Samstag, 22. September 2012

... der Bäcker hat gerufen.

Taxifahrer essen Brot. Bayerische Taxifahrer essen Brezn. Bäcker fahren mit dem Taxi. Besonders während der letzten Woche, denn da war die Bäckermesse in München.

Abendsonne gespiegelt während der iba

In der Sparkassenstraße halten mich zwei Paare auf. Nach den ersten Wörtern merke ich; es sind Russen. Einer von ihnen spricht englisch und nennt mir das Fahrtziel. Hotel Prinzregent in der Ismaninger Straße. Unterwegs erkundigt er sich nach einer Parfümerie. Samstag um halb sechs wird es allerdings auch in München eng. Dann fragt er mich auch noch wie weit es von seinem Hotel zur iba ist. Iba, iba, iba … jetzt habe ich es das erste Mal gehört. Die blauen Plakate an den Straßenlaternen mit den wie zu einem Zopf verschlungenen gelben Buchstaben sind mir schon während der letzten Tage aus den Augenwinkeln aufgefallen.
Ich frage zurück woher sie den kämen. Aus Leningrad … Aha! Und Bäcker sind sie auch. Ich finde das schon seltsam, daß Bäcker von so weit herkommen um eine Bäckermesse zu besuchen. Ich bin neugierig geworden und erfahre auch gleich mehr. Die Messe ist die Weltleitmesse für das globale Bäckerhandwerk und findet alle drei Jahre statt.
Der Leningrader Bäcker bittet mich vor seinem Hotel zu warten. Ich könne ihn ja dann gleich zu einer Parfümerie bringen. Während ich vor dem Hotel warte befrage ich den schlauen Onkel Google nach Parfümerien in der Nähe. In Stein- und Bogenhausen gibt es schon ein paar Läden. Aber alle haben um diese Zeit schon geschlossen. Bleibt mir nur noch die bekannte Central-Drogerie in der Schillerstraße. Die haben alle gängigen Marken. Auch die Luxuslabels für meine Russen. Das Beste laut ihrer Homepage haben die am Samstag bis 19.00 Uhr geöffnet.
Als der Bäcker jetzt mit seiner hübschen Tochter wieder bei mir im Taxi sitzt mache ich mich gleich auf den Weg in die Schillerstraße. Die üble Überraschung kommt noch als wir um 18.15 Uhr vor der Drogerie stehen sind die Gitter schon herunter und das Geschäft ist geschlossen.
Der Bäcker zuckt mit den Schultern und meint das kenne er schon. Er steigt aber trotzdem aus, er will noch vor zum Stachus und durch die Fußgängerzone gehen.
Das war mein erster Kontakt mit einem Besucher der Bäckermesse. Ich fand das schon exotisch.

Der zweite Bäcker mit dem Ziel iba steigt mir zu als ich vor einem Hotel stehe. Wir unterhalten uns auf englisch. Auf der Autobahn, zur Zufahrt zur Messe, will ich wissen woher er den kommt. Aus Jordanien! Aus Jordanien?! Das wird ja immer bunter. Was wird da in Riem ausgestellt, daß es sich für Bäcker lohnt, so weit anzureisen?
Im Radio habe ich eine kurze, spannende Reportage über einige der 1.300 Aussteller gehört. Ein großes Segment sind Kaffeemaschinen aller Art. Ein besonderes Ausstellungsstück wäre ein Toaster, mit dem Wurst getoastet werden kann. Die IT – Technik ist mit elektronischen Registrierkassen und Waagen auch vertreten. Besonders populär sind im Ausland die alten Backmischungen, wie Dinkel-, Hafer- oder Roggenbrot. Es gibt sogar ein Eiweißbrot für das Abendessen.

Am vorletzten Tag, am Donnerstag, fahre ich von der Messe ein Ehepaar ab. Auch sie sprechen englisch. Nicht nur mit mir, sondern auch miteinander. Jetzt frage ich gleich nach ihrer Herkunft. Sydney – Australien! Bingo! Das war,s! Weiter geht es nicht mehr. Ich sage das auch gleich meinen Gästen, daß sie die Spitzenreiter in Bezug auf Herkunft sind. Auch sie betreiben in down under eine Bäckerei. Die beiden sind aber nicht nur alleine wegen der Messe um den halben Erdball geflogen. Sie verbringen hier in Europa gleich ihren Urlaub und nutzen die Gelegenheit zum Messebesuch.

