Donnerstag, 27. November 2014

Festplatz


Tumblingerstraße an der Eisenbahnunterführung zwischen Dreimühlenviertel und Thalkirchen 

Gefunden nach einem Weißwurstfrühstück in der nahen Großmarkthalle

Freitag, 21. November 2014

Geschnallt?

Soeben fahre ich die Leopoldstraße stadteinwärts, ein Kollege ruft mich an, und fragt ob das stimmt, daß wir Taxifahrer, auch wenn wir Personen befördern, uns anschnallen müssen.

“Ja.“; antworte ich. “Seit dem 1.November.“

Mit dem Datum bin ich mir dabei nicht ganz sicher, aber Fakt ist, daß der Bundesrat am 19.September beschloßen hat, daß die Ausnahmeregel von der Anschnallpflicht für uns Taxi-/Mietwagenfahrer, während der Personenbeförderung, gestrichen wird.
Bis vor kurzem stand unter § 21 a der StVo (Straßenverkehrsordnung)

(1) Vorgeschriebene Sicherheitsgurte müssen während der Fahrt angelegt sein. Das gilt nicht für

1. Taxifahrer und Mietwagenfahrer bei der Fahrgastbeförderung.
2. ...

Unser Verband, der Bundesverband zur Personenbeförderung, hat den Antrag zu der Gesetzesänderung damit begründet, daß die Unfallgefahr größer als die Gefahr eines Überfalls. Dazu gibt es auch Zahlen unserer Berufsgenossenschaft an die die Arbeitsunfälle, seien es Verletzungen die durch Verkehrsunfälle oder durch Angriffe, erlitten werden, gemeldet werden.
Natürlich gibt es zu dieser Änderung verschiedene Meineungen unter uns Taxifahrer. Mein Telefonpartner fragt mich wem wir es zu verdanken haben, wenn der nächste Taxifahrer verblutet im Gurt hängt. Er gehört nicht gerade zu den Befürwortern der neuen Anschnallpflicht.

Wer jetzt im Internet nach der Anschnallpflicht für Taxifahrer, oder gleich unter § 21 StVo googelt, findet hinter der 1. nur noch ein schlichtes (weggefallen) in Klammern.
30,- € Bußgeld zahlt der Taxifahrer, der in Zukunft auch mit Fahrgästen an Bord nicht angeschnallt erwischt wird.

Freitag, 14. November 2014

Modus



Tschak Tschak!
Das Geräusch läßt mich am Barer- /Schellingstand hochschrecken.
Heute bin ich mal nachts unterwegs. Eine junge Frau schlägt mit der flachen Hand auf das Glasschiebedach meines Taxis. Sie öffnet die Beifahrertüre und beugt sich nach unten um mich anzusprechen; 

“Hallo Herr Taxifahrer!“

Sie wendet sich nach hinten, blickt die Barer Straße entlang in die Dunkelheit und winkt mit großer Geste.

“Heeyyy!“ 

Sie macht ihre Begleiter darauf aufmerksam, daß sie ein Taxi ergattert hat. Ich weiß nicht was jetzt noch auf mich zukommt. Eine Flucht ist nicht mehr möglich, sie steht in der geöffneten Türe und hält sie noch in der Hand. 

Links und rechts fliegen fast gleichzeitig die beiden hinteren Türen des Taxis auf. Auf der rechten Seite fläzt sich ein kräftiger, blonder Mann in den Sitz. 

“Ich will onanieren!“ ist der erste Satz aus seinem Mund.
“In die Müllerstraße zum Sunshine Pub.“ 

Ich frage mich, womit ich diese Fuhre verdient habe, und schalte auf den Nachtfahrermodus um. Den Sunshine Pub kenne ich eben noch aus meiner Zeit als Nachtfahrer. Zwei- oder drei Mal war ich auch als Gast in dem Pub. Das ist aber schon mindestens vor 15 Jahren gewesen.
Nachtfahrermodus  - das bedeutet tolerant sein, aber trotzdem keine Schwäche zeigen, kurz; den Abgeklärten geben.

“In zehn Minuten.“; gebe ich dem Selbstbefriedigungsbedürftigen knapp contra. Es scheint zu wirken. Ich gewinne eine halbe Minute Ruhe an der Rückbankfront.

