Sonntag, 5. November 2017

Pinotxo Bar



Taxi vor der Boqueria


Mit lautem Zischen fallen die Chuchos ins heiße Fett. Seit Generationen frittieren die Konditormeister mit ihren Gesellen das süße, katalanische Gebäck in einer Bäckerei in El Reval, einem der ältesten Viertel Barcelonas. Die richtige Temperatur und die Dauer des Frittierens ist der Schlüssel zu dem Gelingen des Leckerbissens aus Croissantteig. Schließlich werden die Chuchos mit weißem Kristallzucker bestreut. Täglich höchstens 60 Chuchos bekommt Don Juanito. Er betreibt die Pinotxo Bar in der Boquerìa. 

Barcelona Pinotoxo Bar Boqueria Juanito
Juanito, ein perfekter Gastgeber

Gleich nach dem bekannten Haupteingang zu dem Markt gehe ich nach rechts und finde am  nächsten Seitengang. Juanito mit seiner weiß-rot gestreiften Weste in seiner Bar. Die kleinen, bunten Holzpuppen die an der Säule hängen sind ein Hinweis auf den Namen der Bar. Pinocchio wird in Spanien Pinocho genannt, aber in Katalanien heißt er Pinotxo.
Don Juanito ist schon etwas älter, trotzdem bedient er flink eine Handvoll Gäste gleichzeitig. Nebenbei gibt er seien Angestellten noch kurze Anweisungen. Zwei Spanier, die vorbeigehen, erkennen ihn und stupsen sich an. Mit einer kleinen Geste deutet der Eine auf ihn. Juanito erkennt die Situation. Er lächelt, fühlt sich geschmeichelt. 

Ich trinke meine Infusion. Lasse meinen Blick über den Tresen wandern. In einer Edelstahlschüssel entdecke ich noch fünf restliche Chuchos. Ich habe Glück. Diesmal bin ich, obwohl es schon Mittag ist, und die Pinotxo schon um 6 Uhr morgens öffnet, nicht zu spät. Natürlich bestelle ich mir sofort eines. Don Juanito quittiert meine Bestellung mit einem verständigen Nicken.
Keine 20 Sekunden später halte ich zum ersten Mal ein Chucho in der Hand. Es ist genau richtig. Außen knusprig und innen weich. Die Vanillecreme ist perfekt portioniert. Juanito hasst es wenn zu viel Creme in den Chuchos ist, die dann über die Finger der Kunden läuft. Meine Finger lecke ich mir trotzdem ab. 

Inzwischen habe ich auf dem -> Barcelona Blog von anderen, authentischeren Märkten in Barcelona gelesen, die ich bei meinem nächsten Besuch aufsuchen werde. Aber wegen Juanitos Chuchos werde ich mindestens einmal in die Boquerìa zurückkehren.

Freitag, 3. November 2017

Ingolf treibt mich übers Land



Für den Namen hat der Namensgeber tief in die althochdeutsche Wörterkiste gegriffen. Herwart - Hüter des Heeres- ist der Name des Sturmtiefs, welches letzte Woche über uns hinweggefegt ist.
Mein Sturmtag begann ganz früh mit einer Fahrt zum Flughafen. Sonntags morgens kann ich mich, ohne den Umweg über den GAT-Speicher, direkt unter die Brücke am Terminal 2 anstellen. Als erstes checke ich meinen neuen Twitter Account, werde dort mit einer Meldung von Hamburger Kollegen konfrontiert. Der Sturm hat am Hamburger Flughafen einen Bauzaun aus der Verankerung gerissen, auf die Taxis geschleudert und dabei zum Glück nur Sachschaden verursacht. 

Keine zwei Stunden später wiederholt sich hier bei uns in München das Hamburger Szenario. Seit Monaten werden am Flughafen München, am Terminal 2 Nordseite, die Bordsteine am Busparkplatz umgebaut. Die Baufirma stellt dabei immer wieder ihre Bauzäune um. Während des Wochenendes liegen die einzelnen Segmente des Zaunes, die, verhängnisvoll mit einer weißen Pläne bespannt sind, aufgestapelt zwischen den Baumaschinen. Der Wind hat sich in den Stapel verfangen, die obersten drei Segmente mitgerissen und in die Reihe der Taxis geschleudert. Dabei wurden die Taxis zerkratzt und/oder die Scheiben eingeschlagen.

