Samstag, 31. Januar 2015

Goldrausch



Das Paar steht unter dem Dach des Einganges des Marriott Hotels. Beide rauchen. Ich bin soeben auf das Rondell vor dem Hotel gefahren und das erste und einzige Taxi weit und breit.
Vorsichtig kommt er an das Beifahrerfenster.

"Are you available?" 

Ja das bin ich. Kaum sitzen sie im Fond, zeigt er mir einen kleine handgeschriebene Notiz mit dem Fahrziel, fein säuberlich von der Rezeption, sogar mit vollständiger Adresse, geschrieben. Zum Haxnbauer, Sparkassenstraße 10, 80331 München wollen sie. Offenbar hat der junge Mann an der Rezeption die Anschrift aus dem Internet gefischt und ihnen den Zettel mitgegeben.


Ich frage sie woher sie kämen. Aus den  U.S.A. war die Antwort. Nachdem ich meinen Gästen eröffnete ,daß ich schon einmal in Amerika, auf Kuba, war, wollten sie gleich wissen ob ich da Verwandte hätte.
Wir haben ziemlich viel gesprochen auf dem Weg von Schwabing in die Stadtmitte. Auf meinem iPad habe ich Ihnen das Glockenspiel im Rathausturm gezeigt. Die tanzenden Schäffler habe ich einfach mit barrelmakers übersetzt. Leider können sie es nicht mehr im Original sehen, denn sie sind nur hier auf der Durchreise. Sie sind heute erst aus Salzburg in München angekommen und morgen früh fliegen sie wieder zurück im die Heimat. Um 9:30 Uhr geht der Flug. Sie wollen wissen ab wann sie vom Hotel abfahren müssen. Eine Fahrt zum Flughafen? Start in der Früh gleich vor meiner Haustür? Da frage ich gleich nach und habe Glück. Wir verabreden uns für morgen früh um sieben vor dem Hotel. Zur Sicherheit gebe ich ihnen meine Karte und sie mir ihre Zimmernummer. Am Ziel bekomme für den Fahrpreis von 17Euronochwas einen Zwanziger und zusätzlich noch 6 US$ in zwei Scheinen. 

Am nächsten Morgen komme ich zehn Minuten vor der Zeit vor das Hotel gerollt. Die Dame ist schon zum Rauchen vor die Tür gekommen. Da steht sie nun neben ihrem riesigen Koffer. Ich bedanke mich noch einmal für das fürstliche Trinkgeld und die Dollarscheine. Ich erzähle ihr das ich die Scheine gestern Abend meiner Tochter gezeigt habe, nachdem sie gefragt hat was das sei. Eine weitere Dame, ebenfalls wegen ihrer Zigarette vor der Türe, qVorderseite gesellt sich zu uns und beteiligt sich an unserem Gespräch. Sie kommt aus Südafrika. Nachdem sie erfahren hat, daß meine Gäste jetzt nach den U.S.A. fliegen, zeigt sie sich besorgt, ob den die Flüge überhaupt gehen würden. [ es war Dienstag dieser Woche, der Tag an dem abends der Sturm an der Ostküste angekündigt wurde]


Ich rufe die Fluginformation am Münchener Flughafen an um mir bestätigen zu lassen, daß wir nicht umsonst ins Erdinger Moos fahren. Die Flugausfälle betreffen aber nur Flüge von und zur Ostküste. Mein Ehepaar aus Colorado fliegt mit der United von München nach Houston/Texas. Dieser Flug fliegt wie geplant um 9:30 Uhr ab. Während meines Telefonats verschwindet die Südafrikanerin in der Hotellobby. Als sie wieder zu uns stößt, zeigt sie mir einen Geldschein und eine Münze aus Südafrika. Der Mann auf der Vorderseite des 50 Rand Scheines ist Nelson Mandela, und auf der Rückseite prangt ein ein majestätischer Löwe. Auf der 5 Rand Münze ist ein Büffel eingeprägt. Schließlich steckt sie mir den Schein und die Münze zu. Ich solle sie behalten und meiner kleinen Tochter zeigen. 

