Mittwoch, 30. Januar 2013

Von Macht ergriffen

Ein Auftrag erscheint auf dem Display meines Datenfunkgerätes.

-KATHARINA-VON-BORA-STR: 10, STAATL: GRAPHISCHEE SAMMLUNG (Museum) TAXI-BUS für X Pers. bei der Schranke Fr. xxx

Und schon bereute ich es den Auftrag angenommen zu haben. Vor der Annahme konnte ich den Auftrag nicht lesen. Aber ich bezahle für die Katze im Sack. Taxi-Bus für X Personen Dieses X vor der Personenzahl in der Anzeige des Datenfunks ist immer ein Hinweis darauf, das es hier weniger um Personenbeförderung sondern eher um Speditions- oder Umzugsdienste geht. Der günstigste Anbieter in München, den ich kenne, erledigt solche Jobs für einen Mindestpreis ab 39,- €. Taxi ist da oft billiger. Ich ärgere mich darüber, daß ich mich bei unserer Vermittlung nicht für Aufträge dieser Art sperren lassen kann. Da gibt es 1000 Kürzel bei der Taxivermittlung für alle möglichen Einschränkungen, aber das Wesentliche ist nicht möglich. Ich möchte als Taxifahrer hauptsächlich Personen befördern. Als Taxibus kann ich bis zu acht auf einmal fahren. Selbstverständlich auch mit deren Gepäck im Kofferraum. Empfindliche Flachbildfernseher vom Elektrogroßmarkt, Baumarkteinkäufe für die Baustelle und Umzüge fallen nicht in meinen Aufgabenbereich.

Zack - schon ist es passiert. Ich konnte die Schranke, die im rechten Winkel zur Straße hinter Büschen steht, nicht erkennen und bin vorbeigefahren. Die Adresse, Katharina-von-Bora-Straße 10 ist ein Riesengebäude. Hier war die Verwaltung der NSDAP. In dem Zwillingsgebäude, über die Kreuzung stadtauswärts, wurde 1938 das Münchener Abkommen geschlossen. Als ich auf der Suche nach der Schranke um das Gebäude luge, sehe ich eine aufgeregt winkende Frau. Es ist die Frau x, die mich erwartet. Ich winke zurück, will ihr zu verstehen geben, daß ich mit dem Taxi an die richtige Querseite des geschichtsträchtigen Gebäudes kommen werde. Sie ist ganz aufgeregt und lauft die ganze Stirnseite des Gebäudes entlang, bis sie vor mir steht, und ich sie mit einem

"Ist schon recht."

besänftigen kann. Ich wollte ihr noch anbieten, daß sie sich ins Taxi setzen soll und wir gemeinsam zurück fahren aber schon hat sie kehrtgemacht und wieder um die Ecke verschwunden. Ich wende in der Straße, fahre zurück, der Pförtner öffnet die Schranke und ich stelle mich neben einem Haufen Geraufel am Seiteneingang des imposanten Gebäudes.

Die Frau ist schon wieder durch den Eingang im Lichthof im Zentrum des Hauses verschwunden. So wie es ausschaut, ist der Haufen dazu bestimmt von mir transportiert zu werden. In Klarsichtfolie verpackte Kissen, ein alter Kochtopf, eine Wanduhr, zahllose Bilderrahmen mit und ohne Bilder, ein Volksemfänger (Radio aus den Dreißigern des letzten Jahrhunderts), künstliche und echte Pflanzen, alte und neue Koffer, ein Blechwanderl und als Krönung ein Drachenkopf mit einem Gestell zum Aufsetzen. Jetzt kommt die Frau die Treppen herunter. In ihrem Armen hält sie ein drittes in Plastikfolie verpacktes Kissen. Ich lade inzwischen alles vorsichtig in mein Taxi. Ich ärgere mich nicht mehr diesen Auftrag angenommen zu haben. Irgendwie heute am 30.01. ergreift die Geschichte Macht über mich wie ich so mit einem Volksempfänger vor der ehemaligen NSDAP – Verwaltung stehe.
In meinem schlauen Buch, das ich immer im Kasten unter meiner Beifahrersitzbank habe schlage ich nach. Ich will wissen ob das Gebäude und den Hof schon vor 80 Jahren gab.

Meine "historische (Reichs)schatzkiste unter der Beifahrerbank.

Ich hatte richtig vermutet. Das Bauwerk stand 1933 noch nicht hier. Es ist von Troost, Hitlers Lieblingsarchitekten in München, 1933-35 entworfen. Von Außen ist es mit dem Führerbau, nördlich der Briener Straße, identisch. Der ganze Platz vor den beiden Gebäuden und Ehrentempeln war von Troost als Forum der Partei gestaltet worden. Mein Gebäude war auch noch der Sitz des Reichsschatzmeisters der NSDAP, lese ich in meinem Buch.

Zusammen verstauen wir vorsichtig die Utensilien in meinem VW-Bus. Das Ziel, war der Marstall, an der Alfons-Goppel-Straße, der als Requisitenlager für das Residenztheater dient. Als Requisiten diente auch meine bunte Fracht. Meine Fahrgästin war verantwortlich für eine Inszenierung, die im Lichthof, der ehemaligen NSDAP - Verwaltung aufgeführt wurde.

"Hier lagerten 7 Millionen Karteikarten"
informierte sie mich. Ich konnte weiter den Abgeklärten spielen;
"Ich weiß, ich weiß ... Scho recht"

Zehn Minuten später stand mein Taxi mit dem Heck und mit geöffneter Kofferraumklappe im Marstall.Die Taxiuhr zeigt 12,70 €, mit Trinkgeld bekomme ich 13,- €. Vier Bühnenarbeiter und ich entluden mein Taxi im Nu. Drachekopf, Kissen, Blechwanderl, Koffer, Kochtopf, Volksempfänger gesellten sich zu Regal, Gummibaum, Kabeltrommel, Holzkisten, Tapetenrollen, Kunststoffkübeln. Die Tür am Ende des Vorraums öffnet sich. Ein kräftiger Bayer erscheint im Türrahmen. Er blickt auf das Szenario und unseren Verhau. Anstatt eines Grußes sagt er nur trocken:

"Ja is do heit a Flohmarkt?!?"

Er muß etwas zu sagen haben, denn alle, außer mir halten inne und blicken auf ihn. Vielleicht ist er der Lagerist oder gar der Hausmeister? Aber die Autorität im Kittel fängt sofort an zu lächeln und ihm entkommt ein kaum hörbares, versöhnendes

"Scho recht."

Während ich am Abend am Flughafen den Post tippe, denke ich darüber nach ob eine gemeinsame lokale Herkunft verantwortlich für einen gemeinsamen Charakterschlag sein kann.