Zum Glück ist der etwas schwächere, direkt hinter mir sitzende Fahrgast zurückhaltender.
Als meine Beifahrerin bemerkt, daß ich auch Bayer bin, verfällt sie in unseren Dialekt. Sie muß auch vom Land kommen, das bringt ihr schon mal 10 Symphatiepunkte
.
Der bisher Ruhige hat begonnen, die anderen Autoinsassen, die neben uns fahren oder an der Ampel stehen, mit Grimassen zu unterhalten. Zu dem Behuf verwendet er wechselweise mal „sein“ linkes, oder das rechte Fenster. Bei der Verwendung des rechten Fensters, klettert er halb über den blonden Hühnen, der abwechselnd die Jalousien der Seitenfenster oder den Rollo im Heckfenster nach oben oder unten fährt. 

Aufgestellt am Taxistand im Tal - nach der Müllerstraße

Am Altstadtring, in der Sonnenstraße, deutet sie mit ausgestrecktem Daumen nach hinten.
“Der kommt aus Holland – und der aus Aachen, wos soi i macha?“
Während ihrer rhetorischen Pause entdeckt XXL-Wicki die Taste mit der man die Rückenlehne verstellen kann.
“Woana!(weinen) gibt sie sich selbst zur Antwort. Ihr Humor gefällt mir, sie gewinnt weitere 10 Sympathiepunkte. Wir blödeln noch den letzten halben Kilometer. 

Sie fragt mich noch, ob ich noch mit ihnen in den Pub kommen will. Schweren Herzens verneine ich.
Abends fragt mich meine Tochter oft am Mobiltelefon: “Papa, wann kommst du?“. Die erste Fahrt für morgen steht ganz früh in meinem Notizbuch. 

So ganz kann ich doch nicht mehr in den Nachtfahrermodus umschalten, und das ist zum Weinen – aber nur manchmal! 

Mittwoch, 12. November 2014

Pirat


Tumblingerstraße an der Eisenbahnunterführung zwischen Dreimühlenviertel und Thalkirchen 

Gefunden nach einem Weißwurstfrühstück in der nahen Großmarkthalle

Sonntag, 9. November 2014

Geduld - Spiele



Das ist also der Donnerstag, der erste Tag des Bahnstreiks. Vesna hat der Streik vier Auswärtsfahrten beschert. Mir bleibt das Taxi, und nachdem ich einen Geschäftsmann von der Parkstadt zum Flughafen gebracht hatte, bleibt mir dort viel Zeit in der langen Taxischlange.

Im August erst habe ich von einem -> Investmentbanker als Fahrgast geschrieben. Er ist mir in Schwabing ins Taxi geschneit und hat mir ein ganz klein wenig Einblick in sein Berufsleben gegeben. Am Ende des Posts kam ich zu dem Schluß, daß durch Arbeit niemand reich wird. Nach der Erkenntnis kommt der Reichtum – gemäß unserer Erkenntnis vor 25 Jahren nach nächtelangen, philosophischen Erörterungen in der FINA – Tankstelle und Taxigarage der Marsstraße. Damals wollten wir alle nach der Erleuchtung Taxiunternehmer werden.  

Als Handelsplattform für meine (wieder) ersten Investitionen in Aktien wähle ich ein Depotkonto bei der DAB Bank. Die Bank berechnet für eine Order nur 4,90 €. Ich will in die Lanxess AG investieren. Die AG war am Vortag der größte Flop im Dax. Bei meinen ersten Dax – Auswertungen bin ich auf sie gestoßen. Es ist Deutschlands neuntgrößter Chemiekonzern und weltweit der größte Hersteller von synthetischem Kunststoff. Das Unternehmen wurde von der bekannten Bayer AG ausgegliedert und ist erst seit 2012 im Dax gelistet. Und wenn es so weitergeht, bleiben die auch nicht mehr lange dort. Interessant ist der Firmenname, ein Kunstwort, zusammengesetzt aus dem französischen lancer(vgl. dt. Lancieren) und dem englischen success.
Inzwischen bin ich oben am Terminal angekommen, dort kaufe ich 25 Stück Inhaberaktien zu einem Kurs von 39,57 €. 

06.11.2014 - hätte ich doch mit dem Kaufen gewartet

Meine erste Fahrt geht nach Schwaig. Eine Dame hatte keine Geduld mehr auf den Shuttlebus zum Holiday Inn Express zu warten. Nach Schwaig ist es nur eine kurze Strecke. Ich ziehe meine Karte durch den Kurzstreckenautomat um mich bei meiner Ankunft wieder vorne einreihen zu dürfen.
Meine zweite Chance führt mich nach Erding, auch nicht das Gelbe vom Ei. Der junge Gast aus Italien will zum BEST WESTERN Park Hotel, direkt am Bahnhofsplatz. Der Italiener steigt ein, jetzt erst bemerke ich auf der Rückbank einen schwarzen Regenhut. Den muß die Dame, die ich zuvor nach Schwaig brachte, vergessen haben. 

