Donnerstag, 28. Juni 2012

Chinesisch


Jetzt sitze ich beim Chinesen. Nicht bei einem kleinen bei dem man vom Stehtisch aus über den Tresen dem Koch in den Wok schauen kann. Und auch bei keinem der neuen großen All-you-can-eat-Chinesen die jetzt immer öfter bei uns im Münchener Norden auftauchen. Obwohl ich bei denen ganz gerne bin.
Ich bin im -> Asia-City in Karlsfeld. Hier war ich schon mal vor einem Jahr. Es muß vor einem Jahr gewesen sein, weil ich mich erinnere, daß ich meine Heintges Lehrmaterialien für die Jägerprüfung bei mir hatte. Damals bestellte ich mir mein Lieblingschinesisch Essen – Schweinefleisch süß-sauer mit Reis. Meine zweite Wahl wäre Gemüse mit Reis. Wahrscheinlich würde sich ein richtiger Chinese wundern über das was wir hier in Europa als chinesische Küche verstehen.
Ich hatte das Glück drei Tage mit einer Delegation aus Südchina unterwegs zu sein. Richtig tolles Programm mit Dolmetscherin. Neben den Geschäftsterminen haben wir uns einen Ausflug nach Herrenchiemsee. Die Gäste wollten sich bei den Auftraggebern mit einem authentischen chinesischem Mahl revanchieren. Es wurde ein Koch gesucht und gefunden. Wichtig war, daß der Koch aus der gleichen Region kam wie die Delegation. Am Tag vorher wurde schon mit dem Küchenmeister besprochen was auf unserm Tisch landen soll. Das Lokal wurde für uns reserviert. Wir trafen am Nachmittag ein, ich war eingeladen, und nahm an der großen Tafel Platz. Es sei Sitte, daß alle um einen großen Tisch setzten und sich von den vielen bunten Töpfen, Bechern und Tiegeln in der Mitte bedienten.
Jetzt esse ich gut und viel. Aber das Meiste was angeboten wurde hatte ich vorher noch nie gesehen. Wir sind ganz weit weg von unseren bekannten asiatischen Speisekarten von denen wir nur die Nummern ablesen und dann bestellen:

“ Zwei große Cola, zwei Apfelsaftschorle. Ist bei der Nummer 13 Reis dabei? Nein … hm dann nehmen wir die Nummer 5. Ist die mit Reis? OK dann also; einmal Nummer 5, Zweimal Nummer 11 und einmal Nummer 2. Vorher noch bitte dreimal die Frühlingsrolle. Welche Nummer hat die nochmal?“

Ich frage die Dolmetscherin was dies oder jenes sei. Sie kann oder will meine Fragen nicht beantworten. Meine Tischnachbarn nehmen sich geschickt mit den Stäbchen die Speisen aus den Schälchen. Kaum haben sie den Happen im Mund, halten sie mir abwechselnd, mal von rechts, mal von links, das Behältnis freundlich lächelnd unter die Nase. Hilflos blicke ich schulterzuckend zur Dolmetscherin. Die nickt nur einladend ohne eine Erklärung. Und ich nehme. Neugierig auf fremde Geschmäcker kaue, zuzle, schlürfe ich die dargebotene Kost. Eine interessante Speise war Etwas in der Konsistenz Schleimiges, Beigefarbenes in einer scharfen Suppe mit Zitronengras Schwimmendes. 


Running Sushi im Asia-City
So etwas finde ich heute nicht beim Asia-City. Ich bestelle wie damals ganz unspektakulär Schweinefleisch süß-sauer mit Reis. Damals bekam ich alles gemischt auf einem Teller. Das Schweinefleisch war klein geschnitten und mit Sprossen dem Reis untergemischt. Ein wohlschmeckendes Gericht. Diesmal, meine letzte Fahrt endete in Karlsfeld, wird das Gleich Gericht anders serviert.
Zunächst stellt der Kellner eine Wärmeplatte mit zwei Teelichtern auf den Tisch. Nach nicht mal 10 Minuten stellt er auf die Wärmeplatte einen Teller mit dem Schweinefleisch in mundgerechten Stücken, frittiert, in der roten Soße. Daneben platziert er Reis in einem Blechtopf mit Deckel. Ich bin schon etwas enttäuscht. Habe ich mir doch das Gericht so erwartet, wie ich es vor einem Jahr bekommen hatte. Der Geschmack war eher durchschnittlich.

Hätte ich das gewusst. Hätte ich mich für Running Sushi entschieden. Ein kleines Förderband lässt neben mir Sushi, Meeresgetier, Früchte, Kuchen, vorbeifahren. Ich muß mich zurückhalten nicht einfach zuzugreifen. Diese Option hebe ich mir für das nächste Mal auf.

Zum Abschluss bekomme ich noch ein Stamperl mit einem grünen Getränk und ein kleines feuchtes Handtuch gereicht.

Ich froh, daß die chinesischen Köche ihre Gerichte europäisieren. Die authentische chinesische Küche ist mir nicht ganz bekommen.

Montag, 25. Juni 2012

Neues Gerät


Eines der Ersten ...

Nachdem mich das Datenfunkgerät am Dienstag so ärgerte, viermal abgestürzt und viermal neu aufgesetzt, ließen sogar meinen Geduldsfaden reißen, habe ich beschlossen etwas zu unternehmen. Ich habe sogar mit dem Gedanken gespielt ganz auf die Funkvermittlung zu verzichten. Davon bin ich dann aber wieder abgekommen, weil ich mich dann am Standplatz zu Tode ärgern würde, wenn hinter mir immer wieder die Taxis aus der Reihe ausscheren um die Aufträge zu fahren, die ich mit Funk bekommen hätte.
Gerüchteweise soll ein neues Gerät schon in einem Taxi eingebaut worden sein, das weniger empfindlich gegenüber der Hitze sei. Damit wäre ein Teil der Absturzgründe schon mal ausgeschaltet.
Ich habe noch das ganz alte HP-Gerät. Das Model, das schon beim Testbetrieb 2006 eingebaut wurde. Das mit der blauen Taste unten links. Inzwischen gibt es schon zwei Nachfolgegeräte. Alle diese Geräte sind aber nicht für den Festeinbau in Fahrzeugen konzipiert. Alle haben einen Akku, als Laie denke ich ist das der Knackpunkt. Die Geräte müssen dort eingebaut werden, wo sie den bestmöglichen GPS - Empfang haben. Dort sind sie aber auch am meisten der Sonne ausgesetzt. Der Akku, scheint mir, scheint ein großer Faktor bei dem hitzebedingten Ausfall der Geräte zu sein. Die Geräte sind sowieso nur fest im Auto verwendbar, weil sie mit der Combox (oder Blackbox) verbunden sein müssen. Ein Akku in den kleinen Geräten wäre gar nicht nötig, könnten sie doch, wenn sowieso angeschlossen, Strom von der Autobatterie ziehen.
Würde ich das neueste Gerät kaufen, müsste ich zum -> Ersan um eine neue Halterung einbauen zu lassen. Das neue Gerät und die alte Halterung mit dem alten Stecker passen nicht mehr zusammen.

In unserer Genossenschaft bekomme ich ein gutes gebrauchtes Gerät angeboten. Sie nennen es einen Neunundsechziger. Die 140,- € netto für das Gerät bekomme ich in Rechnung gestellt. Bei dem neuen Gerät ist unten links anstelle der blauen Taste ist eine Taste mit einem schwarzen Kreis.

Das neue Alte


Inzwischen war ich mit dem neuen Gerät in Landshut und sogar in Kitzbühel bei unseren Nachbarn in Tirol. Mit dem alten Gerät hätte ich mich schwarz geärgert wenn kurz vor dem Ziel die Navigation versagt hätte.
Zwischen den Gewittern der letzten Tage stieg das Thermometer auch mal auf 30 Grad Celcius. Aber das hat das Gerät, gut versteckt unter meinem gelben Sonnenschutzlappen, überstanden.