Taxi München Flughafen Sturmschaden Herwart Bauzaun auf Motorhaube
Am T2 Speicher

Taxi München Flughafen Sturmschaden Herwart Heckscheibe
eingeschlagene Heckscheibe

Bauzaun Taxi München Flughafen Sturmschaden Herwart
Bauzaun zwischen Taxis

Nach weiteren Stunden des Wartens, der Sturm hat die Landungen der Maschinen verzögert, bin ich endlich erster. Ich bin heilfroh als mich ein Paar fragt wieviel die Fahrt zum Flughafen Salzburg kostet.
Schnell gebe ich eine beliebige Straße in Salzburg ein und multipliziere die Anzahl der Kilometer mit dem Kilometerpreis mit Hilfe des Taschenrechners in meinem Handy. Der Mann, Taxiunternehmer in Kärnten, wie ich später erfahre, blickt mir über die Schultern. Dabei sieht er das Ergebnis auf dem Monitor. Ich erhasche ein leichtes Zucken in seinen Mundwinkeln und nenne einen Preis unterhalb des angezeigten. Bereitwillig stimmt er zu. Die Fahrt kann beginnen.
Schon in Ismaning fange ich an zu bereuen den Auftrag angenommen zu haben. Das Radio meldet noch immer heftige, orkanartige Sturmböen im Alpenvorland. Und was noch schlimmer ist, eine Totalsperrung der Autobahn A8, München - Salzburg, auf allen beiden Fahrtrichtungen in Höhe von Traunstein. Das trübt meine Freude an der weiten Fahrt.
Eigentlich wollten meine Fahrgäste, von Brüssel her kommend, am Salzburger Flughafen landen. Aber eben genau diese Böen machten die Landung in Salzburg nicht möglich. So ist die Maschine zurück nach München geflogen, ist dort drei Mal gekreist und schließlich gelandet. Das Auto der Beiden stand im Parkhaus am Flughafen in Salzburg. 

Ich kann die Autobahnsperrung schon auf meinem Navi sehen. Ich gebe eine beliebige Adresse in Traunstein als Ziel ein. Ich werde nach dem Chiemsee einfach die A8 verlassen, in Richtung Traunstein fahren und dann nördlich, parallel zur Autobahn in Richtung Salzburg weiterfahren.
In letzter Minute, ich verfolge aufmerksam die Meldungen im Radio, wird die Sperre aufgelöst. Wir bleiben bis kurz vor der Grenze auf der Autobahn. Um mir das Pickerl zu sparen, fahre ich über Weißbach, Schwarzbach (beides noch in Bayern) und Himmelreich (schon in Österreich) zum Flughafen. Direkt vor dem Parkhaus lasse ich meine Gäste aussteigen. 
Taxi Tankstelle Innsbrucker Landstraße Fahnen
Tankstelle am Flughafen Salzburg


An der BP-Tankstelle, an der Innsbrucker Bundesstraße, mache ich Rast. Der hier namenlose Sturm hat die Werbefahnen runtergefetzt. Von hier telefoniere ich mit Christian, gestern wollten wir uns in der Nähe der Allianz-Arena treffen. Was wir aber leider verschieben mussten. Wer hätte gedacht, daß und das so bald gelingen wird. Wir verabreden uns am Gut Staudham an der 304 bei Wasserburg nach Reithmering.
Christian zeigt mir das Gebäude und den Antiquitätenhändler und Möbelrestaurator im Hof des Gutes. Die Gaststätte heißt treffend LandWirtschaft. Bis ich endlich spät in der Nacht nach Hause komme ist von dem Sturm nur noch eine leichte Brise zu spüren.
Ach ja; Ingolf hieß der Sturm als er noch jung war - in Skandinavien.




Strecke München Salzburg MUC SZG
MUC - SZG - Wasserburg - München