Dienstag, 31. Juli 2012

Creditcard Only


Letzter Schultag in Bayern. Die Vorboten der Ferienzeit spüren wir schon am Taxistand. Alles läuft ruhiger, die Standzeiten werden länger. Nachdem die Araber abgereist sind, erobern die Touristen aus den anderen Teilen der Welt langsam die Stadt. Gestern hatte ich Amerikaner vom Bahnhof Nord zum Marriott. Nicht zu dem in der Berliner Straße, an dem ich gerne stehe (oder in der Hotellounge sitze), und das eine 17,- € Fahrt gewesen wäre, sondern zu dem Marriott Courtyard in der Schwanthalerstraße. Das waren dann nur 7,-€ Fahrpreis, aber ich konnte eine Tour nach Dachau anpreisen.
Heute erwische ich im Tal einen Schweden. Er hat einen Prospekt von der Flugwerft Unterschleißheim in der Hand. Ob ich Kreditkarte akzeptiere will er wissen und wieviel die Fahrt kosten wird.
Kreditkarten akzeptiere ich und die Fahrt kostet um die 30,- €. Er ist einverstanden und wir fahren los. Gleich am Siegestor kann ich ihm erzählen, daß hier die Schweden im 17.Jahrhundert durchmarschiert sind, nachdem ihnen der Münchener Bürgermeister die Schlüssel der Stadt übergeben hatte. Die Fahrt geht einfach nur Richtung Norden über die Leopoldstraße und Ingolstädter Straße. Gleich nach der Brücke über die A 99 geht es nach links ab zu dem Flugfeld, das da schon über 100 Jahre ist. Von hier starten die Rundflüge mit der alten Tante Ju, der Junkers 52, und auch die Zeppelinrundflüge.

Fly Inn Oberschleißheim

Ich hatte vor Jahren schon mal einen Auftrag über das Internet. Von dort hatte der Kunde meine Telefonnummer und bestellte mich zum ersten Mal zum Flughafen Oberschleißheim um ihn abzuholen. Sein Satz:

“Ich komme dann dort heraus, wo der Biergarten ist.“

klingt mir immer noch in den Ohren. Einen Fluggast vom Biergarten abholen – das hatte ich bis Dato noch nicht gemacht. Aber es klappte. Mein Gast rief sogar aus dem Flugzeug an um seine Ankunft zu bestätigen. Es stellte sich dann heraus, daß er sogar selbst geflogen ist.

Ich kam mit meinem Schweden nach 25 Minuten Fahrt an der Flugstaffel der Bundespolizei und an dem Biergarten vorbei. Wir mussten weiter. Ganz um das Flugfeld vorbei, ans nördliche Ende. Vor dem Aussteigen und Bezahlen mit der Kreditkarte fragte er mich, woher er ein Taxi für den Rückweg bekäme. Eine 30,- € Tour, gerade in dieser Zeit wäre nicht schlecht und so fragte ich ihn wann er denn mit seinem Museumsbesuch fertig wäre, ich könnte ihn j wieder zurücknehmen. Um 15 Uhr wollte er fertig sein. Zwei Stunden Wartezeit könnte ich einrichten. Schließlich sind 30,-€ raus und 30,- € wieder zurück ohne Leerkilometer zu dieser ruhigen Zeit nicht zu verachten. Ich ließ ihn aussteigen und gab ihm zur Sicherheit noch meine Visitenkarte. Ich selbst mache mich auf den Weg zu dem Biergarten. Hier wollte ich zu Mittag essen und meinen Kunden nach zwei Stunden wieder abholen.

Das Angebot an Essen ist an dem Biergarten etwas eingeschränkt. Es ist mehr ein Imbissstand an dem sich die handvoll Biergartengäste versorgen. Die Brezn schauen gut aus. Ich bestelle mir ein großes Cola light und ein Paar Wiener mit den Brezn. Das große Glas Cola in der Hand sitze ich auf der Bierbank, warte bis die Wiener warm sind. Plötzlich ein Anruf. Es ist der Pförtner von der Flugwerft. Ich solle meinen Fahrgast wieder abholen.