Inzwischen ist es spät geworden. In Erding habe ich mich schon mit meinem Los abgefunden heute nichts mehr zu reißen. Von hier bliebe mir als nächster Stand nur der Flughafen und ob ich von dort heute noch eine Fahrt bekomme ist sehr fraglich. Schicksalsergeben fahre ich auf dem Rückweg in Schwaig vorbei um an der Rezeption des Holiday Inn Express den Regenhut abzugeben. 

Von hier muß ich auf dem Nachhauseweg direkt durch den Flughafen. Die Anzeige auf meinem Navi scheint voller roter Autos, die stockenden Verkehr anzeigen. Angesichts des zu erwartenden Staus, entschließe ich mich doch noch schnell mich am Flughafen einzureihen. 

Eine glückliche Entscheidung, denn nach nur eineinhalb Stunden war ich der Erste. Eine Dame aus Japan will in das hinterste Pasing. Ein kurzer Blick auf meine Navi; auf der A 92 und der A 99 rot, rot und noch einmal rot. Die sich anbietende Route über die Westumfahrung, durch den Allacher Tunnel verwerfe ich sofort. Auf der A9 einwärts werden mir nur vereinzelt gelbe Autos angezeigt. Kurz nach der Allianz-Arena erwischt uns die Realität. 
Wir kommen in einen Stau, aus dem wir die nächste Stunde nicht mehr herauskommen. Im Stopp und Go mühen wir uns über den Georg-Brauchle-Ring und die Landshuter Allee. Wunschgemäß biege ich nach der Donnersberger Brücke in die Landsberger Straße ab. Ein Fehler hier blicken wir in die hunderte von roten Rücklichtern der Leidensgenossen vor uns. Im Radio hören wir einen Autofahrer der über Telefon meldet, daß er seit einer Stunde in dem Stau in der Verdistraße auswärts steht.
Ich weiche auf die Agnes-Bernauer-Straße aus. Aber das Pech scheint uns zu verfolgen. Die Agnes-Bernauer auswärts ist ab dem Willibaldplatz gesperrt. Unsere Geduld wird auf die Probe gestellt. Noch einmal weiche ich aus. Schließlich lande ich in der Kapruner-, Mitterfeld-, Fischer-von-Erlach-Straße. Endlich, endlich landen wir, nach über einer Stunde Fahrzeit über die Gräf- und Institutstraße in dem Teil Pasings, den wir erreichen wollten. Der Fahrpreis auf dem Taxameter ist einem frischgebackenen Investor der chemischen Industrie angemessen. 

Obwohl wegen des Bahnstreiks an allen Ecken und Enden Taxis gebraucht werden, will ich nur noch nach Hause. Es hätte keinen Sinn. Ich würde kaum zu den Kunden kommen. Wenn die dann anschließend bei laufendem Taxameter im stehenden Taxi sitzen, sind sie gestresst und ich genervt. Lieber setze ich mich am späten Abend an unsere Homepage, der wir bahnstreikbedingt nicht nur Verkehrschaos, sondern auch weite Auswärtsfahrten, zu verdanken haben. 

Am nächsten Morgen, es ist Freitag, schaue ich immer wieder auf den Kurs von Lansexx. Die blaue Linie fällt steil nach unten. Bei der 38,- € Marke erfährt der Kurs eine kleine Erholung. Wahrscheinlich war das ein Kaufsignal für die Anleger. Nach der kleinen Erholung rauscht der Kurs aber wieder weiter abwärts, durchbricht die 38,- € Marke nach unten. Bei 37,50 wieder eine kleine, kaum merkbare Erholung. Mein Spieltrieb ist erwacht. Erst um 13 Uhr flacht die Kurve ab und bewegt sich eine Stunde vor Börsenschluß sogar leicht nach oben. Der Kurs geht mit 37,64 ins Taximessenwochenende.