Nach der dritten Fahrt werde ich Schneider. Wir stehen mit fünf Taxis vor den geleerten Messehallen. Keine Hoffnung mehr auf Fahrgäste. Auf den Betonpollern finde ich abgelegte Prospekte. Alle Druckwerke preisen Forming and filling pastry machines in fünf Sprachen an. Die Hersteller der Maschinen sitzen in Russland, Italien und Brasilien. Mit diesen Maschinen wird Gebäck geformt und mit bis zu zwei verschiedenen Füllungen befüllt. Die Maschinen schaffen in einer Stunde 3.000 Stück der süßen Köstlichkeiten zu formen und zu befüllen.


Brezn im Taxi
Nach der Lektüre der bunten Fachliteratur in der zweistündigen vergeblichen Wartezeit fahre ich wie Gstingerter nach Hause. Ich muß morgen früh, sehr früh, aufstehen. Das habe ich mit den meisten der Bäcker weltweit gemeinsam. Ich weiß zwar nicht was der Bäcker in Sydney, Jordanien oder Rio so genau bäckt. Aber meiner macht eine Brezn!

Samstag, 15. September 2012

Wiesn ohne Bier

Zugegeben der Titel ist reißerisch. Selbstverständlich gibt es Bier auf der echten Wiesn, auch heuer. Aber auf dem Oktoberfest in der Entenhausenwelt wird grüner Tee getrunken.
In Haidhausen wohnt ein Comic-Zeichner der für Walt Disney die lustigen Geschichten mit Donald Duck zeichnet. In einer der nächsten Ausgaben, ich denke das wird ein Taschenbuch sein, besucht Donald Duck Deutschland. Neben Hamburg und Berlin landet er auch in München. Hier trifft er unter anderem auf Christian Ude und Boris Becker, die als Hunde gezeichnet werden. Der Gast aus Entenhausen kommt auch in eine Rauferei zwischen kräftigen Bayern mit dicken Schnurrbärten.
In München besucht unser Donald natürlich auch das Oktoberfest. Alkohol und Zigaretten sind bei Walt Disney Produktionen ein absolutes NoGo, und so verschlägt es Donald in ein Millionärs“bier“zelt in dem die Großkopferten Tee trinken. 



Im Notfall gibt es für die Trickfiguren im echten München einen Sammelpunkt. Den habe ich fotografiert während ich in der Kronstädter Straße vor dem Hotel Comfort auf Fahrgäste wartete. Vier Figuren, das würde auch passen; Donald Duck, Tick, Trick und Track.
Wenn ich das Mickey Mouse Heftchen finde, werde ich es kaufen. Das ist dann seit 35 Jahren wieder das erste Donald Duck Heftchen in meinen Händen. Dann kann ich berichten ob Donald seine vier Neffen mit nach München bringt.

Mittwoch, 12. September 2012

Gacher Steig

Heute, am Freitag, soll der große Lufthansa-Streik sein. Während der Woche war das Zentrum des Streiks Frankfurt am Main. Doch an diesem Freitag sollen durch den Streik von UFO, der Organisation des bei der Lufthansa beschäftigten Kabinenpersonals, 1.200 Lufthansa-Flüge ausfallen.
Gleich am Freitag früh bin ich mit meinem VW-Bus Taxi am Flughafen und stelle mich unter der Brücke vor dem Terminal 2 (dem Lufthansa-Terminal) auf. Um ehrlich zu sein, muß ich noch sagen, daß ich, wenn ich keine Fahrt um vier Uhr zum Flughafen gehabt hätte, nicht extra wegen des Streiks aufgestanden wäre. Auf meiner Facebook-Seite unken wir noch über die weiten Fahrten die uns erwarten werden. Erinnerungen an die  -> Aschewolke werden wach. In dieser Zeit gingen die Taxis tatsächlich vom Flughafen nach Berlin, Calais, Mailand, … 

Was kommt da auf uns zu? (Flughafen München T2 am Streiktag ganz früh)


Ich könnte heute gar nicht so weit fahren. Ich muß um 13.00 Uhr in Gmund am Tegernsee sein. Von dort hole ich im Auftrag einer Kollegin eine Gruppe ab, die ich gestern dorthin gebracht habe.
Die Gäste wollen zum Gut Schwärzenbach, einem Schulungszentrum der BMW Group. Wenn man die Anfahrt nicht kennt, ist das Gut nicht leicht zu finden. In meinem Navigationsgerät gibt es das Gut Schwärzenbach nicht als Anschrift.
Heute hole ich meine Geschäftsleute wieder ab. Diesmal brauchen wir zwei Taxibusse. Einer geht zum Hauptbahnhof nach München, der zweite geht zum Flughafen. Die Fluggäste haben in weiser Voraussicht ihre Lufthansa-Flüge auf Air Berlin umgebucht. Die Abholzeit 13:00 Uhr in Gmund ist knapp bemessen, wenn die Maschine um 14:55 Uhr am Flughafen München abfliegt.

