Montag, 27. Mai 2013

Typisch Montag

Dieser Montag war eine Ausnahme. Im Kalender stand keine Vorbestellung. Ich konnte Taxifahren. Taxifahren wie früher, keine Termine, den ganzen Tag über keine Uhrzeit nach der ich mich richten muß. Ich kann mich treiben lassen wohin auch immer mich der Taxigott mich treibt.
Früh am Morgen geht es schon los. Ich freue mich schon an Abend, daß ich mein Handy ohne den Wecker zu stellen auf das Nachttischchen legen kann. Ausschlafen bis ich aufstehe. Wie wenn die anderen Wochenende haben. Das ist für mich ein großer Luxus. Übermorgen, am Mittwoch, wollen meine Kunden um 4.30 Uhr abgeholt werden. Da muß ich um 3.30 aus meinen warmen Federn. Heute aber ist das anders. Gemächlich klettere ich aus dem Bett. Checke die e-Mails und die Excel-Datei. Es sind auch keine neuen Aufträge für den heutigen Tag da. Heute wird es eine schöne, einfache Taxischicht. Und so wird es dann auch

08:35 Uhr bis ich in mein Taxi vor meiner Haustüre steige. An meiner Bavaria-Petrol Tankstelle fahre ich vorbei. Gestern Abend habe ich noch für 115,-€ voll getankt. Entgegen meiner Gewohnheit bleibe ich auch nicht für einen Kaffee und eine Butterbrezn stehen. Ich will zum Ersan. Ersans Werkstatt am Frankfurter Ring liegt gleich bei mir um das Eck. Mein Taxischild leuchtet nicht mehr. Meine bescheidenen Kenntnisse auf dem Gebiet der Elektrotechnik reichen nicht aus die Reklame zum Leuchten zu bringen. Tagsüber fällt ein defektes Taxischild nicht auf, aber wer weiß wie lange ich heute Abend unterwegs bin. Ich muß mindestens 180,- € Umsatz schaffen.



Bei Ersan kümmert sich sofort ein Elektriker um mein Dachzeichen. Wir haben die Kontakte und die Sicherungen kontrolliert. Alles in Ordnung. Der zweite Elektriker beobachtet uns, kommt rüber, und drückt auf die Taste die die Taxialarmanlage ausschaltet. In diesem Moment leuchtet das Kontrolllämpchen des ersten Elektrikers auf. Wir können uns das nicht erklären, aber der Insider-Kniff funktioniert. In Zukunft weiß ich was ich als erstes tun werde wenn mein Taxilicht nicht leuchtet. Für die Bemühungen will ich den Elektrikern 10,- € zustecken. Sie weigern sich das Geld anzunehmen. Selbst der Chef schickt mich ohne bezahlen weg. Ich stecke etwas Kleingeld in die Sammelbüchse für einen gemeinnützigen Zweck die auf dem Tresen steht. Ich verspreche meinen drei Helfern mit Butterbrezen wiederzukommen. Sie deuten mir an; diese Bezahlung werden sie annehmen.
Ich drehe eine Runde im Harthof. Diesmal fahre ich nicht an der Bavaria-Petrol vorbei. Ich kaufe vier Butterbrezn und einen großen Kaffee zum mitnehmen. Drei Brezn liefere ich in der Werkstatt ab, eine und der Kaffee sind für mich. Beim ersten Geschäft des Tages, Dienstleistung gegen Brezn, flossen keine Euro. Noch kauend, den Kaffeebecher in der Halterung komme ich um
09:25 Uhr am Taxistand Petuel an. Vor mir stehen schon vier Taxis. Zu dritt sitzen wir bei mir im VW-Bus und quatschen. Es vergeht keine halbe Stunde bis ich Erster bin. Ein Funkauftrag schickt mich in die Dostlerstraße, zum Tor 1 des BMW - Werks. Mein Fahrgast, ein junger Mann, erwartet mich schon. In seiner Hand erkenne ich schon den gelben Taxi-Fahrscheck unserer Genossenschaft.
Beim Einsteigen nennt er mir sein Fahrziel:

"Mainburg. Die A9 raus"


Natürlich kenne ich Mainburg! War ich doch erst im letzten -> Herbst mit meinem polnischen Fahrgast in dem Städtchen an der Abens. Seine hochschwangere Frau hat die schon die Wehen. Er will jetzt unbedingt zu sich nach Hause nach Mainburg um seine Frau, die werdende Mutter, ins Krankenhaus zu bringen. Nach einer knappen Stunde stehe ich in der Einfahrt eines neu gebauten Hauses. Für die Fahrt über 69 Kilometer kann ich 103,30 € in den Fahrscheck eintragen. Von Mainburg aus fahre ich zwischen Dörfer und Hopfengärten auf der B301 nach Freising und von dort zum Flughafen. Dort stelle ich mich um

