Samstag, 28. Januar 2017

Happy Day ...!!!



Nur sechs Stunden stand mein Taxi auf der Straße vor der Türe. Mein letzter Kunde am Abend landet um 22:00 Uhr mit der KL aus Amsterdam. Bis er sein Gepäck vom Band nehmen kann und herauskommt vergehen noch einmal 30 Minuten. Eine halbe Stunde für die Fahrt nach Aubing. Um kurz nach 23:00 Uhr unterschreibt er vor seiner Haustür den Auftragsschein. Auf dem Weg nach Hause bleibe ich kurz an der Tankstelle stehen. Ich muss das Taxi noch aussaugen. Die Stoandl, die jetzt gestreut werden, trägt mir jeder Kunde ins Fahrzeug. Noch 20 Minuten bis Mitternacht. Ich beende meine Schicht. Fahrtenbuch aus dem Handschuhkasten. Die Kilometerstände und gefahrene Kilometer eintragen. Die einzelnen Fahrten, die ich handschriftlich im Kalender notiert habe, getrennt nach Bareinnahmen und Kreditfahrten (Mytaxi-Payment, iZettle, Rechnungsfahrt, ...) addieren und auf dem Schichtzettel notieren. Die Taxiuhr klassisch mit der Hand abschreiben und auf dem Schichtzettel eintragen. Die Taxiuhr mit dem HALE-Cey auslesen.
Zuhause die die Daten über meinen Laptop auf den Server überspielen und dort jede Kreditfahrt markieren und kommentieren. Die Bareinnahmen und -ausgaben in das Kassenbuch eintragen und entsprechend belegen. Schließlich die Quittungsdoppel der Quittungen die ich während des Tages ausgestellt habe hinter den Schichtzettel heften. Die Aufträge für Morgen eintragen und endlich ist um halb Eins Schluß. 

Um Sechs Uhr in der früh starte ich die Schicht. In der Steinstraße wartet der erste Kunde des noch jungen Tages. Während bei der Abfahrt die Seitenspiegel ausklappen, werfe ich einen Blick durch das Seitenfenster. Auf dem linken Rückspiegel klebt ein kleiner Zettel. Sofort schaue ich im Vorbeifahren auf die Seitenspiegel der parkenden Fahrzeuge. Ich kann keine weiteren Zettel mehr finden. Auf meinem Zettel hat ein Unbekannter mit schwarzem Filzstift eine lachende Sonne gemalt und mir einen glücklichen Tag gewünscht. 

Zur Verdeutlichung wieder aufgeklebt


Vielen Dank an den Unbekannten für die nette Geste. Du hast mir ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert. Wenn ich an meine Beschäftigung nach dem Schichtende und an das dümmliche Geschnatter vom Bürokratieabbau denke, wird aus meinem Lächeln noch ein Lachen.

Inzwischen kann ich mir schon denken wer mir den lieben Gruß an den Spiegel geklebt hat. Die drei Ausrufezeichen haben ihn verraten. Da kenne ich einen Kollegen, der beendet jeden Satz oder jedes Stichwort mit drei Punkten gefolgt von drei Ausrufezeichen. Heute Abend treffe ich ihn, da werde ich ihn fragen ...!!!

Donnerstag, 26. Januar 2017

Estragon



Drei junge Männer stehen vor dem Tantris, einem der zur Zeit fünf Restaurants in München, die sich mit zwei Sternen zieren dürfen.
Nachdem sie sich in meinem Taxi verteilt hatten, begann sofort mein Hintermann von dem Schwein zu schwärmen, das er soeben hatte. Es wäre das beste Schwein in seinem Leben gewesen, das hat er auch dem Koch bestellen lassen, der daraufhin aus der Küche an den Tisch kam. Der Koch hat ihm auch seine Telefonnummer gegeben, mit dem Hinweis er könne ihn jederzeit anrufen.
Hinten Rechts schmeckt die Zutaten zur Sauce Holandaise nach.

"Butter, Eigelb, ... " sinniert er " Und wie war doch gleich das Gewürz, ..."
"Estragon!" werfe ich ein.

Ich spüre drei Augenpaare die sich mir schlagartig zuwenden.
"Sind Sie vom Fach?"
"Nein." wiegle ich ab.