“Ich bin gleich da“

sage ich zu. An der Theke lasse ich mir aus den lauwarmen Wienern einen Hot Dog machen. So entgehen mir die guten Brezn. Mein Cola spüle ich schnell hinunter. Nach 10 Minuten stehe ich wieder vor dem Museum. Mein Fahrgast sitzt auf der Bank davor. Ich frage ihn ob ihm die Flugwerft nicht gefallen hätte. Er aber erklärte er hätte Schwierigkeiten gehabt. Die Männer an der Kasse akzeptieren keine Kreditkarten und er hätte sich mit ihnen auch noch zerstritten.
Das will ich nicht glauben. Der ganze Zirkus soll platzen nur weil das Deutsche Museum keine Kreditkarten annimmt. Ich gebe ihm zwei Zehner aus meiner Hemdtasche und gehe mit ihm zurück zur Kasse. Ich erkundige mich nach dem Eintrittspreis um sicherzugehen daß 20 Euro reichen. 6,-€ kostet der Eintritt. Er hat noch was übrig für ein Getränk in der Kantine. Nachdem ich mich versichert habe, daß er wirklich in der Flugwerft verschwunden ist, mache ich mich auf den Weg zurück zu dem Biergarten neben dem Flugfeld.

Jetzt gönne ich mir eine große Tasse Kaffee. Voraussichtlich habe ich zwei Stunden Zeit. An der Biertischgarnitur gegenüber sitzen drei Männer. Ich folge ihrer Unterhaltung. Es müssen Mechaniker sein, die im Hangar die Flugzeuge warten. 


An der Ecke des Hangars steht eine rot-weiß-gewürfelt bemalte Blechkabine, nicht größer als mein Taxi. Die obere Hälfte besteht nur aus Fensterscheiben. In der Kabine erkenne ich einen Mann der ab und zu zu uns zum Biergarten schielt. Zwischen dem Biergarten und dem Vorfeld ist nur ein kniehoher Jägerzaun. An der Gartentüre ist ein Schild mit der Aufschrift:

Zugang ohne Piloten verboten

angebracht. Der Mann aus der Blechbox kommt auf uns zu. Er bestellt sich, wie die Mechaniker, ebenfalls Wiener und Brezn. Sein orange-schwarzer Handfunkgerät stellt er neben sich auf den Biertisch. Ich schnappe auf; es ist der Flugleiter. Aus dem Handfunkgerät knarzt eine unverständliche Stimme. Daraufhin steht der Flugleiter auf, lässt sein Handfunkgerät bei den Mechanikern auf dem Tisch stehen und geht in seine Blechbox.

Ein Taxikollege kommt an. Sein Taxi hat ein Münchener Kennzeichen. Aus dem Fond steigen zwei Männer. Einer hat einen Anzug an. Der Zweite ist etwas sportlicher gekleidet und hat ein Klemmbrett unter dem Arm. Sie gehen schnurstracks durch den Biergarten, durch das Gartentor, wechseln ein paar Worte mit dem Flugleiter vor der Box. Sie gehen auf ein kleines Flugzeug zu, der Pilot (der mit dem Klemmbrett) überprüft seine Maschine und steigt zu seinem Partner in das Cockpit. Offensichtlich ist der Anzugträger sein Passagier.
Eine Minute später rollt die Maschine ganz nah an meinem Taxi vorbei auf die Startbahn. Bis es Zeit wird meinen Schweden abzuholen steigen noch vier kleine Flugzeuge in den Himmel. Dazwischen startete ein dunkelblauer Hubschrauber der Bundespolizei. Er flog die Autobahn entlang und landete bereits nach 25 Minuten wieder auf der Landebahn.