Zwei der Taxifahrer, die vor dem Hotel warten, stehen etwas abseits. Als meine Amerikanerin mit dem Koffer vor die Türe kam, hätten sie sie schon gefragt, ob sie zum Flughafen muß. Sie hat, mit dem Hinweis, daß sie schon ein Arrangement hätte, abgelehnt. Die beiden enttäuschten Kollegen waren jetzt natürlich neugierig, wer da als Abholer kommt. 

Endlich kommt der Ehemann durch die Tür, er befreit mich aus der etwas peinlichen Situation. Ich erkenne, daß ich noch an meiner falschen Bescheidenheit arbeiten muß. Die Aktion muß mir nicht peinlich sein. Ich hole meine Kunden ab! Schließlich leben wir in der gleichen Welt und es gelten die gleichen Voraussetzungen.

Auf dem Weg zum Flughafen unterhalten wir uns noch gut über den aktuellen Goldpreis, der gerade in die Höhe geschnellt ist und kommen so auf den Goldrausch vor 140 Jahren in Ihrer Heimat Colorado zu sprechen. Am Flughafen, oben am T2, an der Taxianfahrt, nach dem Aussteigen, zünden sich Beide noch vor dem Betreten des Flughafengebäudes eine an. Wir quatschten noch weiter. Ich hole meine Handy aus der Mittelkonsole um Fotos zu zeigen. Fast vergesse ich, daß ich den Vorfahrtsbereich nach zehn Minuten wieder verlassen muß.
Wenn sich die Beiden nicht verabschiedet hätten, hätte ich sogar ruhigen Gewissens eine Parkkarte gelöst. Schließlich haben sie mich um 100,-, 55,- Rand und 6,- US$ reicher gemacht.

Ein halbes Jahr später, halte ich meinen -> ersten Krügerrand in der Hand.

Dienstag, 27. Januar 2015

Blitzeis



Der Inder steigt mir vor zwei Stunden am Flughafen zu. Schon auf dem Weg vom Flughafengelände bemerke ich die Misere. Überall gelb und rot. Noch bin ich froh auf der einzig freien Autobahn, der A9 zu fahren. Bis zur Allianz Arena ging alles noch gut. Auf Höhe des Stadions reihen wir uns im Schneegestöber in einen Stau, den ich während der nächsten zwei Stunden nicht verlassen werde. 

Langsam quälen wir uns Meter für Meter in die Stadt. Mein indischer Fahrgast nimmt es gelassen und findet alles ganz toll. Den frischen Schnee in den Kronen der Bäume findet er romantisch. Wir fahren über den Isarring. Zum Test beschleunige ich kurz. Die Räder drehen, trotz neuer Winterreifen durch. Der erlösende Richard-Strauss-Tunnel rückt langsam näher. Rechts neben uns, bei der Auffahrt zum Effnerplatz, sehen wir ein Fahrzeug, daß in der leichten Steigung rückwärts nach hinten rutscht. Die zwei dahinter stehenden Fahrer versuchen hecktisch dem rutschenden Blech auszuweichen. 

Durch den Tunnel kommen wir gut durch. Rechts biege ich in die Berg-am-Laim Straße. Ich folge einem weißen Transporter. Am Haidenauplatz müssen wir an der roten Ampel stehenbleiben. Ich halte Abstand. Die Ampel schaltet auf grün, mit sirrenden Reifen versucht der Transporter Fahrt aufzunehmen.
Mit 74,90 € auf dem Taxameter komme ich zum Residence Inn Marriott. Soviel hat es vom Flughafen bis hierher noch nie gekostet. Ich war auch noch nie so lange unterwegs. Mein Inder scheint zufrieden zu sein, er legt noch ein sattes Trinkgeld drauf. 