Samstag, 26. Januar 2013

Zauberschülerin

“Papa wann gehen wir in den Trickladen?

Die Antwort auf solche Fragen meiner kleinen Tochter muß ich mir sehr wohl überlegen. Wortbruch wird streng geahndet. Als Antwort bekommt sie dann ein fernes Datum, z.B. am 8.Dezember, oder am 14.Februar, genannt. Und wer glaubt, sie würde bis dahin das Vorhaben oder das Datum vergessen, der kennt meine kleine Tochter nicht.

Ich aber gewinne Zeit. Bis zu dem von mir genannten Datum werde ich schon eine freie Stunde finden um mein Versprechen einzulösen.
In München gibt es seit Jahrzehnten den Zauberkönig in der Sonnenstraße. Von dem Laden habe ich sogar schon in meinem Dorf gehört. Hier soll man Zaubertricks kaufen können. In einer unserer endlosen Kaffeepausen in der ehemaligen FINA-Tankstelle in der Marsstraße erzählte mir ein alter Taxifahrer von dem außergewöhnlichen Geschäft.

“Da gehst du rein. Da zeigt er dir ein paar Tricks. Dann gehst du in einen Nebenraum und er verrät dir den Trick. Du bezahlst dafür“:

so mein Kollege. Seine Aussage deckte sich auch mit dem was ich schon hinter den sieben Hügeln gehört habe. Mein Bedarf an Zaubertricks hielt sich aber während der letzten 15 Jahre in Grenzen und so verschwand der Zauberkönig aus meiner bewussten Erinnerung. Bis, ja bis ein kleines Mädchen den nicht aufschiebbaren Drang nach Zaubertricks verspürte.

Die freie Stunde war gekommen. Ich rufe beim Zauberkönig an um mich zu erkundigen ob er heute auch tatsächlich geöffnet hat. Er hat heute Nachmittag geöffnet. Der Zauberkönig ist aber nicht mehr in der Sonnenstraße sondern in die Josephspitalstraße umgezogen. Die Informationen habe ich von einer Dame am anderen Ende des Telefons. Mit einer sympathischen Stimme in feinstem Münchnerisch hat sie mir die Öffnungszeiten und die neue Adresse mitgeteilt. Er, der Zauberkönig, sei zwar nicht da, aber ihr Zauber reiche für ein zehnjähriges Mädchen.
Also meine Tochter und den Opa ins Taxi gepackt. Geheimnisvoll tuend in die Innenstadt gefahren. Gespannt laufen mir die Beiden vom Parkplatz hinterher in die Josephspitalstraße. Im Laden erkenne ich sofort die nette Dame an der Stimme wieder. Sie zeigt uns Zaubertricks für Zauberlehrlinge. Nicht so schwer. Die ersten Erfolge sollen sich schon nach wenig Übung einstellen.


Sie zeigt uns einen Zauberstab der an der Hand entlang gleitet. Eine Plastikvase die an einem Stück Kordel hochgehoben werden kann – aber nur wenn der Zauberer es will! Ohne Zauber zieht man vergebens an der Kordel. Die Vase bleibt regungslos auf dem Tisch stehen. Einen Punkt, der je nach des Zauberlehrlings Laune, auf schwarzem Papier verschwindet oder erscheint. Ein klassischer, einfacher Kartentrick bei dem eine Karte von Dreien im Stapel die Farbe wechselt.
Nachdem wir uns entschlossen haben die vier genannten Tricks zu kaufen bekommen wir sie gezeigt. Es gab auch noch zwei strenge Ermahnungen. Ein Zauberer oder eine Zauberlehrlingin darf NIEMALS einen Trick verraten. ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN ist die zweite Anforderung. Misslingt der Trick hat sich nicht nur der Zauberer blamiert, sondern der Trick ist auch für jeden anderen Zauberer verloren, weil die Auflösung bekannt ist.

Mit würdevollem Schritt, wie es Eingeweihten geziemt, schreiten wir durch das Münchner Kreuzviertel. Im nächsten Wirtshaus bekommt Opa sein Weißbier und die Gäste am Nebentisch eine an der Kordel schwebende Vase gezeigt. Bei der schwebenden Vase wäre uns beinahe die .... Stopp! Das wird nicht verraten. NIEMALS!

Dienstag, 22. Januar 2013

Ende der Woche

Am vergangenen Wochenende haben wir uns einen freien Sonntag gegönnt. Zunächst waren am Freitag noch Flughafenfahrten zu erledigen, aber ab 19.00 Uhr war ich zu einer Vernissage eingeladen.
Mein Freund und Kollege Christian macht seit Jahren Fotos an seiner geliebten Isar. Die Fotos die er jetzt während der nächsten vier Wochen in Haidhausen im HEi, im Haus der Eigenarbeit, ausstellt, haben alle Lichtmalerei oder L.A.P.P. zum Thema. Mit langer Belichtungszeit und bewegten Leuchtmitteln malt er Figuren in den Nachthimmel. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Immer wieder frage nicht nur ich mich, wie er z.B. eine leuchtende Kugel hinbekommen hat. Hier kann man ein Foto dieser Art in seinem Blog sehen.

Es ist nicht leicht in Haidhausen einen Parkplatz zu finden. Ich entschloß mich frühzeitig keinen Fahrgast mehr aufzunehmen der mich in die andere Ecke der Stadt bringen könnte. Ohne Zeitnot schleiche ich auf der Suche nach einem Parkplatz durch das Viertel am Ostbahnhof. Das Glück war mir hold, ich bekam einem Parkplatz direkt vor meinem Waffenhändler in der Orleonsstraße. Die Zeit, die mir noch bis zur Eröffnung der Ausstellung blieb, benutzte ich meinen letzten Post zu tippen.
Christian hat mich mal gefragt ob es Schrotpatronen gibt, die kein Schrot verschießen. Die Patronen sollen nur knallen und Feuer erzeugen. Wir bräuchten die Patronen für seine Aufnahmen. Näheres wird noch nicht verraten. Jetzt kann ich die Gelegenheit beim Schopf packen und gleich mal im Waffenladen nach diesen Patronen fragen.

Es gibt solche Patronen. Alarmpatronen werden sie genannt. Patronen im Flintenkaliber 12 hat er sogar da. Ich bin erstaunt wie viel Alarmmunition vorrätig ist. Ich kann die Munition jetzt nicht kaufen weil ich meinen Jagdschein nicht dabei habe. Ich dachte, ich kann ihn während einer Ausstellungseröffnung nicht brauchen. Aber wenn ich die Munition kaufe, werde ich fragen wozu so viele Platzpatronen für scharfe Flinten gebraucht werden. So viele Vögel müssen doch nicht vergrämt werden.

