Samstag, 31. März 2012

Die Elektrische


Heute läuft die Zulassung für die 14 neuen Vario-Trambahnen aus, die der MVG von der Firma Stadler für 40 Mio € gekauft hat. Bei den Modellen gibt es Probleme mit den Rädern, deshalb hat die Regierung von Oberbayern die Zulassung der modernen Trambahnen nur zeitlich befristet.
Wir werden sie noch länger haben, unsere gute alte Tram. Abgesehen von der Technik gefällt mir die alte weiß-blaue Lackierung sowieso besser. 
Tram der Linie 27 in der Barer Straße

Freitag, 30. März 2012

Wo steht colexio?


Ich habe in einem meiner Kommentare zu dem Post über -> colexio die Meinung vertreten, daß colexio die Gäste die bisher die S-Bahn zum Flughafen München benützen ins Taxi bringen können.
Die cloexio-Werber mit den gelben Kappen stehen am Terminal 2 des Münchner Flughafens,  aber nicht in dem Strom der Fluggäste die auf dem Weg zum S-Bahnhof sind. Vielmehr stehen sie mit ihrem Werbestand auf dem Weg zwischen Ankunft und Taxistand. Ich kann mir vorstellen, daß die Verwaltung des Flughafens auch ein Wörtchen mitzureden hat, wo welche Werbeaktionen laufen. Aber das macht den  falschen Standort der colexio-Leute auch nicht richtig. 



Die meisten der Geschäftsleute, die am Flughafen München, wissen ungefähr wie viel ein Taxi dorthin kostet. Auf dem Weg zum Taxi (nicht auf dem Weg zur S-Bahn) müssen sie die colexio-Werber passieren.  Dabei werden sie angesprochen und wenn sie überredet wurden begleitet sie ein gelbbekappter Colexianer hinaus zum Parkplatz. 

Dort, so habe ich beobachtet, wird ihnen der Platz zum Warten gezeigt. Die colexio-Kunden wurden direkt vor meiner Nase, ich war das erste Bustaxi in der Busspur, abgestellt. Neugierig lugte ich über meine Zeitung was jetzt passiert, welches Fahrzeug kommt und die Beiden aufnimmt.
Ein Kunde zündet sich eine Zigarette an. Verlegen stehen die Zwei nebeneinander auf dem Bürgersteig zwischen Taxistandplatz und Abholerparkplatz. Der Raucher drückt seine Zigarette am Abfalleimer aus. Eine Zigarette dauert durchschnittlich 7 Minuten. Diese Zeit ist also schon vergangen.
Mein Vordermann ist schon im Modul. Ich schere aus der Busreihe aus und ordne mich in die Reihe der Taxis vor dem Modul ein. Trotzdem beobachte ich weiter die zukünftigen Sammeltaxinutzer. Ich bin an der Spitze der Reihe, mit einem Einsteiger mache ich mich auf den Weg nach München. Ich kann mich allein ihm und seinem Fahrziel widmen. Bevor ich aus dem Modul auf die obere Ebene fahre kann ich noch einen letzten Blick auf die Wartenden erhaschen. Das Fahrzeug, in das sie einsteigen werden,  kann ich nicht mehr sehen.
Schlimm, wenn ich mir vorstelle, daß die beiden Kunden potentielle Taxikunden waren.
ENT-täuschten Taxifahrern gehen die Augen auf, aber enttäuschte Kunden bringen ein Geschäftsmodel zum Scheitern.

Donnerstag, 29. März 2012

Viren haben keine Schonzeit


Sie haben Seiten mit pornographischen Inhalten besucht –Sie haben Dateien mit  pädophilen Inhalten geladen – Sie haben e-Mails mit terroristischen Inhalten verschickt - … Deswegen wurde der Computer gesperrt. Sie können aber die Strafe von 100,- € bezahlen und Sie bekommen wieder Zugang zu Ihren Daten.
So meldete sich bei mir ein Virus den ich mir während des letzten Monats zweimal eingefangen hatte. Der Text ist umrahmt von einem höchst behördlichen aussehenden Template. Auf einem Foto sieht man zwei Polizeibeamte die am Schreibtisch vor einem Computer gegen sexbessesene, kinderschändende Terroristen ermitteln. Das Szenario ist dann noch umrahmt von allen 16 Landeswappen unserer Republik. Der Name Bundeskriminalamt taucht dann auch noch in einer E-Mail-Adresse auf.
Ich soll jetzt ganz schnell mit meinem schlechten Gewissen zur nächsten Tankstelle laufen. Dort soll ich mir für 100,- € einen Ukash – Code kaufen. Ukash, diese Art des Zahlvorgangs hat dem Virus auch seinen Namen gegeben; Ukash-Virus.
Das erste Mal konnte mir nicht so schnell geholfen werden. Zum Glück gibt es versierte Kollegen. Ich konnte dann gleich am Nachmittag vorbeischauen und dann haben sie mir den Virus mit Hilfe von Spybot Search & Destroy von der Festplatte gejagt. 

Heute hatte ich mir den unliebsamen Ukash – Virus trotz Microsoft Security Essential wieder eingefangen. Im online-Modus konnte ich meinen Rechner zu nichts gebrauchen. Automatisch verband er sich mit dem Internet und zeigte mir über den ganzen Bildschirm nur eine Fläche mit einem Button zum bezahlen. Mir blieb nichts anderes übrig als meine Fritz-Box auszuschalten und im offline-Modus Spybot zu starten. Das klappte auch ganz gut. Der Spybot Scanvorgang dauerte 29 Minuten. Als Ergebnis wurden mir sechs Probleme gemeldet. Automatisch konnte ich drei davon beheben. Die noch störenden drei könnte ich beheben, wenn ich Administratoren-Rechte hätte.
Mit guter Hoffnung starte ich den Rechner erneut. Kaum ermöglichte ich dem Rechner Zugang zum Internet, kam wieder die Ukash-Seite. Also starte ich den zweiten Spybot-Scan. Diesmal als Admin. Das gleiche Ergebnis. Drei von sechs Problemen konnte ich nach einer halben Stunde automatisch beheben. Wieder der offline – Versuch. Da war sie wieder, die verflixte Ukash – Seite.

 Und wieder wurde mir von dem gleichen -> Mitglied unserer hellelfenbeinweißen Zunft geholfen. Diesmal war es einfacher. Wir konnten den Schädling einfach mit der Systemwiederherstellung erfolgreich im Taxi vor der Tankstelle bejagen. Dafür hat der Kollege mein Abzeichen vom Bayerischen Jagdverband, das seit letzten November  neben meinem Taxameter klemmte, mehr als verdient.
Die Strafe habe ich natürlich nicht an der Tankstelle bezahlt. Obwohl 100,- € für die eingangs erwähnten Straftatbestände mehr als ein Schnäppchen wären.     

Mittwoch, 28. März 2012

Als Stoffel unterwegs


Das war der Stofffrühling 2012. Mein erster bei dem ich während aller vier Tage dabei war. Die Einweisung bekamen wir am Freitag Morgen, unmittelbar vor dem ersten Einsatz. Thomas von unserer Taxigenossenschaft hat Dateien vorbereitet die mit dem Beamer an die Wand gestrahlt werden. Die Touren sind die gleichen wie im letzten Jahr. Es ist kein neuer Showroom dazu gekommen. Ich beobachte unsere Neulinge, wie sie aufmerksam versuchen dem Punkt des Laserpointers auf den projizierten Stadtplänen und Sattelitenbildern zu folgen.

Frisch beklebt am Morgen
 
Nach der kurzen Einweisung verteilt Sonja die Pläne. Jeder bekommt einen Plan und eine Liste mit den anzufahrenden Showrooms ausgehändigt. Auf der Liste steht auch der jeweilige Anfangspunkt und Linie. Ich bekomme die angenehmere Linie 1, die im Uhrzeigersinn die Showrooms abfährt. Im letzten Jahr habe ich die Linie 2 erwischt. Dabei musste ich an der Prinzregentenstraße über die Liebigstraße wenden um wieder auf den Kurs  zu  kommen. Bei Creation Baummann in der Paul-Heyse-Straße und bei Dedar in der Schwanthaler Straße musste ich auf  der Straße wenden um die Showrooms anzufahren. Ich bin glücklich, diesmal wieder die Linie 1 erwischt zu haben. Beginnen werde ich diesmal bei Colony in der Ainmillerstraße. Letztes Jahr war Jim Thompson mein Anfangspunkt und die zwei  Jahre davor war ich bei  Zimmer & Rhode.

