Sonntag, 31. Juli 2016

Den seinen gibt´s der Herr ...



"Here!"
Er zeigt mir einen Ausdruck. Vier Stunden war ich schon am Flughafen gestanden, bis ich endlich Erster war,  und der Bärtige auf mich zukommt. Auf dem Zettel steht:

B&B Hotel München - Airport
Messerschmidtstrasse 1
85399 Hallbergmoos. 

Im ersten Moment kann ich mit der Adresse nichts anfangen. Das Hotel ist mir nicht geläufig. Hallbergmoos ist zwar keine weite Fahrt, aber der Verkehr am späten Abend hält sich in Grenzen, und so ist mir die zweite Chance nach der 20 Minuten Regel gewiss. Ich ziehe die Karte. Mein Fahrgast kommt aus London. Nach seiner Erscheinung, scheint de ursprünglich aus einem muslimischen Land zu stammen. Unterwegs erkläre ich ihm unsere Regel, und er ist zufrieden, daß ich mich nach der langen Wartezeit, nicht nur mit seiner kurzen Fahrt zufrieden geben muss.
Nach dem Bezahlen mit der Kreditkarte, will er mich, und so waren seine Worte, mit einem weisen Spruch belohnen. Er sagt, ich solle mich nicht um meinen Umsatz kümmern, Gott würde mir geben was ich verdient habe. 

Sommer Flughafen Taxi Terminal 2
Sommerabendstimmung zwischen den Taxis am T2

Ich habe keine Zeit um mich mit Sprüchen aus unserm Kulturkreis zu revanchieren. Auf dem Rückweg denke ich noch an die Vögel die ernten und doch nicht säen oder an jene, denen es der Herr im Schlaf gibt.
Nach der Ankunft gibt mir das grüne Licht eine zweite Chance. Der nächste Gast aus dem Terminal ist meiner. Und da kommt er auch schon. In seiner Hand hält er einen Lufthansa Voucher und sagt so etwas wie 'Flughafenhotel'. So das war es mit dem Lohn, der mir zusteht; dachte ich mir im ersten Moment. 

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich das Flughafenhotel als das Feringapark-Hotel in Unterföhring. Die Fahrt bringt mir zu den 19,-€ mit dem Londoner 58,30€. Der Flug meines jetzigen Fahrgastes wurde gecancelt, er muss noch eine Nacht in München verbringen, bis er morgen früh nach Amsterdam fliegen kann. Sein erster Voucher für die Fahrt zum Hotel steckt schon bei mir im Aschenbecherfach, den zweiten hält er noch in der Hand. Genau in dem Moment, als ich ihn fragen will, ergreift er das Wort.
"Willst du mich morgen früh wieder zurück zum Flughafen bringen?"
"Sicher, wann soll ich dich abholen?"
"Mein Flug geht um 7:15 Uhr, Boarding, die Fahrt, mmmhhhmm ... Machen wir fünf Uhr!?"
"Fünf Uhr ist OK. Ich bin um fünf Uhr bei dir vor dem Hotel."
Wir tauschen für alle Fälle noch unsere Karten aus.
"Dann hast du aber eine kurze Nacht."
"Du auch" ; verabschiede ich mich. 

Taxi vor dem Feringapark Hotel in Unterföhring
Taxiparade am Feringapark Hotel
Um fünf vor fünf treffe ich vor dem Hotel ein. Ich und noch sieben andere Kollegen. Jeder erwartet seinen Fahrgast oder seine Gäste die er am Vorabend in dieses Hotel gebracht hat. Bei der Rückfahrt laufen noch einmal 56,90€ auf das Taxameter. Wenn sich die weisen Sprüche bewahrheiten, habe ich jetzt was mir zusteht - und die anderen Kollegen, die sich am Abend die Flughafenfahrt am nächsten Morgen gesichert haben, auch.

Sonntag, 24. Juli 2016

Schüsse am OEZ



"Bist du gestern gefahren?" 

Das war die am meisten gestellte Frage unter den Taxifahrern am Samstag Abend. Es ging um die Schießerei am Vortag im McDonald´s und im -> Olympia-Einkaufszentrum in München. Ein Amokläufer hat dort acht junge Leute und sich selbst erschossen. Ich war auch unterwegs. Ich hatte eine vorbestellte Fährt vom Flughafen nach Mittenwald. Am Flughafen, ich wartete vor der großen Tafel auf meine Kunden, sprach mich ein Kollege an. 