Im HEi angekommen, sehe ich schon Christians Fotografien an der Wand hängen. Vom Künstler und den Kunstinteressierten fehlt jede Spur. Die Dame am Empfang klärt mich auf; ich bin eine Stunde zu früh da. Ich setze mich in einen Sessel am Eingang und beobachte den Betrieb in dem mir noch fremden Haus. Im hinteren Teil gibt es eine kleine Holz- und eine kleine Metallwerkstatt. In beide Werkstätten kann ich von dem zentralen Raum durch große Fensterscheiben blicken. Ich lese die ausliegenden Prospekte. Im Keller steht eine Drehmaschine, im Vorderhaus ist eine Buchbindewerkstatt und hinter meinem Rücken verschwinden auch immer wieder Leute, die dort augenscheinlich etwas basteln. Es werden Kurse über das Bedienen der Maschinen angeboten.
Eine Frau kommt vorbei und leiht sich eine Heißklebepistole aus. Einen Werkzeugverleih gibt es hier also auch. An der kleinen Bar wird schon der Käse für die Häppchen für die Gäste der Ausstellung geschnitten. Auf der Bühne stehen und liegen Teile von Christians Fotoausrüstung. Der erste Gast, Thomas, auch Taxifahrer, kommt. Ich zeige ihm, was ich hier schon kennen gelernt habe. Er bringt mir die zweite traurige Nachricht innerhalb kurzer Zeit. Günther, ein Kollege, Schülerfahrer ist vorgestern verstorben. Günther habe ich immer nur am Taxistand im Tal getroffen. Wir haben dort öfter gesprochen. Ich erinnere mich an seinen kleinen Ohrstecker im linken Ohr. Der Kollege war 30 Jahre Mitglied unserer Taxi München e.G. und sehr interessiert am Gewerbe. Bei unseren Generalversammlungen war er stets, ganz vorne sitzend, dabei.

"Jetzt war ich wieder droben, der ... "

So begannen in der Regel unsere Unterhaltungen. Mit droben meinte er die Taxigenossenschaft. Es sind noch keine zwei Stunden vergangen, da saß ich im Taxi in der Orleonsstraße und habe über den letzten Trauerfall geschrieben.
Langsam kommen die Gäste, Freunde und Verwandte von Christian. Es kommt noch ein weiterer Taxibusfahrer dazu. Die Vorstellung beginnt. Christian projiziert seine Bilder auf die aufgespannte Leinwand. Es sind die mir, und seinen Bloglesern, bekannten Bilder von seinen Munitionsfunden an der Isar. Zwei Bilder von einer -> Stockentenfamilie, ein Zeitungsausschnitt über ihn als "Granatenfischer" ... und später natürlich die -> L.A.P.P. - Fotografien. Dabei lüftet Christian jedes Geheimnis die zu seinen gelungenen Fotos geführt haben.

Christian, stets um seine Gäste bemüht - auch als ich auf den Auslöser drückte.


Die Fotos sind ab jetzt noch einen Monat im HEi, in der Wörthstraße 42, Hinterhof, ausgestellt. Christian ist neben -> Manrov jetzt schon der zweite Fotokünstler, auf den ich in unseren Taxikreisen gestoßen bin.

Am Samstag, am letzten Tag der Messe, mußte ich unbedingt Mittag noch raus fahren. Ich wollte auf Gedeih und Verderb noch mindestens einen Flughafenstich mitnehmen. Am Abreisetag muß ich doch noch Bauleute zum Flughafen erwischen. Von zu Hause fahre ich gleich zur Messe und stelle mich an. Als Erster muß ich mit ansehen wie ein Pärchen mit Koffer in das PKW - Taxi meines Hintermanns einsteigen. Jeder der Beiden hat einen großen Koffer dabei. Das waren hundertprozentig Flughafengäste die mir durch das Netz geschlüpft sind. Es vergeht keine Minute bis mir eine Dame und ein Herr zusteigen. Sie haben kein Gepäck dabei. Ein schlechtes Zeichen, es scheint keine Flughafenfahrt zu werden. Gespannt erwarte ich das Fahrtziel:

"Zum Praktiker - Baumarkt in der Balanstraße 42 bitte."

Beide sind Spanier. Die Dame spricht perfektes Deutsch. Was wollen die nur am Baumarkt. Vielleicht brauchen die noch Leinen, Folien, Zurrgurte, Klebeband ... um ihre Ausstellungsstücke, die sie während der Messe gezeigt haben, zu verpacken. Kaum gedacht, sprechen sie es auch schon aus. Ich soll sie wieder zurück zur Messe bringen. Das mach ich doch gerne. Während ich auf sie warte, tanke ich mein Taxi auf.

Direkt auf dem großen Parkplatz des V-Marktes und des Praktikers gibt es eine alte Taxler-Tankstelle. Eine No-Name-Tanke, dort wo der Diesel immer ein oder zwei Cent billiger ist als bei den Mineralölniederlassungen mit Supermarkt. Ich liebe diese Art von Tankstellen. In dem nüchternen Kassenraum sitzt die Kassiererin hinter Glas. Es riecht nach Öl, das es neben Glühlämpchen, Arbeitshandschuhen, Abschleppseilen, Warndreiecken, Verbandskästen und Straßenkarten zu kaufen gibt. Hochglanzmagazine, wie in einem Bahnhofskiosk, findet man hier nicht. Man glaubt fast die geballte Energie des Kraftstoffs in den vergrabenen 15.000-Liter-Tanks unter den Füßen zu spüren. Bei den anderen Tankstellen habe ich den Eindruck als hätte ich jetzt dem Bäcker 70 Liter Diesel abgekauft.

Voll getankt erwarte ich meine Spanier. An der Messe kassiere ich 19,70 € für die Fahrt zum Baumarkt und 19,30 € für die Fahrt zurück zur Messe. Ich bekomme mit Trinkgeld 45,-€. Jetzt bin ich besser dran wie mein Hintermann der wahrscheinlich zum Messefestpreis von 56,- € zum Flughafen gekommen ist. Ich habe keine Leerkilometer, 45,-€ kassiert und bin wieder da wo ich hin will - an der Messe! jetzt habe ich noch eine zweite Chance. Diesmal wird es wieder keine Flughafenfahrt, aber auch keine lumpige Beute. Eine Fahrt in ein Hotel in der Innenstadt. Mit Buszuschlag und einem kleinen Umweg zu einer Notdienstapotheke bringt mir die Fahrt 35,- €.

In der Hochstraße bekomme ich noch Aufhalter. Fünf Gäste wollen zur Messe.

"Die ist aber schon vorbei."

merke ich an. Die Fünf wollen aber trotzdem nach Riem. Es sind Messebauer einer französischen Firma die dort mit dem Abbau beginnen. Das ist jetzt meine letzte BAU-2013-Fahrt - definitiv!