Vor dem Marriott Residence Orleonsstraße

Auf dem Rückweg meide ich die großen Straßen. Über die Spicheren, Elsässer, Flur komme ich ohne behindernden Verkehr in meine Richtung. Über das Maximilianeum komme ich auf die Ifflandstraße. Die Straße ist spiegelglatt. Neben mir kommt mein alter Kollege und Freund Süleyman zu stehen. Er fährt das Taxi mit der Nummer 296. Die Nummer habe ich mal in einen Dreier-Packet dazugekauft. Das Auto, ein Mercedes-Kombi, ist noch von meinem Nachfolger Sandor. Wir unterhalten uns über die geöffneten Seitenscheiben. Beim Anfahren drehen seine hinteren Räder durch. Das Heck rutscht gefährlich nahe an meine hintere Türe. Das wäre ein Zufall; bei über 3400 Taxis "küssen" sich ausgerechnet unsere Taxis. Süley hat die Sache im Griff und geht im richtigen Moment vom Gas, sein Taxi rollt nach vorne.
Mit einem Auge bin ständig auf dem Außenthermometer. Es zeigt immer zwischen -0,5 und 0,5 Grad an. Genau die kritische Grenze zwischen tauen und frieren. 

Bei der weiteren Schleichfahrt kann ich noch eine interessante Szene beobachten. Ein Gelenkbus will von der Haltestelle Ifflandstraße abfahren. Es will ihm nicht gelingen. Der Bus rührt sich nicht von der Stelle. Stattdessen rutscht der vordere Teil des Busses wie ein Uhrzeiger langsam auf die Fahrbahn. Mit einem leichten Ruck knickt das große Fahrzeug ein und bleibt regungslos stehen. Drei PKW können noch passieren. Der Schneepflug allerdings kommt nicht mehr vorbei. Der entstehende Rückstau verdichtet den Verkehr auf dem Isarring noch einmal. Zum Glück passiert das alles auf meiner Höhe und ich bin von den Folgen dieser Aktion nicht mehr betroffen.

Autobahn A9 - Maximiliansbrücke - Ungererstraße

Vor einer Stunde bin ich zu Hause angekommen. Nach der Wettervorhersage wird heute Nacht das Thermometer auf -6 Grad fallen.
Liebe Nachtfahrer, nicht nur in München, passt heute Nacht mehr als sonst auf, ich drücke euch die Daumen.

Montag, 19. Januar 2015

Drugs'n Trucks

Erster Tag der BAU. Die erste richtige Messe in diesem noch jungen Jahr 2015. Natürlich habe ich am Montag in der Früh eine Fahrt zum Flughafen und natürlich bleibe ich an einem solchen Tag am Flughafen stehen. Erwarten wir doch den Ansturm der Messebesucher. Die Leute vom internationalen Baufach werden doch keine S-Bahn oder den Bus nehmen. Und so ist es dann auch. Kaum wird unsere Reihe vom AGIP -Speicher noch oben, vor das Terminal 2, gerufen, bin ich schon nach 20 Minuten wieder weg.

Zwei Russen habe ich geladen. Sie wollen nach Parsdorf, in den Posthalterring. Die Strecke kommt mir gelegen. Parsdorf liegt östlich von München. Wir sparen uns den üblichen Montag Morgen Stau auf der A9 einwärts. Gleich nach dem Flughafengelände fahre ich auf die neue 301, die schnurstracks nach Norden führt. Vor Aschheim, nach den Speicherseen, wechsle ich auf die Ostumgehung. Bei der Kreuzung der Ostumgehung mit der A94 München - Passau kann ich wieder die verkehrsärmere Alternative, Richtung Passau, nehmen. Unbehelligt vom Verkehr erreichen wir Parsdorf mit dem riesigen Möbelhändler Segmüller. Wer hier während der letzten Wochen nicht hier war, wir überrascht sein. Ich habe hier mindestens drei neue Kreisverkehre gefunden. Auf dem Weg zum Posthalterring drehe ich auf einem der neuen Kreisverkehre eine  Ehrenrunde weil ich die richtige Abfahrt verpasst habe.
Die beiden jungen Russen wollen mir behilflich sein;

"We want to go to an Drrrug Dealerrr."

Dabei rollt er das R genauso wie das auch wir Bayern können. Drug Dealer! Hat er das jetzt ernst gemeint? Ich spiele die Gaudi mit;

"Da, Da to the Drug Dealer."