12:04 Uhr an den AGIP Speicher an. Nach zwei großen Tee und endlosem Austausch mit Kollegen bin ich nach fünf Stunden Wartezeit Erster. Gespannt erwarte ich meinen Fahrgast. Ich erwische einen Mann, der in das Parkhotel Laim in die Zschokkestraße will. Nach einer knappen Stunde Fahrt kassiere ich 72,- €. Das erste Bargeld, das ich heute einnehme. Oft erwischt man als Taxifahrer am Flughafen Kunden die mit Kreditkarte bezahlen. Im Gegensatz zu Bargeld muß ich für Kreditkarten- und Fahrscheckakzeptanz Gebühren bezahlen. Negativzinsen für einen Kredit den ich an fremde Menschen gebe. Der einzige Vorteil ist das ich durch die Akzeptanz verschiedenster Systeme Zugriff auf Kunden habe, den ich sonst nicht hätte.
Jetzt stelle ich mich an meinen Bahnhof Nord Standplatz. Das Ende der Warteschlange liegt weit in der Arnulfstraße vor dem Dönerladen. Um

18:35 Uhr steigt mir ein Herr zu, der in die Karolinenstraße ins Lehel will. Als ich als Taxifahreranfänger das erste Mal in die Karolinenstraße fuhr, war ich überrascht, daß die Karolinenstraße so weit vom Karolinenplatz entfernt ist. Vielleicht habe ich mir deshalb die Lage der Straße bis heute gemerkt und kann mir so die 12,-€ ohne fremde Hilfe, Navigationsgerät oder Stadtplan verdienen. Vom Lehel ist es nicht weit zum Hilton Parkhotel im Tucherpark. Von dort beginne ich als Fünfter. Es vergehen keine 15 Minuten bis ich meine letzte Fahrt antrete. Vater und Sohn wollen in das Lokal Brezn in der Leopoldstraße. Unterwegs erzähle ich noch etwas aus der Münchner Geschichte und gebe Tipps für ihren morgigen Ausflug in die Innenstadt. Die Fahrt bringt mir 15,- €. Von der Brezn fahre ich schnurstracks die Leopoldstraße nach Norden. Aus der Leopoldstraße wird die Ingolstädter Straße, wo ich um

19:30 Uhr mein Taxi parke. Beim Aussteigen werfe ich noch einen Blick auf die Bavaria – Petrol, wo mit Brezn mein Taxi-Tag heute früh begonnen hat. Wenn man ganz genau hinschaut, kann man erkennen, daß mein Taxischild wieder leuchtet.



Das war kein typischer Taxitag. 202,- € Umsatz bei vier Fahrten ist eine Ausnahme. 200,- € für eine Montag-Tagschicht in der Ferienzeit ist auch in München ein guter Umsatz. Normalerweise bin ich auch länger als elf Stunden unterwegs. Aber das macht das Taxifahren interessant – jeder Tag im Taxi ist untypisch.

Freitag, 24. Mai 2013

Farbenspiele

Morgen in London stehen sich zwei deutsche Fußballteams gegenüber. Der FC Bayern in rot-weiß und Borussia Dortmund in schwarz-gelb. In den deutschen Städten und im Wembley – Stadion werden die Farben schwarz, gelb, weiß und rot die Szene beherrschen.
Google verrät mir; es gibt ein nautisches Flaggensignal das alle vier Farben vereint. Der weiß-schwarz-rot-gelbe Wimpel ist das Zeichen für die Zahl 9.



Weiß und gelb sind die Farben der ersten beiden Gürtel im Judo. Gelb-weiß sind die Kirchenfarben, zumindest die der katholischen. Schwarz-gelb sind die Stadtfarben von München. Gelb-Schwarz ist die Flagge von Thüringen.

Schwarz-rot sind die Sterne auf den Panzerfahrzeugen im Revolutionsmuseum in Havanna. Rot-gelb-rot ist die Spanische Flagge. Die Farben Rot und Weiß teilen sich unsere österreichischen und türkischen Kollegen in ihren jeweiligen Staatsflaggen. Genau so wie die Kanadier und Peruaner. Ich kenne aber nur einen Taxifahrer aus Peru.
Die Polen haben eine weiß-rote Flagge. Schwarz-rot-gelb (gold); das sind wir. Schwarz-weiß-rot das waren wir früher.

Der Münchener Fan fährt morgen mit einem Taxi, gekrönt von einem schwarz-gelben Taxischild zum Public-Viewing. Der Dortmunder Fan bestellt sich zum Fußballspiel stilgerecht eine Curry Pommes rot-weiß (mit Ketchup und Mayo).

