Freitag, 31. August 2012

Beschränkt

Wir stehen in Mustafas Imbiss am AGIP Taxispeicher des Münchener Flughafens. Es gibt Spiegeleier auf türkische Art, d.h. mit Hackfleisch.

“ Hast du deine Minusgeschäfte schon angeschaut?“

fragt mich ein Kollege während er sein Eigelb mit dem Weißbrot aus dem Teller tunkt. Ich ahne schon von was der Kollege spricht. Gestern schon am Taxistand am Bahnhof war das Gespräch über Taxifahrer die über Nacht Parkgebühren in Höhe von 200 bis 300,- schuldig waren. Einem Kollegen wurde im Display -63,40 € angezeigt. Als er sich am Isarfunkschalter meldet wird ihm eröffnet, daß er 163,40 € Schulden hat. Die Anzeige im Display zeigt die ganzen Zahlen nur zweistellig an. Für die zwei Nichttaxifahrer die hier mitlesen, muß ich etwas weiter ausholen. 


Links Taxibusreihe - rechts Abholerparkplatz am T2


Unser Flughafen verlangt Parkgebühren – auch von uns Taxifahrern. Wir bezahlen am Anfang des Jahres eine Pauschale von 260,- €. Unabhängig davon kostet uns jede einzelne Fahrt vom Flughafen noch einmal 1,20 €. Wir haben kreditkartengroße Fahrerkarten mit Magnetstreifen die vom Isarfunk herausgegeben werden.
Die Karten füllen wir auf, indem wir am Isarfunkschalter am Flughafen Bargeld einzahlen. Der bezahlte Betrag wird als Guthaben gespeichert. Beim Anstellen in die Reihe am Flughafen müssen wir die Karte an einen Sensor halten. Dabei werden die 1,20 € vom jeweiligen Guthaben abgebucht und der aktuelle Kontostand in einem Display angezeigt.

Holen wir einen Fluggast ab, stellen wir uns nicht in die Reihe. Dann benutzen wir die Parkplätze für die vorbestellten Taxis vor den einzelnen Modulen. Die zeitabhängige Gebühr für die Benutzung der Parkplätze wird auch, wie die 1,20 € Aufstellgebühr, von unserem Guthaben auf unserer Fahrerkarte abgebucht.Vor Monaten hat die FMG, die defizitäre Betreibergesellschaft des Flughafen Münchens, damit begonnen auch die Durchfahrten vor den Modulen zu beschranken.


Dabei muß sich bei der Software ein Fehler eingeschlichen haben. Alle Parkgebühren an den Parkplätzen für die vorbestellten Taxis wurden nicht abgebucht. Nur die Abbuchung der 1,20 € klappte. Mit Wissen der FMG wurde während der ganzen Monate bei Hunderten von Taxifahrern der falsche Kontostand ihres Guthabens angezeigt. Seit gestern funktioniert die Abbuchung auf allen Parkplätzen und der Kontostand wird korrekt angezeigt.

Dabei gab es für so manche Kollegen eine böse Überraschung. Wurden sie doch bis vorgestern von der FMG falsch informiert, und haben jetzt plötzlich anstatt z. B. 40,20 € plus, 148,90 € minus, auf ihren Konten.


Nach dem Frühstück werden drei Busse vom AGIP – Speicher auf das Modul gerufen. Ich bin einer der drei Taxibusse. Bevor ich mich an die Taxibusreihe am Modul stelle, muß ich meine Karte über den Sensor an der Schranke ziehen. Ich bin schon neugierig was mir wohl angezeigt werden wird. Vorgestern hatte ich noch 5,40 € plus.
Ich ziehe meine Karte über das Sensorfeld. Im Dispaly erscheint:

Am TSP melden! - Stand: -54,1

Wie gesagt, ganze Zahlen werden nur zweistellig angezeigt. Habe ich jetzt 254,10 €, 154,10 € oder „nur“ 54,10 € Parkgebühren nachzuzahlen?

Mittwoch, 29. August 2012

Wirtsstraßen

Auf der Suche nach einem Mittagessen fahre ich durch Schwabing und die Maxvorstadt. Ich kreise um die Blocks. Lust hätte ich auf einen Döner. Vor dem Laden finde ich keinen Parkplatz, also drehe ich noch eine Runde. Ich fahre an den verschiedensten Lokalen vorbei. Bei dem schönen Wetter sitzen die Gäste draußen auf dem Gehsteig. Bis ich abwäge ob ich in das Lokal gehen soll oder nicht, bin ich schon wieder zweimal ums Eck gebogen und das nächste kulinarische Angebot lockt.

Alter Simpl, seit über 100 Jahren in der Maxvorstadt

Unschlüßig bige ich in der Maxvorstadt von der Schellingstraße nach links in die Türkenstraße. Rechts an der Einbahnstraße gibt es einen großen, freien Parkplatz. Links die Fassade vom Alten Simpl. Diese Einladung lasse ich mir nicht entgehen. Im Alten Simpl war ich schon lange nicht mehr. Das Lokal gibt’s schon seit 1903. Die Liste der Stammgäste ist wohl die interessanteste in München. Frank Wedekind, Gräfin Reventlow, Oskar Maria Graf, Max Halbe, Joachim Ringelnatz, Erich Mühsam … 



Bekannte Bulldogge
Der Name Alter Simpl ist der bekannte Satierezeitschrift Simplicissimus entlehnt, deren Autoren in dem Lokal verkehrten. Der Zeichner des Simplicissimus, Th. Th. Heine, hat der damaligen Wirtin, Kathi Kobus, die Bulldogge mit der Sektflasche als Logo geschenkt. Das Original des gefährlichen Hundes im Simplicissimus hat natürlich keine Flasche in den Pfoten. Dort zerreißt sie zähnefletschend die Ketten der Zensur.
Sogar nach der Wirtin Kathi Kobus und dem späteren Wirt Theo Prosel sind in München Straßen benannt worden. Ich nehme unter dem Faksimile des Führerscheins einer weiteren Münchner Berühmtheit Platz. Das Dokument wurde 1927 ausgestellt und heißt Nachweis der Ausbildung zum Fahrdienst. Auf dem großformatigen Papier wird einem Münchener Fahrschüler, der als Beruf Schauspieler sei, bestätigt das er auf einem Kraftwagen der Marke Adler acht und eine halbe Stunde ausgebildet wurde. Das Papier ist gotisch Fraktur vorgedruckt und handschriftlich mit lateinischen Buchstaben ausgefüllt. Üblich war damals in München noch Sütterlin als Handschrift. Ich erwähne das, weil das dem frischgebackenen Führerscheininhaber in einem seiner Stücke sehr wichtig war.