Sonntag, 24. Juni 2012

Dritte Spur am Flughafen


Eine dritte Bahn zu unserem Flughafen gibt es schon lange. Nicht die leidige dritte Startbahn, die jetzt gegen den erklärten Willen der Bürger doch gebaut werden wird.
Die Befürworter waren sich schon ziemlich sicher, daß die Volksbefragung am letzten Sonntag ein klares Ja zur dritten Startbahn ergeben wird. Waren ja nur die Münchner gefragt, die möglichst viel Nutzen aber wenig Unannehmlichkeiten von der dritten Startbahn gehabt hätten. Den Einwand der Anliegergemeinden, daß sie am stärksten davon betroffen, aber nicht gefragt werden, haben die Befürworter schulterzuckend kommentiert. Dachten sie doch, die Alleinmünchenbefragung würde ihnen eine satte Mehrheit liefern. Die Mehrheit der Münchner haben sich aber dagegen entschieden.

Die Befürworter, nicht zufrieden mit dem Ergebnis der Demokratie, wollen nun juristisch prüfen lassen, ob nicht doch eine bayernweite Befragung durchgeführt werden könnte. Das wird wahrscheinlich so weit gehen bis das Ergebnis passt.

Drei Bahnen am Flughafen - alle blockiert


Die dritte Bahn, auf dem Zubringer zum Flughafen, war gestern ziemlich nutzlos. Auf der inneren Spur wird eine Baustelle vorbereitet. Die LKWs die dazu nötig sind stehen auf der mittleren Spur. Auf der dritten Spur/Bahn blockiert ein dicker, fetter LKW der nicht an den Baufahrzeugen vorbeikommt. Da hat uns die dritte Bahn schon mal nichts gebracht.

Den Zahlenakro-demokraten sei nur gesagt, daß Mehrheitler auf russisch Bolschewiki heißt.

Samstag, 23. Juni 2012

Unsere Sache 1860


Fangemeinschaft 1860


Nicht die Familie aus Sizilien, die Fangemeinschaft die unsere 60er im Stadion unterstützt ist gemeint. Als Logo verwendet die Fangemeinschaft noch einen Männerkopf mit Hut. Den Kopf habe ich schon öfter an den Münchener Wänden gesehen, konnte aber bisher nichts damit anfangen. Wenn ich den Kopf fotografieren kann, werde ich ihn hier vorstellen.

Ein riesiges Graffito auf der Brücke über die Autobahn von München nach Salzburg, Höhe Unterhaching.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Laaange


Am Montag in der früh konnte die Scheibe nicht schnell besorgt werden. Ich konnte mit meinem Taxi nicht fahren und musste die Aufträge weitergeben. Für mich bedeutete das; ein fauler Montag. Vormittags das Kassenbuch für den Mai fertiggemacht war mir der Anruf meines Kollegen gelegen. Er musste bei seinen Viano-Bus die Bremsen reparieren lassen und war genauso auto- und arbeitslos wie ich. Da trifft es sich gut, daß er gleich gegenüber im V-Markt auf mich wartet. Ich mache mich fertig und bin in 10 Minuten drüben. Er kommt mir schon auf dem großen Parkplatz entgegen. Nach einem Mittagessen muß ich mir für einen Teil meiner letzten Kröten Bargeld noch einen Geldbeutel kaufen. So einen schwarzen Kellnergeldbeutel wie ihn eben auch wir Taxifahrer haben. Ich weine noch meinem alten Geldbeutel nach. Er begleitete mich schon seit meinen ersten Taxitagen vor über 20 Jahren. Er war aus dickem Leder gefertigt. Nur drei Fächer und ein Kleingeldfach. Einfach, schlicht, robust, der Druckknopf hat viele tausende Schließvorgänge schadlos überstanden. Damals habe ich dafür 80,- DM bezahlt. Aber ich bereue keinen Pfennig. So hatte ich 20 Jahre Qualität. Hätte ich mir einen billigen Geldbeutel gekauft, wäre der bald darauf hinüber gewesen, hätte einen neuen gekauft … und wäre dann mit Glump unterwegs gewesen. So hatte ich was Gscheids. Hatte, ja hatte! Wenn ich mir nur vorstelle wie der Dieb vom Sonntag meinen Geldbeutel, nachdem er ihn untersucht hat, achtlos in einen Mülleimer schmeißt, schwillt mir der Kropf. Das Geld soll er haben, damit schadet er nur sich selbst, mein eigener Staat bestiehlt mich täglich, aber für meinen Geldbeutel soll er am nächsten Sonnenaufgang hängen.

Sein Viano ist fertig. Wir gehen zu Fuß langsam bis zum Mercedes-Nutzfahrzeuge am Frankfurter Ring. Ich habe den Eindruck, daß das meinem kaputten Knie gut tut. Nebenbei verbrennen wir ein paar Kalorien auf dem Asphalt in der prallen Sonne. Kaum sitzen wir im klimaanlagengekühlten Taxi, kommt uns die Idee ein Eisbecher könnte uns die verlorenen Kalorien wieder zuführen. Von meiner Werkstatt weiß ich noch nicht ob in meinem Taxi die Scheibe schon eingesetzt ist und so haben wir noch Zeit.
Ich kenne Roberts Tagesablauf. Jetzt müsste er bei dem Italiener in der Schleißheimer Straße sitzen. Ich rufe an, genau so ist es. Beim Vorbeifahren springt er uns ins Taxi. Zu Dritt genehmigen wir uns drei schöne Eis. Ein Anruf aus der Werkstatt. Mein Taxi ist fertig. Mein netter Kollege bringt mich noch zum Stimmer. Um fünf Uhr sitze ich wieder in meinem Taxi und schaue durch ein nagelneues Fahrerfenster auf die böse Welt da draußen.

Die Sonne und der Müßiggang haben uns alle ganz schön zu schaffen gemacht. Wir alle drei beschließen an diesem Tag nichts mehr zu tun. Nachdem ich das meiner Frau erklärt habe, hat sogar sie ein Einsehen. Zudem auf dem faulen Montag ein überaus fleißiger Dienstag folgt.

Erste Vorbestellung 7.30 Uhr zum Flughafen, letzte Abholung 22.30 Uhr. Ich brauche sowieso Bargeld. Die Vorbestellungen was auch die großen Fahrten sind, sind allesamt Rechnungsfahrten. Zum Glück habe ich vor dem Einbruch getankt und habe jetzt 800 Kilometer zu verkaufen. Für mein Bargeld muß ich Wohl oder Übel von Standplatz zu Standplatz rutschen.

Meine Vorbestellung am späten Abend hält mich auf der Straße. Langsam, ganz langsam füllt sich meine neue Geldbörse. Der erste Fuchzger, mit dem ein Kunde bezahlt, vernichtet meine gesamten Bestände an Münzen und kleinen Scheinen. Ich kaufe einen Kaffee. Jetzt bin ich wieder wechselbereit. Übernächste Fahrt – der zweite Fuchzger. Diesmal kaufe ich mir eine Käsesemmel. Eine Fahrt vom Bahnhof nach Schwabing; 11,90 €, bezahlt mit einem Fuchzger. Zum Trost bekomme ich von meinem Fahrgast eine Prise Schnupftabak.
Genauso oft wie ich einen 50 € Schein wechseln muß, muß ich mein Datenfunkgerät neu aufsetzen. Immer wieder stürzt es ab. Heute schon zum vierten Mal. Die kleine Speicherbatterie ist defekt. Immer wieder muß ich ganz von vorne mit der Kalibrierung beginnen. Dann lädt Windows neu, dann muß ich die com4cab Software aus der wiederherstellen und schließlich noch TomTom Software konfigurieren. Wenn das Prozedere nach 15 Minuten vorbei ist, ist das Gerät wieder vorbereitet für den nächsten Absturz.