Aus den Zeiten der schwarz-weiß Fernseher kommt noch der Ausdruck Arschkarte. Der Schiedsrichter trug die gelbe Karte in der Brusttasche. Die rote Karte verwahrte er in seiner Gesäßtasche. Daran woraus der Unparteiische die Karte zückte, konnten die Zuschauer an den farblosen, schwarz-weiß Fernsehempfängern, erkennen, ob der Spieler die gelbe Karte von der Brust, oder die rote vom A… gezeigt bekam.
Das weiß heute auch nicht mehr Jeder.

Samstag, 18. Mai 2013

Beschrankt

Die E-Mail ist schon vor Wochen gekommen. Die Zufahrt an das Terminal 2 am Flughafen von der Nordseite her wird beschrankt. Während des letzten Jahres wurden am Terminal 2 an allen Modulen von der FMG Schranken errichtet.
Die einzig unbeschrankte Zufahrt zu einem Terminal war die Nordseite des T2. Ich muß gestehen, daß mich schon seit Jahren die Kollegen stören, die auf dem Level 04 ihre Taxis parkten um dann ihre Gäste zu erwarten. Oft waren alle Parkplätze belegt. Die Kollegen, die ihre Gäste aussteigen lassen wollen, müssen in zweiter Reihe stehen und in Blitzgeschwindigkeit kassieren um keinen Rückstau zu verursachen. Die so genannten Kollegen stehen dann bei ihren Autos und schauen unbeteiligt in die Luft. Sicher, die Polizei hat manchmal Strafzettel verteilt. Das hatte wenig Wirkung. Bei den hohen Parkpreisen am Flughafen kommt man mit einem Straffzettel im Monat günstiger weg als eine Parkkarte zu ziehen. Zum anderen zaubert ein Straffzettel das behindernde Auto auch nicht weg. Es steht dann eben mit einem Knöllchen unter dem Scheibenwischer im Weg.



Diese Woche bemerkte ich, wie die Bauarbeiter damit begonnen haben Löcher in den Asphalt zu bohren. Die künftige Schranke zum T2 Nord wird weit vor dem Terminal installiert. In der Höhe der Abfahrt zum Level 03, der Ankunftsebene. Die Fahrer, darunter viele Privatfahrzeuge, die erst unmittelbar vor der Schranke erkennen, daß es jetzt tatsächlich nicht mehr weitergeht, können dann noch runter auf die Ebene 03 und dort eine Runde drehen.

Jetzt kommt es noch darauf an wie viel der Aufenthalt in dem neu beschränkten Bereich kostet. 10 Minuten, soviel Zeit braucht man um die Gäste aussteigen zu lassen und zu kassieren, mit oder ohne Kreditkarte, sollen frei sein. Dann aber muß die Uhr anfangen zu ticken. Ein Problem könnte am Donnerstag oder Freitagabend entstehen. Während dieser Zeiten landen die meisten Fluggäste am Flughafen. Dem entsprechend warten auch viele Abholer am Terminal 2. Während der letzten Monate waren die Abholerparkplätze auf der Ebene 03 voll bis zum letzten Platz mit Taxis, Mietwägen und anderen gewerblichen Fahrzeugen. Ich mußte zwei Runden durch die vollen Parkplätze drehen, bis ich mein Taxi auf einen soeben freigewordenen Stellplatz abstellen konnte. Ich werde beobachten, wie sich die Lage hoffentlich entspannt.

Samstag, 11. Mai 2013

Auf dem Hochseil und im Taxi

Die Dichtung für meinen neuen gebrauchten Motor ist eingebaut. Der erste Einsatz war gleich Heute in der Früh. Meine Malaien mussten wieder in den Betrieb. Inzwischen sind es schon zehn Gäste, die wir morgens vom Hotel in den Betrieb und am Abend vom Betrieb zurück zum Hotel bringen. Bei zehn Gästen müssen wir Beide anrücken. Frisch gewaschen stehe ich am Petuelstand. Das Standplatztelefon beschert mir meinen Kunden der mir mit Bargeld meine Ausgaben für Motor und Reparatur mildert.

Bis ich vor dem Haus halte, steht die Dame schon im Hausflur. Ich übernehme ihre zwei Taschen und verstaue das Gepäck hinter der ersten Sitzreihe. Der Postbote war gerade da. Man sieht sein gelbes Fahrrad vor dem Nachbarhaus stehen. Die Dame bittet mich noch etwas zu warten. Sie will noch ihren Briefkasten leeren.

