Montag, 29. Oktober 2012

Ortskenntnis

Heute ist ein Tag an dem ich endlich zum Durchschnaufen komme. Nach dem Oktoberfest geht’s bei uns so richtig los.Mehrtägige Konferenzen und Veranstaltungen dreier Firmen für die wir fahren finden fast gleichzeitig statt. Ein Verband von Rohstoffförderern, eine Softwarefirma und die Stadt München brauchen uns über zwei Wochen fast gleichzeitig. Zum Glück konnte Vesna während der letzten Woche den Viano noch fertigmachen. Der zweite Bus war dringend nötig und er hat sich in den ersten Tagen bei uns gleich bewährt. 

Die Woche vorher habe ich noch ruhig angehen lassen. Am Mittwoch war ich mit einem Taxikollegen bei herrlichstem Wetter beim Tontaubenschießen in Hattenhofen. Am Freitag Abend war dann noch ein Teil unserer Vereinsmeisterschaft in Dachau. Am folgenden Samstag waren wir bei Mercedes-Benz zu Gast beim Taxitag in unserer Mercedes-Niederlassung in der Arnulfstraße. Seit neuestem sind wir ja wider Mercedes-Kunden.
Mercedes hat die Maybach-Produktion eingestellt. In den Räumen, in denen bis vor Monaten noch die Edel-Schlitten ausgestellt waren, sitzen jetzt die Taxifahrer an den aufgestellten, weiß gedeckten Tischen. Das Essen wurde von der Vorspeise bis zum Dessert in Einweckgläsern gereicht. Das habe ich nicht zum ersten Mal gesehen. Das scheint jetzt der neueste Schrei am Catering Himmel zu sein. Hat ja nur Vorteile, die Speisen können einfach transportiert und schnell ausgegeben werden. Die Reste können portionsweise aufbewahrt werden. Beim Geschirr wird auch kräftig eingespart. Eine logistisch saubere, gelungene Lösung. Den ersten Handgriff spart man sich schon, wenn der Koch in der Küche die Gläser aus dem Topf befüllt.
Bei Mercedes gab es auf diese Art Entenbrust auf Orangenscheiben und Blaukraut, Matjeshering mit Kartoffeln als Vorspeise, Käsespätzle und Currywurst als Hauptgericht und Bayrisch Creme zum Dessert. Selbst die Currywurst gab es mit der entsprechenden Sauce in einem Weckglas.
Wir konnten leider nicht bis zum Ende bleiben. Unsere ersten Gäste warteten schon am Flughafen. Das war der Startschuß für unsere heiße Woche.
Die weitesten Fahrten führen uns zum Hotel Überfahrt in Rotach-Egern am Tegernsee. Am Sonntag übernehme ich gleich in der Frühe die erste Fahrt vom Flughafen zu dem Hotel. Noch im Morgennebel brause ich mit meinen Gästen aus Südafrika zwischen weidenden Kühen über die Bundesstraße 318 Richtung Alpen. Heute ist Kirchweihsonntag, schönster Sonnenschein, die Farben des Laubes decken die ganze Palette von grün bis rot über gelb und braun ab. Beim Anblick des Herbstlaubes möchte man meinen der Wald stünde in Flammen. 

Beim Anblick des Pyramidenbrunnens vor dem Hotel muß ich, wie immer wenn ich hierher komme, an die Romantrilogie Illuminatus! des Schriftstellers Robert Anton Wilsons denken. Inmitten des kreisrunden Brunnens steht eine goldene Pyramide. Die Grundfläche der Pyramide ist ein fünfzackiger Stern. Da ist die Pyramide, da ist die Farbe Gold, da ist die außergewöhnliche Grundfläche der Pyramide, da war erst 2005 das Treffen der Bilderberger. Heute wird daraus kein Hehl gemacht. Damals wurde aber in Rotach-Eggern eine Ärztekonferenz vorgeschoben. Selbst der Bürgermeister glaubte daran, erst die weiträumige Absperrung und die enormen Sicherungsmaßnahmen machten die Ärztekonferenz verdächtig.



Ich habe heute keine Zeit an die Illuminaten zu verlieren. Ich kann nicht mal den Sonnenaufgang über den Bergen am See bei einem Frühstück genießen. Ich muß gleich wieder zurück zum Flughafen. Bei der Fahrt zur Autobahn kommen mir auf der Bundesstraße schon die ersten Ausflügler entgegen. Knapp zwei Stunden später stehe ich genau in dieser Autoschlange. Inzwischen sind es richtig viel geworden. Langsam, langsam kämpfe ich mich zum See. Moosrain und Dürnbach, inzwischen kenne ich schon die kleineren Orte an der B 318. Ich bringe meine Gäste zum Hotel. Als ich endlich frei bin, will ich auf dem Rückweg zu Mittag essen, für ein Frühstück wäre es jetzt su spät. Auf dem Hinweg habe ich nach einer geeigneten Gaststätte gesucht.
Noch in Weißach, einem Ortsteil von Rotach-Egern, winkt mir ein Herr. Ich bleibe stehen, als erstes informiere ich meinen neuen Gast:

“Ich bin ein Taxi aus München“

Damit ist er informiert. Jetzt weiß er, daß ich nach einem anderen Tarif abrechne und ich nicht die Ortskenntnis wie ein lokaler Taxifahrer habe. „Sie schickt der Himmel.“ ; antwortet er mir. Wegen der Vorbestellungen habe ich mein Datenfunkgerät nicht aktiviert. Ich habe also auf die Schnelle kein Navi zur Verfügung. Er kommt aus Frankfurt, hat sich mit dem Schiff verfahren, ist an der falschen Anlegestelle ausgestiegen, ist dann auch noch zu Fuß in die falsche Richtung gegangen. Jetzt will er nach Gmund an den See, zurück zu seiner Pension. Nach Gmund, dahin kann ich inzwischen blind fahren, den Weg zum See finde ich auch noch. Ich kann ihm sogar in Gmund noch das Jägerhaus zeigen. Mit Trinkgeld hat mir die Heimbringung des verlorenen Hessens 17,-€ gebracht. Jetzt aber habe ich Hunger. Das Wirtshaus an der Kreuzstraße kenne ich schon, das Gasthaus Jennerwein scheint mir jetzt zu bayrisch. Ich habe die Alte Schmiede in Dürrnbach auserkoren. Das Gebäude, in dem die Gaststätte ist,  ist von außen unscheinbar genug um eine Überraschung zu bieten.

