Freitag, 31. Juli 2015

Sanduhr



Die Aussichtsplattform - Sanduhr


Ganz im Westen Münchens, entsteht soeben ein neues Stadtviertel - Freiham. In einer Imbissbude an der Bodenseestraße finde ich einen Stadtteilanzeiger mit einem kurzen Artikel über die Sanduhr. Es ist Sonntag Nachmittag, Freiham ist nicht gleich einen Kilometer weiter, also fahre ich nach der Dönerbox gleich rüber zur Wiesentfelser Straße wo die neue Aussichtsplattform errichtet wurde. 

Blick von der Sanduhr ins Gewerbegebiet Freiham-Süd


Das Gebiet zwischen der A96 und der Bodenseestraße ist schon seit Jahren ein riesiges Gewerbegebiet. Hier sind der Höffner-Möbelmarkt an der Anton-Böck- / Ludwig-Koch-Straße und der Hornbach Baumarkt an der Hans-Steinkohle-Straße, zwischen dessen Regalen ich schon 2010 mitsamt -> Taxi und Japanern  unterwegs war. 

Der Aussichtsturm ist auf der anderen Seite, stadtauswärts rechts, nördlich der Bodenseestraße. Hier ist noch nichts, außer der Aushub für eine neue Grundschule und eben die Sanduhr. Die auf- und absteigenden Menschen sollen den Sand und die vergehende Zeit symbolisieren. Heute bin ich mutterseelenallein auf der Plattform. Ich knipse einmal ein Foto in Richtung über die Bodeseestraße, in das schon bekannte Gewerbegebiet und ein zweites Mal auf die Baustelle der Grundschule. Ich nehme mir fest vor, in ein paar Wochen den Baufortschritt zu dokumentieren.

Noch steht kein Stein - Schule Freiham

Sonntag, 26. Juli 2015

Zur Familie



In der Schluderstraße in Neuhausen bin ich freigeworden. Ein Kavalier der alten Schule hat zuerst seine Begleitung, eine Dame im reiferen Alter, vom Rotkreuzplatz nach Hause in die Schobserstraße gebracht. 2,5 Kilometer vom Einstieg am Taxistand Rotkreuzplatz in die Schobserstraße, warten bis die Dame im Haus verschwunden ist, und dann noch einmal 3 Kilometer zurück, am Taxistand vorbei, in die Schluderstraße. Heute will mein Fahrgast ein besonderes Auge auf seine Begleitung haben. Sie waren zum Feiern eines 70gsten Geburtstages zum Mittagessen verabredet und jetzt da ich ihnen die Uhrzeit 19 Uhr nenne, erschrecken sie Beide. Im Winter, so sagt mein Fahrgast, bittet er den Taxifahrer noch solange zu warten, bis er oben in ihrer Wohnung das Anschalten des Lichts bemerkt. In der Schluderstraße, steigt der Kavalier aus und ich überlege mir,  meinen nächsten Fahrgast unter den am Sonntagabend Ankommenden am Bahnhof zu schnappen. Wenn ich mich an die Nordseite des Bahnhofs stelle, erwische ich mit großer Wahrscheinlichkeit einen Gast der in den Münchner Norden will, und mir so meinen Heimatstich verschafft. 

Am Bahnhof finden sich immer mehr Flüchtlinge zwischen den üblichen Reisenden. Drei junge Männer, offensichtlich aus dem Mittleren Osten stammend, halten dem Kollegen vor mir, ein, mit arabischen Buchstaben bedrucktes, Papier vor. Dazu sagen zwei der beiden immer nur "Sechzig", oder zumindest ist es das, was wir verstehen. Der Kollege nimmt schnell einer ankommenden Dame das Gepäckaus der Hand verstaut es in seinem Kofferraum. Als er einsteigt um seine Fahrt anzutreten ist er sichtlich erleichtert die verzwickte Situation überwunden zu haben. Die Drei gehen jetzt über die Straße zu den wartenden Taxis. Vielleicht in der Hoffnung dort unter den zahlreichen Taxifahrern einen Kollegen zu finden, der Arabisch spricht.
  
Sonst treffen die Flüchtlinge am Münchener Bahnhof schon am Bahnsteig auf Polizeibeamte, die sie dort schon auf den Bahnsteigen der entsprechenden Züge erwarten. In einer Gruppe werden die Neuankömmlinge am Taxistand vorbei zu einer ersten erkennungsdienstlichen Behandlung in den Starnberger Flügelbahnhof gebracht. Von hier geht dann die, inzwischen noch größer gewordene, Gruppe unter Polizeiaufsicht an die Bushaltestelle, wartet dort, und besteigt später einen von der MVG abgestellten Linienbus, der sie in das Lager in der Heidemannstraße bringt. Noch vor Monaten sind die Flüchtlinge selbst, nachdem sie von der Polizei einen Zettel mit der Adresse bekommen hatten, -> zu uns an den Taxistand gekommen´.

