Sonntag, 28. September 2014

Sünde



Kaum ist die Halbzeit der Wiesn vorbei, gibt es schon negative Schlagzeilen über uns Taxler. Die schlechte Presse während des großen Landhausfaschings ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Letztes Jahr waren die Themen in den Münchener Zeitungen die Provisionszahlungen der Bordelle an die Taxifahrer. Im Jahr davor die Fahrtverweigerungen, davor die überzogenen Preise, davor wieder die Bordelle, ...
Aber diesmal ist es härter, handfester. In der ersten Woche gab es drei Unfälle mit einem Toten und zwei Schwerverletzten an denen jeweils ein Taxi beteiligt war. Die Unfälle sind der Anlass von ausgiebigen Diskussionen in Kollegenkreisen. René fragt auf Facebook wem die Schuld zuzuschreiben ist; dem Fußgänger, dem Taxifahrer oder den Ordnungsbehörden.
Ein Unfall entsteht oft auf durch das unglückliche Aufeinandertreffen von verschiedenen, im Einzelnen nicht so schlimmen Umständen.

Der Fußgänger ist in einem Fall bei Rot über die Straße gelaufen und wurde dabei von dem Taxi erfasst. Sicher, man muß angepasst fahren, besonders wenn hunderte Besoffene in der finsteren Nacht über die Straßen wanken, auf der anderen Seite bin ich es leid alles mit Alkohol zu entschuldigen.
Die Wiesnnächte sind mit die umsatzstärksten des Jahres. Der Verdienst der Taxifahrer in München ist wie in den meisten Großstädten an den Umsatz gekoppelt. Es braucht nicht viel sich von dem Trubel anstecken zu lassen. Die am Straßenrand verzweifelt nach Taxis Winkenden verheißen fette Beute. Je schneller, desto mehr, desto besser. Sie alle wollen ihn. Das ist seine Taxinacht. Heute Nacht macht er Umsatz. Bis um 1:30 Uhr werden die Dirndl und Lederhosen noch um die Wiesn auf ihn warten. Danach beruhigt sich alles. Dann ist es er der wartet. Das Peak-Geschäft konzentriert sich auf drei, vielleicht vier Stunden. In diesen Stunden gilt es. Schnell, schnell leer wieder hier zu sein. Keine Sekunde zu warten. Kaum kommt das Taxi zu stehen, werden die Türen aufgerissen. Die nächste Fuhre sitzt schon im Fond. Jetzt kann er noch Umsatz machen. Wann wird es abflauen? Noch zwei Stunden? Vielleicht nur noch eine Stunde ...?
Ich will nicht vorschnell den Kollegen verurteilen, zu lange bin ich in seinen Mokassins gegangen.
Kollege Umut schreibt als Kommentator; das der erste Fehler, den der Unfallfahrer gemacht hätte, der wäre, daß er um 23 Uhr an der Wiesn gewesen wäre. Da hat Umut recht und zeigt, daß er nicht erst seit gestern fährt.

Selbst am Wiesnwochenende ist es am Taxispeicher am Flughafen gaaanz ruhig.