Innen ist das Lokal liebevoll eingerichtet. Auf den Tischen steht eine überraschend große Weinkarte. Diesmal tut es mir richtig leid, daß ich meiner Lust nach einem Glas Wein nicht nachgeben kann. Ich will nur einen Salat. Vorher nehme ich eine Suppe von der Tageskarte. Es gibt Kürbissuppe oder Steinpilzsuppe. Ich nehme die Steinpilzsuppe vor dem Salat mit gebratenen Putenstreifen. Der Chef kocht selbst und engagiert. Er kommt öfter in die Gaststube und erkundigt sich bei seinen Gästen ob es schmeckt. An der Wand stehen Kochbücher aus aller Herren Länder. Meine Rechnung mit Getränk ist genauso hoch wie der Preis für meine letzte Fahrt – 17,- € (mit Trinkgeld 20,- €)

 Nach der Pause mache ich mich auf den Weg zu meiner dritten Abholung am Flughafen München. Diesmal kommen meine Gäste aus Kanada und den U.S.A..
Zum sechsten Mal fahre ich jetzt die Strecke zwischen Holzkirchen und Rotach-Eggern. Ich bemerke jetzt schon den dicken, entgegenkommenden Verkehr zwischen Gmund und Holzkirchen. Ich weiß, wenn ich meine Leute bei der Überfahrt abgesetzt habe und meine vierte Abholung machen will, müßte ich mich in den endlosen Stop-And-Go-Verkehr einordnen. Das ist nichts für einen müde werdenden Taxifahrer.
Nach Bad Wiessee verlasse ich die 318 Höhe Ackerberg. Ich komme nach Finsterwald. Hier war ich vor 20 Jahren mit einer Freundin im Biergarten. Jetzt verlasse ich mich ganz auf mein Google-Maps App. Vor Häuserdörfel muß ich rechts abbiegen um wieder Richtung Norden zu kommen. An der engen Kurve entdecke ich eine Schokoladenquelle. Über Schaftlach und Piesnkam fahre ich nach Warngau. Hier komme ich an dem Flughafen vorbei, an dem ich vor zwei Jahren das -> Flugzeugunglück am Rande mitbekommen habe. Ich verfolge mich als blauen, blinkenden Punkt auf meinem iPhone. Als ich über die Tegernseer Straße nach Holzkirchen komme wird mir klar, daß ich es geschafft habe den für unausweichlich gehaltenen Stau umfahren zu haben.
Jetzt nur noch die letze Tour für diesen Tag. Am Flughafen muß ich noch eine Stunde länger warten. Der Gast hat sein Gepäckstück verloren, vielmehr die Fluggesellschaft hat es verschlampt. Zufrieden keinen Stau mehr zu erwarten mache ich mich zum letzten Mal für Heute auf den Weg zum Tegernsee. Auf dem Rückweg, ich muß nicht mehr zum Flughafen, sondern nur noch nach Hause, zieht Nebel auf. Der Nebel wird immer dichter und ich immer müder. Ich rechne mir meine Kilometerleistung aus. Die Strecke zwischen Flughafen und Hotel ist 90 Kilometer weit. Hin und Zurück ergibt 180 Kilometer. Das mal vier Strecken, und ich bin bei 720 Kilometer. Über 700 Kilometer! Nicht nur Autobahn, sondern auch verstopfte Bundesstraßen und kurvenreiche Straßen zwischen Kuhweiden und Wälder. Selbst als Taxifahrer habe ich meinen Teil unterschätzt. Erst dachte ich mir; da fahr ich mal schnell zum Tegernsse, aber dann …
Zuhause falle ich ins Bett. Nur den Wecker muß ich mir noch auf 4.30 Uhr stellen. Grausam!!! Ich muß jemand vom Hotel zum Flughafen bringen. Die Ersten verlassen schon wieder die Konferenz. Ich muß sie zum Flughafen bringen. An welchem See das Hotel liegt, könnt ihr euch ja schon ausmalen.

Sonntag, 28. Oktober 2012

Umstellung

Heute Nacht hat es geschneit. Das erste Mal in diesem Winter. Der Schneeregen, der uns gestern Nachmittag beschert wurde, ist nicht liegengeblieben.
Miene erste Abholung ist die Maschine aus Singapur. Plankäßig soll sie um 5.10 Uhr in München landen. Beim ersten Aufstehen heute früh bemnerke ic die weiße Schneedecke auf der Straße. Ich kann noch eine Stunde schlafen. Schnell noch das iPhone auf dem Nachtkästchen befragt. Die Singapur hat Verspätung. Sie landet erst um 5.30 Uhr. „Erst“ ist ein harmloser Ausdruck für einen verschneiten Sonntag Morgen. Für mich bedeutet das, daß ich meinen Wecker eine halbe Stunde später stellen kann. Jetzt muß ich „erst“ um 4.30 Uhr aufstehen und durch den knirschenden Schnee zum eiskalten Taxi gehen.
Von meinem Handy aus kann ich Facebook nicht mehr bedienen. Wenn ich es genau überlege, macht es mir nicht mehr soviel aus. Ich habe dort Freitags oft Einträge gefunden die bekunden wie sich manche freuen, daß die Arbeitswoche vorbei ist. Da heißte es dann; Hurra es ist Freitag, u.s.w. und am Montag lese ich Scheiß Montag, u.s.w. Mittwoch wird Wochenteiler genannt. Arbeiter und Angestellte verbringen viel Zeit in der Arbeit. Eine Freiheit gibt uns, die wir unsere Arbeitskraft verkaufen müssen, der Kapitalismus; zu entscheiden, wie und wem wir das tun.
Wenn ich meine Arbeit so hasse, daß ich juble wenn ich zwei Tage nicht da bin und fluche wenn ich fünf Tage vor mir habe, würde ich mich schnell umstellen.
Neben meinem Facebook-Umgang muß ich ganz sicher auch noch die Uhr umstellen. Die Sommerzeit ist vorbei. Die Uhr muß eine Stunde nach hinten.

Montag, 15. Oktober 2012

Chunte


Taxifahrer haben keinen festen Arbeitsplatz. Sie arbeiten auf den Straßen ihrer Stadt. Bloggende Taxifahrer schreiben ihren Blog auch überall. Am Taxistand, auf dem Autobahnparklplatz oder wie jetzt auf dem hell ausgeleuchteten Parkplatz eines Puffs, mehr eines Laufhauses. Der Regen prasselt auf das Taxidach, Freier hasten vorbei zu ihren geparkten Autos. Ich sitze im Taxi den kleinen Laptop auf dem Schoß und tippe hinter dem Lenkrad meines Taxis. 