Eine Minute später sitzt sie mit einem hellbraunen DINA 4 Kuvert neben mir im Taxi. Sie reißt den Umschlag auf und entnimmt ein paar kopierte Seiten und alte Fotos. Aus den Augenwinkeln kann ich das Logo der GCD e.V., der Gesellschaft der Circusfreunde sehen. Ich erkenne ganz deutlich den Tiger der über das GCD - Kürzel springt. Gestern Abend erst saß ich drei knappe Stunden im Nebenzimmer der Augustiner - Wirtschaft Rumpler im Glockenbachviertel in München. Ich habe meinen Kollegen Oliver Stey, er entstammt der jahrhundertealten Zirkusdynastie Stey. Ein weiterer Kollege ist Mitglied der Sektion München der Gesellschaft der Circusfreunde. So ergab sich das für alle Beteiligten fruchtbare Treffen. Oliver hatte ich schon vor vier Jahren hier in meinem Blog erwähnt, als ich während einer Taxifahrt nach Speyer dort auf den -> Circus Charles Knie traf.
Oliver klappt seinen Laptop auf und beginnt die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Familien Weizmann, Traber, Stey, Kolter, Knie ... zu erläutern. An den Fragen der Zuhörer bemerke ich; hier sitzen Zirkuskenner. Gegenseitig werden die Nachkommen der bekanntesten Familien ergänzt.

Die Geschichte von dem Koltersprung gefällt mir am Besten. Olivers Erklärungen waren sehr ausführlich. Ich kann mich jetzt nicht mehr erinnern welcher Kolter, welcher Herrscher oder welcher englischer Hochseilartist an dem Sprung beteiligt waren.
Ein Hochseilartist aus England spannte ein Schrägseil vom Boden an die Spitze eines Turmes und kündigte an, daß er in den nächsten Tagen auf dem Seil zur Spitze des Turmes balancieren werde. Was übrigens nur einem Engländer gelingen würde. Der Herrscher schickte nach dem damals schon bekannten Kolter. Er sollte zeigen, daß nicht nur Engländer geschickte Seiltänzer wären. Kolter kam und begutachtete das Seil, daß der Engländer um Aufmerksamkeit zu erregen schon Tage vorher gespannt hatte.

Am Morgen des Auftritttages, schleicht sich Kolter auf den Turm und wartet. Der Engländer staunte nicht schlecht, als ihm nach der Hälfte der Strecke plötzlich Kolter auf dem Seil entgegenkam. Als die Beiden sich trafen, erklärte Kolter dem Engländer er solle in die Hocke gehen. Kalter sprang mit einem Salto über den hockenden Engländer, ergriff mit beiden Händen im Handstand das Seil hinter dem Engländer, überschlug sich einmal, landete dann sicher mit beiden Beinen auf dem Seil. Die Menge war verblüfft, Kolter hatte seinen Ruhm vermehrt. Diese Übung ging als Koltersprung in die Zirkusgeschichte ein. Der riskante Hochseilakt wurde anschließend noch öfter aufgeführt.



Der Vorabend war ganz im Zeichen des Zirkuses und am nächsten Morgen habe ich gleich wieder einen Gast aus der gleichen Branche. Mein Fahrgast zeigte mir dann auch gleich die Bilder ihres Bruders, der genau so wie ihr Vater ein Musikclown war, und oft im Münchner Zirkus Krone aufgetreten sind. Ihr Bruder ist leider verstorben. Deshalb ist sie auch mit dem Taxi auf dem Weg zum Bahnhof um von dort nach Frankfurt zur Beerdigung zu fahren. Die Circuszeitung, das Organ der Gesellschaft der Circusfreunde e.V. hat ihr die Fotos zurückgeschickt. In der Circuszeitung wird ein Artikel mit Fotos über den Verstorbenen erscheinen.

Der Zufälle sind noch nicht genug. Als wir im Bahnhof Nord eintreffen, steht Oliver neben den wartenden Taxis Als die Dame aussteigt begrüßen sich die Beiden mit Handschlag. Eines habe ich in den letzten Tagen gelernt; die Zirkusleute sind fast alle verwandt - irgendwie und weitschichtig. Und kennen tut man sich sowieso.

Bei der Recherche über den Koltersprung habe ich zunächst den Begriff gegoogelt aber keinen Eintrag gefunden. Ab jetzt wird man zumindest diesen Post finden. Ich werde noch versuchen genauere Daten über den Koltersprung in einem Update zu schreiben. Doch dazu muß ich erst, wie jeder, der etwas über Zirkusgeschichte wissen will, Oliver fragen.

Montag, 6. Mai 2013

Aufstehn

Das mit dem Motor hat ja soweit funktioniert. Heute in der früh um acht Uhr war der Fahrer des Autoverwerters auf dem Hof des Mechanikers. Der hat den Motor begutachtet, angenommen, bezahlt und gleich mit dem Einbau begonnen.
Wir konnten Beide bei der Lieferung nicht dabei sein. Der Arme mußte heute schon um 7.00 Uhr aus dem Bett.