Zum dritten Mal am heutigen Tag fahre ich an die Flugwerft. Der Schwede erwartet mich wieder auf der Bank vor der Kasse.
Zunächst will er wieder zurück zum Tal. Dort wo er mir auch zugestiegen ist. Unterwegs ändert er seine Fahrtziel. Ich soll ihn gleich in sein Hotel bringen. Vor dem Hotel will ich die 20,- € die ich ihm geliehen habe auf den Fahrpreis aufschlagen, den er mit seiner Kreditkarte bezahlen kann. Schnell zückt er einen der zwei Zehn-Euro-Scheine. Er kam mit einem Zehner aus. Also buchte ich nur 10,- € und Trinkgeld auf den Fahrpreis. Ein paar Scheine Bargeld soll er sich in Zukunft schon einstecken. Er wird nicht an jeder Ecke einen Taxifahrer finden, der ihm aus der Patsche hilft.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Hadya

Den ursprünglichen Titel Zakat habe ich aufgrund eines Kommentars geändert

Der Ramadan, der islamische Fastenmonat, ist jetzt schon drei Tage alt. Als Taxibusfahrer in München haben wir dafür ein feines Gespür. An den Standplätzen werden die Auswirkungen des Ramadan auf das Geschäft diskutiert.

„Heuer ist der Ramadan ziemlich früh, da werden die Araber gar nicht kommen.“

Eine Mutmaßung. Gekommen sind sie aber, unsere Wüstensöhne, und sie haben uns Fahrten beschert nach Sellammse (Zell am See), zum Skylinepark nach -> Bad Wörishofen oder auf die Zugspitze. Die meisten haben wir aber leider wieder zum Flughafen gebracht. Ein Kollege hat mit einem Angestellten der Botschaft der VAE, der Vereinigten Arabischen Emirate, in der Lohengrinstraße gesprochen. Er hat ihm verraten wieso viele der Muslime während des Fastenmonats zurück in ihre Heimat fliegen. Die Sonne geht in Äquatornähe bis zu zwei Stunden früher unter als in unseren Breiten. Das bedeutet für die Fastenden; sie können zwei Stunden früher wieder Trinken und Essen. Ein muslimischer Kollege, den ich darauf ansprach, während wir gemeinsam auf eine größere Gruppe Kunden warteten, meinte, das wird nicht angenommen. Da reisen sie das ganze Jahr um die Welt und während des Ramadan fliegen die dahin wo die Tage am kürzesten sind; so in etwa war seine Meinung zu diesem Thema.

Heute stiegen mir Zwei der in München Gebliebenen in meinen Taxibus. Es gibt vom Hotel Marriott eigentlich nur drei Standartstrecken mit den Gästen vom Golf. Zum OEZ, zum Marina (Marienplatz) oder zum Stachus.

Meine Beiden Gäste, Vater und Tochter, wollten zum Stachus. In den Händen halten sie schwer gefüllte Plastiktüten. Diese Art Tüten sehe ich während der letzten Tage nicht zum ersten Mal. Die haben mich auch schon ein bischen neugierig auf den Inhalt gemacht.
Zunächst stumm fahre ich die Leopoldstraße einwärts. Beim Siegestor werde ich gesprächig. Ich beginne mit dem Siegestorwitz. Er wird verstanden. Ich mache weiter mit der Universität, mit den bunten Ziegeln auf dem Dach der Universitätskirche, mit der Größe der religiösen Gruppen in München, Theatinerkirche, Siemenszentrale, Platz der Opfer ….

Zakat Speise (noch im Taxikofferraum)

Am Stachus muß ich noch einmal um den Platz, damit ich meine Gäste elegant vor dem Brunnen aussteigen lassen kann. An der roten Ampel vor der ehemaligen Börse schauen wir frontal auf den Justizpalast. Ich erkläre; hier ist der Sitz des Justizministerium Bayerns und dabei auch gleich das förderalistische System in Deutschland.

“Justizministerium?!“ mein Gast merkt auf. “Ich arbeite auch im Justizministerium.“

“Wo denn?“ nutze ich die Gelegenheit ihre Herkunft zu erfragen.