Mein heutiger Arbeitsplatz - Parkplatz vor dem Puff

Angefangen hat alles so bieder, so solide. Der neue, alte Mercedes meiner Frau musste in aller Frühe quer durch München zum Mercedes-Benz Nutzfahrzeugzentrum nach Neuperlach. Der linke hintere Sitz war defekt. Lehnt sich jemand an, neigt sich die Lehne ohne Widerstand nach hinten, gehalten nur von der Plastikverkleidung der Seilzüge und Verriegelungen unter den Polstern der Sitzfläche. Der linke Scheinwerfer zieht Wasser, innen an der durchsichtigen Scheibe haben sich schon Wassertropfen gebildet. Auf der Suche nach dem Sonderausweis für den Flughafen ist meiner Frau die Abdeckung des Spiegels entgegen gefallen. Natürlich hat sie alle drei Fehler sofort moniert . Wir sollten gleich am nächsten Tag morgens kommen, Mercedes will sich die Mängel anschauen. Ich bin mit meinem Taxi dabei, für den Fall, daß wir den Viano zur Reparatur bei Mercedes lassen müssen. Der Verkäufer und der herbeigerufene Mechaniker sind überaus nett:

“Natürlich reparieren wir die Lehne. Selbstverständlich. Da, die kaputte Verkleidung muß auch ausgewechselt werden. Der Scheinwerfer, denn werden wir trockenen. Wenn wieder Wasser drin ist, bekommen Sie einen neuen ganzen Scheinwerfer, ist doch klar. Wir bestellen die Teile. Wir bräuchten dann das Auto einen halben Tag... Wir flicken jetzt notdürftig die Lehne, damit sie heute schon mal fahren können. Wollen Sie in der Zwischenzeit einen Kaffee trinken? „

Jaaaa, und ob wir wollen! So sitzen wir in der Daimlers Cafeteria zwischen den Mercedes G-Klassen und fetten LKWs auf dem Hof. Eine Daimlers Cafeteria gibt es fast in jedem Mercedes Showroom. Die Kulisse ist da schon etwas seltener. Ein Spediteur bestellt für sein Unternehmen eine Zugmaschine. Er spricht von Achslasten und Anschlüssen. Die Verkäuferin hat sich mit ihrer Kleidung und Dialekt dem Kunden angepasst. Irgendwie würde ein dunkler Anzug oder Kostüm nicht zu den Produkten passen.
Da kommt schon unser Verkäufer mit dem Viano vor die Cafetreria gefahren. Die Lehne ist notdürftig repariert, die Verkleidung und die Spiegelklappe ist bestellt. Wenn der Sitz endgültig repariert und die Verkleidung ausgetauscht wird, wird auch der Scheinwerfer getrocknet. Vesna kann ihren nächsten Kunden fahren und ich schwinge mich auf meinen gelben (hellelfenbeinweißen) Bock.

Wieder im Zentrum erwische ich eine Sechsergruppe. Sie warten vor dem Hotel auf mich. Beim Einsteigen nennen sie schon ihr Fahrziel:

Wachturm in der KZ - Gedenkstätte

“Dachau -KZ – Dachau“

Ohne Überlegen fahre ich los. In der KZ-Gedenkstätte bin ich jedes Jahr mindestens dreimal. Unser Schießstand ist auch gleich um die Ecke. Sie wollen einen Preis. Nach Dachau, ich soll warten, dann zu einem Lokal, ich soll mitkommen, und dann wieder zurück nach München zum Hotel. Auf dem Weg lausche ich ihrer fremdartigen Sprache. Finnen oder Ungarn – den Warägern haben wir es zu verdanken, daß sich die beiden Sprachen ähneln. Ob sie ähnlich sind oder nicht kann ich nict beurteilen, aber der Klang der beiden Sprachen läßt auf einen gemeinsamen Stamm schließen. Drei meiner Fahrgäste haben strohblonde Haare, daher schließe ich auf Finnen. Und richtig, es sind Finnen. Die Flachsköpfe passen nicht in meine Vorstellung eines schwarzhaarigen, schnauzbärtigen Magyaren.
Auf dem Parkplatz in Dachau parke ich wie immer in der hintersten rechten Ecke. Von dort schlagen wir uns durch die Büsche und kürzen unseren Weg zum Haupteingang ab. Kaum sind wir durch das Tor mit der bekannten Aufschrift Arbeit macht frei, entpuppt sich einer meiner Gäste als Kenner. Er sagt er war schon eine paar Mal da und deutet mit dem Finger auf die Gebäude .

“Haupthaus – Bunker – Baracke – Kirche – Krematorium …. „

erklärt er den anderen und mir. Zwei sind das erste Mal hier. Die anderen Vier kennen sich bestens aus. Fast im Laufen rennen wir durch das Haupthaus, hinten wieder raus, durch den langen Gang der Bunkerzellen. Quer über den Platz in die Baracke. Ich wundere mich über meine Gäste. Was mögen das für Leute sein. Zwei haben die Haare geschoren. Ich kann nicht herausfinden aus welchem politischen Lager sie sind. Der Wortführer der Gruppe lotst die seine Freunde in den entfernter gelegenen Eingang der Baracke. Obwohl sie schon dabei waren die Baracke durch den vorderen Eingang zu betreten. Ich mache daß mit meinen Gästen bisher genauso. Denn in dieser Richtung stimmt die chronologische Reihenfolge der Ausstattung. In der Baracke sind drei verschiedene Einrichtungen zu besichtigen. Am Anfang, in den ersten Jahren des Lagers, waren die Betten noch voneinander abgetrennt. Im Laufe der Zeit, als die Baracken immer überfüllter wurden, gab es nur noch Bettgestelle wie Regale in denen die bis zu 1770 Häftlinge untergebracht waren. Mich wundert die Kenntnis meines finnischen Gastes. Ich versuche aus irgendwelchen aufgeschnappten Wortfetzen schlau zu werden. Aber ich habe kein Chance, finnisch ist einfach zu fremd.
Jetzt noch durch die Kirchen und dann durch das Krematorium. Auch hier beweist der Finne Kenntnis. Auch hier zeigt er die Örtlichkeiten in der richtigen Reihenfolge. Nach einer Stunde sind wir wieder vor dem Tor. Das war mein kürzester Dachau-Besuch überhaupt. Auf dem Weg zurück verrät mir mein finnischer Partner, er wäre Pilot.
Zum Essen haben sie bei der Anfahrt schon ein asiatisches Lokal im obersten Stockwerk eines kleinen Einkaufszentrums ausgemacht. Dahin wollen wir jetzt, ich bin eingeladen. Ich könne essen was ich wolle. Ich habe nach unserem Mercedes-Besuch schon gegessen und wähle mir nur eine Dessert-Platte. Für den Standardasiaten bekomme ich jeweils zwei Stücke überbackene Bananen, Lyche und Ananas. Zum Trinken wähle ich grünen Tee. Zuerst bin ich enttäuscht, daß ich keinen Zucker auf dem Tisch finde. Doch nach der ersten halben Tasse bin ich ganz froh darüber, denn der Zucker hätte nur den feinen Geschmack gestört. Meine Gastgeber, in diesem Fall hat es sich gewandelt, jetzt bin ich für eine halbe Stunde Gast, bedienen sich an dem reichhaltigem Büffet und trinken mehrere Halbe Bier. Das Essen im Restaurant ist auch schnell erledigt. Noch kauend rufen meine Begleiter nach der Kellnerin. Sie wollen zahlen. Ich kann nicht herausfinden, was sie so zur Eile treibt.