"Hast du es schon gehört? Schüsse am Olympia-Einkaufszentrum. XXX hat ein Video hochgeladen."
 
Er zeigt mir das Video auf seinem Handy. Ich höre Schüsse und sehe Menschen wild über die Hanauer Straße laufen. Genau in diesem Moment kommen meine Gäste aus Minsk. Kaum sitzen wir im Taxi schalte ich das Radio ein. Die Meldungen überschlagen sich. Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum, am Stachus und am Tollwood. Die. Weißrussen werden unruhig. Sie bekommen die Unruhe mit. Über die Autobahn rasen Einsatzfahrzeuge. Hubschrauber sind in der Luft. Ich rufe meine Frau und Kinder an. Sie sollen Flughafen und Bahnhöfe meiden. Ich umfahre auf der A99 weiträumig den Münchner Norden. 

Taxistand McDonalds Hanauer Amok
Unser Taxistand war natürlich nicht anzufahren

Das Olympia-Einkaufszentrum ist unser Einkaufszentrum. Wir wohnen zwei Kilometer entfernt. Dort habe ich meine bisher zwei Brillen gekauft. Dort haste ich auf die Schnelle durch die Läden um in letzter Minute ein Geschenk zu finden. Dort frühstücke ich manchmal mit meiner Frau im ersten Stock. Im McDonald´s gegenüber war ich auch schon öfter. Dazwischen ist unser Taxistand, der Hanauer, direkt vor den Treppen zum Haupteingang des OEZ.
Auf dem Weg nach Garmisch kommen uns Polizei-VW-Busse im Konvoi entgegen. Ich übergebe dem Pensionswirt in Mittenwald meine Gäste. Sofort mache ich mich auf den Weg nach München. Im Rundfunk bittet die Polizei die Autobahnen in Richtung München nicht zu benutzen, damit die Rettungskräfte freie Fahrt haben. Der öffentliche Verkehr wird eingestellt. Die Straßen in München sollen menschenleer sein. Später in München, es ist schon 22 Uhr, schnappe ich meinen ersten Auftrag auf der Donnersberger Brücke für die Erika-Mann-Straße. Ein Informatiker hat Stunden im Büro ausgeharrt und jetzt endlich ein Taxi bekommen. Ich bringe ihn in die Schmellerstraße. Es it tatsächlich ruhig. Es fahren wenige Autos, keine Busse, keine Tram. An den Straßenkreuzungen stehen Leute und winken jedem Taxi, auch den besetzten, zu. Es sollen noch drei Täter mit Langwaffen auf der Flucht sein. Sie können überall sein. Die Meldungen von den Schüssen am Stachus und am Tollwood haben sich als Gerüchte entpuppt. 

CNN hat eine englischsprachige Zeugin, die im O-Ton erklärt, der Schütze hat Allaha ekber gerufen. Der Kunde sitzt noch im Taxi, steckt gerade sein Wechselgeld ein, als ich meinen nächsten Auftrag annehme. Der neue Kunde steht 300 Meter weiter in der Auenstraße. Ich bringe ihn nach Schwabing. Er hat auch die CNN - Meldung gehört. Immer noch suchen sie die drei Langwaffenträger. In Schwabing will ich mich mit meinem Kollegen in unserer Anlaufstelle, der ESSO - Tankstelle, austauschen. Die Tankstelle ist dunkel. Hinter den verschlossenen Glastüren sind Regale geschoben. Während der letzten zehn Jahren habe ich die ESSO nie verschlossen erlebt. Ich fahre zur ARAL in die Schenkendorfstraße. Hier stehen zwei Streifenwagen. Ein Polizist kauft tütenweise Softdrinks. Er packt Cola, Fanta, Sprite in den Kofferraum seines Wagens. Er hält inne, sagt dem Tankwart der Führungsstab hat anders entschieden. Hier erfahre ich, daß ein Täter, ein paar hundert Meter weiter am Ring entlang, tot im Park liegt. Die Leiche trägt einen Rucksack, der mit Hilfe eines Roboters gesprengt werden soll. Nach den neuesten Informationen nehme ich meinen letzten Auftrag an. Der Wirt eines China-Lokals hat für sein Küchenpersonal ein Taxi bestellt. Die Armen warten schon seit Stunden in ihrem leeren Lokal.  

