Dienstag, 29. April 2014

Ausblick



Welche Ausblicke hatte ich bisher während meiner bisherigen (Lebens-) Arbeitsplätze. Ich blickte auf Berge von Pflastersteinen, Sand und Dreck auf Laubwald, Forst und Fichtenschonungen, auf Apellplätze, Mannschaftsunterkünfte und olivgrüne Lastwagen, auf Werkstätten, Reifenstapel und defekte Taxis.  Die schönsten Ausblicke hatte ich durch mein Droschkenfenster. 



Schade nur, daß ich weiter muß. Tröstlich, daß ich hinter dem Steuer bleibe und Ausblick auf weitere Ausblicke habe.  

Mittwoch, 23. April 2014

Doch noch Ostern



Ich dachte wir hätten die Ostern und das flaue Geschäft während der Feiertage hinter uns gebracht. Nicht ganz. Ich werde zum City Hilton Hotel an den Rosenheimer Platz bestellt. Eine arabische Familie hat den Pförtner beauftragt einen Taxibus zu bestellen. Und ich hatte das Glück den Auftrag zu bekommen.
Ich melde mich beim Wagenmeister. Er deutet auf die Familie die sich aus den Sesseln in der Lobby erhebt. Ich wiederrum deute auf den voll beladenen Gepäckwagen neben dem Ausgang und frage: 

"Gehört der auch dazu?" 

"Leider nein." lächelt der Wagenmeister. Er hat als Profi natürlich sofort meine aufkeimende Hoffnung auf einen Hafenstich erkannt. 

Also setze ich meine fünf Wüstensöhne und -töchter in mein Taxi. Ein älterer Herr mit zwei verschleierten Frauen. Ein kleiner etwa fünfjähriger Junge und sein ca. 20jähriger Bruder. Der junge Mann, er spricht etwas englisch, entpuppt sich als Wortführer und Beifahrer. Vor der Zielangabe wischt er über sein Smartphone runter, rüber und rauf, bis er es mir vors Gesicht hält. Zwischen den arabischen Schriftzeichen sticht mir sofort das einzige Wort das ich lesen kann; Sendlinger Straße 45, ins Gesicht. Ist ja schon mal was! Wissen die zumindest wo sie hinwollen. Es ist nicht so wie so oft, daß sie mich alle gleichzeitig mit Fragen nach den abstrusesten Wünschen behelligen. In der Regel wollen alle gleichzeitig wissen, wo der nächste Playground für die verzogenen Kinder ist, wo die gigantische Shopping- Mall ist, wo man Autorennen fahren kann, wo man eine Motorjacht mieten kann oder wo man mit dem Heißluftballon mitfliegen kann, denn sie gestern über Baldham gesehen haben. Das sie gerne das nicht entschuldigende, sondern das fordernde Excuse me ... ihrer Frage voranstellen, macht die Stimmung auch nicht entspannter. Ich habe mich schon zu früh gefreut. Wir sind gerade über die Isar gefahren, höre ich es schon ... Excuse me, we want ... ... ein fünf-Sterne Appartement, es soll Service haben wie ein Hotel. Weißt du wo es so etwas gibt? 

Ich warte vielleicht kommt noch was. Er könnte mir verraten für wie viele Leute das Appartement sein soll, wie viel Geld er ausgeben will, oder einfach nur für wie lange sie die Wohnung brauchen. Es kommt nichts, also frage ich als ich durchs Tal fahre: 

"Für wie lange?"

