Der gast zückt seine Kreditkarte und bezahlt damit 17,10 € Fahrpreis ohne einen Cent Trinkgeld. Vom Norden her kommend stelle ich mich gleich wieder vor das Hotel. Die Kollegen wollen gleich wissen wohin die Fahrt ging. Als ich berichte, bestätigen sie mir;

„Typisch“

Damit meinen sie dreierlei, das Fahrziel (ein Medienunternehmen) , das Trinkgeld (null, was eigentlich untypisch für Amerikaner ist) und die Zahlweise (mit American Express, das wiederum ist typisch für Amerikaner)

Heute gleicher Platz, gleiche Anwesende. Als ich ankomme sehe ich meine Kollegen bedrückt und wortlos neben unserem Taxistand stehen. Die Gesichter verraten mir, das etwas Schlimmes passiert sein muß.

“Ist etwas passiert?“

frage ich gleich. Als Antwort erhalte ich eine schlimme Nachricht über den Freitod eines Kollegen, der am Sonntag noch inmitten unseres Kaffeekränzchens saß. Das traurige Ereignis beschäftigt uns den ganzen Vormittag am Standplatz.

Der Kollege, der Erster am Standplatz ist, holt mich aus dem Hotel. Er nimmt keine Kreditkarten an, und so hätte er einen Fahrgast für mich. Ich gehe raus zu meinem Taxi. Da steht schon der Blaumantel mit Gepäck neben meinem VW – Bus. Wir erkennen uns. Es erübrigt sich so die Frage ob ich Kreditkarten annehme. Fahrziel nach Grünwald zu RTL II. Er spricht es AR-TI-EL aus. Heute wieder ein Medienunternehmen. Er hätte dort eine Besprechung, die würde eine, eineinhalb, “maybe“ zwei Stunden dauern. Ob ich warten wolle, um ihn anschließend zum Flughafen zu fahren. Aha, da ist er also der Köder. Zwei Stunden für eine Fahrt von Grünwald zum Flughafen wäre in Ordnung. Ginge der ganze Nachmittag flöten, wäre das nicht mehr akzeptabel. Ich stände dann mit dem Gepäck im Kofferraum stundenlang ohne Bezahlung vor dem Büro, hoffend mein Fahrgast möge erscheinen.

RTL II Gebäude in Grünwald   Nahe den Bavaria Studios


„Zwei Stunden.“ und dabei zeige ich ihm zwei Finger.“Wenn du dann nicht da bist, stelle ich das Gepäck beim Pförtner ein und belaste deine Kreditkarte mit 24,- € pro Stunde Wartezeit. Wenn du mit mir pünktlich zum Flughafen fährst können wir Beide gewinnen und wir haben unseren Tag gemacht.“

Die Sprüche (Win-Win-Situation, Make my day) habe ich mir im Fernsehen abgeschaut und sie müssen funktionieren, denn er willigt ein. Jetzt stehe ich vor RTL in Grünwald, veröffentliche diesen Beitrag. 20 Minuten hat er noch, mein amerikanischer Freund.

    


Montag, 20. Februar 2012

Colexio


“Hast du es schon gehört? ….“

so hub letzte Woche mein Kollege an mit dem ich oft vor dem Marriott, meinem Ex-Renaissance-Ausweichstand stehe. Einen Tag vorher war er am Flughafen. Als er durch die Halle ging bekam er eine Visitenkarte zugesteckt. Auf der Visitenkarte bietet Colexio seine Dienste an. Man könne mit Colexio für 30,- € von und zum Flughafen München fahren. 30,- € ist ein günstiges Angebot. Bei der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen laufen in München schon mal locker 60,- € auf das Taxameter.
Besonders erwähnenswert hielt der Kollege noch, daß Isarfunk als Partner von Colexio angegeben wurde. Leider hat er die Karte zuhause vergessen, buchstabiert mir aber eindringlich C – O – L - … . Am Wochenende habe ich einen kurzen Blick auf die Homepage geworfen. Es werden Sammelfahrten angeboten. Fahrgäste laden sich ein App herunter, geben Standort und Fahrtziel an. Ein Logarithmus errechnet wer noch als Zusteiger in Frage kommt und vermittelt die Tour an den Taxifahrer.
Vorgestern betrete ich die Hotelhalle. Meine Kollegen sitzen zwischen den Gästen beim Kaffee. Gesprächsthema ist -> Colexio. Ob die das überhaupt dürfen. Ausgerechnet Isarfunk soll der Partner sein. Wie wollen die das den machen? Wer soll das bezahlen? 