"So früh bin ich schon seit Jahren nicht mehr aufgestanden!; war sein Kommentar zum Empfang meines Motors vor seiner Werkstatt.
Und dabei hat er noch Glück. Mein Wecker klingelt m 4.00 Uhr. Eine Stunde später bin ich auf dem Weg zum Flughafen. Ich will mich aber nicht beklagen. Ich muß nicht tatenlos und ohne Umsatz zu Hause sitzen nur weil mein Taxi in Reparatur ist.
Zum Glück sind wir in dieser Woche mit reichlich festen Aufträgen eingedeckt. Die können wir mit unseren Mietwägen bewältigen. Unsere weiteste Tour führt uns zum Kloster Irsee ins Allgäu in der Nähe von Kaufbeuern. Vor Jahren war ich schon mal mit einer Reihe von Fahrten in dem Bildungszentrum.
Die Route vom Flughafen zu dem Kloster im Allgäu ist ein Kinderspiel - eigentlich. Ich konnte mich noch an die Strecke erinnern. Dem Taxibusfahrer, den wir mit den ersten sieben Fahrgästen losschickten, habe ich die Tour erklärt. Die A 92 bis zur A 99 durch den Allacher Tunnel bis zum Autobahnkreuz München West, von dort die A 96 Richtung Lindau. Die Lindauer Autobahn über die Ausfahrt -> Bad Wörishofen verlassen. Die Straße nach Süden folgen und nach Pforzen rechts abbiegen und der Beschilderung - Kloster Irsee folgen. So einfach ist das! Was macht aber der Profi-Taxifahrer nachdem er den Weg richtig erklärt hat? Er schaltet das Navigationsgerät ein und folgt ihm auch noch. Auf der Autobahn schließt sich mir meine Frau im Chrysler mit den Nachzügler-Gästen hinten an.

Das kleine elektronische Gscheidhaferl (Warum kennt das Rechtschreibprogramm dieses Wort nicht?) schlägt mir vor die Autobahn schon bei Jengen zu verlassen. Brav folge ich der B 12 bis nach Kaufbeuern. Die Elektronik befiehlt - ich folge mit meiner Frau im Schlepptau. Mein Navi lotst uns durch die Stadt bis wir vor einer Straßensperre stehen. Meine Frau kommt neben mich zu stehen und fragt wo ich den langfahre. Sie hat ihre beunruhigten Fahrgäste mit den Worten überzeugt;
"Mein Mann verfährt sich nie!"

Dem wird es jetzt aber immer peinlicher. Schon zum zweiten Mal lotst mich der Kunststoff-Silizium-Trottel in die Nähe der Straßensperre. Ich achte nicht mehr auf das Gerät, versuche mich nach alter Manier an der Karte zu orientieren. Endlich klappt es. Ich überquere eine Bahnlinie und einen Fluß, komme bei Pforzen auf die B 16. Ich bin heilfroh als ich die Strecke wieder erkenne. Zufrieden sehe ich schon zehn Minuten später die beiden Türme der Klosterkirche über den Baumwipfeln auftauchen.

Am Mittwoch müssen wir die Gäste des Kongresses wieder zum Flughafen bringen. Übermorgen, so schwöre ich mir, bleibt das Navi aus. Bevor ich am Abend nach Hause fahre, hole ich noch die sechs Gäste aus Malaysia wieder bei einem bayerischen Fahrzeughersteller ab und bringe sie die vier Kilometer ins Hotel. Es sind gute, langjährige Kunden und der Preis ist in Ordnung. Sonst würde sich eine so kurze Fahrt nicht lohnen.
Nach der Arbeit fallen wir Beide nur noch müde auf das Sofa. Während ich den Post tippe, ruft der Mechaniker an. Er wird heute mit dem Motor nicht mehr fertig. Es fehlt eine Dichtung , die er bei Volkswagen bestellen muß. Wenn die Dichtung kommt hat er noch eine Menge Arbeit sie einzubauen. Mir passt das gut in den Kram. Morgen hätte ich sowieso keine Zeit zum Taxifahren. Und am Mittwoch sind wieder die Rückfahrten vom Kloster Irsee zum Flughafen.
Mit einer frohen Botschaft kann der Mechaniker dienen; der Motor läuft! Jetzt kann ich nach einem Dankgebet ruhig einschlafen. Gebet und Schlafen - die Mönche toppen uns noch beim Aufstehen, sie müssen für das erste Gebet um 3.00 Uhr aus den Federn.

Samstag, 4. Mai 2013

Passt scho. - Hoffentlich!