"Für so zwei oder drei Wochen, kann sein länger - oder vielleicht auch nur kürzer, inschallah."
Ich hätte es wissen müssen. Wer wird denn schon wissen wie lange er in der Stadt bleibt? Wer wird denn schon planen? Es wird schon funktionieren, irgendwie, irgendwann oder auch nicht. Auf dem Viktualienmarkt  habe ich auf meinem Smartphone die Seite des XXX - Hotels in der XXXstraße aufgerufen.  Jetzt werdet ihr abgeklopft. Ich krieg schon noch raus, ob ihr von Tui-Hui-Pippifax-Fünf-Sterne, oder von richtigen Fünf-Sternen sprecht. Ob es in den Brusttaschen der langen, weißen Hemden nur raschelt oder rauscht. Inzwischen sind wir in der engen Sendlinger Straße angekommen. Natürlich gibt es vor der Türe keinen Parkplatz. Schon das Aussteigen lassen behindert den nachfolgenden Verkehr. Wir tauschen schnell die Telefonnummern aus, und ich verschwinde in der nächsten Hofeinfahrt. Jetzt kann ich in Ruhe mit dem Arabella Hotel sprechen. Dort gibt es solche Apartments. Ich erzähle zweimal meine Geschichte bis ich bei der richtigen Dame durchgestellt werde.
...
" Von den Suiten haben wir nichts frei. Wie viele Personen sind das denn?"

"Sechs Personen."  antworte ich, obwohl ich die  genaue Anzahl nicht weiß.

"Wie lange bleiben denn die Gäste?" 

Auch das weiß ich und meine Gäste selbst nicht. Ich antworte:"Drei Wochen!" 

"Könnten Sie mir eine e-Mail schreiben, dann könnten ... " 

"Eine e-Mail, eine e-Mail Haha. Kevin Osterberg aus Bochum schreibt eine e-Mail, oder das Schweinfurter Team der Bausparkasse schreibt eine e-Mail. Meine Gäste (Ich habe sie ihr vorher schnell beschrieben) ändern während des Schreibens viermal ihre Meinung. Die kommen jetzt, rauschen durch die Bude, sagen ja oder nein. Da müssen wir schnell sein."

Sie muss leise lachen, das Eis ist gebrochen. Es geht doch. 

"Wie gesagt die Suiten sind voll. Wir können euch im Club-Standard drei Doppelzimmer anbieten. Die Gäste können dann auch die Club Lounge benutzten. Das macht dann inclusive Frühstück 230,- € pro Doppelzimmer und pro Nacht." 

Das ist schon mal eine Ansage. Da kann ich gleich mal schauen wie die bei 690,-€ pro Nacht reagieren. Drei Wochen wären 20 Nächte, dann kämen wir auf ungefähr 14.000,- €. Hätten aber dann keine richtigen Fünf-Sterne. Ist es zu teuer, können wir unser Glück bei den Boarding Häusern in der Landwehr- und Schwanthaler Straße versuchen. Ist der Club - Standard im XXX zu niedrig, gibt es in München noch das Mandarin Oriental, das Kempinski, ... Auf jeden Fall werde ich wissen wie es weitergeht.

Angebot imV-Markt
Kurz danach erscheinen sie wieder bei mir am Taxi. Sie wollen einkaufen und dazu in die arabic street. Da gibt es in München nur ein Viertel, südlich des Hauptbahnhofes. In der Landwehrstraße gibt es alles was das orientalische Herz begehrt. Süßigkeiten, Reis, Halal - Hammelfleisch, Fladenbrot und muttersprachliche Verkäufer.  Kaum sind wir in der Landwehrstraße wollen sie zu einem Supermarkt ich deute auf Cavusoglu, einem türkischen Supermarkt an der Ecke Goethestraße. Nein, der ist zu klein. Einen richtig großen Supermarkt wollen sie. Einen mit mehreren Etagen. Mir fällt der V-Markt in der Balanstraße ein. Der ist groß, die Verkaufsfläche erstreckt sich über drei Etagen und ist nicht weit von ihrem Stammhotel am Rosenheimer Platz entfernt. Wir machen uns auf den Weg nach Giesing. Nein, wir brauchen keinen Supermarkt, wir wollen einkaufen und zwar in der Medina, in der Altstadt. Wo kann man da gut einkaufen? Ich atme tief durch und wende. Die Diskussion im Fond des Taxis lebt wieder auf. Das Ergebnis bekomme ich mitgeteilt. Wir wollen zu einem Supermarkt. Einem großen, wo wir was zum Kochen finden können. Was zum Kochen!? To  cook. Was mag das wohl sein? Reis? Reis essen sie gerne. Nein, kein Reis! Ich bin schon neugierig wie die Fahrt endet.