Im Tal, ich bin der Zehnte am Taxistand, spricht mich ein junger Mann an. Sie sind zu sechst und bräuchten ein großes Taxi zur Sanitätsakademie in der Neuherbergstraße. Seine Kumpels sind noch im Burger-King, er würde sie nur noch schnell holen. Bevor er noch geht kommt die Ansage:

“Denk dir nichts über die doofen Sprüche, wir sind sechs Fahrlehrer.“

Ich denke mir ganz was anderes: Höchststrafe. Sechs Bundeswehrfahrlehrer in feuchtfröhlicher Laune und die vorher noch bei Burger-King einkaufen müssen.
Als zweiter am Taxistand steht ein Kollege aus Asien mit einem Vito Bus. Durch den Rückspiegel spähe ich über das Tal in Richtung Burger-King. Wenn mir die sechs Zeitgenossen nicht gefallen, könnte ich sie noch dem Kollegen auf das Auge drücken. Die Reihe geht weiter. Der Asiate bekommt einen Einsteiger. Er verlässt den Standplatz. Jetzt bin ich alleine. Jetzt würde mir nur noch die Flucht übrigbleiben. War ich durch das Telefonat oder durch den Mitbusfahrer abgelenkt, ich weiß nicht wie es passieren konnte: RRRRRRRATSCH. Die Schiebetüre wird von außen geöffnet. Zu spät. Ich ergebe mich meinem Schicksal. Der Chef der Gruppe ordnet schon mal die Sitzplätze zu.

“Das ist der Zesche. Der sitzt am besten an der Tür.“

Mir bleibt auch nichts erspart. Für die einen ist es singen, für die anderen ist es grölen. Lautstark fahren wir durch das Tal. Wer nicht kaut, der versucht zu singen. Als Taxifahrer bin ich Meister der Kommunikation und lege gleich mal vor:

„Wenn ihr Kritik an meinem Fahrstil habt, muß ich euch sagen, daß hab ich bei der Bundeswehr gelernt.“

Das kommt gut an. Ich weiß nicht wie, aber was die sechs Kehlen verlässt, hört sich positiv an. Ich erinnere mich an meine Bundeswehrfahrstunden. Auch ein VW – Bus, noch ein T2, der Motor war noch hinten. Die Farbe allerdings war nicht hellelfenbeinweiß oder gefleckt, sondern reines natoolivgrün. (Im Winter mit weißem Kalk ergänzt) Natürlich hatte ich schon einen PKW-Führerschein, aber die Dienstvorschrift verlangte, daß jeder der ein Bundeswehrfahrzeug bewegt noch eine Ausbildung machen muß. Ich kam nicht in den Genuß eines LKW-Führerscheins. Musste aber doch lernen wie ich einen VW-Bus militärisch bewege.
In unserer kleinen Staffel gab es keine Fahrschule, nicht mal eine eigene Tankstelle hatten wir. Also wurde wir zu Zweit nach Delmenhorst abkommandiert. Dort lag ein großes Regiment an das wir nachschubtechnisch angeschlossen waren. Die hatten auch eine Tankstelle, eine Fahrschule und einen Fahrlehrer.
Wie gestern im Tal, wartete ich mit meinem Kameraden auf unseren Fahrlehrer. Nur damals waren wir in der Überzahl. Ich kann mich noch an unsere Fahrstunden erinnern. Die Fahranweisungen mussten wie jeder Befehl wiederholt werden. Der Fahrlehrer befahl die nächstmögliche Straße rechts abzubiegen. Wir antworteten:

„ Jawoll, Herr Hauptfeldwebel, nächstmögliche Straße rechts abbiegen!“

Unterbrochen wurden die Fahrten durch ABC-Alarm. Ordnete der Fahrlehrer den Alarm an, hieß es sofort stehenbleiben, die ABC-Schutzmaske überzuziehen und dann weiterzufahren.
Als Luftwaffensoldaten inmitten von Heerkameraden waren wir dem Spott ausgesetzt. An dem Tag fragten uns die Kameraden in der Kantine.

“Habt ihr schon gehört? Die haben gesehen wie Alf mit einem von unseren VW – Bussen fährt. Wisst ihr da näheres?“

(Alf war ein Außerirdischer mit einem klobigen Rüssel in einer zu der Zeit populären Fernsehserie aus den USA )
Als wir mit unserem Dialekt zurückschlugen, bekommen wir von den Niedersachsen die Antwort.

“Haben wir es doch geahnt – Außerirdische!“

Das alles schießt mir durch den Kopf, als ich der überwältigenden Übermacht von sechs Fahrlehrern ausgeliefert bin.

Sanitätsakademie in der Neuherbergstraße München

Die Jungs waren aber halb so schlimm wie es sich anhört. Oft waren sie witzig und wussten obwohl sie laut waren sich zu benehmen. Am Ziel an der Sanak in der Neuherbergstraße runden sie den Fahrpreis von 25,70 € großzügig auf 30,- € auf. Jeder legt mir fünf Euro auf den Beifahrersitz. Ich schiele schon auf die jetzt so von mir begehrten kleinen Scheine. Nur der Letzte, der hatte nur einen Fünfziger, den ich dann auch noch wechseln mußte.

Meine späte Abholung verschiebt sich dann auch noch auf 23.15 Uhr. Um 0.30 Uhr lande ich dann endlich im Bett. Heute früh als mich der Wecker aus dem Schlaf reißt, bemerke ich, daß ich mich nicht zugedeckt hatte, ich bin einfach so auf dem Bett eingeschlafen.

Am Buntesten


Meine ersten (bewussten) Klebebildchen hatten als Motiv den Disney – Film Bernhard und Bianca. Wir sammelten und tauschten die Bilder bis unser Panini – Album mit der Geschichte der Mäusepolizei vollständig war.


Meine allerersten Bildchen an die ich mich erinnern kann waren gemalte Illustrationen zu Grimms Märchen. Die Bildchen gab es als Zugabe zu Haferflocken, klebten nicht selbst und wurden wie in einem Fotoalbum unter das Märchen gesteckt. Zum aktiv Sammeln war ich aber noch zu klein, habe die Haferflockenbildchen aber immer noch auf dem Schirm.
Den Fußballbildchen widmeten wir uns dann während der 70er Jahre. Die Fußballer hatten alle noch auffällige Frisuren. Günter Netzer hat seine Frisur noch bis heute.
Aber alle Disney, Fußball- und Haferflockenbildchen klebten und steckten wir in Alben. Die Alben, sofern sie von den Eltern nicht weggeworfen wurden, verstauben heute zu Tausenden in Pappschachteln auf Dachböden und Kellern.

Wie dumm wir doch waren. Sollten wir doch unsere Kunstwerke der Allgemeinheit zugänglich machen! Der Kollege am Bahnhof hat es begriffen. Was eignet sich besser für eine Ausstellung als sein Taxi. Kleben wir unseren Kunden in Zukunft die Bildchen vor die Nase müssen sie sich damit auseinandersetzen. In einem fahrenden Taxi sind sie ihrer kulturellen Erweiterung hilflos ausgeliefert.


Liebe Fahrgäste, jetzt dürft ihr euch auf bunte Taxis gefasst machen. Wenn schon nicht außen, dann wird es wenigstens im Inneren umso farbiger. Immer aktuell über Sportgroßveranstaltungen und Filmneuerscheinungen visuell informiert. Der Audiokommentar kommt vom Fahrersitz. Und ich rate euch, genießt es. Denn wenn der Screen von der Rückseite der Kopfstütze seine Werbung multimedial in den Fahrgastraum ergießt. Werdet ihr euch nach den Haferflockenbildchen sehnen. Es bleibt euch zum Trost noch der Verbündete auf dem Fahrersitz. 


   
Der Kulturschaffende arbeitet an seinem Werk

(Die Bilder hat mir mein Kollege Jürgen mit dem Handy zugeschickt)

Montag, 18. Juni 2012

Scherben bringen Glück?


Gestern war seit langem wieder ein freier Tag für mich. Am Samstag Vormittag, nach dem Interview mit Cynthia ,hasste ich noch schnell zum Flughafen. Meine letzte Abholung am Samstag war dann um Mitternacht erledigt.
Am Sonntag konnte ich dann richtig lange ausschlafen. Am Nachmittag packe ich meine kleine Tochter ein. Sie will ins Schwimmbad. Ein Anruf bei Robert, er hat sein Taxi schon abgegeben. Wir holen ihn im Café ab. Nach einem kurzen Umweg bei ihm Zuhause, schließlich braucht er noch seine Schwimmsachen, und einem Tankstopp fahren wir zum Michaelibad.

