Mittwoch, 24. Juli 2013

Ra-men (Nudelsuppe)



- Heßstraße 71, Takumi -

steht auf dem Display meines Datenfunkgerätes.  Den Auftrag habe ich am Josephplatz bekommen. Unserem Taxistand in der Maxvorstadt. Die Adresse kenne ich. Nachdem unsere Taxifirma zunächst in der Theresienstraße und nach dem Umzug in der Schleißheimer Straße war, liegt der Asiate genau in unserem Gau. Wir haben öfter unsere Mittagspause bei dem Chinesen Heß-/Ecke Schleißheimer- zugebracht. Der Name des chinesischen Restaurants war mir nicht mehr geläufig, aber Takumi hört sich asiatisch an. Dazu noch die Adresse; Heßstraße 71. Ich war mir ziemlich sicher, daß muß unser Chinese sein.

Ich bleibe vor der Tür stehen. Das Wirtshausschild hat gewechselt. Bevor ich in den Gastraum komme, zwänge ich mich durch wartende Gäste. Die stehen im Vorraum und warten auf Tische die frei werden. Ich melde mich beim Kellner. Jetzt wir mir klar, ich bin beim Japaner. An den vollbesetzten Tischen sitzen die Gäste. Jeder hat eine Suppenschüssel vor sich stehen.

Als Jugendlicher habe ich einen Film gesehen, ich glaube er hieß Pappilon. Es war eine Liebesgeschichte in einem Vorort einer japanischen Stadt. Lokales Zentrum der Handlung war ein kleiner, etwas schäbiger Imbiss, in dem Nudelsuppe verkauft wurde. Interessiert habe ich gesehen, wie die Japaner ihr Suppe mit Stäbchen aßen. Sie legten die Stäbchen quer über die Schüssel und schlürften laut die Suppe. Mit den Stäbchen hielten sie die Einlage zurück. Später dann fischten sie das Fleisch, die Eier oder die Nudeln aus der Brühe. Die Nudeln werden auch geschlürft und einfach über der Schüssel abgebissen. Ich fand mich sofort an die Szenen des Films erinnert. 

Taxi vor dem und für die Japaner

Von der dunklen Einrichtung aus dem schweren Holz des Vorgängers war nichts mehr übrig. Die Tische und Stühle sind aus hell lackiertem Holz. Die einzige Sichtblende ist zwischen dem Gastraum und dem Vorraum, in dem die künftigen Gäste warten.

Die gewellten, im Querschnitt viereckigen Nudeln, werden in Japan, in Sapporo, aus Weizenmehl und Eiweiß (ohne Dotter) gefertigt. Sapporo ist seit 1972 Partnerstadt Münchens. Damals teilten sich die beiden Städte die olympischen Spiele. Die Sommerspiele fanden in München und die Winterspiele in Sapporo statt.
Die Brühe der Suppe wird einen ganzen Tag lang gekocht. Nach der kulinarischen Tradition in Sapporo kommt auf die Brühe noch Schmalz mit Zwiebeln und Knoblauch. Das soll die Suppe bis zum letzten Schluck warm halten. Die Suppen werden auf drei verschiedene Geschmacksbasen zubereitet. Diese Dreiteilung habe ich bei mindestens zwei weiteren japanischen Restaurants gesehen. Das scheint ein Grundsatz in der japanischen Suppenküche zu sein. Als da wären Shoyo (auf der Basis von Sojasoße), Shio (auf der Basis von Salz) und Miso (auf der Basis von Sojapaste). Die Gäste können ihre Suppen selbst kombinieren. Als Einlage wird Ei, Schweinefleisch, Hähnchen, Seetang angeboten. Die Preise liegen so um die 10,- € für die Schüssel.

Der Kellner zweigt mir meine Gäste. Eine original japanische, vierköpfige Familie. Ich bringe sie zu einem guten Hotel in der Innenstadt. Sie kennen das Takumi schon aus Düsseldorf, der japanischsten der deutschen Städte.

Dienstag, 16. Juli 2013

So la la der Sola



Wir haben es deutlich bequemer. Wir sitzen im klimatisierten Taxibus  und fahren von Eichstätt her über das Altmühltal nach Solnhofen.