Ich drehe auf den großen Parkplatz auf dem V-Markt. Gleich neben dem Eingang bekomme ich einen Platz. Bevor ich unruhig im Taxi sitze, gehe ich lieber mit. Ich kann ihnen ja eine Hilfe sein. Bei den Einkaufswägen fängt es schon an. Hier kann ich mit einer Ein-Euro-Münze aushelfen. Diese Praxis ist ihnen aus ihrem Heimatland unbekannt. Ich möchte nicht arrogant und von oben herab wirken, wenn ich von der Unbeholfenheit unserer  schreibe. Über die traurige Figur die ich auf einem Bazar in Bahrain abgeben würde, würde ich selbst am meisten über mich lachen. Inzwischen habe ich herausbekommen was mit to cook gemeint war; ein Kochtopf! Kochtöpfe finden wir im Keller des Supermarktes. Ein großer soll es sein. Nein, größer! Der junge Mann und ich haben das Kochtopfregel gefunden. Jetzt müssen wir das Familienoberhaupt herholen, er muß entscheiden, welches Kochgeschirr gekauft wird. Er wählt den größten Kochtopf den es gibt. Durchmesser 28 cm, Fassungsvermögen 12,5 Liter! Wie viel wollen die denn da kochen? Das wäre mehr als genug für 15 Personen. Weil wir schon mal da sind, nehmen wir auch gleich einen zweiten, kleineren Topf, eine Pfanne, einen Kochlöffel stainless, einen Wender und einen metallenen Küchensieb mit. Ich zeige ihnen einen schönen Kochlöffel aus dunklem Olivenholz. Meine Erklärung, daß ein Holzkochlöffel besser ist, weil er nicht an der Pfanne oder dem Topf kratzt, wird wortlos gehört, aber auf den stainless Kochlöffel beharrt.  Als wir wieder oben sind ist der Einkaufswagen von den beiden Damen schon zur Hälfte aufgefüllt worden. Tee und Süßigkeiten. Das Oberhaupt will Kleenex -Tücher. Ich gehe zurück in den Keller, finde welche und bringe sie zu seiner Freude an den Wagen. Er sieht die Verpackung, nickt zufrieden und sagt; ten of this. Ich gehe nochmal runter in den Keller und hole noch mal neun Packungen.  Als ich wieder zurück an den Einkaufswagen komme ist dieser randvoll. Ganz oben thront wackelig eine ganze Schachtel voller Kleenex-Tücher. Wo haben die die jetzt her? Ich gehe zurück auf den Parkplatz, hole einen zweiten Wagen. Der wird vollgepackt mit Melonen, Datteln, Pistazien, Nüssen, Honig, Petersilie, Erdbeeren, Tomaten, ... Ach ja der Reis fehlt noch. Aus Indien oder Pakistan soll der Reis sein. Gleich neben den Nudeln finden wir eine vielfältige Reisauswahl. Es gibt zu unserem Glück sogar Reis aus Pakistan. Er findet jedoch nicht den Gefallen der Hausfrau. So bleibt dem Familienvorstand und mir nichts anderes übrig als achselzuckend mit unsern Wägen zur Kasse zu gehen. Unterwegs fotografiere ich noch die goldenen, kleinen Schokoladenosterhasen mit dem Sonderpreis.  Der Kleine, dadurch auf die kleinen Hasen aufmerksam gemacht, schnappt sich einen und legt ihn in den Einkaufswagen. An der Kasse neheme ich mir drei große Tüten und lege sie als erstes auf das Band. Meinen beiden Männern bedeute ich sie sollen die Waren nach und nach auf das Band legen. Am anderen Ende packe ich das Obst und Gemüse schnell in die Tüten. Die beiden Damen sind mit dem zweiten Einkaufswagen an die Nachbarkasse gefahren und schauen jetzt zu wie sich ihr Einkauf am Ende ihres Kassenbandes langsam auftürmt. Ihnen empfehle ich es mir nach zu tun. Bei mir kommt jetzt der kleine Osterhase mit dem Glöckchen um den Hals angefahren. Ich nehme ihn von der Rutsch und will ihm den kleinen Jungen geben, der interessiert beobachtet was der Almani da macht. Ich reiche ihm den Hasen. Er bleibt stocksteif stehen und verschränkt  seine Hände hinter dem Rücken. Wahrscheinlich haben ihm seine Eltern verboten etwas von Fremden anzunehmen. Gut so. Ich stecke den Osterhasen in die große, weiße Tüte zwischen Erdbeeren und Teepackungen. Bezahlt wird mit jeweils einem 500,- € Schein an jeder Kasse. Auf dem Parkplatz zeigt mir der Datenfunk die Bilanz der bisherigen Fahrt; 9,6 Kilometer, 1:57 Stunden Dauer, 65,70 € Fahrpreis. Wenig Kilometer aber eine lange Zeit. 