Das weitere Gespräch dreht sich um eine Komposition aus Seafood mit dem Namen Strandspaziergang. Wie es sich grundsätzlich damit verhält, Gerichten einen Namen zu geben. Über das Anrichten in der Sterneküche. Daß man mal wieder zum Dallmayr ( das zweite der Fünf-Sterne-Restaurants) gehen müsse. Die wären handwerklich sehr gut
.
"Aha, dann seid ihr also Köche?" frage ich.
"Nein, ... sagen wir, ...an der Gastronomie Interessierte." bekomme  ich als Antwort. Am Ziel angekommen, es ist der Bayerische Hof, der auch das Atelier Restaurant ( das dritte der Fünf-Sterne-Restaurants) beherbergt.

Während er bezahlt, fragt mich mein Beifahrer in der dritten Person;
"Kommt der Taxifahrer noch mit auf zwei Drinks?"

Und was antworte ich Depp?
"Nein, Danke. Ich muss noch fahren. In zwei Stunden habe ich eine Vorbestellung in Garching."
"Zwei Stunden - das könnte ja passen." versucht er es noch einmal.
"Nein, Danke." ; ich verpatze mir auch noch die zweite Chance.  

Pforte des Bayerischen Hof im Januar

Keine drei Minuten später, ich fahre um den Promenadeplatz, um mich hinten am Standplatz anzustellen, könnte ich mir in den Hintern beißen. Wann bekomme ich wieder eine Chance mit solch beschlagenen Menschen eine gute Stunde zu verbringen. Was ich hätte ich über die Sterne-Gastronomie in München lernen können?  Davon hätten auch meine Fahrgäste profitiert. Ich würde auch wissen wer genau hinter 'an der Gastronomie Interessierten' steckt. 

Das ist mir mehr wert als die 12,50€,  die mir nach einer Stunde Wartezeit, die Fahrt zum Künstlereingang des Gasteigs gebracht hat.
Obwohl der Gast auch nicht ohne war. Aber davon vielleicht später. Oder ihr schaut selbst nach. Seid aber bloß nicht so dumm wie ich heute und nutzt die Gelegenheit.

Montag, 23. Januar 2017

Solidarität



Was bringt mich dazu am Sonntag um halb acht aufzustehen, den Müll runterzubringen, und mich in ein ausgekühltes Taxi zu setzen? Solidarität!

Gestern waren wir, die ganze Familie, das was Couch Potatos genannt wird. Den ganzen Tag verfaulenzt. Von Shopping Queen bis Paranoia auf Pro 7. Selbst das Abendessen haben wir uns von Lieferheld kommen lassen. Die Teller blieben im Küchenschrank. Die Pizzakartons, in denen die Pizza Americana mit extra Kapern und die Pizza Hawai geliefert wurden, stecken jetzt in meinem Müllsack.
Ich habe gestern, meinen Vorsatz verwerfend, die gute Samstagnachtschicht sausen lassen. Heute, am Sonntag, hat meine Frau zwei Vorbestellungen. Eine Schaukel, besetzt zum Flughafen und von dort dann wieder besetzt zurück. Um ihr nicht das Gefühl zu geben, alleine arbeiten zu müssen und um mein Gewissen zu beruhigen, bin ich ohne einen anderen zwingenden Termin, mit ihr  aufgestanden.

Nein, diesen Morgen fange ich nicht am Domagkstand an. Obwohl der Standplatz vor dem Rilano Hotel ziemlich nahe und mit Telekom Hot-Spot ausgestattet ist. Für das kalte Taxi ist der Standplatz aber zu nahe.
 Langsam fahre ich die Ingolstädter Straße stadteinwärts. Standplatz Leopold ist schon besetzt. Die Scheiben tauen auf. Vier Kollegen stehen an der Münchner Freiheit. Ich fahre, inzwischen auf der Leopoldstraße, weiter durch das verschlafene, eisgekühlte München. Siegestor - hier stehen zwei Kollegen. Mich friert es immer noch wie einen Schneider. Also weiter, bin schon auf der Ludwigstraße. Der Standplatz am Odeonsplatz ist leer. Kein Wunder, wer wird denn hier um diese Zeit ein Taxi brauchen? Ich wage das Experiment. 