Der Sonntag war unser freier Tag. Ich habe während der BAU 2013 auf die -> Messe-Seite meiner Website taxi-siegel.de verlinkt. Es war mir fast schon peinlich. Auf der Seite waren unter; Demnächst Messen aus dem Jahr 2009 aufgeführt. Ich habe den Sonntag vormittag dazu verwendet, meine rudimentären HTML - und CSS - Kenntnisse wieder aufzufrischen. Ich verwendete damals Webocton Scriptly als HTML - Editor. Ich habe festgestellt, daß das neueste Update dieses Editors aus dem Jahr 2011 stammt. Ich bin mit diesem Editor vertraut, schätze die Ein-Klick-Vorschau und die automatische Vervollständigen-Funktion, deshalb habe ich mir den Webocton Scriptly wie damals wieder heruntergeladen. Die Messedaten habe ich aktualisiert, einen toten Link entfernt, bei der Gelegenheit die Google AdWord - Werbung abgeschaltet und die Seite wieder hochgeladen. Wenn ich jetzt wieder in Übung komme, kann ich mich wieder verstärkt um unseren Internetauftritt kümmern. Schließlich leben wir zu einem nicht zu unterschätzenden Teil davon.

Am Nachmittag waren wir im Müller´schen Volksbad. Es war zum Zeitpunkt seiner Eröffnung im Jahre 1901 das größte und teuerste öffentliche Schwimmbad der Welt. Das Bad wird jetzt von den Stadtwerken München betrieben. Es ist innen genauso schön wie außen. Dort zu Baden, zum Schwimmen gehen wir lieber ins Olympiabad, ist wie ein kleiner Ausflug in die Jugendstil - Zeit. Nur das dort überall diese Computer-Jugendstil-Schrift verwendet wird, wirkt etwas störend auf mich. Im Original wurde sicher nicht nur diese Schrift verwendet. Die alten Holzkabinen und Holzschränke machen aber alles wieder wett.

Hungrig vom Planschen kommen wir an der Hundskugel vorbei. Mit unserem Taxi können wir auf dem Weg vom Volksbad zum Hauptbahnhof über den Viktualienmarkt fahren. Ich erwähne, daß die Hundskugel das zweitälteste noch bestehende Lokal ist. Dabei kommen wir dann auf das älteste bestehende Lokal zu sprechen. Das wäre der Alte Wirt in Obermenzing, dem wir zum Abschluß des Wochenendes einen Besuch abstatten.


Samstag, 19. Januar 2013

Ruhe

Gestern gab es für mich morgens keine Vorbestellung. Ich konnte den Tag ruhig angehen lassen. Meine einzige Fahrt vormittags war ein Russe raus zur BAU.
Am Montag hatte ich, nach einer angemessenen Wartezeit, weite Fahrten von der Messe in die Stadt bekommen. Mittags ist nicht abends und so wartete ich mit meinen Kollegen über eine Stunde an der Messe Nord. Als Vierter in der Reihe musste ich, ohne einen Fahrgast, leer aus der Reihe fahren. Ein Reisebüro aus Istanbul bestellt schon seit Jahren bei uns. Das Büro plant für Ihre Kunden, vorwiegend türkische Geschäftsleute, Geschäftsreisen um die ganze Welt. Brauchen die Kunden des Büros einen Transfer in München, kommen wir zum Einsatz.

Heute fahren wir 14 türkische Bauleute vom Angelo Westpark Hotel zum Flughafen. Als ich das Hotel in unserer Datei sah, musste ich erst einmal googeln. Ich habe noch nie etwas von diesem Hotel gehört. Um meine letzten Zweifel in so einem Fall zu zerstören, schaue ich bei diesen Fällen zuerst ins Internet ob nicht doch eine Fehler in der Bestellung vorliegt. Als ich auf der Website des Hotels die Adresse; Albert-Roßhaupter-Straße 41, lese, kann ich mich erinnern, daß ich im Vorbeifahren eine große Baustelle gesehen hatte. Es stimmt, das Hotel ist nagelneu, es wurde erst vor einer Woche eröffnet und ist das Partnerhotel des Angelo am Leuchtenbergring.
Die Türken sind überpünktlich, wir können 10 Minuten früher starten. Ich hab schon iweder vergessen was links und rechts auf türkisch heißt. Jetzt kenne ich 10 türkische Wörter, aber die zwie Vokabeln wollen und wollen nicht in meinen Kopf. Also frage ich zu Beginn der Fahrt zum hundertsten Mal meinen Beifahrer. Er deutet nach links und erklärt; "sol", er deutet nach rechts und erklärt "sat". Taraf, das Wort für Seite kann ich mir noch aus dem Kopf kramen. Jetzt kann die Fahrt weitergehen. Von Sendling zum Flughafen - sag Taraf - Mercedes-Benz, sag Taraf - Olympic Stadion, sol Taraf - BMW (Be Me We), sol Taraf - Allianz-Arena, ...

Donnerstags abends am Flughafen bleibe ich natürlich stehen. Die Messe und die zahlreich verspäteten oder ausgefallenen Flüge lassen mich auf eine kurze Wartgezeit hoffen. Kaum war ich am AGIP - Speicher angekommen, überrascht mich mein Flughafenkollege mit einer traurigen Nachricht.
"Woast as ja eh. Da Schane is gstorm. Gestern, do heraus am Hafen. Hobs eh scho da ganzen Stod erzeit"

Das hab ich nicht gewusst. Gestern war ich den ganzen Tag nicht auf der Straße. Der Schane, so war sein Spitzname, war mir natürlich bekannt. Ein Taxifahrer mit eigenem Taxi. Ich habe ihn immer nur am Flughafen gesehen. Er hat gerne mit den Kollegen Karten gespielt. Wenn sich keine Runde finden wollte, war er an den Spielautomaten. Morgens in der Frühe war er immer unter den Ersten am Terminal 2. Er soll in dem Taxifahrerimbiss umgekippt sein. Ein Notarzt hat ihn dann aufgenommen und auf dem Weg in die Klinik wäre er verstorben. Schane wohnte sogar in einer Wohnung in einem Haus unserer Taxigenossenschaft. Der persische Kollege, der in der Taxireihe hinter ihm stand, hat dann eine Fahrt nach Salzburg bekommen. Das wäre Schanes Fahrt gewesen. Schane war Österreicher. Manche wollen darin ein Zeichen sehen.