Ich habe gestern und heute etwas gemacht, was ich äußerst selten praktiziere – ich bin leer zum Flughafen gefahren um mich ohne Vorbestellung anzustellen. Ich weiß, daß in der Stadt während des Italien- Wochenendes die Raggazie nach den Taxis schreien während ich hier im beschaulichen Erdinger Moos meinen vierten Tee trinke. Umut, viele andere “alte“ Kutscher wird man rund um das Fest vergeblich suchen. Aber liebe Kollegen, lasst uns doch mal so etwa  zwanzig Jahre zurückdenken. Waren wir da nicht alle wiesnheiß? Irgendwann haben wir uns doch alle die Finger verbrannt. Der Eine mehr, der Andere weniger. Es hat seine Gründe warum wir nicht mehr an den glühenden Herdplatten kleben bleiben. Der unglückliche Unfallkollege ist 24 Jahre alt. Ab 21 darf er fahren. Das ist höchstens seine dritte Wiesn. Da waren wir alle noch nicht so abgeklärt, haben uns ohne Rücksicht auf Verluste ins Getümmel gestürzt.
Die Ordnungsbehörden haben auch ein Scherflein dazu beigetragen. Rund um die Wiesn fehlt der Platz die Fahrgäste sicher ein- oder aussteigen zu lassen. Bei den Gelegenheiten, an denen es halbwegs geht, in der Schwanthaler nach der Martin-Greif, und in der Hans-Fischer nach der Theresienhöhe ist jeweils Platz für fünf Taxis. Allnächtlich ist dort aber Bedarf für keine 50 oder 500 Taxis, sondern für Tausend. Ich habe den Verdacht, daß sich noch Niemand richtig Gedanken darüber gemacht hat, wie viele Taxis bei insgesamt zwischen sechs und sieben Millionen Besuchern gebraucht werden. Bei dem nur geringsten Versuch auch nur einen Wiesngast an der Alten Messe aussteigen zu lassen, werden die Taxis von der Polizei weitergewunken. Das Problem wird durch diese kurzsichtige Maßnahme nicht gelöst, sondern verschärft. Was sich dann in den engen Straßen des Westends abspielt hat nichts mit Ordnung und noch weniger mit Sicherheit zu tun. Der Referent ist froh wenn er das Taxithema von der Tagesordnung, der Inspektor wenn er es vom Schreibtisch und der Polizeihauptmeister wenn er es vom Alten Messeplatz, hat.
Laut Michael sollen wir bei der Be(Ver)urteilung eines Kollegen nicht päpstlicher als der Pabst sein. Der Pabst als Katholik kennt die wahren Schuldigen, die Sünde. Völlerei, Gier und Faulheit - drei der sieben Todsünden. 

Wer von den Dreien, die René in seinem Kommentar erwähnt hat, für welche der Sünde verantwortlich ist, kann sich jeder selbst ausmalen.
Ich für meinen Teil habe heute alle drei an einem Tag begangen.
Gier - weil ich am Sonntag ohne Vorbestellung zum Flughafen gefahren bin um zwei Fahrten zu ergattern.
Faulheit - weil ich, um den Ragazzi am italienischen Wiesnwochenende zu entkommen, an den Flughafen geflüchtet bin um dort stundenlang in der Reihe zu stehen.
Völlerei - weil ich zu den bereits erwähnten vier Tee noch zwei Toastbrot, einen Leberkäs, eine Brezn, ein Yedigün, ein Stück Emmentaler, noch eine Brezn, einen Kaffee (von Michael ausgegeben) und zwei Sigara Böregi, hatte.

Trotz des etwas launigen Posts gilt mein Beileid den Angehörigen des verunglückten Australiers, meine Genesungswünsche den Verletzten und mein Mitgefühl den beteiligten Taxikollegen.   

Donnerstag, 25. September 2014

Literpreise



 Den am Dienstag veröffentlichten Post über den Zusatzstoff hatte ich schon vor zwei Monaten geschrieben. Der Artikel wartete geduldig in der Reihe der Entwürfe, die ich bei Bedarf in den Blog stellen kann.
Am Montagabend war AdBlue über eine Stunde mein beherrschendes Thema. Dem Erlebnis musste ich den ersten Artikel über das -> Harnstoff - Additiv vorausschicken. Christian meinte in den Kommentaren auf meiner -> Facebook - Seite zu dem ersten Artikel, ich könnte den Markennamen AdBlue verwenden. Im Juni wurde das AdBlue von dem Notdiensttechniker bei Mercedes in der Landsberger Straße aufgefüllt. Am Montagabend, es ist die erste Woche Oktoberfest, mein Kalender ist voller Flughafenfahrten, leuchtet auf dem Weg zum Flughafen wieder die Meldung auf, daß ich gemäß der Bedienungsanleitung, in einer Werkstatt das AdBlue auffüllen lassen soll. Es ist acht Uhr abends, meine Maschine landet in 45 Minuten, ich muß meinen Fahrgast dort abholen, morgen früh geht es um 6 Uhr wieder zum Hafen. Eine Werkstatt kann ich jetzt brauchen wie einen Kropf! Die passende Gelegenheit, den Rat eines Kollegen zu befolgen und bei der AGIP – Tankstelle an der Nordallee am Flughafen München meinen Harnstofftank direkt durch den Zapfhahn aufzufüllen. 