Ich bestelle mir eine Leberknödelsuppe. Knödel ist richtig, weil nur einer in der Brühe schwimmt, wären es mehr, müßte es ja Leberknödelnsuppe heißen. (Das ist jetzt schon der zweite Hinweis)
Als Hauptgericht gibt es eine meiner Leibspeisen; Kartoffeln mit Quark. Der Quark war mit Kräutern, leicht scharf. Der Salat auf dem Teller war würzig angerichtet. Sehr schmackhaft. Nur die Kartoffeln, die waren geviertelt und frittiert. Das passte mir nicht so ganz. Dafür war alles andere sehr gut zubereitet.

Wer ahnt jetzt schon unter wessen Führerschein ich mein Mahl genoß?

Richtig, es war der rote Deife aus der Au, der Fey-Bua halt!

Montag, 27. August 2012

Hotels, Hotels, Hotels



Sonntag Nachmittag. Der Kardiologenkongreß läuft schon seit zwei Tagen und ich war noch nicht an der Messe. Jetzt habe ich eine Fahrt mit fünf Litauern zur BMW – Welt. Von da fahre ich gleich über den Ring, durch den Tunnel raus zur Messe.
Dort angekommen sehe ich natürlich gefühlte 1000 Taxis um den Messesee. Um mich an die Reihe zu stellen muß ich an den Riem-Arcaden vorbei um mich am Ende der Schlange an der Südseite der Messe anzustellen. Ich überfliege geistig die Situation. Ich bin jetzt als ca. 130er eingereiht. Das schreckt mich aber nicht mehr ab, ich kenne die Situation. Das ist bei jeder großen Messe so. Nach 20 Minuten bin ich schon vorne. Ein Herr im Anzug steigt mir zu und will für 6,50 € nach Dornach zum NH Hotel. Er gehört zu den Glücklichen, die bei einem solch großen Kongreß ein Hotel in der Nähe der Messe bekommen hat. Schließlich sollen 25.000 Kongreßteilnehmer in der Stadt sein.

Ich werde also in Messenähe frei. Sonntag Nachmittag ist die beste Zeit – da gibt es nicht viel nachzudenken. Ich stelle mich wieder an. Neues Spiel, neues Glück. Wieder dauert es nur 20 Minuten. Diesmal erwische ich Engländer die in die zum Holiday Inn City Center Hotel in der Hochstraße wollen.
Schon an der Hochstraße bemerke ich das der Taxistand vor dem Hotel leer ist. Bei der Anfahrt stehen schon 30-40 Personen vor dem Eingang des Hotels. Miene Gäste bezahlen. Beim Ausstellen der Quittung beobachte ich im Rückspiegel wie ein Taxi nach dem andern hinter mir aufschließt und Fahrgäste aufnimmt. Ich beeile mich und locke die nächsten Fahrgäste durch die geöffnete Schiebetüre in meine Taxi. Die ersten Worte verraten mir ihre Herkunft. Es sind Spanier. Sie wollen zum Hotel Prinzregent in der Riemer Straße in Riem. Das kommt mir mehr als gelegen, werde ich doch wieder am passenden Ort zur passenden Zeit sein. Also sofort wieder zurück zum Kardiologenkongreß und in die Reihe gestellt.

Nach zehn Minuten, ich war ungefähr in der Mitte der Schlange, bimmelt der Datenfunk. Ich zögere; soll ich annehmen oder ignorieren? Die Zeit zählt 30 Sekunden nach unten. Noch 20 Sekunden – Was wird das für eine Fahrt sein? Noch 15 Sekunden – Wie lange werde ich wohl noch hier stehen, wenn das Messegeschäft jetzt im Moment nachlässt? Noch 10 Sekunden – Von hier werde ich höchstwahrscheinlich eine Fahrt in die Stadt bekommen, das sind dann schon mal 25,-€. Noch 5 Sekunden – ich nehme an. Mit der stumpfen Spitze meines Kugelschreibers drücke ich auf das Annehmen Feld im Display des Datenfunks.
Der Auftrag poppt auf. Es ist eine Vorbestellung für einen Taxibus zum Best Western Hotel Erb am Posthalterring in Parsdorf, Abrechnung über unsere Zentrale. Ich schere aus der Reihe aus und setzte mich auf die Autobahn Richtung Passau. Auf der Autobahn erkenne ich im Rückspiegel einen weiteren Taxibus der schnell naht, aber dann doch hinter mir bleibt. Ich vermute schon, daß der Kollege zu dem gleichen Auftrag gerufen wird. Welcher Taxibus fährt schon zur Messezeit leer die Autobahn auswärts?! Ich verlasse die Autobahn über die Ausfahrt Parsdorf. Der Kollege hinter mir auch. Ich verlasse den Kreisverkehr bei 270 Grad, der Kollege tut es mir gleich. Ich biege links in den Posthhalterring ein, der Kollege im Rückspiegel biegt ebenfalls ab. Zu zweit rollen wir auf den Parkplatz des Best Western Hotels Erb. Wir sehen dort schon weitere zwei Münchener Taxibusse abfahrt bereit stehen.

Wir sind 15 Minuten vor der vereinbarten Zeit und warten auf unsere Fahrgäste. Der Kollege der als Erster da war klärt uns auf.

“Das sind 32 Fahrgäste. Das geht genau auf. Vier Taxibusse mit jeweils acht Sitzplätzen. Jeder muß ganz voll werden“

Das Ziel der Fahrt kennen wir auch schon, das italienische Restaurant San Michele in der Baumgartner Straße 1. Wir besprechen welche Route wir am günstigsten nehmen sollen. Wegen einer Baustelle ist die Baumkirchner (Das Wort “Straße“ schenken uns wir Taxifahrer) Einbahnstraße in entgegengesetzter Richtung. Wir wollen die Autobahn über die Ausfahrt Zamdorf verlassen und gleich die Truderinger bis zur St.-Veit vorfahren um dann wieder die Kreiler stadteinwärts bis zur Baumkirchner fahren. Pünktlich zur bestellten Zeit kommt eine Dame der Bestellergruppe aus dem Hotel und offenbart uns, daß sie nicht mehr als einen Taxibus brauchen. Das mit der Personenzahl 32 muß ein Fehler sein. Niemals hätte jemand vier Taxibusse für 32 Personen hierher bestellt. Ein Blitz! Wie begossene Pudel stehen wir in Parsdorf. In den Gesichtern meiner Kollegen und auch in meinem steht geschrieben.