Wir schnappen uns noch jeder zwei Reklameaufkleber mit dem diesjährigen Stofffrühling-Signum. Wir haben alles schon probiert, auf nassem oder trockenem Taxi, mit Spülmittel eingesprüht oder nicht, mit der Kreditkarte oder mit der flachen Hand glattgestrichen. Das Ergebnis  war immer nicht zufriedenstellend. Entweder war die Folie zu lasch aufgeklebt und nach den ersten Autobahnkilometern lösten sich schon die ersten Fetzen. Oder wie 2010, da hatte ich die Folie  so stark glattgestrichen, daß sich beim  Herunterreißen ein kleiner Fleck vom Lack löste. Doch jetzt sind wir auch in dieser Beziehung gereift und wenden die einzige und beste Lösung an. Mindestens zwei  Kollegen tun sich zusammen und ziehen die Schutzfolie im Ganzen von der Rückseite der Werbefolie ab. Wir ziehen die Reklamefolie an allen vier Ecken und spannen die Folie. Möglichst waagrecht legen wir die Oberkante zunächst an das Taxi. In einer Bewegung, ohne die Spannung zu vernachlässigen, führen wir die Unterkante an das Taxi. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Reklame, unserer kurzfristig gebildeten Klebetruppe, klebt sauber ohne Blasen und Falten an den Flanken unserer Taxis.

Es bleiben uns noch zehn Minuten für eine Tasse Kaffee in Glasis Taxistüberl, dann müssen wir uns auf den Weg zu unseren Anfangspunkten machen. Zum Anfang des Tages sind die Fahrzeuge gleichmäßig verteilt über die ganze Route. Es lässt sich nicht vermeiden, daß es während des Betriebes zu Verdichtungen auf der Linie kommt. In dem Fall kürzt dann ein nicht besetzter Kollege quer ab und springt dort ein wo für seine Linie eine große Lücke entstanden ist. Die Veranstalter haben wieder versäumt, den Gästen das System zu erklären, oder die Linien in den Plänen zu benennen. Es hat keinen Sinn unsere Taxis mit den Nummern der Linien zu kennzeichnen, wenn es für die Besucher keine Information gibt wie und wohin die Linie fährt. Es bleibt uns wieder nichts anderes übrig den potentiellen Fahrgästen die Showrooms die wir demnächst anfahren herunterzubeten. Das bei dieser Methode wichtige Informationen verlorengehen, muss ich nicht erklären.

Bei Sacco in der Prinzregentenstraße steigt mir ein Raumausstatter – Paar aus Dresden zu. Ich beginne mit meiner Gebetsmühle.

„Die nächste Station ist dann Jim Thompson, danach kommt …“

„Jim Thompson ist gut, das passt, da wollen wir hin … Die hatten letztes Jahr eine interessante Außendekoration.“

„Ja, einen Affen, der am Namensschild hing. Der hat Geschirr zerschlagen. Die Scherben lagen auf dem Bürgersteig. Das hab ich sogar fotografiert“

„ Die haben immer schön dekoriert. Der Affe passt auch thematisch zu Jim Thompson.“

„Wieso passt der Affe zu Jim Thomson?“

„ Der Jim Thompson ist doch im Urwald verlorengegangen. Den gab es tatsächlich. Das ist nicht nur ein Markenname. Überhaupt, viele der Namen hier sind voll Inhalt …“

Tatsächlich hatte ich im letzten Jahr während des Stofffrühlings das -> Foto des Affen in meinen Blog gestellt. Ohne zu wissen, was das Tier mit dem Namenszug zu  tun hätte, an dem es hing.
Selbstverständlich wollte ich das herausfinden. So habe ich heute, dem ersten Tag nach dem Stoffel (So hat uns Stofffrühlingsfahrer ein nicht teilnehmender Taxifahrer genannt) - Einsatz, die Zeit am Kieferngartenstand benutzt um im Internet Jim Thompson zu finden. Es gibt derer zwei; Jim Thomson den Autor und Jim Thomson den Designer. Obwohl es die Vita des Autors auch ganz schön in sich hat, widme ich mich dem Designer.


 Jim Thompson, der Seidenkönig aus Bangkok, wie er später auch genannt wurde, verbrachte als Offizier der US – OSS – Einheit den Zweiten Weltkrieg in verschieden europäischen Ländern. 1949 verschlug es ihn dann als Soldat der US – Streitkräfte nach Thailand. Dort suchte er nach Geschäftsgelegenheiten und wurde schließlich bei den Seidenwebern fündig. Das Seidenweben in Thailand war zu dieser Zeit noch eine Sache der einzelnen Familien. Die Seide, manchmal auch nur zum religiösen Gebrauch, wurde selbst im Haus gewebt. Jim begann damit die Seide direkt von den kleinen Webern zu kaufen. Er war sich nicht zu schade, die soeben erstandene Seide in der Lobby des Hotels Asia in Bangkok anzubieten. Mit sicherem Geschmack und Verkaufstalent machte er thailändische Seide mit asiatischen Mustern populär. Schließlich produzierten 20.000 Seidenweber Seide, die über den Seidekönig Jim, vorwiegend in Europa und Nordamerika abgesetzt wurde.

Taxi spiegelt sich im Jim Thompson Schaufenster
1967 besuchte Lord Jim eine Familie in Malaysia. Als die Anwesenden vom Mittagsschlaf erwachten, fehlte Jim Thompson. Sein Jackett mit seiner Gallenmedizin hing noch über der Lehne des Stuhls im Garten. Thompson ist einfach im angrenzenden Dschungel verschwunden. Mehrere Suchaktionen blieben erfolglos. Die Gerüchteküche kochte auf; vom Tiger gefressen, Selbstmord, ein neues Leben angefangen … Schließlich war Thompson als Offizier für das Überleben im Dschungel ausgebildet. Bis heute ist der Verbleib des Lord Jims ungewiss. Was von ihm bleibt ist ein Museum in Bangkok und die Firma die ihre Verkaufsstellen rund um die Welt angesiedelt hat. An einer davon, an der Münchner , bleibe ich während des Stofffrühlings mehrmals stehen.

An der Thompson-Haltestelle weise ich meine Gäste auf das gerade entstehende teuerste Stück München hin. Gleich gegenüber in der Müllerstraße ist die Baustelle des Projekts The Seven. Das oberste Stockwerk soll schon an einen ungenannten Käufer für 14.000.000 € verkauft worden sein.

Die Veranstaltung war dieses Jahr ein Auftritt der Spider Murphy Band in der Muffathalle, letztes Jahr war die Veranstaltung noch im Haus der Kunst und hatte dort Venedig zum Thema.


 Wir Stoffel hatten unsere eigene Abschlussveranstaltung im Hirschgarten. Im Gegensatz zur Stofffrühling-Veranstaltung haben wir unser Programm nicht gewechselt. Letztes Jahr waren wir auch schon im Jägerstüberl des Hirschgartens. Diesmal gibt es ein Spanferkelbüffet. Bevor ich mich zu meinen Kollegen geselle, entferne ich noch die Reklame und baue den Sitz  in der zweiten Reihe wieder ein.  Um Mitternacht verlasse ich mit den letzten Aufrechten den Hirschgarten. Am nächsten Tag bin ich in der Früh, beim Arbeitsanfang, richtig verwirrt. Ich weis gar nicht wohin ich fahren soll – so ganz ohne Linie und Route.
 Das Einzige was mich  noch an meine versierten Fahrgäste erinnert ist ein liegengebliebenes Exemplar der DECO.   

Mittwoch, 21. März 2012

Starthilfe


Starthilfe am Marriott


Gerade am Marriott angekommen, sagt ein Kollege aus der Taxireihe zu mir er müsse jetzt zum Ersten gehen um ihm eine Tapferkeitsmedallie zu  überreichen. Er selbst hätte inzwischen schon zweimal gestochen, aber er weiß, daß der Erste schon mindestens drei Stunden ohne Auftrag vor dem Hotel steht. Wegen seines tapferen Ausharrens hätte sich der Kollege die Auszeichnung verdient.
Als endlich ein Kunde aus dem Hotel kommt, springt das Taxi nicht mehr an. Der Taxifahrer  hatte sich die Zeit mit Fernsehen vertrieben. Der stundenlange Betrieb der  Unterhaltungselektronik hat die Batterie des Taxis leergesaugt.
Hilfsbereit springt sofort der Kollege hinter ihm ein und gibt ihm Starthilfe. Ich hoffe er verlangt dafür nichts. Selbst wenn der erste Fahrer eine gute Fahrt für 20,- € ergattert, bleiben ihm, wenn er angestellt ist 10,- €. Bei einem Bruttostundenlohn von 3,33 € wäre eine Starthilfe eine Ausgabe die betriebswirtschaftlich rechtfertigen würde, daß er besser Zuhause auf dem Sofa liegend fern gesehen hätte.