Das sauber in Flaschen abgefüllte Additiv verlockt mich zum Kauf. 13,49 € bezahle ich für 1,89 Liter. Es ist tatsächlich eine weiße 1,89 Liter – Kunststoffflasche mit blauem Schraubverschluß. Ich möchte gerne wissen, wieso genau diese Menge abgefüllt wird. Das Gewinde am Hals der Flasche passt genau in das Gewinde des AdBlue – Tanks im Kofferraum unter dem Reservereifen. Ich presse die Flasche auf den Stutzen, das Ventil öffnet sich, die knapp zwei Liter fließen in den leeren Tank. Ich starte den Motor, die Fehlermeldung verschwindet nicht. Eine zweite Flasche und noch einmal 13,49 € müssen dran glauben. Die Fehlermeldung mag auch nicht nach 3,78 Liter verschwinden. Drohend im Hintergrund steht die Meldung, die als nächstes erscheinen wird, daß sich der Motor nach 50 Kilometern nicht mehr starten lässt. Wegen des fehlenden Harnstoffs werden die Abgaswerte nicht erreicht, und die Betriebserlaubnis erlischt.
Um meinen Geldbeutel und Nerven zu schonen, wechsle ich die teure Strategie. Die zweite Flasche war sowieso die letzte im Regal der Tankstelle. Jetzt teste ich die AdBlue – Zapfsäule hinter der Tankstelle, an der sich auch die LKW ihren Harnstoff zapfen. In Ermangelung eines nötigen Trichters, fische ich eine meiner leeren weißen Flaschen wieder aus dem Abfalleimer. Mit einem Messer schneide ich den Boden ab und schraube den Rest auf den Stutzen im Kofferraum. Langsam lasse ich die klare Flüssigkeit über die Flasche in meinen Tank rinnen. Um das Ventil in dem Flaschenhals offen zu halten, muß ich dabei die Flasche, bzw. jetzt Trichter, stets nach unten drücken.

Mein Hilfsmittel

Wieder war es ein Christian der uns in den Kommentaren des vorausgegangenen Artikels einen praktischen Tipp gegeben hat. Bei dem Verzapfen bilden sich ganz kleine, weiße Flusen in der Luft. Sie schauen aus wie die Asche, die entsteht wenn Zeitungspapier verbrennt. Sie wirbeln auch genauso durch die Luft. Diese Fitzelchen dürfen nicht in den Tank gelangen. Dort verstopfen sie den Filter, was eine teure Reparatur zur Folge hätte. Danke, liebe Christiane für eure Tipps. Beide Hinweise können uns Geld sparen.
Noch ein Argument für den Flaschentrichter. Im Hals ist dort noch ein Filter, der die Flusen aus dem Tank hält.
7,14 € für PKW - 0,66 € für LKW AdBlue

 Auf diese Weise tanke ich noch weitere 14 Liter in den Tank. Ein kurzer Test – die Anzeige mit dem Hinweis auf den Werkstattbesuch ist endlich verschwunden. Der Liter AdBlue aus der Zapfsäule kostete 0,66 € brutto, bei AdBlue aus der Flasche komme ich auf einen Literpreis von 7,14 € brutto. Das ist ein bemerkenswerter Unterschied. 

Auf dem Foto des ersten Artikels ist der Kilometerstand 54.000 Kilometer zu erkennen. Jetzt habe ich 67.000 Kilometer auf dem Tacho. Die 20 Liter AdBlue haben mir im 350 Mercedes Bluetech im Taxibetrieb 13.000 Kilometer gereicht.
Die Flasche habe ich bei mir im Keller verstaut. Das Foto, das ich bei der Gelegenheit gemacht habe, erfüllt gleich einen zweiten Zweck. So konnte ich es meiner Frau über WhatsApp zukommen lassen, sie soll meine Druckfiltertrichterflasche bitte, bitte nicht wegschmeißen. Der vermeintliche Müll spart mir viel Ärger und Geld.