Im Rückspiegel sehe ich keine Regung in ihren Gesichtern. Ich male mir schon aus wie wir jetzt einen Rastafari mit Dreadlocks an der Straßenecke, ein Crack-Labor im Metallcontainer oder, noch besser, einen Kolumbianer in einer schwarzen Limousine treffen.


Ich ahne schon, daß mir ein Abenteuer entgeht. Das Wort Camion bringt die Lösung. Ich habe mal gehört, daß das das Wort für Lastwagen in fast allen slawischen Sprachen ist. Nachdem ich es in's Taxi geworfen habe, haben Beide nur ernst genickt und dabei meine Phantasie zerstört.
Tatsächlich finden wir den Truck-Dealer, den Gebrauchtlastwagenhändler, in einem Verschlag aus Metallcontainern, Holzlatten, Plexiglas, inmitten von gebrauchten Kippern, Sattelaufliegern, Bussen, Drei- und Vierachsern an einem rauchenden Ofen sitzen. Drüse haben wir außer Tabak und Kaffee keine gesehen, aber Trucks gibt es in Hülle und Fülle.




Sonntag, 18. Januar 2015

Aussicht

Am Sonntag Abend geht der Bahnhof gut. Alte Taxifahrerweisheit. Die Münchner kommen zurück von ihren Ausflügen, Bekanntschafts- und Familienbesuchen. An meinem Lieblingsbahnhofsstand, dem Bahnhof Nord, finde ich keinen Platz mehr. Die Taxis stehen schon bis in die Arnulfstraße und behindern dabei die Busse die ebenfalls hier ihre Gäste einsteigen lassen wollen. Eine Ursache dafür sind auch die Privatfahrer, die, besonders am Sonntag Abend, ihre Fahrzeuge an den Bushaltestellen parken. Jeder ist nur ein paar Minuten hier und will seine Oma, Tante, Nichte, Onkel.... abholen. Aber hundertmal "bin gleich wieder weg" ist auch ein ganzer Abend. Da muß ich nicht auch noch mit meinem Taxi verkehrsverdichtend wirken und schleiche mich um die Ecke an den Bahnhofsplatz.
Hier am Bahnhof Mitte finde ich hinten am Taxistand genau noch einen Platz. Bis ich nach einer knappen Stunde vorne bin, stecke ich die Nase in mein Buch. Am Bahnhof Mitte stehen die Taxis in zwei Reihen nebeneinander. Als ich Erster bin, steige ich aus, stelle mich neben das Auto um die Gäste zu empfangen.
Neben dem Stand steht ein junger Mann. Er raucht eine Zigarette.

"Frei?" ; er deutet auf mich und mein Taxi.

"Ja."

Nach meiner Antwort wirft er die erst halb aufgerauchte Zigarette auf den Boden, tritt sie aus und setzt sich auf den Beifahrersitz. Unfreundlichkeit ist nicht die Ursache für das knappe Gespräch, er spricht sehr schlecht Deutsch und kein Englisch, wie ich jetzt feststelle. Er will in die Landsberger Straße 108. Die Straße verstehe ich sofort, um bei der Hausnummer sicher zu gehen, notiere ich die 108 auf einen Zettel und warte auf seine Bestätigung. Die dreistelligen, deutschen Zahlen sind für die nicht Muttersprachler eine kleine Herausforderung. Zuerst wird die erste, dann die letzte und am Ende die mittlere Stelle gesprochen.
Das Ziel ist klar. Die Strecke nur kurz. Am Bahnhofsplatz rechts abbiegen, aus der Bayerstraße wird die Landsberger Straße. Woher er komme, will ich wissen. Aus Griechenland. Es gefällt ihm hier. Zuhause hat er viel gearbeitet und im Monat 360,- € bekommen. Hier arbeitet er auch viel und bekommt dafür über 1.000,-€. Er ist erst sieben Monate hier. Manchmal, so wie jetzt leistet er es sich mit dem Taxi in ein griechisches Restaurant zu fahren. Er freut sich auf seine Landsleute, mit denen er in seiner Muttersprache sprechen kann.
Während unsere Verständigung, Gespräch mag ich es nicht nennen, suche ich die Häuserfronten nach Hausnummern ab. Weit vorne, fast an der Donnersbergerbrücke , erkenne ich in der Dunkelheit ein beleuchtetes Wirtshausschild. Poseidon - das ist es.
Nach dem Bezahlen entlasse ich meinen Fahrgast in sein sonntägliches Vergnügen. Beim Blick auf das Taxameter, das bei mir über dem Rückspiegel angebracht ist, entdecke ich durch das Glasschiebedach ein interessantes Motiv - den 23stöckigen Central Tower München.
7,30€ hat mir die Tour nach einer Stunde, mit Wartezeit am Bahnhof, gebracht. Unseren Mindestlohn habe ich knapp verfehlt.