Inzwischen bin ich der Erste. Zu mir kommen zwei junge Männer. Einer von ihnen hat einen Zettel in der Hand. Kein offizielles Papier. Auf den zweiten Blick erkenne ich eine Taxiquittung.  Darauf steht handschriftlich in lateinischen Buchstaben Maria-Probst-Str. Erfahrungsgemäß hat das wenig Sinn die Ankömmlinge einfach in ein Auffanglager zu bringen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir von dort weiterverwiesen um mit tickendem Taxameter unser Glück woanders zu versuchen. Eine für alle Beteiligten keine zufriedenstellende Situation.  


Auffanglager Einfahrt Lotte-Branz-Straße




Im Euro-Industriepark habe ich während der letzten Wochen eine große Baustelle beobachtet. Ich habe mich über die schwachen Fundamente gewundert, die mir für die Größe der Grundfläche zu schwach schienen. Irgendwo habe ich dann gelesen, daß hier, zwischen der Maria-Probst-Straße und der Lotte-Branz-Straße, ein neues Ankunftszentrum entsteht. Die Fundamente genügen für die aufgestellten Leichtbauhallen, die ich heute gesehen habe. Das Zentrum ist für 350 Flüchtlinge täglich ausgelegt. Am Tag der Eröffnung  kamen hier über 600 Flüchtlinge an. Die Meisten bleiben nicht hier in München, sie werden über die gesamte BRD verteilt.


Ich bin zufrieden mit meinen beiden Syrern. Sie bringen mich zu meinem Feierabend, zu meiner Familie. In der Maria-Probst-Straße erkenne ich nur einen kleinen Eingang. Über den Schotterplatz blickend, sehe ich auf der gegenüberliegenden Seite, an der Lotte-Branz-Straße, ein großes, geöffnetes Tor. Ich nehme meine zwei Fahrgäste mit auf die andere Seite, fahre durch das Tor. Eine Sicherungsposten, erkennbar nur durch eine gelbe Warnweste, empfängt sie gleich nachdem sie ausgestiegen sind, und verweist sie zurück auf die Maria-Probst-Straße. Dort hätten sie sich zu melden. Der Posten spricht kein Englisch und kaum Deutsch. Zugleich versucht er einen Schwarzen aufzuhalten, der mit einer weißen Plastiktüte das Lager durch das Tor verlassen will. Der zweite Posten, mit Dreadlocks und ebenfalls grellgelber Warnweste, kommt ihm zu Hilfe. Anders als der Erste, spricht er Englisch. Ich lade meine zwei Syrer wieder ein und bringe sie zurück auf die andere Seite. Ich frage woher sie die Adresse haben. Sie haben sie von ihrer Familie, die hier ist, oder war. Jetzt wird mir klar,  warum manche Flüchtlinge den Erstkontakt mit der Polizei vermeiden. Von dort können sie überall zugeteilt werden. Machen sie sich auf eigene Faust auf den Weg, sind sie sicher, auch dort anzukommen wo ihre Familie untergebracht ist. 

Ich bin jetzt auch nicht mehr weit weg von meiner Familie. Ich muß nur noch über die Ingolstädter Straße. Noch schnell den Post tippen und hochladen und dann ab ins Bett. Morgen ist Montag, da geht es früh los. Die Geschäftsleute wollen zum Flughafen. Bevor ich ins Bett gehe, schaue ich noch durch das Küchenfenster ob ich die Lichter des neuen Lagers in unserer Nachbarschaft erkennen kann.

Samstag, 18. Juli 2015

Zur Wäsche



"To the Marktstraße X, the laundry, please." 

Schon zum zweiten Mal ist mir hier vor dem Marriott-Hotel die Adresse als Fahrziel genannt worden. Diesmal ist es eine Frau mit zwei durchsichtigen Plastiktüten voller Wäsche in der Hand, die mir, nachdem sie auf der Rückbank Platz genommen hat, diese Adresse nennt.
Es dauert keine 10 Minuten bis wir in Schwabing in der Marktstraße vor dem Waschsalon stehen. Den Fahrpreis von 8,70bezahlt sie wie ihre Vorgängerin mit Kreditkarte. Zum Glück unterlässt sie es, anders als die Dame zuvor, nach Wechselgeld für die Waschmaschinen zu fragen.

Vor dem Münzwaschsalon

Am Anfang war das für mich schwer zu verstehen, warum die Hotelgäste mit dem Taxi in den Waschsalon fahren. Zudem das kein Einzelfall zu sein scheint. Einer meiner Fahrgäste, ein häufiger Hotel- und Taxigast in München klärt mich auf; es liegt an den Preisen. Die Meisten Hotels haben eine Wäscherei. Verlangen aber pro Wäschestück wie z.B. ein Hemd 10,-, für ein kleines Stück, z.B. Socken, 5,-für das Waschen.
Jetzt wird es mir klar. Das würde bedeuten, daß die zwei Plastiksäcke voller Wäsche meiner Fahrgästin auf mindestens 150,-kämme. Für diesen Preis kann man schon in den Waschsalon fahren - auch mit dem Taxi. 

Mittwoch, 15. Juli 2015

Taler, Taler, ...