“Hätte ich den Auftrag doch nicht angenommen!“

Immerhin kann ich für die Anfahrt und Wartezeit 17,50 € abrechnen. Der Kolleg der als Erster da war bleibt, wir drei Überflüssigen. Machen uns zurück auf den Weg in die Stadt. Ich will nach Hause. Es ist Zeit für den Feierabend. Als ich an der Ausfahrt zur Messe vorbeikomme, kann ich es nicht lassen. Einen Versuch will ich noch wagen.


Jetzt sind die Taxis schon deutlich weniger. Die Zahl 40 links neben dem Text Messe ICM auf dem Display meines Datenfunkgerätes sagt aus, daß während der vergangenen Stunde 40 mal Taxis über Datenfunk von diesem Standplatz aus bestellt wurden. Soweit ich mich erinnern kann, ist das die höchste Zahl, die ich an dieser Stelle gesehen habe. Später klettert die Zahl noch auf 41.
Ich b in noch nicht ganz vorne, stöckelt eine Italienerin auf mich, oder vielmehr auf meinen Taxibus, zu. Sie sagt vorne wären vier ihrer Kollegen. Sie bräuchten einen größeres Taxi. Ich fahre vor den Ausgang der Messe und nehme alle fünf Italiener auf. Die Dame zeigt mir auf einer ausgedruckten e-Mail das Fahrziel: Ristorante San Michele, …. Ich weiß Bescheid. Vor einer halben Stunde haben vier Taxifahrer die Anfahrt zu dem Fahrziel ausgiebig besprochen.
Vor dem Ristorante kann ich es nicht lassen schnell ein Foto des von Außen eher unscheinbaren Restaurants zu knipsen. Danach mache ic mich auf den Heimweg. Vom Kardiologenkongreß habe ich genug – für heute. 

Ristorante San Michele in der Baumkirchner Straße


Sonntag, 26. August 2012

Süßes Paradies

Kaum stehe ich als Letzter in der Reihe vor dem Marriott Hotel, bimmmelt schon der Datenfunk.
Hotel Pullman Zimmer Nummer 303, 5 Personen ohne Gepäck, Fernfahrt Garmisch zur Zugspitze  

An oder auf der Zugspitze war ich als Taxifahrer dieses Jahr schon öfter. Aber nie habe ich so einen Auftrag über unsere Zentrale bekommen. Ich springe gleich die 200 Meter rüber zum -> Hotel Pullman. Ein Teil des Hotels ist zur Zeit eine Baustelle und kann nur über den Fritz-Hommel-Weg angefahren werden.Ich muß noch zehn Minuten warten. Da kommen meine Gäste. Eine arabische Familie mit drei Kindern. Wir sprechen nicht über den Preis. Ich schalte die Taxiuhr an. Ich weise auf die BMW – Welt, dort waren sie schon am Vortag. Vom Ring fahren wir gleich auf die Garmischer Autobahn. Unterwegs zeige ich schon 50 Kilometer vor Garmisch auf unseren höchsten Berg.

Die Zugspitzbahn ist unser Ziel. Ich fahre immer an die Station Eibsee. Hier ist die Talstation der Seilbahn und die Haltestelle Eibsee der Zugspitzbahn. Die Kunden sind so flexibel. Sie können die Zahnradbahn bis zum Sattel benutzen, dort umsteigen auf die kleine Seilbahn und so zum Gipfel kommen. Oder einfach mit der Seilbahn ohne Zwischenstopp auf den Gipfel.
Ich empfehle die Seilbahn auf den Gipfel und auf dem Weg hinunter zunächst die kleine Seilbahn bis zum Gletscherblatt und schließlich die Zahnradbahn bis zur Eibsseestation.

Gerade am Parkplatz angekommen, begrüßt mich ein Persischer Kollege. Er fährt auch einen Taxibus und hat ebenfalls eine arabische Familie hergebracht. Meine Kunden haben Angst vor der Seilbahn und wollen die Zahnradbahn für die Auffahrt benutzen. Das ist mir heuer schon zum zweiten Mal passiert, daß die Gäste Angst vor der großen Seilbahn auf der deutschen Seite haben. Im Gegensatz zu der Seilbahn von Tirol aus, die drei Zwischenträger hat, gibt es bei uns nur einen Träger. Es ist schon ein aufregendes Bild wenn 1000 Meter Stahltrossen mehr oder weniger frei vor dem Felsmassiv schwingen. Angesichts dessen wurde der cable car gestrichen und die niedliche weiß-blaue Zahnradbahn benutzt. Die hat wenigstens feste Gleise unter den Rädern.
Die Gäste meines Persischen Kollegens entscheiden sich genauso. Wir bringen die Familien in das Stationsgebäude. Wir werden diesmal nicht eingeladen mitzukommen und so müssen wir uns hier von unseren Gästen trennen.
Wir blieben draußen noch vor dem Zaun stehen und beobachten unsere Familien. Zum Glück! Die erste Bahn die an dem Perron hält kommt vom Berg und fährt Richtung Garmisch weiter. Dort wollen unsere Bergkameraden einsteigen. Wir schreien und winken mit den Armen. Kurz bevor die Türen schließen, steigen sie noch aus. Hamdulilah!