Spät am Vorabend erwische ich noch einen Taxibusfahrer, der mit mir die Abholung machen will und kann. Ich will ihm die weitere Fahrt zum Flughafen geben. Er hat noch eine Anschlußfahrt in Heimstetten. Miene Auftraggeberin hat mich vorgewarnt. Die Gäste lassen sich oft richtig viel Zeit bevor die Fahrt losgeht. Die Zeit für die Flughafengäste ist eng bemessen. Die werden nicht trödeln. Die Bahnhofsgäste kann ich übernehmen. Ich habe Zeit. Hauptsache ich bin um 18:00 Uhr am Schießstand.
Den Gästen wurde die Zeit wohl auch zu knapp. Zweimal haben sie noch angerufen und die Abholzeit jeweils um 15 Minuten vorverlegt. 12:30 Uhr ist eine gute Zeit die Gäste erreichen sicher ihren Flug und mein Kollege seine Anschlußfahrt.

Wir verabreden uns in der Gaststätte Zum Gasteigin Gmund. Genauso wie beim Münchener Kulturzentrum war in Gmund ein steil, (gach) ansteigender Steig die Ursache für den Namen der Gaststätte.
Frühzeitig fahren wir los. Mein Kollege vom Flughafen, ich vom Ende meiner letzten Fahrt in Schwabing. Die Fahrt verläuft ruhig. Von dem Verkehr am Freitag Nachmittag spüren wir noch nichts. Auf der 318 zwischen der Ausfahrt Holzkirchen und Gmund komme ich in Höhe des Hotels Kapler Alm an das Ende eines Staus. Ganz üblich, besonders freitags staut sich hier der Verkehr an der Ampel vor der Kreuzstraße. Der Verkehrsstau löst sich aber heute nach der Kreuzstraße nicht auf. Langsam kämpfe ich mich in der Autoschlange stehend nach Süden zur Gaststätte Gasteig wo ich doch noch einen Kaffee mit meinem Kollegen trinken will.
Ich rufe meinen Kollegen an um ihn vor dem Stau zu warnen. Er ist noch auf der A9 und gibt jetzt richtig Gas. Jetzt informiert mich meine Auftraggeberin über den Stau der nicht aufhört und bis nach Gmund geht.
Über die Standortmeldungen von WhatsApp informieren wir uns gegenseitig über unseren aktuellen Standort. Nach 15 Minuten ist uns klar; wir müssen auf unsere Kaffeepause ín der Gaststätte mit dem überwältigenden Seeblick verzichten. 


An der Ortseinfahrt Gmund
Vor dem gachen Steig in Gmund bleibe ich stehen und warte auf meinen Kollegen. Als er im Rückspiegel auftaucht und abbremst setzte ich mich vor ihm. Kiene 10 Minuten später stehen wir auf dem Hof des Gutes Schwärzenbach. Die Gäste teilen sich auf die beiden Taxis auf. Flughafen zu ihm, Bahnhof München zu mir. Wie geplant brausen die Flughafengäste früher los. Wir stehen noch bei herrlichstem Wetter um den geöffneten Kofferraum meines Taxibusses. Wir erwarten noch einen Nachzügler. Zwischen dem Tegernsee und dem Schliersee war das Gebiet in dem der Wildschütz Jennerwein jagde. Ich deute in Richtung Süden auf den Bergrücken und setzte an:

“Hier war das Gebiet des Wildschützens Jennerwein“

Ich erzähle von dem gemeuchelten Volkshelden, von dem bayerischen Robin Hood. Spätestens als ich erwähne, daß bis heute noch an seinem Todestag eine gewilderte Gams an seinem Grabkreuz hängt, habe ich die Zuhörer auf meiner Seite.
Es sind die gleichen Gäste, die ich am Vortag zum -> Tegernsee brachte. Dabei hatte ich Gelegenheit als Mäuschen viel über das Thema Entscheidungsfindung zu lernen. Jetzt kann ich mich revanchieren. Auf der Fahrt durch Gmund kann ich auf das dortige Jägerhaus zeigen. Hier waren wir erst vor sechs Wochen während des Betriebsausflugs unserer -> Taxi München e.G. Hier wohnte um 1840 ein Jäger mit dem Namen Mayr. Ich habe dort eifrig die 150 Jahre alten Revierkarten studiert. Das Jagdgebiet im Tegernseer Tal war wittelsbacherisch. Das Gebiet um den Schliersee war staatlich. Dort gab es dann um 1880, also zur Jennerwein-Zeit, auch einen Jäger mit dem Namen Mayr. Dieser staatliche Jäger Mayr machte Meldung, daß ein ganz scharfer Jägergehilfe aus dem wittelsbacherischen Tegernseer Tal, ihn aufforderte den Wilderer Georg Jennerwein, nur zu ihm herüberzutreiben.

Zu unserer Freude entpuppt sich mein Beifahrer als Waidmann. Die Fahrt kann nur noch gelingen. Auf halber Strecke, auf der 318, entdecken wir noch ein Rudel Damwild, das dort in einem Gatter gehalten wird. Wir sprechen über die Geflügelhaltung in der Gegend und landen über den Gesprächsstoff -Schock bei Tieren- und - Schrotbeschuß- wieder beim waidwerken. Bis zum Bahnhof lässt uns der Jennerwein und die grüne Zunft nicht mehr los.

Danke liebe Auftraggeberin für diesen Auftrag und danke für diese Fahrgäste.

Montag, 10. September 2012

Rache ist süß

In unserer Wohnung gibt es zwei Badezimmer und demzufolge zwei Toiletten natürlich mit den zugehörigen Türen. Und genau an diese Türen klebte meine Tochter zwei Zeichnungen. Auf einer Zeichnung war erkennbar eine Frau gemalt. Daneben hat sie Mädchen geschrieben. Auf der anderen Zeichnung ist ein Mann und daneben steht Papa
.

Als ich dem Drängen meiner Tochter nicht sofort nachgab und alles stehen und liegen ließ, aufsprang und mit ihr zu McDonalds rannte, ereilte mich die Rache in folgender Form. Das Wort Papa auf der Zeichnung wurde demonstrativ durchgestrichen und durch das Wort Damen ersetzt.

Die Rache

Bis jetzt kann ich mich nicht über den Verlust meiner Toilette hinwegtrösten. Rache kann schrecklich sein, manchmal ist sie aber einfach nur süüüüüß.

Freitag, 7. September 2012

Siebz(i)ger

Boney M. und ABBA beim Kinderfasching, Tri Top Sirup, bunte Pril-Blumen-Aufkleber auf den Fliesen in Omas Küche, Kli-Kla-Klawitterbus … Ich selbst war während der Siebziger Jahre noch ein Kind. Ansonsten würde ich mich an ganz andere Dinge erinnern; an Schlaghosen, Schuhe mit dicken Absätzen, schicke Autos, Led Zeppelin und Deep Purple. Aber als Jahrgang 68 habe ich die Siebziger Jahre in meinem bewussten Leben nur angeschrammt. Deshalb bin ich froh die Siebziger gefunden zu haben.

Eine kleine Siedlung zwischen Weyarn und dem Schliersee. Gefunden weil ich Kunden vom Flughafen zum Seehotel Schliersee zu fahren hatte. Ich bin nicht in den Ort gefahren. Ich habe die Siebz(i)ger also heute wie damals wieder nur auf der Vorbeifahrt angeschrammt. 




Dienstag, 4. September 2012

Strohfahrer

Heute war ich bei Fahrgästen in der Feilitzschtraße die letzte Woche wegen der -> Sprengung der Bombe  nicht befahren werden konnte. Die Durchfahrt ist noch gesperrt, Anlieger wie Taxifahrer dürfen das Teilstück schon wieder befahren.
Bis der Fahrgast herunterkam, hatte ich Zeit ein Plakat an einem Haus, das von der Bombe ca. 30 Meter entfernt steht zu fotografieren.

Feilitzschstraße eine Woche nach der Sprengung

Der Autor des Anhangs bedankt sich unter anderem besonders bei den Strohfahrern.