Vor dem City Hilton soll ich warten, nur der junge Mann will weiter, wieder in das Apartment in der Sendlinger Straße. Alle anderen steigen aus. Der junge Mann geht auch noch auf sein Zimmer und packt dort seine Sachen in einen Koffer. So wie es aussieht, hat zumindest er eine Unterkunft für die nächsten Wochen gefunden. Bevor wir losfahren, hält uns noch der Ältere mit dem kleinen Jungen auf. Das Osterhäschen! Beinahe hätten wir es mit unserem Umzug mitgenommen.

Schnell die Kofferraumklappe auf und die Tüten durchwühlt. Jetzt habe ich doch noch mein verspätetes Ostern. Ich suche im Wettbewerb mit den Arabern nach der kleinen, süßen Nascherei, während der Araberjunge erwartungsvoll mit großen, dunklen Augen in meinen Kofferraum schaut. Natürlich finde ich das Häschen. Ich hatte ja den Vorteil, daß ich wusste, daß es in einer von mir eingepackten Tüte stecken muß. Schüttelnd reiche ich ihm das Häschen, die kleine Glocke um seinen Hals läutet leise. Der Papa nickt. Diesmal nimmt er seinen Hasen aus meiner Hand.

Unser Osternest vor dem Hilton City

Mir bleibt nur noch in die Sendlinger Straße zu fahren. Natürlich gibt es wieder keinen Parkplatz vor der Hausnummer 45. Die nächste Gelegenheit für mich zu parken ist diesmal noch weiter als vorher. Ausgerechnet jetzt sind wir so beladen. Der Araber sucht nach einer Lösung. Wir könnten von hinten an das Gebäude fahren, wir könnten fragen ob es einen Wagen gibt, wir könnten jemanden finden der uns hilft, ... Jetzt reicht es mir aber! Wir sind so oft hin- und hergelaufen, daß wenn wir immer etwas mitgenommen hätten, das Taxi schon halb leer wäre. Ich drücke ihm die Tüten in die Hand und erkläre ihm, daß wir jetzt nach und nach, im Wechsel seine Ware auf das Zimmer bringen. Dabei immer ein Auge auf mein Taxi haben, weil es ungünstig steht. Ich habe ja noch etwas anderes zu tun. Der Einkauf steht im Treppenhaus. Sein Koffer im Fahrgastraum ist noch das letzte Stück zu seinem provisorischen Hausrat. Wir gehen das letzte Mal zum Taxi, ich übergebe ihm seinen Koffer und nenne ihn meinen Preis.
"No." sagt er, und gibt mir einen Betrag der weit über den von mir genannten liegt. Wir sind Beide mehr als zufrieden. Raschelt also doch. Wüsste das der Wagenmeister vom Hilton City, hätte er mich bestimmt nicht bemitleided, daß ich keinen Hafenstich hatte. 
  