Jetzt deuten wir ihnen mit großen Gesten in welchen Zug sie einsteigen sollen und bleiben noch am Zaun stehen, bis der Zug aufwärts im Bergwald verschwunden ist.
Jetzt haben wir mindestens drei Stunden für uns. Mein Persischer Kollege bedauert, daß er ausgerechnet heute seine Badehose nicht dabei hat. Ich habe mein Badezeug dabei und schlage ihm vor, daß wir nach zurück nach Garmisch fahren um dort eine Badehose für ihn zu kaufen. Wir nehmen sein Taxi. Er hat einen Pauschalpreis ausgemacht. Bei mir würde die Uhr laufen und meine Kunden würden uns die Einkaufsfahrt finanzieren. 20 Minuten später sitzen wir schon wieder in seinem Taxi auf dem Weg zum Eibsee. Er parkt sein Taxi wieder neben meinem und wir gehen über den großen Parkplatz an der Talstation vorbei zum See.
Die Sonne strahlt. Ich kann es kaum erwarten in den kühlen See zu springen. Mit kräftigen Zügen, mein Kollege ist auch ein guter Schwimmer, schwimmen wir weit in den See hinaus. Als wir uns umdrehen um wieder ans Ufer zu schwimmen sehen wir vor uns das Felsmassiv der Zugspitze. Ein wahrhaft majestätischer Anblick. Die Sonne brennt herunter, wir schwimmen in dem glasklaren, kühlen Eibseewasser vor der überwältigenden Kulisse.
Dschanaat heißt Paradies auf arabisch. Und Dschanaat nennen auch manche Araber diese Gegend. Mein Kollege prustet zwischen zwei Schwimmzügen:

„Einen schöneren Arbeitsplatz hat der Präsident von Amerika auch nicht“

Hat er sich auch nicht verdient!; denke ich mir, halte aber meinen Mund.

Dabei fällt mir ein, daß meine Taxiuhr noch läuft. Umso wohler fühle ich mich, wissend, daß das jetzt bezahlte Arbeitszeit ist. Ich sehe solche Schmankerl als kleinen Ausgleich für die 16-Stunden-Schichten oder durchgearbeiteten Wochenenden die wir Taxifahrer sonst haben. Wir schwimmen noch viermal raus und rein und gehen dann aus dem Wasser. Beim Anziehen steigt uns der Duft von gegrilltem Steckerlfisch in die Nasen.
Wir finden die Makrelen auf einem Grill auf der Seeterrasse eines Restaurants. Das wir uns am Tisch auf der Terrasse mit Fisch, Brezen, Zitrone und Kren, wiederfinden bedarf keiner Erklärung. Zum Abschluß noch jeder ein Haferl Kaffee und wir machen uns zurück auf den Weg zu der Bahnstation. Genau in der Minute als wir dort ankommen hält die Zugspitzbahn die vom Berg kommt. Mein Kollege entdeckt in dem Strom der Leute, die vom Bahnsteig kommen meine Fahrgäste. Auch das hat perfekt geklappt.

Natürlich ist es zu spät für das Schloß Linderhof. Es will mir heuer einfach nicht gelingen Zugspitze und Linderhof an einem Tag zu schaffen. Dazu müssten wir früher losfahren und das Programm straffen. Ich zeige meinen Gästen in Garmisch wenigstens noch die Sprungschanze von der Olympischen Winterspielen 1936. Meine Araber zeigen an der Sportart überraschend großes Interesse.

Auf dem Rückweg auf der Autobahn fragen mich meine Gäste nach einer deutschen Schokoladenmarke, dessen Name sie vergessen haben. Gemeinsam finden wir Milka. Die Beschreibung der purple cow auf der Verpackung bestätigt, daß wir über die gleiche Schokoladenmarke sprechen. Ich erwähne meinen Gästen gegenüber die leckere Schokolade aus dem Hause Dallmayr. Ich persönlich bin ja der Schokolade mit Hollerbeerenfülung verfallen, die ich noch sonst nirgendwo anders gefunden habe. Leider ist es schon zu spät, der -> Dallmayr hat schon geschlossen.

Am nächsten Tag schon fliegt meine Gastfamilie weiter nach Düsseldorf. Sie bestellen mich um 11.00 Uhr vor das Pullman. Ich mache vorher noch zwei Touren. Als ich um halb zehn eine Oberpfälzer Familie zum Deutschen Museum bringe, ist das die passende Gelegenheit. Ich fahre in die Dienerstraße, stelle mein Taxi kurz am Taxistand ab, springe zum Dallmayr rein. Die Hollunderschokolade gibt es jetzt in einer modernen Verpackung. Die alte Verpackung war viel schöner. Auf dem Papier war ein Jugendstilmotiv in blau und silber aufgedruckt und außerdem war die Tafel viel größer. Ich hielt die Schokolade schon in der Hand als mir der schlichte, moderne Stil mißfiel. Und ob Araber auf Hollunderbeeren abfahren, war ich mir auch nicht sicher. Also legt ich die Tafel wieder zurück und schnappte mir eine Tafel Edelvollmilch.

“Da kann man nichts falsch machen.“,

meinte auch die Verkäuferin. Die Tafel war auch groß genug und die Verpackung ansprechend. Genau richtig für mein Geschenk. Ich erinnerte mich an die feine Tafel -> Goldschokolade, die ich von Russen geschenkt bekommen habe.

Schokolade zum Taxistand


Punkt elf Uhr lade ich meine Gäste vor dem Pullman ein. Die Schokolade mit der blauen Schleife in der Papiertüte habe ich in dem Fach unter meiner Beifahrersitzbank versteckt. Erst nachdem sie bezahlt haben überreiche ich meinen Gästen zum Abschied das Geschenk. Ich will nicht, daß er mit einem fürstlichen Trinkgeld doch wieder für die Schokolade bezahlt.
Er hat mir schon etwas geschenkt. Die Stunde im Eibsee. Soviel Trinkgeld kann er mir gar nicht geben. Beim Dschanaat muß selbst die Brieftasche eines Kuwaitis passen.

Freitag, 24. August 2012

Heiße Wette

Da stehen wir ganz in unser Gespräch vertieft zu Dritt vor unserer ESSO – Tankstelle in Schwabing .
“Wir haben da eine Wette laufen. Hat dieses Auto eine Klimaanlage oder nicht?“

unterbricht uns ein junger Mann und deutet dabei auf eine B-Klasse älteren Baujahres. Auf dem Beifahrersitz sitzt noch ein weiterer Mann. Einer von uns, ich nenne ihn Elhan (sein richtige Name ist der Redaktion bekannt ;-) ), ist der absolute Profi auf diesem Gebiet. Elhan ist Taxiunternehmer, Mehrwagen, Mechaniker, LKW-nach-Persien-Verkäufer ... und hat schon das eine oder andere gebrauchte Auto in Deutschland verkauft.
Elhan blickt auf das Armaturenbrett und sagt:

“Ja, das Auto hat eine Klimaanlage!“

Daraufhin wird der zweite Mann, der mit der B-Klasse gekommen ist sehr aufgeregt.