Mit den Worten;
"Das sind meine Köche. Die müssen in die Wundtstraße."
setzt er mir drei Asiaten ins Taxi und bezahlt mir gleich die Fahrt. Ich versuche wiederholt ein Gespräch zu beginnen, aber die drei sprechen so gut wie kein Deutsch und kein Englisch. Das Fahrziel der Küchenbrigade liegt gleich bei mir um die Ecke. Für mich die letzte Fahrt.
Im Bett liegend höre ich immer noch die Hubschrauber über Milbertshofen und Harthof kreisen.
Erst am Samstag kann ich endlich wieder mit meinen Kollegen sprechen. Es gibt viel Neues;  daß die Taxis keine Fahrgäste hätten mitnehmen sollen. Eine Zentrale hätte das über Funk gemeldet. Die CNN-Meldung ist eine Ente. Es war ein klassischer Amoklauf. Der Vater des Amokschützen sei ein Kollege. Bei den türkischstämmigen Angehörigen hätte schon am Vormittag der türkische Außenminister angerufen, um sich zu erkundigen, wie er helfen könne. Von der Stadt oder vom Land Bayern hätte sich noch keiner gemeldet. Der Baggerfahrer Thomas hätte den Schützen von seinem Balkon aus beschimpft und seine Bierflasche nach ihm geworfen. ...
Jeder hat gestern und heute einen gefahren, der eine kennt, die die Freundin von dem ist, und der hat gesagt, daß ...
Ich belasse es dabei; nix gwies woas ma net.

Freitag, 22. Juli 2016

Geschäft des Lebens



Ruhig und gemächlich fahre ich Richtung Norden durch Schwabing. Ich achte darauf, daß ich in einem möglichst freien Gebiet bleibe, das von wenig MyTaxi-Kollegen besetzt ist. Es dauert auch keine zwei Minuten bis zum ersten Auftrag.
Ein Herr bestellt ein Taxi in der Leopoldstrasse, ich bekomme den Auftrag. Jetzt schalte ich vom Pirschmodus - schleichend, spähend, lauernd, langsam in den Jagdmodus - schnell und zügig um den Kunden in der Leopoldstrasse zu schnappen. Ich biege von der Kaiserstrasse in die Leopoldstrasse stadteinwärts ab, schon bemerkt ich den ersten der mir winkt. Keine zehn Meter weiter steht schon der nächste Winker. Der Ainmillerstand ist leer.
Nach der Franz-Joseph das gleiche Spiel. Alle naselang stehen Personen zum Teil auf der Straße die unbedingt ein Taxi wollen.  An der Stelle an der mir die App meinen Kunden als Piktogramm anzeigt bleibe ich langsam stehen. Sofort öffnen die Leute die Türen und wollen einsteigen. Ich frage nach den Namen des Bestellers. Der Dritte nennt mir den richtigen Namen und hat sein Taxi.
Sie sind zu Viert. Sie wollendem Fußballspiel in die Allianz Arena. Ein Testspiel, Fc Bayern gegen Manchester City. Mein Beifahrer bestätigt mir, was ich schon geahnt hatte. 

"Da ist was mit der U-Bahn. Die fährt nicht mehr." 

Zum Glück ist der Weg über die Leopoldstrasse und der Autobahn frei. Selbst die Zufahrt zum Stadion ist staufrei. Die Abzweigungen zu den Parkhäusern sind versperrt. Die Polizei winkt uns alle weiter. Ich bringe meine Gäste, wie alle meine Kollegen zum Nordeingang. Hier können die Fahrgäste sicher aussteigen.
Kaum bin ich leer, fahre ich zurück in die Stadt. Gerade habe ich die Autobahn in Freimann die Autobahn verlassen, stoße ich auf eine Menschenmenge in der Heidemannstrasse. Ich bekomme ein deutsches Paar und zwei Mexikaner, die spontan eine Fahrgemeinschaft gebildet haben. Wieder am Stadion, bezahlt das Paar und die zwei Mexikaner, die auf Europatrip sind, jeweils sieben Euro.
Die nächsten Kunden bekomme ich über die App. Diesmal starten wir von der Ungererstrasse, Höhe Alte Heide. Wieder ist es eine Vierergruppe und wieder ist das Ziel die Allianz-Arena. Das Spiel hat schon begonnen. Mein Beifahrer hält sein Handy quer und wir können auf dem kleinen Bildschirm sehen, was im Moment auf dem Spielfeld, keine zwei Kilometer entfernt, passiert.