Proviant für die Strecke Dachau - München
Am Taxi, in der Tiefgarage, bemerke ich, daß Zwei meiner Sechs fehlen. Die restlichen Vier stehen rauchend um mein Taxi und warten. Die Beiden erscheinen mit jeweils einem Kasten Hofbräu Bier. Das haben sie in einem der Läden des Einkaufszentrums entdeckt. Da mussten sie zuschlagen. Nein, Halt, Stopp – wir können noch nicht fahren. Wir kaufen noch zwei Kästen. Wir verstauen vier Kästen Bier im Kofferraum. Die Verkleidung an einem der Holme im Innenraum des Taxis ist locker. Beim Einsteigen streift einer meiner Gäste die Plastikabdeckung. Als die Abdeckung im Gurt hängt, sagt er:

“Hättest du dir einen Mercedes gekauft“

Genau das habe ich ja gemacht. Und mein zukünftiges Taxi wird auch wieder einen Stern tragen. Mit der berauschenden und berauschten Fracht mache ich mich auf den Weg zurück ins Hotel nach München. Dort angekommen, fragen sie mich nach meiner Visitenkarte, denn sie wollen später noch ins Hofbräuhaus. Ich gebe ihnen meine Karte und mache mich in Richtung Innenstadt vom Acker. Unterwegs bekomme ich einen Funkauftrag zum Hauptbahnhof. Noch während ich den Fahrgast zum Bahnhof bringe, klingelt mein Handy. Eine fremde Vorwahlnummer. Aha – meine Finnen. Ich erkläre Ihnen, daß es noch etwas dauern wird, denn ich muß mich erst um meinen aktuellen Gast kümmern.

“Kein Problem. Laß dir Zeit. Wir sitzen an der Bar und trinken Bier. Wenn du da bist, kommen wir raus.“

Etwas anderes habe ich auch nicht erwartet. Ich will keine Zeit verlieren. Als ich in die Straße zum Hotel einbiege, rufe ich die finnische Nummer zurück und melde mich an. Wie die Soldaten kommen sie prompt aus dem Hotel, genau in dem Augenblick in dem die Auffahrt hoch fahre.
Jetzt soll es ins Hofbräuhaus gehen. Die haben wohl ihre Liebe zu der Brauerei entdeckt. Wie lange ich denn noch fahre, wollen Sie wissen. O je, denke ich mir, als ich mir schon ausmale wie ihr Zustand immer schlimmer wird. Ich antworte ihnen, daß ich um 19.00 Uhr aufhören MUSS. (warum auch immer) Das reicht meinen sie. Ich soll in einer Stunde wieder da sein, dann wollen sie noch in den Puff. Eine Stunde später stehe ich am hintersten Platz am Bräuhaus-Taxistand.
Die Hälfte hat augenscheinlich für heute genug. Die noch übrigen Drei steigen mir zu. Diesmal geht’s zum Puff, warten und dann zum Hotel.Vor der Eingangstüre, unter den Objektiven der Überwachungskameras rauchen meine Kunden noch eine Zigarette. Ich klappe meinen Laptop auf. Bis die Drei im Eingang verschwinden habe ich schon die ersten Zeilen getippt.
Ich werde mit meinem Post nicht fertig, da erscheinen die Drei schon auf dem Parkplatz. Jetzt geht es für heute zum letzten Mal zum Hotel. Ich lausche ihren Gesprächen immer wieder fällt ein Wort das wie chunte klingt. Das Wort kenne ich von meinen Preisverhandlungen bevor wir nach Dachau gefahren sind. Beim aussteigen bedauert einer der Blondschöpfe daß ich eine halbe Überstunde machen musste, obwohl sie sich so beeilt hätten. Da hat er recht, heute war fressen, saufen und ... im Eildurchgang. Nur was der Besuch im KZ dazwischen sollte ist mir bis jetzt immer noch nicht klar.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Tja, der Montag