Ausgerechnet Michaelibad, der Vorschlag meiner Tochter. Wir sind im Harthof, im Münchener Norden, und wir fahren zum Michaelibad nach Rammersdorf/Neuperlach im Südosten. Das Wetter ist sonnig und warm. In unserem Viertel gibt es viele Bäder auf die sich die Badegäste verteilen können. In Südosten Münchens ist es mit Schwimmbädern magerer bestellt. Es scheint, ganz Neuperlach will zum Michaelibad. Wir fahren die Heinrich-Wieland-Straße entlang, finden keinen Parkplatz. An der U-Bahnstation Michaelibad finden wir einen Parkplatz. Ich will mein iPhone nicht mit ins Schwimmbad nehmen, außerdem will ich es aufladen. Ich lege es auf den Beifahrersitz und decke es mit einer Zeitung ab. Meinen Taxigeldbeutel stecke ich verdeckt in das Seitenfach der Fahrertüre. Das Datenfunkterminal kann ich nicht aus der Halterung nehmen. Die kleine Speicherbatterie ist defekt und ich müsste dann das Gerät wieder neu aufsetzen.

Sonntag Nachmittag, Michaelibad, der Parkplatz ist voller parkender Fahrzeuge. Immer wieder gehen Badegäste von und zu ihren Autos. Wir trollen uns ins Bad. Der Einzige, der schon mal hier war, bin ich. Und das war vor ca. 15 Jahren. Wir lösen Karten für das Hallenbad. Wir hoffen, daß es bei schönem Wetter nicht so überfüllt ist. Außerdem gibt es dort auch einen Außenbereich. Ich mag nicht so gerne an Wochenenden in Schwimmbädern. Ich will die Freiheit als Taxifahrer dazu benutzen um z.B. am Mittwoch schwimmen zu gehen, wenn das Gedränge nicht zu groß ist.

Sofort reihen wir uns in die Schlange vor der Wasserrutsche. Der längste Teil der Rutsche führt durch eine dunkle Röhre. Ein Schild warnt vor Orientierungslosigkeit. Wir witzeln; jetzt hätten wir eine gute Ausrede für unser unschlüssiges Handeln. Wir sind durch die Wasserrutsche im Michaelibad gefahren und hätten dabei die Orientierung verloren. Nach drei Stunden rutschen, im Wasser flätzen und sonnenbaden machen wir uns auf den Heimweg. Wir wollen noch das Fußballspiel Deutschland-Dänemark bei uns im Ziegelhaus anschauen.

Der Parkplatz hat sich inzwischen geleert. Neben unserem Taxi stehen nur noch vier oder fünf andere Autos da. Wir gehen auf das Taxi zu. Mit Schrecken bemerke ich das eingeschlagene Fenster an der Fahrertüre. Ein großer Teil der Scheibe hängt noch in tausend kleinen Splittern im Rahmen. Durch das Loch erkenne ich das Ladekabel ohne Handy am Zigarettenanzünder baumeln. Das Datenfunkgerät steckt noch in der Halterung. Ich habe von Kollegen gehört, denen die Scheibe eingeschlagen wurde, um das teuer aussehende, aber ansonsten wertlose Datenfunkgerät zu stehlen. Mein Taxigeldbeutel, mit ca. 170,- € Inhalt ist auch weg. Robert leiht mir sein Handy. Ich rufe die Polizei. Der Mann am anderen Ende der Notrufleitung sagt ich solle mit dem Fahrzeug zur nächsten Polizeiwache am Adenauerring kommen.

Überraschung nach dem Schwimmbadbesuch

Ich schlage den Rest der Splitter aus dem Rahmen, kehre die Scherben vom Fahrersitz und anstatt zum Ziegelhaus in den Harthof, fahren wir zur Polizeiwache nach Neuperlach. Dort müssen wir zunächst im Vorraum warten. Robert bewacht das Taxi auf dem Polizeiparkplatz.Ich male mir schon aus, wie ich am Montag früh meine Telefonnummer sperren lasse, wie ich ein neues Handy kaufe, wie ich wieder alle Postfächer und Appzugänge programmiere, … Beim Nachdenken kommt mir eine Idee. Ich will mein eigenes Handy anrufen. Ich rufe an und bin überrascht als ich ein Freizeichen höre. Die haben das Handy geklaut und nicht ausgeschaltet? Ich versuche es ein zweites Mal mit dem gleichen Ergebnis. Robert geht zum Taxi und bedeutet mir ich solle anrufen. Gesagt, getan. Robert winkt mir vom Parkplatz ich stehe mit einem Bein in der Türe der Polizeiwache. Gehe ich weg, schnappt die Türe zu. Mir fällt ein Stein vom Herzen! Dadurch bleibt mir viel Ärger erspart.
Der Polizeibeamte fertigt ein Protokoll. Eine Polizistin fotografiert das Taxi. Die Fotos sind wenig aussagekräftig. Ein Taxi mit fehlender Scheibe. Ich habe aber die Fotos die ich auf dem Parkplatz gemacht habe. Wie besprochen schicke ich am Abend noch der Polizei die Fotos per e-Mail.

Mein Mobiltelefon steckte im Seitenfach der Fahrertüre zwischen meinen laminierten Abholschildchen. Für meine Flughafenabholungen habe ich laminierte Schildchen in DinA 4 Größe mit den Logos der Firmen die ich Flughafen empfangen will. Wahrscheinlich würde der Täter überrascht, hat das Handy verloren, konnte es auf die Schnelle nicht suchen, musste flüchten … Zum Glück im Unglück beschränkt sich mein Schaden „nur“ auf e170,- € und eine eingeschlagene Scheibe. Handy und Datenfunkgerät sind im Auto geblieben. Und meine Mappe mit meinem Führerschein, Personalausweis, Kreditkarte, … hatte ich unserem Ausflug ins Schwimmbad gar nicht erst mitgenommen.

Der erste Blick


Wir stellen das Auto beim -> Stimmer ab. Das offene Fenster verdecke ich mit einer blauen Decke aus dem Kofferraum. Meine Frau holt uns ab. Nachdem wir Robert nach Hause gebracht haben, kaufen wir uns an der Tankstelle zwei Flaschen Bier. Kaum ist die Kleine im Bett, gönnen wir uns ein gemeinsames Bier, weil es eh wurscht ist. Meine Tochter hatte auch Glück. In ihrer Klasse haben die Lehrerin und die Kinder zur EM ein Tippspiel eingeführt. Wer das Ergebnis der Spiele der deutschen Mannschaft richtig voraussagt, bekommt einen Tag keine Hausaufgabe auf. Die Kleine lag mit 2:1 für Deutschland richtig.

Die Bilanz des gestrigen Tages: Vieles ist geschehen was selten oder nie passiert. Ich war seit langem wieder im Michaelibad, meine Scheibe wurde zum ersten Mal eingeschlagen, ich wollte ein Fußballspiel anschauen, ich trinke mit meiner Frau ein Bier daheim.

Soeben habe ich mit der Werkstatt telefoniert. Es kommt darauf an wann die bestellte Scheibe kommt. Wenn ich weiterhin Glück habe, wird das Taxi schon heute Mittag fertig.

Samstag, 16. Juni 2012

Floße auf und an der Isar


“I brauch a Floß.“
es kann sein, daß man die Worte heute noch hört. Ausgesprochen von einem alten Münchner spät abends oder schon wieder früh irgendwo in einer Borzn am Tresen lümmelnd.
Niemand erwartet jetzt, daß ein bayerischer Naturbursch mit Lederhosen und Flößerhackl über der Schulter triefend naß im Türrahmnen steht.
Die altgedienten Taxifahrer wissen was der Mann braucht – ein Taxi. Früher hörte ich noch öfter wie ein Münchner ein Taxi Floß nennt. Als Tagfahrer habe ich mehr Geschäftsleute und internationale Gäste. Manche kommen sogar von weit nördlich der Donau. Niemand ist dort mit der alten münchnerischen Gepflogenheit vertraut ein Taxi Floß zu nennen.