Im Kongreßsaal der Messe in Köln sitzen an diesem Wochenende Taxiunternehmer und lauschen der vom BZP veranstalteten Podiumsdiskussion. Der Hauptgrund für ihr Erscheinen mag die Tombola sein. Der neue 100% myTaxi-Eigner hat den Hauptpreis spendiert. Ein Auto, ein richtiges Taxi, natürlich ein Mercedes. In den Facebook Meldungen von der Messe erfährt man nichts über die Inhalte, die auf der Bühne besprochen wurden. Wohl aber über die Losnummern, die Gewinne und die Gewinnerin, diesmal aus Dortmund, des Hauptpreises. Nach der Tombola zerstreuen sich die Taxiunternehmer schnell wieder in alle Himmelsrichtungen. Natürlich ist die Verlosung am Ende der Veranstaltung. Bis dahin müssen sich meine Kollegen in Geduld üben. 
 Mich erinnert das an meine Kindheit. Auch ich bekam ein Auto, nur ein kleines Matchbox-Model – aber zuerst musste ich den Zahnarzt über mich ergehen lassen. Wie in Köln gab es das Auto erst nach der Sitzung. So war gesichert, daß ich geduldig auf dem heißen Behandlungsstuhl ausharrte. 

Der Bahnstreik ist vorerst vorbei.  Morgen früh  ist wieder Montag. Die Berater shutteln zum und vom Flughafen, um 9 Uhr öffnet die Börse – meine Geduldsprobe hat ein Ende.  

Dienstag, 4. November 2014

Verkehr



In der Hotellobby des Novotel am Willy-Brand-Platz in Riem hole ich die Araberin ab. Ganz in schwarz gekleidet, nur das Gesicht ist frei, sitzt sie auf dem Polstermöbel gegenüber der Rezeption und wartet auf mich. Die Rezeptionistin deutet auf die Dame und nennt mir das Fahrziel; Krankenkenhaus Barmherzige Brüder, Romanstraße.

Ich gehe voraus zum Taxi. Als ich mich beim Öffnen der hinteren Türe umdrehe, um sie einsteigen zu lassen, sehe ich sie langsam mit wankenden Tippelschritten auf mich zukommen.

“Hast du Probleme mit deinen Hüften?“ 

 frage ich sie. Überrascht hält sie inne und bejaht meine Frage. Ich bin keine medizinische Koryphäe. Die Barmherzigen Brüder sind eine der zwei führenden Adressen beim Einsetzten von Hüftprothesen in Bayern. Natürlich suchen Patientinnen dieser Art nur die Kliniken mit dem besten Ruf auf. So war es für mich nicht schwer, ihr Problem zu erraten. 

Der Ring ist zu!

Auf dem Weg zur Autobahn erzähle ich ihr, daß ich heuer auch dort in der Klinik war, um mir eine Titanhüfte einsetzen zu lassen. Interessiert hört sie mir zu und betrachtet mein Röntgenbild, daß ich ihr auf meinem Smartphone zeige.
Die Stadt ist voll, es ist 16 Uhr, der Bahnstreik und ein Brand in der U-Bahn verdichten den Verkehr noch mehr.
Der kürzeste Weg von der Messe zu den  Barmherzigen Brüdern in der Romanstraße führt über die A 94, Vogelweideplatz, Prinzregentenstraße, Europaplatz, Luitpoldbrücke, Altstadtringtunnel, Briener Straße, Nymphenburger Straße, Romanstraße. Würde man auf dem Stadtplan mit dem Lineal einen Strich zwischen den  beiden Adressen ziehen, kämme meine Strecke ziemlich nahe an diese Linie.

Zwei Kilometer vor der Klinik, wir sind schon von der Nymphenburger Straße nach links in die Romanstraße abgebogen, fragt sie mich;

“Weißt du wo die Klinik ist!?“

Jetzt fahre ich den kürzesten, und zu dieser Zeit auch den schnellsten, Weg durch die Stadt, dann kommt so eine Frage. Nur weil sie  vielleicht mit dem einen  oder anderen Kollegen über den Ring gefahren ist. Nachts, oder während der Mittagszeit,  mag die Fahrzeit über den Petuelring kürzer sein. Die Strecke ist aber niemals kürzer. Hätte ich den Ring gewählt, stände ich bei der Einmündung der Ifflandstraße im isarring, oder bei der Abfahrt zur Landshuter Allee, oder in der Menzinger Straße im Stau.
Habe ich ihr nicht vor 15 Minuten erklärt, daß ich selbst dort im Krankenhaus war?! Ich schüttle alles von mir ab und antworte mit einem knappen;

“Ja!“

Keine zwei Minuten später kassiere ich 35,- € für die Fahrt und wünsche ihr, inschallah, viel Glück für ihre bevorstehende Operation.