Taxi Blog Solnhofen


Der Mönch Ermanrich, der vor über 1000 Jahren die gleiche Strecke gekommen ist um den Hofkaplan Gundram zu besuchen, bedankt sich beim Allmächtigen Gott, daß er und sein Pferd den steilen, engen Pfad bewältigt haben, ohne daß sie sich blutige Füße und gequetschte Nasen (gebrochene Beine und Nasen)  geholt hätten. Der Hofkaplan, den sie besuchen, ist von der Gegend auch nicht begeistert. Kann er doch in “dieser verlassenen Einöde nur Fichten und Felsen anstarren“. Er ist ja nur hier, weil es ihm sein König Pippin geheißen hatte und  seines Onkels Rabanus Maurus zuliebe.

Ich lenke mein Taxi durch Solnhofen. Dabei halte ich Ausschau wo ich frühstücken kann. Zuerst wollen meine Gäste aber auf den Maxberg. Dort haben meine Fahrgäste einen Termin bei der -> SSG, der Solnhofen Stone Group. Wir überqueren die Brücke und fahren durch eine enge Straße den Berg hoch zu den Steinbrüchen, in denen die Solnhofer Jura-Platten gebrochen werden.

Dem Mönch Ermarich haben wir auch die meisten der spärlichen Daten über den Lebenslauf Solas, dem wahrscheinlichen Namensgeber des Ortes zu verdanken. Wie oft in Bayern wurde diese Gegend im 8. und 9. Jahrhundert durch  angelsächsische Mönche missioniert. Die Taxifahrer am Flughafen kennen alle den heiligen Bonifazius. Er ist oft mit seinem Bären dargestellt. Auf dem Schild neben dem Flughafenzubringer ist der Bär mit dem Gepäck auf dem Rücken auf dem Freisinger Wappen zu erkennen. Jener Bonifazius hat sich  Unterstützung, um die  störrischen, heidnischen Bajuwaren und Franken zu bekehren, aus seiner englischen Heimat geholt. Seinem Ruf folgten Wilibald, Wunibald und Sola in das Altmühltal.

 
Solnhofen. Das kleine Haus rechts ist mit Steinplatten gedeckt.

Englisch spreche ich auch mit meinen Gästen aus dem fernen Malaysia. Ich habe sie vor dem Büro im Steinbruch  aussteigen lassen. Habe ihnen meine Karte gegeben, falls sie hier vor Ort mein Taxi bräuchten. Und nachdem ich sie ihrem Gesprächspartner übergeben hatte, mache ich mich gleich auf den Weg zurück in das Dorf zu einer Bäckerei, die ich mir bei der ersten Durchfahrt auserkoren hatte. Ein Parkplatz lässt sich leicht finden. Auf der Terrasse verzehre ich mein Frühstück. Dabei schaue ich über die Altmühl und ein Bahngleis auf eine Kirche und ein Kloster. Das große Hinweisschild Zur Solabasilika macht mich neugierig. Nach dem letzten Schluck Kaffee gehe ich über die Brücke in den Ortsteil auf der anderen Seite der Altmühl. 

Solnhofen Taxi Blog
Apsis der Sola-Basilika
Zwischen zwei Wohnhäusern findet sich ein schmaler Durchgang zu einer evangelischen Kirche. Gleich hinter der Kirche betrete ich eine Plattform, von der aus ich auf die Ausgrabungen der Solabasilika blicken kann. Die ersten Grundmauern der schlichten Kirche stammen aus dem 7. Jahrhundert. Interessiert studiere ich die Informationstafel. Die verschiedenen  Bauabschnitte sind dort auf einem Plan in verschiedenen Farben markiert. In einer Wand ist eine Tomba. Hier soll Sola bestattet sein.
Es ist nicht ganz klar ob Sola dem Ort Solnhofen seinen Namen gegeben hat oder andersherum. Ob Sola schon in England Sola hieß, bleibt auch im Dunkel der Geschichte. Unser Mönch Ermarich vom Anfang dieses Posts, nennt ihn in seinen Schriften Solon oder Solus (lat. Allein). Überliefert sind noch die Namen Sualo in der althochdeutschen, oder Suolo in der gotischen Fassung. Falkenstein leitet den Namen gar von Sol (der Sonne) ab.