Central Tower

Ich freue mich über die Aussicht, fahre über die Brücke, die Arnulfstraße wieder zurück zur Nordseite des Bahnhofs. Diesmal habe ich mehr Glück. Vor mir stehen nur vier Taxis. Nach nur fünf Minuten steigt mir eine Dame zu. Sie will in die Fasanerie in den Münchner Norden. Jetzt habe ich ihn auch, meinen Heimatstich.

Samstag, 17. Januar 2015

Schnell weg

Am Montag beginnt die BAU, der kleine Bruder der BAUMA, der Baumaschinenmesse. Die Nachtfahrer werden sich schon auf die Klientel freuen. Der eine oder andere Clubstich wird schon herausschauen. Mir sind die ersten Freier ganz unverhofft schon am frühen Nachmittag in der Stadtmitte zugestiegen. Drei Italiener - einer zeigt mir sein Handy mit der Adresse des Sunshine FKK Clubs. Die drei sind nicht wegen der Messe in München, sondern, wie ich aus den einzelnen Sprachfetzen heraushöre, wegen eines Autokaufs. Sie wollen einen Mercedes kaufen. Auf dem Weg zu dem nackten Fleisch erörtern sie die Vor- und Nachteile der verschiedenen Getriebe. Automatic oder Manuale - darum geht es.

Bevor wir an dem Club ankommen zeige ich den drei Ragazzi noch den Taxistand an der Eichstätter Straße. Drei Taxis stehen hier und warten auf Kundschaft. Sie bedanken sich noch brav  für die Information.

Vor dem Club stehen 15,10€ auf dem Taxameter. Mein Beifahrer gibt mir einen 20 Euro Schein und steigt aus. Der Gast hinter mir kramt in seinen Taschen und sagt mir, er hätte noch Geld. Er übergibt mir ein 10 Cent Stück. Ich gebe ihm einen 5 Euro Schein zurück. Er steckt den Geldschein ein.
Jetzt ist die Frage, hat der Bezahler die Aktion verfolgt, oder nicht? Das auf den Cent bezahlt wird, ist für italienische Gäste eigentlich typisch. Entweder der Bezahler ist großzügig und wollte es bei den 20 Euro belassen, dann hat er einen schönen Amico im Gefolge, der ihm noch schnell einen Fünfer abmontiert. Wenn der schon bei fünf Euro einknickt möchte ich mit dem nicht einmal Essen, geschweige denn in den Puff gehen oder ein Auto kaufen.


Auf dem Rückweg ist der Taxistand leer. Alle drei Taxis, die vor 10 Minuten noch da waren sind weg. Ein leerer Stand ist zu verlockend, ich mache den Ersten am Eichstätter.
Falsche Freunde und Geiz sind die besten Voraussetzungen für ein Geschäft und einen FKK-Club-Besuch. Ich habe die berechtigte Befürchtung, daß das nicht lange gutgeht. Hoffentlich bin ich schon wieder weg wenn die Drei mit hängenden Köpfen auf mich zukommen. Wo ich zu finden bin habe ich ihnen ja selbst verraten.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Ein Gespann