Anscheinend



Das war noch eine ereignisreiche Woche, die Woche vor dem Wiesnanfang. Vesna hatte einen kleinen Unfall beim Ausparken in der Ismaninger Straße. Beim Rangieren aus der Parklücke hat sie einen vorbeifahrenden PKW mit dem linken Vorderreifen erwischt. Von außen ist  außer dem beschädigten Kotflügel nicht viel zu sehen, aber unser Mercedes ist nicht mehr fahrbereit. Es hat den Achsschenkel und die Spurstange erwischt. Der ADAC hat das Fahrzeug zu einer mir noch nicht bekannten Werkstatt gebracht. Ich konnte mir das beschädigte Fahrzeug erst anschauen als ich Vesna dort abholte. 

Nur ein paar Schrammen - von außen!



Der junge Chef stellte sich für mich als Bekannter heraus. Erstes Aufatmen, der Schaden scheint nicht so groß als wie befürchtet. Die Teile sind schon bestellt. Der Kotflügel ist schon in Arbeit. Die Mechaniker kommen morgen früher und beginnen mit dem Einbau. Für die Abwicklung des gegnerischen Unfallschadens haben wir den Fall unserer Versicherung gemeldet. Alles in allem hatten wir großes Glück im Unglück. 30 Stunden nach dem Unfall war der Schaden behoben, die Achse vermessen, der Fehlerspeicher geklärt und das Fahrzeug wieder einsatzbereit.
Weniger Freude bereiten mir meine Zähne. Endlich, endlich habe ich mich dazu durchgerungen mich der Ärztin auszuliefern. Den ersten Zahn habe ich mir schon im letzten Dezember ausgebissen. Ein kleines Loch unten links bereitete mir zusätzlich stetig leicht ansteigende Schmerzen. Als dann ein großer Teil eines anderen Zahns fehlte, blieb mir als drittes Taxi am Kurfürstenstandplatz, nichts anderes mehr übrig, als bei der Sprechstundenhilfe anzurufen und einen ersten  Termin für meine Behandlung auszumachen. Ich habe es tatsächlich geschafft, alle vier Termine in diese Woche zu legen. Anders als bei der Autowerkstatt ist es hier genau andersherum. Hinter der guten Nachricht, daß ich bei der Zahnärztin fertig bin, verbirgt sich eine schlechte - ich muß zum Kieferchirurgen. Die beiden fehlenden Zähne bestanden nur noch aus Kunststoff, auf dem Rest kann selbst meine behandelnde, sehr erfahrene Zahnärztin nichts mehr aufbauen. Die Reste, zum großen Teil Wurzeln, müssen raus. Ich lasse mir die Zähne hier in der Praxis ziehen, bei der ich schon vor -> drei Jahren  war. 

Die benötigten Implantate lasse ich mir in Danzig, Zagreb, Belgrad oder Istanbul einbauen. Natürlich ist das eine Preis und Zeitfrage. Bis jetzt habe ich noch keine Ahnung wie oft ich dort dann zum Zahnarzt muß. Wenn sich das alles möglichst geballt erledigen läßt – warum nicht!?
Unsere Aufträge halten mich während des ersten Wiesnwochenendes von dem Landhausfasching fern. Bei einer Fahrt über die Autobahn zum Flughafen höre ich schon in den 12 Uhr Nachrichten im Bayerischen Rundfunk, daß unser neuer Oberbürgermeister Reiter vier Schläge brauchte, um das erste  Faß anzustechen. Mich wundert es, daß es diese vier Schläge in die Meldungen zwischen den IS – Offensiven in Nordsyrien gebracht haben. 