Unser Taxi ist jetzt schon seit einer Woche außer Gefecht. Zum Glück kann ich bei den Aufträgen meiner Frau mit ihren Mietwägen mithelfen. Ansonsten habe ich Zwangsurlaub den ich für die Motor- oder Autosuche nutzen kann.
Bis Gestern gab es noch zwei Möglichkeiten.

Wenn wir schnell einen passenden Motor finden, lassen wir ihn einbauen und ich fahre noch mit meinem VW-Bus Taxi bis ich genug für die Anzahlung eines gebrauchten Vianos zusammen habe.



Oder wir verkaufen den T5 ohne Reparatur und kaufen uns gleich einen gebrauchten Viano und lassen ihn zum Taxi ausrüsten. Ich stöbere schon auf den Internetseiten nach einem geeigneten Viano. Ich will einen extralangen Kleinbus mit sieben Fahrgastsitzplätzen. Anders als bei dem Viano, den wir im letzten November kauften, ist die Farbe egal. Als Taxi muß das Auto so wie so mit hellelfenbeinfarbener Folie beklebt werden. Extralange Vianos sind selten. Ich kann bei Mercedes nur zwei finden. Der Erste hat nur vier, und der Zweite nur sechs Sitzplätze. Bekleben, Funk und Taxameter umbauen würde auch noch zusätzlich Zeit kosten.

Die beste Lösung wäre, wir finden schnell einen Motor, und lassen ihn einbauen. So kann ich mit dem VW Taxi fahren, Geld ansparen und die Angebote beobachten. Wenn ich einen passenden Viano finde, kann ich den in aller Ruhe kaufen, folieren und den VW-Bus erst verkaufen wenn am nächsten Tag der Viano einsatzbereit ist.
Unser Mechaniker hat, leider erfolglos, schon nach einem Motor gesucht. Den Angeboten im Internet mag er nicht so trauen. Ein Anbieter aus Berlin hat ihn enttäuscht. Gestern im Schützenverein haben wir von einem KFZ-Meister einen guten Tipp bekommen. Er empfiehlt die Plattform -> autoverwerter.de. Dort geben wir die Daten des Motors ein, den wir suchen. Wichtig ist neben dem Herstellungsdatum, den Anbauteilen, dem Getriebe und der Leistung der Motorcode. In unserem Fall ist das bnz. Heute in der Früh bekam ich schon den ersten Motor angeboten. Einen 2,5 Liter TDI Dieselmotor mit 83 TKM fpr 2,500,-€ brutto. 100,-€ Fracht kommt noch dazu. Wir wollen uns bei unserem Mechaniker treffen. Der begutachtet den Motor. Wenn alles passt, bezahlen wir den Motor bar und der Einbau kann sofort beginnen. Mit etwas Glück schaffen wir das sogar Morgen am Sonntag.

Jetzt genieße ich einen freien Samstagabend und hoffe, daß ich am morgigen Tag des Herrn einen Schritt weiterkomme.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Gefühlsdusche

Jetzt habe ich schon lange nichts mehr geschrieben. Erlebnisse hätte es genug gegeben; die BAUMA, die täglichen Fahrten mit den amerikanischen Fahrgästen zwischen der Messe und Bad Tölz, das Reutbergstüberl, das wir in Bad Tölz entdeckten, meine bisher weiteste Besorgungsfahrt über 240 Kilometer, unsere Hegeschau in Landsberied, der Tontaubenausflug mit Taxibloger Tom, meine neue .38 Special, das unsichere Geld, eine Krankenfahrt nach Bad Reichenhall, unser Osterausflug nach Suhl, ... oder nur der Post, der schon seit Wochen unter dem Arbeitstitel Bayerisch auf meinem Desktop im Dornröschenschlaf weilt.

Aber nichts von alledem konnte mich motivieren meinen Laptop auszupacken und die Finger über die Tasten tanzen zu lassen. Bis ich gestern ein Taxifahrererlebnis hatte, das mir das Adrenalin bis in die Haarspitzen trieb.
Mein Taxi, den VW - Bus hatte ich gerade frisch aus der Werkstatt. Es waren nur Kleinigkeiten. Der Sensor, der das Öffnen der Motorhaube an das System meldet, ein Stellmotor der Klimaanlage im Fahrgastraum und eine Verkleidung in der dritten Sitzreihe wurden ausgetauscht. Der Samstag sollte mir gehören. Ein ganzer Tag in der Woche nur für mich, die wenigen Aufträge, die es gab wollte alle meine Frau fahren. Nachdem ich mich am Vormittag mit meiner Tochter beschäftigte, sollte der Rest des Tages den Jagdbräuchen gewidmet werden.