Die richtigen Flößer gibt’s schon seit hunderten Jahren. Zum Transport von Waren und zur Holzdrift wurde die Isar genutzt. Das gesamte Bauholz zum Aufbau Münchens kam auf diesem Weg in die Stadt.

Heute ist die Floßfahrt eine Gaudi. Die Flößereien bekommen ihre Aufträge von den Reisebüros. Auf einem Floß werden so um die 60 Vergnügungswillige mit Bierfaßl und Blasmusik die Isar abwärts getrieben. Meine Gäste haben sich auch für so einen Spaß angemeldet. Leider regnet es. Schon auf dem Weg über die Autobahn nach Wolfratshausen prasselt der Regen nur so herunter. Der Scheibenwischer kommt kaum noch mit die Scheibe freizuhalten.

Ein Tipp für Kollegen: Es gibt in Wolfratshausen zwei Floßländen, an denen die Flöße ablegen. Eine, die Isarfloßlände ist bei der Marienbrücke, die andere, die Loisachfloßlände ist an der Schlederleiten . Ich fahre zur Isarloßlände an der Marienbrücke im Ortsteil Nantwein. Dort übergebe ich meine Gäste, die innerhalb von Minuten vom Regen durchnäßt sind an meine „Mitflößer“. Sechs Stunden später in München werde ich sie wieder in Empfang nehmen.

Die Flößer der vergangenen Zeit landeten an der oberen oder an der unteren Floßlände in München an. Die untere Floßlände war zwischen der Museums- und Praterinsel. Eine Straße dort im Lehel heißt deswegen auch Ländstraße. Der Floßmeister verkaufte die Ware und das Floß selbst als Bauholz. Die Einnahmen in Form von Münzen und in gefettetem Papier eingewickelten Banknoten packte der Meister in seine lederne Geidkatz, die er sich um den Bauch band.

Am Ende der Floßfahrt an der Zentralländstraße


Ich kann für meine Dienste nicht mal Geldscheine in meinen großen Taxlergeldbeutel stecken. Heute wird auf Rechnung gefahren oder der Fahrpreis mit Kreditkarte bezahlt.
Am Ende der Floßfahrt kommen mir meine Gäste an der jetzigen Floßlände entgegen. Alle Floße landen in München an der Floßanlegestelle in der Zentralländstraße an (für das Navi: Zentralländstraße, Ecke Benediktbeuerer Straße ) .
Meine Kunden schauen aus wie die gebadeten Mäuse, sind aber lustig und vergnügt. Ein Teil will noch im Nockherberg weiterfeiern.

Die Flößer verkaufen ihre Floße nicht mehr. Am Ufer steht ein großer Holztransporter-LKW und fischt mit einem Selbstladekran die einzelnen Stämme aus dem Fluß. Die Stämme werden wieder zurück nach Wolfratshausen transportiert. Die Flößer und Musikanten gehen auch nicht mehr zu Fuß zurück flußaufwärts. Sie steigen in einen bereitstehenden Reisebus. Es hat auch niemand mehr eine Geidkatz um den Bauch. Sie bekommen, genauso wie ich für diese Fahrt, ihren Lohn auf das Konto überwiesen.

Der alte Münchner allerdings, der nach einem Floß verlangt, der bezahlt noch mit Scheinen und Münzen. Der kriegt aber dann auch ein Taxi. 


P.S.: Die richtigen Flößer waren auch Personenbeförderer. Von der unteren Floßlände ging noch bis ins 19.Jahrhundert wöchentlich ein Floß mit Passagieren an Bord nach Wien und Budapest.

Freitag, 15. Juni 2012

Radlpirat


Freibeuter

Die Berliner Piraten durften ihren Dienstwagen nicht gegen Fahrräder oder Monatsfahrkarten der Berliner Verkehrsbetriebe eintauschen. Dem Vorstand der Piratenpartei steht ein Dienstwagen zu. Ob die Berliner doch noch ihre Räder bekommen haben, kann ich nicht beantworten.
Die Münchner Piraten fahren schon fleißig Rad. Diesen Jack Sparrow des Radwegs hab ich im Tal fotografiert. Flankiert wird der Totenkopf von der Fahne Rußlands und der DDR.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Erste Mahd


Das Wetter wird schön, die langen Regentage im Juni sind vorbei. Die Landwirte wollen endlich ihre Wiesen mähen. 

Kitze im Lager - schwer zu erkennen
Das Rehwild hat im Mai gesetzt zwischen dem hohen Gras liegen die Kitze. Jährlich werden tausende Kitze ausgemäht.
Gestern treffen wir uns im Revier. Wir wollen die jungen Kitze abtragen. Ein Landwirt der auch Jäger ist, bringt in Erfahrung wer wann mähen will. Wir fahren gleich auf das erste Feld. Der Traktor mit dem angekoppelten Mähwerk steht schon bereit. In einer Stunde, um 19.00 Uhr will er mähen. Wir stellen uns in einer Reihe auf. Die Hunde beginnen mit der Quersuche. Ich bin das erste Mal bei einer solchen Aktion dabei und richtig neugierig was passieren wird. Langsam gehen wir vorwärts. Das Gras steht hoch. Die Kitze haben noch die weißen Flecken auf der Decke. Wir erkennen die ersten Lager an den niedergedrückten Grashalmen. Die erfahrenen Jäger erkennen ob das Lager alt oder frisch ist.
Plötzlich! Vor uns springen zwei Geißen auf und flüchten ins benachbarte Feld. Wir prägen uns die Stellen ein, von denen sie aufgesprungen sind. Dort werden wir besonders intensiv suchen.
Einer der Hunde steht vor. Der nächste Jäger findet das Kitz und hebt es mit Grasbüscheln auf. Er trägt es in das übernächste Nachbarfeld ab. 



Wir durchsuchen noch das ganze Feld. Der Landwirt mäht schon auf den Flächen die wir durchstöbert haben. Der Bauer hupt und deutet auf den Boden, wir sind zu weit weg und können nicht erkennen was er uns zeigen will.

Auf zum nächsten Feld
Wir fahren zum nächsten Feld. Hier wird erst am nächsten Tag gemäht. Hier suchen wir auch Kitze, tragen die aber nicht ab. Wir markieren die Stellen mit Mülltüten die wir an Metallstäbe gebunden haben. Der Wind bläht die Tüten auf und bringt diese zum knattern. Die Geißen beunruhigt der rauschende, blaue Müllsack. Sie tragen dann in den nächsten Stunden ihren Nachwuchs selbst ab.
Wir stampfen mit den Gummistiefeln durch das an manchen Stellen brusthohe Gras. Wir wollen us beeilen. Schließlich läuft das EM Fußballländerspiel Deutschland – Niederlande. Wir teilen uns. Wir fahren zu dritt auf eine weitere Wiese, die morgen noch gemäht werden soll. Zum Glück ist das nur eine kleine Fläche umgeben von Buschwerk.

Als letztes müssen wir noch auf das Feld neben dem wir mit unserer Suche begonnen haben. Inzwischen ist der Bauer fast fertig mit dem Mähen. Nur noch in der Mitte steht ein schmaler Streifen hohes Gras. Als er bei uns zum letzten mal wendet, bleibt er stehen, öffnet die Tür seiner Kabine und schreit lachend gegen den Lärm des Motors und des Mähwerks:

“War nix mehr drinna, ned amoi a Schwoim!“ 

"War nix mehr drinna."


Irgendwie befriedigt mich seine Aussage. Wir binden noch unsere letzten Mülltüten an die Metallstäbe, schultern diese und machen uns das letzte Mal für diesen Tag auf den Weg. Auf halber Höhe stoßen noch die anderen zu uns. Wir beeilen uns noch mehr, ein Gewitter liegt in der Luft. Zufrieden mit unserem Tagwerk und um die Jäger wieder etwas näher kennengelernt zu haben ramme ich den letzten Stab in die Erde.