Dienstag, 20. März 2012

Die 34


Zum vierten Mal in dieser Woche führt mich mein Weg mit meinem Volkswagen zur Werkstatt. Der Chef, der am Mittwoch den Leitungsfehler schon eingegrenzt hatte, war wieder von seiner Schulung da und konnte sich meinem Problem widmen.
Auf dem Weg nach Obersendling bleibt das Tachofeld die ersten Kilometer dunkel. Keine Störungsmeldung. Ich denke mir; prima, das ist ja wie beim Zahnarzt, sitzt man im Wartezimmer ist der Schmerz vorbei. Auf dem Weg zur Werkstatt hält sich das Taxi zurück und verschont mich mit Meldungen. Ich sehe mich schon auf dem Hof der Werkstatt stehen mit einem Auto das keine Fehler anzeigt.

Kaum war der Gedanke zu Ende gedacht, wurde ich eines Besseren belehrt. Auf der Garmischer Straße. Ping. Die Heizspirale beginnt zu blinken. Zwei Sekunden später steht in der Anzeige Motorstörung Werkstatt. Nach drei weiteren Minuten kommt noch das Motorsymbol. Aha, jetzt gibt es ja was zum vorzeigen. Ich überquere den Luise-Kisselbach-Platz, jetzt erscheint noch der Partikelfilter.

Der Partikelfilter! Wir haben doch erst am Freitag eine Zwangsregulierung durchgeführt. Mit eigenen Augen und Ohren habe ich gesehen und gehört wie der Partikelfilter von 86% bis auf 7% ausgebrannt wurde. In der Werkstatt, der Chef ist noch nicht da, zeige ich zuerst dem Meister, mit dem ich am Freitag bei der Partikelfilterreinigung war das Symbol. Er erklärt mir noch mal die Funktion der Regulierung. Und jetzt glaube ich, habe ich es kapiert:

Der Partikelfilter reinigt sich alle von selbst. Es ist also während des Betriebs ein ständiges Auf- und Ab- des Grades der Verunreinigung. Außer, und jetzt kommt das wichtige, das Steuergerät meldet eine Störung. In diesem Fall reinigt sich der Filter, a.u. wegen Brandgefahr nicht mehr selbst. Die Verunreinigung steigt also ständig an, nach 4-500 Kilometern ist der Filter voll. Am Freitag also, war bei meinem Taxi der Partikelfilter voll, weil er sich wegen der gemeldeten Motorstörung nicht mehr regeneriert hat. Während der Zwangsregenerierung hat der Meister die Motorstörungsmeldung abgestellt.
Schon am Freitag Nachmittag kam aber die Fehlermeldung wieder und unterband damit die Regeneration meines Partikelfilters. Während des Wochenendes fuhr ich mit dem Taxi eben jene 450 Kilometer, die den Filter verstopften. Logisch, daß dann der Partikelfilter wieder aufleuchtet.

Daß die Reparatur länger dauert konnte ich schon ahnen. Vorsichtshalber habe ich mir meine Tasche mit dem Schwimm- und Sportzeug mitgenommen. Nachdem ich mein Taxi in die vertrauenswürdigen Hände des Werkstattchefs abgegeben hatte machte ich mich auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Dabei stolperte ich in einen Frisörladen, der auf dem Weg lag. In 10 Minuten waren meine Haare geschnitten und gekämmt. Meinem Vorschlag nur die grauen Haare zu schneiden, ist der Friseur nicht nachgekommen. Bei meinem ersten Umsteigepunkt, dem U-Bahnhof Aidenbachstraße rufe ich meinen Freund und Kollegen an. Ich weis; sein Taxi ist auch in der Werkstatt und wir könnten den Tag gemeinsam verbringen. Meinen Vorschlag ins Olympiabad zum Schwimmen zu gehen, findet er nicht so toll. Er hat aber einen anderen Vorschlag. Shoppen!

Seit einer Woche hat er auf seiner WBK einen Voreintrag für eine 9mm Kurzwaffe. ( Auf seiner Waffenbesitzkarte ist verzeichnet, daß er sich eine Pistole im Kaliber 9mm aneignen darf) Jetzt war mir klar woher sein plötzliches Interesse am Einkaufen kam. Ich muss gestehen; sehr viel Überredungskunst hat er bei mir nicht gebraucht. Eine halbe Stunde später treffen wir uns vor Frankonia am Luitpold – Stand. Seit 2016 ist Frankonia in der Ganghoferstraße in Aschheim.

Jagdgewehre bei Frankonia

Obwohl wir eine Pistole kaufen wollen bleiben wir vor den Regalen mit den Jagdlangwaffen stehen. Jedes Gewehr wird gemustert. Erst wird geraten was es sein könnte, dann wird der angehängte Zettel in der Hand gedreht, um zu sehen ob man richtig lag. Preise werden kommentiert. Über Schäfte wird gefachsimpelt. Die Schönheit der Verarbeitung wird beurteilt. Sicherungen und Umschalter werden bedient. Das eine oder andere Gewehr wird in der Hand gewogen. Zärtlich über den Vorderschaft gestreichelt. Über die Vorzüge der einen oder anderen Flinte wird diskutiert. Obwohl wir nicht vorhaben eine Langwaffe zu kaufen! Ich glaube wir kommen dem Gefühl unserer Frauen in einem Schuhgeschäft ziemlich nahe.

Schweren Herzens können wir uns losreißen und gehen in die Pistolenabteilung. Mein Kollege formuliert seine Wünsche. Eine -> Glock muß es sein, soviel ist sicher. Als Neuwaffe gibt es das neue Modell oder noch das alte, oder gleich die Glock 34 mit den etwas längeren Lauf. Alle drei Modelle müssten bestellt werden. Uns genügen die Informationen, mein Freund will es sich noch überlegen. Auf dem Weg nach draußen, läuft uns noch der Filialleiter über den Weg. Ein wahrer Glock – Kenner und IPSC – Schütze. Wir kennen uns schon von der -> Weltmeisterschaft. Er klärt uns gleich über Sinn und Unsinn der Anbauteile auf. Mit aktuellem Glock-Wissen verlassen wir Frankonia.

Ich schleppe immer noch meine Rucksack und meine Laptoptasche mit mir. Wir treffen uns am Hauptbahnhof bei den Schließfächern um unseren Ballast zu verstauen.
 Erleichtert machen wir uns auf den Weg  zum zweiten Waffenhändler bei dem ich im letzten Herbst meine Flinte gekauft habe. Bei der Frage neu oder gebraucht, meint mein Kollege, daß wir uns die gebrauchten Glocks einmal anschauen könnten. Der Händler verschwindet und taucht zwei Minuten später mit den zwei  typischen schwarzen Glock – Kunststoffverpackungen in den Händen wieder auf. Er legt die beiden Packungen nebeneinander auf den Tresen vor uns. Er öffnet den Deckel der ersten Packung. Es kommt eine Glock 17 zum Vorschein. Die 17er kennen wir schon in- und auswendig. Jetzt öffnet er den zweiten Deckel. Da liegt sie eine Glock 34. Die mit dem leicht verlängerten Lauf und der Ausfräsung auf der Oberseite des Schlittens. Jetzt, die Waffe zum Greifen vor ihm, wird er schwach. Der Preis passt und er lässt sich die Pistole  zurücklegen. Von jetzt an höre ich nur noch:

“Die 34. Mensch die 34. Was habt ihr? Die 17? Hier probiert mal die 34.“

Trotz der Freude rufen wir unsere Mechaniker an. Die gute Nachricht – unsere Taxis sind fertig. Am Hauptbahnhof trennen sich unsere Wege. Ich fahre nach Obersendling und nehme meinen VW Bus in Empfang. Der Chef präsentiert mir mit der Rechnung ein 2 cm kurzes Kabel. In der Mitte ist es durchgescheuert. Kaum zu glauben, das kleine Stück  Plastik und Kupfer hat mich die ganze  Woche über so  genervt. Ich stecke das Kabel  ein. Ich will es fotografieren. Am Abend am Marriott fragt mich ein Kollege wie es mir geht. Als Antwort will ich ihm das Kabel als Ursache meines Ärgers zeigen. Ich krame in der Brusttasche und spüre wie mir das Stück  aus den Fingern gleitet. Ich konnte es selbst mit der Taschenlampe nicht mehr finden. Dabei wollte ich es für diesen Post fotografieren.