“In Qatar“

Nur noch eine rote Ampel. Am Ende des Taxistandes Karlsplatz bleibe ich stehen. Ich nenne den Fahrpreis. Er reicht mir einen 20 € Schein. Er sagt keinen Ton und so gebe ich ihm auf den Cent heraus. Auch eine arabische Eigenheit.
Aber dann gibt er mir eines seiner Pakete. Das wäre für mich zum Essen meint er. Ich bedanke mich mit Tschokran.
Ich habe sowieso nur noch eine Fahrt vor mir bevor ich nach Hause fahre. Ich fotografiere noch mal das Essen im Kofferraum. Zuhause fülle ich den Eintopf aus Bohnen und Karotten in eine Glasschüssel. Wir rupfen Flecken aus dem Fladenbrot und greifen damit (nur mit der rechten Hand!)das Gemüse aus der würzigen Soße. Stilgerecht trinken wir dazu Tee. Mein Vorschlag, daß wir uns auf den Boden setzen wurde vom vernünftigen Teil unserer Familie ausgeschlagen.

So bin ich während des Ramadans zu meinem Zakat gekommen.


Montag, 23. Juli 2012

Kassengestell


Seit vier Jahren brauche ich eine Brille. Die Wenigsten kennen mich mit damit, weil ich mir das Gestell nur zu zwei Anlässen auf die Nase setze. Zum Fahren und zum Schießen. Und beim Schießen auch nur dann, wenn ich keine andere Sehhilfe wie ein Fernglas oder ein Zielfernrohr bei der Hand habe.

Mein Brille fristet ihr Dasein ausschließlich hinter der Windschutzscheibe auf dem Armaturenbrett. Vor dem Losfahren greife ich blind vorne links auf das Brett, schnappe mir die Brille, setze sie mir auf die Nase und die Fahrt kann beginnen. Vor dem Aussteigen läuft es genau andersherum. Die Brille von der Nase und auf das Armaturenbrett gelegt. Seit vier Jahren meine gängige Praxis. Nur wenn es zum Schießstand geht, lasse ich die Brille auf. Theoretisch kann sie nicht verlorengehen. Theoretisch!

Letzte Woche bringe ich fünf Mitarbeiter eines Fahrzeugherstellers zum Flughafen. Ich steige aus, gehe nach hinten zum Kofferraum und bin beim Verteilen des Gepäcks behilflich. Als ich zurückkomme und runter zur AGIP fahren will um mich einzureihen, greife ich nach meiner Brille. Ich greife ins Leere. Der Kontrollblick offenbart mir das blanke Armaturenbrett. Mein Entsetzen hält sich in Grenzen. Ich bin ja mit der Brille gekommen. Weit kann sie ja nicht sein. Vorsichtig inspiziere ich den Fußraum im Taxi. Da ist sie also nicht. Ich knie mich auf den Boden um den Asphalt unter dem Taxi abzusuchen. Genau als ich den Kopf 30 Zentimeter über den Teer habe, fährt ein Auto hinter mir vorbei. Jetzt kann ich es hören. Ein knackendes, knirschendes Geräusch das mir durch Mark und Bein fährt. Hinter mir sehe ich den blauen Golf davonfahren, der unter sich nur ein kleines Häuflein aus plattgedrücktem Metall und Glassplitter hinterlässt.

Ich muss beim Aussteigen voller Elan meine Brille irgendwie mitgerissen und auf die Fahrbahn geschleudert haben.

Ich will jetzt auch nicht leer in die Stadt zurückfahren. Ich mache eine Fahrt. Zum Glück bin ich nicht ganz so schlimm kurzsichtig und das Fahren ohne Brille klappt ganz gut.
Sofort fahre ich zu Fielmann im OEZ, im Olympia - Einkaufszentrum. Hier habe ich meine erste Brille gekauft, zu der mich unser Taxiarzt Dr. Hingerle verdonnert hat. Tatsächlich haben die noch meine Daten gespeichert. Der Optiker meint aber nach vier Jahren sollten wir die Werte neu ermitteln. Also klemme ich mich hinter ein Gestell, lege mein Kinn dort und meine Stirn da auf. Circa 20 mal werde ich gefragt ob ich es so oder so besser, klarer, deutlicher sehe.
Ich freue mich, denn so weiß ich, daß ich eine absolut individuelle Brille bekommen werde. Endlich bin ich fertig und es geht ans Gestell aussuchen. Beim letzten Mal war meine Frau dabei, das Ergebnis war eine Brille die mir zwar stand aber mir nicht gefiel.
Jetzt aber bin ich alleine und entscheidungskompetent.