Die Wartezeit war dann auch kurz. Nach nur etwas mehr als zwei Stunden bin ich mit sechs Fahrgästen aus Hamburg unterwegs nach München. Sie waren auf dem Flug nach Krakau. Die Lufthansa - Maschine wurde wegen des vielen Schnees nach München umgeleitet. Die Gestrandeten hätten auf Kosten der Lufthansa im Sheraton Hotel übernachten können. Ein Pärchen hatte Verwandtschaft in München, dort wollten sie übernachten. Ich brauchte vom Flughafen nach Bogenhausen eine Stunde und 15 Minuten. Unterwegs blickte ich immer wieder auf die Map - App auf meinem iPhone. Alles rot markiert, es gab kein vorankommen. Um die Zeit, während wir im Schritttempo über die Ungerer- und Leinthalerstraße schleichen, interessanter zu gestalten, stellte ich meinen Gästen, die allesamt das gleiche Telefon hatten, die App vor. Beflissen lotsten mich daraufhin meine frisch ernannten Navigatoren über die Odinstraße - Ortnitstraße - Grosjeanstraße von der Oberföhringer- auf die Effnerstraße um den angezeigten Stau zu umfahren.
Ich quälte mich dann noch über die verschneiten und zugestauten Straßen nach Hause. Meinen Plan, mich noch einmal an der Messe aufzustellen, gab ich auf. Wer hätte was davon wenn ich mit Fahrgästen an Bord nicht mehr vorwärts komme?

Mittwoch, 16. Januar 2013

Baujahr

Der erste Fahrgast, der wegen der BAU 2013 nach München gekommen ist, steigt mir am Flughafen ein. Er will zum Holiday Inn Hotel in der Inselkammer Straße in Unterhaching. Ich frage ihn ob er durch die Stadt oder über die Autobahn fahren will. Zuerst einigen wir uns über die Strecke durch die Stadt. Als wir aber schon auf der A9 den Rückstau erkennen, entscheiden wir uns um und nehmen doch noch die Ausfahrt auf die Ostumgehung.

"Ich war vor zwei Jahren schon mal hier. Das kostet so um die 100,- €."

Ein 100,- € Stich - das ist der richtige Anfang für die Baumesse. Zugleich ist das auch der Anfang des Super-Messejahres das uns 2013 in München erwartet. Neben der BAU, die alle zwei Jahre in München stattfindet, erwarten wir heuer noch die BAUMA. Die BAUMA ist die größte Messe der Welt. Das sagt schon alles. Während es bei der BAU mehr um Materialien und Fertigungstechniken geht, sind bei der BAUMA die fetten Baumaschinen die Hauptsache. Bei der BAUMA gibt es aber einen Wermutstropfen zu vermelden; die BAUMA 2013 soll die letzte in München sein. 2016 ist die nächste BAUMA in Asien. Während der BAU fahren wir die Architekten, während der BAUMA die Bauunternehmer aus der ganzen Welt. Die BAU alle zwei Jahre, die BAUMA alle drei Jahre - daraus ergibt sich, daß wir alle sechs Jahre ein Baumessejahr haben während dem alle beide Baumessen gleichzeitig stattfinden.
Noch nicht genug. Durch solche Konstellationen erwarten wir 2013 laut Taxikurier ein Messejahr wie es das nur alle zwölf Jahre gibt. Unter anderem stehen uns noch die ISPO Munich, die transport logistic, die drinktec, die Expo Real , die Productronica, ...

Nach der 100,- € Fahrt mache ich Feierabend, es ist schon freitags 19 Uhr und am Wochenende werde ich auch fahren. Die erste Fahrt am Samstag ist auch gleich wieder mit BAU - Leuten. Diesmal ist die Strecke kürzer, aber dafür sind es sieben Fahrgäste. Die Spanier, allesamt Mitarbeiter einer Fensterbaufirma, wollen vom Innside - Hotel in der Mies-van-der-Rohe-Straße zum Hofbräuhaus.


Das waren dann auch für den Rest des Samstags und am Sonntag die letzten Fahrgäste, die ich der BAU 2013 zu verdanken habe. Selbst am Montag, dem ersten Tag der Messe, mag mir zunächst kein Messegast ins Taxi springen. Ich fahre einen Giorgio Armani Mann vom Flughafenbus in die Domagkstraße (dabei wird mir verraten, daß Giorgio Armani ein neues Büro in der München, Domagkstraße 10 eröffnet), fünf Damen von Marco Polo zum Hauptbahnhof, eine Dame, frisch vom Zahnarzt, mit einer dicken Backe, bis ins ferne Pasing. Eine Information auf dem Datenfunk meldet erhöhten Bedarf an der Messe. Nur mag und mag ich nicht besetzt zur Messe oder zumindest in den Münchener Osten kommen. Vom Bahnhof Mitte steigt mir endlich ein Architekt zu. Es ist schon zu spät für Kontakte. Er will heute nicht mehr auf die Messe, sondern nur noch zu einem Hotel in der Innenstadt.


Von dort aus fahre ich unbesetzt zur -> Messe. In meiner Vorstellung stehen da schon die Gäste in Trauben vor dem Ausgang und winken nach freien Taxis. Die Prinzregentenstraße auswärts ist dicht. Im Schritttempo bewegt sich die Kolonne in Richtung Vogelweideplatz. Ich verfluche die Stadt weil wir Taxifahrer immer noch nicht die Busspur in der Einsteinstraße benutzen dürfen. Da will München Gastgeber der größten Messen sein und lässt dabei seine Gäste buchstäblich im Regen stehen. Vor der Ausfahrt zur Messe Riem auf der A 94, erwartet mich der bekannte -> Rückstau vor der Ausfahrt zur Messe.

Endlich kann ich mich in die Taxireihe vor dem Messeeingang West einreihen. Ich bemerke wie die Sicherheitskräfte einen Taxibus nach dem anderen aus der Reihe winken und nach vorne zu den Fahrgästen begleiten. Als ich in der Reihe der Taxis bis zum Ausgang der nächste Taxibus bin, dauert es nur drei Minuten bis der Sicherheitsmann mit der gelben Weste auf mich deutet. Ich kann nach vorne fahren. Dort bekomme ich eine Fuhre zum Hotel Elisabeth. Die bringt mir 30,- €.
Vom Hotel mache ich mich sofort wieder auf den Weg zur Messe. Vielleicht gelingt mir noch eine zweite Fahrt in die Stadt. Diesmal geht es in der Reihe nur langsam vorwärts. Es ist schon 19:00 Uhr. Die Messe hat vor einer halben Stunde geschlossen. Den nächsten Funkauftrag will ich annehmen. Die Gefahr zu lange zu warten oder Schneider zu werden ist zu groß.

Der Datenfunk bimmelt. Ich bewerbe mich, bekomme den Zuschlag. Sieben Gäste, diesmal aus Baden-Württemberg wollen von ihrem Hotel Dornach in die Stadt zum Brenner in die Maximilianstraße. Sie waren den ganzen Tag auf der Messe. Mit einem Bustaxi - Kollegen sind sie von der Messe die drei Kilometer nach Dornach gefahren. Ich, der später kam, hatte dann die weite Fahrt für 40,- €. So habe ich am ersten Tag der ersten Messe des Messejahrs 2013 doch noch ein Stück vom Messekuchen abbekommen.