Auf dem Weg zu meinem Kunden aus Wien
Ich habe meine e-Mails erst gestern spät am Abend gecheckt. Ein Kunde hat ein Taxi vom Flughafen nach Waldtrudering bestellt. Er kämme um 7:30 Uhr mit der Air Berlin aus Wien an. Vesna ist beschäftigt. Den Auftrag müsste ich fahren, wenn er noch zustande käme. Ich selbst habe schon eine Bestellung um 4:45 Uhr von Forstenried zum Flughafen. Heute ist der erste Anreisetag der EXPO Real, Europas größter Immobilienmesse. Wenn ich schon so früh zum Hafen rausfahre, möchte ich auch stehenbleiben. Ich rechne mir aus, daß ich nach einer kurzen Wartezeit sowieso besetzt in die Stadt zurückkäme Die Vorbestellung wäre so keine große Bereicherung.
Um 3:45 Uhr reißt mich mein Wecker aus dem Schlaf. Aufstehen, waschen, rein ins Taxi sobald ich unterwegs aufwache hole ich mir einen Kaffee an der Tankstelle. Diesmal ist es die ARAL-Tankstelle an der Garmischer Straße. Zehn Minuten vor der Zeit stehe ich in dem noch verschlafenen Forstenried vor der Tür des Kunden. Diesen Kunden hole ich das erste Mal ab. Den Namen des Kunden habe ich schon auf dem Klingelbrett gefunden. Ich will um diese Zeit nicht zu früh läuten und gedulde mich noch. Punkt 4:45 Uhr läute ich zweimal kurz. Keine Reaktion. Ich warte weiter, ein zweiter Versuch, wieder ohne Ergebnis. Die Firma des Fahrgastes, in deren Auftrag ich ihn fahre, hat mir seine Handynummer übermittelt. Ich rufe an und bete, daß ich keinen Anrufbeantworter am anderen Ende erwische. Nach dem dritten Läuten meldet er sich. Er ist in überrascht, daß ihn ein Taxifahrer anruft, der vor seiner Wohnung in Forstenried steht. Er selbst ist schon seit einer Woche in Nigeria. Ursprünglich sollte er heute fahren. Die Firma hat ihn aber eine Woche früher losgeschickt und vergessen mir Bescheid zu sagen. Jetzt bin ich in aller Herrgottsfrühe aufgestanden und durch die ganze Stadt von Nord nach Süd gebraust, mit Afrika telefoniert nur um vor einer verschlossenen Tür zu stehen. Zum Trost wird mir in diesem Fall die Fahrt voll bezahlt.
In dem Moment meldet sich der Datenfunk. Eine Vorbestellung für 5:00 Uhr. Ganz in der Nähe. Ich nehme an und fahre zum Kunden. Der neue Gast erscheint mit einem Koffer im Hausflur. Könnte eine Fahrt zum Bahnhof werden.

“Zum Flughafen, bitte.“

So ein Glück! Jetzt bin ich doch nicht umsonst aufgestanden. Die Fahrt von Forstenried zum Münchner Flughafen bringt mir 72,50 €. Unterwegs rechne ich mir aus, daß ich jetzt meinen Fahrgast aus Wien am Telefon erwischen könnte. Seine Handynummer habe ich aus der e-Mail. Tatsächlich erwische ich ihn in Taxi in Wien auf dem Weg zum Flughafen Schwechat. Ich bestätige ihm die Abholung, wünsche ihm einen guten Flug und meine Rückfahrt ist mir sicher.
Er ist wie viele Andere wegen der EXPO Real in München. Vorher muß er aber noch in ein Hotel in Waldtrudering. Die Besprechung im Frühstücksraum des Hotels dauert länger, sonst hätte ich ihn gleich weiter zur Messe bringen können. So fahre ich alleine zur Messe und stelle mich am ICM Stand auf. Das Standplatztelefon schickt mich nach Aschheim zum Münchner Hof. Auch der Fahrgast will zur Messe. Auf dem Weg zur Messe kommen mir die leeren Taxis entgegen, die schnell wieder zurück zum Flughafen wollen um möglichst bald wieder eine neue Fuhre zu ergattern. Ich will mich ihnen anschließen. Kaum ist mein Fahrgast ausgestiegen, wende ich und fahre rasch in Richtung Flughafen.

Der Karton - bereit zur Übergabe
Ich bin schon wieder leer in Aschheim als mich eine Nachricht auf dem Datenfunkgerät erreicht. Miene letzten Fahrgäste von Gestern haben bei der Fahrt vom Hauptbahnhof nach Neuperlach einen kleinen Karton in meinem Kofferraum vergessen. Über das Datenfunkgerät habe ich eine Handynummer unter der ich die Fahrgäste erreichen kann. Sie fahren gerade mit dem Taxi von Neuperlach zur Messe. Wir verabreden uns am Westeingang bei den Messeseen. Ich drehe wieder um und fahre zurück zur Messe. Am Westeingang der Messe stehen fünf Taxis vor mir. Ich reihe mich ein um auf meine Gäste vom Vortag zu warten. Sie sind zu siebt. Ich erwarte einen Taxibus mit einem München-Stadtkennnzeichen. Dort kommt er schon. Ich gehe ihnen entgegen und gebe ihnen den Karton mit den Kreditkarten zurück.
Jetzt da ich schon mal dastehe bleibe ich auch. Bis ich als erster eine Dame ins Hotel am Moosfeld bekomme. 11,- € sind zwar nicht der Hit, aber das berühmte Kleinvieh … .
Auf dem Weg zum Hotel über den Schatzbogen, fällt mir das griechische Restaurant Yamas ins Auge. Parkplätze gibt es am Schatzbogen genug. Als ich wieder leer bin, parke ich dort ein. Mit der Parkscheibe darf man hier eine Stunde parken. Eine Stunde soll für ein Mittagessen beim Griechen genug sein. Ich gehe zum ersten Mal in diese Gaststätte. Gleich rechts hinter dem Eingang ist die Yamas Kantina, eine Art Imbiss. Hier stehen die Gäste an Stehtischen und nehmen während ihrer Mittagspause eine kleine Mahlzeit zu sich. Schließlich sind wir im Gewerbegebiet Moosfeld.
Ich gehe geradeaus weiter ins Restaurant. Hier sitzen keine Gäste. Ich setze mich alleine an einen der dunklen Holztische. Der Einrichtung nach zu urteilen, muß das vorher ein bayerisches Lokal gewesen sein. Die typisch Münchner Brauereistühle und eine urig, rustikale Holzverkleidung deuten darauf hin. Die großflächigen schwarz-weiß Fotos mit Szenen aus griechischen Restaurants verleihen dem Restaurant einen südländisch, mediterranen Eindruck. 

Ein Bifteki wie es sein soll

Es gibt ein Mittagskarte mit reichhaltiger Auswahl. Ich bestelle mir das Bifteki mit Pommes und extra Salat. Auf den Tischen stehen jeweils eine Pfeffermühle und Meersalz aus Griechenland. Der Salat ist frisch und wird schon angemacht serviert. Das Bifteki ist gut durch auf groben Rost gebraten. Auf der Oberfläche sind die knusprigen Abdrücke des Grillrostes zu erkennen. Die Pommes sind nicht einfach diese verdrehten, häßlichen Sticks wie man sie aus den Fast-Food-Ketten kennt, sondern in breite Streifen geschnittene Kartoffeln. Beim Anschneiden merke ich schon; der Schafskäse im Inneren ist fast schon ganz geschmolzen. Das Hackfleisch hat den Käse und sein Aroma aufgesaugt. Zudem gibt es einen Joghurt-Minze-Dip der mich neugierig gemacht hat. Die Minze setzt einen überraschend feinen Kontrast zu dem gebratenen Fleisch. Der kulinarische Akzent ist genau richtig gesetzt. Nicht zu viel.