“Hier steht EC. EC heißt nicht Klimaanlage. Klimaanlage heißt AC. Steig in dein Taxi, dann zeige ich dir deine Klimaanlage! EC bedeutet Economic. Das Auto hat keine Klimaanlage!“

Der Erste hat inzwischen die Bedienungsanleitung aus dem Handschuhfach geholt. Er wedelt mit dem aufgeblätterten Heftchen in der Luft, und deutet mit dem Finger darauf.

“Hier steht es. Hier …. Hier …. Warte … Da! Siehst du mit EC aktiviert man die Klimaanlage.

„Um wieviel habt ihr denn gewettet?“ wage ich zu fragen.

„Er wollte erst um 2.000,.- € wetten. Ich habe dann gesagt 500 ist okay.“

Eine hoher Einsatz für eine einfache Wette; denke ich mir und glaube den Grund gefunden zu haben warum sich die Beiden so engagieren.

„Wo? Wo ist die Klimaanlage? Zeig es mir!“ drängt der Zweite unseren Elhan. Elhan öffnet die Motorhaube und deutet auf den kleinen Kühler vor dem großen Wasserkühler:

„Dort.“

“Ich sehe nichts.“ der Zweite wird immer aufgeregter und lässt sich nicht beruhigen.

Ich hole die Taschenlampe aus meinem Taxi. Jetzt zeigt ihm Elhan einen Einfüllstutzen der Klimaanlage im Motorraum. Hinter dem Verriegelungmechanismus der Motorhaube finde ich den zweiten Stutzen.
Der Erste verlangt jetzt seine gewonnenen 500,-€. Der Zweite kneift, will seine Wettschulden nicht bezahlen. Der Fahrer verhöhnt ihn noch und fährt alleine mit der B-Klasse von der Tankstelle. Nummer Zwei bleibt noch ein paar Minuten telefonierend alleine zwischen den Zapfsäulen stehen und verschwindet dann in Richtung Schwabing. 


Beim T5 viiieeel leichter zu finden als bei der B-Klasse
Elhan hat auch gleich die passende Erklärung. Der Zweite ist ein Autohändler. Er wollte die B-Klasse kaufen. Um den Preis zu drücken hat er behauptet das Auto hätte keine Klimaanlage. Der Verkäufer hingegen hat darauf beharrt, das der Mercedes eine Klimaanlage hat. Daraus ist dann die Wette mit den hohen Einsätzen entstanden.
Keine 15 Minuten später rollt ein 7er BMW an die Tankstelle. Am Steuer der Autohändler. Im Fahrzeug seine Familie. Er steigt aus, beschimpft Elhan weil er ihm ein Geschäft verdorben hätte. Als der Autohändler wieder verschwunden ist, gesteht uns Elhan, dass er ihm ein Zeichen hätte geben sollen. Für 100,-€ hätte er keine Klimaanlage gefunden.

Mittwoch, 22. August 2012

Geschmolzenes

Zu meiner neuen -> Brille gab es natürlich auch ein Etui. Die Optikerin fragte mich ob ich ein Etui kaufen wolle, oder das blaue Gratisetui mitnehmen wolle.
Ich entschied mich für das blaue Gratisetui, weil die Brille sowieso nur auf dem Amaturenbrett im Taxi liegt. Genauso war es auch. Zum Glück lag meine Brille neben dem Etui, ich wüsste sonst nicht wie ich sonst mein neues Schmuckstück heil aus dem geschmolzenen Etwas herausbringen sollte.


Ich finde das angeschmolzene Etui ist ein Foto wert.

Donnerstag, 16. August 2012

Augustmontag

Man soll ja nicht jammern. Besonders nicht als Taxifahrer, und erst gar nicht vor den Kunden. Niemand wird eine weitere Strecke mit mir fahren weil ich ihm haarklein ausbreite wie lange ich jetzt auf seine Tour, und heute überhaupt, gewartet habe.
Das Gegenteil bringt da schon mehr. Fragt ein Kunde wie das Geschäft geht, gibt es nur eine Antwort:

“Gut! Mein Kalender ist voll.“

Jetzt werden die Gäste meist hellhörig.

“ Das hört man selten … Sonst hört man ja anderes von Ihren Kollegen … Das hört man gerne“ bekomme ich dann zur Antwort.

Natürlich befriedige ich sofort die erweckte Neugier meiner Gäste mit Erklärungen warum das so ist. Schon ist positive Stimmung im Taxi und es können sich interessante Kontakte ergeben – auch bei einer Kurzfahrt.


Der letzte Augustmontag stellte mich auf eine harte Probe. Zur Zeit sind wieder solche Modetage in Schwabing und Milbertshofen. Vermehrt ordern die Händler aus dem deutschsprachigen Raum ihre Textilien in den Orderzentren in der Ingolstädter- und der Taunusstraße.
Ich stehe seit Mittag am Innside-Taxistand. Das Innside ist das Hotel am Ende (oder am Anfang) der A9 bei den zwei hohen Glastürmen. Schwarze Limousinen des Fahrdienstes der Modetage shutteln die Besteller vom und zum Hotel. Nach einer halben Stunde kommt ein Flughafentaxi, erkennbar am Fahrer und am Kennzeichen, und läßt eine Dame aussteigen.
Ich warte weiter und beobachte die schwarzen Limousinen. Um halb drei, nach 2,5 Stunden Wartezeit kommt die Dame wieder aus dem Hotel. Ihr Fahrziel ist ein Modehaus in der Karl-Weinmaier-Straße. Das wären zehn Minuten Fußmarsch. Die Dame will gefahren werden.
Drei Minuten später steigt sie aus, die 4,20 € auf dem Taxameter werden auf 5,-€ aufgerundet.
Ich mache von der Karl-Weinmaier ein Foto vom Skyline München. Das ist dort wo das Hotel liegt. So könnt ihr auch eine Vorstellung von der Entfernung machen. 

Innside Hotel von der Karl-Weinmaier-Straße

Die Fahrt hat mir einen Stundenumsatz von zwei (Umsatz Euro beschert. Mein Stunden(-lohn)gewin senkt sich auf ca. 1,20 € incl. Trinkgeld. 