Auf der Ludwigstraße zum Odeonsplatz

Während ich auf meinen ersten Überraschungsgast warte biegt von der Briener Straße ein Fahrradfahrer ein. Das wäre nichts Besonderes hätte er nicht einen schwarzen Neoprenanzug an und ein Surfbrett unter dem Arm. Einer der Eisbachsurfer - in München nicht unüblich. Bei diesen Temperaturen allerdings macht der Eisbach seinem Namen alle Ehre. Respektvoll schaue ich dem harten Burschen auf dem Fahrrad hinterher, da steht schon ein älterer Herr, auf seinem Rollator gestützt, neben mir. Ich packe seine Gehhilfe in meinen Kofferraum. Er will zur Münchner Freiheit. Am Odeonsplatz sind die Aufzüge zur U-Bahn ausgefallen und die Rolltreppen fahren nur nach oben. Er hat sich erkundigt; die Rolltreppen fahren nicht nach unten damit sie den Schnee und den Rollsplitt nicht in die U-Bahnhöfe schaufeln. Somit kommt der Herr nicht zu seiner U-Bahn und ich habe meinen ersten Gast.  Auf seinen Zehner, mit dem er die 8,70€ auf dem Taxameter bezahlt, gebe ich ihm einen Euro heraus.

"Ist der aber kalt." ; bemerkt er.
"Der hat im Taxi übernachtet." erkläre ich ihm.

Aus den vier Taxis an der Freiheit sind fünf geworden. Ich bleibe nicht stehen, fahre weiter Richtung Norden. Ein Mytaxi-Auftrag beschert mir ein junges, indisches Paar. An der Osterwaldstraße empfangen Sie mich schon mit unglücklichen Gesichtern. Der Mann muss quick ins Hospital nach Bogenhausen. Unter Gejammer und schweren Atemzügen bringe ich meinen Patienten und seine fürsorgliche Begleitung über den Isarring und Effnerplatz zum Emergency Entrance.
Gleich vor dem Krankenhaus, am Engelschalkinger Stand, steigt mir, nach nur kurzer Wartezeit ein Kollege ein. Ich zeige ihm wie er den Beifahrersitz nach hinten stellen, und die Sitzheizung einschalten, kann.

"Ich weiß, ich weiß, ich fahre das gleiche Auto. Ich bin Fahrer beim Konsulat. Jetzt haben die mich kurzfristig angerufen. Ich muss heute kommen."
Konsulat und Engelschalkinger - da war mir das Fahrziel schon klar. Das Konsulat der Vereinigten Arabischen Emirate in der Lohengrinstraße. So war es dann auch. Acht Euro bekomme ich für die Fahrt.

Mein nächster Kunde, ein Kellner, ist auch auf den Weg zu seiner Arbeit. Er muss zu einem Restaurant in der Briener Straße. Auch er hat es eilig. Der Samstag, der Samstag, oh Gott der Samstag hat ihn geschlaucht. Jetzt ist er zu spät dran. Selbst die grüne Welle auf der Leopoldstraße einwärts kann ihn nicht mehr retten. Sein Chef wartet schon über eine Stunde auf ihn.
Ich kann nach der Tour am nächsten Standplatz nicht mehr solange warten. Der Chef meines zweiten Fahrgastes wird wahrscheinlich auch kein zweites Mal mehr solange auf ihn warten. Der erste Stammgast dieses Tages steht in meinem Terminkalender. Als zweiter schere ich aus der Reihe der wartenden Taxis am Max-Joseph-Platz aus. Mein solidarisches Aufstehen hat sich gelohnt. Selbst an einem wenig erfolgversprechenden, eisigen Sonntagmorgen finden sich Fahrgäste die froh um ein Taxi sind.

Donnerstag, 19. Januar 2017

Holiday Inn Express Munich City West



"Holiday Inn West."; nennt mir einer der zwei Finnen.

"Holiday Inn Express West."; ergänzt der Andere.

In meinem Kopf beginnt es zu rattern. Ich versuche herauszufinden welches der inzwischen etwa zehn Holiday Inn Hotels er in und um München meinen könnte. West, West - genau das kann ich jetzt brauchen. Um 17 Uhr von der Baumesse in Riem. Jetzt wollen die Finnen im dicksten Verkehr vom Osten in den Westen. Und ich weiß noch nicht mal wo hin genau die Fahrt gehen soll.
 Aber schon auf der Olof-Palme-Straße habe ich Holiday München West in mein Tablet eingegeben. Aha, das Holiday Inn Express Munich City West ist in der Friedenheimer Brücke 15.
Bei der Fahrt durch Bogenhausen denke ich an meine Anfangszeit als Taxifahrer  zurück. In München gab es zwei Holiday Inn Hotels. Im knappen Sprechfunkverkehr wurden Sie kurz und knapp mit Holinord oder Holisüd gerufen. 