... danach noch einen Mokka

Danach bestelle ich mir noch einen doppelten Mokka. In der Hoffnung, daß ich richtig griechischen Kaffee mit Kaffeesatz bekomme. Auch hier werden meine Erwartungen erfüllt. Der Kellner bringt mir den aufgebrühten Kaffee in einem Kupferkännchen mit langem Stiel. Genau so habe ich in Serbien den Kaffee gemacht. Das Wasser wird mit Zucker angerührt, dann kommt der gemahlene Kaffee dazu, und dann wird die Brühe einmal aufgekocht. Genau wenn die blasenwerfende Köstlichkeit in dem Kupferkännchen nach oben steigt, muß man sie vom Feuer nehmen. Das Ergebnis ist ein Kaffee verlockend wie die Sünde. Auf der Untertasse liegt dann noch eine kleines Stückchen Lokum – jene zähe türkische Süßigkeit die mit Puderzucker bestäubt wird. In allen Einzelheiten bestand das Menü aus besten Zutaten. Höchst zufrieden schlürfe ich meinen Mokka.

Nach der Pause will ich mein Glück noch einmal bei der Messe versuchen. Bei der Anfahrt über den Hüllgraben bimmelt der Datenfunk wieder. Soll ich annehmen, soll ich nicht annehmen? Ich nehme an und dann hab ich es:

POCO Domäne Einrichtungsmarkt, Birthälmer Straße 7, Herr XXX, Teppich

Jetzt habe ich mir in Sichtweite der größten Immobilienmesse einen schönen Auftrag eingefangen. Güterkraftverkehr für lauen Taxitarif. Ich werde versuchen mich bei der Zentrale für solche Aufträge sperren zu lassen. An dem Einrichtungsmarkt suche ich nach dem Besteller. Zweimal fahre ich von der Warenauslieferung zum Eingang und wieder zurück, frage die Leute auf dem Parkplatz ob sie ein Taxi bestellt hätten. Zwei rüstige Rentnerinnen mit einem Teppich auf den Schultern entpuppen sich als meine nächsten Fahrgäste. Den Teppich kann ich ohne Probleme in meinem großen Taxi verstauen. Ich muß nicht einmal die Sitze umklappen. Mit der Teppichrolle zwischen den Kopfstützen und mir und den Fahrgästen fahren wir nach Obergiesing.
Von Obergiesing aus wähle ich meinen nächsten Standort. Das Hotel Holiday Inn City Center in der Hochstraße. Ich bin noch nicht einmal Erster bekomme ich einen Funkauftrag für das Novotel, das ein paar Hausnummern höher stadtauswärts liegt.
Der Kunde steigt zu – und schon habe ich ihn wieder - meinen Hafenstich. Es ist noch immer Anreise zur EXPO und meeine Chancen auf einen schnellen Stich zurück in die Stadt stehen gut. Es dauert dann aber doch etwas länger. Ich erwische ein Paar aus Japan. Sie wollen in das Hotel Hallberger Hof in Hallbergmoos. Das könnte eine Kurzfahrt werden. Ich drücke auf Start und halte meine Magnetkarte an den Sensor des Kurzstreckenautamatens. Die Anzeige war auf 1. Das bedeutet; ein Taxi ist unterwegs mit einer Kurzstrecke und wird noch erwartet. Nachdem ich mich angemeldet habe, müsste die Anzeige auf 2 springen. Wir wären ja dann zwei Taxis mit einer Kurzstrecke. Das passiert aber nicht. Die Anzeige bleibt auf 1. Habe ich etwas falsch gemacht? Ich versuche es nochmal und nochmal. Als Ergebnis bekomme ich nur ein rotes Licht. Ich blicke um mich. Es ist niemand da, der mir helfen könnte. Die Japaner sitzen schon im Taxi und beobachten mich wie ich mit meiner Karte und dem Gerät hantiere, das mir rote Lichter als Antwort gibt.
Enttäuscht gebe ich auf und mache mich auf den Weg nach Hallbergmoos. Auf der Strecke ist auf der Gegenspur ein Stau.Die Fahrzeuge kommen mir in einer langen Schlange langsam entgegen. Wer weiß ob ich es in 20 Minuten wieder zurück zum Flughafen geschafft hätte.
Auf jeden Fall bin ich jetzt geschafft, nach einem langen Tag mache ich um 18:00 Uhr nach den Japanern Schluß.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Vorbei ist Vorbei

Der letzte Wiesntag war verwaschen wie die ganze Wiesn. Ich hole Niemanden vom Oktoberfest ab. Selbst bei Stammkunden, die uns im Monat Aufträge um die 1.000,-€ bescheren, sagten wir ab. Wenn ich das Pech habe, besetzt an das Oktoberfest zu kommen, schließe ich die Türen und mache mich möglichst unsichtbar aus dem Staub. Und weil man nie nie sagen darf kommen gleich die Ausnahmen; für Filmaufnahmen oder Kollegen die mir unter dem Jahr aushelfen, mache ich dann doch Wiesnabholungen. Heuer blieb ich davon verschont.
Heute am Sonntag will ich es ruhig angehen lassen. Nach einem tollen Frühstück stelle ich mich entspannt an mein Hotel. Das ich mich wieder nicht am Datenfunk einbuchen kann, soll mich heute nicht stören. Meine ersten Gäste, ein Ehepaar aus Schweden mit zwei Koffern bringe ich ins Il Mulino, einem italienischen Restaurant in der Görresstraße 1. Beim Einladen der Koffer des Paares war ich mir sicher zum Bahnhof oder zum Flughafen zu fahren. Wir unterhalten uns gut und ich bekomme den Auftrag die Beiden in ener Stunde um 13:30 Uhr wieder vom Il Mulino abzuholen und zum Flughafen zu bringen. Also, geht doch!
Von der Görresstraße 1 ist es nur eine Ampel zu unserem Joseph-Taxistand. Dort stehen schon wieder zwei Männer und wollen ein Taxi. Ein Kollege von der Augusten- auswärts kommend, wendet auf dem Taxistand und lädt die zwei Fahrgäste ein. Ich bin dann Erster am Stand, was auch nicht so schlecht ist. Es dauert keine fünf Minuten und ich habe einen Auftrag in die Schellingstraße zu kommen. Dort steigt mir ein junger Immobilienmakler ein. Er war während der letzten Tage wegen des Oktoberfestes in München und hat bei seinem Freund übernachtet. Während der nächsten Tage ist er beruflich in München und zieht deswegen in ein Hotel. Ich bringe ihn in sein Hotel in der Orleonsstraße.