Mit einem richtigen Brummschädel sind wir aufgewacht. Die halb volle Flasche Jägermeister steht auf dem Schreibtisch neben der Pelzmütze. Nach den tiefen oooooohhhhhh's und oioioioi's hilft nur eine Dusche, viel kaltes, klares Wasser außen und innen, frische (Berliner) Luft und ein Frühstück!
Vor fünf Jahren, so erinnern wir uns, waren wir in der Greifswalder Straße, gleich beim Thälmann-Park im Prenzlauer Berg, in einem gemütlichen Kaffee. Bevor wir uns auf den Weg machen, befrage ich noch einmal GoogleMaps und finde dabei das -> ️Café Laelia Die Inhaberin ist gelernte Konditormeisterin. Das lässt uns auf feinstes Backwerk hoffen.


Der große Thälmann-Park ist gleich gefunden. Zuerst begrüßen wir das mächtige Denkmal des Genossen. "Ein trinkender Arbeiter denkt nicht, und ein denkender Arbeiter trinkt nicht." Ob diese Worte tatsächlich aus Teddys Mund stammen, kann ich nicht bestätigen. Zumindest aber war der Spruch in der fortschrittlichen Arbeiterschaft der 1930ger Jahre bekannt. Unser momentaner Zustand bestätigt nur die Wahrheit hinter diesem Spruch. Bei der Gelegenheit lege ich gleich einen Eid ab, keinen Alkohol mehr zu trinken. Nie mehr! Nie wieder! Zumindest im Januar nicht mehr. Nachdem mir der Wind die Mütze vom Kopf geweht hat, gehen wir in das avisierte Café. Wir erkennen es sofort, es ist genau das Café,  daß wir schon vor fünf Jahren aufsuchten. Robert kennt sogar noch den Tisch an dem wir damals saßen. Damals hatten wir auch große Pläne die wir genau hier manifestierten und bei deren Gelingen, wir hier das Ergebnis feiern wollten.
Eine der hausgemachten Torten dort in der Kühlvitrine wäre jetzt noch nicht das richtige Katerfrühstück. Wir starten mit Rühreiern und Afri-Cola. Ob es die zu der Situation und geographischen Lage passende Vita-Cola noch gibt? (Update - Einschub: Ja, es gibt sie sogar in -> München )


Den Torten im Laelia können wir nicht Wiederstehen. Wir gönnen uns die süßen Meisterstücke der Konditorin. Und ich komme auch noch zu meinem Einspänner! Die Kellnerin hat früher bei einer österreichischen Hotelkette gearbeitet und kann uns unseren Wunsch nach der Kaffeespezialität erfüllen. Der Einspänner ist ein einfacher, üblicher Kaffe mit Obers. Den Namen hat er von unseren  Berufsvorfahren, den Wiener Fiakern. Wenn die ihren Kaffee mit auf den Kutschbock ihrer Einspänner nahmen, kühlte er unter der dicken Sahneschicht in den Tassen nicht so schnell aus. Der vorher gezuckerte, warme  Kaffee wird durch die kühle Sahne geschlürft.
Wir machen das jetzt in Berlin genau so wie die Wiener Fiaker, nur das wir mit einem Mercedes-Taxi am Thälmann-Park vorgefahren sind. Der ist beileibe kein Einspänner, der hat 140 Pferdestärken.

Dienstag, 13. Januar 2015

Strategy Consultants





 Roland Berger Consultants ist umgezogen. Die Münchner Unternehmensberatung ist jetzt nicht mehr in den Zwillingstürmen in der Mies-van-der-Rohe-Str. Gestern habe ich zum ersten Mal einen Berater in das neue Büro im Sederanger 3 gebracht. Das Büro ist einem nagelneu errichteten Gebäude zwischen den UniCredit Bürogebäuden. Die Außenanlagen sind noch nicht fertig.

