Montag, 4. März 2013

Oldtimer = Alte Uhr ...

… und ein altes, klassisches Auto ist auf Englisch ein vintage car.

Taxameter sind für uns Taxifahrer ein wichtiges Handwerkszeug. Im Sitzungszimmer unserer Genossenschaft steht zurzeit eine ganze Reihe von Taxametern, die alle aus der Sammlung der Fuchs-Brüder stammen. Die beiden Füchse hatten im Hinterhof des Anwesens Utzschneiderstraße 6, einem Anwesen der Taxi-München eG, ihre Werkstatt.
Durch eine enge Hofeinfahrt kam ich mehrmals mit meinen Taxis in ihre Werkstatt. Dort wirkten, meist stumm, die beiden Fuchsbrüder mit jahrzehntelanger Routine Hand in Hand. Ich bekam in der Werkstatt immer große Augen. Jedes Mal gab es etwas Neues zu entdecken. Der Werkstattbesuch war ein Stück gelebter Münchner Taxigeschichte. An dieser Stelle war ab 1917 die erste Heuverteilstelle für die Münchner Droschkenkutscher und die ersten Mitglieder unserer Genossenschaft.

Gleich rechts hinter dem Tor zur Werkstatt stand ein schwerer, eiserner Amboß auf einem groben Holzklotz. Auf dem Boden und der Werkbank daneben lagen die verschiedenen Hämmer. Hier wurden zu meiner Zeit die kleinen Bleche zurechtgebogen und gedengelt, mit denen dann die modernen elektronischen Uhren (so nennen die Taxifahrer ihre Taxameter) an den Armaturen der Taxis befestigt wurden. Die kleinen Bleche wurden mit der Sprühdose mattschwarz lackiert und hingen zum Trocknen an Drahtbügeln an dem Fenster zwischen Werkstatt und Hof.
In der hinteren Ecke der Werkstatt war ein kleines Zimmer, hier schrieb Herr Fuchs seine Rechnungen. Nach dem Bezahlen wurde mir ein handschriftlich, sauber ausgefülltes Formblatt überreicht. Während die Taxiuhr eingebaut, oder die Rechnung erstellt, wurde, schweiften meine Augen über die alten Taxameter, die unter der Decke an der Wand aufgehängt waren. Gegenüber dem Schreibtisch, auf einem hölzernen Arbeitstisch, lagen elektronische Bauteile um einen Lötkolben bereit. Ich war wieder in der Gegenwart angekommen. Das war die Sammlung, aus der auch der alte Kienzle Argo Taxameter auf dem Foto stammt.



Die Jahre 1995 bis 2001 waren taxametertechnisch meine Kienzle-Jahre. Das war für mich die Zeit zwischen taxitronic und HALE. Natürlich war ich mit meinen Kienzle Uhren auch bei den Füchsen. Nur zweimal war ich wegen einer Tarifumstellung direkt bei Kienzle. Die waren erst in der Birkerstraße in Neuhausen und später in der Muthmannstraße. Ansonsten reihte ich mich in die lange Schlange, die von der Utzschneiderstraße bis zum Altstadtring reichte, um die Uhr umstellen zu lassen. Eine meiner Kienzleuhren hat es bis zum Wegstreckenzähler geschafft. Der Fuchs wechselte einfach die vordere Platte aus und programmierte das Gerät um. Dort wo vorher Mark und Pfennig angezeigt wurden, konnte man die aktuell gefahrenen Kilometer mitverfolgen.

Mit der Einführung des Datenfunks im Jahr 2006 wurde das Ende der Kienzle-Taxameter in München eingeläutet. Nur HALE-Taxameter sind mit dem Datenfunksystem kompatibel. Bei mir war die Kienzle-Zeit, wie erwähnt, bereits 2001 vorbei. Wieder als Einzelunternehmer mit einem Taxi unterwegs, gönnte ich mir einen Spiegeltaxameter. Die gibt es nur von HALE. Meinen letzten taxitronic sah ich als Fahrgast in einem Taxi in Havanna.
Dort ist es mit den Taxis wie bei uns mit den Taxiuhren. Politisch korrekt ist es ein staatliches schwarz-oranges Taxi mit Taxameter zu benutzen. Die zahlreichen 1,- US$ Pauschal-Oldtimer- (Entschuldigung ,- vintage cars) Taxis die oft noch aus dem Batista-Regime stammen, sind, wie die alten Taxiuhren, unpraktisch aber hübsch.