Der letzte Sack


Dienstag, 12. Juni 2012

Feucht und nass


Ein Kollege hat eine Fahrt nach Pöcking und am Abend wieder zurück. Ich musste ihm die Zusage schuldig bleiben. Ich hatte mein Taxi am Vorabend zu -> Gorans Werkstatt zur Inspektion gebracht. Der HU (der „TÜV“ und die BOKraft – beim Taxi jährlich) war auch schon wieder fällig und so ließ ich auch das gleich erledigen.
Bis Mittag sollte ich dem Kollegen sagen ob ich den Auftrag um 15:00 Uhr durchführen konnte. Um 11.30 rufe ich bei Goran an, ob mein Taxi rechtzeitig fertig wird. Der Mechaniker hat seinen Kollegen zum Küss geschickt und kann ihn jetzt nicht erreichen. Ich vertröste meinen Auftraggeber. Um 12.30 Uhr erfahre ich, daß das Taxi fertig sein wird. Zum Glück – jetzt habe ich schon zwei 80,- € Fahrten sicher.

Ich hole die Fahrgäste in Bogenhausen ab. Der Regen auf dem Weg über die Garmischer Autobahn wird immer schlimmer. Wir wollen zum Hotel und Tagungszentrum La Villa zwischen Starnberg und Pöcking in Niederpöcking, direkt am Westufer des Starnberger Sees.
Am Ziel springe ich sofort aus dem Taxi zum Kofferraum um die Damen mit Regenschirmen zu versorgen. Bei einem Kellner, der vorbeikommt, erkundige ich mich nach der Veranstaltung.

“Unten im Bootshaus.“ antwortet er mir.

Ich geleite die Damen noch den Weg runter zum Bootshaus das auf einem Steg im See errichtet ist. Ich muß ja wieder die Regenschirme zurückbringen. Bei dem Wetter könnte ich die noch brauchen. Auf dem Rückweg fotografiere ich wieder Graugänse am Ufer. Bei der feuchten Witterung weiß ich nicht, ob ich am Starnberger See bin, oder ob der Starnberger See bei mir ist.

Graugänse vor dem Bootshaus des Hotels La Villa


In fünf Stunden muß ich meine Gäste wieder zurück nach München bringen. Für das Geschäft sind die fünf Stunden erfolgversprechend. Zu dem regnerischen Wetter kommt noch die Solar – Messe, die morgen beginnt.
Und so ist es dann auch. MyTaxi holt mich dann gleich von der Autobahn in das Porsche-Zentrum an der Drygalskiallee. Der Auftrag bringt mich gleich besetzt in das Zentrum der Stadt. Am Bahnhof Nord reißt es die Taxis weg wie warme Semmeln. Ich werde von fünf Personen mit einer mittelgroßen Kamera herausgepickt. Sie sprechen untereinander englisch, französisch und mit mir deutsch. Hinter mir, in der zweiten Reihe, nimmt ein älterer, sehr ruhiger Herr Platz. Das Fahrziel ist das Stadtarchiv in der Winzererstraße.
Ich erzähle, daß ich im letzten Jahr schon mal mit einem -> Kamerateam aus England über mehrere Tage unterwegs war. Das war mit der BBC, thematisch ging es über den Aufstieg Hitlers in München. Mein Beifahrer sagte mir, sie machten etwas ähnliches. Der Herr hinter mir sei Edgar Feuchtwanger, der Sohn von Lion Feuchtwanger. Feuchtwangers Roman Erfolg hatte ich erst gelesen und konnte über den Inhalt noch mithalten.
Edgar Feuchtwanger hätte jetzt um 19.00 Uhr eine Lesung im Stadtarchiv und werde dabei gefilmt. Mein Beifahrer zeigt mir unterwegs den Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit der Ankündigung der Lesung. Ich freue mich, daß er sich nach meinem Blog erkundigt.

Jetzt kommt eine E-Mail vom Jagdherrn. Am Donnerstag wird mit dem Regenwetter Schluß sein. Die Bauern werden am Donnerstag, spätestens am Freitag, die Wiesen in unserem Revier mähen. Die Rehwildgeißen haben oft ihre frisch gesetzten Kitze in das hohe Gras der Wiesen abgelegt. Würden die Kitze liegenbleiben, fallen sie dem Mähwerk zum Opfer fallen.
Werden die Kitze von den Menschen zur Seite getragen, akzeptiert die Geiß ihre eigenen Kitze nicht mehr. Die Jungtiere würden verenden.
Wir werden morgen Abend die Felder mit Hunden absuchen. Finden die Hunde ein Kitz, wollen wir an der Stelle einen Stecken mit Luftballon, Plastiktüte, Aluminiumfolie oder Ähnlichem in die Erde stecken. Die beunruhigten Geißen tragen daraufhin ihre Kitze selbst ab.

Montag, 11. Juni 2012

Verschiedenes


Meinen Post über die Graugänse hat hat Cynthia Crow kommentiert. Was mich besonders an dem Kommentar, außer natürlich dem Lob, für das ich mich bedanke, freut, ist, daß er von einer Bloggerin aus München kommt.
Cynthia schreibt ihre Kolumnen in ihrem -> Blog. Es handelt sich dabei vorwiegend um Frauenthemen. Kochrezepte, Schuhe, Katzen, Sex And The City und auch Shoping.
Ich bin ja von vielen Frauen umgeben. Nicht als Hahn im Korb, aber als Ehemann, Papa und Schwiegersohn. Die feminine Welt ist mir bekannt, verstehen aber, verstehen, werde ich sie wohl nicht so schnell.

Ich will mich nicht auf den alten Geschlechterkampf einlassen welche die Bessere sei. Eines ist mir aber klar, die Geschlechter sind verschieden. Das zeigt sich auch beim Einkaufen.
Bevorzugt erkundigen sich meine weiblichen Fahrgäste, wenn sie frisch nach München kommen nach den Öffnungszeiten der Läden. Selbst diese Frage kann ich nicht beantworten. Nach Shoping – Gelegenheiten gefragt, verweise ich etwas respektlos auf díe italienischen und französischen Textilgeschäfte wie René Lezard, Scala, Versace, Gucci, Dior oder Cloé.

Textilvertrieb Maximilianstraße
Die Geheimnisse der Jagd nach einem Teil bleiben mir verschlossen. Habt ihr es schon gemerkt? Die Shoper sprechen oft von einem Teil, das sie da oder dort gesehen oder zurücklegen lassen haben.

Wenn ich abends ausgehe, überlege ich mir auf dem Weg nach Hause, was ich anziehen werde. Nach der Dusche schnell abtrocknen und ein frisches, gebügeltes Hemd übergestreift, die Haare gekämmt, in die Hose gesprungen, zwei Sekunden in den Spiegel geblickt ob ich nicht einen Farbklecks auf der Nase habe. Passt! Und schon stehe ich mit dem Autoschlüssel im Flur.

Jetzt kommen unsere Damen. Die ziehen sich doch tatsächlich mehrmals um. Begutachten ihre Outfits im Spiegel und fragen sich gegenseitig nach ihrer Meinung. Dazu ziehe ich dann noch diese Schuhe an oder jene. Dann noch Farbe ins Gesicht, obwohl sie doch sowieso schon so hübsch sind. Wenn wir dann schließlich die Wohnung verlassen ist noch nicht Schluss. Vor dem Spiegel im Aufzug wird dann noch gepost, und sich über die Schulter blickend hin- und hergedreht.
Der Aufzug erreicht das Erdgeschoss. Die Türen öffnen sich. Es scheint mir, daß jetzt nur zum Auto gehastet wird, weil dort der nächste Spiegel zu finden ist.
Im Licht der Innenbeleuchtung werden die Lippen geschürzt und das Duckface im kleinen Spiegel an der Innenseite der Sonnenblende betrachtet.