Montag, 12. Januar 2015

Eingewickelt



"... Berliner Eckkneipe ... wo man auch Fußball Bundesliga schauen kann ... bekommst immer 'ne Molle und 'nen Korn ... "

das waren die Bewertungen der Gäste auf Yelp, auf dieser Plattform können Restaurants oder Bars bewertet werden, die uns dazu veranlassen die Kupferkanne mal auszuprobieren. Die Kneipe an der Ecke Steinmetzstraße / Alvenslebenstraße ist gleich diagonal gegenüber im Block unseres Hotels. Einen weiteren Grund, den wir vorher schon beachtet haben, denn dann haben wir nachher nicht mehr so weit in unsere Betten.

Das beleuchtete Schultheiß-Brauereischild sehen wir schon von weitem. Wir öffnen die Türe. Vier Männer stehen vor dem Tresen und blicken in unsere Richtung. Um uns zu mustern müssen sie nur die Augen senken. Über uns, über der Eingangstür ist ein großer Flachbildfernseher der die sonst die Aufmerksamkeit der Kneipenbesucher auf sich zieht. Es sei denn, zwei Fremde stehen plötzlich im Türrahmen darunter...

"Wir gucken gerade Fernsehen. Die Zusammenfassung der Weltmeisterschaft."

erklärte der Wirt und wechselte schnell hinter den Tresen um uns unsere ersten zwei Pils zu zapfen. Danach gesellte er sich zu den inzwischen fünf Gästen vor den Tresen um die Ausschnitte  des Spieles Brasilien - Deutschland zu verfolgen. Das Endspiel Argentinien - Deutschland kommentieren wir mit unserem zweiten Pils in der Hand fleißig mit. Nach der Siegesfeier in Brasilien und dem Einzug in Berlin schaltet der Wirt den Fernseher ab und widmet sich seinen Gästen.

"Woher kommt ihr denn? Aus München. Aha, aus dem bayerischen Raum!"

FC. Bayern; vernehmen wir von den anwesenden Fußballfreunden. Der Wirt, Nedim, erzählt uns, daß sie früher öfter im bayerischen Raum waren. Kurze Reisen mit dem Sparverein, dabei deutet er hinter sich an die Wand. Dort hängen drei Kästen mit kleinen Fächern. Jedes Fach hat eine Nummer und einen Schlitz. Unter dem Schlitz sind deutsche und türkische Vornamen bunt gemischt zu lesen. Neben jedem Kasten hängt an einer Kette ein kleiner Blechstreifen. Die Sparvereine sind uns hier im Süden nicht so bekannt, deshalb versucht es uns der Wirt zu erklären.

"Noch zwei Pils!?"

Jeder der Vereinsmitglieder muss monatlich einen Mindestbetrag sparen. Versäumt es das Mitglied, muß es zwei Euro Strafe zahlen. Ach, ihr seid Taxifahrer. Wie läuft das Geschäft in München? Er hat die Kneipe schon über 20 Jahre. Ja, früher war es auch in Berlin leichter...

"Noch zwei Pils!?"

Neben den Pilsblumen stellt er jeweils zwei Stamperl Schnaps vor uns auf den Tresen. Der Schnaps geht auf's Haus. Früher konnte der Sparverein sogar Reisen seine Reisen nach Spanien oder in die Türkei bezuschussen. In dem Moment als der Wirt hinter dem Schankraum in der Küche verschwindet, betritt wie bestellt eine Dame das Lokal.

"iyi akşamlar." grüßt sie knapp.

Sie geht an uns vorbei, steckt einen zusammengefalteten Geldschein in den Sparkasten an der Wand hinter uns. Mit dem Bleichstreifen stopft sie den Schein ganz durch den Schlitz. Als sie auf dem Weg nach draußen wieder an der offenen Küchentüre vorbeikommt, grüßt der Wirt ebenso knapp zurück.
Uns bringt er aus der Küche zwei kleine Schälchen mit Salat und zwei weitere Pils mit. Später haben wir dann Ausflüge nach Westdeutschland gemacht. Da waren wir auch bei euch im bayerischen Raum. In Nürnberg zum Beispiel. Jetzt, während der letzten Jahre, machen wir nur ein Grillfest mit einem Musiker oder so was.

