Montag, 7. August 2017

Tarjeta, Taxi und die Linea Tres




Meine zwei Damen vor ihren ersten Entdeckungen
Und wieder eine Stadt, die größer als München ist, und ein für jedermann verständliches Tarifsystem bei ihren öffentlichen Verkehrsmitteln hat.  Wir kaufen uns für 9,95 € ein T-10, ein Tarjeta diez. Ein Papierticket, etwas größer als eine Kreditkarte mit einem Magnetstreifen. Damit fahren können wir 10 Mal mit der Metro fahren. Ganz simpel - es gibt keine Streifen umzuknicken. Wir stecken die Karte in den Schlitz, die Glasbarrieren gleiten zur Seite, wir können ab jetzt eine Stunde 15 Minuten die Metro benutzen. Zuerst schicke ich meine Frau und Tochter durch die Glastüre. Ich gehe als letzter und nehme das Ticket mit. Auf dem kleinen Monitor kann ich beobachten wie eine Fahrt nach der anderen abgezogen wird. Die Einzelfahrt kostet 2,15€. T-10 ist um die Hälfte billiger.
Unser Hotel liegt an der Linea 3, in der Nähe der Haltestelle Vallcarca. Ein glücklicher Umstand, den mit der Linea 3 erreichen wir, ohne umzusteigen, einige Hot Spots Barcelonas. Den Passeig de Grácia (Shoping), Drassanes (Hafen und Rambla) und Espana (Nationalpalast und alte Stierkampfarena). Das ist besonders für mich wichtig, während der nächsten Tage werde ich manchmal zweimal täglich unsere Linea Tres nutzen. Das Ben Tips, in der Avinguda de la República Argentinia, direkt an der Station Vallcarca, wird sich für uns zum festen Treff- und Anlaufpunkt entwickeln. 

Der erste Weg führt uns ans Meer, das bin ich meiner Frau schuldig. Der Placa del Portal de la Pau, auch zu erreichen mit der Linea Tres, wird vom Kolumbus Denkmal eingenommen. Auf einer 60 Meter hohen Säule steht Christoph Kolumbus und zeigt mit gestrecktem Arm Richtung ... Amerika? Nein, er zeigt nicht auf den Kontinent den er nach den Ureinwohnern, die über die Bering Straße kamen, oder Leif Erikson, betreten hat. Er zeigt nach Palma de Mallorca, Tunesien, Äthiopien ... Würde er nach Amerika weisen, würde er dem Meer seinen Rücken zudrehen und mit heroischer Geste ins Landesinnere zeigen. Das wäre zwar korrekt aber für einen Seehelden nicht würdig und für die Katalanen nicht schicklich. Den Fuß der Kolumbussäule bewachen acht riesige Löwen aus schwarzem Stein. Die vier Löwen die nach Amerika, ins Landesinner blicken, sitzen brav auf ihren Hintern. Die vier anderen, die Meerlöwen, haben sich schon erhoben und sind zum Sprung nach Nordafrika bereit.  Die Touristen, überraschend viele aus Südamerika, machen keinen Unterschied zwischen den Löwen, sie reiten für ein Foto auf allen. 

Kolumbus und seine Löwen

Nach der Hafenrundfahrt besteigen wir an einem der 280 Taxistandplätze Barcelonas eines der schwarz-gelben Taxis. Der Taxifahrer spricht, wie übrigens alle auf die wir hier gestoßen sind, ausreichend englisch.  Der eine besser, der andere etwas weniger - aber alle gut genug um die Fahrgäste zum Ziel zu bringen.     

Samstag, 5. August 2017

Grenzwert



Martin hat ein Foto auf Facebook gepostet. Ein Doktor, vielleicht ein Arzt, hat einen Leserbrief zum Thema Stickstoffdioxidgrenzwerte  an eine Zeitung geschickt. Der Leserbrief wurde veröffentlicht, aus der Druckausgabe der Zeitung fotografiert und in Facebook gestellt. Inzwischen bin ich im Internet wiederholt auf das Foto des Artikels gestoßen. 

Der Autor des Leserbriefes weist auf die deutlich verschiedenen Grenzwerte der Stickstoffoxide des Umweltbundesamtes in Bezug auf das Dieselfahrverbot und der MAK, der maximalen Arbeitsplatzkonzentration, hin.