"Schweinebucht" am Terminal 2
Das Taxigeschäft ist eine Achterbahn. Schon mein nächster Stich geht zum Flughafen. Dort bleibe ich stehen. Um 20.30 Uhr fallen dann noch die Gepäckbänder am Terminal 2 aus. Um Viertel nach zehn kann ich dann endlich stechen. Um halb zwölf in der Nacht ist mein Arbeitstag voller Pech und Glück vorbei. Während der Wartezeit konnte ich mich mit meinem App Tooncam spielen. Den durchschnittlichen Stundenlohn von 1,20 € konnte ich noch etwas steigern.

Mittwoch, 15. August 2012

Es werde Licht

Eine Kollegin gibt ein Fest. Ein Grillfest soll es sein. Die Location; der Fasaneriesee bei uns im oft erwähnten Münchener Norden. Robert hat sich bereit erklärt die Beleuchtung zu übernehmen. Wochen vorher ist mir schon aufgefallen wie er sich bei einer Wirtsfrau, die in ihrem Biergarten Fackeln aufgestellt hat, erkundigt wie lange eine Petroleumfüllung reicht. Er nimmt seine Aufgabe als Lichtmeister sehr ernst. Wir haben ja noch unseren kleinen Zweitakt-Generator. Seit wir den gemeinsam vor zwei Jahren gekauft haben, hält der, neben Verlängerungskabel, Benzinkanister und Scheinwerfern, seinen Dornröschenschlaf im Geräteschuppen im Schrebergarten meiner Schwiegermutter. Den wollen wir einsetzen.

Meine Leute fahren in den Urlaub. Ich bin Strohwitwer. Irgendwie passt mir das auch. Ich kümmere mich nur um unsere Stammgäste, dazwischen habe ich sturmfrei. Ich kann ohne schlechtes Gewissen nach zwei Stunden taxifahren nach Hause kommen, meine Flinte schnappen, oder in den Wald gehen, oder, oder, oder …. .
Mein Begehren die Schlüssel für die Schrebergartentür, das Schrebergartenhäuschen und den Schrebergartengeräteschuppen zu bekommen wurde während der hektischen Absetzbewegungen Richtung Serbien und Montenegro als unpassend empfunden. Ich aber bestand darauf. Wollte ich doch dem Beleuchter unter die Arme greifen.

Endlich ist es Freitag, der Tag der großen Party. Am Mittag habe ich noch eine Flughafenfahrt und dann noch zwei am Abend. Die späte Fahrt habe ich schon abgegeben. Die am frühen Abend mache ich noch selbst. Die Fahrt geht bis hinter Ingolstadt. Zwischen den Fahrten treffe ich mich mit Robert am SUMA im Euro-Industriepark. Er hat schon schwer eingekauft. Zwölf Fackeln, mindestens acht Lichttüten, geschätzte 100 Teelichter, sechs Petroleumlampen und fünf Liter Lampenöl.
Wir finden das ist selbst für ein großes Grillfest mehr als ausreichend und beschließen auf den Generator zu verzichten. Die Lichttüten sind aus schwer entflammbarem Papier gefertigt. Die Tüten werden aufgefaltet und mit einem Teelicht bestückt. Das Lampenöl brauchen wir für die Fackeln und die Petroleumlampen. Besonders die Petroleumlampen haben es mir angetan. Es sind diese klassischen Lampen, die wir nur noch aus alten Filmen kennen.Unter einem Glaskolben ist der kleine Tank für das Petroleum. In dem Petroleum schwimmt ein dicker, weißer Docht. Mit einem Rädchen kann man den Docht weiter heraus oder hinein drehen. So wird durch die Flammenhöhe die Helligkeit eingestellt. Mit einem kleinen Hebel wird der Glaskolben angehoben und der Docht kann angezündet werden. Es fehlt nur noch ein Schirm im oberen Drittel des Glaskolbens damit das Licht nach unten gespiegelt wird. Ohne Schirm strahlt das meiste Licht nach oben wo es nicht gebraucht wird.

Nach und nach treffen die Gäste ein. Robert ist schon da. Ich muss meinen Kunden noch nach Ingolstadt bringen. Weil wir im Freien übernachten wollen, bin ich etwas leger gekleidet. Um Zeit zu sparen, will ich nach der Fahrt gleich zum Fasaneriesee kommen ohne mich vorher zu Hause umzuziehen. Ich kenne meinen Fahrgast von früheren Fahrten, ich weiß er ist Jäger und hat für meine Kleidung Verständnis. Es klappt, das Flugzeug landet pünktlich, der Gast kommt schnell raus. Die A9 ist natürlich in der Urlaubszeit am Freitag Nachmittag dicht von München bis Allershausen. Vom Flughafen kürzen wir quer über Freising ab und fahren erst auf ab der Anschlußstelle Allershausen weiter Richtung Ingolstadt. Unterwegs gibt es nur ein Thema – die Saujagd. Die beliebteste Jagd meines Fahrgastes. Ich habe vom Saujagan noch keine Ahnung. Um 18 Uhr bin ich frei in Ingolstadt und mache mich nach dem Tanken schleunigst auf den Weg zum See.

Eine knappe Stunde später erreiche ich den See. Das kleine Fest, viel zu klein, ist schon im Gange. Eine großes weißes Papiertischtuch ist auf dem Boden ausgebreitet.Vier Einweggrille bruzzeln am Boden vor sich hin. Es kommen noch weitere Gäste, die aber dann früh, viel zu früh das Fest wieder verlassen. Die meisten Taxifahrer wollen noch die Freitag Nacht mitnehmen.
Die meisten Gäste sind schon weg als es dunkel wird und Robert damit beginnt die Windtüten, Fackeln und Petroleumlampen aufzustellen. Schließlich sind wir nur noch zu viert. Die Gastgeberin und ihre Freundin. Bald schon verabschieden wir uns, und ich begleite die Beiden mit einer der Lampen zum Parkplatz.