 Ich kann nicht glauben, das der Run auf die Taxis noch anhält, deshalb schnappe ich mir den nächsten App -Auftrag. Die Kunden warten in der Ungererstrasse etwas weiter nördlich, gegenüber der Haltestelle Studentenstadt. Ich drehe wende mitten unter den Menschen, die jetzt immer aufgeregter ein Taxi wollen. Manche winken mit Ihren Eintrittskarten. Hätte ich das gewusst, hätte ich natürlich keinen Auftrag angenommen. Aber jetzt muß ich meinen Kunden finden. Ich rufe an, es meldet sich eine jugendliche Stimme. Ich will wissen wo sie sind. 

"Wir sind genau gegenüber der Bushaltestelle." 

"Ihr - und noch zweitausend andere. Wer seid ihr? Wie kann ich euch erkennen?"
Gefühlt jeder Zweite hat ein Handy am Ohr. 

"Ich bin der dunkelhäutige Junge mit dem weißen T-Shirt." 

Bingo! Jetzt hab ich sie. Da stehen die drei Teenager mitten in der Menge. Die drei sind wirklich freundlich und wohlerzogen. Jetzt bin ich nicht mehr so unglücklich einen App Auftrag angenommen zu haben. Die drei Kleinen gehören zuerst aufgeräumt. Ihr Fahrziel kennt ihr ja bestimmt. Von der Ungererstrasse fahre ich auf die A9. In der Ungerer, weiter nördlich, erkenne ich einen ganzen Löschzug der Feuerwehr, der mit Blaulicht auf der Straße steht. Dazwischen immer wieder Polizei. Ambulanzwagen fahren in alle Richtungen. Mir gefällt das nicht. Da ist nicht nur eine U-Bahn stehengeblieben. Ich befürchte Schlimmes. Ich bin Vater und sage den Dreien, dass wenn es an der Arena Chaos gibt, ich sie nicht dort aussteigen lasse. Stellt auch vor, euere Kinder sind auf dem Weg zum Fußballspiel und ihr bekommt eine Information über ein schreckliches Ereignis am Ziel euerer Sprösslinge. 

"Da ist nur was mit der U-Bahn." wenden sie ein. 

Woher sollen die auch mehr wissen. Es kann viele Gründe geben warum die U-Bahn nicht mehr fährt.
"Es sind Menschen auf dem Gleis."; höre ich von der Rückbank. Das beunruhigt mich noch mehr. An der Arena halte ich Augen und Ohren offen. Hier läuft alles hektisch aber geordnet. Es scheint friedlich zu sein. Ich lasse die Drei aussteigen, sie können wenigstens die zweite Halbzeit sehen.
Für mich ist Feierabend. Auf dem Weg nach Hause überholen mich noch zwei Ambulanzwagen und ein Streifenwagen mit Blaulicht.
Daheim erfahre ich, daß es eine Betriebsstörung bei einem U-Bahnzug gab. Der Zug blieb auf freier Strecke stehen. Die Klimaanlage wäre ausgefallen. Die Hitze in den Waggons stieg auf's Unerträgliche. Die Fahrgäste haben die U-Bahn verlassen. Die nachfolgenden Züge konnten nicht fahren ohne die, die schon ausgestiegen waren,  zu gefährden.


Kommentar unter der Meldung der tz im Internet
Die blockierte Linie U6 hat mir an diesem Abend vier Fahrten zusätzlich zur Allianz-Arena gebracht. Das war für uns Taxifahrer ein nettes Zubrot an einem ruhigen Sommerabend. Das Geschäft des Lebens, wie der Kommentator Lemtrix vermutet, schaut für uns Taxibetreiber anders aus als eine ausgefallene U-Bahn Linie.
Ich war schon wieder zu Hause als der dunkelhäutige Junge mit dem weißen T-Shirt anrief. Meine Telefonnummer hatte er vom Anrufprotokoll in seinem Handy. Er und seine zwei Freunde wollten wieder von der Allianz-Arena abgeholt werden. Ich hatte mich aber schon von meinem Geschäft des Lebens abgewendet und Feierabend gemacht.  