“Ich will so eine fette, häßliche, schwarze, eine richtig nerdige Brille!“

Der Optiker lächelt und zieht eine flache Schublade auf. Da stehe ich in dem gut ausgeleuchteten, mit Spiegeln ausgestatteten Optikerladen vor einer Schublade voller schwarzen, häßlichen Kassengestellen. Genau so eine will ich. Und die nehm ich mir jetzt raus. Setze sie mir auf die Nase und betrachte mich im Spiegel. Jaaaa! Die ist es. Sollen die Leute sehen, daß ich eine Brille habe. Ich brauch sie nur zum Autofahren und zum Schießen. (Also die meiste Zeit ;-) )
Der Optiker bemerkt meine Freude, er zwinkert mir zu:

“Jeder von uns hat so eine in der Schublade.“

Und ich denke, das sagt er nicht nur weil er auch ein guter Verkäufer ist. So eine Brille muß doch der Wunsch einer jeden Brillenträgerin sein. Die Brille ist modisch, ohne Zweifel. Ich entdecke sie auf den Nasen der hippen Leute. Als ich eine Woche später meine fertige Brille abhole, lasse ich den Blick durch das Geschäft schweifen. Viele der Leute, die hier arbeiten, haben Brillen mit dicken Gestellen.

Meine neue Brille


 Vor vier Jahren war das noch nicht so. Da wollte ich aber schon so eine Brille. Aber meine Frau war dabei und hat es mir verboten. Ich wäre einer der Ersten gewesen, der eine solche coole Brille trägt. Bei der Gelegenheit muß ich euch fragen ob euch schon aufgefallen ist, daß die meisten Modedesigner Männer sind? Die Frauen studieren die Modezeitungen um herauszufinden was modern ist. Wer aber bestimmt was in den Modezeitungen erscheint? Ich bin überzeugt, daß das meistens Männer sind, denn die haben die Verrücktheit und den Mut zur Blamage – wenn frau sie nur läßt.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Steckerlfisch


Jetzt ist es schon drei Wochen her, seit uns unsere Berliner Taxi- und Blogkollegen in München besucht haben.
Während unser drei Tage in Berlin im April 2010 hat -> Klaus über das Internet erfahren, daß wir mit dem Taxi in der Hauptstadt unterwegs sind. Nachdem er sich telefonisch über München versichert hat, daß das kein -> Aprilscherz  ist, hat er sich sofort mit uns getroffen und uns Teile von Berlin und seinen Kiez gezeigt.
Und jetzt kam der Gegenbesuch. Anders als wir war seine Reise viel früher geplant und so konnten wir im Vorfeld schon Tipps geben. Klaus und seine Frau wohnten in Obergiesing und ich empfahl ihnen als Biergarten den Nockherberg. Was sich später als nicht so geglückt herausstellte.
Sie kamen mit dem Flugzeug und hatten noch einen Termin am Hauptbahnhof. Ich konnte mich zu der besagten Zeit frei machen und konnte unsere beiden Gäste am Bahnhof abholen. Am Bahnhof erwartete Klausens Anruf und blätterte zum Zeitvertreib in der Bahnhofsbuchhandlung in den Magazinen.
Plötzlich ein Anruf. Klaus ist dran. Aber seine Stimme ist verändert. Es ist ein anderer Klaus, den ich aus unserem Schützenverein kenne. Klaus lebt in Thailand. Jetzt ist er in München an dem Informationsschalter der Deutschen Bahn. Ich treffe ihn vielleicht einmal im Jahr in München. Er ruft auf gut Glück an und erwischt mich keine 50 Meter neben ihm in der Bahnhofsbuchhandlung, wartend auf einen Anruf von einem Klaus. Es dauert ein paar Sekunden bis ich das realisiere. Zufall, Duplizität der Dinge?
Während ich mit Klaus Kaffee trinke, erreicht mich der Anruf vom Berliner Klaus. Ich treffe ihn 20 Meter weiter. Nach dem ersten Hallo gibt es zum Willkommen eine Buterbreze. Bis Robert zu uns stößt zeige ich unseren zwei Berlinern schon mal die Bavaria. Mit Robert cruisen wir dann noch durch die Maxvorstadt, das Lehel und Bogenhausen.
Nachdem die Beiden ihr Quartier bezogen haben, entführen wir sie in den Nockherberg Biergarten. Ich schäme mich schon fast, diesen Biergarten empfohlen zu haben. Die Schänke und die Brotzeitausgaben haben geschlossenen. Etwa 20 verlorene Gestalten sitzen an Gartentischen. Mir tut es furchtbar leid, daß ich keine Münchner Biergartenstimmung vermitteln kann. Klaus tröstet mich; er könne sich das schon vorstellen wie das so wäre. Ein schwacher Trost, wenn ein Berliner einem Bayern erklärt, er könne sich einen Münchner Biergarten vorstellen. Dafür müsste er ja keine 600 Kilometer mit dem Flugzeug einfliegen. Einen Münchner Biergarten kann ich mir ja auch auf Husum vorstellen.
Etwas enttäuscht entlassen wir die Beiden und trollen uns nach Hause. Robert übernimmt das Steuer, so bin ich in meinem eigenen Taxi Fahrgast.