Dienstag, 22. April 2014

Ende Gelände



Unrettbar verloren, dem Untergang geweiht, endgültig verspielt haben - so definiert das Bayerische Wörterbuch den Ausdruck der Katz ghern.

Karnickel im Fang einer Katze

Heute am Dienstag ghert Ostern definitiv der Katz. Jetzt wisst ihr, warum ich mit dem Bild heuer meine Ostergrüße erst jetzt schicken kann.

Samstag, 19. April 2014

Angezettelt



Das Päckchen mit dem neuen Chip & Unterschrift-Leser von -> iZettle ist angekommen. Meinen iZettle Acount habe ich schon vor einem Jahr erstellt und die dazugehörige App auf mein iPhone geladen. Bisher benutzte ich den alten Leser,  den ich von einem Kollegen am Petuelstand geschenkt bekommen hatte.
In letzter Zeit holte ich den alten Leser immer dann hervor, wenn der HALE - Leser,  den ich in Verbindung mit dem Drucker und dem Datenfunkgerät fest ins Taxi eingebaut habe, die immer häufiger auftretenden Kreditkarten mit Chip, nicht erkennen konnte. Den Vorteil,  daß  bei iZettle nur 2,75 % Gebühr fällig werden, bei der Genossenschaft beträgt die Gebühr 4 %, habe ich dabei gerne in Kauf genommen.  Der neue Leser ist mit einem Audiostecker mit meinem Smartphone verbunden. Den alten musste ich über die Buchse anstecken, über die auch mein Telefon mit Strom aufgeladen wird. Der Leser passt demnach nur auf Telefone mit dem entsprechenden Gegenstück. In meinem Fall auf das iPhone 4. Den neuen Leser, mit dem Audiostecker, kann ich mit jedem anderen Smartphone oder Tablet verbinden.  Der Chip & Unterschrift Leser kostet 24,90 €. Wobei in dem Packet noch ein Gutschein über 20,- € Transaktionsgebühren liegt, den ich über die iZettle Homepage einlösen kann. 

Am Abend soll ich Thailänder am Flughafen abholen. Die Familie will sich einen Teil Europas anschauen. Sie beginnen mit München, schon nach drei Tagen wollen sie weiter nach Salzburg. Sie hatten angekündigt den Fahrpreis vom Flughafen München in ihr Hotel in der Landsberger Straße mit Kreditkarte zu bezahlen. Das sollte der erste Einsatz für meinen
Leser sein. 