Heute, keine 24 Stunden später, standen wir Beide wieder beim Krausser, dem Waffenhändler. Wir haben sie abgeholt – die 34!   

Samstag, 17. März 2012

Attraktion


Jagdhorn neben Lodenjacke auf der Bühne

Meine zweite Hegeschau der Deutschen Waidmannsgilde e.V. Heuer, wie im letzten Jahr, veranstaltet die -> Waidmannsgilde ihre Hegeschau und Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Garmischer Hof in München / Sendling.
Die Jagdschüler des diesjährigen Jagdkurses interessieren sich für die Trophäen, die die Jäger mitgebracht haben. Ein Ausbilder erklärt die Geweihe und Gwichtl. Als ich dazukomme zeigt er gerade die verschiedenen Färbungen – vom hellen Weizen- bis zum dunklen Moorbock. Letztes Jahr stand ich genauso mit offenen Augen und Ohren vor der Stellwand. Denn genau das wird den angehenden Jungjägern bei der Jägerprüfung vorgelegt.
Dabei fiel mir auch noch auf, daß der Gasthof ein Wirtshausbrettl unterhält. In der Ecke des Saales ist eine kleine Bühne aufgebaut. Ich stehe im Flur vor den vielen Plakaten mit den Ankündigungen der Kabarettisten, Musiker und Kleinkünstler die hier auftreten.

„Ihr habt hier jeden Tag eine Attraktion. Wer ist denn heute da?“

bemerke ich dem Kellner gegenüber.

„Heute seid ihr die Attraktion!“

antwortet mir dieser beschäftigt im Vorbeigehen. Das kann ich mir schon vorstellen. Eine Horde Jäger mit Lodenjacken und Trachtenjanker mit Gehörnen in der Hand. Dazu noch ein zehnköpfiges Jagdhornchor. Das mag schon auffallen, so mitten in der Stadt.
Und wer uns von den Gästen in der Wirtsstube nicht sieht, der hört uns zumindest. Spätestens dann, als die Jagdhornbläser zum Willkommen blasen.   

Freitag, 16. März 2012

Verkabelt


Da steh ich nun vorgestern in aller Frühe am Flughafen mit der Meldung Motorstörung Werkstatt! und blinkender Heizspirale. Ich will nicht unbesetzt wegfahren. In der Werkstatt in Obersendling wäre jetzt sowieso niemand und wenn ich schon so früh aufstehe will ich es auch ausnutzen und eine besetzte Fahrt zurück in die Stadt mitnehmen.

Die bekam ich dann auch. Eine Fahrt zum Hotel Schreiberhof. Das Hotel liegt in Aschheim östlich von München in der Nähe der Messe. Mit blinkender Heizspirale fahre ich die Kunden zum Hotel. Aschheim liegt auch nicht unbedingt  Nahe an Obersendling aber die 48,- € Umsatz habe ich mir noch mitgenommen – immerhin.

An der Werkstatt rollt der Mechaniker als erstes eine Kabeltrommel ab. Stromversorgung für das Dialysegerät. Das Dialysegerät selbst wird dann noch im Fahrerfußraum an einen Stecker angesteckt. Der Mechaniker meldet das Ergebnis der Messung an den Chef. Der kommt jetzt selbst und steckt an das Dialysegerät Diagnosegerät, daß er inzwischen in den Motorraum gelegt hat zwei weitere Kabel an. Er startet ein Programm an den Gerät und berührt mit den blanken Spitzen seiner Messgeräte mal diesen und mal jenen Kontakt an irgendwelchen Steckern im Motorraum.

Mein VW Bus Taxi im Hof der Werkstatt

Er verschwindet in der Werkstatt und kommt mit einem klassischen Voltmeter wieder zurück. Mit dem Voltmeter misst er den Durchgang und den Widerstand der verschiedenen bunten Kabelstränge zwischen den Anbauelementen im Motorraum. Er hat den Fehler schon eingekreist. Es muss was mit der Luftstauklappe zu tun haben. Er will die Funktion der Klappe und des Stellmotors testet um genau sagen zu können ob es die Staurohreinheit oder nur ein Leitungsfehler ist. Aus den Tiefen des Intranets hat er einen Schaltplan ausgedruckt. Der liegt auf der Werkbank, der Chef beugt sich darüber und studiert die Leitungen. Aus einer Schublade kramt er Kabel, Klemmen und ein H7 Glühlämpchen. Verkabelt wie ein Patient auf der Intensivstation steht mein Taxi vor der Werkstatt.

Die Konstruktion mit dem Glühlämpchen schließt er direkt an den die Autobatterie und an den Stellmotor der Luftklappe an. Mit einem anderen Kabel überbrückt er verschiedene Leitungen. Vorher sagt er immer was passieren soll; 

“Jetzt muß die Klappe aufmachen.“

und tatsächlich – Tschack – es tut sich was in der Staurohreinheit.

“Jetzt darf sie nicht auslösen.“

und wieder erfüllt sich seine Vorhersage. Es bleibt ruhig im Stauraum. Nach ein paar weiteren Tests stellt er fest, die Klappe und der Stellmotor sind in Ordnung. Es muß ein Leitungsfehler sein. Zwischen hier, er deutet auf einen Stecker, und dem Steuergerät. Fahren könne ich so, es gäbe keine weiteren Probleme. Am Donnerstag und Freitag sei er in einer Schulung, aber am Montag soll ich wieder kommen, da könne er sich darum kümmern.

Beruhigt fahre ich meine nächsten Aufträge. Am Nachmittag gesellt sich zu der Meldung und dem blinkenden Heizspiralen-Symbol noch das Motorsymbol. Am Flughafen beruhigen mich die Kollegen

“Der … fährt schon seit Monaten mit dem Motorsymbol. Da fehlt sich gar nichts.

Am Abend gesellt sich noch ein weiteres Symbol zu den schon vorhandenen. Diesmal ist es der Partikelfilter. Es gibt auch eine entsprechende Meldung dazu: Partikelfilter Bedienungsanleitung. Obwohl die Partikelfilter-Anzeige verschwindet, fahre ich gestern in der Früh an der Werkstatt vorbei. Weiterfahren heißt von dort die Anweisung. Obwohl mich sonst schon ein ausgefallenes Kennzeichenlämpchen stört, fahre ich trotz der Anzeigen weiter und mieme den Coolen.

Heute in der Früh, Abholung am Flughafen. Beim drehen des Zündschlüssels blicke ich auf das Tachofeld. Die Anzeige meldet Motorstörung Werkstatt Partikelfilter Bedienungsanleitung. Ich lasse mich von dem leuchtenden und blinkenden Christbaum in meinem Tachofeld nicht beeindrucken, ich habe einen Auftrag. Auf der Autobahn fällt plötzlich die Leistung des Motors ab. Obwohl ich das Gaspedal durchdrücke werde ich nicht schneller als 120 km/h. Das Notprogramm hat sich aktiviert. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich den Kunden und kann ihn versorgen. Blinkend und im Notprogramm fahre ich von Allach durch die ganze Stadt bis nach Obersendling in die Werkstatt.