 
Gleichwohl gibt der kleine Fluß Suala, der in die Wörnitz mündet, dem Gebiet den damaligen Namen Sualafeldgau. Sola selbst nennt das Dorf in seinen Schriften Husen, was nichts anderes als Häuser bedeutet.
Nach meinem Besuch der Solabasilika bleibt mir noch Zeit die Steinbrüche auf dem Maxberg zu erkunden. Ich finde einen Steinbruch mit einer Hinweistafel zu den geologischen Ursprüngen und der Entstehung des Solnhofener Platenkalks. Aus dem Steinbruch höre ich ein metallisches

Pling  … Pling  … Pling

Taxi Blog Solnhofen
Steinbruch auf dem Maxberg in Solnhofen

Ich gehe soweit es mir die Absperrung erlaubt nach vorne um in den Grund des Steinbruchs  blicken zu können. Dort unten steht ein Gabelstapler mit einer Holzgitterkiste auf den Zinken. Davor bückt sich ein braungebrannter Arbeiter, nur mit kurzer Hose, Arbeitshandschuhen   und schweren Stiefeln bekleidet,  auf den Boden. Er schlägt mit Hammer und Meißel die einzelnen Platten ab und legt eine nach der anderen vorsichtig in die Holzkiste auf dem Gabelstapler. Das erklärt wohl auch den hohen Preis für die Solnhofer Juraplatten – die teure Arbeitskraft. Mit viel Mühe müssen die Platten mit Fleiß und Geduld aus dem voneinander geschlagen werden.

Nicht viel anders muß zu Solas Zeiten hier gearbeitet worden sein. Solas Vermächtnis und Testament ist bekannt. In Solnhofen hat er es zu etwas Reichtum gebracht. Historiker vermuten, daß das Erträge aus den damals betriebenen Steinbrüchen gewesen sein müssen. Den größten Teil seines Erbes hat Sola seinem Stammkloster in Fulda vermacht. Die Fuldaer Mönche haben einen Teil des Sola- Erbes wieder an Solnhofen zurückgegeben. Die Klosterabtei hat dort ein Benediktinerkloster errichtet.

Am Abend bringe ich meine Gäste wieder zurück. Nach einem kurzen Abstecher zum Flughafen fahre ich die Malaien in ihr Hotel in der Schwanthaler Straße. Hier in München können sie auch das köstliche Brot probieren, das es hier in den Läden der Solnhofer Klosterbrot – Bäckerei gibt. Die Bäckerei entstand aus dem Kloster, dessen Grundkapital das Sola-Erbe war. Das hätte sich unser Mönch Ermanrich vor über 1000 Jahre nicht träumen lassen.  

Montag, 15. Juli 2013

Alte Technik


Neue Technik - alte Botschaft.
Christliches Grafito, Schablone und Spraydose, an der Heilig-Geist-Kirche. 

Sonntag, 14. Juli 2013

Chronologisches



“Die kommen dann mit einem Cello und 18 Gepäckstücken.“ 

Das ist eine Bestellung! 18 Gepäckstücke und sechs Personen. Die sechs Personen mit üblichem Gepäck hätten in meinem Taxi Platz, aber 18 Gepäckstücke und ein Cello, dazu ist selbst mein Taxibus zu klein. Also warten wir am Sonntagabend zu zweit am Terminal 2 des Flughafens München auf die Maschine aus Kiev. In der Hand halten wir ein Blatt Papier auf das wir -Kronos- aufgedruckt hatten. Das wäre gar nicht nötig gewesen, sechs Personen mit viel Gepäck sind selbst am Sonntagabend im Flughafen nicht zu übersehen.

Da kommen sie schon, sie haben unser Schildchen gesehen. Eine bunte Truppe, jeder schiebt und zieht einen voll beladenen Gepäckwagen. Auf dem Parkplatz beladen wir die Fahrzeuge. Sunny möchte ihr Cello nicht in den Gepäckraum legen und setzt sich ohne den sperrigen Kasten aus ihren Armen zu lassen in den Fond des Viano. Noch eine letzte Kontrolle, die Fahrt kann beginnen. Wie während der letzten Wochenenden ist die Auffahrt auf die A9 vom Flughafen kommend gesperrt. Wir bringen unsere musikalischen Gäste über das Land in ihr Hotel in der Ismaninger Straße.  Das Quartett spielt in und auf den Festivals und Konzertsälen auf der ganzen Welt. 1973 wurde das -> Kronos in Seattle gegründet. Seit 1978 sind sie in San Francisco beheimatet. Jetzt kommen sie im Rahmen ihrer Jubiläumstour 40 Jahre Kronos zu uns  nach München. 

