Freitag, 4. Mai 2018

Off - On The - Road 1


“Ich schick dir mal eine WhatsApp. Mach mir mal ein Angebot.”

Wolfram von -> Taunustaxi ist wieder am Telefon. Das bedeutet; es könnte eine außergewöhnliche Fahrt entstehen. Es ist schon 21:30 Uhr, soeben habe ich eine Schottin zum Flughafen gebracht. An der AGIP-Tankstelle schaue ich mir den Auftrag an. Der Kunde ist in Straubing und muß nach Wiener Neustadt. Schnell finde ich die Entfernungen über Google Map. Vom Flughafen nach Straubing sind es 110 Kilometer, das heißt, ich kann in einer Stunde dort sein. Zum endgültigen Ziel, nach Niederösterreich sind es von Straubing weitere 400 Kilometer. Von Wien nach München, die Entfernung ist mir bekannt, sind es noch einmal 450 Kilometer. 

Während ich auf die Freigabe warte, trinke ich einen Espresso im Voraus. Um 22:00 Uhr die Übernahme ist da. Es geht los. Ich habe schon eine satte Taxischicht hinter mir und jetzt wird der satte Brocken angegriffen. 

Es beginnt mit der meilenweiten Baustelle auf der A92 bei Moosburg an der Isar. Während ich einem LKW hinterherfahre, stelle ich mir einen Zeitplan für die nächsten zwölf Stunden auf.
Schlafen kann ich frühestens wenn der Fahrgast sicher ausgestiegen ist. Das wird etwa so um 4:00 morgens sein. Ob ich um diese Zeit in der Wiener Neustadt eine Schlafgelegenheit finden werde? Langsam muß ich mich wohl mit den Gedanken anfreunden im Taxi schlafen zu müssen. 
Als es nur noch eine halbe Stunde Fahrt zum Kunden ist, rufe ich ihn an.

“Bist fit?”; ist das Erste, das er fragt.
“Das ist mein Job.”; kann ich ihn, und auch mich, beruhigen.

Um 23:00 Uhr sehen wir uns auf dem Hof des Abschleppunternehmens und der Autovermietung. Auf dem Weg nach Hause zu seiner Familie erlitt er einen Unfall. Sein Auto wurde dabei so stark beschädigt, daß an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken war.

Karte Flugahfen Straubing Passau Strecke
Zum Feierabend ein Hacken über Straubing nach Passau


Zügig laden wir sein Gepäck in mein Taxi um. Die eigentliche Fahrt kann beginnen. Nach einer Stunde, etwa um Mitternacht, sind wir schon nahe der österreichischen Grenze bei Passau. Hier müssen wir anhalten um das Pickerl für die österreichische Autobahn zu kaufen. Wir decken uns auch gleich mit Proviant ein. Mit Cola und scharfen Kaugummis hoffe ich mir die Müdigkeit zu vertreiben. Bei Suben überfahren wir den Inn, aus der deutschen A3 wird die österreichische A8. Wir unterhalten uns und entdecken dabei eine kleine Gemeinsamkeit. Mein Fahrgast ist ein begeisterter Off-Roader. Er zeigt mir auf seinem Handy Fotos von seinen geländegängigen Jeeps. Viele Teile an seinen Fahrzeugen hat er geschickt selbst angefertigt. Er muß ein talentierter Mechaniker sein. Da kann ich mit meinem kleinen Daihatsu nur schwer mithalten. Ich erzähle ihm von meiner Fahrt in die Pyrenäen während des letzten Sommers. Er will mit Freunden, die sein Hobby teilen, heuer nach Ungarn fahren. So verschaffen wir uns Kurzweil.
Ich zähle und rechne mit einem Blick auf den Kilometerzähler immer mit.

“Jetzt haben wir ein Viertel ... Jetzt ein Drittel ... Jetzt schon die Hälfte ...”

Plötzlich erscheint in fettem Rot REIFENLUFTDRUCK auf dem Monitor. Ich tippe mich durch das Menü des Bordcomputers. Starte eine neue Messung des Reifendrucks. Es wird keine Fehlermeldung mehr angezeigt. Mein technisch versierter Mitfahrer meint, daß der Computer nur für eine kurze Sekunde das Signal eines der Sensoren im Reifen verloren hat und deswegen die Fehlermeldung angezeigt wurde. Ich lasse mich nur zu gerne trösten. Eine Reifenpanne können wir nicht auch noch brauchen. 

Wird fortgesetzt ... (klar, wir sind ja noch nicht in der Wiener Neustadt)

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