Dort angekommen beginnt das gleiche Prozedere wie gestern und vorgestern. Zunächst wird das Diagnosegerät angesteckt. Ich mache schon Witze und frage ob sie mir den leerstehenden Büroraum hinter den Hebebühnen vermieten, dann bringe ich am Wochenende mein Bett vorbei, wenn ich eh schon jeden Tag da bin. Der Meister macht an dem angesteckten Gerät eine geführte Fehlersuche. Im Display erscheint die Anweisung das Gerät sei auf dem Beifahrersitz zu nehmen und mit dem Auto zu fahren.
Wir verstauen den Kabelsalat im Fußraum. Auf der umgeklappten Lehne der Beifahrerbank platzieren wir das Gerät. Der Meister nimmt in der zweiten Reihe Platz und kann so bequem sein Gerät bedienen.
Ich folge den Anweisungen, zunächst soll ich 5 Minuten über 20 km/h fahren. 20 km/h sind kein Problem, aber durchgehend 5 Minuten in der Stadt ist schwer einzuhalten. Ich fahre zur Autobahn Garmisch. Auf der Autobahn beginnt der Meister mit der Zwangsregenerierung. Mein Partikelfilter ist zu 86% voll. Ich bin gerade noch rechtzeitig gekommen. Eine Regenerierung ab 90% wäre nicht mehr möglich gewesen.
Nach 5 Minuten Autobahnfahrt mit konstant 2500 Umdrehungen im fünften Gang ist der Partikelfilter immer noch zu 85% voll. Das dauert zu lange. Wir wären ja den ganzen Tag unterwegs bis der Partikelfilter wieder frei wäre. Der Meister löscht die Fehlermeldung mit dem Motorsymbol. Von jetzt an geht es schneller. Er informiert mich alle drei Minuten über den Zustand des Filters. “ 82% … 79% … 64% … 57% … 48%“ inzwischen haben wir die Ausfahrt Münsing auf der Autobahn Richtung Garmisch erreicht. Unter dem herrlichen Alpenpanorama fahre ich über die Autobahnbrücke und dann wieder zurück nach München. In Fürstenried haben wir 7% erreicht. Das Gerät meldet; weiter runter geht es nicht mehr. Der Rest ist der Ascherest der im Partikelfilter bleibt. Während unserer Autobahnfahrt hat die Temperatur im Filter bis zu 700 Grad Celcius erreicht. Als zweites Symbol erlischt jetzt das Partikelfiltersymbol in meinem Tachofeld.  

Zurück an der Werkstatt trennen wir das Gerät vom Taxi. Ich mache noch einen Termin für Montag aus. Da ist der Chef wieder da. Es gibt ja noch die blinkende Heizspirale deren Ursache der Leitungsfehler ist. Als ich losfahre, kann ich mein Glück kaum fassen. Das Symbol mit der Heizspirale ist auch weg. Unschuldiges Dunkel auf meinem Tachofeld. Alles in Ordnung, und das heute den ganzen Tag über.

Bei meiner letzten Abholung, gerade eben auf dem Weg zum Flughafen fing es wieder an – die blinkende Heizspirale. Ich werde ihn wohl doch brauchen den Termin beim Chef am Montag.  

Mittwoch, 14. März 2012

Mir stinkt´s!


“It smells.“

sagt die Fahrgästin aus Thailand und schwenkt die Hand vor ihrer Nase. Riechen tut es schon länger in meinem Taxi, und zwar nach Abgasen. Während der -> Anmeldung zum Stofffrühling haben wir schon darüber gesprochen. Das Problem mit dem Krümmer und dem T5. Die heißen Temperaturen bringen den Krümmer zum Reißen. (Das ist bei T5-VW-Bussen so). Bei mir zeigen sich schon verräterische schwarze Schmauchspuren auf der Innenseite des Motorraumdeckels.  Wenn man Glück hat, wie einer meiner Kollegen, reißt nur die Verbindung. In dem Fall muss der Dichtungs- und Schraubensatz erneuert werden. Dichtung und Schrauben kosten ca. 100,-€. Wenn der Krümmer reißt kommen weitere ca. 450,- € für das Ersatzteil dazu. Die aufwändige Arbeit, der Turbolader muß ausgebaut werden, bleibt in beiden Fällen gleich. Die Reparatur kostet um die 800,- €, bei VW war es bei einem Kollegen um die Hälfte teuerer, hat dafür aber doppelt so lange gedauert.

Schmauchspuren an der Innenseite des Motorraumdeckels

Als ich mein Taxi bei der Werkstatt abstelle, rechne ich mit einer Rechnung in Höhe von etwa 1.000,- €. Gestern Abend, als ich mein Taxi wieder abholte erwartete mich eine positive Überraschung. Bei mir war es nur der Turbolader, der abgedichtet werden musste. Die Dichtung kostet 2,80 €, die Schelle 18,00 €, die Arbeitszeit 120,- €. Die Steuer noch dazu. Ich war richtig glücklich über die Rechnung, die mir der Mechaniker mit meinem Autoschlüssel aushändigte. Alles zusammen nur 167,55 €, und der Fehler ist behoben.

Heute in der Früh, um 4 Uhr fahre ich über den Ring zu meinem ersten Kunden, höre ich ein “Pling“ aus dem Tachofeld. Motorstörung Werkstatt steht da. Zusätzich blinkt auch noch das Symbol der Heizspirale. Ich muß meinen Kunden bedienen, bringe ihn zum Flughafen, bleibe dort stehen und schreibe den Post.

Wenn ich besetzt in die Stadt komme, werde ich gleich bei der Werkstatt vorbeifahren und die Meldung vorführen. Meine Fahrgäste riechen nichts mehr aber mir stinkt es jetzt gewaltig.

Hoffentlich finde wir schnell eine Lösung. Die nächste Fahrt zum Flughafen ist heute um 14:30 Uhr. Die habe ich von einem Kollegen, dem ich gestern eine Schaukel (eine Fahrt zum Flughafen und eine passende Anschlußfahrt zurück) gegeben hatte. Mein Taxi war ja in der Werkstatt

Montag, 12. März 2012

Anschubskandalisierung


Anschubskandalisierung – das zweite Wort auf der Begriffswand in der Balanstraße 73. Es passiert etwas äußerst Seltenes  – Google weiß keine Antwort. Gibt man das Wort bei Google als Suchbegriff ein, spuckt die Suchmaschine nur zwei Ergebnisse aus. Und selbst die beiden Treffer beziehen sich auf ein Foto bei Flickr von genau der Begriffswand über die ich schreibe.

    
Anschubskandalisierung bei Google

Zumindest verrät mir die Reihenfolge der beiden Wörter, daß dabei kein Anschub skandalisiert wird, sondern daß eine Skandalisierung angeschoben wird.
Es wird skandalisiert, d.h. zu einem Skandal gemacht. Ob ein Ereignis skandalös ist oder nicht, ist objektiv. Ein skandalöser Zustand kann jahrelang unter der Oberfläche dahinköcheln ohne das daraus ein Skandal wird. Dazu bräuchte es dann Öffentlichkeit und die Skandalisierung.
Daß wir Taxifahrer mit unserer Arbeit, kaum eine Familie ernähren können, obwohl wir auf freie Wochenenden und Urlaub weitgehendst verzichten, ist ein skandalöser Zustand. Interessiert aber niemand und der Skandal bleibt aus. Leider! Dazu bräuchte es jetzt die Anschubskandalisierung. Und noch diesem Post kann man sie auch finden – bei Google!   

Sonntag, 11. März 2012

Bubble Tea


Schlangen vor einem Laden am Rindermarkt. Ca. 50 Jugendliche stehen am letzten Samstag vor der Bubble Tea Verkaufsstelle am Rindermarkt, gleich hinter unserem Taxistand. Im Laufe der Woche fällt mir noch mal eine Schlange auf. Diesmal am Kaufhof-Taxistand an der Sonnenstraße. Wieder ist die Ursache ein Bubble-Tea Laden. Neugierig geworden beschließe ich bei der nächsten Gelegenheit einen der beiden, für Taxifahrer so strategisch günstig gelegenen Bubble-Tea Läden aufzusuchen.

Gestern, nachdem ich sechs Spengler aus der Schweiz zu einem Dachdecker-Musterbetrieb in die Rothmannstraße gebracht hatte, war die Gelegenheit günstig. Keine fünf Minuten später stand ich vor dem Kaufhof, die schon anwesenden sechs Taxis am Standplatz schreckten mich nicht ab, war ich ja in einer kulinarischen Mission unterwegs.
Vor dem neuen Bubble-Tea Tresen, direkt neben dem Curywurststand, den es da schon seit mindestens 15 Jahren gibt, standen jetzt nur zwei 16-jährige Jungs die aufmerksam die bunte Karte studierten. Der eine, offensichtlich schon ein Bubble-Tea Kunde, erklärte dem anderen die Bestellung. Aus der Zeitung weiß ich, daß die verschiedenen Zutaten auf der Karte über 40.000 verschiedene Kombinationen zulassen.