Vor dem Hotel in der Landsberger Straße stecke ich den Leser an mein iPhone und starte die iZettle-App. Die Visa-Karte mit Chip stecke ich in den Schlitz. Die Karte wird als Visa-Karte erkannt. Trotzdem muß ich die Kartennummer, das Gültigkeitsdatum und den dreistelligen Sicherheitscode von der Rückseite eintippen. Die Thai schauen mir dabei noch interessiert über die Schulter. Jetzt werde ich aufgefordert die Telefonnummer der Kunden einzugeben. Die Verständigung mit meinen fernöstlichen Gästen ist nicht perfekt, nur eine Dame spricht etwas englisch. Ich gebe meine Telefonnummer ein. Sekunden später geht auf meinem Samsung - Telefon eine Kurznachricht ein. Die SMS beinhaltet einen Link, der zu einer Webseite führt, auf der der Kunde die Zahlung bestätigen soll. Alles furchtbar kompliziert. Spürbar strapaziert mein Hantieren mit den Telefonen und der Kreditkarte im Dunkel des Taxis das Vertrauen meiner Gäste. Ich breche den Vorgang ab und zeige ihnen das Bad Smily das auf dem Display meines Telefons erscheint. Trotz des international verständlichen Symbols vergewissern sich die Fahrgäste, daß ich ihre Kreditkarte nicht doppelt und dreifach belaste.
Beruhigend - es funktioniert
Mein Datenfunk hat gerade Verbindung und so kann ich auf das HALE-System zurückgreifen. Enttäuscht verstaue ich den Leser im Handschuhfach. Nach dem Einparken vor meiner Haustüre packe ich ihn wieder aus. Ich will nicht glauben, daß der Bezahlvorgang so umständlich ist. Ich belaste  meine eigene Euro-Kreditkarte mit 1,02 €, zwei Cent über den Mindestbetrag , der abgebucht werden kann. Die Karte wird sofort erkannt. Außer dem Betrag muß ich keine weiteren Ziffern eingeben. Mit dem Finger unterschreibe ich auf dem Handydisplay. Unter dem Strich auf dem ich unterschreibe, steht schon mein Familienname in Druckbuchstaben. Eine gelungene Funktion der App-Programmierer. So wird jedem Kunden, ohne lange Erklärung, schnell klar, was jetzt von ihm erwartet wird. Der Zahlvorgang funktioniert. Beruhigt kann ich morgen meinem nächsten Versuch entgegensehen.
 Nur bei der Akzeptanz von VISA-Karten muß die komplizierte Methode angewendet werden. Alle anderen Karten, sogar EC - Karten, funktionierten problemlos. Das Geld war bis jetzt spätestens nach vier Banktagen auf meinem Konto. Auf meinen Quittungen habe ich einen Zeile bei der ich Kreditkarte , unbar ankreuzen kann. Als Beleg für den Kunden fülle ich die Quittung wie immer mit Betrag, Fahrstrecke, Steuersatz und Datum aus.

Quittung mit Feld zum Ankreuzen für Kreditkartenbeträge

In naher Zukunft dürfen wir nur noch Kreditkarten akzeptieren, bei denen der Kunde seine Zahlung mit der Eingabe eines vierstelligen Codes bestätigt. Für diesen Fall bietet iZettle einen -> Chip & PIN Leser für 79,- € an. Der Leser wird über Bluetooth mit dem Handy oder Tablet verbunden, ist also auch kompatibel mit allen bluetoothfähigen Smartphones. Nach einem Telefonat mit iZettle warte ich mit dem Kauf meines Chip & PIN Lesers bis Herbst 2014. Mit dem dann aktuellen Leser sollen auch VISA - Karten einfach abgerechnet werden können. Die Gebühr bei EC / Maestro Karten senkt sich dann auch auf nur noch 0,95 %. Die Sätze von 2,75 % für Kreditkarrten und 0,95 % für EC Karten sind zur Zeit marktüblich. Zwei größere Anbieter, über die bevorzugt meine Flughafenkollegen abrechen, haben die gleichen Gebühren. Bei den genannten Gebühren können wir Taxiunternehmer die Vorsteuer verrechnen. Es ergeben sich folgende Nettogebühren.

Brutto           Netto
4 %               3,36 %
2,75 %          2,31 %
0,95 %          0,80 %
Am liebsten ist mir, wie allen Taxifahrern, wenn der Kunde bar bezahlt. Die in den Tarifordnungen festgelegten Preise sind Barpreise. Der Umlauf von Fiat-Money, Giral- oder Luftgeld wird in Zukunft weiterhin stark ansteigen. Wenn ich partizipieren will, muß ich notgedrungen fremden Menschen Kredit gewähren und dafür noch Bearbeitungsgebühren als Negativzins bezahlen.

Ich verstehe, daß ein Geschäftsreisender, der eine Woche in der Welt unterwegs ist, seine Rechnungen nicht bar bezahlen kann. Die Lasten für den dadurch entstehenden aufwendigen, teuren und dabei noch unsicheren Zahlungsverkehr soll der Verursacher tragen. Der, der die Dienste in Anspruch nimmt, soll zahlen. Nicht der, der die Dienste leistet, in diesem Fall wir Taxiunternehmer.