Regenguß an der Josephskirche
Ich habe noch eine halbe Stunde. Ich kann keinen weiteren Auftrag annehmen, sonst wäre ich nicht pünktlich in der Görresstraße. Ich mache mich auf den Weg in die Maxvorstadt. Vor dem Lokal kann ich nicht vernünftig parken und ich verdrücke mich mit meinem Taxi auf den Josephsplatz. Mir fallen die Männer auf die vor der Buchhandlung, vor dem Kaffee stehen und in den geparkten Autos sitzen. Ein roter Lieferwagen steht am Rand des Platzes. Dahinter steht ein Mann vor den geöffneten Flügeltüren seines Fahrzeugs neben sich steht ein aufgeklapptes Plakat. Er verkauft polnischsprachige Magazine. Die schweren Türen der Josephskirche öffnen sich, die polnische Gemeinde strömt auf den Platz. Die Männer die mir vorher aufgefallen sind, haben vor der Kirche auf ihre gläubigen Angehörigen gewartet. Mit den Kirchentüren haben sich die Himmelspforten geöffnet und es schüttet wie aus Kübeln. Die Menschen hasten über den Platz oder drängen sich eng an die Kirchenmauer. Der Zeitungsverkäufer hat sein Plakat auf die Ladefläche gelegt und die Türen zugeworfen. Die letzten Minuten die mir vor meiner Abholung noch bleiben, google ich im Internet Polnische Gemeinde München. Nebenbei höre ich im Radio die letzten Zahlen der Wiesn. Diese Jahr gab es geschätzt-gezählte 6,4 Millionen Besucher, eine halbe Million weniger als letztes Jahr. Es wurden 6,9 Millionen Maß Bier getrunken und bei über 800 Alkoholvergifteten wieder aus dem Magen gepumpt. 116 Ochsen und 57 Kälber wurden geschlachtet. Die Anzahl der Polizeieinsätze ist gestiegen. 


Taxibus an Il Mulino
Mein schwedisches Paar und sich pünktlich. Ich muß mich nur zwei Minuten auf den Gehweg vor dem Restaurant quetschen und schon geht’s zum Flughafen. Der Stau auf der Autobahn zwingt mich die A9 schon bei der Ausfahrt Garching-Süd zu verlassen. Am Flughafen muß ich mich, nachdem ich meine Fahrgäste auf T2 aussteigen lassen habe, in den AGIP-Speicher stellen. Der Flughafen rennt wie verrückt. Nachdem ich auf das Terminal komme, bleibt mir kaum Zeit aus dem Taxi zu steigen. In nur einer Stunde stehe ich schon an der Spitze am Modul. Meine vier neuen Fahrgäste wollen ins Sofitel Bayerpost in der Bayerstraße. Das Geschäft zieht noch mal richtig an. Der Doorman des Hotels drängt meine Gäste zur Eile beim Aussteigen und setzt mir eine Familie ins Taxi. Sie wollen auf die Wiesn, zum Käfer-Zelt. Unterwegs erzählen sie von den Eskapaden im P1, die sie dort mit Bekannten während der letzten Nacht erlebt haben. Ich ärgere mich ein klein wenig. Mit dem Oktoberfest habe ich geistig schon abgeschlossen. Jetzt muß ich noch einmal drumherum. 

Meine letzten Wiesn(fahr)gäste

Nach ein paar kurzen Fahrten stehe ich wieder vor meinem Marriott Hotel. Ich kann es nicht glauben, ich sehe zwei, drei, vier, fünf Inder in Lederhosen durch die Drehtür kommen. Sie steigen ein. Wohin sie wollen, müssen sie mir nicht mehr sagen. Zum Oktoberfest! Irgendwie will mich die Wiesn heuer nicht mehr loslassen. Als die Inder aussteigen, bitte ich sie, sich für ein Foto vor das Taxi zu stellen. Ich rette mich zu meinem Bahnhof-Nord. Dort bekomme ich die letzten Gäste des Tages. Sieben Damen und Herren, die ich Sachen Immobilien in München sind. Sie wollen in ein Hotel in Neuperlach. Unterwegs telefoniert eine Dame mit einem Geschäftspartner, der schon im Bierzelt wartet. Sie wollen sich im Hotel nur verkleiden und dann auf das Oktoberfest. Ich frage wie lange sie wohl brauchen würden. So 45 Minuten wird es wohl dauern. Ich überlege ob ich warten soll um sie dann auf die Wiesn zu bringen. Nein! Mein Entschluß steht fest – jetzt ist die Wiesn endgültig VORBEI!



Samstag, 6. Oktober 2012

Rom hin zurück hin zu...

“Ich bin heuer während der Wiesn noch nicht einmal an das Wiesncam in Riem gekommen.“

sprach Leo, mein Taxibuskollege. Wir stehen im AGIP Speicher vor den Containern und blicken auf die hellelfenbeinweiße Reihe der Taxis. Cicco, weiterer Buskollege, bemerkt, daß er auch noch nicht da war. Und ich selbst hatte auch noch nicht das zweifelhafte Glück einer Fahrt vom Oktoberfest zu einem der riesigen Campersiedlungen im Osten Münchens.