Ich konnte es nicht glauben, aber ich habe die Zahlen auf den Seiten des Umweltbundesamtes und im Ärzteblatt noch einmal gefunden. Es stimmt; der Dieselfahrverbotgrenzwert liegt bei 40 und der Grenzwert für die Dauerbelastung am Arbeitsplatz liegt bei 950 Mikrogramm Stickstoffdioxide auf einen Kubikmeter Luft. 517 Messstellen sind über Deutschland verteilt. An nur 14 Stationen überstieg der Grenzwert im Jahresmittel 60 Mikrogramm/Kubikmeter. 2016 meldeten, jeweils im Jahresmittel, nur 27% der Stationen überhaupt eine Überschreitung. Bei 73% der Stationen blieb der Wert unter den 40 Mikrogramm/Kubikmeter. 

Diesel im Taxi   Wie lange noch?

Stickstoffoxide entstehen bei Verbrennungsprozessen - auch in Kraftwerken. Der meiste Strom wird durch Verbrennung von fossilen Energieträgern gewonnen. Dabei ist es egal ob ich ein Ökostromangebot meines Kraftwerkbetreibers nutze. Nichts ist wie es scheint - es ist so wie es ist! Es gibt nur ein Stromnetz. Regenwald-, Gelbe Sonne oder Grüner Frosch Strom sind die Ergebnisse der des Greenwashing der Marketingagenturen im Auftrag der Energieriesen. 

Die größte Stickstoffoxid-Dreckschleuder Münchens ist das Heizkraftwerk Nord in Unterföhring. Obwohl hier der Müll der Landeshauptstadt verheizt wird, müssen jährlich 800 000 Tonnen (auch eine Zahl, die ich anfangs nicht glauben wollte) Kohle zugeführt. Dabei entstehen zwischen 15 und 20% der gesamten Münchner Stickstoffoxide. Wenn jemand den Auspuff an einem Elektroauto sucht - hier in Unterföhring, die drei Tag und Nacht rauchenden, 120 Meter hohen Kamine des Heizkraftwerks - hier sind sie!
60% der gigantischen Kohlenmenge kommt aus Russland und Nordamerika. In den Motoren der Frachtschiffe, die den Atlantik überqueren, wird HLO verbrannt. Heavy Liquid Oil, die zähflüssige, schwarz schimmernde Pampe mit der Konsistenz von Kartoffelpüree. Schweröl, ein Abfallprodukt der Raffinade, dagegen ist Diesel Wasser aus der jungen Isar.
Angesichts dieser Fakten wird mir bewusst, warum während dieser, zur Zeit alles beherrschenden Dieseldiskussion, im Mainstream nur sehr zurückhaltend mit Zahlen argumentiert wird.
Dem Leserbriefschreiber und Martin sei Dank, daß sich wenigstens eine Handvoll Taxifahrer ein paar Gedanken über die wahren Stinker machen.

Donnerstag, 3. August 2017

International Business



Gerade sind wir in Barcelona gelandet. Es ist für uns alle das erste Mal. Wir sind zu dritt, meine Frau Vesna, meine kleine Tochter und ich. Selten, daß wir Urlaub zusammen machen, nur zu den höchsten Feiertagen sind wir dann einmal alle vier komplett. Aber jetzt sind wir zu dritt, was auch schon mal ein kleiner Erfolg ist. 

Barcelona ist ein Kompromiß. Ich bemühte mich ein Ziel zu finden, das uns allen etwas bietet. Ein Strand für meine Frau, ein Swimmingpool auf dem Dach des Hotels und WLAN für meine Tochter und etwas zum Anschauen für mich. Spanien war klar - ich möchte die Sprache lernen. Für uns alle drei  sind Touristen in bunten T-Shirts, Gummibadelatschen, Strandhotel, Büffet, ... ein Ausschlußkriterium. Das mag überheblich klingen, ja - snobistisch, will ich es in meinen Fall nicht nennen.  Würde mir das Geld nur so zu fliegen, säße ich nicht morgens um 4:30 Uhr im Taxi. Ich bin eng eingespannt und meine Zeit ist sehr wertvoll.

 Wertvoller als bei manchen Geschäftsleuten  im Taxifond. Jede freie Minute wird genutzt, sofort der Laptop aufgeklappt, wichtige Telefonate geführt,  ... und wenn ich dann den Output, die Performance oder das Betriebsergebnis anschaue, denke ich mir im Stillen, daß es besser gewesen wäre, wenn wir alle zuhause geblieben wären. 