Samstag, 2. März 2013

Sack voll Geld

Taxifahrer und Trinkgeld. Ein viel beachtetes Thema. Ich habe nicht nur Bargeld als Tipp bekommen. Ich bin immer wieder überrascht über die Leute, die sich für die Höhe des Trinkgelds interessieren. Bei unseren ausländischen Gästen kann ich das verstehen. Sie kennen die Verhaltensweisen in Deutschland nicht. Sie wollen angemessenes Trinkgeld geben und nicht dadurch aus der Reihe tanzen indem sie zuviel oder zu wenig geben. In den Reiseführern für unsere Income-Touristen über Deutschland sind oft Informationen über die Höhe des Trinkgelds abgedruckt. Mutige Taxifahrgäste trauen sich den Taxifahrer zu fragen. Mir war das als Taxifahreranfänger peinlich die Höhe meines Tipps selbst zu bestimmen. Inzwischen antworte ich prompt und wahrheitsgemäß:

"10 % und auf den vollen Euro auf- oder abrunden"

Spannend wird es wenn der Trinkgeldgeber und -empfänger nicht wissen wie hoch das Trinkgeld ausgefallen ist. Das gibt es.

Eine in München ansässige Firma hat zur Unterstützung Ingenieure aus dem Ausland angeheuert . Ich hatte das Glück die Neubürger am Flughafen in Empfang zu nehmen. Mit der einen oder anderen Familie waren wir drei Tage unterwegs. Wohnungen wurden besichtigt, Kinder an den Schulen angemeldet ...

Jetzt nach zwei Jahren, die Geschäftslage hat sich geändert, müssen uns die Familien wieder verlassen. So war ich nicht nur der Erste, der sie am Flughafen empfangen, sondern auch der Letzte der sie am Flughafen verabschiedet hat.


Eine Familie hat die 1, 2, und 5 Cent Stücke, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, in einem Täschchen gesammelt. Das Täschchen ist ein Werbegeschenk für Businesskunden der Lufthansa. Das Täschchen haben sie noch von ihrer Einreise.
Jetzt nach dem wir die Koffer am Terminal ausgeladen haben überreicht mir der Familienvater das etwa ein Kilogramm schwere, silberfarben glänzende Täschchen. Sie konnten die Münzen nicht mehr in der Bank einzahlen. Im nichteuropäischen Ausland können sie nichts damit anfangen. Ich bin der Gewinner. Ich habe den sprichwörtlichen Sack voll Geld. Um ehrlich zu sein ist es eher ein Säckchen, daß ich in meiner Hand abwäge. Wir wissen Beide nicht wie viel Trinkgeld gegeben, bzw. empfangen wurde. Es gibt keine Chance am Gewicht den Wert der Münzen abzuschätzen.
Einige der Münzen sind in zusammengetackerten beschrifteten Kaffeefiltern. 100 x 1 Cent / 1 € steht auf einem, 40 x 5 Cent / 2 € steht auf einem anderen Kaffeefilterpäckchen. Die meisten der Kupfermünzen sind lose in dem Säckchen. Was mach ich mit der Menge Kleinstgeld? Ich will damit nicht in ein Geschäft gehen und den armen Verkäufer zum abzählen veranlassen.

Eine Lösung habe ich gefunden. Ich zähle das Geld passend ab und stecke die Münzen in die Schlitze der stummen Zeitungsverkäufer. Ich habe mir jetzt schon jeweils zwei Abendzeitungen und Tageszeitungen gekauft. Wenn ich die Zeitungen zähle, kann ich schließlich doch noch ausrechnen wie viel Trinkgeld ich bekommen habe.