Zwei Stunden später stehen wir oben auf Terminal 2. Leo, mein Vordermann, hat sich in die Taxibusreihe eingereiht. Hinter mir kommt ein PKW – Taxi und gleich dahinter Cicco mit seinem Viano. Leo ist auch nicht früher rausgekommen. Am Modul halte ich Abstand zu dem Taxi vor mir, so daß er sich an seinem Platz einreihen kann. Die Kunden tröpfeln vereinzelt aus dem Flughafengebäude. Leo bekommt drei Fahrgäste und verschwindet.
Zu mir kommt ein junger Mann mit geschorenen Haaren. Er erscheint mir angekämpft und müde. Er trägt ein weißes T-Shirt ohne Ärmel, eine graue Jogginghose und Sportschuhe.Über den Arm trägt er eine Jacke. Er zeigt auf einen grünen Papierstreifen, der um sein linkes Handgelenk geklebt ist. Dort ist

Oktoberfest Camping De-Gasperi-Bogen

aufgedruckt. Wie viel es dorthin kosten würde, wollte er wissen. Wir schätzen den Fahrpreis auf 55,-€. Er ist einverstanden und steigt ein. Jetzt komme ich doch noch zu dem Campingplatz hinter der Messe. Nie hätte ich mir aber träumen lassen, daß ich vom Flughafen zu diesem Ziel starte. Mein Fahrgast aus Italien spricht englsich. So kann er mir seine Passion schildern. 
Camper am De-Gasperi-Bogen während der Wiesn


Er und seine drei Freunde kommen aus der Gegend um Rom. Zum Oktoberfest haben sich die Vier einen Camper in Rom gemietet und auf den Weg nach Monaco de Baviera gemacht. Als sie nach dem dritten feuchtfröhlichen Oktoberfestabend zurück zu ihrem mobilen Heim in den De-Gasperi-Bogen kommen, stellen Sie fest, daß mein Fahrgast den Schlüßel zu ihrem Camper verloren hat. Anstatt geschafft in ihre Kojen zu fallen stehen sie vor der verschlossenen Tür und müssen den Rest der Nacht sitzend in der Holzhütte am Eingang des Campingplatzes ausharren, bis die Autovermietstation in Rom öffnet. Nach einem Telefonat ist klar. Einer der Recken muß nach Rom um den Ersatzschlüßel zu holen.
Der arme Tropf, der den Camper geliehen und den Schlüssel verloren hat, bucht einen Lufthansa-Hin-und-Rückflug München-Rom für 800,-€. In Rom hatte er zwei Stunden Zeit sich im Büro der Autovermietung den Ersatzschlüssel zu schnappen und zum Flughafen zurückzufahren. Nach weiteren zwei Flugstunden fällt er dann in München in mein Taxi. Das Geheimnis des seltsamen Aufzugs und der ungewöhnlichen Strecke ist geklärt.

Preistafel am Wiesncamp

Am Campingplatz wird er schon von seinen drei Mitstreitern empfangen. Über sein Handy hat er sie ständig über seinen aktuellen Standort informiert. Jetzt so sagt er, muß er erst mal schlafen. Er will nur noch schlafen. Von diesen Wiesnausflug wird er noch seinen Enkeln erzählen.
Morgen muß er er wieder nach Rom. Doch diesmal über die Autobahn mit dem Camper. Den Schlüßel wird er nicht mehr verlieren. Er hält ihn fest in seiner Faust.

Freitag, 5. Oktober 2012

Wiesncamp(er)

Jetzt ist unser Oktoberfest schon fast vorbei und es wird Zeit, daß ich noch die Geschichte über meinen diesjährigen ersten Fahrgast unterbringe. Es war in den ersten Tagen der Wiesn. Ich stehe am Messe ICM Stand. Auf dem Datenfunk sind die Wiesncamps schon eingetragen. Ich wieß zwar nicht genau wo diese Camps sind und bis jetzt, am letzten Wiesnfreitag bin ich noch nicht zu einen dieser Camps gekommen. Alleine an meinem jetzigen Standort kann ich auf dem Datenfunkgerät drei Felder erkennen. Ein Kollege hat einen besoffenen Australier zu einem dieser Camps gebracht. Weil es das falsche war hat der Fahrgast von down under dem Taxifahrer das Datenfunkgerät auf den -> Kopf geschlagen.
Das Standplatztelefon läutet. Ein Mann mit bayerischem Dialekt meldet sich und bestellt ein Taxi;

“An die Pforte vom Staatlichen Hofbräuhaus. Hofbräuallee 1, bitte!“

Hofbräuhaus? Hofbräuallee? Hier in Riem? Nach zwei Jahrzehnten Taxi habe ich nichts davon gehört. Der Pförtner beschreibt mir auch noch den Standort. Im Güterumschlagplatz – so sagt er. Nach dem Gespräch, bevor ich losfahre und meine erste Position aufgebe, vergewissere ich michh bei meinem Map-App auf dem iPhone. Mit zwei Fingern ziehe ich das Gebiet auf um den Güterbahnhof größer. Tatsächlich! Es gibt eine Hofbräuallee und am Ende ein Staatliches Hofbräuhaus. 

Pforte des Staatl. Hofbräus in der Hofbräuallee

Ich kann also beruhigt anfahren. Kaum bin ich auf der Olof-Palme-Straße, finde ich mich zwischen vier großen, weißen Campern, mit italienischen Nummern, die im Schneckentempo ziellos auf der Suche nach einem der Wiesncamps fahren. Ich nutze für 400 Meter die Autobahn stadtauswärts. Ausfahrt Feldkirchen West. Ottendichler Straße Richtung Norden. Ich muß aufpassen, von hier wird bald die Hofbräuallee nach links abgehen. Jetzt geht es wieder einen knappen Kilometer zurück in Richtung stadteinwärts. Geparkte LKWs säumen links und rechts die Allee. Dahinter stapeln sich bunte Container aus aller Welt. Wieso kommt jemand auf die Idee eine solche Straße Allee zu nennen? Am Ende, ein großer Wendeplatz. Da ist auch die Pforte. Der Pförtner winkt mir zu und deutet auf meinem Fahrgast, der vor dem verglasten Pförtnerhäuschen steht.
Ein Herr, ca. 50 Jahr alt, Italiener, steigt ein. Er will zum Feste della Biera, Octoberfieste, … .Schon klar, schon klar. Das ist er also mein erster Stich zur Wiesn 2012. Der Gast wie ich ihn erwartete, aber der Ausgangspunkt ist mehr als ungewöhnlich. Schließlich sind es noch ca. 20 Kilometer zum internationalen Landhausfasching. Ich will natürlich rauskriegen wie er an diesen gottverlassenen Ort inmitten eines Güterverladebahnhofs kommt. Mein italienisch ist so schlecht wie sein englisch. Ganz genau werde ich den Grund dafür nicht ermitteln können. Es hat aber etwas mit Interenete und Navigatione zu tun.
Der Fahrpreis war mit 27,- € ganz schön happig. Ist er doch nur vom Hofbräuhaus zum Höfbräuzelt gefahren. Zum Hofbräuzelt wollte er auch.