Jetzt strecken wir uns auf der Decke aus und nehmen ein paar kräftige Schlucke vom Lambrusco. Kenner mögen jetzt den Kopf schütteln – uns schmeckt es aber jetzt. Wir liegen jetzt zu Zweit in einem hellen Kreis aus Fackeln und Teelichtern am See mit Rotweinbechern in der Hand. Irgendwie hat das was von einem Ritus. Als wir uns zum Schlafen legen bemerken wir die Kälte, oder vielmehr die Feuchtigkeit. Die kälter werdende Luft gibt ihre Luftfeuchtigkeit an die Umgebung ab. Unser feuchten Fleece-Decken isolieren nicht viel. Ich ziehe nach und nach ein Kleidungsstück an. Aber Hemd und Jacke sind auch schon feucht von dem Temperaturunterschied.
Frierend liegen wir auf der Decke mit der zweiten versuchen wir uns zuzudecken. Jugendliche, die vorbeigehen amüsieren sich über unseren Lichtkreis. Wechselweise schlafen wir. Immer wieder schauen wir auf die Uhr. Der längste durchgehende Schlaf war eine Stunde.
Um halb zwei biegt ein Streifenwagen vom Parkplatz her auf den asphaltierten Weg, der um den See führt. Wir stellen uns die Gesichter der Polizei vor, wenn sie unsere Personalien kontrollieren und feststellen, daß wir beiden Rotweinbrüder einen festen Wohnsitz keine zwei Kilometer von hier haben. Ich fange an zu zweifeln ,ob das eine gute Idee war, angesichts der Tatsache, daß mein warmes, weiches Bett zehn Fahrminuten von hier wartet. Nach fünfzehn Minuten hat der Streifenwagen den See umrundet und verlässt uns wieder über den Parkplatz. 




Es dämmert um fünf Uhr. Langsam wird der Himmel hell und heller. Die ersehnte Sonne geht um sechs Uhr auf. Welch ein Segen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen sind. Langsam kann ich meine Jacke wieder ablegen. Die Fackeln sind inzwischen erloschen. Die Petroleumlampen haben alle durchgehalten. Die Stimmung die die erwachende Natur am See bietet ist grandios und entschädigt uns für die Unannehmlichkeiten der Nacht.
Wir packen noch die letzten Reste des Festes weg. Das übriggebliebene Brot verfüttere ich an die Stockenten und Bläßhühner im Wasser.Unseren ersten heißersehnten Kaffee am Morgen trinken wir an der Tankstelle. Zumindest jetzt sind wir wieder ganz taxilike.

Montag, 13. August 2012

Alle verschwunden

Sei zwei Tagen habe ich ein neues Spielzeug. Ein App auf meinem iPhone. Es ist ein kleines Fotobearbeitungsprogramm. Damit kann man Fotos in Bilder umwandeln die an die Zeichnungen in den Comic-Heften erinnern. Das Ergebnis kann bunt gestaltet werden; das sieht dann aus wie bei Tim und Struppi, oder schwarz-weiß. Bei einer Funktion kommt das ganz nahe an den Stil der französischen Kulturcomics. (Ich nenne die mal so, weil mir der korrekte Name nicht einfällt.) Mehrmals am Tag nehme ich Motive auf und wandle sie um.

Gestern war das Fußballspiel FC Bayern gegen Borussia Dortmund. Die Allianz Arena wäre ein gutes Motiv. Ich habe zwei Flughafenfahrten. Zweimal fahre ich auf der Autobahn an der Allianz-Arena vorbei. Bei der ersten Vorbeifahrt reicht die Zeit nicht für die Schleife über Fröttmaning. Bei der zweiten Vorbeifahrt ist die Ausfahrt schon voller Busse, Taxis und PKW der Fans beider Mannschaften. Ich müsste mich ins Verkehrschaos stürzen und dazu habe ich am Sonntag Abend keine Lust. Lieber verbringe ich meine Zeit bis zur Abholung am Flughafen am Terminal 2.
Ich parke mein Taxi auf der großen Fläche zwischen dem Karree der wartenden Kollegen auf der Ebene 03. Im Olivia (Taxi Imbiss für wartende Kollegen auf T2) treffe ich auf Kollegen die davon schwärmen wie gut der Hafen heute rennt.

“Erste Reihe! Erste Reihe! „ hören wir von draußen. 

“Was?! Läuft schon die erste Reihe?!“ die Kollegen würgen noch schnell ihr Essen hinunter und verschlucken den letzten Rest Tee.

 Sonntag Abend ist sowieso ein guter Ankunftstag am Flughafen und das Fußballspiel beschert uns auch noch Fans aus der Dortmunder Ecke. Schließlich ist die Allianz-Arena mit 69.000 Plätzen ausverkauft. An einem Tisch sitzen vier Kartenspieler. Als die erste Reihe, die letzte die noch da ist, anfängt zu laufen, springen sie auf und eilen zu ihren Taxis.
Ich finde ein passendes Motiv in dem verlassenen Tisch und dem verwaisten Taxistand. Natürlich probiere ich das mit Tooncamera. Das Ergebnis des verfremdeten Bildes gefällt mir auf dem großen Bildschirm nicht so gut, aber vor Ort hatte ich nur den kleinen Bildschirm meines Telefons. Trotzdem packe ich das Bild in den Blog, wer weiß wann sich wieder eine Gelegenheit für eine solche Aufnahme bietet. 

Plötzlicher Aufbruch


Übrigens das Spiel hat der FC Bayern mit 2:1 gewonnen.

Donnerstag, 9. August 2012

Zerreißprobe

„Zerreiß es!“, der junge Araber gibt mir einen Geldschein. Er studiert in Australien. Jetzt hat er sich mit seiner Familie in Europa getroffen um hier die Sommerferien zu verbringen. Natürlich liegt auch München auf ihrer Liste, so sind sie auf mich gekommen. Und jetzt halte ich einen Australischen Fünf-Dollar-Schein in der Hand. Ich zögere – irgendwie scheue ich mich einen Geldschein zu zerreißen. Es braucht noch ein paar aufmunternde Worte des Arabers und ich versuche es. Gelänge es mir den Schein zu durchtrennen würden wir ich ihn wieder zusammenkleben und es wäre nichts verloren. Vorsichtig am Beginn ziehe ich an den beiden Enden, nichts passiert. Ich greife nach. Jetzt halte ich den Schein fest in meinen beiden Fäusten. Ich zerre, reiße und ruckele. Weiterhin passiert nichts. Es zeigt sich nicht mal ein kleiner Riß. Als ich den Geldschein wieder zurückgeben will, sagt der Araber ich könne ihn behalten. Den Geldschein stecke ich in meinen Taxigeldbeutel.

