Donnerstag, 14. November 2013

Alles Chicago



Ein Geländewagen beschädigt ein Taxi. Die am Unfall beteiligten bleiben stehen und tauschen ihre Personalien aus, vielleicht wird noch die Polizei gerufen und der eine oder andere Zeuge protokolliert. Den Rest machen die Versicherungen unter sich aus. So wird das bei uns ausgehen.

Anders war das letzte Woche in Chicago; ein SUV beschädigt ein Taxi. Der Taxifahrer steigt aus. Der SUV Fahrer bleibt im Wagen sitzen und will abhauen. Der Taxifahrer versucht (mit seiner Taschenlampe?) den Unfallgegner zu stoppen. Und das kommt dabei raus ...  




4:0



4:0 für uns Bayern. Ich denke nicht an die Fußballer von unserem roten Sportverein, sondern für uns Bürger, Sportler, Naturfreunde und  Taxifahrer.

Der Volksentscheid zur Olympiabewerbung der Städte und Landkreise Berchtesgaden, Garmisch-Partenkirchen, München und Traunstein war letztes Wochenende. Das Ergebnis; die Mehrheit der Bürger aller vier Kommunen haben sich gegen Olympia 2022 in Bayern entschieden. Dabei hätte es genügt wenn einer der vier sein Veto eingelegt hätte um uns vor den Winterspielen zu bewahren.
Alles wurde  von Seiten der Großkopferten versucht, ihren Spießgesellen vom Olympischen Komitee unser Geld zuzuschieben. In dem amtlichen Aufruf zum Bürgerentscheid, der uns allen zugeschickt wurde, fanden sich ausschließlich Argumente für die Olympiade. Die S-Bahnfahrer waren Pro-Olympia-Durchsagen aus den Lautsprechern ausgesetzt. In Leserbriefen beklagten die Münchner diese Art der Bevormundung.
Trotzdem siegte die Vernunft. Die erste frohe Botschaft kam aus Garmisch - Nein! Weitere folgten. Nicht eine der vier Kommunen stimmte für den Olympiawahnsinn. Die Gemeinden hätten, so einer der Knebelparagraphen der IOC Direktive, für Schneesicherheit sorgen müssen. Für den Betrieb der Schneekanonen hätten riesige künstliche Wasserspeicher im Bergwald angelegt werden müssen. Letztes Weihnachten hatten wir 19 Grad Celcius plus(!)  in München.

Zwischen den Ausrichtungsorten wird die Einrichtung von durchgehenden Olympic-Lanes verlangt. Diese Lanes dürfen ausschließlich Funktionäre und Sportler in Fahrzeugen der Sponsoren benutzen.  Wir Taxifahrer und Steuerzahler dürfen uns in den Stau stellen. 155 Kilometer beträgt die Entfernung zwischen München und Berchtesgaden.  Das IOC übrigens, beansprucht für seine Gewinne Steuerfreiheit. Die Auswirkungen der olympischen Verkehrspolitik auf die Taxifahrer in London könnt ihr noch mal -> hier nachlesen.
Aus dem Taxifenster - Hofdurchfahrt in der Orleonstraße

Imagegewinn und Nachhaltigkeit - waren die Haupttotschlagargumente des internationalen  Sportkapitalsyndikates, die angesichts der oben genannten Fakten dahinschmelzen wie der künstliche Schnee unter der Dezembersonne.

Die Warnung vor dem schmierigen OIC gilt jetzt für die nächsten potentiellen Candidate Cities; Lwiw, Krakau, Almaty, Krakau, Peking oder Oslo.
Einen schönen Titel haben wir jetzt schon, wir Bayern. Nein, diesmal wieder nicht die Fußballer. Der F.C. Bayern hat heuer schon drei Titel gewonnen.  Wir sind mit 40 % aller Volksentscheide zumindest Deutschlandmeister.
     