Am ersten Montag hat ein besoffener Australier ein Taxi gekapert und ist damit in den Englischen Garten gefahren. Die Polizei hat ihn dann schlafend, nicht weit von dem Taxi, in einem Standerl im Biergarten beim Chinesischen Turm, seinen Schäferrausch ausschlafend, aufgefunden.
Das war bis jetzt das Highlight der Wiesn 2014. Mal schauen was sie noch alles bringt. Lang dauert es nicht mehr – in 11 Tagen und den Rest von Heute ist die Wiesn wieder vorbei.

Mittwoch, 24. September 2014

Wolle vom Baum



Ich frage mich schon lange was die cottonusa – Werbung auf den Türen der Taxis meiner Kollegen soll. Auf dem Bild ist ein weißer Baumwollbausch noch am Strauch vor dem blauen Himmel als Hintergrund. Die beworbene Website einer nationalen Agentur der U.S.A. bewirbt die Vorzüge der amerikanischen Baumwolle. Hier ist der Platz zu erwähnen, daß die meiste Baumwolle unserer Jeans und T-Shirts aus -> China oder -> Indien kommen.
 Es werden keine Produkte für Endverbraucher angeboten. Es geht um Baumwolle. Wer kauft denn Baumwolle? Früher vielleicht Spinner und Weber, heute global tätige Stoffhersteller, wie viele, oder besser wie wenige internationale Textilkonzerne gibt es? Welcher kleine Kreis entscheidet dort von woher der Rohstoff Baumwolle bezogen wird? Wie viele von denen sind in München? Sehr wahrscheinlich weniger als es Taxis mit der Werbung ohne Zielgruppe gibt. 

Hier steht ein CottonTaxi am Flughafen München in der Warteschlange

Auf den Moment habe ich gewartet; jetzt ist es soweit. Mit einer Familie aus den U.S.A. bin ich auf den Weg in die Stadtmitte. Auf der Leopoldstraße kommt  neben uns vor der roten Ampel ein Taxi mit der besagten Werbung zum Stehen. Ich zeige auf die Werbung und frage meine Yankees was sie davon halten. Den besten Kommentar lieferte die Mutter;
“This is, how our tax money works.“
(So wirkt unser Steuergeld)
Zugegeben, ich warte jetzt auf eine zweite Möglichkeit, amerikanische Fahrgäste auf die Reklame ihrer Regierung aufmerksam zu machen. Gelegenheit dazu werde ich früher oder später schon haben, es fahren ja einige Taxis mit der cottonusa-Reklame durch München – auf alle Fälle mehr als die Zielgruppe. 

Dienstag, 23. September 2014

Zusatzstoffe



(In die Fahrzeuge aus dem Hause Daimler-Benz mit BLUETECH – Technik muß von Zeit zu Zeit ein Zusatz nachgefüllt werden. Der Name dieses Zusatzes ist als Wortmarke geschützt, ich nenne ihn ab jetzt einfach nur Additiv.)

Kaan kommt an den Kofferraum meines Taxis. Er öffnet ihn mit den Worten; 

“Und hier Schischko, .. er hebt den Boden des Kofferraums an... hier musst du dann das Additiv nachfüllen. ... Wo ist denn bei dir der Stutzen? Hier muß er sein ...“ er sucht neben dem Reserverad und findet nicht das was er sucht. Er meint, hier müsste ich das Additiv nachfüllen, wenn es als Fehlermeldung angezeigt wird.  

“Schau hier bei mir ist hier ein Einfüllstutzen.“ er zeigt mir den Stutzen mit der blauen Kappe in seinem im Kofferraum. Sein Taxi fährt auch mit der BLUETECH - Technologie. Bei ihm ist der Einfüllstutzen im Kofferraum in Fahrtrichtung rechts neben dem Reserverad. Genau dort, wo bei mir nichts ist. Um absolut sicher zu sein, schauen wir in den Fahrzeugschein. Dort steht BLUETECH, also muß irgendwo ein Tank mit Einfüllstutzen sein. Wenn man es nicht braucht, macht man sich auch keine weiteren Gedanken und die Additivgeschichte war schnell wieder vergessen. 