Von links nach rechts 
Neff, Management / Light 
David Harrington, Violine
Sunny Jungin Yang, Violocello
Reinhold Siegel, Taxilenkrad
Hank Dutt, Viola
John Sherba, Violine
Vesna Siegel, Foto 


John sitzt hinter mir auf der Rückbank. In seiner Hand hält er Ausdrucke mit Zahlenkolonnen. Er murmelt unentwegt “O – two – two – O – three – four – O – six –three – nine – nine …“ Sie spielten im Concertgebouw / Amsterdam, in der Carnegie Hall, in der Barbican / London und gestern auf einem Festival in Kiev. Am 08.07 sind sie im Prinzregententheater . Neff, meinem Beifahrer, informiere ich, daß ich im Internet herausgefunden hätte, daß sie eine der bedeutenden Jazz – Formationen seien.
“Not only Jazz, also classic, film-music, pop, …“ gibt er mir einen kurzen Einblick über ihr vielgefächertes Repertoire von barocker bis zeitgenössischer Musik. 2003 wurde das Quartett von Musical America zu „Musicans Of the Year“ ausgezeichnet.



Am Dienstag holen wir die Musiker um 4:30 Uhr wieder von ihrem Hotel ab. Uns graut es schon vor dem frühen aufstehen. Wir haben am Vorabend keine späten Aufträge, und können daher früher ins Bett gehen. Unsere Fahrgäste mussten aber auf der Bühne des Prinzregententheaters ihre Show geben, während wir uns im warmen Bett fläzen konnten. 

Die morgendliche Fahrt zum Flughafen war bedeutend ruhiger und schneller als die Fahrt am Sonntag in die Stadt. Das lag nicht nur daran, daß die Autobahn wieder offen war. Trotzdem haben alle noch Zeit zwischen dem Ausladen sich mit mir zu einem Foto aufzustellen. Und sie lächeln sogar. Heute am 14.Juli geben sie schon wieder ein Konzert – diesmal in San Francisco, ihrer Heimatstadt.  

Montag, 8. Juli 2013

Gegrillt wird



Wir wollen grillen. Unsere Facebook-Gruppe Taxikollegen München. Der Termin war ja am Samstag vor einer Woche anberaumt aber der Regen hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Über unserenFacebook-Account hat Aydin eine Abstimmung über den Ort angeregt. In die engere Auswahl kamen drei Seen im Münchner Norden und der Flaucher (Isarufer in München). Gewonnen hat der Langwieder See neben der Autobahn Richtung Stuttgart. 

Ich muß gestehen; ich war schon am Vorabend bei einem Grillfest. Ein Taxikollege hat einen kleinen Schrebergarten. Dort trafen sich altgediente Taxifahrer zu einem Umtrunk, wie es ein Teilnehmer nannte. Entgegen meiner Statur und Herkunft, bin ich kein Biertrinker. Eine Maß reicht mir bis unter die Haut. Natürlich waren die Kollegen neugierig was denn mit unserer Genossenschaft im Moment los sei. Ich hatte aber an diesem Tag die Situation schon ca. 15 Mal am Telefon dargelegt und hatte keine große Lust auf Gewerbepolitik. Politisiert haben wir dennoch, und zwar ob Kurt Eisner der größte Strolch der Geschichte oder Held und Märtyrer unserer bayerischen Heimat sei. Sowas gefällt mir, mit dunklem Bier im Steinkrug in der lauschigen Laube sitzen und politisieren.

Als Überraschungsgast tauchte dann plötzlich noch der Metzger-Rudi auf. Wir haben uns schon seit 15 Jahren nicht mehr gesehen. In der Schmellerstraße, in der Wirtswohnung des Lokals Reichskrone, hatte einer unserer Fahrer und ich Quartier bezogen. Mit der Paulaner-Brauerei als Vermieter und direktem Zugang zum Wirtshaus, ließ sich im Münchner Schlachthofviertel gut leben. Der Reichskronen-Wirt ging, der Metzger-Rudi kam. Das schon Jahrzehnte alte Wirthausschild Reichskrone wurde durch Zum Metzger-Rudi ersetzt. Wirt und Schild wechselten, wir blieben noch ein Jahr unter den Fittichen der Brauerei bis sich Waldi nach Ulm und ich mich in den Harthof verzogen. Von da an verloren wir auch den Metzger-Rudi aus den Augen. Später fand ich dann sein Schild „Zum Metzger-Rudi“ an einem Biergarten an der Freisinger Landstraße auswärts. 