Samstag, 9. November 2013

Update Delivery



Der Taxameter wird am Standplatz umprogrammiert


Der Kollege neben mir schreckt auf. Er hat sich im AGIP - Speicher am Flughafen auf dem Beifahrersitz seines Taxis mit geschlossenen Augen etwas zurückgelehnt.
Ein Mitarbeiter von Ersan klopft an seine Scheibe. Er hat ein Klemmbrett, einen Stift und einen Taxifahrergeldbeutel in der Hand. Bei dem Anblick entfährt dem aufgeschreckten Kollegen ein leises

"KVR?!" 

Damit meint er das Kreisverwaltungsreferat München, das uns Taxifahrer gelegentlich kontrolliert. Ersans Kassierer sieht auf den ersten Blick mit seinen Utensilien aus wie ein Kontrolleur dieser Behörde. Gleich klärt er den Kollegen, der jetzt erst so richtig wach wird, auf. 

"Ist das dein Auto?"; fragt er als erstes.

Der tschechische Kollege bejaht.

"Dann können wir jetzt deinen Taxameter auf den neuen Tarif programmieren. Das kostet 40,-€. Bezahlen kannst du gleich bei mir. Ich schick dir dann gleich jemanden vorbei, der dann deinen Taxameter umstellt." 

Daß Ersan, der in Münchner Taxireisen bekannte Autoelektriker und Einbauspezialist, heute mit seiner Mannschaft zum Flughafen kommt, weiß ich auch erst seit einer halben Stunde. In unserem AGIP - Container habe ich einen Aushang gelesen, in dem angekündigt wurde, daß Ersan heute den ganzen Tag bei uns auf dem AGIP -, und morgen auf dem T1 - Speicher ist. 

Ich habe auch schon bezahlt und meine Quittung bekommen. Eine Minute später sitzt Ersans Sohn mit seiner kleinen Holzkiste voller Werkzeug neben mir auf dem Beifahrersitz. Er entfernt eine kleine Platte an der Frontseite des Taxameters. In seinen kleinen schwarzen Kästchen steckt er eine kleine silberfarbene Scheibe in der Größe einer 1,- € Münze. Ich denke er muß bei mir seine Equipment wechseln weil ich einen Taxibus habe. Im Gegensatz zu den Taxiuhren in den PKWs gibt es bei mir eine Funktion mit der ich die 5,- € Buszuschlag drücken kann. Die Höhe des Buszuschlags ist auch bei dem neuen Taxitarif bei  5,- € geblieben und er wird auch wie früher fällig, wenn der fünfte Fahrgast zusteigt.


Instandsetzerplakette - gültig bis zum Eichtermin
Im Nu ist meine Taxiuhr umprogrammiert. Ersans Sohn befestigt wieder die schwarze Frontplatte und versiegelt sie mit dem dreieckigen, roten Instandsetzerkennzeichen. Ich darf damit bis zum nächsten regulären Eichtermin abrechnen. Bei meinem Model, einer HALE - Microtax 05, muß ich nur noch um Mitternacht zum 01.12. eine Tastenkombination drücken und der -> neue Taxitarif ist aktiv. Bei den neueren Modellen oder den Spiegeltaxametern kann man sich die nächtliche Druckerei sparen.

Sparen können wir uns auch das Anstellen vor der Werkstatt der Gebrüder Fuchs in der Utzschneiderstraße. Vor jeder Taxitarifumstellung stauten sich die Taxis bis hinaus auf den Altstadtring. Über eine ganze Woche rangierten die hellelfenbeinweißen Fahrzeuge in dem kleinen Hinterhof. Mit Kienzle-Uhren hatten wir das gleiche Prozedere in der Birkerstraße. Dort war ausreichend Platz für uns und unsere Autos. Ich kann mich auch noch an eine Umstellungsaktion in der Muthmannstraße erinnern. Dorthin war die Firma Kienzle nach der Birkerstraße hingezogen.  Die Kienzle - Leute hatten dort ein weißes Partyzelt aufgestellt. Wir standen in einer langen Reihe vor dem Zelt und wurden wie am Fließband abgefertigt. Alleine in München gibt es 3.600 Taxis, die aktuelle Tarifumstellung betrifft nicht nur die Taxis München Stadt, sondern auch die Landkreise München, Erding und Freising. Ich schätze mal es müssen über 4.000 Taxis umgestellt werden. Die Idee dorthin zu kommen, wo gleich über 500 Taxis über drei Stunden stehen, hatte bis jetzt außer Ersan niemand.  
Inzwischen ist auch die Uhr meines tschechischen Kollegen fertig. Ich kann mich nur seinem Urteil anschließen. Er meint; 

"Das ist Service!"