Bis an einem Samstagabend. Um 19:30 Uhr, ich hatte soeben einen Fahrgast aus der Werbebranche zur Klassik unter freiem Himmel an den Odeonsplatz gebracht, als die FehlermeldungXXX in Werkstatt auffüllen s. Betriebsanleitung auftaucht. Mit der OK-Taste am Lenkrad kann ich die Meldung aus dem Tachodisplay verschwinden lassen. Am nächsten Taxistand muß ich mich kundig machen wo ich das Additiv nachgießen kann. Zunächst studiere ich fleißig die 500 Seiten starke Bedienungsanleitung. Das Verzeichnis nennt mir zu dem Thema zwei Seiten, jede mit einem Querverweis auf eine weitere Seite. Ich werde gewarnt, weiterzufahren, denn irgendwann käme die Anzeige, daß ein Starten des Motors ab XXX Kilometer nicht mehr möglich sei. Der Einfüllstutzen wäre hinter der Tankklappe neben dem Dieselstutzen, man erkenne ihn an dem blauen Verschluß. Aber da ist nichts. Nochmal inspiziere ich den Kofferraum. Dort kann ich nichts finden. Alexander, mein Kollege, will mir helfen; 

“Mach einmal die Motorhaube auf ..“ 

Jetzt stehen wir beide etwas ratlos vor dem Sechszylinder. Abwechselnd deuten wir auf die verschiedenen Flüssigkeitsbehälter. Scheibenwaschwasser... Öl... Bremsflüssigkeit... Kühlwasser..., aber was ist das? Direkt vor dem Behälter für das Kühlwasser ist ein keiner Kunststofftank mit schwarzem Deckel. Das könnte es sein. Schon hat Alexander den Deckel abgeschraubt und schmiert die Flüssigkeit zwischen Daumen und Zeigefinger um sie zu prüfen. Nach einer Geruchsprobe sind wir auch nicht schlauer als vorher, denn keiner weiß wie das Additiv aussieht. Die Flüssigkeit die wir testen ist klar und geruchsneutral.
Jetzt frage ich mal den schlauesten aller Mechaniker, den Google. Selbst der gibt mir tausend Antworten – aber keine die mir jetzt weiterhilft. Bei Mercedes in der Arnulfstraße ist das Telefon nicht belegt. Verständlich, am Samstagabend. Also bleibt mir der Mercedes – Notdienst. Dort höre ich die bekannte Xylophonmusik, wähle mich mit der Telefontastatur durch die Untermenüs, bis ich Hilfe am anderen Ende bekomme. Ich schildere mein Problem, er gibt mir den Hinweis; 

“Das Additiv können Sie an jeder größeren Tankstelle kaufen.“

Genau das haben mir meine Kollegen auch schon gesagt, aber ich will wissen WO ich es hineinschütten soll! Nicht WAS. Das Additiv kenne ich schon genau mit allen Nummern aus der ausführlichen Bedienungsanleitung. WO soll ich es hineinschütten? 

“Moment, da muß ich einen Pannenfall anlegen. Halten Sie bitte ihre Fahrzeugpapiere bereit.“

“ Nein, bitte nicht. Das Additiv kann ich in einem halben Kilometer in der Ungererstraße kaufen. In 10 Minuten habe ich es aufgefüllt und gut ist es. Ich habe morgen früh eine Vorbestellung. Ich muß um 5:00 Uhr aufstehen. ... Wie weit könnte ich jetzt noch fahren?“ 

“Sagen wir mal so; wie weit müssten Sie denn noch fahren?“

Ich überschlage im Kopf: Morgen am Sonntag – zweimal Flughafen raus und rein ca. 140 Kilometer, dann kommt der Montagmorgen, Konsultantenralley zum MUC – dreimal raus und rein ...
„So um die 500 Kilometer. Dann könnte ich am Montagvormittag in unsere Hausmercedeswerkstatt in der Ingolstädter Straße ...“ 

“500 Kilometer!? Das ist eine Hausnummer! Soweit können Sie auf keinen Fall fahren. Ich lege einen Pannenfall an. Wie lautet ihre Fahrgestellnummer? ... Aha. Lautet ihr Kennzeichen M-VR-511? Danke, einen Moment bitte.“ Xylophon, Xylophon, Xylophon, .... plötzlich:

“Vielen Dank das Sie gewartet haben. Bei ihrem Model kann das Additiv tatsächlich nur in der Werkstatt nachgefüllt werden.