Ich bestelle mir grünen Tea mit Passionsfrucht und Brown Sugar als Toping. Auf der Karte stehen unter Topings nur Fantasienamen. Ich kann keinen außer Brown Sugar verstehen, deshalb viel meine Wahl auf das Vertraute.
Der Asiate hinter dem Tresen tippte meine Bestellung in eine elektronische Kasse die einen kleinen selbstklebenden Bon ausspuckt. Den Bon klebt er auf einen durchsichtigen Plastikbecher den er neben den größeren Bechern der Jungs stellt.
Mit einem kleinen Messbecher füllt er in meinen Becher kleine Einheiten aus verschieden weißen Kanistern, die hinter ihm im Regal stehen. Inzwischen füllt er in die Becher der Jungs jeweils eine handvoll Eis. Er verschleißt die Becher mit einem Deckel und spannt sie in eine Maschine. Die Maschine schaukelt anstelle eines Barkeepers die Becher hin und her.   
                                                                                                                                        
Ich muß schnell weg, mein Taxi nachziehen. In der Zwischenzeit sind zwei Kollegen weggefahren. Als ich wiederkomme, steht mein Becher, mit Folie abgedeckt und versiegelt auf dem Tresen. Ich nehme mir einen von den fetten Strohhalmen dazu. Im Taxi durchsteche ich mit dem dicken Strohhalm die Folie. Es ist gar nicht so leicht das Getränk durch den Halm zu schlürfen ohne daß ein Bubble mit in den Mund ruscht. Am Geschmack stelle ich fest: Die Bubbles müssen der Tee sein. Die schmecken nämlich nach fast gar nichts wie es die Eigenschaft des grünen Tees ist.

Die orangenfarbene Flüssigkeit in der die dunkelbraunen Bubbles schwimmen, schmeckt nach Passionsfrucht. Aha, das ist der Geschmack, den ich mir dazubestellt habe. Wenn ich mich nicht irre hat der Bubble-Tea-Asiate auch was Flüssiges aus dem Wärmebehälter mit der Aufschrift Green Tea gefüllt.
Süß ist das Ganze mehr als genug. Man müsste nicht extra noch Brown Sugar als Topping bestellen.

Die Bubbles waren von einer seltsamen Konsistenz; außen schleimig weich und im Zentrum härter werdend. Dazu nach der mehr als fade grüne Teegeschmack. Ich hab die Bubbles dann in meine Küchenrolle gespuckt und dem Abfall übergeben. Die anderen Bubbles, die ich einem meiner Kollegen zum Probieren gegeben habe, haben das Schicksal ihrer Vorgänger geteilt.

Eine Chance gebe ich Bubble-Tea noch. Als nächstes nehme ich ein Getränk mit Joghurt, das gibt es auch. Als Teesorte wähle ich dann etwas geschmackvollern Tee, damit die Kügelchen auch nach etwas schmecken. 


 Jetzt kommen drei Touristen, offensichtlich auch aus Asien. An dem Bubble-Tea-Stand gehen sie achtlos vorbei. Der Stand daneben, der mit den Würstchen, der weckt ihr Interesse. Sie bestellen. Der Wurstmann nimmt mit einer Zange eine Wurst vom Grill und steckt sie in ein Gerät. Die Asiaten strecken ihre Hälse und beobachten wie die Maschine ratternd die Wurst in Scheiben schneidet und in die weiße Pappe purzeln lässt. Genauso wie ich vor 10 Minuten ihrem Landsmann auf die Finger schaute wie er meinen Tee seiner Schüttelmaschine übergab. Jeder mag wohl das, was er nicht kennt. Die Drei halten ihre Currywurst und Semmel in der Hand. Mich würde interessieren wie es ihnen schmeckt.

  

Donnerstag, 8. März 2012

Anmeldungen


Am Dienstag war die Anmeldung zum Stofffrühling 2012. Das wird mein vierter Stofffrühling sein. Diesmal bin ich aber früher da. Die Anmeldung beginnt um 9.00 Uhr. Wer als erster da ist, mahlt zuerst. Während der letzten Jahre kam ich immer 15 Minuten vor der Zeit mit dem Ergebnis, das ich nicht zu denen gehörte die, die ganzen vier Tage Stofffrühling durchfahren können. Als ich bisher an die Reihe kam, waren für mich nur noch die ersten drei Tage übrig. Für einen Tag Stofffrühling bekommt jeder Taxibus so um die 300,- € brutto. Genau weiß ich es diesmal nicht. Aber es ist für uns Taxifahrer in jedem Fall ein Schnäppchen, wenn nach vier Tagen 1200,- € aufs Konto überwiesen werden. 



Heuer bin ich schon eine halbe Stunde vorher da. Schon bei der Anfahrt sehe ich an der Plinganserstraße vor unserer Genossenschaft die Busse der Kollegen geparkt. Alle Taxis haben keine Außenwerbung, das ist Voraussetzung. Während des Stofffrühlingeinsatzes werden unsere Taxis mit dem Logo der Veranstalter beklebt.

Ich finde noch einen Parkplatz im letzten Winkel im Hof unserer Genossenschaft. Im Büro im ersten Stock sollen wir uns anmelden. Die Schlange der Wartenden beginnt schon im Treppenhaus. Lauter bekannte Gesichter. Hinter mir kommt Ali, den ich während unserer -> Dresdenfahrt, im letzten Oktober näher kennengelernt hatte. Er ist zum ersten Mal dabei und hat noch viele Fragen. Hier ist er genau richtig. Die Stofffrühlingveteranen haben genug Zeit ihn aufzuklären.
Ich selbst habe schon auf der Seite des -> Stofffrühling gespickt. Was die Shuttle Routen betrifft gibt es 2012 keine großen Neuerungen. 

In der Reihe wartend erwähne ich beiläufig, daß ich Probleme mit dem Krümmer meines Taxis habe. Wenn ich mit dem Auto im Verkehr stehe dringen Abgase aus dem Motorraum über die Lüftung in das Fahrzeuginnere. Ich war beim Mechaniker, der erklärte mir das läge an dem Krümmer, eine T5 – Krankheit, der Krümmer reißt, wird undicht und die Abgase finden ihren weg durch die seitlichen Schlitze des Motorraumdeckels zu den Ansaugschlitzen der Lüftung. Bei schneller Fahrt bemerkt man nichts, steht man aber im dichten Verkehr, richt es schon nach Sekunden nach Abgasen. Es finden sich sofort zwei ehemalige VW-Bus Fahrer die mir berichten, sie hatten bei ihren VW-Taxis das gleiche Problem. Jetzt fahren alle Beide einen Kleinbus aus dem Hause Mercedes und wären weit zufriedener. Den Wechsel von vw auf Mercedes bemerke ich in München bei den Großraumtaxis schon seit Monaten. Ich schreibe diesen Post jetzt während ich in der AGIP – Reihe stehe. Im Moment kann ich elf Großraumtaxis in der Busspur überblicken. Das Fazit: ein Hyundai, ein Volkswagen und neun Mercedes (Vito und Viano). Auf dem Foto, daß ich bei der Parkplatzsuche geschossen habe, sind fünf Bustaxis – nur einer davon ist noch ein VW. Und das ist noch ein T4.

Manche Kollegen bezahlen mit dem Lohn für den Stofffrühling die diesjährige Funkgebühr. Ich werde das Geld für den neuen Krümmer opfern müssen. Mein Mechaniker hat mir noch Hoffnungen gemacht. Es könnte sein, daß nur die Dichtungen ausgewechselt werden müssen. Dann würde ich mir den Krümmer, der ca. 450,- € kostet sparen. Die Arbeit wäre die gleiche. Nachdem aber, was ich jetzt von den Kollegen gehört habe, ist mir diese Hoffnung zerstört. Ich kann mich nach der Anmeldung zum Stofffrühling auch noch gleich in der Werkstatt anmelden. Hier hat sich mein frühes Erscheinen gelohnt - ich war der letzte in der Reihe der vier Tage bekommen hat. 

Montag, 5. März 2012

taxinewstom


In einem Hotel in Königswinter lernen wir ihn kennen. Wir; meine Frau Vesna und ich, ihn - Tom. Ich weiß nicht wer sich zu wem gesetzt hat. Aber auf alle Fälle saßen wir zu  Dritt am Frühstückstisch und tauschten uns aus. Was wir von der Messe halten, was von unseren Testautos. Die Messe war die Europäische Taximesse die alle zwei Jahre in Köln stattfindet. Jürgen von Taxi-heute hatte eine Testfahrt mit den Taximodellen verschiedener Fahrzeughersteller organisiert.
Er begleitete uns Testfahrer um von der Testfahrt zu berichten. Gleich danach sahen wir ihn auch schon in Aktion, als wir paarweise neben unseren Testwagen von ihm fotografiert wurden. Jetzt war  es allen klar - ein Schreiberling. Damals viel mir zum ersten Mal sein Schieberkäppi auf.