Am Nachmittag ist unsere Hegeschau in Landsberied im Landkreis Fürstenfeldbruck. Schon am Freitagabend waren wir Jäger aus unserem Revier beim Dorfwirt und haben unsere Trophäen neben den zahlreichen anderen Krickerln aufgehängt. Heute am Samstag, nach den Ansprachen und den Auftritten der Jagdhornbläser wollen wir unsere Schmuckstücke wieder einpacken.

Vorher ist aber noch das jährliche Büchsenanschießen der Deutschen Waidmannsgilde vor dem Aufgang der Bockjagd am 1.Mai. in Hattenhofen. Diesmal sind 15 Mitglieder gekommen. Ich habe mit meiner .308 sitzend aufgelegt fünf Schüsse gemacht. Nach einem Schuß stehend angestrichen auf 100 Meter auf die Ehrenscheibe habe ich noch ein paar Wörter mit meinen Vereinskameraden und unserem neuen Zuständigen für das Schießwesen gewechselt.
Von Schießstand in Hattenhofen nach Landsberied sind es nur zehn Kilometer. Das leichte Rütteln des Motors auf der Fahrt zum Dorfwirt kann ich erfolgreich verdrängen. Nach der Hegeschau und unserer Besprechung bittet mich meine Frau doch noch eine Fahrt zu übernehmen.
Ich soll um 19:30 Uhr vier russische Akrobaten am Künstlereingang in der Kellerstraße des Gasteigs übernehmen und zur MAN nach Karlsfeld bringen. Nach ihrem Auftritt müssen sie schnell wieder zurück in das Gasteig.
Die Zeit geht mir genau aus. Ich übernehme die Fahrt und bin 10 Minuten vor halb acht in der Kellerstraße neben dem Kulturzentrum. Ich warte, es wird halb acht, ich warte weiter um 19:35 Uhr rufe ich die Mobilnummer der Betreuer an.

"Die Künstler kommen gleich."

wird mir erklärt. Nach treffen die Akrobaten bei mir am Taxi ein. Sie sind alle mit weißem Kattun kostümiert. Ihre Ballettschuhe halten sie in den Händen.



Wie lange ich zur MAN brauche, wollen Sie wissen. Ich will keine leeren Versprechungen machen und gebe eine Fahrzeit von 25 Minuten an. Anfangs war ich etwas sauer. Erst lassen sie mich eine Viertelstunde warten und dann täte es auf einmal pressieren. Unterwegs freunden wir uns aber dann doch etwas an, zeigen uns gegenseitig Bilder auf unseren Mobiltelefonen. Der Sprecher der Truppe schärft mir auf den Hinweg schon ein:
"Nach der Show müssen wir ganz dringend so schnell wie möglich zurück in den Gasteig. Dort haben wir unseren zweiten Auftritt."


Ich freue mich schon, daß ich so in den Genuß des Auftritts komme. Bei der MAN senken sich die Poller. Wir fahren direkt vor die Eingangstüre des Truck Forums. Die Gäste die rauchend vor dem Eingang stehen staunen nicht schlecht, als aus meinem Taxi bleich geschminkte und kostümierte Akrobaten springen und an ihnen vorbei in das Forum laufen. Ich stelle das Taxi ab und stelle mich an den Rand des Festbankettes. Nach 15 Minuten werden die Akrobaten angekündigt. Leichtfüßig kommen sie auf die Bühne und beginnen gleich damit Pyramiden zu bauen und sich gegenseitig durch die Luft zu werfen. Die Show dauert nur fünf Minuten. Ich gehe schon langsam an die linke Seite der Bühne, von der aus die Künstler die Bühne betreten hatten, um sie wieder in Empfang zu nehmen. Die vier Akrobaten aber, warten nicht mal das Ende ihres Applauses ab. Sie laufen und springen durch die klatschenden, begeisterten Zuschauer in Richtung meines Taxis. Ich verfluche mein schmerzhaftes Knie, ich kann ihnen kaum folgen. Draußen warten sie schon ungeduldig neben dem VW-Bus. Ich öffne mit der Fernbedienung im Schlüssel die Türen, bis die Künstler sich ihre Jacken übergeworfen haben, sitze ich schon hinter dem Steuer. Wir haben noch dreißig Minuten bis zu ihrem zweiten Auftritt im Gasteig. Die Sicherheitskräfte haben unsere Eile bemerkt. Bis wir an der Ausfahrt sind, sind die Sperrpoller schon blinkend im Boden versunken. Schnell fahre ich auf die Autobahn. A 99 bis nach Fröttmaning - die A9 einwärts - Isarring - Ifflandstraße - Oettingenstraße - Steinsdorfstraße - Ludwigsbrücke - Kellerstraße; so ist der Plan. So können wir es rechtzeitig bis zum zweiten Auftritt schaffen.