Ich muß mich zusammenreißen, ich schweife ab. Im Grunde kann ich heilfroh sein, letztlich sind es die Söldner des Kapitals, die die Immobilienpreise steigen, das Fiatgeld international und national rotieren, und den Euro noch bestehen lassen. Tacheles;  wir machen Reibach wenn ich sie zur Maloche kutschiere, und das lass ich mir noch bezahlen.

Auch in Barcelona

Lange Rede, kurzer Sinn; lieber kürzer Urlaub, aber gscheid. Und so sind wir für sechs Tage in Barcelona gelandet. Raus aus dem Flughafen und rein ins Taxi. Es kommt mir so vor, daß in Spanien die Reihenfolge an den Taxistandplätzen strikter eingehalten wird als bei uns. Es soll in Spanien, anders als hier in Deutschland, nicht möglich sein, sich ein Taxi aus der Reihe auszusuchen.
Zumindest in Madrid bezahlt der Fahrgast, wenn er am Flughafen einsteigt, einen Zuschlag von 5,00 € auf den Tarif. Beim Zusteigen an einem der vier Bahnhöfe Madrids beträgt der Zuschlag 2,50 €. Das ist die Erklärung für meine Beobachtung an der Estación de Atocha. Direkt vor dem Bahnhof stehen im Verhältnis zu seiner Bedeutung nur wenige Taxis. Ein Bahnhofsviaker schaut sich das natürlich mit anderen Augen an als ein Fliesenleger. An der gegenüberliegenden Straßenseite, tummeln sich, immer langsam rollend, zum Bahnhof spähend, eine Menge Madrilenischer Kollegen. Die Einheimischen sind dort rege zugestiegen. Zunächst dachte ich, das hätte was mit dem fürchterlichen Anschlag 2004 (ich war das erste Mal 2008 da) zu tun. Act as the Locals und schwupps springe ich auch auf die Rückbank des Kollegen gegenüber des Bahnhofs. Ich deute auf die Taxis am Bahnhof und frage;

"Warum steigt da niemand ein?" 

Der Kollege informiert mich über die Bahnhofsgebühr. Die Flughafengebühr kannte ich schon. In Barcelona erwischen wir einen marokkanischen Kollegen. Er bekommt auch Aufträge über Mytaxi. Auf dem Kofferraum seines Toyotas steht der Schriftzug. Nachdem wir die ersten Worte gewechselt haben, vertrauen wir ihm an, daß wir Taxifahrer in München sind. Ich öffne meine Mytaxi Fahrer App, die er sofort erkennt. Mein Fahrertemplate funktioniert auch in Barcelona. Die Aufträge schneien nur so herein. Ununterbrochen klingelt mein Handy. Fahrtangebote über Fahrtangebote brechen herein. Ich unterstelle ihm, daß er ja reich sein müsste bei dem Geschäftsgang.  Er winkt ab, das seien nur sieben, acht Euro Fahrten. Höchstens zwölf Euro. Er stellt sich lieber an den Flughafen, da bekommt er eine 25 oder 30 Euro Fahrt. Wie wir so radebrechen, versuche ich mein Mytaxi zu schließen. Es will mir kaum gelingen. Kaum habe ich einen Auftrag weggeklickt, poppt schon der Nächste auf. Wie ich so auf mein iPhone herumhacke, passiert was wohl passieren muss. Ich nehme einen Auftrag an. Beide Taxifahrer werden augenblicklich still. Mein marokkanischer Freund und Mytaxikollege weis genau was ich  angestellt habe. Irgendwo im Passeig de Sant Antoni wartet jetzt ein Señor auf eine S-Klasse mit dem Kennzeichen M-VR-511 und einem Reinhold Franz Siegel hinter dem Steuer. Was tun? Würde ich das Drehbuch für eine Komödie schreiben, hätte ich schon eine Lösung. Ich bitte den Taxifahrer mir sein Taxi zu leihen, lasse ihn mit meiner Familie als Pfand in einem Kaffeehaus, fahre, Mytaxi zeigt mir ja den Weg zum Kunden, in den Passeig de Sant Antoni und der Spaß beginnt. In dem Moment war uns aber nicht nach Gaudi. Ich storniere, wissend daß man das nicht tun soll, mit hochrotem Kopf den Auftrag.

In fremden Taxis - nichts annehmen
    
Mit uns hat der Kollege Flughafenfahrer Glück gehabt. Unser Hotel liegt, am Berg, nahe des Park Güell, das bringt ihm 40 Euro mit Trinkgeld. Trotz der profitablen Gewinnaussichten im Iberischen Ausland öffnen wir dort nur noch die Fahrgast App von Mytaxi. Is gscheider.