“Ja, bitte sagen Sie mir in welche Werkstatt ich fahren soll. Es ist 20:00 Uhr und ich bin in München. Irgendwo gibt es einen Notdienst. Ich fahre da hin, das Additiv wird aufgefüllt und gut ist es.“ 

„Ich habe bereits einen Pannenfall angelegt. Der Techniker ist schon verständigt. Wo sind sie denn jetzt?“  

Ich kann es nicht glauben. Wir haben jetzt doppelt so lange Bürokraten gespielt wie das Beheben des Problems gedauert hätte. Ich bedanke mich freundlich für die Hilfe und fahre zu Mercedes an den Frankfurter Ring. Den Betrieb kenne ich von den Reparaturen an unserem Viano. Ich kann mich sogar an den Pförtner erinnern, der uns schon zweimal die Schlüssel unseres Kleinbusses ausgehändigt hat. Ich fahre auf die Einfahrt vor die Schranke und gehe gleich in die Pforte, deren Türe offen steht. 

“Ich weiß ihr seid Nutzfahrzeuge, aber ich habe ein Problem. ... „ 

Er weiß auch gleich eine Lösung. Wir rufen bei Auto Henne, Mercedes-Werkstatt und Händler in Laim an, dort meldet sich sein Kollege, der dortige Pförtner. Als ich ihn am Apparat habe, sagt er mir ich solle mich schon mal auf den Weg machen, er gibt inzwischen dem Notdienst Bescheid.
Als ich 20 Minuten später in der Landsberger Straße 382 auf den Hof rolle, steht dort schon der Pförtner in der Uniform einer Münchner Sicherheitsfirma. 

“Wir haben telefoniert. Der Mechaniker hat noch zwei Kleinigkeiten zu erledigen. Warten Sie hier, er holt Sie dann ab.“

 Hinten im Hof erkenne ich schon ein Taxi, dessen Fahrer wartend vor dem großen Rolltor der Halle steht. Der kommt noch vor mir. Schon nach drei Minuten öffnet sich das Tor, ein schwarzer Mercedes mit schwarzem Kennzeichen verlässt das Betriebsgelände. Das Taxi fährt in die Halle. Ich warte und beginne diesen Post zu schreiben. Nach einer knappen halben Stunde kommt das Taxi vorbeigefahren. Der Mechaniker hat jetzt Zeit für mich. Bevor er mein Taxi mit in die Halle nimmt lasse ich mir erklären was in dem klein en schwarzen Plastiktank ist, dessen Inhalt Alexander und ich nicht bestimmen konnten.

“Das ist die Flüssigkeit für das Lenkgetriebe. Habt ihr da was rein geschüttet?“ 

Nein, das haben wir natürlich nicht. Ich unterhalte mich mit dem Pförtner des Sicherheitsdienstes über die aktuellen Mercedes-Benz Modelle, bis der Mechaniker wieder mit meinem Taxi vorgefahren kommt. 

“Die Rechnung wird Ihnen zugeschickt. Mehr als 100,- € wird es nicht ausmachen.“ 

Das ist ja weniger als eine Tankfüllung tröste ich mich, ärgere mich aber über die Umstände die wegen einer solchen Lappalie veranstaltet werden. Super waren die beiden Pförtner. Die haben mir nicht, wie es mir die Hotline prophezeite, die Telefonnummer des Notdienstes gegeben, sondern direkt auf kurzem Weg geholfen.

Beim nächsten -> AdBlue nachfüllen war ich schon wieder etwas schlauer.