Die Fahrt zum Flughafen passt mir ganz gut ins Konzept. In Ingolstadt versteigert ein Pfandleihhaus seine nicht ausgelösten Pfänder. In München könnte ich jede Woche auf eine Versteigerung gehen, aber in Ingolstadt gibt es nur ein Pfandleihhaus und dieses versteigert vier Mal im Jahr die nicht ausgelösten Pfänder.
Eine Stunde vor Beginn schaue ich mir die Waren in der Werkstattbühne des Stadttheaters Ingolstadt an. Anders als bei der Versteigerung in München, sind hier die 170 Pfänder, meist Schmuckstücke, sortiert und ordentlich beschriftet hinter Glas in Fächern anzusehen. Die einzelnen Stücke werden auch zur näheren Begutachtung ausgehändigt.

Nachdem ich mir einen kurzen Überblick verschafft habe, gehe ich wieder zurück auf den Schloßplatz. Samstags ist hier Markt. Zwischen Kartoffeln, Obst, Gemüse, Käse und Fleisch genieße ich mit einem kühlen Wasser die Sonnenstrahlen. 

Pünktlich, zur Versteigerung des ersten Stücks, verschwinde ich wieder in den kühlen, dunklen Vorraum der Ingolstädter Werkstattbühne. Auf einem Zettel habe ich mir die Nummern der für mich interessanten Stücke notiert. Wir sind ca. 30 Kunden. Mein erstes Stück, ein Bayerischer Silbertaler aus dem Jahr 1815 wird aufgerufen. Ich hebe die Hand und beobachte das Publikum. Ich sehe keine weitere Hand. 

"Zum ersten, zum zweiten ... Niiieeemand mehr? ... zum dritten. Der Herr an der Säule."
 
Der Auktionator senkt seinen Arm, verharrt in der Waagrechten, deutet auf mich. Ich habe den Zuschlag. In dem Moment taucht neben mir schon eine junge Dame mit einem kleinen weißen Papiertütchen auf. Ich gebe ihr den genannten Preis, sie übergibt mir den 200 Jahre alten Taler in der Tüte, den ich gleich in meine Hosentasche stecke.

Anders als in München, senkt der Auktionator hier nicht einmal den Aufrufpreis. Er lässt sich auch  auf kein Gebot aus dem Publikum ein. Wenn sich beim dritten Aufruf niemand meldet, geht er ruck zuck zum nächsten Stück. Ich ersteigere noch einen Zehntel Krügerrand. Im Krügerrand ist eine Unze Gold enthalten. Rand habe ich heuer erst als Trinkgeld von -> Hotelgästen aus Südafrika bekommen. Mein erster Krügerrand ist mit 1/10 oz auch der Kleinste den es gibt. In dem Papiertütchen ist er kaum zu spüren.
Bei dieser Auktion finden viele Stücke keine Käufer. Die Angestellten, die die Vitrinen zusammenpacken erkundige ich mich was mit den übrigen Stücken passiert. Die gehen in den Verkauf in den Laden. Selbstverständlich kommt dann bei den Schmuckstücken mindestens noch die Mehrwertsteuer dazu. Da denke ich bei mir, daß das jetzt die passende Gelegenheit wäre noch ein Geschenk für meine Frau zu kaufen. Ich frage ob ich denn die Ware noch zum Aufrufpreis kaufen könne.

"Jetzt schon noch ... " bekomme ich zur Antwort.

Ich habe am Vormittag schon ein Armband von Jette aus fast reinem Silber ins Auge gefasst. Jetzt ist es allerdings schon verräumt. Zum Glück habe ich noch den Notizzettel mit den Nummern bei mir. So muß die Dame nicht lange suchen. Ein Griff und schon hat sie die Papiertüte mit dem Armband in der Hand. Sie verkauft mir noch schnell, zwischen dem Wegräumen zweier Kisten, das Armband zum Aufrufpreis.
Auf dem Rückweg von Ingolstadt, stelle ich mich noch am Flughafen an. Es bietet sich an, vom Norden her kommend, die letzten Kilometer nach München noch einen Fahrgast mitzunehmen. Fünf Stunden Wartezeit habe ich um meinen Freunden unter den Kollegen meine drei neuen Schätze in den Papiertütchen in meiner Hosentasche zu zeigen, bis mir eine Frau nach Moosach zusteigt. Die Einnahme für die Fahrt verringern meine Ausgaben um 68,-

Rand und Taler

Für das Foto habe ich die Münzen auf die Tastatur des Computers gelegt, damit man sich die Größe besser vorstellen kann. Ich zeige die Rückseiten, Schwert, Zepter und Springbock sind mir sympathischer als König Maximilian I. oder Krüger. 

Taler, Taler, du mußt wandern, von einer Hand zur andern ... So beginnt das Lied zu dem bekannten Kinderspiel. Ich werde aber den Springbock des Krügerrands auf Reisen schicken. Das Armand ziert inzwischen den linken Arm meiner Frau und der Taler darf sich ausruhen - das hat er sich mit seinen 200 Jahren auch verdient.