Wenn ich eine Hose brauche, Betonung liegt auf brauchen, denn sonst gehe ich ungern Klamotten kaufen, erledige ich das im vorbeifahren. Auf dem Weg zum Flughafen gibt es bei uns gleich neben der Autobahn das Bekleidungshaus Adler. Riesengroß. Hierher komme ich nie umsonst, hier gibt es alles was ich an Bekleidung brauche. Wenn ich durch die große Eingangstüre gehe, weiß ich mit Sicherheit, daß ich das leidige Thema Klamottenkauf in einer Stunde erledigt habe. Auf dem Weg zur Umkleidekabine nehme ich zwei Hosen die passen könnten und mir gefallen von dem Ständer. Nachdem ich die zweite Hose probiert habe, stelle ich mich mit den preisbeschilderten Beinkleidern und auf Strümpfen hilflos blickend zwischen die Ständer.
Wenn sich jetzt noch keine Verkäuferin erbarmt, frage ich. Nach weiteren fünf Minuten stehe ich wieder in der Umkleidekabine und bekomme eine nach der anderen Hose hereingereicht. Nachdem ich noch einen Blick auf das Preisschild geworfen habe, hänge ich die Hosen die ich kaufen will an den Hacken in meiner Kabine. Ruck-Zuck bin ich dann mit der großen Plastiktüte im Kofferraum wieder unterwegs zum Flughafen. Zufrieden wissend, daß jetzt für die nächsten Monate wieder Ruhe ist mit Hosen einkaufen.

So verschieden handeln Frauen und Männer schon bei den geringsten Alltagstätigkeiten. Mein pragmatischer Umgang mit Bekleidung lässt so manche Frau den Kopf schütteln.
So verschieden sind auch die Themen die in den Blogs behandelt werden – aber genau deswegen sind sie für die jeweils andere Seite interessant.

Sonntag, 10. Juni 2012

Startbahn?


Am nächsten Sonntag ist es soweit. Die Volksbefragung zur 3. Startbahn unseres Flughafens. Alle Münchnerinnen und Münchner werden befragt ob sie für oder gegen die Startbahn sind. Neben den Straßen sind schon seit Wochen die Plakate der Befürworter und Gegner aufgestellt. Sicher als Taxifahrer begrüße ich die Erweiterung meines Flughafengeschäftes. Gewerbevertretungen aber, sollten sich bei politischen Bekenntnissen zurückhalten, sprechen sie doch bei solch umstrittenen Entscheidungen nie mit der Stimme aller ihrer Mitglieder. Es ist sicher; die meisten Befürworter sitzen in der Stadt München, die meisten Gegner sitzen um den Flughafen.
Wird eine dritte Startbahn gebaut, passiert das gegen den Willen der Behörden in Erding und Freising, die uns Münchner Taxis dann als Befürworter in Erinnerung haben. Den Taxiprofis muß ich den bedeutenden Einfluß des Landratsamtes Erding, auf den mit heißer Nadel und juristisch fragwürdigen Gestattungsvertrag zur Aufstellung der Münchener Taxis am Erdinger Flughafen, zu erwähnen. 

Schild am Taxibusplatz am Terminal 2
 

Wenn man mich fragt, am nächsten Sonntag werde ich endlich gefragt, bin ich für eine vierte und fünfte Startbahn. Dann kann ein Flugverbot zwischen 17 und 9 Uhr durchgesetzt werden. Durch die hohe Slotkapazität können dann alle Flüge in den acht Standen abgewickelt werden. Die Anwohner hätten dann ihre Nachtruhe und ich müsste nicht mehr in aller Herrgottsfrühe oder stockfinsterer Nacht meine Gäste vom oder zum Flughafen bringen. Das ist die Win-win-situation. Nur befürchte ich, auf dem Zettel der Volksbefragung werde ich diese Option nicht finden.

Samstag, 9. Juni 2012

Elementares


Korben Dallas ist schon ein wilder Hund. Kein Wunder, Korben ist Taxifahrer in New York des Jahres 2263. Ein schriller Ton reißt unseren Kollegen aus der Zukunft aus dem Schlaf. In seinem kleinen Zimmer in einem New Yorker Hochhaus muß er seine Hände auf Markierungen an der Wand legen. Eine Routinekontrolle - von der Türe aus wird er von Beamten überprüft.
Nachdem Korben, gespielt von Bruce Willis, noch einen Gangster abgewehrt hat, geht er an seine Arbeit.
Er kommt in eine Garage. Dort steht ein Taxi. Man erkennt es an der typisch gelben Lackierung und dem schwarz-weiß gewürfelten Karoband. Korben steigt ein. Ein Tor schiebt sich nach oben. Das Taxi setzt vor und bleibt 50 Meter über der Straße in der Luft stehen. Langsam dreht sich das Taxi in die Fahrtrichtung um dann schwebend durch die Häuserschluchten zu brausen.

Zur gleichen Zeit flieht die Außerirdische Leeloo, dargestellt von Milla Jovovich, aus einem Labor. Als sie aus dem Fenster ins Bodenlose zu fallen scheint, kommt zufällig unser Held mit seinem Taxi des Weges. Leeloo knallt von oben durch das Taxidach und findet sich auf dem Rücksitz wieder.

Kollege bekommt einen Strafzettel

Das alles passiert in dem Film Das fünfte Element, der 1997 in Frankreich mit dem Regisseur Luc Besson produziert wurde. Und genau das Taxi wird am nächsten Sonntag von dem Auktionshaus Osenat in Fontainbleau versteigert. Die Karosse ist leider nicht flugfähig sondern muß mit dem Gabelstapler umhergefahren werden. Das Blech hat durch die Einschusslöcher, die ihm während der Dreharbeiten zugefügt wurden, geleidet.
Schade ich wäre gern mit dem Teil über die Leopoldstraße geflogen und gehofft das mir eine Milla Jovovich vom Balkon der Münchner Rückversicherung durch das Dach springt. Dafür hätte ich meine Flugmaschine sogar hellelfenbeinweiß lackiert um der BOKraft (Betriebsordnung und Ausstattungsvorschrift für Taxifahrzeuge in der BRD) zu genügen.

Das Ende des französischen Films ist hollywoodianisch. Leeloo und Korben verlieben sich am Schluß, besiegen das unfassbar Böse und retten nebenbei die Welt.
Dann stimmt es mit mir auch. Ich erlebe auch gerade mit einer Serbin die mir ins Taxi gesprungen ist ein Happy End.

Montag, 4. Juni 2012

Dumme Gans

Graugänse in der Berliner Straße


Unsere Gänse sind keine dummen Gänse. Auf dem Schwabinger See hat sich eine Schar Graugänse niedergelassen. Täglich watschelt ein ganzer Flug vom Schwabinger See zu dem großen flachen Brunnen vor dem Münchener Tor. Dabei müssen die Wasservögel die Berliner Straße überqueren. Geschickt benutzen die Wasservögel dabei den Zebrastreifen. Anders als bei den Enten kann man den Unterschied zwischen Gans und Ganter nicht am Gefieder erkennen. Auf dem Weg zu ihrem Brunnen habe ich sie schon auf der Verkehrsinsel neben unserem Schlüter-Taxistand vertraut weidend angesprochen.
Ich vermute, daß diese Gänse nicht mehr ziehen und bei uns überwintern. Ich warte schon darauf bis ich einen Schof im Gänsemarsch beobachten (und am Zebrastreifen fotografieren,)  kann.   

Freitag, 1. Juni 2012

Von Mäusen und Menschen


So ist es mit dem Taxigeschäft. Jetzt stehe ich schon über eine Stunde vor dem Holiday Inn Hotel in der Hochstraße. Zuvor war ich am Flughafen. Mit einer Vorbestellung bin ich um 10 Uhr dort angekommen. Vier Stunden später erwischte ich zwei Amerikaner, die soeben aus Istanbul kamen und mit mir zum Cortiina Hotel in der Ledererstraße wollten.
In den Pfingstferien läuft ist es bei uns eher ruhig und ich stecke meine Nase in den Kosmos Tier- und Pflanzenführer. Das kleine handliche Büchlein habe ich mir während meiner Jägerausbildung für 9,95 € gekauft. Das Werk steckt seitdem unter meinem Fahrersitz damit ich schnell Tiere oder Pflanzen nachschlagen kann. Stoße ich auf etwas Interessantes, mache ich mir eine Notiz auf dem eingelegten Zettel. Während einer längeren Wartezeit will ich im Internet näheres dazu lesen oder wenn möglich ein Youtube – Filmchen anschauen.  
Im Moment steht die Neomys fodiens, die Wasserspitzmaus, auf meinem Zettel. Laut der Beschreibung in dem Führer soll sie auf dem Grund eines Gewässers laufen können. In ihrem dichten Fell würden sich die Luftbläschen halten. Eine Maus, die mit silbrigen Luftperlen im Fell durch einen Bach läuft will ich mir nicht entgehen lassen, finde aber nichts Entsprechendes im Internet.
Aber eine weitere Tatsache habe ich gefunden; die Spitzmäuse sind gar keine echten Mäuse. Die echten Mäuse sind Nager, während die Spitzmäuse Insektenfresser sind. Sie unterscheiden sich ganz deutlich im Gebiß, die Duftdrüsen der Spitzmäuse sind auch die Ursache dafür, daß die Katzen, nachdem sie die Tiere getötet haben, diese als  Futter verschmähen.