Montag, 14. Januar 2013

Nothing Special

Am Flughafen in München landen nicht nur die großen Flugzeuge. Die kleinen Privatjets kommen auch hier herunter. Mit den Gästen, die ihre eigenen Flugzeuge und Piloten haben, erlebe ich immer wieder Aufschlussreiches.

Die Gäste steigen aus, rauschen durch das Gebäude, entern die Limousine und fahren zu ihrem endgültigen Ziel. Währenddessen kümmern sich schon viele hilfreiche Hände um die Flugzeuge, damit sie wieder startklar werden. Die Maschinen werden aufgetankt und gereinigt. Zwei Mechaniker checken die Funktionen. Abwassertanks werden entleert. Frischwassertanks werden aufgefüllt.
Die Passagiere können bestellen, was für sie als Reiseproviant in der Bordküche verstaut werden soll. Hier jetzt eine Bestellung für zwei Gäste und zwei Piloten für einen Flug von München nach Athen. Der Gast bestellt telefonisch:

“Wir wollen nichts Besonderes. Nichts Warmes und nichts Kaltes. Nur einen Obstkorb. … Äpfel … Wir wollen Äpfel … Fünf Äpfel …

Rechts neben meinem Fahrersitz habe ich in einer Tasche noch Weintrauben. Meine letzten Gäste, Chinesen, haben die Trauben nicht angerührt. Jetzt fische ich nach dem Obst um es meinen neuen Gästen anzubieten.

… und Orangen natürlich. Ja und Bananen. … Bananen auch. … Beeren? … Mhm, Beeren … Was nehme ich da? ... Nichts Besonderes ... Blaubeeren, Himbeeren und Erdbeeren … Von jeden 100 Gramm … und Johannisbeeren, die roten … Ja, rote Johannisbeeren … auch 100 Gramm. … Ja und eine Melone. … Honigmelone … Nichts Besonderes

Ich gebe auf. Bei diesen Ansprüchen kann ich es mir mit meinen bescheidenen Weintrauben nur verscherzen. Möglichst unauffällig schließe ich mit der rechten Hand während der Fahrt die Tasche.

… Die Melone schneiden wir selbst. Haben Sie Saft? … Ich will Apfelsaft und Orangensaft. Ist der frisch gepresst? … Ja, jeweils ein halber Liter. … Und Ananassaft … ein Liter Ananassaft ...

Unser Obstkorb auf dem Küchentisch ist dagegen eher schlicht

Die Fahrt vom Flughafen München ins Stubaital dauert etwa solange wie der Flug von München nach Athen. Dabei kann ich meinen Gästen außer Wasser, Red-Bull, Bier und Erdnüssen nicht viel bieten. Dabei wären sie doch so anspruchslos und wünschen nichts Besonderes.

Samstag, 12. Januar 2013

So wird´s gemacht


So schreibe ich meine Posts für diesen Blog. Wenn ich am Taxistand anstehe, klappe ich mein kleines Netbook auf und beginne zu tippen. Ich verwende ein Aspire one D270 von ACER. Ein ACER - Produkt musste es sein, weil ich ein Autoladekabel für einen ACER habe.
Mit den Autoladekabeln hatte ich meine Anfangsschwierigkeiten. Immer wieder ist mir die Sicherung durchgebrannt. Ich musste dann im Sicherungskasten die blaue 15 Volt Flachbettsicherung mit spitzen Fingern herauspfriemeln und ersetzen. Ich hatte schon 10 Stück der Sicherungen als Reserve im Handschuhfach. Es dauerte mindestens 12 Sicherungen bis ich eine Lösung fand. Ich ersetzte einfach den Stecker, den man in den Zigarettenanzünder des Fahrzeugs steckt, durch einen stärkeren. Ich wusste nicht einmal, daß es dort Unterschiede gibt. Von nun an funktionierte meine Konstruktion und ich will mein liebgewonnenes Autoladekabel nicht missen. Ich ging tatsächlich mit dem Ladekabel in den Elektrogroßmarkt und suchte einen passenden Rechner für diesen Stecker. Klein und handlich sollte es sein und eine Tastatur soll es haben. Mit zehn Fingern blind auf einer Touch-Screen-Tastatur zu schreiben erscheint mir als nicht möglich. Dieses Anforderungsprofil erfüllte der Aspire one D270. 15 Minuten später hatte ich das kleine handliche, praktische Elektronikgerät für 250,-€. Der Akku ist stark, er reicht ohne Probleme über eine Taxischicht.

Leider währte meine Freude nicht lange. Im Taxi mit dem Laptop auf den Knien weiß man nie wie viel Zeit man noch hat. Zu jeder Sekunde kann ein Fahrgast auftauchen der mich dazu zwingt das Schreiben zu unterbrechen und den Rechner schwupp di wupp herunterfahren und verschwinden zu lassen.

Ich packte den Rechner in die Tasche und steckte die Tasche zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Dabei hat der Hebel der Handbremse so stark auf den Deckel des Laptops gedrückt, daß der Monitor zersprungen ist. Seitdem ist in der rechten Hälfte des Bildschirms nur noch ein schwarzer Fleck. Unabhängig davon gab es schon vorher ganze Linien oder gepresste Stellen, an denen die Pixel schwarz blieben. Da wollte ich versuchen den Schaden als Garantiefall reparieren zu lassen. Dabei war mir meine kleine Tochter behilflich, die während des Gesprächs mit dem Verkäufer einwarf:

"Das hat er aber nicht mit Absicht getan!"

Meine Reklamation blieb erfolglos. So muß ich immer das geöffnete Fenster des jeweiligen Programms an die passende Stelle schieben, wenn ich eine Funktion betätigen will, die sonst unter einem schwarzen Fleck verborgen bliebe. Beim Schreiben ist das lästig wenn ein Teil der Zeile hinter schwarzen Pixeln verschwindet.

ALs Textverarbeitungsprogramm verwendete ich die Open Source Software Writer von Open Office. Bis die automatische Rechtschreibeprüfung ausfiel. Plötzlich waren alle Wörter ausnahmslos rot gewellt unterstrichen. Ich konnte das Programm selbst mit den Ratschlägen, die ich ergoogelt hatte, nicht mehr reparieren. Löschen und neuinstallieren blieb auch erfolglos und so schreibe ich jetzt ganz rudimentär mit dem Microsoft - Schreibprogramm WordPad. Wenn ich wieder einen größeren Computer habe, werde ich mir das gewohnte Word laden.
Die Fotos knipse ich mit meiner schon uralten Canon PowerShot A530 mit 5.0 Megapixel und vierfach optischen Zoom. Bei der Kamera gefällt mir, daß sie mit zwei AA Batterien betrieben wird. Ich kann die Kamera monatelang im Taxi lassen ohne daß ich sie irgendwo zum Aufladen des Akkus anstecken muß. Alternativ verwende ich die Kamera meines Telefons. Die macht auch klarere Bilder und ich habe mein Telefon immer griffbereit.