Am Bahnhof habe ich den Schein wieder ausgepackt und die Kollegen versuchen lassen ihn zu zerreißen. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen. Interessanterweise hat jeder zunächst die gleiche gewisse Scheu einen Geldschein zu zerreißen wie ich. Ich muss immer ein paar ermutigende Worte draufpacken.

Flughafenbusauftrag. Ich fahre an die Brandenburger Straße 2 und warte auf die Ankunft des Flughafenbusses. Eine junge Frau mit viel Gepäck steigt in mein Taxi um. Sie kommt aus dem Urlaub in Australien. Ich erinnere mich an meinen Fünf-Dollar-Schein in meinem Geldbeutel und frage sie ob sie wüsste, daß man (oder auch frau) australische Geldscheine nicht zerreißen kann. Sie kennt es nicht. Ich reiche mir meinen Geldschein, den nach den Arabern schon mindestens zehn Taxifahrer in ihren Händen hielten, mit der Aufforderung ihn zu zerreißen. Auch sie beginnt zunächst nur zögerlich aber dann immer stärker an dem Geldschein zu zerren. Auch ihr gelingt es nicht. Jetzt war sie vier Wochen kreuz und quer durch Australien unterwegs. Hat den Erdball umflogen um auf den letzten Metern zwischen dem Flughafenbus und Schwabing zu erfahren, daß sie während der letzten Wochen unzerreißbares Geld in der Tasche hatte.



Die Fahrten vom Flughafenbus, der in der Brandenburger Straße hält, gehen oft nicht weit. Nachdem ich die junge Frau aussteigen ließ, stellte ich mich gleich noch mal an den gleichen Standplatz. Prompt bekomme ich wieder den Flughafenbusauftrag. Bei dieser Gelegenheit kann ich den Fünf-Dollar-Schein vor dem Datenfunkgerät fotografieren. Wer will kann sich das Foto ausdrucken und selbst versuchen den Schein zu zerreißen ;-). Die Kollegen, die mich kennen und diesen Beitrag lesen, können mich am Taxistand ansprechen. Den Fünf-Dollar-Schein habe ich immer zur Zerreißprobe in meinem Taxigeldbeutel.

Dienstag, 7. August 2012

Sommerspiele mit Cabbies

In München liegt die BMW ziemlich nahe dem Olympiagelände. Beides wird nur durch den Mittleren Ring, der in diesem Abschnitt Georg-Brauchle-Ring heißt, getrennt.
In London, so scheint es, gibt es nichts trennendes zwischen den Olympischen Spielen und der BMW. BMW ist einer der Hauptsponsoren der Sommerspiele 2012 der XXX. Olympiade  in London. Unser Fahrzeughersteller hat bis zu 4000 Fahrzeuge zur Beförderung von Funktionären und Athleten nach London entsendet. 2008 hat der Münchner Automobilhersteller versucht während der Olympiade in Peking seine Marke zu präsentieren. Den Zuschlag aber bekam Volkswagen.
Die offiziellen Autos des IOC rollen in dem verstopften London über eigenes eingerichtete Sonderspuren. Unseren Londoner Kollegen ist es unter Androhung von einer Strafe von 130 Pfund verboten diese verhassten Olympic Lanes zu benutzen. Seit dem Beginn der Spiele blockieren die Cabbies den Verkehr. Die erste Blockade war schon vor der Eröffnungsveranstaltung am Hyde Park Corner. Die Taxifahrer bildeten einen Konvoi und fuhren Stoßstange an Stoßstange über den Verkehrsknotenpunkt. Der Verkehr brach zusammen. Ein Großaufgebot der Polizei brauchte eine Stunde das Chaos wieder aufzulösen. Eine halbe Stunde kam der Verkehr zum Stehen während unsere Taxikollegen sich unbehelligt in alle Stadtviertel zerstreuten. Während der letzten Tage wurde der Verkehr erfolgreich auf der bekannten Tower-Bridge zum Stillstand gebracht. Ein Kollege sprang aus Protest während einer solchen Aktion pressewirksam in die Themse.

Olympiaturm und BMW in München


Die alten Münchner Kollegen waren auch nicht begeistert von unserer Olympiade 1972. Den Fahrdienst für Sportler und Funktionäre übernahmen Wehrpflichtige. Anlässlich dieser Großveranstaltung wurden weitere 1200 Taxigenehmigungen freigegeben die nach dem Sommer 72 auf dem Markt erschienen. Diese Genehmigungsnummern werden von manchen alten Taxlern heute noch Totengräbernummern genannt.

„Die herrschende Kultur ist die Kultur der Herrschenden“ - das spüren nicht nur die Taxifahrer in London. Business rules. Eine Truppe von Lila-Beige gekleideten Markenschützern dürfen Geschäfts- und Privaträume betreten und durchsuchen. Mit dem Ziel Markenpiraterie einzuschränken werden elementare Rechte eingeschränkt. Es ist kein Witz, daß im Umkreis von Sportveranstaltungen keine Pommes Frites verkauft werden dürfen -außer von McDonalds, einem anderen Sponsor der Summer Games Of Brands

Kriegführende Nationen sollen nicht an der Olympiade teilnehmen oder ausrichten. So war das Credo der westlichen Welt 1980. Die Olympischen Spiele in Moskau wurden von islamischen und westlichen Nationen, unter anderem von der BRD, boykottiert, weil die Sowjetunion Truppen in Afghanistan hielt. Seltsamerweise gilt diese Regel nicht mehr. Nur die Sonderspuren für die Funktionäre, die wollen sie beibehalten. In Moskau fahren darauf die SIL, in Peking die Volkswagen und jetzt in London die BMW. Im Vorfeld wurde kräftig Werbung für London als Austragungsort der Spiele gemacht. Die Tower-Bridge, die roten Doppeldeckerbusse, Big Ben und nicht zuletzt die typischen Londoner Taxis waren häufige und beliebte Motive.

Nur auf den Olympic Lanes will man sie nicht sehen, unsere Kollegen auf der anderen Seite des Ärmelkanals. Das Taxi-Konvoifahren kann ja noch bis zur Abschlussveranstaltung am 12.August olympische Disziplin werden.