Seit drei Jahren hat der Rudi wieder ein Lokal. Diesmal in der Schrebergartenanlage des Kleingartenvereins No. 221 am Joseph-Dollinger-Bogen in München/Freimann. In dieser Kleingartenanlage hat der Taxikollege einen Schrebergarten und so kam der alte Kontakt wieder zustande. Nach dem Umtrunk in der Gartenlaube  feierten wir unser Wiedersehen im Biergarten des Metzger-Rudis weiter.

Am nächsten Tag, am Samstag grillen wir schon wieder. Dazwischen erledige ich noch eine Stunde Papierarbeiten bevor ich mich endlich zum See losreißen kann. Jetzt nur noch schnell rüber zum V-Markt Gemüse, Getränke, Kekse und Mückenspray einkaufen, Salat machen und ab zu den Taxikollegen. Nach der Ausfahrt Langwied musste ich noch zwei Mal Aydin anrufen, bis ich unsere Gruppe auf der Wiese fand. Inzwischen war auch schon der halbe Aufsichtsrat der Taxi München e.G. anwesend. Aus Germering kam Torsten, der Chef von -> Taxi Hempel
Bei der Besetzung  spielte das Thema Kurt Eisner keine Rolle mehr. Am Rande der Feier wurden gewerbepolitische Diskussionen unter anderem mit Thomas Gollman-Günthert, dem Vorschlag des Aufsichtsrats zum Vorstand, erörtert. 
  Ein Faß Bier stand auf einem Bierkasten. Servet stand am Grill und briet Köfte. Im Schatten zwischen den Bäumen hatten wir unsere Decken ausgebreitet. Jeder hatte etwas zu Essen mitgebracht. Die Salatauswahl braucht den Vergleich mit einem Hotelbüffet nicht zu scheuen. In zahlreichen bunten Schüsseln stand Paprika-, Gurken-, Tomaten-, Bulgur-, Nudel- und Kartoffelsalat unter dem Grill. Fladenbrot mit Sesam gab es in rauhen Mengen. Hühnchen, Lamm- und Rindfleisch vom jeweiligen Grillmeister köstlich zubereitet wartet auf den Verzehr. Neben dem Bier, das sich durch eine chemische Reaktion im Faß selbst kühlte, gab es noch Wasser, Kola und Limonade für jeden Geschmack. Die reichhaltige Auswahl beschreibe ich nicht nur um den Taxifahrern, die abgesagt haben, ein schlechtes Gewissen einzureden.

Servet grillt, Max winkt, Werner trinkt, Raki-Tisch singt 

 Schon während des Nachmittags wurde eine Saz herumgereicht. Drei Kollegen zupften jeweils auf dem Saiteninstrument anatolische Weisen. Jetzt am Abend kam noch ein Profimusiker zu uns. Er hatte schon ein paar Auftritte im Rundfunk. Gut gelaunt stimmen die Kollegen in die Lieder ein. Ich kann nur den Refrain von einem türkischen Lied. „Araba“ von Mustafa Sandal. 1995 war das in der Türkei ein großer Hit. Irgendwo habe ich auch noch eine CD von dem Sänger. Von dem Booklet habe ich den Text. Es geht um ein Auto (ein schönes, ein schönes), einem Chauffeur (einem speziellen, einem speziellen) wenn der Gas gibt, dann geht was (geht was, geht was). Als ich singe, begleitet mich der Saz-Spieler gekonnt auf seinem Instrument. Leider kann ich nur ein paar Takte des Textes. Es reicht aber, mich an Erlebnisse zu erinnern, die schon 15 Jahre zurückliegen. Jetzt habe ich endlich ein verbindendes Element zwischen den zwei anfangs so verschiedenen Grillabenden gefunden.

Nach einem kurzen Bad im Langwieder See, setze ich mich zu unseren Freunden an den Raki-Tisch. Zu der Löwenmilch (Anisschnaps on the rocks mit eiskaltem Wasser) gibt es würzigen, weißen Käse, den ich mit einer Gabel von einem großen Leib breche. Bis wir alles wieder aufgeräumt, restliche Essen verteilt und das leere Faß zurückgebracht haben, ist es schon halb elf geworden. Nach einem letzten Kaffee bei Aydin bin ich um Mitternacht nach Hause gekommen.

An diesem langen Tag wurde ich wieder an etwas erinnert; nie die Suche nach etwas Verbindendem aufzugeben. Und wenn es der Metzger-Rudi und Mustafa Sandal ist - über Kurt Eisner werden wir uns aber noch eine Meinung bilden müssen.