Am vorletzten Tag des Münchens Besuch bekomme ich nochmal Gelegenheit zu einem Biergartenbesuch mit unseren Gästen. Diesmal bin ich schlauer, ich wähle den Hirschgarten. Das bietet sich nach dem Besuch des Gartens im Schloß Nymphenburg auch an.
Einen Parkplatz finden wir am Ende der De-la-Paz-Straße. Wir kommen von Süden her, am Wildgehege vorbei, auf den Europas größten Biergarten zu. Im Wildgehege kann man Damwild beobachten. Die männlichen Stücke heißen beim Damwild auch Hirsche. Von daher hat der Name Hirschgarten schon seine Berechtigung.
Außergewöhnlich erscheint mir, daß wir, bevor wir in den Biergarten gehen, unsere Taschen öffnen müssen. Der Sicherheitsmitarbeiter klärt uns auf; heute sei wegen der Fußballübertragung besonderes Augenmerk darauf gerichtet, daß die Gäste keine eigenen Getränke mitbringen.

Steckerlfisch in München

Der Andrang ist riesig. Unseren ersten Stopp machen wir bei dem Steckerlfischstand der Fischer-Vroni. Die Fischer-Vroni ist mit ihrem Fisch schon seit hundert Jahren auch auf der Wiesn. Es gibt Forelle und Makrele. Ich empfehle die Makrele. Wir lassen Klausens Frau alleine am Fisch-Standl. Klaus und ich holen uns die Maßn. Ganz anders als am Nockherberg kommt hier richtige Biergarten stimmung auf. Die Maßkrüge holen wir uns aus den geöffneten Schränken, spülen sie noch einmal aus und stellen uns an die Schänke. Die Limonade für die Radler-Maß füllen wir uns selbst in die Krüge. Das Bier zapft uns der Schankkellner direkt aus dem Holzfaßl.
Jetzt nur noch an den Ständen für die Brotzeit anstellen. Wir brauchen noch Radi und Brezn. M. hat eine der letzten Makrelen ergattert.
Es macht mir richtig Freude als ich sehe wie M. die Makrele schmeckt. Nach alter Gewohnheit habe ich nur einen Fisch bestellt, den ich mir jetzt mit M. teile. Peinlich wird es mir als mich M. fragt:

“Sag mal, warum haben wir nur einen Fisch gekauft?“

Zu meinem Bedauern gibt es jetzt auch keinen Fisch mehr bei der Fischer-Vroni. Da bleibt mir nur noch zu überlegen, wie ich einen Steckerlfisch nach Berlin bekomme.

Schließlich aber bin ich doch zufrieden, daß ich unseren Gästen aus Berlin doch noch einen Münchner Biergarten zeigen konnte.



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