Ich bin nur oberflächlich informiert und halte mich zurück. Aber mir wird klar, daß Colexio langsam ins Gespräch kommt. Heute Morgen konnte ich schon mal die Frage klären wer Colexio bezahlt. Die Fahrgäste, denen kostet jede zustandegekommene Sammelfahrt einen Euro. Nicht viel, wenn man sich bei einer Flughafenfahrt die Hälfte des Fahrpreises sparen kann. Für uns Taxifahrer ist die Teilnahme kostenlos. Nach einer Registrierung bei der laut Webseite der Gewerbe-, Führer- und Taxischein vorgelegt werden muß, kann sich der Taxifahrer ein App herunterladen und wenn er zur Verfügung steht am System anmelden.
Colexio startet bei uns in München, und das schon in der nächsten Woche. Irgendwie habe ich diesmal das Ganze ziemlich spät mitbekommen.  

Sonntag, 19. Februar 2012

Halbe Ampel


Das gibt’s nur einmal in Deutschland. Und das auch nicht mehr so lang. Während dieses Februars läuft ein halbjähriger Versuch am Mittleren Ring aus.
Nach der Fertigstellung des Richard-Strauß-Tunnels würde der für viel Geld erkaufte Verkehrsfluß am Mittleren Ring Richtung Olympiagelände durch eine Ampel gestoppt. Die Ampel an der Kreuzung Ifflandstraße / Isarring. Seit August letzten Jahres ist dort eine „halbe“ Ampel installiert. Die zwei Spuren des  Isarrings wurden zunächst von der John-F.Kennedy-Brücke kommend, durch eine durchgezogene Linie und später baulich getrennt. Die Ampel über der rechten Spur wechselt wie eine gewöhnliche Ampel von rot über gelb auf grün und wieder zurück. Wir der Verkehr auf einer Spur des Rings angehalten, können sich die Fahrzeuge die von der Ifflandstraße kommen in den Isarring einfügen. Die Ampel über der linken Spur zeigt ständig grün, und das jetzt schon seit fast sechs Monaten.

Halbe Ampel von der Ifflandstraße


Dabei muß aber der zweispurige Verkehr, der auf der Ifflandstraße Richtung Norden fließt auf eine Spur verjüngt werden. Das ist die Ursache für einen fetten Stau  gerade im Berufsverkehr an den Nachmittagen. Uns Taxifahrern mit unseren Kunden bleibt da nur der Weg über den Effnerplatz und die Effnerstraße um dann über den Föhringer Ring auf die Autobahn Richtung Nürnberg aufzufahren. Es lohnt sich sogar zunächst rechts über die John-F.Kennedy-Brücke, einmal um die Mae West drehen und dann wieder über die Brücke zurück durch die linke Spur der halben Ampel zu fahren.
Ausgedacht hat sich die halbe Ampel ein pensionierter Physiker. Im letzten Dezember berichteten die Zeitungen, daß er mit Stoppuhr und Laptop bewaffnet feststellte, daß sich die Wartezeit durch sein System für die einzelnen Fahrzeuge verkürze.
Das halbe Jahr ist jetzt vorbei und ich erwarte mit Spannung die Ergebnisse des Versuchlaufs und eine Lösung.