Ich fahre an der Anschlußstelle Ludwigsfeld auf die A99. Wir sind alle guter Stimmung weil wir absehbar unseren Zeitplan einhalten können. Langsam gebe ich Gas. Die Tachonadel steigt auf 160 Km/h. Plötzlich beginnt der Motor laut zu rattern. Im Rückspiegel sehe ich wie sich weißer Rauch hinter meinem Taxi ausbreitet. Die nachfolgenden Fahrzeuge hupen und blenden auf. Mir wird es heiß und kalt. Wären meine Fahrgäste nicht weiß geschminkt, würde ich ihr Erbleichen sehen. Wir werden langsamer. Nervös blickt mein Beifahrer auf seine Uhr. Die Tachonadel pendelt sich auf 60 Km/h ein. Ich setze alles auf eine Karte - Durchkommen! Wir öffnen die Heizungsventile und die Fenster. Die Hitze muß abgeführt werden. Der Motor rattert und knattert. Ich rufe Vesna an. Sie kommt mit dem Viano, unserem Mietwagen, an die Bavaria-Petrol Tankstelle an der Ingolstädter Straße. Mein Beifahrer telefoniert mit seiner Agentur. Ich versuche ihn zu beruhigen, er will es mir noch nicht so recht glauben. Ich verlasse die A99 an der Ausfahrt Neuherberg. Bei jeder Ampel dauert es eine gefühlte Ewigkeit bis das Taxi auf die Geschwindigkeit von 40 Km/h kommt. Immer wieder fragen die Künstler:

"Wo ist die Tankstelle ? Ist es noch weit? Wie viele Ampeln noch? Ja, wo ist jetzt die Tankstelle?"

Irgendwie wollen sie mir nicht glauben. Als ich auf die Tankstelle rolle, sehe ich schon meine Frau mit dem Viano bereit stehen. In Sekunden wechseln wir das Auto. Die Fahrt geht weiter. Meine Gäste sind sichtlich beeindruckt von der Organisation und schon etwas ruhiger. Sie erzählen mir von ihrem Unglück, daß sie am Vortag hatten. Während der Vorstellung wurde ihnen aus der Garderobe ihre Gage in Höhe von 9.000,- € und ihre Kreditkarten gestohlen. Die Münchner Polizei hat die Videobänder schon ausgewertet. Es ist deutlich zu erkennen wie ein junger Mann ihre Garderobe betritt und nach sieben Minuten wieder seelenruhig verlässt und durch den Künstlereingang verschwindet. Tja, Minuten - wir haben noch zwölf Minuten bis zum Auftritt. Mein Beifahrer steht in ständigem Telefonkontakt mit der Regie. Wir sind schon in der Steinsdorfstraße - wir werden es schaffen. Ein Pling! aus dem Lautsprecher des Autos lässt uns alle noch einmal kurz aufwerfen. Mein Beifahrer hat sich nur auf der Ludwigsbrücke schon abgeschnallt. Nach dem Erlebnis und der Schrecksekunde müssen wir alle kurz lachen.
Eine Minute später stehen wir schon wieder vor dem Künstlereingang. Wir verabschieden uns kurz und herzlich. Uns tut es fas schon etwas leid, daß wir uns so schnell trennen müssen. Ich wünsche meinen neuen russischen Freunden noch viel Glück, und daß sie wieder zu ihrer Gage und Kreditkarten kommen.
Am nächsten Morgen nutze ich den verkehrsarmen Sonntag um mein Taxi nach Engelschalking in die Werkstatt zu fahren. Mit letzter Kraft erreiche ich die Werkstatt. Beim Einparken stirbt mir der Motor dreimal ab. Am Montag treffe ich den Mechaniker. Er lässt den Motor fünf Sekunden laufen und meint dann:

"Das ist nur ein Kabel. Das kostet 100,- €."

Ich will es, kann es aber nicht, glauben. Noch mal schildere ich ihm den Vorfall auf der Autobahn. Er nickt nur:

" Ja, ja, das Kabel"

Beruhigt freue ich mich so glimpflich davongekommen zu sein und fotografiere zufrieden einen alten Saurer LKW im Hof der Werkstatt. Die kalte Dusche erreichte mich dann erst am Dienstag, während eines Auftrags, in Penzberg. Der Mechaniker hat einen Motorschaden festgestellt. Jetzt hänge ich noch in der Luft und warte jede Stunde auf die Nachricht wie viel ein Austauschmotor kostet.

Wäre ich schlau gewesen, hätte ich den VW-Bus nach vier Jahren ausgetauscht. Es fehlt nicht viel und die Reparaturkosten übersteigen die Finanzierungsraten eines neuen Taxis.