Montag, 3. September 2012

Siegel-Borell oHG

Jetzt ist schon ein Jahr und eine Woche seit dem -> Tod meines Freundes  und Geschäftspartners Sandor in Kambodscha vergangen. Ein ehemaliger Freund und Fahrer hat mich angerufen. Er zieht um und hat etwas gefunden, das er mir schenken will.
Nach der nächsten Fahrt bin ich in der Maxvorstadt frei und fahre bei ihm vorbei. Er gibt mir eines unsere Firmenschilder. Er hat es bei der Auflösung des Büros an sich genommen und verwahrt. Ich bedanke mich noch mal an dieser Stelle dafür.
Das kleine Schildchen weckt natürlich Erinnerungen bei mir. Ich bin mir nicht mir sicher wo wir es gemacht haben lassen. Ich nehme schwer an, es war beim Egelseer in der Schleißheimer Straße, denn dort haben wir auch unsere Schlüsselanhänger für die Taxis machen lassen.

Das Scildchen hat den Weg zurück gefunden
Silber und Blau. Für die Farben habe ich mich entschieden. Mir gefiel das Zurückhaltende an der Kombination. Wir waren jung. Sandor war noch jünger. Er war bereits Taxiunternehmer (das darf man ab 18 Jahren) bevor er Taxifahrer (das darf man ab 21 Jahren) war. Ich drängte auf cooperate design, davon haben wir Beide schon was gehört und gelesen. Deshalb war auch unser Briefpapier, unsere Homepage, übrigens eine der ersten zwanzig Taxi-Webseiten in München, und unsere Visitenkarten in Silber und Blau gehalten. Ich war in einer Druckerei am Gollierplatz. Da habe ich den Druck unserer Visitenkarten in Auftrag gegeben. Ich wollte unbedingt einen Verlauf von Silber, d.h. Grau in der Druckfarbe auf Blau. Um das zu erreichen waren mehrere aufwendige und damit teure Druckläufe nötig. Bei der Wahl des Papiers war ich nicht bescheiden. Ich wählte gehämmertes Papier. Auf den Preis hat keiner geschaut. Wir hatten eine oHG. Eine offene Handelsgesellschaft, eine ins Handelsregister eingetragene Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Nach dem Unternehmerrecht die brisanteste Firmierung die es gibt. Jeder haftet mit allem für jeden. Mit Sandor konnte ich das machen. Wir duldeten nicht nur unsere Spinnereien, nein wir unterstützten uns noch gegenseitig darin. Als ich die fertig gedruckten Karten stolz in unser Büro in die Theresienstraße brachte, hat sich Sandor darüber genauso gefreut wie ich. Die Höhe der Rechnung war dritt- höchstens viertrangig.
An der Türe in unserm Büro in der Theresienstraße 148 war auch das Schildchen angeschraubt. Hinter dieser Tür wurden nicht nur mit den Taxifahrern abgerechnet. Von hier nahm eine der ausgelassensten Partys seinen Ursprung. Als Geburtstagsgeschenk richteten wir den 40. Geburtstag eines unserer Fahrer aus. Begonnen hat es mit einem Einkauf im Karstadt am Nordbad, geendet hat die Party vier Tage später in London. Sandor war in London nicht mehr dabei, hat es aber geduldet. Genauso wie ich einen BMW 850 als Geschäftswagen. Wir hatten nicht das Gefühl etwas versäumt zu haben. Es gibt einen Spruch: Wirtschaft hat für die Menschen dazu sein und nicht die Menschen für die Wirtschaft. Oft habe ich den Spruch gehört, viele haben ihn nur so dahergeplappert. Wir waren keine Rechenmaschinen, wir waren Menschen. Unser Taxiunternehmen war für uns da.
Jetzt wünsche ich mir manchmal den Sandor zurück, der mich wieder daran erinnert. Ein großzügiger Mensch und dabei bescheiden und zurückhaltend. Zurückhaltend wie unser Schildchen, das ich mit Tränen in den Augen in Taxi sitzend zwischen meinen Fingern drehe.