Am Taxistand in der Hochstraße


Ich habe dabei keine Befürchtungen, daß ich mich thematisch zu weit von einem Taxiblog entferne. Es ist nur in wenigen Berufen möglich die Leerzeiten in Lehrzeiten zu verwandeln und so ist es wohl typisch und schön für Taxifahrer sich bei Bedarf mit Hasel-, Haus-, Gelbhals-, Zwerg-, Feld-, Scher-, Fleder-, Hausspitz-, Feldspitz- und eben der Wasserspitzmaus zu beschäftigen.

Vor dem Pfingstwochenende da lief das Geschäft noch. Die IFAT und die Ceramica bescherte uns noch Umsatz.
Ich konnte beruhigt der Einladung eines Kollegen nach Franken zur Bockjagd folgen. Unsere ganze Familie kommt mit. Die Jagd ist in der Nähe von Dinkelsbühl. Dinkelsbühl ist eine Stadt in der noch nie war und mir darunter auch nichts vorstellen kann. Das Internet zeigt mir Bilder von hübschen Fachwerkhäusern in einer mittelalterlich anmutenden Stadt. Die Fassaden der Hotels sind vielversprechend. Über die Hotelbuchunsplattform im Internet versuche ich ein freies Hotel zu finden. Keine Chance. Der nächste Versuch auf einer anderen  Plattform bringt das gleiche Ergebnis. Ich versuche es klassisch; ich rufe an. Hotel Eisenkanne, Goldene Kanne … .Ein Hotelmann nimmt mir meine Hoffnung:

“ In Dinkelsbühl ist über des Pfingstwochenende das Treffen der Sudetendeutschen. Sie werden keine Chance haben.“

Und so war es auch. Ich hatte die Auswahl zwischen einem Hotel in Nördlingen oder Westhausen. Ich entschied mich für das Hotel und Restaurant Adler in Westhausen. Die Lage nahe bei der Autobahn schien mir günstig. Meine kleine hotelverrückte Tochter hat sich schon auf Dinkelsbühl eingeschossen. Im Hof hat sie schon unser Ziel verkündet. Nach Rom, Madrid, Paris schallt jetzt Dinkelsbühl durch das Treppenhaus. Zu gerne möchte ich wissen, welche Vorstellungen in diesem kleinen Kopf über Dinkelsbühl herrschen.

Dinkelsbühl ist nicht weit von München. Schon nach 1,5 Stunden Fahrt können wir unsere Zimmer im Hotel beziehen. Am Abend dann lerne ich die Jagd kennen. Wir sind in Dorfkemmathen bei Langfurth. Ein kleiner Ort mit dem verrücktesten Maibaum den ich je gesehen habe. Anstelle unserer weiß-blauen oder fränkisch geschälten Maibäume steht dort eine riesige Giraffe. Auf der Suche nach den anderen beiden Jägern durchfahren mein Kollege und ich mehrmals den Ort. Ich fühle mich sofort sauwohl. Wir finden zwei geländegängige Fahrzeuge vor dem Wirtshaus. Die dazugehörigen Jäger sitzen im Hof.
Ein Jäger nimmt mich gleich mit ins Revier und zeigt mir wo ich ansitzen kann. Auf dem Rücksitz sitzt ein guter Jagdhund, der am Abend seine Fähigkeiten bei einer Nachsuche unter Beweis stellt.
Von meiner Kanzel aus habe ich einen guten Anblick auf Reiherenten. Die grünen Schnäbel und die hellen Augen der Erpel stechen direkt ins Auge. Tauchententypisch starten und landen sie lautstark auf der Wasseroberfläche des Weihers neben meiner Kanzel. Der Schuß eines Jägers ist die Ursache für eine Nachsuche. Bis Mitternacht bin ich mit meinen neuen Bekannten im Wald.

Tagsüber mache ich mit meiner kleinen Tochter auf den Weg zu einem Schwimmbad in Ellwangen. Der Rest der Familie nutzt den Wellessbereich des Hotels. Für dem Wellenbad in Ellwangen stehen wir vor verschlossenen Türen. Jetzt bin ich den Quengeleien vom Rücksitz ausgesetzt. Mein Alternativvorschlag, das Alemannenmuseum zu besuchen verstärkt nur die Bengserei. Ich gebe dem Terror nach und finde eine Limes-Therme in Aalen. Diesmal bin ich schlauer, ich rufe vorher an.
Wir tummeln uns in der Limes-Therme. Es gibt drei große Becken. Das Bad liegt auf einer Anhöhe und von dem Außenbecken können wir über Aalen schauen. Am frühen Nachmittag bringe ich die kleine zurück ins Hotel nach Westhausen. Von dort breche ich auf über Oettingen (da wo das Oettinger-Bier herkommt) über das ganze Nördlinger Ries nach Wettelsheim zu einem Biergarten von dem aus wir das Altmühltal überblicken können. Das erste Mal im Leben esse ich die fränkische Spezialität Schäufela, leider gab es kein Mantschi auf der Speisekarte.
Von hier aus fahren wir direkt wieder nach Dorfkemmathen. Ich sitze wieder an den Weihern. Diesmal mit einem erfahrenen Jäger an einer Kanzel 100 Meter weiter östlich. Wir sprechen noch zwei Rehwildgoasn du einen Bock an. Das Wild ist für einen sicheren Schuß zu weit entfernt. Das erste Mal höre ich hinter uns, auf einem Wildwechsel, einen Rehbock husten. Um 22.00 Uhr wird es finster, wir baumen ab. Für mich wird es Zeit mich von den Jägern zu verabschieden und mich für die Einladung zu bedanken.

An unserem letzten Tag im hohen Norden Bayerns greifen wir auf unsere Erkundungen von Vortag zurück. Die ganze Familie besucht die Limesthermen. Danach lernen wir einen neuen Stern am Himmel der Systemgastronomie kennen. Das Hoagie´s in Aalen. Auf einem Parkplatz zwischen Therme und Autobahn finden wir das uns unbekannte Restaurant neben einem McDonald´s. Bei der Wahl zwischen Altbekannten und Neuem fällt mir die Wahl nicht schwer. Natürlich versuche ich das Hoagie´s. Wir bekommen dort von einer freundlichen Bedienung frische Salate und Pizzas gereicht. Salat und Pizza werden in Glasschüsseln und Tellern gereicht. Noch ein Pluspunkt für meine Entscheidung, so muß ich nicht von bedrucktem Papier essen. Von der Kellnerin erfahre ich auch, daß es schon fünf Restaurants dieser neuen Kette gibt. Allesamt in dem Gebiet um Aalen.  

Schade, wir sind wieder zuhause in München und ich sitze mit meinen Betrachtungen über Mäuse im Taxi. Im Holiday Inn Hochstraße sind schon Araberfamilien abgestiegen. Ein Taxibus steht schon außerhalb der Reihe. Araber verhandeln mit dem Fahrer. Ich habe kein Glück, die Araber bleiben mir fern. Ich bekomme einen Einsteiger für 8,90 € zum Palace Hotel in der Trogerstraße.
Nach so einem Tag fällt mir beim Blick in meinen Taxigeldbeutel (beim Blick auf die Mäuse) noch eine Mäuseart ein, die ich aber in meinem Kosmos-Naturführer nicht finde – die Kirchenmaus.