Samstag, 2. November 2013

Rat für Räder



Klaus, ein langjähriger Kollege und Flughafentaxler, hat sich ein neues Taxi gekauft. Zum ersten Mal  einen Taxibus. Seine Wahl fiel auf einen Mercedes Vito mit Allradantrieb.
Offensichtlich hat er Probleme mit der Spureinstellung  an der Vorderachse seines neuen Fahrzeuges. Er hat schon fleißig Leidensgenossen gesucht und gefunden, die mit ihren Vitos die gleichen Probleme haben. Klaus hat mich gebeten seinen Bericht von seinen bisherigen Erfahrungen in meinem Blog zu  veröffentlichen. Sein Text enthält wichtige Informationen für uns Taxifahrer, da wir früher oder später alle eine Entscheidung treffen müssen, welches Auto wir uns zulegen. Der folgende Beitrag stammt von Klaus.


Hallo, Mercedes - Benz VITO Besitzer!
Mercedes Benz-Vito Debakel (Spur oder Reifen defekt?).
Am 10.04.2013 nahm ich meinen NEUEN MB-VITO als Taxifahrzeug in München in Betrieb. M-MB 865 / KDNr. 22688310 /  Ident. Nr 63970113

Bereits nach zwei Monaten fuhr ich zu dem MB-Vertragshändler Nagel in Neufahrn, da sich bei meinem Fahrzeug die beiden vorderen Reifen stark wellig abfuhren und sich an den Innenrillen des Profils enorme Sägezähne entwickelten. Der Werkstattmeister meinte jedoch, zu meiner völligen Überraschung:
DIES SEI GANZ NORMAL, ? ICH MÖGE DIE REIFEN AUF ÜBER DREI BAR LUFT AUFBLASEN; DANN WÜRDE SICH DAS AUSGLEICHEN.

Klausens Mercedes mit der leidigen Vorderachse

Bei einer Achsvermessung kam heraus, daß beide Vorderräder schon ab Werk falsch eingestellt waren. (Räder liefen nach Aussen).
Die Achsvermessung wurde auf Garantie vorgenommen, jedoch wurden zwei neue Reifen verweigert, mit der Begründung, es könne auch an den Continental Reifen liegen, daß sich die Sägezähne bilden.
In München wurde vor kurzem eine neue MB-TAXI-Servicestation eröffnet, dort sprach ich mit meinem Anliegen bei dem Meister vor.
Dieser meinte, JA DAS PROBLEM SEI WOHLBEKANNT; JEDOCH MAN KÖNNE DA LEIDER ÜBERHAUPT NICHTS MACHEN !!!
Auf meine Frage, ob ich mir alle zehn- bis fünzehntausend Kilometer neue Vorderreifen kaufen sollte, meinte der Meister, darauf wird es hinausgehen.

Ich hätte mir nicht vorstellen können, daß Mercedes - Benz ein Modell in Deutschland und auch europaweit, ja wahrscheinlich weltweit verkauft, daß offensichtlich nicht zu behebende Mängel hat ???

In weniger als zehn Tagen fand ich über 40 Taxi- und Mietwagenunternehmer in München, Rosenheim, Augsburg, Bad Tölz und in Regensburg, die alle meine Angaben bestätigen können, da auch diese, dieselben Probleme mit den VITO - Vorderachsen haben.

Ich suche nun VITO - Besitzer die ebenfalls Probleme an der Vorderachse haben, bei denen sich die Reifen schief abfahren oder sich eine Sägezahnbildung entwickelt. Schreibt mir bitte eine Mail an meine Adresse; 
  neue-wege-muenchen@gmx.de
Klaus Fiedler