Jetzt, da der Berliner bloggende Taxifahrer oder taxifahrende Blogger -> Sash schon zweimal auf mich verlinkt hat, muß ich mich zukünftig mehr bei meinen Texten anstrengen. Die Verlinkungen habe ich beide Male zuerst an den gestiegenen Seitenaufrufen bemerkt. Bei steigenden Leserzahlen will ich brauchbare Texte liefern.

Ich werde in Zukunft mein Equipment das ich zum Bloggen brauche erneuern. Ein neuer Laptop muß her. Mit einem CD - Laufwerk und größerem Arbeitsspeicher. Dann kann ich mir das Word - Programm aufladen. Alte Fotos, die ich auf CD gespeichert habe, kann ich verwenden. Mit GIMP, einem Open Source Fotobearbeitungsprogramm, kann ich so ansprechende Collagen wie -> Aro, ein weiterer Berliner Taxifahrer, sie in seinem Blog einbaut, entwerfen. Den Header, ganz oben am Kopf dieser Seite, habe ich auch mit Hilfe von GIMP gestaltet.
Ich hätte gerne mehr Zeit zum Schreiben. Da bringt die ganze Technik nicht viel. Ich werde nach wie vor im Taxi hinter dem Lenkrad schreiben (müssen). Um uns durch Fahren zu ernähren, müssen wir Beide, meine Frau und ich, viel Zeit hinter dem Lenkrad verbringen. 14 Stunden Schichten, kaum Urlaub und keine freien Wochenenden - wenn wir dann als Familie zusammen sind, will ich die wertvollste aller Zeiten nicht tippend hinter dem Computerbildschirm verbringen.

Jetzt, da ihr die Umstände und die technische Ausstattung kennt, die zu meinen Posts führen, bitte ich um Gnade wenn ihr die Texte lest. Sicher gibt es grammatikalische Fehler oder Rechtschreibfehler. Die Satzzeichen stehen manchmal nicht da wo sie stehen sollen. Ein Bild kann besser bearbeitet sein oder ein passenderes Wort hätte sich finden lassen. Aber solange ich ein bloggender Taxifahrer bin, finde ich das auch in Ordnung.

Einen neuen Laptop werde ich mir allerdings bald kaufen. Das Format meines bisherigen finde ich geeignet für den Gebrauch im Taxi. Leider werden die Netbooks von ACER nicht mehr hergestellt. In dieser Sparte sind die Geräte von den Tablett - PCs verdrängt worden. Mit einem Tablett - PC kann ich mich wegen der fehlenden Tastatur nicht anfreunden. Für mein GIMP brauche ich mehr Arbeitsspeicher. Ein CD Laufwerk um Word und alte Fotos aufzuspielen wäre auch fein. Wichtig ist mir auch, daß der Stecker meines Autoladekabels in den neuen Rechner passt. Ich werde wieder mit meinem Kabel in den Elektrogroßmarkt gehen und das passende Gerät dafür finden.



Mittwoch, 9. Januar 2013

Pläne 2013

Ein blaues Auto fährt von hinten an unseren Taxistand Petuel in der Schleißheimer Straße. Das Fahrzeug stoppt. Ein Mann mit einem weißen Klemmbrett steigt gefolgt von den Blicken der Taxifahrer aus und geht zum ersten Taxi in der Reihe. An die Rückseite des Klemmbretts hat er seinen Dienstausweis geheftet. Dem ersten Taxifahrer stellt er sich vor:

“Herr XXX vom KVR.“

Dabei hält er dem Kollegen das Klemmbrett mit Dienstausweis vor die Nase. Das gleiche macht er dann auch beim Zweiten, Dritten, ….
Der Kontrolleur stellt sich vorne am Stand neben das Standplatztelefon und bittet alle Taxifahrer mit ihren Stadtplänen zu ihm zu kommen. Jetzt war mir klar, das ist keine übliche Kontrolle bei der Taxi um Taxi und die Papiere der Fahrer kontrolliert werden.
Nach und nach kommen die Kollegen aus ihren Taxis. Jeder hat den Kompass-Plan mit dem grünen Einband in der Hand. Das war der letzte Kompass-Plan der 2010 gedruckt wurde. Für uns Taxifahrer war das DER Plan. Wie es die Taxiordnung vorschreibt sind in dem Plan die Städte Erding und Freising mit allen Straßen abgedruckt. Der Plan genügte den gesetzlichen Vorgaben und war handlich. Sein einziges Manko war, daß der Plan ab 2010 nicht mehr aufgelegt wurde. Das weiß auch der KVR – Mann. Darum kann er mit einem Blick alle Pläne als abgelaufen erkennen.

“Ihre Pläne sind alle abgelaufen.“

Eine Diskussion bricht an. Auf dem Kompass-Plan stünde auf der Umschlagseite 2010 bis 2015.

“Nein“ unterbricht der Mann vom KVR“2010, 2011, 2012!“ dabei zählt er mit den Fingern. “Jetzt ist 2013. Das sind drei Jahre! Ihre Pläne dürfen nicht älter als drei Jahre ein.“

Aber welchen Stadtplan sollen wir dann verwenden? Der Kompass-Plan wird nicht mehr aufgelegt. Der Beamte nennt den ADAC – Stadtplan. Den unhandlichen mit der Spiralbindung. Den gäbe es beim ADAC. Ein Kollege kennt schon die nächste ADAC Geschäftsstelle am Frankfurter Ring 30, gleich gegenüber der BMW.

Zum Abschluß werden wir noch alle gebührenfrei mündlich verwarnt. Bis Ende Januar soll eine Gnadenfrist gelten. Danach kostet ein veralteter Stadtplan 35,- € Strafe. Er notiert sich noch alle unsere Taxinummern. Dabei fällt ihm auf, daß bei dem Taxi eines Kollegen die Schürze unter der vorderen Stoßstange nur halb mit hellelfenbeinweißer Folie beklebt ist. Er muß den Stand verlassen. Zur Personenbeförderung darf die Schürze unter der Stoßstange nicht blau sondern nur RAL 1015 sein.