Montag, 18. Juli 2016

Schlaf



Zwei Abholungen vom Flughafen standen am gestrigen Sonntag auf dem Plan. Die erste Maschine aus Shanghai landet planmäßig um 5:35 Uhr und die zweite aus Detroit planmäßig um 8:00 Uhr.
Das bescherte mir ausgerechnet am Wochenende eine kurze Nacht und die Hoffnung am Sonnntag ausschlafen zu können ist gestorben. Bei den Fernflügen kommt noch hinzu, daß  sie oft früher ankommen. Ich kann also meinen Wecker nicht zu knapp stellen. Nichts Schlimmeres als nach dem Aufwachen festzustellen,  daß die Maschine, von der der Gast abzuholen ist, in 20 Minuten landet.
Diesmal war es wieder so, die Shanghai landete eine halbe Stunde früher. Mit meinem Fahrgast kam ich um 7:00 Uhr nach Bogenhausen. Meine nächste Maschine landet nach Plan in Zweieinhalb Stunden.
 Bogenhausen um frühen Sonntagmorgen ist ruhig. Einen kurzen Augenblick überlege ich mir meinen Freund an seinem Karussell im Englischen Garten zu besuchen. Heute ist Kocherlball, eine alte Tradition, die Dienstboten, also unter anderem auch die Kocherl, hatten keine andere Gelegenheit, sich, außer am frühsten Sonntagmorgen, zu treffen.  Zu dieser Zeit wurden sie von der Herrschaft am wenigsten benötigt.
In München wird jede Tradition beerdigt und aus allem ein Event gemacht. Jetzt verkleiden sich die Bürgerlichen als Kutscher, Dienstmagd oder Dorfdepp und belagern zur unchristlichen Zeit den Biergarten am Chinesischen Turm.

Taxistand Prinzregentenplatz
Taxistand Prinzregentenplatz - selten so leer
Am Prinzregentenplatz komme ich an dem verwaisten Taxistandplatz vorbei. Der leere Prinze, so wurde der Platz unter den modernen Kutschern genannt, bietet ein seltenes Bild.
Im Nu war ich dort der Erste und Einzige. Es dauert keine drei Minuten bis mir Mytaxi einen Auftrag beschert. Eine junge Dame will aus der Nähe des Ostbahnhofs ins Schlachthofviertel. Unterwegs torkeln uns Nachtschwärmer aus der Kultfabrik kommend über die Straße. Das bietet uns ANlaß uns über das Thema Schlaf zu unterhalten. Sie erfährt, daß ich schon seit halb Fünf wach bin und meine letzte Fahrt um 21:30 Uhr endet. 

"Da schlafen Sie aber schon dazwischen?"

"Selbstverständlich sonst würde ich das nicht aushalten. Zudem am Montag ganz früh die Konsultantenralley  beginnt." 


"Können Sie den am Nachmittag schlafen?"

Wir sprechen über Schlafzeiten. Ich berichte von meiner Erfahrung, daß eine Stunde Schlaf wenig bringt. Der Wecker reißt mich mitten aus der Tiefschlafphase und ich bin schlafdamisch. Das Gespräch wird immer interessanter und ich lerne dazu REM - Phase, Delta - Phase, ... Bis ich frage woher das profunde Wissen meiner Fahrgästin stammt.

"Ach wissen Sie, ich studiere Psychologie."

Aha, Taxifahrerin ohne Taxi - wollte ich schon einwerfen. Habe es dann aber lieber gelassen und mich über die ausführlichen Informationen über den Schlaf gefreut.
Die Maschine aus Detroit landete dann auch noch früher. Der Besuch am Karussell wird vertagt. Auf dem Weg über die Sonnenstraße sind mir dann noch weitere Nachtschwärmer über den Weg gelaufen. Die liefen zu den bereitstehenden Taxis. Darin sitzen hinter dem Lenkrad die Kutscher. Die Münchner Dienstleistenden stehen im Moment hinter den Tresen in den Bars, an den Empfängen und Küchen der Hotels, kehren die Straßen ... Die sollten doch jetzt im Englischen Garten auf dem Kocherlball sein. Da gibt es doch eine alte Tradition. Feiern tun da inzwischen andere, ist ja ein Event geworden.