Stieg ein Fahrgast ein und nannte als Fahrziel nur;
"Ins Holiday Inn, bitte."
konterte der gewandte Taxifahrer;
"In welches denn? Wir haben zwei."
Ja und dann wusste der Fahrgast am Bahnhof sofort, daß er in einer Weltstadt mit Herz  angekommen war. Auch wenn man Welt und Herz in München manchmal suchen muß, mangelt es aber nicht an Holiday Inns, denn es gibt gleich zwei davon.
 Daß sich der Fahrgast ins Taxi fallen lässt, dabei Holiday Inn schreit und der Taxifahrer sofort kommentarlos losbraust, gibt es nur im Kino, in Montpellier oder in Rastatt. Im Film ist es gestellt und die Taxifahrer in den beiden anderen Städten haben keine Wahl, denn die haben nur eins. Nur ein! Holiday Inn. 


Premiere vor dem Hotel

Und wir, wir hier in München haben so viel, daß sie der Taxifahrer, sein Wissen zeigend, nicht herunterbeten könnte. Zum Glück gibt es das Internet auch im Taxi. Da kann der Taxifahrer nach der Adresse googeln und alle anderen hier nachlesen. Ich bringe meine finnischen Bautechniker zu ihrem Holiday Inn Express Munich City West, zur Friedenheimer Brücke 15, etwa in Höhe des -> Birketweg. Unter dem Link findet ihr ein Foto der Baustelle. Früher war hier die indische Autoverwertung Sunji. Dort steht ein brandneues 320-Zimmer-Hotel mit kostenlosem Frühstücksbüffet und WLAN. In der Tiefgarage gibt es Parkplätze, aber keinen Wellness- oder Fitnessbereich. Dafür gibt es im Holiday Inn Helsinki Ruoholahti eine Sauna. Und München gibt es Taxifahrer, die recht gscheid reden können, wenn sie im Stau in der Prinzregentenstraße die geöffnete Holiday Inn Webseite auf ihrem Tablet auf den Knien haben. Das es in Helsinki vier Holiday Inns gibt, wissen nicht mal meine Bautechniker aus den Weiten Lapplands.

Montag, 16. Januar 2017

Vom Winde verweht



"Das war der Wind!"

"A geh da Wind." 

"Gestern is scho a gscheida Wind ganga ..." 

"Des war a Auto" 

"Des muas scho groß Auto gwen sei" 

"Wia dadadan des do hi kema?" 

"... a Lastwogn" 

" ... a Baumaschien" 

Wir fahren die Leopoldstraße stadtauswärts. Gleich nach der Abzweigung der Ungererstraße liegt eine Litfaßsäule. Ein weiß-rotes Absperrband der Feuerwehr flattert um den Zylinder. Bis zum Ende der Fahrt in der Keferloher Straße könnten wir das Rätsel um die Ursache nicht lösen. 


umgeblasen

Am Samstag Abend dann, wir sind mit dem Schützenverein beim Da Giovanni, bekomme ich die Auflösung. Polizisten wollten einen Fahrer, der mit einem DriveNow Fahrzeug von BMW unterwegs war, stoppen um ihn zu kontrollieren. Der Fahrer gibt Gas, rast über die Briener Straße zum Odeonsplatz, biegt links ab und brettert mit über 100 Sachen die Ludwigstraße auswärts. Der Polizei ist die Verfolgung zu brenzlig. Ein zweiter, über Funk gerufener, Streifenwagen kann den kleinen BMW auch nicht zum Anhalten zwingen.
Auf der Kreuzung mit der Ungererstraße verliert dann der Fluchtfahrer die Herrschaft über seinen gemieteten Wagen und prallt an die Litfaßsäule die daraufhin umkippt. Die Airbags werden ausgelöst und der Fahrer verschwindet zu Fuß. 

Bis jetzt, Sonntag Nachmittag, hat man ihn noch nicht gefunden. Seine Identität wird aber schon festgestellt sein. Die Fahrer sind ja bei DriveNow bekannt und es wird nachvollziehbar sein, wer wann mit welchem Fahrzeug unterwegs war. Nach dieser Information vom Stammtisch, habe ich die liegende Litfaßsäule doch noch fotografiert. An der Stelle komme ich jeden Tag fünf Mal vorbei.
Bei der nächsten besetzten Fahrt über die Leopoldstraße kann ich meine Fahrgäste brühwarm informieren. Der Wind hat die Säule nicht umgeworfen, aber der, der Sie umgeworfen hat, ist vom Winde verweht.