"Früher hat es auch noch Zinsen gegeben ...." schaltet sich ein Mann vom anderen Ende des Tresens in das Gespräch ein. Er sitzt dort schon seit 20 Minuten, trinkt einen Tee. Er ist uns bis jetzt nicht aufgefallen.

" ... Das ist auch ein Taxifahrer. raunt uns leise der Wirt zu.

Schon ist das Gespräch bei dem leidigen Thema Taxi. Wir wollen es immer vermeiden über das Taxi zu reden, aber wenn wir schon einmal einen Kollegen aus Berlin am Tisch haben, wird sich dann doch ausgetauscht. Es ist Januar 2015. Wir kommen auf Hermann Waldner zu sprechen, der jetzt als einer der Geschäftsführer des Isarfunks nach München kommt. Selbstverständlich kennt unser Berliner Kollege den Waldner.
Robert will ein Foto von dem Wirt und uns. Wir bitten den bisher stillen Gast, einen Koch, das Foto mit Roberts Handy zu knipsen. Auf dem Foto hält Nedim einen von uns ausgegebenen Schnaps und wir wieder zwei frische Pils.
Nach dem Foto werden unsere Gespräche immer bierseliger. Es steht zur Frage in welche Blätter das Hackfleisch eingewickelt wird. Ich kann mit den kulinarischen Künsten meines serbischen Schwiegervaters trumpfen, der das Hackfleisch für das Sarma in Weißkohlblätter einwickelt. Die Griechen, so sind wir uns einig, wickeln das Hackfleisch in Weinblätter ein. Nedim ist der Meinung, daß es noch ein älteres osmanisches Rezept gibt in denen das Hackfleisch in andere Blätter eingewickelt wird. Er weiß zwar nicht wie die Blätter heißen. Es gibt sie neuerdings sogar hier in Berlin. Hier, hier hat er ein Foto der Blätter. Er zeigt uns sein Handy mit einem Foto der Blätter  aber weder der stille Koch noch ich, der Gärtner, können die Blätter identifizieren. Ich könnte mit dem botanischen Namen des Weins, in der Hoffnung, daß Latein eine Ähnlichkeit mit einer der Tresen gesprochenen Sprachen hat, aufwarten. Aber die Blätter auf Nedims Foto sind hundertprozentig keine Weinblätter.
Nachdem, selbst nach ausgiebiger Diskussion aller Anwesenden, keine Lösung in der Frage der Einwickelblätter gefunden werden konnte, wechselt das Gespräch zu einem weitern bedeutendem Thema. Schnupftabak! Wo gibt es den Besten? In Bayern oder Schweden?

"Noch zwei Pils!?"

In Berlin am Eck

Wir bleiben bei unserm Bier. Der Berliner Kollege trinkt noch einen Tee. Der Koch ein Weißbier, das hier manchmal falsch als Weizenbier betitelt wird. Wir bleiben, bis wir merken, daß jetzt die Zeit gekommen ist, zu der unsere Kneipe langsam schließt. Wir haben den Kragen voll und verlangen die Rechnung. Der Wirt legt seinen Schreibblock neben uns auf die Theke, ergänzt noch eine Strichliste, streicht sie mit einem waagrechten Strich wieder durch, schreibt zwei Buchstaben auf das Papier, macht einen Kringel um die Zahl und sagt bestimmt;

"Dreißig! Dreißig Euro."

Mich erinnert das Verfahren an meine -> Araberpreise. Äußerst zufrieden bezahlen wir mit gutem Trinkgeld. Robert lässt sich nicht lumpen. In München würden wir in einer angesagten Bar für zwei Cocktails mit Trinkgeld dreißig Euro bezahlen. Hier haben wir sie gefunden, die bodenständigen, netten, aufgeschlossenen Berliner. Zu viert machen wir uns auf den Weg um den Block. Wir Zwei und unsere Affen die wir haben. Mit einem satten Rausch im Gnack kaufe ich im Istanbul-Grill noch eine kleine Flasche Jägermeister. Ich brauche ja noch was bis ich über der Potsdamer Straße bei unserem Hotel bin. Die halb volle Flasche steht jetzt immer noch in unserer Küche in München.