Die Maßnahme des Kontrolleurs findet im Kollegenkreis vollstes Verständnis. Wir können nur alle den Kopf schütteln über die Dreistigkeit des Taxifahrers der seine Fahrgäste mit einer halb blauen Frontschürze kutschiert. Man braucht sich nur auf den Boden knien und den Kopf etwas drehen, schon kann man die blaue Fläche im ganzen Ausmaß von 8 cm Breite und 70 cm Länge erkennen. Wir sind uns alle einig; so etwas darf nicht geduldet werden.

Heute, gleich nach dem Termin beim Taxiarzt, fahre ich bei der ADAC – Geschäftsstelle am Frankfurter Ring 30 vorbei. Parken kann man für den kurzen Einkauf vor dem Hotel Königsstein in der Parkbucht die zum Ein- und Aussteigen der Hotelgäste reserviert ist. In dem Laden weiß die Verkäuferin sofort um was es geht. Ich bin also nicht der erste Taxifahrer. Bei dem Wort Taxi greift sie zielsicher in die Schublade und fragt:

“Wie viele brauchen Sie?

Vor der ADAC - Geschäftsstelle am Frankfurter Ring


Ich nehme zwei. Der Zweite ist für meinen Kollegen. Mit den druckfrischen Stadtplänen sind wir für die nächsten drei Jahre gewappnet. Das Wort in Druckerzeugnis in der Taxiordnung der Stadt München ist das Problem. Fast alle Taxifahrer haben schon seit Jahren digitales Kartenmaterial in ihren Navigationssystemen und Mobiltelefonen. Handlich, bedienfreundlciher und aktueller als jedes gedruckte. Eine Modernisierung der Taxiordnung wäre an der Zeit. Nicht umsonst stellen die Verlage den Druck von Stadtplänen immer weiter zurück. Wer braucht denn im Jahre 2013 noch gedruckte Stadtpläne?
Der ADAC – Stadtplan, der jetzt unter meinem Beifahrersitz liegt, wird nach drei Jahren unangetastet im Altpapiercontainer landen. Tausende Taxifahrer können ihr vierfarbdruckbuntes 200seitiges Machwerk für 19,99 € brutto in drei Jahren in die Tonne kloppen, wo überholte Vorschriften landen sollen.


Die nächste Auflage des ADAC – Stadplans wird erst in fünf Jahren erscheinen. Müssen wir dann im Januar 2016 unsere Stadtpläne ersetzen, gibt es von dem ADAC-Stadtplan nur die Auflage, die bis dann von uns nicht mehr verwendet werden darf. Ändert sich bis dahin nichts, werden wir in den saueren Apfel beißen müssen, und uns die aktuellen Falkpläne der Städte München, Freising und Erding kaufen müssen.
Passt auf, daß ihr den ADAC-Stadtplan mit dem dunkelblauen Einband (wie auf dem Foto) kauft. Es gibt noch eien München – Stadtplan vom ADAC mit Spiralbindung und dem gleichen Format. Allerdings nennt sich der Plan München City Atlas und hat einen gelben Einband.

Montag, 7. Januar 2013

Saubermänner

Es war noch im letzten Jahr, als mir der Taxi-Cowboy einen Tipp gab. Taxi- Cowboy; so nennt er sich selbst nur außerhalb unserer Taxikreise. Unter uns wird auf das Taxi verzichtet, denn es ist nichts Besonders.
Michael, zum Beispiel, ist Jäger und Taxifahrer. Bei den Jägern ist er der Taxler-Michi und unter den Taxifahrern ist der gleiche Michael der Jaga-Michi. So ist es auch beim Cowboy, wie er schlicht unter uns genannt wird. Wenn man ihn sieht, weiß man auch wie er zu seinem Spitznamen gekommen ist. Zu seinem Lederhut, seiner ständigen Kopfbedeckung bei jeder Witterung, trägt er oft eine Lederweste.
Im letzten Jahr war der Cowboy noch mit einem Taxibus unterwegs. So kam er am Flughafen in der Busreihe hinter mir zu stehen.

“Hier! Hier, schau mal. Kennst du das schon?“

Ich stehe an meiner offenen Fahrertüre. Der Cowboy kommt auf mich zu. Um drei Finger seiner rechten Hand hat er ein gelbes Microfasertuch gewunden. In der linken Hand hält er eine blaue Plastiksprühflasche mit weißem Sprühkopf. Es zischt zweimal kurz und über die Kunststoffinnenverkleidung meiner Türe läuft die klare Flüssigkeit. Jetzt reibt der Cowboy mit seinem Tuch schnell hin und her, begleitet von den Worten:

“Schau mal! Hier! Siehst du es? Sauber! Nur aufsprühen, darüberreiben, alles sauber. Auch hier in den Ritzen. Da schau – der Dreck geht weg. Gibt´s beim Schlecker. Nur 2,49 €. Viiieeel besser als Cockpitspray und viiieeel günstiger. …. Hier, schau!“

Und was soll ich sagen, der Cowboy hatte recht. Der Kunststoffreiniger vom Schlecker war tatsächlich sein Geld wert. Besser als Cockpitspray, bei dem, wenn man es verwenden will, die Scheiben innen abgedeckt werden müssen. Wenn dann das cockpitspraybehandelte Amaturenbrett in der Sonne glänzt und der statisch aufgeladene Staub senkrecht darauf steht, weiß man, das die 12,99 € für das Spray woanders besser angelegt worden wären.


Da lobe ich mir den Cowboy und seinen Ratschlag. Am nächsten Tag schon war ich beim Schlecker und in der Kiste unter meiner Beifahrersitzbank war von Stund an immer eine Flasche von dem Wunderkunststoffreiniger. Bis zum unrühmlichen Ende der Schlecker-Supermarktkette. Im Frühjahr des vergangenen Jahres war dann Schluß mit den weißgefliesten Supermärkten, 3.000 Arbeitsplätzen und meinem Reiniger. In der Lindwurmstraße konnte ich in einem Schleckermarkt noch einmal zum halben Preis meine Kiste mit Kunststoffreiniger und Küchentücher auffüllen.


Bis ins neue Jahr 2013 reichten meine Vorräte allerdings nicht. Ersatz muß her. In einem anderen Supermarkt, es war kein Drogeriemarkt, finde ich keinen Kunststoffreiniger. Ich muß mit Möbelreiniger vorlieb nehmen. Zusammen mit den Reinigungstüchern entwickelt sich weißer Schaum, den ich dann wieder mit den Küchentüchern abputzen muß. Der Boden wird so zwar schön sauber, aber mit viel aufwändiger als mein Schlecker-Mittel.



Heute habe ich im Rundfunk gehört, daß hier bei uns im Süden der Republik wieder einige wenige Schlecker-Märkte eröffnen sollen. Nachdem der Cowboy seit dem letzten Jahr nicht mehr auf T2 gesehen wurde, bliebe mir sonst nichts anderes übrig als zum Rossmann zu gehen.