Jetzt kennen ihn schon mehr Taxler. Sein Konterfei grüsst von jeder dritten Seite der Isarfunknews. Zuerst kollegial, lässig den Arm auf die Fensterkante des Taxis gelegt, das Käppi auf  dem Kopf, später dann seriös mit Sakko und weißem Hemd, das Käppi hat er abgelegt. Kein Wunder ist er doch deren Chefredakteur. Schau, Schau der Hofberichtserstatter des Isarfunks. Jeder Kontakt mit ihm wurde argwöhnisch beäugt. Er wurde der taxinewstom. Und als taxinewstom  schreibt er jetzt einen Blog. Er hat mich mal gefragt wie ich seinen Blog finde, er hätte besser fragen sollen; wo ich die einzelnen Posts finde. Als ich mal reingeschaut habe war alles wie durcheinandergewürfelt. Jetzt mit dem wordpress-Template ist alles schön übersichtlich.  Er ist Bloggerkollege und Münchener Taxifahrer, nicht nur deshalb findet ihr seinen Blog ab heute in meiner Blog-Liste.

Der taxinewsalfred oder die taxinewsmonika hätten auch aus dem Gewerbe berichten können. Hinter jedem Newsman steckt auch ein Mensch. Wenn wir taxinews einmal für einen Augenblick vergessen bleibt noch der Tom.

Eine seiner Faibles ist der Balkan. In dem Gemisch von Nationalitäten und noch mehr Staatsangehörigkeiten, einer handvoll Religionen und noch mehr Glaubensbekenntnissen, inmitten der gelebten Kulturen fühlt er sich zuhause. Das hört man wenn man mit ihm spricht, das sieht man wenn man seine Texte kennt und das richt man wenn er seinen Knaster raucht. Ich weiß nicht woher seine exotischen Zigaretten kommen, aus Bosnien oder aus Herzegowina, aber ganz sicher von irgendwoher aus dem Balkan. Zwischen den tatsächlichen Minenfeldern und den Minenfeldern aus Fettnäpfchen, in die jeder zumindest das erste Mal  stolpert, wenn er nicht mindestens sechs Semester Slawistik in Wien studiert hat, fühlt er sich wohl.

Tom fliegt dabei nicht mit der Lufthansa oder JAT, sichert sich kein Basishotel, akkreditiert sich nicht  mit seinem neuen Presseausweis bei der deutschen Botschaft, wendet sich nicht an den Local Support – nein, Tom mag es nicht so einfach. Kompliziert, sich nicht auf den ersten Blick erschließend muß es sein, wie der Balkan eben. Er reist mit Bus und Zug, vertraut sich unseren Taxikollegen an. Und das kann uns nur gefallen, denn so findet er das, auf das wir neugierig sind.  
Ich sehe ihn im Geiste vor mir. Er sitzt am Tisch im Schatten eines Kaffees im Hof eines Busbahnhofs in Bosnien. Genausogut könnte es auch in Serbien, Herzegowina oder Montenegro sein. Vor ihm steht ein Mokka in einer kleinen Tasse mit verwaschenem Aufdruck. Er raucht seine exotischen, in diesem Falle, heimischen, Zigaretten. Welche verschlungenen Wege seine Zigarettenpackungen wohl gegangen sind, bis er sie in München in seiner Jackentasche findet. Er blickt auf die bunten Busse mit  kyrillischen oder lateinischen Buchstaben. Sein typisches Käppi hat er jetzt wieder auf. Hier spürt er seine nächste Story auf. Und wir wollen sie lesen. Nicht nur im Blog.


  

Sonntag, 4. März 2012

Garmischer Tor


Der Werner schreibt es dem Volkmar, Volkmar schreibt es mir, und ich weiß heute, daß ich den Farchanter Tunnel übermorgen nicht mehr so befahren kann wie jetzt.

Tunnel Farchant

Übermorgen, am 06.03.2012, wird die Oströhre des Tunnels Farchant für sechs Tage gesperrt. Die offen gebliebene zweispurige Weströhre, in Fahrtrichtung Garmisch-Partenkirchen, muß ich mir dann mit dem Gegenverkehr teilen. Nach den ersten sechs Tagen, wenn die Oströhre für den Gegenverkehr vorbereitet wurde, wechselt dass Spiel und die Weströhre wird gesperrt. Das Ganze geht dann über acht Monate. Es bleibt immer nur eine Röhre befahrbar. Bis auf ein paar Nächte im Mai und Juni, da wird der Tunnel voll  gesperrt. Der Verkehr wird dann über Farchant geleitet. Ich hoffe die Freiwillige Feuerwehr Farchant hilft dabei, wie sie es bei Notfallsperrungen immer gemacht hat.

Obwohl der Tunnel erst 2000 nach seiner Inbetriebnahme (da ist wieder so ein typisch deutsches Wort; Inbetriebnahme) vom ADAC als Testsieger in Europa ausgezeichnet wurde, muss wieder gebaut werden um die gehobenen Sicherheitsstandards zu erfüllen. Es wird vier neue Rettungsquerschläge geben. Die Fluchtwege und die Lüftung werden verbessert. Neue Kameras installiert. Alles zusammen wird ca. 13 Mio. € kosten.

An den Sams- und Feiertagen empfiehlt sich für uns, wenn wir mit unseren Arabern und Amerikanern nicht direkt nach Garmisch müssen, die Garmischer Autobahn an der Anschlussstelle Murnau/Kochel zu verlassen. Die Strecke über Kochel – Kesselberg – Krün ist sowieso schöner und im Sommer ohne Probleme zu befahren. Beeindruckend ist die Fahrt am Ufer des Walchensees am Wickidorf vorbei. In Krün muss es ein gutes Kaffee geben. Wurde mir empfohlen, habe ich aber noch nicht ausprobieren. Wenn unsere Wüstensöhne allerdings Schnee sehen wollen, bleibt uns nichts anderes als der Tunnel Farchant.


Im Herbst sehen wir dann das Licht am Ende des Tunnels, die Bauarbeiten werden voraussichtlich am 14.11.2012 beendet sein.


Samstag, 3. März 2012

Adult Pop


In den Gebäuden des ehemaligen Industriegebietes an der Balanstraße 73 haben viele Existenzgründer einen Platz für ihren Start up gefunden.
Ich befahre das Gelände wenn ich einen Parkplatz während meines Aufenthaltes an der -> Currywurstbude brauche. Mit Fahrgästen findet man mich auch auf dem weitläufigem Gelände. Dann irren wir zwischen den Hallen, auf der Suche nach Haus A, B, C, oder, oder, oder – dabei habe ich eine interessante Entdeckung gemacht. Ich nenne sie Begriffswand. Auf ihr finden sich Begriffe wie sauber, proper, in klarer Schrift, alphabetisch geordnet aufgemalt.
Die Begriffe wecken mein Interesse. Mit vielen kann ich nichts anfangen. Ich will herausfinden was die einzelnen Begriffe bedeuten und was sie mit München zu tun haben. Heute fange ich an. Mit dem Begriff der alphabetisch der Erste ist und wie es sich gehört an der Wand oben links steht:
adult pop

Begriffswand in der Balanstraße 73


Erwachsene Popmusik, oder doch eher Popmusik für Erwachsene. Das fällt mir zunächst ein ohne zu googeln. Das wäre also Musik für Menschen in meiner Altersklasse 40+. Was habe ich, oder besser wir, meine Generation, gehört?

Neue deutsche Welle, Kim Wilde, Nena, Hardrock, Metal, Depeche Mode, Billy Idol, Flashdance, Rap, Naugty By Nature, Breakdance, Ideal, Extrabreit, Boy George, Kraftwerk  … bis zu den Ton Steine Scherben und Sex Pistols – das alles habe ich einfach so  braingestormt in die Tastatur gehackt.