Samstag, 1. September 2012

Fliegerbombe

Natürlich habe ich bemerkt, daß in München, mitten in Schwabing Bauarbeiter eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden haben. Beim Ausschachten mit dem Bagger sind die Arbeiter auf die amerikanische 250 Kilogramm-Bombe gestoßen.
Daraufhin wurden schnell die Anwohner in einem Umkreis von 300 Meter um die Fundstelle evakuiert. Mein Freund und Kollege Christian war davon auch betroffen. Er musste Gästeseiner Kunden in deren Haus bringen. Deren Pech war aber, daß dieses Haus fast genau gegenüber der Bombe liegt. Der Arme musste die Gäste über Stunden unterhalten. Selbst am nächsten Tag musste er sich noch um die Gäste kümmern. Schön,  daß er es, trotz seines engen Zeitplans, geschaft hat einen -> Beitrag über die Sprengung der Bombe in seinem Blog zu posten.
Der aus Brandenburg eingeflogene Sprengmeister wollte die Bombe nicht entschärfen und so entschloß man sich zur kontrollierten Sprengung der Bombe am Dienstag Abend.
Die Bombe wurde mit Sandsäcken, Gummimatten und Stroh abgedeckt und um 21.53 Uhr gesprengt. Die Anwohner im Umkreis von 1000 Metern wurden aufgefordert in ihren Häusern zu bleiben. Das Stroh war dann auch Teil des Problems. Das trockene Gras hat sich bei der Explosion entzündet und wurde dann brennend durch die Luft geschleudert. Dabei hat es mehrere kleine Brände verursacht. Ein Feuerwehrmann erklärte dann später im Rundfunk man hätte das Stroh nicht naß machen können, weil dann das um ein vielfaches an seinem Gewicht gewonnene Heu Gebäudeteile durchschlagen hätte.

Am Tag nach der Sprengung werde ich am frühen Nachmittag nach einer Flughafenfahrt in der Parkstadt Schwabing frei. Die Neugierde treibt mich nach Schwabing. Wie sieht das da jetzt aus? Ich rufe Christian an und frage ob er in der Nähe sei und mitkommen würde. Den Anruf hätte ich mir sparen können. Eigentlich müsste ich wissen, daß er bei solchen Aktionen immer an der Front dabei ist.
Natürlich ist er schon da. Er ist in einem thailändischen Restaurant in der Occamstraße. Ich bin in 10 Minuten bei ihm. Parkplätze gibt es genug. Ich kann bequem vor dem Lokal parken. Das erste das mir beim Aussteigen auffällt ist das feine, klirrende Geräusch, das entsteht wenn Glasscherben aufgekehrt werden. Das Geräusch höre ich solang ich hier bin.

Im Thailänder treffe ich Christian. Er hat im Baumarkt eine Wanne, einen Besen und andere Werkzeuge eingekauft um bei seinen Stammkunden das Gröbste aufzuräumen und die Fenster zu vernageln. Am Vormittag war er schon mit den Pressefotografen hier und hat ein paar -> interessante Fotos geschossen. Bevor er sich an die Arbeit macht, findet er noch ein paar Minuten Zeit mich herumzuführen. Die Feilitzschstraße ist immer noch gesperrt. Ich kann aber einen ausgebrannten Laden sehen. Solche ausgebombten Läden habe ich schon gesehen, aber mitten in München wirkt das eher befremdlich (für unsere Generation).

Marktstraße Westseite - die Druckwelle kam von hinten


Die Schaufensterscheiben in den Läden auf der Westseite der Marktstraße sind von innen nach außen geblasen worden. Die Druckwelle ist wie eine Flutwelle von hinten durch die Häuser gekommen. Auf der anderen Straßenseite, auf der Ostseite der Marktstraße, hat dann die Druckwelle die Schaufensterscheiben nach innen gefetzt. Ich kann in einen Hausdurchgang schauen. Die Bretter der Holzverkleidung sind von der Wand gerissen. Mich wundert es, daß die Fensterscheiben des McDonalds an der Ecke Marktstraße/Feilitzschstraße ganz geblieben sind.
In der Marktstraße, Ecke Haimhauser Straße, steht auch ein Anwesen unserer Taxigenossenschaft. Auf den ersten Blick von Außen sind dort aber glücklicherweise keine Schäden entstanden. Das Gebäude ist erst 1990 gebaut worden und das wertvollste Stück Immobilienbesitz der Taxi München e.G. in Münchener Bestlage. (Vorher waren dort eine Tankstelle und Garagen).

Ich beschränke mich auf ein Foto, das ich bie unserem Rundgang geknipst habe. Die Berichtshoheit über Themen wie Bomben-, Stabbrandbomben- und Granatenfunde hat nach wie vor Kollege Christian. Das meine ich nicht ironisch.