Die NDW, die Neue Deutsche Welle, war einfach Spaß. Markus brachte es auf den Punkt mit seinem “Ich geb Gas, ich will Spaß“. Die Texte waren auf deutsch, verständlich und eingängig. Nena hat uns mit ihren 99 Luftballons ein klein wenig in unser friedfertiges Gewissen gesungen. Kim Wilde war einfach nur geil in den 80ern mit ihrer blonden Föhnfrisur und Lederkluft. Hardrocker  und Metler war ich nie, aber ich kann mich an meine frühen Freunde erinnern, die versucht haben mich in den Hardrock einzuführen. In Freising, im Lindenkeller, haben sie es mir gezeigt;

“So muast as macha. So wia i. Voi flippn muast!“

brüllt er mir ins Ohr und schleudert wie die Anderen auf der Tanzfläche seinen Kopf  hin und her. Daß das Headbanging war, habe ich erst Jahre später gelernt. Depeche Mode, jetzt komme ich der Popmusik schon näher, Master And Servant und  People Are People waren ihre ersten Hits. In dem Schallplattencover war ein Booklet. Wir haben die Texte, die darauf abgedruckt waren, übersetzt und kamen zu  dem Schluß, das es genau so ist wie die es singen. Von denen hatte ich die erste bunte Schallplatte – die Platte war grün-weiß marmoriert und alleine deswegen schon eine kleine Sensation.
Der Film Flashdance, er zeigte uns zu einer Zeit in der Musikvideos noch nicht so verbreitet waren, wie eindrucksvoll Bilder  mit Musik kombiniert werden können. Die Umgebung in der der Film spielt, eine Großstadt in Nordamerika, war für uns mehr als interessant. Wir lernten Graffiti und Breakdance kennen. Der erste Rap kam mir zu Ohren. Später musste der Rap dann immer härter werden. Das waren schon Helden für einen Jungen in einem bayerischen Dorf, die Gangster in den Ghettos der East- oder Westcoast, die sich von Niemanden etwas sagen lassen.
Da war da noch Ideal, zwar NDW aber beileibe keine Spaßband. Bei der Musik stellte ich mir vor wie ich alleine oder mit Freundin mein Leben meistern werde. Wie ich in einer Stadt arbeite, wohne und meine Freizeit verbringe. Bei den Titeln fühlte ich mich in Gedanken schon richtig erwachsen.
      
Boy George war ein Paradiesvogel. Geschminkt und feminin haucht er „Do you really want to hurt me?” ins Mikrofon. Der würde es den Spießern bei uns im dorf schon zeigen. So rumzulaufen wie der Boy George das traut sich hier keiner. Ernüchternd war dann was mit ihm weiter passiert ist. Vor drei Jahren war er als DJ in einem Club bei uns im Kunstpark Ost angekündigt so richtig interessiert hat das dann Niemanden mehr so richtig.
Kraftwerk war und ist Kult, manche sehen in der Band die Begründer des Techno. Ich hatte die Original-LP Autobahn von denen. Ein DJ aus dem Nachtcafe, hat zu der Zeit als das Nachtcafe noch eine Disco, und ich noch ein Nachtfahrer war, 400,- DM für die Scheibe geboten.

Punk – die Musik kannte ich von den geliehen Platten eines Kollegen auf der Baustelle. Er war zwar kein Punk, hörte aber die Musik. Meine unstillbare Neugierde brachte mich dann in Bekanntschaft zu der Musik der Sex Pistols und Exploited.
Gespannt lauschte ich neben ihm die Schaufel in der Hand seine Erläuterungen zu den Punks.

“… dann gibt’s dann noch den Lepra. Der ist ein Hardcore-Punk in München oder Berlin.“

München oder Berlin, ich weiß nicht mehr was er genau sagte, aber von meinem Standpunkt aus, zwischen Laderaupen und Bergen von Mutterboden, bis zu den Knöcheln im Dreck, war mir das auch ziemlich gleich. Beides waren für mich einfach nur Riesenstädte, Metropolen, Paradiese nach der Enge des Dorfes.

“Was ist das – ein Hardcore-Punk?“ frage ich zurück.
“Der ist nur Punk, sonst nix.“
“Ja und was arbeitet so ein Hardcore-Punk wie der Lepra?“
“Nix, der arbeitet net. Nix, macht der. Des is a Punk!“

 Für mich begann eine Welt zusammenzustürzen, als mein Kollege mit den schweren Stiefeln  hinter der Raupe davonstapfte. Aber eine neue, bunte, verlockende tat sich auf. Für mich unvorstellbar daß da einer nix arbeitet. So was geht nur in einer Großstadt! Da braucht man sich nicht genieren. Da muß ich hin – in die Stadt!  Später, als ich mit meinem Kollegen  über  Exploited und den Lepra sprach, verriet er mir, daß der vom Schnorren lebt.

Irgendwie ist mir aber schon klar – das kann nicht alles Adult Pop sein. Depeche Mode könnte man vielleicht noch dazu zählen. Was genau Adult Pop ist weiß ich (noch) nicht. Während ich mich mit dem Begriff beschäftigte sind mir in meinem Kopf Bilder aus meiner Jugendzeit wieder hochgekommen.



 Ein aktuelles Bild habe ich auch noch, das nach eigenen Aussagen eines der bedeutendsten Adult Pop Label Deutschlands, die -> Koch-Universal-Music, sind in dem Gebäude in der Ganghoferstraße 66 untergebracht. Davor steht mein Taxi. Damit bin ich wieder in der Gegenwart und in meinem Autoradio dudelt Bayern 3. Ich habe da so einen Verdacht, das was ich da so aus dem Radio höre, das muß es sein – Adult Pop.      

Donnerstag, 1. März 2012

Frühling


Frühlingsgefühle werden wach. Wenn man unter Frühlingsgefühle das Wechselbad der Stimmungen versteht, dann bin ich in der richtigen Verfassung.

 Gestern Abend habe ich noch zwei Aufträge abgelehnt. Zwei Personen mit einem Surfbrett hätten zum Flughafen gemusst – den Kollegen musste ich leider enttäuschen. Und dann noch ein Anruf um 22.00 Uhr Abends ein Auftrag für heute früh zum Hafen. Auch die Kunden konnte ich nicht bedienen. Ich wollte einfach heute früh nicht vor meiner Familie aufstehen, sondern Frau und Kinder wenigstens ein paar Minuten sehen. Gestern musste ich für den ersten Auftrag um 4:30 Uhr aufstehen und kam kurz vor 22.00 Uhr nach Hause – da hebe ich kein großes Ohr mehr für Aufträge. Mir ist sehr wohl bewusst, daß das ein großer Luxus ist, Kunden abzulehnen aber ich will und kann nicht rund um die Uhr am Mobiltelefon hängen.

Frühlingssonne am Sonnen-/Waldbarth

So komme ich heute ausgeschlafen, geschneuzt und gekampet und gut gefrühstückt auf die Straße. Um 9:00 Uhr komme ich nach Gröbenzell zu einem anberaumten Maklertreffen, nur um festzustellen, daß es abgesagt wurde. Ohne Zögern setze ich mich in mein Taxi, drehe um und fahre in die Stadt zurück. Am ersten Taxistand auf meinem Weg, dem Schirmmer (liegt an der Verdistraße bei Schloß Blutenburg), steht kein Taxi. Ich aber in meinem Drang, das zu tun was ich will, mich nicht vom Ruach (bayr. für Geiz und Raffsucht) überwältigen zu lassen, fahre fröhlich und erhoben Hauptes vorbei, um dann am Bahnhof Nord festzustellen, daß die Reihe der wartenden Taxis weit bis in die Arnulfstraße reicht. Recht so! Das Schicksal will mich also herausfordern! Gerne – ich biege um die Ecke um mich am Bahnhof Mitte anzustellen. Und prombt werde ich belohnt. Ein warmer Luftzug umschmeichelt mich. Ich blinzle in die Sonne und begrüße mir unbekannte Kollegen.
Sorgen macht mir nur mein Taxi aus dem Hause Volkswagen, dessen Automatikgetriebe beunruhigend spät erst in den nächsthöheren Gang schaltet. Ich tröste mich mit der verwegenen Hoffnung, daß ich bei der morgigen Inspektion das Automatiköl prüfen lasse und damit alles wieder in Ordnung wäre. Zudem habe ich gestern noch ein kleines Loch in der Windschutzscheibe, nicht groß, aber genau in der Mitte. Die Scheibe wurde zuletzt im November getauscht. 

 Nach nur 15 Minuten bin ich mit einer Dame auf dem Weg in die Frauenklinik in der Maistrasse. Mit Trinkgeld bekomme ich 8,- €. Gleich dann am Sonnen/ Waldbarth Stand gönne ich mir einen Kaffee im Becher und die Zeitung. So warte ich lesend und genießend nach Taxifahrermanier auf das was da kommen mag. Loch in der Scheibe und Getriebe sind vergessen bis mich ein Fahrgast zum Maximilianeum bucht.

Maximiliansbrücke vom Maximilianeum

 Bei der steilen Auffahrt zum bayerischen Parlament steigt die hörbar Drehzahl meines VW-Motors.
Zum Glück drehen wir nicht durch, jetzt wo wir vor dem Landtag stehen.